„Albert Schweitzer – Ein Leben für Afrika“ Filmische Biographie des berühmten Arztes

Albert Schweitzer (1875-1965) zählt ohne Zweifel zu den im positiven Sinne bemerkenswertesten Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts. Albert Schweitzer wanderte vom ersten Lebenstag zwischen den Welten. Das Dorf Kaysersberg unweit von Colmar, wo er am 14. Januar 1875 geboren wurde, lag im sogenannten Reichsland Elsass-Lothringen, welches das kaiserliche Deutschland vier Jahre zuvor den Franzosen weggenommen hatte. Sein Vater war evangelischer Pfarrer in einer katholischen Gegend, ein Onkel Kaufmann in Paris. Seine Muttersprache war das Alemannische des Oberelsass, Französisch lernte er in der Familie, Hochdeutsch wohl erst in der Schule. Das Abitur machte Albert Schweitzer mit 18 Jahren in Mülhausen.
Als Kind hatte er sich gefragt, warum Maria und Josef nach Weihnachten keine reichen Leute wurden: „Wieso kümmerten sich die drei Weisen aus dem Morgenland später nie mehr um Jesus? Was hatten die Eltern mit den Kostbarkeiten gemacht, die sie von ihnen zu Jesu Geburt bekommen hatten? Wieso waren sie später wieder arm?“ Solche Fragen, so hat Albert Schweitzer (1875-1965) später erzählt, bewogen ihn zum Studium der evangelischen Theologie. Zumal zu seinen bibelkritischen Leben-Jesu-Forschungen als Professor. Vielleicht auch, weil ja alle Glaubenssysteme in ihrer Nähe zu Fiktivem verwandt sind, zu seinen Versuchen, das Christentum zur indischen Spiritualität zu öffnen. Als Vikar an der Straßburger Nikolaikirche traute er 1908 den künftigen Bundespräsidenten Theodor Heuss mit seiner Braut Elly Heuss-Knapp.
Schnurrbart und Tropenhelm
Mehr als ein halber Jahrhundert später ist es schwer, Wahrheit und Fiktion zu trennen. Tatsache ist, dass Albert Schweitzer ein Kind seiner Zeit war. In seinen Schriften titulierte er die Afrikaner als „Primitive“ oder „Wilde“ und sah sich ihnen gegenüber als älterer Bruder, der Freundlichkeit mit Autorität paart. Zugleich machte er aber keinen Hehl aus seiner Kritik am Kolonialismus: „Eine große Schuld lastet auf uns und unserer Kultur.“
Noch 1957, bereits über achtzig Jahre alt, begann Albert Schweitzer ein neues Kapitel des öffentlichen Wirkens. Am 23. April strahlte Radio Oslo seinen Aufruf für die Einstellung von Atombombenversuchen aus. Drei weitere Appelle gingen 1958 auf Sendung. Damit reihte sich der Arzt in eine weltweite Bewegung von Wissenschaftlern, Künstlern, Politikern und Publizisten ein, die schließlich zum internationalen Abkommen von 1963 führte, das Atomtests in der Atmosphäre, im Kosmos und unter Wasser untersagte. Das erlebte Schweitzer noch; er starb am 4. September 1965 in Lambaréné, inzwischen Teil von Gabun.
Urwalddoktor Schweitzer ringt mit Heilpraktikern
In dem Film Ein Leben für Afrika“ konzentriert sich der Regisseur Gavin Millar nur auf dessen Jahre als Urwalddoktor. Dabei sind die Afrikaner entweder dubios, krank oder einfach nur dankbar.
Fakten und Fiktion
Schweitzers englischer Biograph James Brabazon schrieb auch das Originaldrehbuch zu dem neuen Schweitzer-Spielfilm. Doch nach Brabazons Tod 2007, so scheint es, wurde in seinem Skript einiges geändert. In „Albert Schweitzer – Ein Leben für Afrika“ wird aus der CIA-Überwachung ein veritabler Agententhriller, der zudem aus den späten Fünfzigern ins Jahr 1949, verlegt wird, als sich der Dschungelarzt noch nicht für Atomversuche interessierte. Und der USA-Besuch, mit dem die Story einsetzt, fand zu einer Zeit statt, als noch gar keine sowjetische Atombombe explodiert war. Es empfiehlt sich also, nicht alles zu glauben, was von Schweitzer nun auf der Leinwand zu sehen ist. Und wenn schon nicht den großen Theologen Schweitzer, so lernt man hier doch den bedeutenden Musiker kennen. Erinnern sollten wir uns aber an Albert Schweitzers philosophisches Vermächtnis, seine Lehre der Ehrfurcht vor dem Leben.

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