Drewermann und der Buddhismus

Drewermann als Zweidrittelbuddhist

Die moderne Buddhismusbegeisterung im Westen

Es ist Mode geworden, daß sich Mitglieder der Schickeria und der High Society zum Buddhismus bekennen, so der Filmstar Richard Gere, das Mannequin Cindy Crawford, die Rocksängerin Tina Turner, der Fußballstar Roberto Baggio, der Dallas-Star Patrick Duffy, die Künstler John Cage und Leonhard Cohen und nicht zuletzt der Theologe Eugen Drewermann. Katholische Ordensleute haben die Techniken der buddhistischen Zen-Meditation längst in ihre Gebets und Meditationsübungen integriert, evangelische Kirchen bieten buddhistische Kurse an und das Tibetische Totenbuch (‚Bardo Thödol‘), von niemand geringerem als von C. G. Jung in einem eigenen Buch wohlwollend kommentiert (‚Psychologischer Kommentar zum Bardo Thödol‘), ist seit Jahren ein Renner im Westen. Bertoluccis Film ‚Little Buddha‘ tat ein übriges. An die Stelle der „Zen-Begeisterten der fünfziger und sechziger Jahre“ tritt gegenwärtig vor allem der „Zauber der tibetischen Kultur“, ausgelöst durch die an die Papstreisen erinnernden Weltreisen des tibetischen Dalai Lama. „Ohne den obersten Lama, den 14. Dalai Lama und seine charismatische Ausstrahlung, wäre die gegenwärtige Buddhismusbegeisterung kaum denkbar.“ Der tibetische Lamaismus (= Vajrayana-Buddhismus oder diamantenes Fahrzeug) ist Teil des Mahayana-Buddhismus (siehe den Kasten). Während sonst im Buddhismus die Erlösung ein längerer Prozess durch mehrere Leben (Wiedergeburten/Reinkarnationen) hindurch ist, „bietet der Lamaismus ein zusätzliches Hilfsmittel an, mit dem man viel rascher ins Nirwana eingehen kann: das Tantra, den Pfad zur höchsten Erleuchtung.“ „Der Lamaismus dürfte im 7. Jahrhundert n. Chr. aus einer Verbindung von Mahayana-Buddhismus und hinduistischem Tantrismus entstanden sein. … Der Lamaismus ist die jüngste und unreinste, zugleich aber anspruchvollste Form des klassischen Buddhismus. In ihm werden schamanistische und animistische Elemente sichtbar. Als der Buddhismus in Tibet eingeführt wurde, traf er mit der einheimischen Bön-Religion und deren schamanistischen Praktiken zusammen. Anzunehmen ist deshalb, obwohl das vom heutigen Dalai Lama vehement bestritten wird, daß sich der eingeführte Buddhismus mit lokalen Bön-Kulten vermischt und einige, wenn nicht gar die meisten Bön-Elemente aufgenommen und ins buddhistische Lehrsystem integriert hat.“ Nachdem der Philosoph Arthur Schopenhauer im 18. Jahrhundert als erster Intellektueller den Buddhismus einem breiten Publikum nahe brachte fanden sich immer wieder führende Intellektuelle des Westens wie der Dichter Hermann Hesse (‚Siddharta‘), die sich für den Buddhismus stark machten, ohne selbst Buddhisten zu werden. Erich Fromm, der erst Christentum und Religion ganz abschaffen und den Atheismus begründen wollte, dann aber doch eine Alternative im Zen-Buddhismus fand, ist neben dem bereits erwähnten C. G. Jung ein Beispiel für die Beeinflussung der Psychologie durch buddhistisches Denken. Reinhart Hummel nennt solche Intellektuelle in seinem Artikel „Der Dalai Lama, Eugen Drewermann und die Buddhismusbegeisterung“ treffend ‚Zweidrittelbuddhisten‘ und schreibt zu Recht: „Solche ‚Zweidrittelbuddhisten‘ dürfte es häufiger geben.“ Als bedeutendstes Beispiel nennt Hummel Eugen Drewermann, dem wir uns im folgenden zuwenden wollen.

Die zwiespältige Reaktion der Katholischen Kirche auf Eugen Drewermann

Der Theologe Eugen Drewermann wurde vor allem durch eine Angriffe auf die katholische Kirche (vor allem in ‚Der Kleriker‘), durch seine psychotherapeutische Auslegung der Bibel und durch seine Auseinandersetzungen mit seinem Paderborner Bischof bekannt. Da Drewermann vor allem in der Auseinandersetzung mit der Katholischen Kirche steht, könnte eine Ablehnung Drewermanns so verstanden werden, als wenn man in allem der Katholischen Kirche recht geben wolle. Drewermann greift jedoch nicht nur eine bestimmte Spielart des Christentums an, sondern das Christentum als solches, seine grundlegendsten Lehren und die Bibel selbst und deswegen darf man ihn nicht als innerkatholisches Phänomen abtun. Außerdem ist für überzeugte Christen das Vorgehen der katholisches Kirche ebenfalls problematisch. Die Haltung des Paderborner Erzbischofs und der Katholischen Kirche zu Drewermann ist nämlich unglaublich zwiespältig. Sie wollen einerseits Drewermann zum Schweigen bringen, sind aber andererseits kein einziges Mal bereit, in den Gesprächen und Dokumenten der Auseinandersetzung mit Drewermann die Historizität und Faktizität der Jungfrauengeburt und der Auferstehung usw. gegen Drewermanns bibelkritische und psychologisierende Bibelauslegung zu verteidigen. Sie verflüchtigen letztlich die biblischen Aussagen ebenso spirituell wie Drewermann selbst. Man merkt, daß die katholische Kirche bis in die Bischofsränge schon selbst zutiefst von der Bibelkritik und der atheistischen Psychologie zerfressen ist und es eben Drewermann nur zu weit getrieben hat. Wer diese zwiespältige Reaktion der katholischen Kirche nachvollziehen will und zugleich Drewermanns Ansichten nicht in langwierigen Abhandlungen, sondern kurz und knapp in Drewermanns eigenen Worten kennenlernen will, ist mit dem Buch ‚Worum es eigentlich geht: Protokoll einer Verurteilung‘ gut beraten. Das Buch enthält eine Sammlung von Statements, Briefwechsel, Gesprächsprotokollen usw. aus der Auseinandersetzung zwischen Drewermann und der katholischen Amtskirche, vor allem vertreten durch den für Drewermann zuständigen Erzbischof Degenhardt. Durch die Kürze der Statements wird auch Drewermanns Befürwortung der Abtreibung, außerehelicher sexueller Beziehungen usw. wesentlich deutlicher, als in seinen sonstigen sehr umfangreichen Büchern. Deutlich wird auch, wie stark sich Drewermann in einer Märtyrerrolle sieht. Beim Lesen des Buches erhält man den Eindruck, Drewermann sehe alles richtig, mache alles richtig und werde nur von der Amtskirche gehindert, den Menschen wirklich zu helfen. Wie so oft treten Kritiker des Papstes eben selbst auch recht päpstlich auf. Damit soll nichts gegen das Vorgehen gegenüber Drewermann eingewandt werden. Jeder Fußballverein darf Mitglieder ausschließen, jede Partei solche Mitglieder, die das Anliegen einer Konkurrenzpartei vertreten, ebenfalls. Warum wird ausgerechnet der Kirche verboten, ihren erklärten Gegnern, wie es Drewermann ist, zu untersagen, in ihren Reihe zu lehren? Drewermann: „Meine Bekehrung zum Buddhismus“ In einem zusammen mit dem angeblich gottgleichen Oberhaupt des tibetischen Buddhismus, des Dalai Lama, veröffentlichen Buch berichtet Eugen Drewermann über seine „Bekehrung zum Buddhismus“, die er erlebt haben will. Er schreibt „Buchstäblich nahm ich damals meine Zuflucht zum Buddha, zum dhamma, zu seiner Lehre. Und daß ich bis heute, unentschlossen, meine Zuflucht nicht nahm zum sangha, zur buddhistischen Gemeinde, liegt einzig an der Überzeugung, daß es fast gleichgültig sei, welch einer Religionsform jemand äußerlich zugehört, wenn er sie denn nur lebt. Wir, die wir uns Christen nennen, müßten weit buddhistischer werden, um christlich zu sein“. Buddhismus und Christentum auf diese Weise zu vermengen, ist für Drewermann kein Problem, weil er die biblische Offenbarung sowieso nicht stehen läßt und den Anspruch von Jesus Christus ablehnt. Stattdessen hat er sich mit Hilfe bibelkritischer und psychologischer Neuinterpretation der Quellen längst seinen eigenen Jesus zurechtgezimmert, der gut mit dem Buddhismus in Einklang zu bringen ist. Nur deswegen kann er schreiben: „Jesus wollte keine neue Religion gründen; was er wollte, nicht anders als der Buddha, war die erlösende Vermenschlichung jeder Religiösität.“ Drewermanns Weg zum Buddhismus begann schon früh: „um die Wahrheit zu sagen, begann meine Bekehrung zum Buddhismus im Alter von 16 Jahren“. Sie wurde dann aber vor allem durch das Lesen der Schriften von Arthur Schopenhauer verstärkt, der allein schon frühzeitig erkannte, daß man wie im Buddhismus und im Gegensatz zum Christentum keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier machen dürfe. Drewermanns schreibt dazu: „Die einzige wirkliche Ausnahme unter den abendländischen Philosophen bildet A. Schopenhauer. Er ist der einzige, der, kongenial zum Denken des alten Indiens mit den sanften Lehren des Buddha und der Hindus von der Einheit allen Lebens und der grenzenlosen Güte zu allen Lebewesen, das Ghetto der abendländischen Anthopozentrik durchbrach.“ Eine Religion kann man nur angreifen, wenn man eine andere hat. Warum Drewermann die Bibel so fehl interpretieren und mißbrauchen können und aus seiner Bibelauslegung eine Generalkritik des historischen christlichen Glaubens macht, dürfte mit seinem Bekenntnis zumn Buddhismus ein für alle mal offenbar sein. Drewermann liest die Bibel durchgängig im Lichte einer Mischung aus Buddhismus und humanistischer Psychotherapie. Muß ein Christ plötzlich den Buddhismus übernehmen, nur, weil er diesmal im Namen der Psychologie kommt und nur weil Drewermann es vorgezogen hat, seine Mischreligion nicht von außen an das Christentum heranzutragen, sondern innerhalb des Christentums zu propagieren? Daß ein Dialog und Einswerden zwischen dem Christentum und anderen Religionen, wie Drewermann sie fordert, nicht möglich ist, zeigt sich am Beispiel von Buddhismus und Christentum daran, daß Drewermann nur deswegen mit dem Buddhismus und anderen Religionen zusammengehen kann, nachdem und weil er das Christentum bis zu seinem Wesenskern hin hinterfragt, für unsinnig erklärt und bekämpft. Drewermann sollte seine Friedlichkeit zunächst einmal überzeugten, ‚traditionellen‘ Christen gegenüber unter Beweis stellen, die er aufs heftigste bekämpft, bevor er im Namen der Toleranz von irgendjemand fordert, die religiöse Überzeugung anderer zu respektieren. Daß ein Mann wie Drewermann, der sich ununterbrochen polemisch über christliche Werte äußert und einen verbalen Religionskrieg gegen das Christentum führt, sich allen Ernstes dafür stark macht, daß sich alle Religionen gegenseitig lieben und annehmen sollen, ist ein Witz. Oder ist von diesem seinem Programm das Christentum ausgeschlossen? Der Buddhismus im Überblick Stifter: Siddhartha Gautama = Buddha (‚der Erleuchtete‘), geboren: ca. 560 v. Chr. als Hinduist in Nepal, in Reichtum aufgewachsen, abgeschirmt, nach Suche nach der Wahrheit in totaler Askese endlich Erleuchtung, die zur Verwerfung großer Teile des Hinduismus und zur Verbreitung seiner Lehre führt; gestorben: ca. 480 v. Chr. Vom Hinduismus übernommen: (alles andere weitgehend verworfen) Nirwana: Das letzte Ziel ist die Auflösung im Nichts Karma: Vergeltung durch Wiedergeburt Reinkarnation: Ewige Wiederverkörperung bis man ins Nirwana eingehen kann. Die neue Lehre vom Leiden: 4 Wahrheiten: 1. Alles Dasein ist Leiden. 2. Alles Leiden wird durch Begierde ausgelöst. 3. Das Leid endet, wenn die Begierde gelöscht ist. 4. Der Weg der Erlöschung der Begierde führt über den achtfachen Pfad von der rechten Ansicht bis zur rechten Sammlung (sich versenken). Die neue Lehre vom goldenen Mittelweg: Leidenschaftslosigkeit = Selbstauslöschung (aber nicht durch totale hinduistische Askese) Die grossen Gruppierungen im Buddhismus: Hinayana = das kleine Fahrzeug: Erlös(ch)ung über die achte Stufe des Pfades (vorwiegend für Priester) Mahayana = das kleine Fahrzeug: Erlös(ch)ung als Gnadengeschenk irgendwann im Zyklus der Reinkarnation (christlicher Einfluß) (vorwiegend für Laien) Tantr
ayana: Magische Richtungen und Vermischung mit Göttern des Hinduismus; verschwimmt mit zahllosen Sekten Biblische Einwände:

* Das Leid ist eine Folge der Sünde und gehört nicht automatisch zum Leben. Es wird einmal ein Ende haben.

* Der Mensch lebt und stirbt nur einmal, dann folgt das Gericht.

* Nicht jede ‚Leidenschaft‘ ist Sünde (z. B. Ehe!).

* Es gibt einen persönlichen Gott. Die Gemeinschaft mit ihm ist das Ziel und nicht die Auflösung im unendlichen Meer.

* ERLÖSUNG NICHT ERLÖSCHUNG

* ERLÖSUNG durch den gekreuzigten JESUS und nicht SELBSTERLÖSUNG durch Selbstverwirklichung = Selbstabtötung Drewermann und der Dalai Lama Drewermann stattet in seinem gemeinsam mit dem Dalai Lama verfaßten Buch einen überschwänglichen Dank an den buddhistischen Dalai Lama für „jahrzehntelanges Beispiel eines Führertums des Geistes“ und als „Missionar des Lebens“ ab. Drewermann zeichnet dabei ein Wunschbild des Buddhismus, insbesondere des tibetischen Buddhismus und des Dalai Lama. So schreibt er allgemein: „Seit den Tagen des Kaisers Ashoka (272 vor Christus) hat der Buddhismus es vermocht, die Mächtigen und Regierenden in die Pflicht zu nehmen, daß sie der Gewalt abschwören und dem Prinzip des ahimsa bedingungslos sich verpflichten.“ Will Drewermann allen Ernstes behaupten, buddhistische Staaten hätten nie Krieg geführt und in buddhistischen Ländern habe es nie gewaltsame Auseinandersetzungen um die Macht gegeben? Ein Blick in die Geschichtsbücher kann ihn da schnell eines besseren belehren. Die heute im Fernen Osten verstreuten Tibeter bezeichnet er als „Flüchtlinge des letzten Reiches ohne Waffen“. Doch die Geschichte der Tibeter besagt etwas anderes, wie es selbst in der Autobiographie des Dalai Lama deutlich wird. Darin berichtet der Dalai Lama etwa über die bewaffneten Kämpfern, die den ersten Teil seiner Flucht bewachten: „Jetzt konnte ich ihnen nicht mehr ehrlichen Herzens raten, Gewalt zu vermeiden. … So bat ich sie nur, Gewalt lediglich bei der Verteidigung ihrer Stellungen in den Bergen anzuwenden.“ Auch wenn Drewermann am Dalai Lama rühmt, daß er Kirche und Staat in sich vereint und Politik und Religion zu einer großen Einheit verbindet, baut sich Drewermann nur ein Wunschbild auf. Er schreibt: „Der Dalai Lama ist das geistige und weltliche Oberhaupt der Tibeter. Gerade das ist er im Sinne seiner eigenen Religion. Der Buddhismus hat die Doppelzüngigkeit und Doppelbödigkeit zwischen Weltlichem und Geistigem nie gestattet …“ Der Dalai Lama selbst beschreibt dagegen die Trennung der Gesellschaft in Mönche und Laien ganz anders: „Faktisch war nur in meiner Position, der des Dalai Lama, die Autorität von Laie und Mönch vereint.“ Und über die Entscheidung, ob er vor den einmarschierenden kommunistischen Truppen fliehen sollte, schreibt der Dalai Lama: „So hatte ich allein die Entscheidung zu treffen. Doch ich war so unerfahren in weltlichen Dingen, und deshalb wurde mir der Entschluß nicht leicht.“ Hier bleibt wohl nichts von der vielgerühmten Einheit von Religion und Politik über. Drewermann diskutiert auch die „Gutgläubigkeit“ des Dalai Lama, der auch nach der Invasion der Chinesen nicht glauben wollte, daß Mao selbst den Befehl zur Invasion gegeben hatte. Dies dürfte jedoch weniger vorbildliches Verhalten als blanke Unwissenheit und Naivität gewesen sein. Drewermanns Berufung auf den Buddhismus und den Dalai Lama wirkt teilweise sehr widersprüchlich. Er ist eben nur ein ‚Zweidrittelbuddhist‘. Wie kann Drewermann etwa dauernd die Gewaltlosigkeit preisen, gleichzeitig aber den Kampf der Kirchen gegen die Abtreibung lächerlich machen und als ewiggestrig ansehen? Sollen der Trend, daß Tiere oft besser geschützt sind, als ungeborene Babys, endgültig festgeschrieben werden: Babys darf man töten, Tiere überhaupt nicht? Jedenfalls stehen diese beide Forderungen in Drewermanns Schriften, ohne daß er den inneren Widerspruch zu bemerken scheint. Drewermann gerät auch an anderen Stellen mit dem Gewaltlosigkeitsprinzip in Konflikt, an denen das Christentum das Töten strengstens bekämpft, insbesondere wenn er versucht, fremden Religionen Positives abzugewinnen. So wendet er sich gegen die christliche Verurteilung von Menschenopfern, Kopfjagd, da die Naturvölker, die diese Dinge praktizierten, wenigsten eine echte Harmonie zwischen Geburt und Leben kannten! Wir sollten bei ihnen etwas „von der Wahrheit des mythischen Kreislaufes“, der allem christlichen Fortschrittsdenken widerspricht, lernen. Und auch sonst wird Drewermann nicht müde, jede noch so fremde Religion anzupreisen. Der Dalai Lama – Vorbild der Toleranz? Der ägyptische Pharao und der römische Kaiser, der chinesische Kaiser und die islamische Kalifen, und viele andere Herrscher der Geschichte verbanden das höchste politische mit dem höchsten religiösen Führungsamt und begründeten ihre politische Stellung mit ihrer besonderen Nähe zu den Göttern oder zu Gott. Die göttlichen Priesterkönige sind im Laufe der Jahrtausende weniger geworden und ihre Zahl ist insbesondere seit dem Auftreten des Christentums rapide zurückgegangen, das beginnend mit der alttestamentlichen Unterscheidung von König und Hohepriester eine Trennung der Aufgaben den Staates und der Gemeinde Gottes kennt. Heute haben wir nur noch wenige Herrscher, die ihre Macht aus ihrer Göttlichkeit oder besonderen Beziehung zu Gott ableiten und deswegen nicht unter dem Gesetz stehen, also etwa nicht vor Gericht gestellt werden können. Für Drewermann ist jedoch ein solcher göttlicher Priesterkönig Kronzeuge und Vorbild schlechthin, nämlich der 14. Dalai Lama und Friedensnobelpreisträger Tendsin Gyatso (geb. 1935), der seine Macht im Moment ‚leider‘ nicht ausüben kann. Als Inkarnation Gottes muß er nicht als Erwachsener zum Herrscher gewählt werden, sondern hat als oberster Priester des tibetischen Lamabuddhismus automatisch das Recht zur Herrschaft. Daß ausgerechnet der Dalai Lama, der mit seinem Anspruch die Grundlagen von Rechtsstaat und vom Recht beschränkter staatlicher Autorität in Frage stellt, vom deutschen Bundespräsidenten als Vorkämpfer der Menschenrechte empfangen wurde, von einer evangelischen theologischen Fakultät in Deutschland den Ehrendoktor erhielt und auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag auftrat, ist deswegen nicht nur falsch, sondern ein Beweis dafür, mit welcher Naivität Menschen den Ast absägen können, auf dem sie sitzen. Würde unser Bundespräsident etwa einen Herrscher für Deutschland wünschen, der wie der Dalai Lama beansprucht, ein Gott zu sein? Das Buch des Dalai Lama ‚Einführung in den Buddhismus: Die Harvard-Vorlesungen‘ wird im Innenklappentext vom katholischen Herder Verlag, der viele Bücher des Dalai Lama verlegt hat, mit Worten überschwänglich gepriesen, wie man sie über Jesus oder die Bibel dort schon lange nicht mehr findet. „Die unauslotbare Tiefe der buddhistischen Weisheitstradition – von einer der großen geistigen Gestalten der Gegenwart auf einzigartige Weise erschlossen. Ein faszinierendes Dokument östlicher Geisteskultur, wie es zur Zeit außer dem Friedensnobelpreisträger Dalai Lama wohl kaum ein buddhistischer Lehrer entfalten kann. … Ob er über die Buddha-Natur spricht, die höheren Bewußtseinsstufen oder die Karma-Lehre – jeder Satz offenbart die Einheit von Toleranz und Tatkraft, Sensibilität und Sanftmut, Herzlichkeit und tiefer Menschenliebe, die den Dalai Lama so anziehend macht: ein Zeugnis bewegender Humanität. Eine Einführung für den westlichen Menschen, wie sie authentischer nicht sein könnte.“ Es ist mir schleierhaft, wo all das in diesem Buch wiederzufinden sein soll. Das Buch ist eine ganz gewöhnliche Darstellung des Buddhismus und seiner Lehren. Sie ist weder neuartig noch tolerant, sondern stellt ohne Wenn und Aber die Gültigkeit der klassischen Lehren des tibetischen Buddhismus in den Raum. Reinhart Hummel schreibt zu den Harvard-Vorlesungen: „Das Buch enthält kaum mehr als eine schulmäßige Darlegung traditioneller Lehrinhalte und Lehrunterschiede in Gestalt der alterwürdigen buddhistischen Didaktik …“ „Was der Dalai Lama hier praktiziert, ist die buddhistische Kunst der ‚klugen Anwendung der Mittel‘ (upayakausalya), d. h. der Anpassung der buddhistischen Lehre an die Situation der Hörer bzw. das geschickte Operieren auf unterschiedlicher Ebene der Reife und Verständnisfähigkeit: die feste Speise buddhistischer Lehre für den Gläubigen und für die Gelehrten, die leichte Kost buddhistischer Mitleidsethik für den interreligiösen Dialog und die Milch der Toleranz und Menschenfreundl
ichkeit für das allgemeine Publikum.“ Im übrigen hat der Dalai Lama schon früher ‚Grundzüge der buddhistischen Lehre für den westlichen Leser‘ zusammengestellt. Dies Buch unterscheidet sich inhaltlich kaum von dem neuen Buch. Wenn der Dalai Lama darin etwa schreibt: „Außer dem Dharma gibt es keinen Weg, dieses Glück und die Aufhebung der Leiden zu erreichen“, „Mit anderen Worten: Es ist möglich, alle physischen Schmerzen mit ungehinderter Leichtigkeit durch die reine Kraft geistiger Prozesse zu überwinden“, kann ich darin nur denselben Absolutheitsanspruch erkennen, wie ihn Jesus Christus erhoben hat, nur daß Jesus in offen erhoben hat, während der Dalai Lama so tut, als wollte er damit niemand in Frage stellen und seinen Absolutheitsanspruch zu kaschieren sucht. Der ‚gute Mensch‘ als Basis für die Einheit aller Religionen? Der Dalai Lama tritt für das Zusammengehen aller Religionen ein. So schreibt in seinem mit Drewermann zusammen verfaßten Buch: „Ich kam zu der Überzeugung, daß es in jeder Religion möglich ist, ein guter Mensch zu werden.“ Ist „ein guter Mensch werden“ wirklich eine reelle Basis, um alle Religionen zusammenzuführen oder nicht eher ein nichtsagender Platzhalter? Denn was ist „ein guter Mensch“? Und selbst wenn man das wüßte, wie wird man es dann? Sind diese beiden Fragen nicht gerade einer der zentralen Punkte, in denen sich die Religionen unterscheiden? Und wird das Christentum, daß davon ausgeht, daß es den ‚guten‘ Menschen nicht gibt, nicht gerade ausgeschlossen, wenn man den guten Menschen zur Grundlage der Einheit aller Religionen macht. Der Dalai Lama fährt fort: „Es gibt Religionen, die an einen Schöpfergott glauben. Man entwickelt hier den Glauben, daß alles Glück und Leid, das man erfährt, von Gott stammt. Auf der anderen Seite existieren Religionen, die nicht an einen Schöpfergott glauben (beispielsweise der Buddhismus oder der Jainismus). Hier ist der Mensch selbst für sein Glück und sein Leid in der Zukunft verantwortlich. Es gibt Menschen, denen der eine Glaube mehr hilft und eine größere Wirkung erzielt als der andere. Dennoch steuern beide auf ein einziges Ziel hin: ein besserer Mensch zu werden, ein Mensch der in sich Eigenschaften wie Liebe und Mitgefühl entwickelt. Das ist das Ziel der verschiedenen Arten von Glauben. Wenn nun der eine sinnvoller und wirkungsvoller ist als der andere, soll der einzelne Mensch doch die Möglichkeit haben, den Glauben zu leben, der für ihn der beste ist.“ Ist das nicht gar zu billig? Einmal angenommen, es gibt den genannten Schöpfergott wirklich? Kann man es dann auch einfach mal ohne ihn probieren? Für den prinzipiell atheistischen Buddhismus (und den prinzipiell atheistischen Drewermann) spielt es keine so große Rolle, ob man einen Schöpfergott einbezieht oder nicht. Für die, die an den Schöpfer glauben, ist es jedoch unmöglich, einmal so zu tun, als wäre die Welt keine Schöpfung. Außerdem: Woran mißt der Dalai Lama eigentlich, welche „Wirkung“ ein Glaube erzielt. Muß er nicht erst einmal von einem vorgegebenen verbindlichen Maßstab ausgehen, an dem er dann das Ergebnis der religiösen Tätigkeit aller mißt? In seiner Autobiographie geht der Dalai Lama sogar soweit, einige der Zehn Gebote als Gemeinsamkeit aller Religionen zu benennen: „Verschiedene Glaubenslehren sind den Menschen von verschiedenen Gründern zu verschiedenen Zeiten und auf verschiedene Art gebracht worden. Aber ich glaube, daß sie im Grunde alle dasselbe Ziel anstreben: sittliche Gebote zu lehren, um so Geist, Körper und Sprache zu formen. Sie lehren uns, nicht zu lügen oder falsches Zeugnis zu geben, nicht zu stehlen, nicht zu töten und so weiter. … Mit allem Nachdruck betone ich, wie dringend notwendig eine fugenlose Einheit unter allen Religionen ist.“ Übrigens wendet sich Drewermann massiv gegen christliche sittliche Gebote wie zum Beispiel das Abtreibungsverbot als Teil des Tötungsverbotes und dürfte sich zumindest hierin wohl kaum auf den Dalai Lama berufen dürfen, wie wir bereits gesehen haben. Es ist doch wohl so, daß sich Drewermann immer nur dort auf religiöse Traditionen – also auch auf den Dalai Lama – stützt, wo sie zufällig mit seiner längst vorgegebenen Position übereinstimmen. In dieser ersten Folge haben wir gesehen, daß Drewermann ‚Zweidrittelbuddhist‘ ist. Seine Prägung durch den Buddhismus kommt insbesondere in seiner Sicht des Menschen zur Umwelt und zu den Tieren und seinen diesbezüglichen Angriffen auf das Christentum zum Ausdruck. Das wollen wir uns in der nächsten Folge näher anschauen.

Ist die Umweltkrise eine Folge des Christentums?

In der ersten Folge haben wir gesehen, daß Drewermann ‚Zweidrittelbuddhist‘ ist. Seine Prägung durch den Buddhismus kommt insbesondere in seiner Sicht des Menschen zur Umwelt und zu den Tieren und seinen diesbezüglichen Angriffen auf das Christentum zum Ausdruck. Es ist absurd, wenn Eugen Drewermann mit seinem Buch ‚Der tödliche Fortschritt: Von der Zerstörung der Erde und des Menschen im Erbe des Christentums‘ behauptet, dem Alten und Neuen Testament sei angeblich die Bewahrung der Schöpfung völlig fremd, so daß sich daraus eine schrankenlose Ausrichtung auf den Menschen ergeben mußte! (Ich glaube eher, daß die Bibel, insbesondere das Alte Testament, Drewermann völlig fremd geblieben ist.) Nachvollziehbar und erklärbar ist Drewermanns Sicht jedoch nur, wenn man bedenkt, daß Drewermann buddhistisch denkt. An sich wäre Drewermann ja zunächst einmal zuzustimmen, daß es ein Grundübel ist, wenn die Natur ausschließlich als Umwelt des Menschen angesehen wird. Diese Anthropozentrik (der Mensch im Mittelpunkt) wird aber nun von dem Theologen Drewermann nicht überwunden, in dem er darauf verweist, daß diese Welt Gottes Schöpfung ist und deswegen Gott gehört und auf ihn ausgerichtet wird. Dann hätte er wie Gotthard M. Teutsch schreiben können: „Wir können daraus nur folgern, daß Theologie und Kirche insbesondere seit Descartes das anthropozentrische Weltbild immer selbstverständlicher, ja hemmungsloser gedeutet und viel zu lange auch in unser Jahrhundert weitergeschleppt haben, so, als ob der einzige Sinn der Schöpfung darin bestünde, für den Menschen da zu sein.“ Drewermann verweist aber nicht auf Gott, sondern schlägt den umgekehrten Weg ein, indem die Tiere in den Rang der Götter und Menschen erhoben werden. (Dies gilt offensichtlich aber nur für die Säugetiere und sicher nicht für die Pflanzen – warum eigentlich nicht?) Alle Religionen, in denen Götter, Menschen und Tiere auf eine Stufe gestellt werden, kommen in Drewermanns Buch gut weg, so aus der Antike die Ägypter, Babylonier, Inder, Griechen und Römer. Die aufgeklärte griechische Philosophie wußte besser als das Christentum, daß die Welt nicht einfach nur für den Menschen geschaffen wurde. Einzige problematische Ausnahme waren für Drewermann, der bisweilen überhaupt deutlich antisemitische Töne zum Alten Testament verbreitet, die Juden. Drewermann schreibt: „Die Religion Israels, von der das Christentum wesentlich geprägt ist, besaß zur Natur von vornherein ein außerordentlich heikles Verhältnis.“ Drewermann sieht einen großen Unterschied zwischen der jüdisch-christlich-islamischer Naturzerstörung und Mißachtung des Tieres und dem (angeblich) freundlichen Umgang mit den Tieren in den Kulturen des Ostens. Daß es den Tieren in östlichen Kulturen bestenfalls auf dem Papier besser geht, übergeht er einfach. Er läßt auch die verheerenden Umweltzerstörungen in diesen Ländern einfach aus. Ein Beispiel dafür mag genügen. „China verlor in den 5000 Jahren seiner Hochkulturphase zwei Drittel seiner bebaubaren Fläche durch Erosion.“ Stephan Heiland verweist in diesem Zusammenhang zu Recht darauf, daß das griechische Denken als zweite Wurzel der abendländischen Kultur und Wissenschaft nicht vergessen werden darf und schreibt: „Auch in nicht- und vorchristlichen Gesellschaften tritt natur zerstörendes Verhalten auf.“ Überhaupt müßte Drewermann erst einmal zeigen, in welchen Religionen und Kulturen Umweltzerstörung geringer ist oder wo weniger Menschen und Tiere leiden und sterben – in Indien jedenfalls ganz sicher nicht! Und war die alte ägyptische Kultur wirklich umweltschonend? Nirgends geht Drewermann auf solche Fragen ein. Stattdessen verkündigt Drewermann vielmehr erst seine Sicht und geht dann auf die Suche, welche Tradition oder Religion diese Sicht auf dem Papier stützt, ganz gleich ob dies in der Praxis auch tatsächlich so war. Auf den Unterschied zwischen dem biblischen Christentum und den seit der Renaissance und der Aufklärung vorherrschenden säkularen Wissenschafts- und Gesellschaftsvorstellungen des christlichen Abendlandes (siehe im folgenden) geht Drewermann darüber hinaus überhaupt nicht ein. Nein, er sieht Judentum, Christentum, Islam „ebenso wie ihre säkularisierten Derivate“ als einen großen einheitlichen Block, der allen anderen naturverbundenen Religionen gegenübersteht. Ja, Drewermann vermischt sogar den griechisch-römischen Humanismus mit Judentum und Christentum zu einem großen abendländischen Brei, der an allem schuld ist. Wir werden auf diese Problematik weiter unten zurückkommen. Wie realitätsfern Drewermann argumentieren kann, zeigen Aussagen, die so klingen, als hätten frühere Generationen in völligem Einklang mit der Natur zufrieden und gesund gelebt. So schreibt Drewermann etwa: „Inzwischen sind wir bereits dahin gelangt, daß wir, Kinder der Zivilisation des 20. Jh.’s, die Natur rein hygienisch nicht mehr ohne Schaden vertragen.“ Als Beispiel nennt er das Impfen, wenn man in Urlaub in ein Entwicklungsland fährt. War das jemals anders? Gab es jemals eine Zeit, wo der Aufenthalt in anderen Kontinenten gesundheitlich gefahrlos war? Konnte der Mensch jemals ohne Hygiene leben? Wurde der Mensch nicht immer schon von Krankheiten und Katastrophen aus der Natur bedroht? Ähnlich utopisch klingt eine andere Aussage Drewermanns: „Vermutlich haben wir nicht nur moralisch und religiös, sondern auch bereits biologisch den Punkt schon überschritten, an dem wir noch auf natürliche Weise mit der Natur zusammenleben könnten …“ Wenn Drewermann hier nun die christliche Hoffnung auf eine neue Welt einbringen würde, in der durch Gottes Erlösung die Harmonie zwischen Mensch und Schöpfung wiederhergestellt sein wird (z. B. Offb 22), wäre das zu begrüßen. Dann könnte er wie Gotthard M. Teutsch schreiben: „Die Bibel begnügt sich aber nicht damit, den Schöpfungsfrieden als etwas Verlorenes zu beschreiben, sie greift ihn auch als Zukunftshoffnung auf.“ Aber gerade ein solches Konzept lehnt Drewermann ja ab. Ihm geht es um die ‚Natur‘, nicht um Gottes Schöpfung. Im nächsten Atemzug kann Drewermann, der bisweilen so klingt, als wollte er die gesamte moderne Technik abschaffen, behaupten, das Christentum stünde engstirnig technischen und wissenschaftlichen Fortschritt im Wege. So schreibt er nach einer langen Darstellung der Gentechnologie: „Die Verfahren der Gentechnologie … zu schildern, erschien schon deshalb als unerläßlich, weil insbesondere in Theologenkreisen gegenüber jedem technischen Fortschritt eine merkwürdige Denkhemmung besteht, die sich gern als moralische Verantwortung gebärdet, wenngleich sie zu einem beachtlichen Teil aus Unkenntnis, Aberglaube und tradierten Vorurteilen besteht.“ Gelegentlich kann Drewermann dem Christentum auch etwas Positives abgewinnen. So schreibt er: „Das Christentum hat zweifellos ein großes Verdienst darin, daß es aus den heidnischen Gottesvorstellungen alle willkürlichen, dämonischen Züge entfernt hat …“ (Zugleich hat das für Drewermann aber den Nachteil, daß nun fälschlich Bewußtsein, Geistigkeit und Rationalität als das Menschliche schlechthin gelten.) Müßte man dann aber nicht Religionen ablehnen, die solche „willkürlichen, dämonischen Züge“ bis heute beinhalten? Die Umweltkrise ist nicht die Folge des Christentums. Nun stammt die These, daß das Christentum an der Umweltzerstörung schuld sei, nicht von Drewermann. Neu bei Drewermann ist erst, daß der Buddhismus und die östlichen Religionen als Alternative zur Umwelterhaltung angeboten werden. Die Sicht, daß christliche Grundprinzipien, insbesondere die Sonderstellung des Menschen, an der Umweltzerstörung schuld seien, wurde vor allem 1967 von Lynn White und 1972 von Carl Amery vorgebracht und seitdem heftig diskutiert. Der reformiert – evangelikale Vordenker Francis Schaeffer hat sich in seinem Buch ‚Umweltverschmutzung und der Tod des Menschen: eine christliche Sicht der Ökologie‘ grundsätzlich mit der Frage des Umweltschutzes beschäftigt. Er wendet sich gegen eine „Natur/Gnade-Dichotomie“ im ch
ristlichen und evangelikalen Gewand, die das fehlende Interesse am Schicksal der Schöpfung mit der Konzentration auf geistliche Inhalte begründet, also gegen eine Verfälschung des christlichen Denkens Platonismus und seiner Geringschätzung des Materiellen. Schaffer lehnt dabei unter anderem den auch von Drewermann oft angeführten Franz von Assisi als Ausgangspunkt für einen christlichen Umweltschutz ab, da Franz von Assisi pantheistisch Göttliches in der ganzen Schöpfung wieder findet, während der christliche Glaube gerade in der Verantwortung für die Umwelt von der grundsätzlichen Gegenüberstellung von Schöpfer und Schöpfung ausgehen muß. Eric Doyle kritisiert an Schaeffer, daß Franz von Assisisi keine pantheistischen Vorstellungen vertreten habe, sondern durchaus biblisch gedacht habe. Er meint, „daß Franz von Assisi zum Patron des Umweltschutzes erklärt werden sollte“. Er stimmt in diesem Zusammenhang jedoch Francis Schaeffer zu, „daß weder das Wesen des Christentums noch christliche Lehren uns in die gegenwärtige Krise geführt haben, sondern die Selbstsucht von Menschen (seien sie Christen oder Angehörige einer nachchristlichen Zeit), die im Mißbrauch ihrer gottgegebenen Stellvertreterschaft die souveränen Rechte der Herrschaft Gottes über die Welt an sich gerissen haben“. Dieser Sichtweise sind viele Forscher gefolgt. Udo Krolzik kommt in seiner umfangreichen historischen Untersuchung ‚Umweltkrise: Folge des Christentums?‘ zu dem Ergebnis: „Bei der Beantwortung der Frage, ob die Umweltkrise Folge des Christentums ist, können wir von diesen Erkenntnissen ausgehen. Es zeigt sich dann, daß die Technikentwicklung des 12./13. Jahrhunderts zwar christlich motiviert und legitimiert, aber keineswegs durch ein ausbeuterisches Naturverhältnis bestimmt war. Erst durch Auflösung der Gottbezogenheit von Mensch und Natur in der Renaissance entsteht ein Menschen- und Naturverständnis, das der Natur ihren Eigenwert nimmt und sie zum reinen Mittel herabwürdigt. Diese Auffassung wird jedoch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts durch die vom abendländischen Mönchtum ausgehende Vorstellung begrenzt, daß der Mensch als Mitarbeiter Gottes die Werte und Schönheit der Natur durch seine Kultivierung gelungen zur Darstellung bringt. Die Vertreter dieser Vorstellung weisen die Betrachtung der Welt als Maschine zurück. Erst die bürgerliche Ökonomie beginnt die Weltmaschine zu verwirklichen und die Natur auszubeuten. Da die Umweltkrise erst seit der industriellen Revolution entstanden ist, kann gesagt werden, daß sie nicht eigentlich Folge des Christentums, sondern der Säkularisierung und der damit verbundenen Selbstbezogenheit des Menschen ist.“ Und Gary North schreibt: „Dieses Jahrhundert hat radikale Verirrung gesehen: Massenproduktion im großen Stil finanziert durch Geldinflation, begleitet von massenhafter Umweltverschmutzung, die jährlich zunimmt, Jahrzehnt um Jahrzehnt. Dies ist nicht der Höhepunkt des rechten christlichen Glaubens, sondern des arroganten, säkularen Humanismus, der seine eigene moralische Grundlage auffrißt, nämlich den kulturellen Firnis des Christentums.“
„This century has been a radical historical aberration: large scale mass production, financed by monetary inflation, accompanied by mass pollution, compounding annually, deacde after decade. This is not the culmination of Christian orthodoxy but of an arrogant secular humanism which is steadily consuming its moral foundation, namely, the cultural veneer of Christian orthodoxy.“ Der Philosophieprofessor Günter Rohrmoser geht in seinem empfehlenswerten Buch ‚Der Ernstfall: Die Krise unserer liberalen Republik‘ in einem eigenen Kapitel der Frage nach: „Trägt die Moderne oder das Christentum die Schuld an der Ökologiekrise?“ Er kommt zu dem Ergebnis: „Was wir in der Ökologiekrise der Gegenwart erleben, ist nicht eine zwangsläufige Folge des dem Menschen im Christentum gelehrten Naturverhältnisses, nein, alle diese Prozesse, die heute in den zerstörerischen Konsequenzen zu kulminieren scheinen, haben ihren Ausgangspunkt nicht vor 2000 Jahren, sondern im Grunde genommen vor etwa 400 Jahren genommen. Was ist am Beginn dieser Neuzeit Neues und Entscheidendes geschehen? Die Wissenschaft wurde selbst zu einer Art Religion. Ich darf hier an den britischen Lordkanzler Francis Bacon erinnern.“ Francis Bacon hoffte den Menschen durch Wissenschaft und Technik aus seiner Naturabhängigkeit befreien und damit die Folgen des Sündenfalls beseitigen zu können. „Diese Geschichtsepoche der Neuzeit, an deren Anfang Bacons Utopie einer Wiederherstellung des Paradieses steht, neigt sich jetzt dem Ende zu.“ Das bedeutet auch das Ende der Ersatzreligion Wissenschaft, denn, so Rohrmoser: „Wir können die Herrschaft des Fortschrittsdenkens und der Naturbeherrschung nicht verstehen, wenn wir nicht erkennen, daß der Fortschrittsglaube eine Art Ersatzreligion war.“ Ganz im Gegensatz zu Drewermann kommt Rohrmoser dann zu dem Schluß: „Wir haben sehr wohl allen Grund, uns an den biblischen Auftrag zu erinnern. Die biblische Antwort wird im Grunde genommen unserer gegenwärtigen Lage noch am ehesten gerecht.“ Schließlich sei noch die ältere Stimme von Reinhold Niebuhr zitiert: „… denn der Dynamismus der abendländischen Kultur wurde möglich durch den Triumph, den die biblisch-christliche Geschichtsauffassung, die Geschichte als einen Sinn-Bereich begreift, über die ahistorische Kultur der Antike davontrug. Die unvorhergesehene Katastrophe, die auf diesen Dynamismus folgte, hängt andererseits mit dem Sieg des modernen Geschichtsbildes über die biblisch-christliche Auffassung zusammen. Denn die christliche Lebens- und Geschichtsauffassung erkannte sowohl die Gefahr als auch die schöpferische Kraft der menschlichen Freiheit an; die moderne Anschauung hingegen besaß zur Ausweitung der menschlichen Freiheit bedenkenloses Zutrauen.“ Die Umweltkrise ist nicht die Folge des Christentums, wie Drewermann meint. Drewermann kann auch nicht zeigen, daß der Buddhismus oder andere Religionen die Umwelt besser schützen konnten. Für Drewermanns weit reichende Christentumskritik in Sachen Umwelt ist vor allem seine buddhistische Sicht des Verhältnisses von Gott, Mensch und Tier verantwortlich, auf die wir in der nächsten Folge eingehen wollen. Drewermanns Kampf gegen die Sonderstellung des Menschen Drewermann und die Tierwelt In den ersten beiden Folgen haben wir gesehen, daß Drewermann ‚Zweidrittelbuddhist‘ ist und daß er das Christentum für die Umweltzerstörung der Gegenwart verantwortlich macht. Wir wollen diese Thematik an einem konkreteren Beispiel illustrieren, nämlich Drewermanns buddhistische Sicht des Verhältnisses von Gott, Mensch und Tier, wobei wir uns auch mit seinem Vorbild Franz von Assissi beschäftigen müssen. In seinem Buch ‚Über die Unsterblichkeit der Tiere‘ kritisiert Drewermann die christliche Sicht, daß es einen grundlegenden Unterschied zwischen Mensch und Tier gibt, und propagiert stattdessen die buddhistische Sicht der Gleichheit von Gott, Mensch und Tier. Er diagnostiziert, daß „eine äußerst schädliche und gefährliche Enge und Engführung der christlichen Theologie unübersehbar ist: der Frage nach dem Los unserer Mitgeschöpfe, der Tiere.“ Der christliche Glaube habe, so Drewermann, „ein Weltbild begünstigt und begründet, innerhalb dessen der Mensch durch die Unsterblichkeit seiner Seele von allen anderen Geschöpfen auf unendliche Weise unterschieden und in absolutem Sinne vor allen anderen Lebewesen bevorzugt und ausgezeichnet erscheint.“ Selbst der modernen, auch liberalen Christenheit wirft er vor, immer noch Schwierigkeiten damit zu haben, sich „mit dem evolutiven Weltbild der modernen Naturwissenschaft anzufreunden“. „Das Hauptproblem dieser Theologie und Ethik besteht in der Schwierigkeit, zu akzeptieren, daß die Welt als ganze sich entwickelt und daß es inmitten dieser Entwicklung keinen Zustand und keine einzelne Erscheinungsform gibt, die als unveränderlich betrachtet werden könnte.“ Die Ablehnung der christlichen Sicht
und auch der Schöpfung ist für Drewermann also nur möglich, weil er sich bedingungslos der modernen Wissenschaft und der Evolutionstheorie verschreibt. „Wer eigentlich hat uns erlaubt, Lebewesen, deren Intelligenz und Gefühlsrepertoire ungefähr dem Stand unserer eigenen Vorfahren vor ca. 2 Millionen Jahren entspricht, brutal ihren Lebensraum zu zerstören und sie schließlich in einigen wenigen überlebenden Exemplaren in ewiger Gefangenschaft zu halten?“ Der biblischen Schöpfungsvorstellung kann Drewermann deswegen nicht das Geringste abgewinnen. Nur weil man den Menschen für einmalig hielt, erfand man die Erschaffung des Menschen durch Gott im Schöpfungsbericht: „Die ‚Einmaligkeit‘ des Menschen nötigte zu der Vorstellung eines zeitlich (!) einmaligen Schöpfungsaktes, durch den Gott den Menschen unmittelbar geschaffen haben sollte …“ Überhaupt ist die Sonderstellung des Menschen in der Bibel für Drewermann an allen Fehlentwicklungen Schuld. „In summa: Das christliche Abendland kennt keine Ethik, die das Leid der Tiere und das Leid von Menschen als gleichwertig erscheinen ließe. Denn: nur Menschen sind unsterbliche Wesen!“ Von dieser Drewermannschen Kritik ist auch Jesus Christus nicht ausgenommen, denn „nur in einer Gestalt dieser Spezies ist der Christus erschienen“, was das Menschsein angeblich unnötig adelt. Wäre doch Jesus als Stier oder Ratte erschienen, dann, so muß man Drewermann zu Ende denken, wäre uns der ganze Rummel um den Menschen erspart geblieben! Die Wissenschaft widerlegt für Drewermann auch jede christliche Zukunftshoffnung. „In dem gleichen Maße jedoch, in dem die evolutive Herkunft des Menschen verdrängt wurde, suchte man seine Zukunft in Christus (‚eschatologisch‘) umd so großartiger auszugestalten, wobei man freilich niemals von den Erkenntnissen der modernen Kosmologie, sondern stets von der biblischen Vorstellungsweise ausging und auch heute noch ausgeht.“ Auch die Sicht, daß die Sünde des Menschen das Unheil über die ganze Schöpfung – auch für die Tier – gebracht hat, und deswegen nur die Erlösung den Frieden der schöpfung zurückbringen kann (z. B. Röm 8,18-23), löst bei Drewermann nur Kopfschütteln aus. „… man hält es in der Selbstauslegung des christlichen Weltbildes immer noch für unabdingbar, die Anthropologie zur Kosmologie auszudehnen: Die ganze Schöpfung ist durch den Sündenfall Adams ins Unheil gezogen worden und muß nun durch Christus, das heißt durch die Menschen in der ‚Nachfolge Christi‘, mit anderen Worten: durch die Kirche als den wahren ‚Leib Christi‘, erlöst werden. Dieses Weltbild ist ohne Zweifel hoch mythologisch.“ „Der christliche Anthropozentrismus ging schließlich soweit, die Naturordnung völlig auf den Kopf zu stellen und das gesamte Schicksal der Natur vom Menschen abhängig zu machen: wegen der Sünde Adams seien alle Geschöpfe bestraft worden, die gesamte Natur sei vom Menschen negativ beeinflußt und müsse durch den Menschen erlöst werden … In Wahrheit demonstrierte man mit derartigen Theoremen nur, daß man die Natur nicht kannte und auch nicht zur Kenntnis nehmen wollte.“ Wie sehr Drewermann jede noch so merkwürdige religiöse Idee lieber aufgreift als das Christentum oder die Bibel zeigt ein Hinweis am Ende seines Beitrages zu Mensch und Tier: „Vielleicht haben die ‚primitiven‘ Jägerkulturen nicht Unrecht, wenn sie in ihren Mythen und Riten betonen, daß man kein Tier töten dürfe, ohne nicht zuvor den Geist der jeweiligen Tiere um Vergebung gebeten zu haben, ja, es gebe eigentlich gar kein Töten, sondern man sende im Grunde nur die Seele der Tiere zur Welt der Götter empor, auf daß sie im Himmel als Boten der Menschen zu dienen vermöchten.“ Wären dann also doch alle unnötig grausamen Tierversuche legitimiert, wenn wir die Tiere vorher um Vergebung bitten? Und was haben die Tiere davon, daß man zu ihrer Seele redet, bevor man sie tötet? Ebenso preist Drewermann die ägyptische Mythologie, in der „die Tiere als unabdingbar zur Sphäre der Götter und Menschen gehörig“ angesehen wurden. Will Drewermann uns die ägyptische Kultur allen Ernstes als friedliebende, gewaltlose Kultur verkaufen? Und will er, daß wir auch heute Tiere für Götter halten und dadurch unsere Probleme lösen? Jedenfalls scheint ihm all das lieber zu sein, als an den in der Bibel offenbarten Schöpfer zu glauben. Wie steht es denn nun eigentlich mit Drewermanns Behauptung, im Buddhismus ginge es den Tieren viel besser als im Christentum? Ute Hahn geht in ihrer Dissertation ‚Die Entwicklung des Tierschutzgedankens in Religion und Geistesgeschichte‘ auch auf den Buddhismus ein und schreibt zur Ansicht des bereits erwähnten Philosophen Arthur Schopenhauer, daß der Buddhismus die Religion der Tierliebe und darin dem Christentum weit überlegen sei: „Schopenhauer ist entgegenzuhalten, daß die Tierliebe der Buddhisten lediglich eine Ethik in Worten ist und daß es nicht zu einer mitleidigen Tat kommt, sondern daß als höchstes Ideal die absolute Interesse und Tatenlosigkeit angesehen wird. Abschließend bleibt zu sagen, daß die indische Einstellung zum Tier rein negativ ist. Auf das Leben des Tieres wird nur insofern Rücksicht genommen, daß ein bewußtes oder unbewußtes schädigendes Verhalten vermieden wird. Dies geschieht aber nicht wegen des Wertes des tierischen Individuums, sondern einzig und allein, weil das Schädigen des tierischen Lebens die eigene Seele verletzten würde.“ Im übrigen ist es natürlich eine Illusion, daß es der Umwelt oder den Tieren in buddhistischen Ländern oder in Tibet besser ginge als in westlichen Ländern. Franz von Assisi – Vorreiter einer neuen Welt ? Nicht erst seitdem sich Vertreter aller führenden Weltreligionen einschließlich christlicher Konfessionen auf Einladung des Papstes im italienischen Assisi zum gemeinsamen Gebet für den Weltfrieden trafen, ist jener bescheidene Mönch Franziskus, der Assisi berühmt machte, wieder in den Mittelpunkt gerückt. Schon länger sind seine Gedanken und Taten als Programm für die Zukunft verstanden worden. Bereits 1959 hat Fritz Blanke ebenso wie später viele andere einschließlich Eugen Drewermann Franz von Assisi als den ersten oder einzigen Vertreter der Christenheit ausgemacht, der eine Einheit zwischen Mensch und Tier vertreten und den Menschen aus dem Kampf gegen die Natur herausgeführt habe. Kaum jemand hat diese Berufung auf Franz von Assisi klarer formuliert und besser zusammengefasst als Eric Doyle. Die deutsche Fassung seines Buches von 1987 könnte zu der Vermutung führen, daß das Weltfriedensgebet in Assisi nun kommerziell ausgenutzt werden soll. Da die englische Originalausgabe jedoch bereits 1980 erschienen ist, dürfte eher die Assisirennaisance zum Weltfriedensgebet in Assisi geführt haben. Eric Doyle geht es in seinem Werk „Von der Brüderlichkeit der Schöpfung“ um eine ausführliche Auslegung und moderne Anwendung des Sonnengesanges von Franz von Assisi. Der Text steht im Mittelpunkt und gilt als Autorität. Man wird fast an einen Kommentar zu biblischen Texten erinnert. Tatsächlich erhofft sich Doyle viel von diesem Gebet. Es könnte für ihn entscheidende Wegweisung für das Neue Zeitalter (New Age) geben, das angeblich bereits angebrochen ist. „Mein Ziel bei der Abfassung des Buches war der Versuch aufzuzeigen, wie der Glaube an die umfassende Brüderlichkeit uns helfen kann, eine bessere Welt zu schaffen.“ In seiner einführenden Biographie beschreibt Doyle die Persönlichkeit des Franziskus mit Hilfe der psychoanalytischen Kategorien Jungs. Zentrale Bedeutung hat für ihn die enge Beziehung zu Klara di Offreduccio, die, obwohl 12 Jahre jünger als Franz vonm Assissi, parallel einen Frauenorden im Sinne des Franziskus gründete. Doyle hält es durchaus für möglich, daß beide ineinander verliebt waren und findet das erfreulich. Hier dürfte er es sich aber zu einfach machen. Es geht ja nicht darum, daß Verliebt sein verkehrt wäre, sondern darum, daß Franz von Assisi derartige Dinge als fleischlich ablehnte bzw. sich klösterlich von ihnen zurückziehen wollte. (Klara wurde übrigens 1958 durch Papst Pius XII. zur Schutzpatronin de
s Fernsehens erklärt). Als Höhepunkt und Abschluß des Lebens von Franz von Assisi sieht Doyle zum einen die Stigmatisierungen des Mönches. Zusammen mit einigen Visionen erhielt Franz 1224 5 Wunden an Füßen, Händen und an der Seite. Zum anderen sieht Doyle in dem Sonnengesang, den Franz kurz vor seinem Tod dichtete, Höhepunkt und Abschluß seines Lebens. „Nach einem mystischen Erlebnis, welches ihm die Gewißheit über das ewige Leben schenkte, dichtete er den Sonnengesang …“ Das mystische Erlebnis ließ Franz in Vision und Ekstase die Einheit der Natur erleben. Sie soll im Sonnengesang zum Ausdruck kommen. Franz von Assisi lobt in diesem Gebet Gott durch verschiedene Elemente der Natur. Die Frage ist nun, welchen Stellenwert diese Naturelemente haben. Nimmt man sich den Text selbst als Ausgangspunkt, gibt es zwei Sichtweisen. Zum einen kann man das Gebet als Fortsetzung alttestamentlicher Gebete verstehen. In Daniel 3, 57+62) heißt es etwa: „Preiset den Herrn, all ihr Werke des Herrn: / lobet ihn und erhebet ihn in Ewigkeit / … / Preiset den Herrn, Sonne und Mond: / lobet ihn und erhebt ihn in Ewigkeit!“ Demnach ginge es im Gebet um das Lob Gottes. Die meisten Gedanken die Doyle daran anknüpft, würden dann weit über das Anliegen des Gebetes hinausgehen. Die andere Möglichkeit ist, daß Franz von Assisi den Elementen der Natur selbst einen gewissen göttlichen Rang zuspricht. Er nennt die Sonne „Herrin“ und sagt von ihr „dein Bild, o Höchster, ist sie“. Auch wenn diese Aussagen sicher ebenso zu weit gehen, wie die Feststellung, daß der körperliche Tod unser Bruder sei, können sie die Aussage in der ersten Strophe, daß Gott allein Verehrung gebührt, nicht aufheben. Eine gewisse Vergöttlichung der Natur findet sich sicher in der gesamten Naturmystik des Franz von Assisi. Im Sonnengesang tritt sie jedoch stark in den Hintergrund. Damit ist aber auch fraglich, ob man an dieses Gebet so weittragende Gedanken anhängen kann, wie Doyle dies tut. Von besonderem Interesse dürfte Doyles Auseinandersetzung mit Francis Schaeffer sein. Schaeffer hat sich in seinem Buch grundsätzlich mit der Frage des Umweltschutzes beschäftigt. Er lehnt dabei unter anderem Franz von Assisi als Ausgangspunkt für einen christlichen Umweltschutz ab, da Franz von Assisi pantheistisch Göttliches in der ganzen Schöpfung wieder findet, während der christliche Glaube gerade in der Verantwortung für die Umwelt von der grundsätzlichen Gegenüberstellung von Schöpfer und Schöpfung ausgehen muß. Doyle kritisiert nun an Schaeffer, daß Franz von Assisisi keine pantheistischen Vorstellungen vertreten habe, sondern durchaus biblisch dächte. Er meint, „daß Franz von Assisi zum Patron des Umweltschutzes erklärt werden sollte.“ Er stimmt in diesem Zusammenhang jedoch Francis Schaeffer zu, „daß weder das Wesen des Christentums noch christliche Lehren uns in die gegenwärtige Krise geführt haben, sondern die Selbstsucht von Menschen (seien sie Christen oder Angehörige einer nachchristlichen Zeit), die im Mißbrauch ihrer gottgegebenen Stellvertreterschaft die souveränen Rechte der Herrschaft Gottes über die Welt an sich gerissen haben.“ Nun mag man sich darüber streiten, ob man die Naturmystik Franz von Assisis schon als Pantheismus bezeichnen kann, der ja Gott in aller Natur wieder findet. Doch auch wenn dieser Ausdruck zu weit gegriffen wäre, zeigt doch Doyles Untersuchung selbst, daß Franz von Assisi als „christlicher Naturmystiker“ Göttliches weit über den von der Bibel gesteckten Rahmen hinaus wieder findet. Doyle selbst hebt die Bedeutung der einzelnen Elemente der Natur im Sonnengesang innerhalb der Weltreligionen hervor. Diese Bilder der Weltreligionen sind für ihn allgemeinmenschliche Werte, die Franz mit Gott in Verbindung bringt. Die mystisch-visionäre Erfahrung der Einheit der Natur läßt für Doyle auch die Brücken etwa zu den Theorien von E. Kübler-Ross und R. Moody über das Leben nach dem Tod oder zu C. G. Jungs Psychoanalyse schlagen. Es wird dabei deutlich, daß Doyle eine christliche Begründung der Umweltschutzbewegung gerade deswegen bei Franz von Assisi sucht, weil hier viele außerchristliche Elemente eingebunden werden können, die bei einem Rückgriff auf die Bibel selbst außen vor bleiben müßten. Nun mag man auf der einen Seite Franz von Assisis Naturmystik als über die Bibel hinausgehend bezeichnen. Das kann aber nicht darüber hinweg täuschen, daß vieles bei Franz von Assisi noch biblisch-christlicher wirkt, als bei Doyle. Man wird den Eindruck nicht los, daß Franz von Assisi eher als nachträgliche Begründung mißbraucht wird. Zu vieles wird übermäßig modernisiert. Ein kleines Sätzchen mag dies illustrieren. „Meine unmittelbare Reaktion ist das Gefühl, daß die Regierungen mehr tun könnten, um uns zum Energiesparen anzuspornen …“ Ein solcher Ansatzpunkt ist sowohl der Bibel als auch Franz von Assisi, auf den sich Doyle ständig beruft, fremd! Wie kann man seine christliche Verantwortung nur einfach auf die säkulare Regierung abschieben. Wenn Christen etwas als richtig erkannt haben, müssen sie doch nicht erst auf eine Aufforderung seitens der Regierung warten. Es geht nicht um Handeln nur um der Strafe und Folgen willen, sondern um des Gewissens willen (vgl. Römer 13,5). Christen handeln aus Verantwortung auch und gerade wenn der Staat sie nicht dazu auffordert! Für mich wird in diesem kleinen Satz deutlich, daß Doyle eher längst vorgegebene Prinzipien der Umweltbewegung im Nachhinein mit Franz von Assisi oder der Bibel begründet, als umgekehrt von der christlichen Wahrheit ausgehend eine Verantwortung vor Gott zu begründen und auszuleben. In diesem Zusammenhang bleiben auch die Ausführungen zum Thema Kreuzzüge unbefriedigend. Alle Texte, die davon sprechen, daß Franz von Assisi die Kreuzzüge befürwortete, werden als historisch unglaubwürdig abgetan. „Aufgrund dieser Überlegungen fühle ich daher, daß es sicherer und weiser ist, die Verba fr. Illuminati zu ignorieren, zumindestens, was die Frage nach der Einstellung des Franziskus zu den Kreuzügen angeht.“ Doyle mag ja „fühlen“, daß damit sein Vater der Friedensbewegung steht und fällt. Doch wird man den Eindruck nicht los, daß nicht sein kann, was nicht sein darf. Eine Äußerung von Franz von Assisi gegen die Kreuzzüge sucht man jedenfalls vergeblich. Sie wäre allerdings in seiner Zeit eine Sensation gewesen. Damit soll nicht behauptet werden, daß Franz von Assisi nicht mehrfach als Friedensstifter tätig war. Doch er tat dies ausschließlich im Rahmen seines religiösen Denkens und es gibt keinen Hinweis, daß er aus der zu seiner Zeit herrschenden politisch-religiösen Herrschaftsidee der katholischen Kirche ausgebrochen wäre oder etwa die Ketzerverfolgung seiner Zeit abgelehnt hätte. Sein Orden wurde gerade wegen seiner entschieden linientreuen Haltung vom Papst gefördert. Wer Franz von Assisi als Vordenker eines neuen Zeitalters sehen möchte, der sollte seine Leben und Werk gründlich studieren. Dabei wird er einerseits auf Unterschiede zwischen ihm und biblischen Aussagen stoßen, andererseits feststellen, daß bei einer Vereinnahmung Franz von Assisis für neuere psychologischspirituelle Strömungen der Wunsch Vater des Gedankens ist. Überzeugte Christen werden sich darüber hinaus lieber an den biblischen Normen orientieren wollen, wenn es um die Beschreibung unserer Verantwortung im Umgang mit der Schöpfung geht. Kirchengeschichtliche Personen werden ihnen nur insofern Wegweisung geben, als sie in Vorbild, Erfahrung und Verständnis helfen, den in der Bibel offenbarten göttlichen Willen zu verstehen und auszuleben. Deswegen wollen wir uns in der letzten Folge einer biblischen Antwort auf Drewermanns Kritik zuwenden. Was sagt die Bibel zur Bewahrung der Schöpfung? Drewermann und der Buddhismus – eine Antwort aus biblischer Sicht Die Bewahrung der Schöpfung (der Umwelt) aus biblischer Sicht Was sagt denn nun die Bibel selbst zum Verhältnis von Mensch und Tier und zur Bewahrung der Schöpfung? Die Herrschaft des Menschen über die Erde findet wie die Ebenbildlichkeit Gottes ihre Erfüllung in Jesus
Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, auf den Hebr 2,6-8 Ps 8,6-9 bezieht: „Denn du hast ihn nur wenig niedriger als die Engel gemacht, mit Herrlichkeit und Pracht hast du ihn gekrönt. Du machst ihn zum Herrscher über die Werke deiner Hände, alles hast du unter seine Füße gestellt: Schafe und Rinder allzumal und auch die Tiere des Feldes, Vögel des Himmels und Fische des Meeres, was die Wege der Meere durchzieht“ (Ps 8,6-9). Daß Jesus Mensch und „Fleisch“ wurde (Joh 1,14), adelt das Menschsein in unüberbietbarer Weise und bestätigt die Herrschaft des Menschen über die Erde in ihrem zweiten, neuen „Adam“ („Menschen“), Jesus (vgl. Röm 5,12-21), der an die Stelle des ersten Adam tritt. Die Herrschaft des Menschen über die Erde dient zwar zu allererst den Menschen, nützt aber auch der Schöpfung. Wer sich an Gottes Schöpfungsordnungen hält, wird im Gegensatz zum Gottlosen zum Wohl der Schöpfung arbeiten: „Der Gerechte kümmert sich um das Wohlergehen seines Viehes, aber das Herz der Gottlosen ist grausam“ (Spr 12,10). Das Bauernsprichwort ‚Wenn der Bauer sich bekehrt, merkt es das Vieh im Stall‘ ist deswegen durchaus biblisch. Die Sabbatruhe galt ebenso ausdrücklich auch für das Vieh (2Mose 20,10), wie die Vorschriften gegen Ausbeutung: „‚Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden'“ (5Mose 25,4; 1Kor 9,10; 1Tim 5,17-18). In 1Mose 2,15 erhält der Mensch den Auftrag, die Welt zu „bearbeiten“ und zu „bewahren“, also zu verändern und zu erhalten, was sich theoretisch ausschließt, doch im Alltag untrennbar zusammengehört. Beide Seiten gehören wie zwei Seiten einer Münze zusammen. „Die Idee der Herrschaft des Menschen über die Erde muß ergänzt werden, nämlich durch den Gedanken, daß der Mensch zum Verwalter, Helfer, Fürsorger der Natur berufen sei.“ Daß der Mensch die Schöpfung bewahrt, macht ihn jedoch nicht mit der Schöpfung eins und stellt ihn nicht mit ihr auf eine Stufe, sondern erhebt den Menschen aus der ganzen übrigen Schöpfung heraus. Deswegen wird auch in der Bewahrung der Schöpfung nicht aus den Augen verloren, daß die Schöpfung dem Menschen dient. Im Krieg durften etwa die der Nahrungsbeschaffung dienenden Bäume der Gegner nicht abgehauen werden (5Mose 20,19-20), doch diente das ausdrücklich der Aufrechterhaltung der Ernährung der Menschen. Ähnliches gilt für den Schutz der Vögel in 5Mose 22,6-7. Daß die Erde, insbesondere der Ackerboden, jedes siebte Jahr im Sabbatjahr brachliegen sollte (2Mose 23,10-11; 3Mose 25,1-7), war ein unübersehbares Zeichen gegen die restlose Ausbeutung des Landes. Der Mensch hat die Erde von Gott nur als Statthalter und Verwalter geliehen bekommen und ist für ihren Erhalt verantwortlich. Weil der Mensch die Schöpfung und damit auch die Tiere beherrscht und bewahrt, ist auch jede sexuelle und erbmäßige Vermischung des Menschen mit Tieren strengstens verboten (2Mose 22,18; 3Mose 18,23; 20,15), ein biblisches Gebot, das heute für die Genforschung ganz neue Bedeutung erlangt. Allerdings ist der Mensch nur ein eingesetzter Herrscher, also nicht autonom. „Der Mensch kann nur herrschen, wenn er selbst gehorsam ist.“ Deswegen hatte der Sündenfall auch verheerende Folgen für die Schöpfung (vgl. Röm 8,18-23). Der Mensch beginnt, die Natur zu vergöttlichen, sei es angeblich wissenschaftlich, wie es heute modern ist, sei es in Form von Fruchtbarkeitsgöttern und ‚Naturreligionen. Der Kampf der alttestamentlichen Propheten gegen die verschiedenen Baale und Ascherim war deswegen immer zugleich auch ein Kampf gegen die Vergöttlichung und Verherrlichung der Natur. Die moderne Umweltbewegung geht meist den Weg der Vergöttlichung der Natur und der Aufhebung des Unterschiedes zwischen Menschen und dem Rest der irdischen Schöpfung. So heißt es in der Präambel der „Erd-Charta“, die von Nichtregierungsorganisationen im Rahmen der internationalen Umweltkonferenz in Rio de Janeiro 1992 verabschiedet wurde und die den internationalen Umweltschutz fördern soll: „Wir sind die Erde, die Menschen, die Pflanzen und Tiere, der Regen und die Ozeane, der Atem des Waldes und die Wogen des Meeres. Wir ehren die Erde als das Zuhause aller lebenden Wesen.“ Hier wird die Schöpfung statt des Schöpfers verehrt, werden Erde, Regen usw. personifiziert und mit dem Menschen gleichgestellt. Demgegenüber lehrt die Bibel, daß der Mensch nur in Gemeinschaft mit dem Schöpfer, den der Mensch verehrt, und nur durch Einhaltung der Schöpfungsordnungen Gottes diese Welt erhalten kann. „Die höchsten den Menschen gegebenen Gebote sind in der Lage, nicht nur die individuelle, sondern auch die soziale und damit die technische Sphäre zu bewahren.“ Deswegen kann der Mensch die Schöpfung auch gestalten und verändern. Noch 1960 konnte Gunther Backhaus ein Buch mit dem Titel ‚… und machet sie euch untertan: Der Einfluß des christlichen Glaubens auf die Entstehung der Technik‘ verfassen, das die Aussage „machet euch die Erde untertan“ in positiver Weise für die Entstehung der Technik im christlichen Abendland verantwortlich machte. Sein Ergebnis kann man auf den kurzen Nenner bringen: „Die Bibel ist der Wegbereiter der Technik.“ Nachdem die Technik jedoch nicht mehr den Geboten Gottes, sondern humanistischen und evolutionistischen Ethikentwürfen untersteht und die Technik – wie alles, was von Gottes Geboten losgelöst ist – zur Bedrohung des Menschen und der Schöpfung wird, trauen sich viele Christen nicht mehr, so etwas auszusprechen. Anstatt zu den Geboten und Schöpfungsordnungen zurückzurufen, lassen sie sich einreden, die Aufforderung „Machet euch die Erde untertan“ sei schuld an unserer gegenwärtigen Misere. Die Kritik von Technik und Zivilisation setzt immer voraus, daß es überhaupt irgendwo ‚unberührte Natur‘ gibt. Die Bibel kennt ein solches Konzept der unberührten Natur nicht, und selbst wenn nachzuweisen wäre, daß in irgendein Stück Natur noch kein Mensch eingegriffen hätte – und wer will das selbst für den Amazonasurwald zweifelsfrei behaupten -, dann wäre dieses Stück unberührte Natur dennoch nicht ‚gut‘ und vorbildlich, sondern ein grausamer Ort. Ein gutes Beispiel, das hier stellvertretend für andere stehen soll, hat Stefan Heiland angeführt: „Die Lüneburger Heide, das deutsche Naturschutzgebiet schlechthin, ist in ihrer heutigen Erscheinungsform gar das Ergebnis ausbeuterischer menschlicher Nutzung der dort ehemals vorhandenen Wälder während des Mittelalters. Es ist also nicht die Wiederherstellung des ursprünglichen natürlichen Zustandes, sondern die Erhaltung der Kulturlandschaft, worum es dem Naturschutz zumeist geht.“ Heinz-Jürgen Loth faßt die alttestamentlich-jüdische Sicht der Umwelt zusammen: „Die Einstellung des Menschen zu seiner physikalischen-organischen Umwelt folgt aus analytischer Sicht der Zweck-Mittel-Relation: Tiere, Pflanzen und Mineralien sind Objekte, deren der Mensch zu seinem Lebenserhalt bedarf. Die Züchtung von Kulturpflanzen, die Domestikation von Haustieren und die Technik der Metallgewinnung gewähren ihm die Freiheit, seine soziale Umwelt, seine Kultur und religiösen Vorstellungen zu entfalten. Die Umwelt des Menschen ist also immer schon ein von ihm geprägter Raum und nie die sich selbst überlassene Natur. Die Vorstellung einer harmonischen Übereinstimmung von Mensch und Umwelt gehört in den Bereich des Mythos oder der Utopie.“ Wenn Christen die Umwelt schützen, dann aufgrund und unter den Geboten Gottes, nicht weil die Natur irgendeinen Anspruch ‚an sich‘ hätte. Es ist ein Grundproblem der gesamten Umweltbewegung, daß sie zwar mit einem ungeheuer hohen moralischen Anspruch Umweltsünder schuldig spricht, selbst aber ohne Gott weder die moralische Kraft austeilen kann, das von Mammon bestimmte Leben wirklich zu ändern, noch selbst nach den Maßstäben zu leben, die sie an andere anlegt. Der Ökomulti ‚Greenpeace‘ ist dafür eine warnendes Beispiel. Dies wird in dem Buch von Jochen Reiss Greenpeace: Der Umweltmulti deutlich. Der Rückentitel beschreibt das Buch sehr treffend: „Greenpeace – seit mehr als einem Jahrzehnt unser ökologisches Gewissen? Auf jeden Fall ein Mythos. Sind es immer no
ch einfach nur die ‚Kämpfer vom Regenbogen‘, die ‚grünen Rebellen‘? Wer weiß schon, wer soviel Idealismus organisiert: Ein Umweltmulti, berechnend und rechnend, denn es geht nicht zuletzt um sehr viel Geld. Mit Hunderten von Festangestellten Mitarbeitern, keinen Umweltfreaks, sondern gestandenen Profis. Es sind Juristen, Manager, Marketing-Experten und Wissenschaftler, die Greenpeace weltweite Beachtung verschaffen. Ein Apparat, der funktioniert und mit Millionenbeträgen in Gang gehalten wird. Mit neuester Computer-Technologie und Satellitenschaltung. Ein internationales Unternehmen, mit Aufsichtsrat und Vorstand gestrafft wie ein Konzern. Für den sich alle stark machen dürfen, in dem aber nur ganz wenige das Sagen haben. Der basisdemokratischen Gedanken abgeschworen hat. Und Greenpeace will noch weiter, will größer werden: Neue Länder, neue Ziele. Immer noch durchschaubar?“ Der evangelische Theologe George Grant lehnt denn auch den Weg von Greenpeace ab, da es sozialistisch ausgerichtet sei, die Kontrolle über alle Lebensbereiche wolle und gegen die Familie gerichtet ist. Der Mensch liebt den Gedanken, daß er nicht für seine Umwelt verantwortlich ist, sondern die Umwelt für ihn. So wie Adam bereits die Schuld am Sündenfall auf Eva und Eva die Schuld auf die Schlange schoben (1Mose 3,12-14), schiebt der Mensch heute mit immer neuen psychologischen, philosophischen und naturwissenschaftlichen Theorien die Schuld auf die Eltern, die Umwelt, den Staat oder die fehlenden Möglichkeiten. (Sicher mögen auch andere Schuld haben, doch diese haben sie vor Gott direkt zu verantworten. Gott rechnet Schuld nicht gegeneinander auf und zieht nicht die Schuld des einen von der Schuld des anderen ab.) Rousas J. Rushdoony hat darauf aufmerksam gemacht, daß bereits die Pharisäer zur Zeit Jesu alles auf die Umwelt schoben. Deswegen sagt Jesus: „Seid auch ihr so unverständig? Begreift ihr nicht, daß alles, was von außen in den Menschen gelangt, ihn nicht verunreinigen kann? … Denn von innen aus dem Herzen des Menschen kommen die bösen Gedanken …Mord … Habsucht … Dummheit …“ (Mk 7,18+20-21, lies 7,17-23). Man muß nicht die Umwelt zum Guten verändern, damit sich der Mensch zum Guten verändert, sondern man muß den Menschen verändern, damit sich die Umwelt verändern kann. Deswegen ist die Wiedergeburt eines Menschen durch Gott die wichtigste Voraussetzung für den vernünftigen Umgang mit der Umwelt, mit der Schöpfung. Der Unterschied zwischen Mensch und Tier Nach biblischer Lehre ist der Mensch das Ebenbild Gottes. Was den Menschen vom Tier unterscheidet, hat er von Gott empfangen, ja er ist nach Gottes Vorbild gestaltet. Sicher wäre es nötig im einzelnen genau zu unterscheiden, was bestimmte Tiere noch können und wozu darüber hinaus nur noch die Menschen in der Lage sind. Dennoch gibt es einige markante Eigenschaften, die in der Bibel als typisch menschlich angesehen werden und mit denen sich im wesentlichen auch die säkulare Wissenschaft einverstanden erklären würde:

1. Das Denken: Der Mensch kann denken, wie Gott auch.

2. Das Gewissen (oder das juristisch-ethische Bewußtsein): Der Mensch kann abwägen und entscheiden, wie Gott auch.

3. Das Sprechen: Der Mensch kann sprechen, wie Gott auch.

4. Das Schreiben: Der Mensch kann schreiben, wie Gott auch.

5. Die Geschichte: Der Mensch kann sein eigenes Erkennen, Planen und Handeln festhalten und weitergeben. Er baut auf die Erfahrung ungezählter Generationen vor ihm auf. Gott ist ein Gott, der Geschichte macht.

6. Die schöpferische Ästhetik: Der Mensch kann Dinge als schön und gut empfinden und künstlerisch schön schaffen, wie Gott auch.

7. Die Gemeinschaft: Der Mensch will und kann aus freien Stücken kommunizieren und lieben, wie Gott auch. Dazu gehören auch Familie, Wirtschaft, Kirche und Staat als geordnete Formen solcher Gemeinschaft. Der Bonner Ethnologieprofessor Hermann Trimborn versuchte in seiner Schrift ‚Das Menschliche ist gleich im Urgrund aller Kulturen‘ menschliche Gemeinsamkeiten aller Kulturen herauszufinden. Auch wenn manches heute sicher vorsichtiger ausgedrückt werden müßte und Trimborns Einschätzung der Rassenideologie des Dritten Reiches etwas verharmlosend wirkt, wollen wir kurz die wesentlichen Gemeinsamkeiten nach Trimborn nennen. Nachdem Trimborn die ungeheure Unterschiedlichkeit und Spannbreite menschlicher Kulturen aufgewiesen hat, nennt er zwei Gruppen von Gemeinsamkeiten. Zum einen nennt er menschliche Veranlagungen, deren wichtigste für ihn folgende sind:

* die ungeheure Anpassungsfähigkeit an wechselnde Umweltbedingungen,

* das Aufnehmen der Kultur, in die der Mensch hineingeboren wird, einschließlich des Beharrungsvermögens,

* die schöpferische Fähigkeit zum Erfinden und Verändern. Daneben werden nun folgende Tätigkeiten und Kulturmerkmale des Menschen genannt:

* die Sprache,

* das Denken,

* die Wirtschaft,

* die Arbeitsteilung,

* das Eigentum,

* die Kleidung,

* die Wohnung,

* die Gesellschaft und Verwandschaft (besonders Familie und Ehe),

* Erziehung der Jugend,

* öffentliche Verbände,

* das Recht,

* die Einheit des logischen Bewußtseins,

* das ästhetische Empfinden, * das Bedürfnis nach kausaler Welterklärung,

* die religiöse Erlebnisfähigkeit und

* das Fortleben nach dem Tod.

Es fällt auf, wie sehr dieser Katalog mit der biblischen Wertung übereinstimmt, gerade weil hier nicht angesprochen wird, wie die jeweiligen Punkte (z. B. die Familie oder das Recht) gestaltet werden. Darin nämlich unterscheiden sich die Menschen und weichen auch meist von den biblischen Normen ab. Zugleich fällt auf, daß diese gemeinsamen Kulturmerkmale den Menschen graduell oder grundsätzlich vom Tier unterscheiden. Es ist allerdings die Frage, ob Trimborns Ergebnisse wirklich das Ergebnis ‚reiner‘ kulturwissenschaftlicher Forschung sind, oder ob nicht stillschweigend die christliche Sicht des Unterschiedes von Mensch und Tier Pate gestanden hat. Jedenfalls dürfte ein hinduistischer Wissenschaftler hier manches nicht so selbstverständlich nehmen. Das allmähliche Schwinden des christlichen Verständnisses des Unterschiedes zwischen Mensch und Tier – vor allem aufgrund der Evolutionstheorie – hat verheerende Folgen. In unserer Gesetzgebung sind Haustiere besser geschützt, als Kinder im Mutterleib. Gerichte diskutieren allen Ernstes, ob man Menschenleben gefährden darf, wenn man mit dem Auto einem Tier ausweichen oder wegen eines Tieres bremsen will. Früher war in einem solchen Fall völlig klar, daß der Schutz des menschlichen Lebens Vorrang vor dem Tierschutz hat. Das Ebenbild Gottes Dietrich Bonhoeffer macht auf den Unterschied der Erschaffung des Menschen zur Erschaffung der restlichen Schöpfung aufmerksam, wenn er zu 1Mose 2,7 („da bildete Gott, der Herr, den Menschen, aus dem Staub des Erdbodens und hauchte in seine Nase den Geist [oder: Odem] des Lebens und so wurde der Mensch eine lebende Seele“) schreibt: „Leib und Leben treten hier ganz ineinander. Gott haucht dem Leib des Menschen seinen Geist ein. Und dieser Geist ist Leben, macht den Menschen lebendig. Anderes Leben schafft Gott durch sein Wort. Beim Menschen gibt er von seinem Leben, von seinem Geist. Der Mensch als Mensch lebt eben nicht ohne den Geist Gottes.“ Gustav Friedrich Oehler macht auf einen weiteren Aspekt der Ebendbildlichkeit Gottes aufmerksam: „… des Menschen Gestalt sollte so beschaffen sein, dass sie Gott selbst, wann er sich offenbarte, zur Darstellung seiner selbst dienen könnte.“ Er verweist darauf, daß in Hes 1,26 „eine Gestalt gleich dem Aussehen eines Menschen“ auf dem Thron Gottes sitzt, während im Gegensatz zu den meisten Religionen „die Tiergestalt im A. T. niemals als Vehikel göttlicher Selbstdarstellung erscheint“. In Dan 7,9 wird Gott in ähnlicher Weise als uralter Mann auf dem Feuerthron geschaut. Nicht zuletzt erschien die „Herrlichkeit“ Gottes in Jesus Christus als leibhaftiger Mensch auf Erden (Joh 1,14). Jesus wurde als „Menschensohn“ angekündigt (Dan 7,13). Als „Menschensohn“ ist er der Herr der Gemeinde (Offb 1,13), ja auch der auferstandene und erhöhte Herr trägt weiterhin den Ehrentitel „der 18 von 21 30.08.00 12:38 Sohn des Menschen“ (Mt 24,30; 26,64; Joh 5,27)! Welch eine Ehre für das menschliche Geschlecht! Es wäre eben undenkbar gewesen, daß Gott in Jesus nicht als Mensch, sondern als Tier auf die Erde gekommen wäre, wie dies bei den Göttern der Griechen, Römer, Inder und anderer Religionen immer wieder der Fall war und ist. Es war dagegen der Teufel, der im Paradies in Tiergestalt als Schlange auftrat und die Dämonen fuhren bei der Befreiung des besessenen Geraseners in eine Herde Schweine (Mk 5,11-13; Mt 8,31-32; Lk 8,32-33). In 4Mose 22,22-31 redet ein Esel zu Bileam. So sehr es ein Wunder Gottes war (4Mose 22,28; 2Petr 2,16), daß das Tier sprechen konnte, sprach doch nicht Gott aus ihm, denn Gott stand ja gerade als der Engel des Herrn dem Esel im Weg (bes. 4Mose 22,32). Das Wort „Ebenbild“ (griech. ‚eikon‘) wird in 2Kor 4,4 und Kol 1,15 gebraucht, um Christus als Ebenbild Gottes zu bezeichnen, was im Einklang mit der Aussage Jesu in Joh 14,9 steht: „Wer mich sieht, der sieht den Vater.“ In Hebr 1,3 wird ein anderes Wort (griech. ‚charakter‘) oft mit „Ebenbild“ wiedergegeben: „er [Christus], der die Ausstrahlung seines [Gottes] Wesen und das Ebenbild seines Wesens ist …“. Nach Röm 8,29 sind Christen von Gott dazu vorherbestimmt, „dem Bild seines Sohnes gleich zu sein“. „Die Verwandlung hat bei denen, die sich Christus hingegeben haben, bereits begonnen:“ „Wir werden verklärt in dasselbe Bild von einer Klarheit zur anderen, als vom Herrn, der der Geist ist.“ (2Kor 3,18). Christus ist der zweite Adam und damit der erste neue Mensch (Röm 5,12-21). Er ist das wahre Ebenbild Gottes, der wahre und eigentliche Mensch, weswegen der oben zitierte Text in Ps 8,6-9 in Hebr 2,5-8 eigentlich nicht auf den Menschen allgemein, sondern auf Jesus bezogen wird. Tertullian (ca. 160-nach 220 n. Chr.) sieht deswegen Jesus bereits bei der Erschaffung des Menschen als eigentlichen Inbegriff des Ebenbildes Gottes: „Denn zu was auch immer der Lehm gestaltet wurde: dabei schwebte Gott der Gedanke an Christus vor, der einst Mensch werden sollte, dasselbe wie der Lehm, und der Gedanke an das Wort, das Fleisch werden sollte, was damals auch noch Erde war.“ Darum werden die Christen als neue Menschen nach seinem Ebenbild gestaltet, weswegen Paulus schreibt: „und den neuen Menschen angezogen habt, der nach Gott geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit“ (Eph 4,24); „und den neuen [Menschen] angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Bild dessen, der ihn erschaffen hat.“ (Kol 3,10). Aus diesen Texten ist zweierlei zu schließen. 1) Der Mensch ist durch den Sündenfall der Ebenbildlichkeit Gottes verlustig gegangen. Sein Denken ist verfinstert, seine Autorität entartet, seine Ausrichtung auf Gott verloren gegangen. Dennoch kann der Mensch weiter allgemein als „Bild Gottes“ bezeichnet werden, denn nach 1Mose 9,5-6 tastet jeder Mörder das „Bild Gottes“ an und muß deswegen sterben. 2) Mit der Wiedergeburt beginnt die Wiederherstellung des Ebenbildes Gottes im Menschen auf Jesus hin, auch wenn alle zitierten Texte von einem Wachstum sprechen, daß erst in der Ewigkeit seine völlige Erfüllung finden wird. Johannes Calvin (1509-1564) schreibt zu 1Mose 1,26: „Da Gottes Bild durch den Fall Adams in uns zerstört ist, so muß aus der Wiederherstellung desselben beurteilt werden, welcher Art es war. Paulus sagt, wir würden durch das Evangelium umgewandelt in Gottes Bild. Und nach ihm ist die geistliche Wiedergeburt nichts anderes als die Wiederherstellung des Bildes Gottes.“ Um zu verstehen, welch ungeheuerliche Stellung der Mensch als Ebenbild Gottes hat, muß man sich das Wesen Gottes immer wieder vor Augen halten, wie es in der folgenden Übersicht geschieht. In dieser Übersicht sind die im ersten Kasten genannten Eigenschaften Gott vorbehalten. Die göttlichen Eigenschaften im zweiten Kasten spiegeln sich jedoch im Menschen wieder. Friso Melzer schreibt dazu: „Bei der Rede vom Ebenbild ist nicht an ein leibliches Ebenbild zu denken. Wir sind nicht Photographien Gottes. Das Wort Ebenbild muß personhaft verstanden werden. In unserem Denken, Reden und Tun will sich Gottes Denken, Reden und Tun widerspiegeln.“ Zur ‚anthropomorphen‘ (Gott wird im Bild eines Menschen beschrieben) und ‚theomorphen‘ (der Mensch wird im Bild Gottes beschrieben) Redeweise schreibt Melzer treffend: „Nach dem Vorbild Jesu nennen wir Gott unseren Vater. Übertragen wir damit etwas Menschliches auf Gott? so daß wir also von Gott anthropomorph sprächen? Nimmermehr. Vielmehr ist es so: Weil Gott König ist, der König über alle Könige, gibt es auch menschliche Könige, die ihr Königtum von Ihm empfangen haben. Weil Gott Richter ist über alle Richter, gibt es menschliche Richter, die von Ihm die Vollmacht zu richten empfangen haben. Weil Gott Vater ist, der rechte Vater über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden (Eph 3,15), gibt es auch menschliche Vaterschaft. Unsere menschlichen Ordnungen – König, Richter, Vater – sind schwache Abbilder Gottes. Nicht wir Menschen reden anthropomorph von Gott (das mag auch vorkommen, wo es nicht sachgemäß geschieht), sondern Gott hat uns theomorph erschaffen, als Seine Ebenbilder. Weil wir theomorph
geschaffen sind, ist die anthropomorphe Rede von Gott sachgemäß.“ Hans Lassen Martensen Oft wird auf die Ethik des dänischen Bischofs Hans Lassen Martensen von 1854 (dt. 1878) als Vorläufer einer Ökotheologie verwiesen, der ausdrücklich jeden willkürlich Umgang mit der Schöpfung verwirft. Martensen hat aber ganz im Gegensatz zu den meisten, die ihn als eine frühe christliche Stimme zum Umweltschutz zitieren, den biblischen Sündenfall als wesentlichen Pfeiler seiner Umweltethik gesehen. Er schreibt: „Die christliche Betrachtung und Beachtung der Natur bildet den Gegensatz gegen jene asketisch-pessimistische Nichtachtung und Herabsetzung der Natur, wobei man die Leiblichkeit als das Böse betrachtet und in jeder Naturschönheit eine dämonische Versuchung sieht. Aber ebenso ist sie der heidnisch-optimistischen Anschauung entgegengesetzt, welche die unleugbar in die Natur eingedrungene Störung nicht sehen will, welche annimmt, daß ‚die Eitelkeit‘ (Vergänglichkeit), der die Natur unterworfen ist, und die unaufhörlich die eigenen Gebilde und Zwecke der Natur zerstört (wie z. B. wenn der Wurm insgeheim die Blüte zerfrisst, der Wurm der Krankheit und des Todes an der Wurzel des Menschenlebens nagt, gerade dann, wenn beide sich in ihrer Schönheit entfalten sollen), oder daß der grauenerrende Krieg Aller gegen Alle, wie die Thierwelt ihn uns vor Augen stellt, der ‚Kampf ums Dasein‘, in welchem das stärkere Geschöpf die schwächeren peinigt und ausrottet, oder daß organische Wesen, wie jene unheilverbreitenden Insektenschwärme, daß auch alles das Ungeziefer mit zu der Vollkommenheit gehöre, die wir in der Natur bewundern sollen.“ Wolfgang Höhne hat ebenso treffend für die Gegenwart formuliert, daß derselbe Mensch, dem die Schöpfung anvertraut wurde, durch seine Sünde die existenz der schöpfung bedroht. „Eine Ethik, die sich am Schöpfer und der Welt als Schöpfung orientiert, kommt nicht um die Erkenntnis herum, daß der Mensch als ‚Krone der Schöpfung‘ zugleich ihr größter Risikofaktor ist.“ Es sei an dieser Stelle betont, daß Martensen dem Pietismus und nicht der historischen-kritischen Theologie zuzurechnen ist, die meist ganz der Technik- und Fortschrittsbegeisterung verfallen war. Gotthard M. Teutsch schreibt dazu: „Martensen ist jedoch nur der vermutlich letzte Vertreter der bereits im 18. Jahrhundert entstandenen pietistischen Schöpfungslehre, die am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreicht hatte, etwa als 1802 das Biberacher Gesangbuch ‚Christliche Religionsgesänge …‘ eine eigene Abteilung von Schöpfungsliedern enthielt, unter dem Titel ‚Pflichtgemäßes Betragen gegen Thiere, Pflanzen, Bäume‘.“ Ergebnis Drewermann bekennt sich nicht nur allgemein als Buddhist, sondern zeigt sein buddhistisches Denken besonders in seiner Kritik, daß Christentum sei an aller Umweltzerstörung und an aller Tierquälerei schuld, eine These, die historisch sicher nicht haltbar ist. Wenn er dabei vor allem die biblisch-christliche Sonderstellung des Menschen in der Verantwortung unter Gott als Treuhänder der Schöpfung kritisiert und darauf verweist, daß sich diese verwerfliche Sonderstellung vor allem daraus ergibt, daß Gott in Jesus Mensch wurde, verwirft er nicht nur die gesamte biblische Offenbarung über die Verantwortung des Menschen Gott gegenüber für die Schöpfung, sondern greift den Wesenskern des christlichen Glaubens an. Bedenkt man, daß Drewermann Buddhist ist, wundert es jedoch nicht, wie radikal Drewermann das Christentum von seinen Wurzeln her beseitigen will beziehungsweise durch ein Christentum nach seinem Zuschnitt ersetzen will. Dr. Thomas Schirrmacher

Schreibe einen Kommentar