„Wer ist Gott?“

„Unsere Gehirne sind zu klein, unsere Kenntnis zu begrenzt, wir selbst zu sterblich, um das Leben so zu leben, wie es ursprünglich gemeint wurde, getrennt von der Kenntnis über Gott“. Diese Gedanken von Anthony Evans erscheinen den meisten Menschen unserer Generation fremd. Obwohl die Bibel eine sehr theozentrische Betonung hat, scheint der moderne Mensch, auch der moderne Christ, das zu übersehen. Jemand meinte: „Der moderne Mensch hat die Adresse Gottes vergessen“. Oft ist unsere Vorstellung von Gott alles andere als biblisch. Für den einen existiert Gott überhaupt nicht; für den anderen ist er ein „Daddy“, der für alles Verständnis hat; für andere ist er Urheber des Weltalls, der sich dann aber von der Welt verabschiedet hat; manche sehen Gott als Wunscherfüllungsautomat oder Wohlfühlautomat. Wer ist Gott, und wie ist Er? Diese Frage kann man nicht mit einer einfachen Definition beantworten. Paulus schreibt in Römer 11,33-36: „O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, daß Gott es ihm vergelten müßte? Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge“. Gott zu kennen ist ein großes Vorrecht und eine große Verantwortung. Gott zu kennen sollte das höchste Ziel des Lebens sein. Spurgeon schreibt dazu: „Die höchste Wissenschaft, die erhabenste Vorstellung, die stärkste Philosophie, die je ein Kind Gottes ergreifen kann, sei der Name, die Natur, die Person, das Werk, das Handeln und das Vorhandensein des großen Gottes, den es seinen Vater nennt“. Jeremia im Alten Testament und Jesus Christus im Neuen Testament stimmen damit überein. Jeremia schreibt: „So spricht der Herr: ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen daß er klug sei und mich erkenne, daß ich der Herr bin… (Jer. 9,22-23). Im Johannes-Evangelium drückt Jesus Christus es so aus: „Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus erkennen“ (Joh. 17,3). Wenn wir Gott kennen, können wir besser verstehen, wie wir leben sollten. Was wir glauben entscheidet wie wir leben. Wie wir leben ist ein Ausdruck dessen, was wir denken und glauben. Das ist ein Grund, warum wir ein richtiges Bild über Gott haben müssen, warum wir richtig über Ihn denken sollen. Gott hat viele Eigenschaften. In jeder Seiner Eigenschaften ist Er vollkommen. Keine Eigenschaft ist minderwertiger oder niedriger, ist hochwertiger oder besser als eine andere. Deshalb spricht man auch von den Vollkommenheiten Gottes. Im Folgenden werden wir uns auf acht dieser Vollkommenheiten beschränken: Souveränität, Allmacht, Allgegenwart, Allwissenheit, Unveränderlichkeit (Ewigkeit), Heiligkeit, Gerechtigkeit und Liebe. Souveränität Gott sitzt auf dem Thron des Universums als absoluter Herrscher. Die Souveränität Gottes betont Seine Stellung (Er ist das höchste Wesen überhaupt) und Seine Autorität (Er hat die höchste Macht). Gott hat die absolute Kontrolle über alles. Er kann alles tun, was Er will. Seine Handlungen werden immer von Seinem Willen und Wohlgefallen her bestimmt und nicht durch irgend etwas außerhalb Seiner selbst. Der Apostel Paulus schreibt über Gott: „. der alles wirkt nach dem Ratschluß seines Willens“ (Eph. 1,11). Wenn diese Aussage stimmt, dann gibt es kein zufälliges „Glück!“ Alles was passiert, muß von dem souveränen Gott genehmigt werden! Der französische Herrscher Napoleon wurde, als er an der Spitze seiner Macht war, gefragt: „Ist Gott auf der Seite der Franzosen?“. Er soll geantwortet haben: „Gott steht auf dessen Seite, der die schwerste Artillerie hat“. Jahre später, nach Waterloo, dem Verlust seiner Herrschaft und seiner Verbannung auf die Insel St. Helena, soll er gesagt haben: „Der Mensch schlägt vor, Gott beseitigt“. Gott tut Seinen souveränen Willen, trotz der Pläne der Menschen. Wenn Er souverän ist, dann hat Er unsere Anbetung verdient. Dann ist Er auch in der Lage, uns zu helfen – in jeder Lebenssituation! Allgegenwart Manchmal wissen wir nicht, wo Gott ist, aber wir können sicher sein, daß Er weiß, wo wir sind! Diese Vollkommenheit Gottes zeigt Seine Unendlichkeit in bezug auf Raum und bedeutet, daß Gott überall zur gleichen Zeit mit Seinem ganzen Wesen anwesend ist. Der Mensch kann sich nirgends vor Gott verbergen. Alle Wesen der Schöpfung sind räumlich gebunden. So sind wir Menschen entweder hier oder dort. Gott, und Gott allein, ist überall ganz und gleichzeitig gegenwärtig. Wenn wir von der Allgegenwart Gottes sprechen, meinen wir nicht, daß Gott überall am wirken ist, sondern daß Er mit Seinem Wesen überall anwesend ist. Seine Allgegenwart ist auch nicht eine Verbreitung, Vervielfältigung oder Teilung Gottes. Sein ganzes Wesen ist immer überall, nicht an einem Ort mehr oder weniger. David drückt diese Wahrheit in Psalm 139 so aus: „Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort dein Hand mich führen und deine Rechte mich halten“. Die Allgegenwart Gottes ist gleichzeitig Trost und Ermutigung zur Heiligung. Charnock betont mit Recht: „Kein Gedanke ist versteckt, keine Lust ist verborgen; das Auge Gottes sieht das eine und das andere und alles dazwischen. Er sieht in unsere Herzen, wenn wir denken, und beobachtet unser Handeln. Wir können die Sonne ausschließen, indem wir in die Dunkelheit fliehen, aber wir können nicht vermeiden, daß Gottes Auge uns immer beobachtet.“ Allwissenheit „Ich habe nichts zu verbergen, mein Leben ist ein offenes Buch“. Wie oft haben wir solche Worte von einem Politiker oder irgendeiner anderen bekannten Person gehört. Aber trotzdem können wir nicht in die Person hineinschauen. Doch es gibt jemanden, der alles weiß, auch alles in bezug auf uns Menschen – Gott! Die Allwissenheit Gottes ist eine Vollkommenheit, wobei Gott sich selbst und all Seine Werke perfekt kennt; nicht fortlaufend, sondern gleichzeitig. Gott weiß alles, was wirklich oder möglich ist. Bei Gott gibt es keine Stufen des Wissens. Er hat es sich nicht angeeignet oder gelernt; Er weiß alles ganz ohne Anstrengung. Sein Wissen umfaßt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. David spricht von dieser Vollkommenheit in Psalm 139: „HERR, du erforschst mich und kennst mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.“ Es gibt nichts in unserem Leben, das Gott überraschen kann. A. W. Tozer schreibt: Niemand kann uns bei ihm verleumden, kein Feind kann uns anklagen, kein vergessener dunkler Punkt kann plötzlich aus einem verborgenen Winkel hervorgeholt werden und uns demütigen und unsere Vergangenheit offen darlegen. Keine unerwartete Schwachheit unseres Charakters kann ans Licht kommen und Gott dazu veranlassen, sich von uns abzuwenden, denn er kannte uns schon, ehe wir ihn kannten, und rief uns zu sich in voller Kenntnis dessen, was gegen uns stand.“ Gläubige sollten das Verlangen haben, von Gott durchschaut zu werden. Für ungehorsame Christen und ungläubige Menschen ist diese Wahrheit ein furchtbarer Gedanke. Angesichts des endgültigen Gerichts, ist die Allwissenheit Gottes bedrohend! Allmacht Nur Gott wird in der Schrift als „allmächtig“ bezeichnet. Diese Vollkommenheit bedeutet, daß Gott alles tun kann, was mit Seinem Wesen und Charakter übereinstimmt. Jemand hat es so ausgedrückt: „Gott kann alles tun, was Er will, und tut es auch; aber Er braucht nicht alles tun, was Er kann, und tut es auch nicht“. Gott gebraucht Seine Macht ni
cht, um Menschen einfach zu beeindrucken, sondern um Seinen vollkommenen Willen zu tun und um sich selbst zu verherrlichen. Jemand wird fragen: „Aber stimmt es, daß Gott alles tun kann? Gott kann doch z.B. nicht lügen, Gott kann nicht sterben. Bedeutet das nicht, daß Gott nicht tatsächlich allmächtig ist?“ Die Antwort Augustinus gibt Klarheit: „Gott ist allmächtig, aber er kann nicht sterben, er kann nicht lügen, er kann sich selbst nicht verleugnen. Wie ist er denn allmächtig? Er ist deswegen allmächtig, weil er diese Dinge nicht tun kann. Wenn er sterben könnte, wäre er nicht allmächtig.“ Daß Gott das tut, was Er will und das nicht tut, was Er nicht will, zeigt, daß Er allmächtig ist! Gottes Allmacht wird deutlich in vielen Hinsichten: in der Schöpfung, durch Seine Wunder, durch die Geschichte, durch die Erlösung, durch die Auferstehung und durch Sein zukünftiges Kommen und Gericht. Seine Allmacht ist zugleich Trost für Gläubige, aber auch eine Warnung für Ungläubige. Unveränderlichkeit Jesu Bruder Jakobus schreibt: „Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel des Lichts und der Finsternis“. Diese Vollkommenheit Gottes bedeutet, daß Er sich nicht ändert. Gott wächst nicht, Er bleibt immer gleich. Er lernt nicht, und Er ändert Seine Pläne nicht. Es gibt keinen Wandel in Gott, Seinem Wesen, Seinem Charakter, Seinem Sinn, Seinen Gedanken oder Seinem Willen. Das bedeutet nicht, daß Gott unbeweglich, inaktiv oder statisch wäre, sondern daß Er weder inkonsequent noch wachsend ist noch sich entwickelt. Die Unveränderlichkeit Gottes hat eine Beziehung zu Seiner Ewigkeit. Wenn Gott einen Anfang gehabt hätte, gäbe es eine Änderung von einem „Nichts“ zu einem „Etwas“. Wenn Gott ein Ende haben sollte, gäbe es eine Änderung von einem „Etwas“ zu einem „Nichts“. Wir ändern uns, und es gibt so viele Änderungen in unserem Leben: z.B. Gewicht, Haut, Aussehen und Kraft. Bei Gott gibt es ausnahmslos keine. Er irrt sich nicht und wird das tun, was Er gesagt hat. Das ist eine deutliche Warnung in bezug auf die Folgen der Sünde. Er wird kein Auge zudrücken. In einer Zeit, in der Menschen ständig versuchen, Normen zu ändern und neue zu schaffen, bleibt Gott für immer gleich. Heiligkeit Diogenes, ein griechischer Philosoph, wurde unter anderem durch folgendes bekannt: Er besaß eine Lampe und soll damit überall und in jeder kleinen Ecke in Athen nach einem ehrlichen Menschen gesucht haben. Es ist gesagt worden, daß seine Lampe kaputt ging, ehe er einen solchen Menschen fand. Seine Suche war sinnlos. Die Bibel stimmt damit überein. Kein Mensch ist ehrlich / heilig. Unsere Suche bleibt hoffnungslos, bis wir unsere Aufmerksamkeit von Athen nach Jerusalem lenken. Gott (auch in der Person Jesus Christus) ist heilig! Diese Vollkommenheit Gottes bedeutet, daß Gott absolut rein ist, ohne moralische Fehler, und daß Er abgesondert von Sünde ist. A. W. Tozer schreibt diesbezüglich: „Heiligkeit ist Gottes Art. Um heilig zu sein, richtet er sich nicht nach einem Maßstab. Er selbst ist sich der Maßstab. Seine absolute Heiligkeit ist von einer unendlichen, unfaßbaren Reinheitsfülle, die unfähig ist, etwas anderes zu sein, als sie ist. Weil er heilig ist, sind auch alle seine Eigenschaften heilig. Das heißt, alles, was wir Gott zuschreiben, müssen wir uns heilig vorstellen“. Die Heiligkeit Gottes muß ein Ansporn für unser Leben sein und der Maßstab für unser Verhalten. In 1. Petrus 1,16 finden wir Gottes Aufforderung: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.“ Wie Dr. Charles C. Ryrie schreibt: „Das sollte alle nutzlosen Debatten beenden, was für den Christen erlaubt ist und was nicht. Unser Verhalten hat sich an der einfachen Frage zu messen: Ist es heilig? Das ist der einzige Maßstab für den Gläubigen. Er entspricht diesem Maßstab zwar nicht immer, darf ihn aber niemals aufgeben.“ Gerechtigkeit Gerechtigkeit hat eine enge Beziehung zu Heiligkeit und Recht. Gott hat eine interne Gerechtigkeit in bezug auf das, was Er ist, und eine externe Gerechtigkeit in dem, was Er tut. David schreibt in Psalm 11: „Denn der HERR ist gerecht und hat Gerechtigkeit lieb.“ Die Bibel zeigt deutlich, daß kein Mensch in sich gerecht ist. Da wir keine eigene Gerechtigkeit haben, müssen wir irgendwo anders suchen. Jesus Christus hat aber das Gesetz Gottes erfüllt und damit die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, erlangt. Und wir können durch den Glauben an Ihn diese Gerechtigkeit erlangen. Wir werden durch den Glauben an Jesus Christus gerecht- und freigesprochen. Gottes Gerechtigkeit ist belohnend und vergeltend. Der gerechte Gott wird eines Tages jede Übertretung strafen. Paulus betont: „Denn er (Gott) hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.“ Liebe Die Liebe Gottes ist eine Vollkommenheit, mit der Gott sich den Menschen zeigt und durch die Er mit ihnen kommuniziert. Liebe ist viel mehr als Gefühl. Sie beinhaltet Zuneigung und Berichtigung. Gottes Liebe hat das Ziel, uns Menschen die Summe aller göttlichen Vollkommenheiten aufzuzeigen und sie zu verherrlichen. Würde Gott Seine Vollkommenheiten für sich behalten, wäre das „lieblos“. Gottes Liebe ist unparteiisch, unverdient, ewig, bereit zu züchtigen, unwiderruflich, unbegreiflich, die Ursache des Erlösungswerkes Jesu und Grund unserer Annahme als Söhne. Das was Gott für uns durch Jesus Christus getan hat, ist der Anfang und das Ende jeder Definition der Liebe. Wenn wir eine Definition der Liebe haben wollen, müssen wir Jesus und das Kreuz anschauen. Paulus schreibt in Römer 5,8: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin; daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ Gottes Liebe ist immer sichtbar, opferbereit, wohltuend und bedingungslos. Seine Liebe verlangt Gegenliebe unsererseits. Der Liederschreiber Isaac Watts hat es so ausgedrückt: „Was ich zum Dank auch gebe dir, die ganze Welt ist noch zu klein; der Dank für diese Liebe hier kann nur mein eigenes Leben sein.“ Erst wenn wir Gottes Charakter verstehen, können wir Seine Größe verstehen. Zu oft steht der Mensch im Mittelpunkt der heutigen Gesellschaft. Die Worte des früheren Weltmeisters Mohamed Ali bringen die Einstellung vieler Menschen zum Ausdruck: „Ich bin der Größte!“ 1715 starb der französische König Ludwig der XIV. Ludwig, der sich selbst „der Größte“ nannte, war der Herrscher, der den Ausdruck „Ich bin der Staat“ prägte. Sein Hof war der schönste Europas, und seine Beerdigung war spektakulär. Sein Leichnam lag in einem goldenen Sarg. Um seine Größe zu betonen, gab er selbst Hinweise, daß die Kathedrale nur trüb beleuchtet sein sollte, mit einer einzigen Kerze über seinem Sarg. Tausende warteten in stillem Schweigen. Dann begann Bischof Massilon zu reden. Langsam löschte er die Kerze und sagte: „Nur Gott ist groß!“. Das stimmt! Nur Gott ist groß, und unser Leben findet nur dann echte Bedeutung, wenn wir wissen, wer Gott ist und wie Er ist und entsprechend reagieren. Eine solche Gottes- kenntnis ermöglicht ein Leben, das Bedeutung für Zeit und Ewigkeit hat. http://www.bibelschule-brake.de

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