1.Petrus 2, 23 er, der nicht mit Beschimpfungen reagierte, als er beschimpft wurde, und nicht ´mit Vergeltung` drohte, als er leiden musste, sondern seine Sache dem übergab, der ein gerechter Richter ist; NGÜ

Auch hier findet sich eine Prophezeiung aus Jesaja 53,7 wieder: „Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut“. Er wurde nicht ärgerlich auf seine Ankläger oder übte Vergeltung an ihnen (Mt 26,64; Joh 18,34-37).
Wie souverän hat Jesus den gehässigen Juden geantwortet, als sie ihn als einen Teufelsdiener hinstellten (vgl. Mt 12,22-30)! Jesus schwieg zum Spott der Soldaten, die ihn als angeblichen König verlästerten und quälten (vgl. Mt 27,27-30), und Jesus schwieg zu dem ätzenden Spott der Hohenpriester und Schriftgelehrten unter dem Kreuz (vgl. Mt 27,39-44). Da sind diese „Buchstaben“ der Geduld im Leiden eindrücklich vorgeschrieben. Der Herr schwieg zu den Beschimpfungen. Er vergalt nicht Gleiches mit Gleichem, Böses mit Bösem (vgl. Röm 12,17; auch Mt 5,39.44ff; 1. Kor 13,5; 2. Tim 2,24; 1. Thess 5,15; 1. Petr 3,9). Als der Gottessohn am Kreuz hing, hat er seinen Peinigern nicht gedroht, sondern für sie zum Vater gebetet (vgl. Lk 23,34).
Er übergab es dem, der gerecht richtet. Das Verb übergab (paredidou) bedeutet „anvertrauen“ oder „ausliefern“ und steht in der Vergangenheitsform, was eine wiederholte, vergangene Handlung andeutet. Mit jeder neuen Welle von Beschimpfungen vertraute sich Jesus der Bewahrung Gottes an. Lukas berichtet, wie dieses Verhaltensmuster bis zum Ende anhielt: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Und als er das gesagt hatte, verschied er“ (Lk 23,46).
So lieferte er sich selbst der Bestrafung aus. Indem er Schande, Schmerzen und Fluch über sich kommen ließ, erkannte er an, dass der gerechte Gott in Gerechtigkeit richtete. Andererseits glaubte er als der Sündlose auch, dass Gott, der gerechte Richter, ihn zu seiner Zeit als gerecht rehabilitieren, ihn aus dem Grab Auferwecken und ihn belohnen würde für das, was er im Interesse von anderen bereit war zu ertragen, indem er ihm das Recht gab, sie vollständig von der Strafe und Macht ihrer eigenen Missetaten zu erretten.
Betont wird nicht die besondere Grausamkeit seines Sterbens andere haben noch Schlimmeres durchlitten-, sondern die definitive Unterbrechung des Teufelskreises von Beleidigung und Gegenbeleidigung, Gewalt und Gegengewalt, die spiralförmig ansteigt. Jesus rechnet unerschütterlich mit Gott. Jesus mag (irdisch) vernichtet werden, aber der Teufel kann seine Kreise nicht mehr weiterziehen.

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