1. Petrus 2,19 Denn das ist Gnade, wenn jemand vor Gott um des Gewissens willen das Übel erträgt und leidet das Unrecht.

Es gilt für alle Nöte, dass sie zur Gnade werden dürfen; also auch für alles Unrechtleiden, das uns heute oft das Herz so sehr bedrückt. Zweifelsohne hatten viele Empfänger dieses Briefs schmerzliche und ungerechte Schläge als Sklaven zu ertragen. Ihre Herren haben ihnen möglicherweise die Lebensmittelrationen gekürzt, sie zu unzumutbar langen Arbeitseinheiten gezwungen oder sie zu Unrecht auf vielerlei Weise bestraft. Im Gegensatz zu den heutigen Arbeitnehmern in westlichen Industrieländern hatten diese Sklaven niemanden, an den sie sich mit ihren Klagen wenden konnten – keine Gewerkschaftsvertreter, keine Regierungsbehörden und niemanden, um Streitigkeiten zu schlichten oder Zivilprozesse für sie zu führen. Wieder entscheidet nicht der Wert dieses Leidens an sich, sondern die Blickrichtung, in der es erlitten wird. Ob es gegenüber Gott geschieht oder nicht, das macht dasselbe Tun oder Erleben zur Gnade oder zur verbissenen und verlorenen Eigenwerkerei. Dabei ist nicht zu vergessen, dass das Tun der Herren ausdrücklich als Unrecht bezeichnet wird. Anders als der griechische Philosoph Aristoteles, der erklärt, da der Sklave ja Eigentum des Herrn sei, gebe es hier überhaupt kein Unrecht, nennt die Schrift Böses nicht gut, Unrecht nicht Recht.
Das Wort „Gewissen“ kann auf zweierlei Weise gesehen werden. Wörtlich bedeutet es ein „Mit-Wissen“, „das Zeugnis, das dem Verhalten durch das Gewissen erteilt wird, die Fähigkeit, durch die wir den Willen Gottes wahrnehmen“. Es ist das Wissen um das, was vor Gott recht ist, sich zu unterwerfen und die Konsequenzen zu tragen, wenn die Notwendigkeit dazu besteht. Abraham erfaßte diese Wahrheit im Wissen, in der göttlichen Gegenwart zu leben, als er zu seinem Diener sagte: „Der Herr, vor dessen Angesicht ich gewandelt habe“ (1Mo 24,40).
Geduldiges Leiden, gerade auch im Unrecht, findet Wohlgefallen bei Gott, denn es hat missionarischen Sinn und kann zum Lobpreis Gottes führen. Das ist christliche Sicht des Leidens.
Eingesehene Literatur:
Der erste Petrusbrief Eduard Schweizer Auflage 1972 TVZ Theologischer Verlag Zürich
Der erste Petrusbrief von Heiko Krimmer Edition C
Der 1. Brief des Petrus John F. MacArthur
Was die Bibel lehrt, Band 15: 1. Petrusbrief. (CV-Kommentarreihe Neues Testament)

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