1. Petrus 2,13 Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem König als dem Obersten

Im Bereich der Ehe und Familie kann ein Christ davon ausgehen, daß sein Partner und die anderen Glieder der Familie in der Regel seinen Glauben und seine Wertvorstellungen teilen. In Gesellschaft und Staat ist dies aber nicht selbstverständlich. Von Anfang haben sich Christen in Gesellschaften und Staaten vorgefunden, die den christlichen Glauben und seine ethischen Werte nicht in allem teilten. Im Gegensatz zum Islam strebt der christliche Glaube nicht die Aufrichtung eines Staatswesens an, in dem eine ausdrückliche christliche Verfassung oder Gesetzgebung aufgerichtet wird, die für alle verbindlich ist. Grundsätzlich erkennt ein Christ die staatliche Autorität als einen Ordnungs- und Schutzfaktor an, die das äußere Unrecht in der Welt verhindern und notfalls strafen soll. Auch wenn Nichtchristen die Staatsgeschäfte führen, haben sie ihre Bevollmächtigung letztendlich von Gott erhalten. Wenn die Staatsmacht eindeutig gegen Gottes Willen und Gebot verstößt, muß der Christ Gottes Weisungen folgen und Widerspruch leisten. Ein gewaltsamen Widerstand gegen ein Unrechtsregime kennt das Neue Testament aber nicht. Einem Christen ist es grundsätzlich nicht verwehrt, aktiv politische Verantwortung als Beamter, Soldat oder ähnliches zu übernehmen. Allerdings sollte ihm klar sein, daß er – mehr als in anderen Berufen – in schwere Gewissenskonflikte geraten kann. Christen werden nicht auf eine bestimmte Staatsform festgelegt. Gut ist es aber, wenn die Regierung Recht und Gerechtigkeit achtet und das Werk Gottes nicht hindert. Die Gemeinde als solche hat kein direktes politisches Mandat. Sie ermutigt aber ihre Glieder verantwortlich zu handeln. Der Petrusbrief möchte uns Christen motivieren, Vorbild eines guten Lebens zu sein. Dazu gehört auch, dass wir die, die über uns regieren, grundsätzlich anerkennen. „Ehrt den König!“ – so sagt unser Abschnitt. Eingeschlossen in diesen Appell ist jede menschliche Regierung. Heute ist das z.B.: Bürgermeister und Gemeinderat, Landtag, Bundesrat, Bundestag, Bundesregierung, aber auch Organe wie Finanzamt, Polizei, Gerichte und andere Behörden. Der Petrusbrief fordert Ehrerbietung nicht deshalb, weil die Regierenden immer gute Arbeit machen. Das tun sie nämlich nicht unbedingt. Immer wieder hören wir von unglaublichen Skandalen. Sondern er fordert Ehrerbietung, weil jede Regierung mit ihren Behörden einen gottgewollten Auftrag hat: dem Unrecht wehren, Frieden bewahren, Gerechtigkeit durchsetzen und Sicherheit fördern. Dankbarkeit und Fürbitte für alle, die sich dieser Aufgabe stellen, muss an erster Stelle kommen. Erst an zweiter Stelle dann freilich auch konstruktive Kritik.
Petrus mahnt seine Leser, der Obrigkeit zu gehorchen und aller menschlichen Ordnung untertan zu sein. Das griechische Wort ktisis („Gründung“), von dem sich Ordnung ableitet, findet sich im Neuen Testament immer in Verbindung mit Gottes schöpferischem Handeln (vgl. Röm 1,20.25; 8,39; 2Kor 5,17; Gal 6,15; Kol 1,15.23; 2Petr 3,4). (Die zweite lexikalische Bedeutung, die ktisis im Allgemeinen zugedacht wird, ist „Akt des Erschaffens“ oder „Schöpfung“.) Gott hat alle Grundlagen der menschlichen Gesellschaft erschaffen – Arbeit, Familie und Regierung. Petrus sagte nicht, dass die Gesellschaft einen menschlichen Ursprung hat, sondern benannte vielmehr ihre Funktion und ihren Handlungsbereich, die sich auf den Menschen beziehen. Die Absicht des Apostels war es somit, Unterordnung unter alle menschliche Ordnung zu befehlen, weil jede von ihnen von Gott bestimmt wurde. Gläubige ordnen sich staatlichen Autoritäten, Arbeitgebern (2,18; Eph 6,5; Kol 3,22) und in der Familie unter (Eph 5,21 – 6,2).
Es ist bemerkenswert, daß es nicht heißt: Unterwerft euch „jedem Menschen“. Wir sollen die Menschen nicht losgelöst von Gott sehen, sondern wissen: jeder Mensch ist Geschöpf, hat seinen Platz und Stand vom Schöpfer angewiesen bekommen. Damit hat jedes menschliches Geschöpf eine vom Schöpfer verliehene Würde erhalten. Indem wir jeden Menschen als Geschöpf achten, respektieren wir den Schöpfer. Um des Herrn willen ordnen wir uns jedem menschlichen Geschöpf unter. So fordert dieser Vers Unterordnung um des Herrn willen und bewahrt dadurch vor falscher Unterordnung, vor bedingungslosem und verantwortungslosem Gehorsam. „um des Herrn willen“ Das sind nicht bloß äußerlich aufgeklebte Formeln. Sie sollen vielmehr andeuten, daß das Leben der Christen auch in den konkreten Ordnungen und Bezügen der Welt dem Herrn Jesus Christus unterstellt ist.
Dietrich Bonhoeffer sagt in diesem Zusammenhang „Es ist einfach in dieser Welt so eingerichtet, daß die grundsätzliche Achtung der letzten Gesetze und Rechte des Lebens zugleich der Selbsterhaltung am dienlichsten ist.“ (Aus „Widerstand und Ergebung“ unter der Überschrift „Immanente Gerechtigkeit“).
Uwe Holmer 1.Petrusbrief
http://www.weltanschauung-selk.homepage.t-online.de/downloads/03Biethik.pdf
http://www.glauben-und-fragen.de/_data/_modules/Kurzandacht/T2_23_n_Trinitatis.php

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