Die Absurdität des Lebens ohne Gott

Die Absurdität des Lebens ohne Gott
Der moderne Mensch dachte, dass wenn er Gott loswerden würde, hätte er sich selbst von allem befreit, was ihn gehemmt und unterdrückt hatte. Stattdessen erkannte er, dass das Töten Gottes auch der eigene Tod bedeutet. Weil wenn es keinen Gott gibt, dann wird das Leben des Menschen absurd.
1 Die Notwendigkeit Gottes und der Unsterblichkeit
Der Mensch, schreibt Loren Eisely, ist das kosmische Waisenkind. Er ist die einzige Kreatur im Universum, das fragt: „Warum?“. Andere Tiere haben Instinkte die sie führen, aber der Mensch hat gelernt Fragen zu stellen. „Wer bin ich?“ fragt er. „Warum bin ich hier? Wo gehe ich hin?“ Seit der Aufklärung, als er die Fesseln der Religion abwarf, versuchte der Mensch diese Fragen ohne einen Bezug zu Gott zu beantworten. Aber die Antworten die zurück kamen waren nicht erheiternd, sondern dunkel und schrecklich. „Du bist das zufällige Nebenprodukt der Natur, ein Ergebnis aus Materie plus Zeit plus Zufall. Es gibt keinen Grund für deine Existenz. Alles was dich konfrontiert ist der Tod.
Der moderne Mensch dachte, dass wenn er Gott loswerden würde, hätte er sich selbst von allem befreit, was ihn gehemmt und unterdrückt hatte. Stattdessen erkannte er, dass das Töten Gottes auch der eigene Tod bedeutet. Weil wenn es keinen Gott gibt, dann wird das Leben des Menschen absurd.
Wenn Gott nicht existiert, dann ist sowohl der Mensch als auch das Universum zum Tode verdammt. Der Mensch muss wie alle biologischen Organismen sterben. Wenn es keine Hoffnung auf Unsterblichkeit gibt, führt das Leben des Menschen nur ins Grab. Sein Leben ist nur ein Funken von unendlicher Schwärze, ein Funken der erscheint, flimmert und für immer stirbt. Deswegen muss jeder von Angesicht zu Angesicht vor „der Gefahr der Nicht-Existenz“ stehen, wie es der Theologe Paul Tillich nannte. Denn obwohl ich weiß, dass ich jetzt existiere, dass ich lebe, weiß ich auch, dass ich eines Tages nicht mehr existieren werde, dass ich nicht länger sein werde, dass ich sterben werde. Dieser Gedanke ist erschütternd und bedrohlich: Zu denken, dass die Person, die ich „Ich selbst“ nenne, aufhören wird zu existieren, dass ich nicht mehr sein werde!
Ich erinnere mich noch sehr gut an das erste mal als mein Vater mir sagte, dass ich eines Tages sterben würde. Komischerweise ist mir dieser Gedanke als Kind nie gekommen. Als er mir das sagte, war ich erfüllt mit Angst und unerträglicher Traurigkeit. Und obwohl er wiederholt versuchte mir zu versichern, dass es bis dahin noch ein langer Weg sein wird, schien es für mich keinen Unterschied zu machen. Ob früher oder später, der nicht leugbare Fakt war, dass ich sterben und nicht mehr sein werde und dieser Gedanke überwältigte mich. Letztendlich, wie wir alle, lernte ich diesen Fakt zu akzeptieren. Wir alle lernen mit dem Unvermeidbaren zu leben. Aber die Einsicht des Kindes bleibt wahr. Wie es der französische Existentialist Jean-Paul Sartre feststellte, mehrere Stunden oder mehrere Jahre machen keinen Unterschied, wenn du einmal die Ewigkeit verloren hast.
Ob früher oder später, die Perspektive des Todes und die Gefahr der Nicht-Existenz ist ein schrecklicher Horror. Aber ich traf einmal einen Schüler, der diese Bedrohung nicht fühlte. Er sagte, dass er auf einem Bauernhof aufwuchs und er war es gewohnt, dass Tiere geboren werden und sterben. Tod war für ihn einfach natürlich -ein Teil des Lebens sozusagen. Ich war verdutzt wie verschieden unsere beiden Ansichten über den Tod waren und fand es schwer zu verstehen, wieso er nicht die Gefahr der Nicht-Existenz fühlte. Jahre später, denke ich, fand ich meine Antwort als ich Sartre las. Sartre stellte fest, dass der Tod nicht bedrohlich ist, solange wir den Tod eines anderen betrachten, aus einer Dritte-Person-Ansicht sozusagen. Es ist nur bedrohlich, wenn wir es verinnerlichen und es aus einer Ich-Person-Ansicht betrachten -„Mein Tod -Ich werde sterben“ -sodass die Gefahr der Nicht-Existenz Realität wird. Wie es Sartre verdeutlicht: Viele Leute stellen sich nie diese Ich-Person-Ansicht vor während ihrem Leben; Man kann sogar seinen eigenen Tod aus der Dritte-Person-Ansicht betrachten, als ob es der Tod eines anderen oder eines Tieres wäre, so wie es mein Freund tat. Aber die wirklich existentielle Bedeutung meines Todes kann ich wirklich nur aus der Ich-Person-Ansicht anerkennen, wenn ich realisiere, dass ich sterben werde und für immer aufhöre zu existieren. Mein Leben ist nur ein augenblicklicher Übergang von Vergessenheit nach Vergessenheit.
Und auch das Universum steht vor dem Tod. Wissenschaftler sagen uns, dass das Universum expandiert, und alles im Universum bewegt sich immer weiter von einander weg. Dadurch wird es immer kälter und die Energie wird aufgebraucht. Letztendlich werden alle Sterne ausbrennen und alle Materie wird in tote Sterne und schwarze Löcher zerfallen. Es wird kein Licht mehr geben, keine Hitze, kein Leben, nur die Kadaver von toten Sternen und Galaxien, die immer weiter expandieren in endlose Schwärze und kalte Ausweitung des Raums -ein Universum in Ruinen. Also nicht nur das Leben jeder einzelnen Person ist verdammt, sondern die ganze menschliche Rasse ist verdammt. Es gibt keine Flucht. Es gibt keine Hoffnung.
2 Die Absurdität des Lebens ohne Gott und ohne Unsterblichkeit
Wenn es keinen Gott gibt, dann ist der Mensch und das Universum verdammt. Wie Gefangene, zum Tode verurteilt, warten wir auf unsere unumgängliche Hinrichtung. Es gibt keinen Gott und es gibt keine Unsterblichkeit. Und was ist Konsequenz daraus? Es bedeutet, dass das Leben selbst absurd ist. Es bedeutet, dass das Leben, das wir führen, ohne ultimativer Bedeutung, ultimativen Wert oder ultimativer Bestimmung ist. Betrachten wir jeden dieser Dinge genauer:
2.1 Keine ultimative Bedeutung ohne Unsterblichkeit und ohne Gott
Wenn jede individuelle Person aufhört zu existieren wenn sie stirbt, welche letztendliche Bedeutung kann man dann ihrem Leben geben? Spielt es wirklich eine Rolle ob sie je existiert hat? Ihr Leben könnte wichtig sein, relativ zu bestimmten anderen Ereignissen, aber welche ultimative Bedeutung hat irgendeines dieser Ereignisse? Wenn alle Ereignisse bedeutungslos sind, was für eine Bedeutung kann man dann der Beeinflussung dieser Ereignisse geben? Letztendlich macht es keinen Unterschied.
Betrachte es von einer anderen Perspektive: Wissenschaftler sagen, dass das Universum durch eine Explosion, genannt „Urknall“, vor 13 Milliarden Jahren entstand. Angenommen der Urknall wäre nie passiert. Angenommen das Universum hätte niemals existiert. Welchen letztendlichen Unterschied würde es machen? Das Universum ist sowieso dazu verdammt zu sterben. Am Ende macht es keinen Unterschied ob es jemals existierte oder nicht. Deswegen ist es ohne letztendlicher Bedeutung.
Das gleiche ist wahr für die menschliche Rasse. Die Menschheit ist eine verdammte Rasse in einem sterbenden Universum. Weil die menschliche Rasse letztendlich aufhören wird zu existieren macht es keinen Unterschied ob sie jemals existierte oder nicht. Die Menschheit ist daher nicht bedeutungsvoller als ein Schwarm Moskitos oder eine Bauernhof mit Schweinen, weil sie alle gleich enden werden. Der gleiche blinde kosmische Prozess, der sie zunächst aufhustete, wird sie letztendlich wieder verschlingen.
Und das gleiche ist wahr für jede individuelle Person. Die Beiträge eines Wissenschaftlers für den Fortschritt des menschlichen Wissens, die Forschungen eines Doktors um Schmerz und Leid zu verringern, die Anstrengungen eines Diplomanden Frieden auf Erden sicher zu stellen, die Opfer aller guten Menschen um das menschliche Leben zu verbessern -all diese Dinge münden im Nichts. Das ist der Horror des modernen Menschen: Weil er im Nichts endet, ist er Nichts.
Es ist aber wichtig zu verstehen, dass der Mensch nicht nur Unsterblichkeit benötigt für ein bedeutungsvolles Leben. Die ledigliche Dauer einer Existenz macht diese Existenz noch nicht bedeutungsvoll. Wenn der Mensch und das Universum für immer existieren könnten, es aber keinen Gott gäbe, dann hätte deren Existenz immer noch keine ultimative Bedeutung. Um es zu veranschaulichen:
Ich las einmal eine Science-Fiction Geschichte über einen Astronauten, der auf einem öden Klumpen Fels ausgesetzt war, verloren im Weltall. Er hatte zwei Fläschchen bei sich: Die eine gefüllt mit Gift und die andere würde ihn unsterblich machen. Da er sein Dilemma realisierte, schluckte er das Gift herunter. Aber zu seinem Grauen stellte er fest, dass er das falsche Fläschchen ausgetrunken hat -er hatte den Unsterblichkeitstrank getrunken. Und das bedeutete, dass er dazu verflucht war für immer zu existieren -ein bedeutungsloses, unendliches Leben.
Nun, wenn Gott nicht existiert, dann sind unsere Leben genauso bedeutungslos. Sie könnten für immer weitergehen und dennoch ohne Bedeutung. Wir könnten immer noch über das Leben die Frage stellen: „Na und?“. Es ist also nicht nur Unsterblichkeit, was der Mensch für ein letztendlich bedeutungsvolles Leben braucht; Er braucht Gott und Unsterblichkeit. Und wenn Gott nicht existiert, dann hat er keines von beiden.
Der Mensch des 20. Jahrhunderts erkannte das. Lies „Waiting for Godot“ (Warten auf Godot) von Samuel Beckett. Während des ganzen Stücks führen zwei Männer eine belanglose Unterhaltung während sie auf einen dritten warten, der niemals kommt. Unsere Leben sind genauso, will Beckett sagen; Wir verschwenden einfach unsere Zeit mit Warten -auf etwas, das wir nicht wissen was es ist.
Beckett schrieb ein weiteres Stück. Es handelt von der tragischen Darstellung der Menschheit. Darin öffnet sich der Vorhang um eine mit Müll übersäte Bühne zu enthüllen. Dreißig lange Sekunden sitzt das Publikum da und starrt still auf diesen Müll. Dann schließt sich der Vorhang. Das ist alles. Die französischen Existentialisten Jean-Paul Sartre und Albert Camus verstanden dies ebenfalls. Sartre stellte das Leben in seinem Stück „No Exit“ (Kein Ausgang) als Hölle dar -die letzten Zeilen des Stücks sind Wörter der Resignation, „Nun, lasst uns weitermachen.“ Daher schrieb Sartre an anderer Stelle von der „Übelkeit“ der Existenz. Camus sah das Leben auch als absurd an. Am Ende seines kurzen Romans „The Stranger“ (Der Fremde) entdeckt Camus’ Held in einem Blitz der Erkenntnis, dass das Universum keine Bedeutung hat und es keinen Gott gibt, dem man sie zuordnen könnte.
Deswegen wird das Leben bedeutungslos, wenn es keinen Gott gibt. Der Mensch und das Universum sind ohne ultimativer Bedeutung.
2.2 Kein ultimativer Wert ohne Unsterblichkeit und ohne Gott
Wenn das Leben im Grab endet, dann macht es keinen Unterschied ob man wie ein Stalin oder wie ein Heiliger gelebt hat. Da dein Schicksal und dein Verhalten in keiner Beziehung stehen, kannst du dein Leben ruhig so führen, wie es dir gefällt. Wie es Dostoyevsky formuliert: „Wenn es keine Unsterblichkeit gibt, dann sind alle Dinge erlaubt.“ Auf dieser Basis hat eine Schriftstellerin wie Ayn Rand absolut Recht die Tugenden des Egoismus zu preisen. Lebe dein Leben nur für dich selbst. Du musst vor niemanden Rechenschaft ablegen! Tatsächlich wäre es töricht irgendetwas anderes zu tun, weil das Leben viel zu kurz ist um es mit Taten, die nicht von reinem Selbstinteresse bestimmt sind, aufs Spiel zu setzen. Aufopferung für eine andere Person wäre dumm. Kai Nielsen, ein atheistischer Philosoph, der versucht die Durchführbarkeit von Ethik ohne Gott zu verteidigen gibt am Ende zu:
„Wir sind nicht fähig gewesen zu zeigen, dass Vernunft die moralische Sichtweise benötigt, oder dass alle wirklich vernünftigen Personen, ungetäuscht von Mythen und Ideologien, nicht individuelle Egoisten oder klassische Amoralisten sein dürfen. Vernunft bestimmt hier nicht. Das Bild das ich ihnen aufgezeigt habe ist kein angenehmes. Reflexion des Bildes bedrückt mich… Rein praktische Vernunft, selbst mit einem guten Kenntnis der Fakten, wird Sie nicht zur Moral bringen.“1[Nie84]
Aber das Problem wird sogar noch schlimmer. Denn, abgesehen von Unsterblichkeit, wenn es keinen Gott gibt, dann gibt es auch keine objektiven Standards für Richtig und Falsch. Allem was wir konfrontiert sind ist, mit den Worten von Jean-Paul Sartre, der bloße, wertlose Fakt der Existenz. Moralische Werte sind entweder nur Ausdrücke persönlichem Geschmacks oder die Nebenprodukte sozio-biologischer Evolution und Aufbereitung. Wer bestimmt, in einer Welt ohne Gott, welche Werte richtig und welche falsch sind? Wer urteilt, dass die Werte von Adolf Hitler geringwertiger als die eines Heiligen sind? Das Konzept von Moral verliert jede Bedeutung in einem Universum ohne Gott. Wie es ein zeitgenössischer, atheistischer Ethiker aufzeigt: „Zu sagen, dass etwas falsch ist, weil […] es von Gott verboten ist, ist völlig verständlich für jeden, der an einen gesetzgebenden Gott glaubt. Aber zu sagen, das etwas falsch ist […] obwohl es keinen Gott gibt, der es verbietet, ist nicht verständlich.“ „Das Konzept von moralischer Verbindlichkeit [ist] unverständlich außerhalb der Idee von Gott. Die Worte bleiben bestehen aber ihre Bedeutung ist verloren.“2[Tay85] In einer Welt ohne Gott kann es kein objektives Richtig oder Falsch geben, nur unsere kulturellen und persönlich relativen, subjektiven Urteile. Das bedeutet, dass es unmöglich ist Krieg, Unterdrückung oder Kriminalität als Böse zu verdammen. Noch kann Brüderschaft, Gleichheit und Liebe als Gut angepriesen werden. Denn in einem Universum ohne Gott existieren Gut und Böse nicht -es gibt nur den bloßen, wertlosen Fakt der Existenz und es gibt niemanden der bestimmt, dass du im Recht bist und ich im Unrecht.
2.3 Die ultimative Bestimmung ohne Unsterblichkeit und ohne Gott
Wenn der Tod mit offenen Armen am Ende des Lebensweges wartet, welches Ziel hat dann das Leben? Ist es alles für Nichts? Gibt es keinen Grund für das Leben? Und gibt es einen für das Universum? Ist es schlichtweg sinnlos? Wenn das Schicksal des Lebens ein kaltes Grab in den Tiefen des Weltalls ist, muss die Antwort sein: Ja es ist sinnlos. Es gibt kein Ziel, keine Bestimmung für das Universum. Der Abfall eines toten Universums wird sich einfach weiterhin ewiglich ausbreiten.
Und was ist mit dem Menschen? Gibt es irgendeine Bestimmung für die menschliche Rasse? Oder wird sie eines Tages in der Vergessenheit eines gleichgültigen Universums versickern? Der englische Schriftsteller H.G. Wells konnte diese Perspektive vorhersehen. In seinem Roman „The Time Machine“ (Die Zeitmaschine) reist Wells Zeitreisender weit in die Zukunft um das Schicksal der Menschheit zu erforschen. Ein paar Flechten und Moose ausgenommen, ist alles was er vorfindet eine tote Erde, die eine gigantische rote Sonne umkreist. Die einzigen Geräusche sind das Rauschen des Windes und der sanften Wellen des Meeres. „Außer diesen leblosen Geräuschen“, schreibt Wells „war die Welt still. Still? Es wäre schwer ihre Stille zu beschreiben. Alle Geräusche der Menschen, das Blöken des Schafes, die Gezwitscher der Vögel, das Summen der Insekten, die Bewegun gen die den Hintergrund unseres Lebens ausfüllt, all das war vorbei.“3[Wel57] Und so kehrte Wells Zeitreisender zurück. Aber zu was? Zu lediglich einem früheren Zeitpunkt der zwecklosen Eile in Richtung Vergessenheit. Als ich als Nichtchrist zum ersten mal Wells Buch las dachte ich, „Nein, Nein! Es kann nicht so enden!“ Aber wenn es keinen Gott gibt, dann wird es so enden, ob du es magst oder nicht. Dies ist die Realität in einem Universum ohne Gott: Es gibt keine Hoffnung; es gibt keine Bestimmung.
Was für die Menschheit als Ganzes wahr ist, ist für jeden von uns individuell wahr: Wir sind hier ohne Bestimmung. Wenn es keinen Gott gibt, dann ist unser Leben von dem eines Hundes qualitativ nicht verschieden. Wie es der antike Schriftsteller Ekklesiastes ausdrückt: „Denn auf Mensch und Tier wartet das gleiche Schicksal: Beiden gab Gott das Leben, und beide müssen sterben. Der Mensch hat dem Tier nichts voraus, denn auch er ist vergänglich.“ (Prediger 3, 19-20 (HFA)) In diesem Buch, welches sich eher wie ein Stück moderner Existentialistenliteratur liest als ein Buch der Bibel, stellt der Schreiber die Sinnlosigkeit von Vergnügen, Reichtum, Bildung, politischem Ruhm und Ehre in einem zum Tode verdammten Leben dar. Sein Urteilsspruch? „Alles ist vergänglich und vergeblich, sagte der Prediger, nichts hat Bestand, ja, alles ist völlig sinnlos!“ (Prediger 1, 2 (HFA)). Wenn das Leben im Grab endet, dann haben wir keine ultimative Bestimmung für unser Leben.
Aber sogar mehr als das: Selbst wenn es nicht im Tod enden würde, ohne Gott wäre das Leben immer noch ohne Bestimmung. Denn der Mensch und das Universum wären folglich schlicht Zufälle der Wahrscheinlichkeit, die ohne Grund Existenz erlangten. Ohne Gott ist das Universum das Resultat eines kosmischen Unfalls, eine Zufallsexplosion. Es gibt keinen Grund wieso es existiert. Was den Menschen betrifft, ist er eine Laune der Natur-ein blindes Produkt aus Materie plus Zeit plus Zufall. Der Mensch ist nur ein Schleimklumpen, der Vernunft entwickelte. Wie es ein Philosoph ausdrückte: „Menschliches Leben ist auf einem untermenschlichen Podest montiert und muss sich alleine im Herzen eines stillen und sinnlosen Universum bewegen.“4[Hoc59]
Was für das Universum und der menschlichen Rasse wahr ist, ist auch für uns als Individuen wahr. Wenn Gott nicht existiert, dann bist du nur eine Fehlgeburt der Natur, die in einem zwecklosem Universum dazu gelangte ein bestimmungsloses Leben zu führen.
Wenn Gott also nicht existiert, dann bedeutet das, dass der Mensch und das Universum ohne Bestimmung existieren -da das Ende aller Dinge der Tod ist -und dass sie ohne Grund sind, weil sie nur blinde Produkte des Zufalls sind.
Verstehst du den Ernst der vorliegenden Alternativen? Denn wenn Gott existiert, dann gibt es Hoffnung für den Menschen. Aber wenn Gott nicht existiert, dann ist Hoffnungslosigkeit das einzige was uns bleibt. Verstehst du, wieso die Frage nach Gottes Existenz für den Menschen so lebensnotwendig ist? Wie es ein Schriftsteller so treffend formulierte: „Wenn Gott tot ist, dann ist der Mensch auch tot.“
Unglücklicherweise begreift der größte Teil der Menschheit diese Tatsache nicht. Sie machen weiter, als ob sich nichts geändert hat. Ich erinnere mich an Nietzsches Geschichte über dem Wahnsinnigen, der in den frühen Morgenstunden am Marktplatz eintrifft, mit einer Laterne in der Hand schreit „Ich suche Gott! Ich suche Gott!“ Da die meistendie herum standen nicht an Gott glaubten, bewirkte er viel Gelächter. „Ist er verloren?“ verspotteten sie ihn. „Oder versteckt er sich?“, „Oder vielleicht ist er verreist oder ausgewandert!“. Dementsprechend schrien und lachten sie. Dann, schreibt Nietzsche, wandte der Irre sich in ihre Mitte und durchbohrte sie mit seinen Augen „Wohin ist Gott? rief er, ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet, -ihr und ich! Wir Alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir diess gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? Müssen nicht Laternen am Vormittage angezündet werden? Hören wir noch Nichts von dem Lärm der Totengräber, welche Gott begraben? … Gott ist tot! … Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder?“[Nie54]
Die Masse starrte den Irren still und verwundert an. Letztendlich schmetterte er seine Laterne auf den Boden. „Ich komme zu früh“, sagte er dann, „Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert, -es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen.“ Die Menschen hatten noch nicht wirklich die Konsequenzen der Tötung Gottes verstanden. Aber Nietzsche sah voraus, dass Menschen eines Tages begreifen werden, was die Auswirkungen ihres Atheismus sind; und diese Erkenntnis würde ein Zeitalter des Nihilismus einleiten -Die Zerstörung von aller Bedeutung und aller Werte des Lebens.
Die meisten Menschen denken immer noch nicht über die Konsequenzen des Atheismus nach, sodass sie unbewusst ihren Weg gehen, wie die Menschenmenge am Marktplatz. Aber wenn wir, genau wie Nietzsche, feststellen was Atheismus impliziert, dann bedrängt uns seine Frage schwer: Wie sollen wir, die Mörder aller Mörder, uns trösten?
3 Die praktische Unmöglichkeit des Atheismus
Die so ziemlich einzige Lösung, die der Atheist anbieten kann ist, dass wir uns der Absurdität des Lebens gegenüberstellen und tapfer leben. Bertrand Russel schrieb zum Beispiel, dass wir unser Leben auf der „beständigen Basis unnachgiebiger Hoffnungslosigkeit“ bauen müssen[Rus57b]. Nur durch das Anerkennen, dass die Welt wirklich ein schrecklicher Ort ist, können wir das Leben erfolgreich bewältigen. Camus sagte, dass wir die Absurdität des Lebens ehrlich anerkennen und dann für einander in Liebe leben sollten. Das elementare Problem dieser Lösung ist jedoch, dass es unmöglich ist mit so einem Weltbild konsistent und glücklich zu leben. Wenn jemand konsistent lebt, wird er nicht glücklich sein; wenn jemand glücklich lebt, dann nur weil er nicht konsistent ist. Francis Schaeffer hat dieses Argument gut erklärt. Der moderne Mensch, sagt Schaeffer, befindet sich in einem zweistöckigem Universum. Im unteren Stockwerk befindet sich die endliche Welt ohne Gott; hier ist das Leben absurd, wie wir gesehen haben. Im oberen Stockwerk befindet sich Bedeutung, Wert und Bestimmung. Der moderne Mensch lebt nun im unteren Stockwerk, weil er glaubt, dass es keinen Gott gibt. Aber er kann nicht in so einer absurden Welt glücklich leben. Daher macht er ständig Sprünge ins obere Stockwerk um Bedeutung, Wert und Bestimmung zu beteuern, obwohl er kein Recht dazu hat, da er nicht an Gott glaubt. Lasst und also noch einmal die drei Bereiche betrachten, in denen wir sahen, dass das Leben ohne Gott absurd ist, um so zeigen zu können, dass der Mensch mit seinem Atheismus nicht konsistent und glücklich leben kann.
3.1 Der Sinn des Lebens
Zunächst, der Bereich der Bedeutung. Wir sahen, dass das Leben ohne Gott keinen Sinn hat. Trotzdem leben Philosophen weiterhin so, als ob das Leben Sinn hätte. Sartre argumentierte zum Beispiel, dass man für sein Leben einen Sinn erschaffen kann, indem man frei eine Vorgehensweise wählt. Sartre selbst wählte Marxismus. Nun, das ist schlichtweg inkonsistent. Es ist inkonsistent zu sagen das Leben ist objektiv absurd und dann zu sagen man kann einen Sinn für sein Leben erschaffen. Wenn das Leben wirklich absurd ist, dann ist der Mensch im unterem Stockwerk gefangen. Zu Versuchen einen Sinn des Lebens zu erschaffen, repräsentiert einen Sprung ins obere Stockwerk. Jedoch hat Sartre keine Basis für diesen Sprung. Ohne Gott kann es keinen objektiven Sinn im Leben geben. Sartres Plan ist wirklich eine Ausübung von Selbsttäuschung. Sartre meint wirklich: „Lasst uns so tun, als ob das Universum einen Sinn hätte.“ Und das ist einfach Selbstbetrug. Der Grund ist der: Wenn Gott nicht existiert, dann ist das Leben objektiv sinnlos; aber der Mensch kann nicht konsequent und glücklich leben, wenn er weiß, dass das Leben sinnlos ist. Deswegen tut er so, als ob das Leben eine Bedeutung hat um so glücklich zu sein. Aber das ist natürlich komplett inkonsistent -denn ohne Gott sind der Mensch und das Universum ohne wirkliche Bedeutung.
3.2 Der Wert des Lebens
Wenden wir uns nun dem Problem des Wertes zu. Hier kommt die krasseste Inkonsistenz vor. Zunächst sind atheistische Humanisten völlig inkonsistent bei der Bestätigung von traditionellen Werten der Liebe und Brüderschaft. Camus wurde zu Recht dafür kritisiert, dass er sowohl an der Absurdität des Lebens festhielt, als auch an den Ethiken menschlicher Liebe und Brüderschaft. Die zwei sind logisch inkompatibel. Bertrand Russel war ebenfalls inkonsistent. Denn obwohl er ein Atheist war, war er ein freimütiger Gesellschaftskritiker, der den Krieg und die Beschränkung der sexuellen Freiheit verurteilte. Russel gab zu, dass er nicht so leben könnte, als ob ethische Werte einfach nur eine Frage persönlichen Geschmacks wären, und dass er deswegen seine eigenen Ansichten „unglaubwürdig“ fand. „Ich weiß nicht die Lösung“ gestand er[Rus57a]. Die Pointe ist, dass wenn es keinen Gott gibt, dann kann objektiv richtig und falsch nicht existieren. Wie es Dostoyevsky sagte: „Alles ist erlaubt.“
Aber Dostoyevsky zeigte auch, dass der Mensch nicht auf diese Art Leben kann. Er kann nicht so leben, als ob es für Soldaten völlig in Ordnung ist unschuldige Kinder abzuschlachten. Er kann nicht so leben, als ob es für Diktatoren wie Pol Pot völlig in Ordnung ist Millionen ihrer eigenen Landesmänner auszurotten. Alles in ihm schreit danach, dass dieses Handeln falsch ist -wirklich falsch. Aber wenn es keinen Gott gibt, kann er das nicht. Also macht er einen Glaubenssprung und beteuert die Werte trotzdem. Und wenn er das tut, verrät er die Unzulänglichkeit einer Welt ohne Gott.
Der Horror einer wertfreien Welt wurde mir vor einigen Jahren nahe gebracht als ich eine BBC Fernsehdokumentation anschaute mit dem Namen „The Gathering“ (Die Zusammenkunft). Es ging um eine Wiedervereinigung in Jerusalem von Überlebenden des Holocausts, wo sie verlorene Freundschaften wiederfanden und ihre Erfahrungen teilten. Eine Gefangene, eine Krankenschwester, erzählte wie sie zur Gynäkologin in Auschwitz gemacht wurde. Sie beobachtete wie schwangere Frauen von den Soldaten auf Befehl von Dr. Mengele zusammengepfercht und in den gleichen Baracken untergebracht wurden. Einige Zeit verstrich bevor sie bemerkte, dass sie keine dieser Frauen mehr sah. Sie erkundigte sich. „Wo sind die schwangeren Frauen, die in diesen Baracken untergebracht wurden?“ „Hast du es nicht mitbekommen?“ war die Antwort. „Dr. Mengele benutzte sie zur Vivisektion.“
Eine andere Frau erzählte wie Mengele ihre Brüste verschnürte, sodass sie ihr Kleinkind nicht säugen konnte. Der Doktor wollte lernen wie lange ein Kleinkind ohne Nahrung überlebt. Verzweifelt versuchte diese arme Frau ihr Baby am Leben zu halten, indem sie das Kind mit in Kaffee eingeweichten Brotstücken fütterte, jedoch vergeblich. Jeden Tag verlor das Baby an Gewicht. Eine Tatsache, die eifrig von Dr. Mengele überwacht wurde. Eine Krankenschwester kam daraufhin heimlich zu dieser Frau und sagte ihr: „Ich habe für dich eine Möglichkeit organisiert hier herauszukommen, aber du kannst dein Baby nicht mitnehmen. Ich hab eine Morphiumspritze mitgebracht, die du deinem Kind geben kannst um sein Leben zu beenden.“ Als die Frau protestierte, blieb die Krankenschwester hartnäckig. „Schau, dein Baby wird sowieso sterben. Zumindest dich selbst kannst du retten.“ Und deswegen beendete die Mutter das Leben ihres eigenem Kindes. Dr. Mengele war wutentbrannt als er davon erfuhr, weil er sein Versuchsexemplar verloren hatte und er suchte unter den Toten um die verworfene Leiche des Babys um es ein letztes mal zu wiegen.
Mein Herz war von dieser Geschichte hin-und hergerissen. Ein Rabbiner, der das Lager überlebte fasste es gut zusammen, als er sagte, dass es in Auschwitz so war als ob eine Welt existierte, in der alle zehn Gebote umgedreht waren. Die Menschheit hatte noch nie so eine Hölle gesehen.
Und dennoch, wenn Gott nicht existiert, ist unsere Welt in gewisser Hinsicht Auschwitz. Es gibt kein absolutes richtig oder falsch. Alle Dinge sind erlaubt. Aber kein Atheist, kein Agnostiker kann mit so einer Ansicht konsistent leben. Nietzsche selbst, der die Notwendigkeit des Lebens außerhalb von Gut und Böse proklamierte, widersprach seinem Mentor Richard Wagner genau bei der Angelegenheit über dessen Antisemitismus und scharfen Nationalsozialismus. Sartre verurteilte Antisemitismus in ähnlicher Weise als er über die Folgen des zweiten Weltkrieges schrieb, indem er verkündete, dass eine Lehre, die zur Vernichtung führt, nicht lediglich eine Meinung oder Frage des persönlichen Geschmacks ist[Sar75]. In seiner wichtigen Abhandlung „Existenzialismus ist ein Humanismus“ mühte sich Sartre vergebens ab den Widerspruch zu entkommen zwischen seiner Verleugnung göttlicher, voretablierter Werte und seinem dringlichen Wunsch den Wert der Menschen zu bestätigen. Genau wie Russel konnte er nicht mit den Konsequenzen seiner eigenen Verleugnung von ethischen Absoluten leben.
Ein zweites Problem ist, dass wenn Gott nicht existiert und es keine Unsterblichkeit gibt, dann bleiben alle bösen Taten der Menschen unbestraft und all die Aufopferungen guter Menschen bleiben unbelohnt. Aber wer kann mit so einer Sicht leben? Richard Wurmbrand, der für seinen Glauben in kommunistischen Gefängnissen gefoltert wurde sagt: „Für uns ist die Grausamkeit des Atheismus kaum zu fassen. Wenn aber ein Mensch nicht an eine Belohnung des Guten und eine Bestrafung des Bösen glaubt, dann gibt es auch keinen Grund mehr, menschlich zu sein. Da gibt es keine Zurückhaltung mehr vor den Abgründen des Bösen, die im Menschen verborgen sind. Die kommunistischen Folterknechte sagten oft „Es gibt keinen Gott, kein Danach, keine Bestrafung des Bösen. Wir können machen was wir wollen.“ Einen dieser Peiniger habe ich sogar sagen hören: „Ich danke Gott, an den ich nicht glaube, daß ich diese Stunde erlebt habe, wo ich allem Bösen in meinem Herzen freien Lauf lassen konnte.“ Er brachte das auch zum Ausdruck, in unglaublicher Brutalität und unmenschlicher Folter, die er den Häftlingen antat.“[Wur67]
Genauso betroffen sind Taten der Selbstaufopferung. Vor einigen Jahren ereignete sich ein schreckliches Flugunglück, als ein Flugzeug mitten im Winter den Flughafen von Washington D.C verließ. Es zerschmetterte an einer Brücke, wodurch Teile der Maschine den ganzen Potomac Fluss bedeckten. Die Passagiere versanken im eisigen Wasser. Als der Rettungshubschrauber kam, wurde die Aufmerksamkeit auf einen Mann gerichtet, der immer und immer wieder die baumelnde Leine anderen Passagieren weiterreichte, anstatt selbst in Sicherheit gebracht zu werden. Sechs mal gab er die Leine weiter. Als sie wieder kamen, war er verschwunden. Er hatte freiwillig sein Leben gegeben, damit andere überleben können. Die ganze Nation wandte ihre Augen auf diesen Mann aus Respekt und Bewunderung für seine selbstlose und gute Tat, die er verrichtete. Und dennoch, wenn der Atheist Recht hat, war dieser Mann nicht nobel -er tat das denkbar dümmste. Er hätte als allererstes die Leiter benutzen sollen, hätte falls nötig andere wegschubsen sollen um zu überleben. Aber für andere zu sterben, die er nicht mal kannte, die ganze kurze Existenz aufgeben, die er jemals haben wird -für was? Für einen Atheist kann es keinen Grund geben. Und dennoch, genau wie der Rest von uns reagiert der Atheist auf die Tat dieses selbstlosen Mannes mit Lob. In der Tat wird man wohl höchstwahrscheinlich nie einen Atheisten finden, der sein System konsistent auslebt. Denn ein Universum ohne moralische Verantwortung und ohne Wert ist unvorstellbar schrecklich.
3.3 Bestimmung des Lebens
Lasst uns zum Schluss das Problem der Bestimmung im Leben betrachten. Die einzige Weise, wie die meisten Leute, welche Bestimmung im Leben verleugnen, glücklich leben ist entweder durch das Erfinden einer Bestimmung, was auf Selbsttäuschung hinausläuft, wie wir bei Sartre sahen, oder indem sie ihre Sicht nicht zu ihren logischen Schlussfolgerungen bringen. Nimm zum Beispiel das Problem des Todes. Laut Ernst Bloch lebt der moderne Mensch ungeachtet des Todes nur durch die Weise des unterbewussten Glaubens an Unsterblichkeit, woran ihre Vorväter festhielten, obwohl er selbst keine Basis für diesen Glauben hat, da er nicht an Gott glaubt. Durch das Borgen des Überbleibsel eines Glaubens an Unsterblichkeit, schreibt Bloch, „fühlt der moderne Mensch nicht die Schlucht, die ihn unaufhörlich umgibt und welche ihn zweifellos letztendlich verschlingen wird. Durch diese Überreste sichert er sich einen Gefühl von Selbstidentität. Dadurch entsteht der Eindruck, dass der Mensch nicht verendet. Aber eines Tages hat die Welt keine Lust mehr sich ihm zu zeigen. Bloch folgert: “Diese ziemlich oberflächliche Tapferkeit labt sich an einer geborgten Kreditkarte. Sie lebt von früheren Hoffnungen und dem Halt, der ihnen dadurch einst gegeben wurde.“5[Blo59] Der moderne Mensch hat diesbezüglich nicht länger irgendein Recht, da er Gott verweigert. Aber um zweckmäßig zu leben macht er einen Glaubenssprung um einen Grund für das Leben zu bekräftigen.
Wir finden die gleiche Inkonsistenz oft auch bei solchen die sagen, dass der Mensch und das Universum nicht aus einem Grund oder einer Bestimmung anfingen zu existieren, sondern durch reinen Zufall. Da diese Personen unfähig sind in einem unpersönlichen Universum zu leben, in der alles ein Produkt aus blindem Zufall ist, fangen sie an Persönlichkeit und Beweggründe den physikalischen Prozessen selbst zuzuschreiben. Es ist ein bizarre Sprechweise und repräsentiert einen Sprung vom unteren ins obere Stockwerk. Zum Beispiel Francis Crick, der zur Mitte seines Buchs „The Origin of the Genetic Code“ (Der Ursprung des genetischen Codes) anfängt das Wort „nature“ (Natur) mit einem großen „N“ zu schreiben6 und woanders spricht er davon, dass die natürliche Selektion „raffiniert“ und „bedacht“ ist bei dem was sie tut. Fred Hoyle, ein englischer Astronom, misst die Eigenschaften Gottes dem Universum selbst bei. Für Carl Sagan erfüllt der „Cosmos“ (Kosmos), den er immer mit einem großen Anfangsbuchstaben schreibt, offensichtlich die Rolle eines Gottesersatzes. Obwohl all diese Männer bekennen, dass sie nicht an Gott glauben, schmuggeln sie einen Gottesersatz durch die Hintertür ein, weil sie es nicht ertragen können in einem Universum zu leben, in dem alles ein zufälliges Resultat aus unpersönlichen Kräften ist.
Und es ist interessant zu beobachten wie viele Denker ihre Ansichten betrügen, wenn sie zu ihren logischen Schlussfolgerungen gebracht werden. Bestimmte Feministen zum Beispiel haben einen Sturm von Protesten über Freudsches Sexual-Psychologie entfacht, weil es überheblich und für Frauen erniedrigend ist. Daraufhin gaben manche Psychologen nach und korrigierten ihre Theorien. Nun, das ist total inkonsistent. Wenn Freudsches Psychologie wirklich wahr ist, dann ist egal ob es für Frauen erniedrigend ist. Du kannst die Wahrheit nicht verändern, weil du nicht magst wohin sie dich führt. Aber Menschen können nicht konsistent und glücklich in einer Welt leben, in der andere Personen abgewertet sind. Trotzdem, wenn Gott nicht existiert, dann hat niemand irgendeinen Wert. Nur wenn Gott existiert kann eine Person konsistent Frauenrechte unterstützen. Denn wenn es Gott nicht gibt, dann bestimmt natürliche Selektion, dass das männliche Geschlecht der Species das dominierende und aggressive ist. Frauen hätten nicht mehr Rechte als eine weibliche Ziege oder eine Henne. In der Natur ist das richtig, was auch immer ist. Aber wer kann mit so einer Sicht leben? Anscheinend nicht einmal Freudsche Psychologen, die ihre Theorien verraten, wenn diese zu ihrer logischen Schlussfolgerung gebracht werden.
Oder betrachte das soziologische Verhalten eines Mannes wie B. F. Skinner. Diese Sicht führt zur der Art von Gesellschaft, die in George Orwells „1984“ vergegenwärtigt wird, wo der Staat die Gedanken von jedem kontrolliert und einprogrammiert. Wenn Skinners Theorie richtig ist, dann kann es keinen Einwand gegenüber dem Behandeln von Menschen wie Ratten in Skinners Ratten-Box geben, wie sie durch ihre Labyrinthe rennen, angetrieben durch Essen und Elektroschocks. Laut Skinner sind sowieso all unsere Handlungen vorbestimmt. Und wenn es Gott nicht gibt, dann kann kein moralischer Einspruch gegen diese Art von Programmierung erhoben werden, denn der Mensch ist qualitativ gesehen nicht von einer Ratte zu unterscheiden, weil beide lediglich Materie plus Zeit plus Zufall sind. Aber nochmal, wer kann mit so einer menschenverachtenden Sicht leben?
Oder nimm zum Schluss den biologischen Determinismus eines Mannes wie Francis Crick. Dessen logische Schlussfolgerung: Der Mensch ist genau wie jedes andere Laborprobeexemplar. Die Welt war entsetzt als sie lernte, dass in Lagern wie Dachau die Nazis Gefangene für medizinische Experimente an lebenden Menschen benutzten. Aber warum nicht? Wenn Gott nicht existiert, dann kann es keinen Einwand geben, gegenüber der Behandlung von Leuten wie menschliche Meerschweinchen. Die Konsequenz dieser Sicht ist Bevölkerungskontrolle, in der die Schwachen und Ungewollten vernichtet werden um Platz für die Starken zu machen. Aber es ist nur möglich gegen diese Sicht konsistent protestieren zu können, wenn Gott existiert. Nur wenn Gott existiert kann es Bestimmung im Leben geben.
Das Dilemma des modernen Menschen ist daher wahrlich schrecklich. Und insofern er die Existenz Gottes und die Objektivität von Wert und Bestimmung leugnet, bleibt dieses Dilemma ebenso ungemildert für post-moderne Menschen. In der Tat ist es gerade das Bewusstsein, dass Modernismus unvermeidlich Absurdität und Verzweiflung hervorbringt, was die Pein des Post-Modernismus formt. In mancher Hinsicht ist Postmodernismus genau das Bewusstsein des Bankrotts des Modernismus. Die atheistische Weltsicht ist unzureichend um ein glückliches und konsistentes Leben aufrecht zu erhalten. Der Mensch kann nicht konsistent und glücklich leben, als ob das Leben letztendlich ohne Bedeutung, Wert oder Bestimmung sei. Wenn wir versuchen innerhalb des atheistischen Weltbildes konsistent zu leben, werden wir uns hochgradig unglücklich fühlen. Wenn wir es stattdessen schaffen glücklich zu leben, ist dies nur aufgrund der Lüge, die wir unserer Weltsicht beifügen.
Mit diesem Dilemma konfrontiert bemüht sich der Mensch erbärmlich um ein Mittel zum Entrinnen. In einem außerordentlichen Rede an der „American Academy for the Advancement of Science“ in 1991 befürwortete Dr. L. D. Rue, der mit dem Dilemma des modernen Menschen konfrontiert war, ganz offen, dass wir uns selbst mittels einer „Noble Lie“ (noble Lüge) täuschen sollten, durch die Ansicht, dass wir und das Universum immer noch einen Wert hätten[Rue91]. Durch die Behauptung, „die Lektion der letzten zwei Jahrhunderte ist, dass intellektueller und moralischer Relativismus zutiefst der Fall ist“, sinniert Dr. Rue, dass die Konsequenz solch einer Realisierung ist, dass unser Streben nach persönlicher Ganzheit (oder Erfüllung) und das Streben nach gesellschaftlichem Zusammenhalt voneinander unabhängig werden. Dies ist so, weil aus Sicht des Relativismus die Suche nach Selbsterfüllung radikal privatisiert wird: Jede Person wählt ihre eigene Zusammenstellung von Werten und Bedeutung. Wenn wir die „Irrenhaus Option“, bei der Selbsterfüllung ungeachtet sozialen Zusammenhalts verfolgt wird, und die „totalitäre Option“, bei der sozialer Zusammenhalt auf Kosten der persönlichen Erfüllung aufgezwungen wird, vermeiden wollen, dann haben wir keine andere Wahl als eine noble Lüge bereitwillig anzunehmen, welche uns inspiriert, über egoistischem Selbstinteresse hinaus zu leben und dadurch sozialen Zusammenhalt zu erreichen. Eine noble Lüge „ist eine, die uns betrügt, uns austrickst, uns zu mehr als Selbstinteresse nötigt, zu mehr als das Ego, zu mehr als Familie, Nation und Rasse.“
Es ist eine Lüge, weil sie uns sagt, dass das Universum von Wert durchdrungen ist (was eine große Fiktion ist), weil sie universale Wahrheit beansprucht und weil sie mir sagt, nicht für mein Selbstinteresse zu leben (was offensichtlich falsch ist). „Aber ohne solch einer Lüge können wir nicht leben.“
Dies ist der fürchterliche Urteilsspruch, der über die Menschen ausgesprochen ist. Um fortzubestehen muss er in Selbsttäuschung leben. Aber selbst die Option der „noblen Lüge“ ist am Ende nicht zu verwenden. Um glücklich zu sein muss man an objektiven Sinn, Wert und Bestimmung glauben. Aber wie kann man an diese noblen Lügen und gleichzeitig an Atheismus oder Relativismus glauben? Je mehr du von der Notwendigkeit einer noblen Lüge überzeugt bist, desto weniger bist du fähig an sie zu glauben. Wie ein Placebo funktioniert die noble Lüge nur bei solchen, die glauben, dass es die Wahrheit ist. Wenn wir einmal die Fiktion durchschaut haben, dann hat die Lüge seine Macht über uns verloren. Daher kann die noble Lüge ironischerweise das menschliche Dilemma für jeden, der dieses Dilemma verstanden hat, nicht lösen.
Die „noble Lüge“ Option führt daher im besten Fall zu einer Gesellschaft, in der eine elitäre Gruppe von „Illuminierten“ (Erleuchteten) zu ihrem eigenen Interesse die Massen täuschen, indem sie diese noble Lüge aufrecht erhalten. Aber wieso sollten diejenigen von uns, die aufgeklärt sind, den Massen in ihrer Täuschung folgen? Warum sollten wir Selbstinteresse für eine Fiktion aufgeben? Wenn die großartige Lektion der letzten zwei Jahrhunderte moralischer und intellektueller Relativismus ist, warum dann vortäuschen (wenn wir könnten), dass wir diese Wahrheit nicht kennen und stattdessen eine Lüge leben? Wenn jemand antwortet „Um des gesellschaftlichen Zusammenhalts willen“, könnte man die legitime Frage stellen, wieso ich mein Selbstinteresse um des gesellschaftlichen Zusammenhalts willen aufopfern sollte? Die einzige Antwort, die ein Relativist geben kann ist, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt in meinem Selbstinteresse liegt -aber das Problem mit dieser Antwort ist, dass Selbstinteresse und das Interesse der Herde nicht immer miteinander übereinstimmen. Außerdem, selbst wenn ich tatsächlich (nicht aus Selbstinteresse) gesellschaftlichen Zusammenhalt als wichtig erachte, steht mir die totalitäre Option immer noch offen: Vergiss die noble Lüge und erhalte gesellschaftlichen Zusammenhalt (genau wie meine Selbsterfüllung) auf Kosten der Erfüllung der Massen. Rue würde zweifellos solch eine Option als abstoßend empfinden. Aber genau da liegt der Haken. Rues Dilemma ist, dass er offensichtlich gesellschaftlichen Zusammenhalt und persönliche Erfüllung zutiefst wertschätzt um deren selbst willen; Mit andere Worten, sie sind objektive Werte, die laut seiner Philosophie nicht existieren. Er ist bereits ins obere Stockwerk gesprungen. Die „noble Lüge“-Option bekräftigt daher was es verleugnet und widerlegt sich deshalb selbst.
4 Der Erfolg des biblischen christlichen Glaubens
Aber wenn Atheismus in dieser Beziehung scheitert, wie ist es dann mit dem biblischen christlichen Glauben? Laut der christlichen Weltsicht existiert Gott und das Leben der Menschen endet nicht im Grab. Im Körper der Wiederauferstehung kann der Mensch ewiges Leben und Verbundenheit zu Gott genießen. Biblischer Glauben bietet daher die beiden notwendigen Bedingungen für ein sinnvolles, wertvolles und zweckmäßiges Leben des Menschen an: Gott und Unsterblichkeit. Daher können wir konsistent und glücklich leben. Deswegen ist der biblische christliche Glaube genau da erfolgreich, wo Atheismus versagt.
5 Fazit
Ich möchte an dieser Stelle klarstellen, dass ich noch nicht aufgezeigt habe, dass biblischer christlicher Glaube wahr ist. Aber was ich getan habe ist, die Alternativen genau zu erklären. Wenn Gott nicht existiert, dann ist das Leben nichtig. Wenn der Gott der Bibel existiert, dann hat das Leben Sinn. Nur die zweite dieser beiden Alternativen ermöglicht uns glücklich und konsistent zu leben. Daher scheint es mir, dass selbst wenn die Beweise beider Optionen absolut ausgeglichen wären, sollte eine rationale Person den biblischen christlichen Glauben wählen. Es scheint mir regelrecht irrational den Tod, Sinnlosigkeit und Zerstörung dem Leben, Sinnhaftigkeit und Glück vorzuziehen. Wie Pascal sagte, wir haben nichts zu verlieren und alles zu gewinnen.
William Lane Craig

1 Keine originale Übersetzung
2 Keine originale Übersetzung
3 Keine originale Übersetzung
4 Keine originale Übersetzung
5 Keine originale Übersetzung
6 Im Englischen schreibt man nur Personen, Eigennamen usw. groß, andere Hauptwörter dagegen normalerweise klein
Literaturverzeichnis
[Blo59] Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1959.
[Hoc59] Hocking, W.E.: Types of Philosophy, Seite 27. Scribner’s, New York, 1959.
[Nie54] Nietzsche, Friedrich: The Gay Science: With a Prelude in Rhymes and an Appendix of Songs. Viking, New York, 1954.
[Nie84] Nielsen, Kai: Why Should I Be Moral? American Philosophical Quarterly 21, Seite 90, 1984.
[Rue91] Rue, Loyal D.: The Saving Grace of Noble Lies. address to the American Academy for the Advancement of Science, 1991.
[Rus57a] Russell, Bertrand: Letter to the Observer. 1957.
[Rus57b]Russell, Bertrand: Why I am not a Christian, Seite 107. Simon & Schuster, New York, 1957.
[Sar75] Sartre, Jean Paul: Existentialism from Dostoyevsky to Satre. New Meridian Library, 1975.
[Tay85] Taylor, Richard: Ethics, faith, and reason, Seiten 90,84. Prentice-Hall, Englewood Cliffs, N.J., 1985.
[Wel57] Wells, H. G.: The time machine, Kapitel 11. Berkeley, New York, 1957.
[Wur67] Wurmbrand, Richard: Tortured for Christ. Hodder & Stoughton, London, 1967.
Read more: http://www.reasonablefaith.org/german/die-absurditaet-des-lebens-ohne-gott#ixzz1rBpnYLkW
Übersetzung ins Deutsche von Joachim Reiß Version 1.0 16. Februar 2010

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