ER allein

Das Wort von der Versöhnung
In den letzten Jahren hat eine zunehmende Verunsicherung im Blick auf die Inhalte der Passionsgeschichte um sich gegriffen. Was bedeuten für den autonomen Menschen rituelle Vorstellungen wie Blutopfer, Sühnemahl, Lösegeld? Und was soll das für ein grausamer und rachsüchtiger Gott sein, der nur zu versöhnen ist, wenn er Blut fließen sieht? Was in der Passion Jesu geschah, ist die Mitte eines Geschehens, das mit der Auflehnung gegen Gottes Gebot im Garten Eden begann und sich bis zum heutigen Tag in der Abkehr von Gott fortsetzt. Wir leben im Unfrieden mit Gott und daraus entsteht all der Unfriede in der Welt. Unser Leben ist nicht heil, wie wir es gerne haben möchten. Wir können das von uns aus auch nicht ändern. Nur Gott kann dies tun – und er hat es getan. Das meint das Wort von der Versöhnung: „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünde nicht zu.“ (2. Kor. 5, 19-21) ER, immer nur ER! ER bringt uns das Heil, ER allein. Und wie geschah dies? „Er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“ (2. Kor. 5, 21) Einen „seligen Tausch“ hat Martin Luther dieses Geschehen genannt. Gott hat seinen eigenen Sohn geopfert, damit unser Leben heil werden kann. Versöhnung vollzieht sich also von oben nach unten, von Gott zu uns Menschen. Nicht wir Menschen versöhnen Gott. Kein Tun auf Erden, kein Gebet, keine Frömmigkeit, keine Leistung, nichts kann unsere Schuld aufwiegen, sondern Gott versöhnt uns mit sich selber durch das Opfer seines Sohnes. Wer diese Tat Jesu im Glauben annimmt, empfängt Versöhnung.
Dieter Böhm Ehemaliger Leiter der sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft „Teichhaus“ im Krelinger Reha-Zentrum (Krelinger Briefe Nr.3/4 März/April 2012

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