Das Märchen vom lieben Gott…

„Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm“, „Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort“, „Hinten müssen wir dichthalten und vorne hilft uns der liebe Gott!“ oder auch „Lieber Gott, bitte gib mir die Weisheit, einige Menschen zu verstehen, die Geduld, sie zu ertragen; die Güte, ihnen zu verzeihen. Aber bitte gib mir keine Kraft. Denn wenn ich Kraft habe, haue ich ihnen aufs Maul!“
„Ach Du lieber Gott“ könnte der geneigte Leser jetzt denken, diese Sprüche kenne ich nur zu gut und höre sie immer wieder. Der „liebe Gott“ ist in Jedermanns Munde und ein allseits gern verwendeter Begriff für Floskeleien. Und irgendwie entspricht er schon den Bildern oben: der alte, uninteressierte Patriarch, der schlafende Opi oder der lustige Spaßvogel… Der Mensch nimmt den Namen Gott in einer Art in den Mund, die nicht nur vollkommen gedankenlos, sondern vor allem auch unwissend und desinteressiert ist. „Meine Eltern haben das schon immer so gesagt“ oder „Ich musste als Kind immer in die Kirche“… wer kennt solche Sprüche und Gedanken nicht?
Die Ablehnung der persönlichen Verantwortung für meine eigene Haltung, meine Gedanken und auch Handlungen. Wenn ich schon von Gott spreche, dann sollte ich mir doch mal grundsätzlich überlegen, warum ich das tue und von welcher Basis ich ausgehe. Welche Kenntnis habe ich von diesem Gott, von dem ich spreche, als wäre es das Normalste überhaupt, dass es ihn gibt und er der sogenannte „liebe Gott“ ist?
Ist es nicht sogar dumm, dies zu tun, wenn ich ohne Nachzudenken an Gott als ein höheres Wesen glaube, aber nicht weiss, was das konkret für mich und mein Leben bedeutet? Fakt ist doch, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: Gott existiert oder nicht. Beide Möglichkeiten haben Auswirkungen auf mein Leben, ob ich das will oder nicht. Da ich nicht die Absicht habe, atheistische Grundgedanken in diesem Artikel auszuräumen, gehen wir mal davon aus, dass es Gott gibt, dass dieser Gott wirklich alles geschaffen hat und somit auch eine direkte Verbindung zu Dir hat. Dann ist es eine mehr als berechtigte Frage: warum und wozu hat er Dich und mich geschaffen? Was ist sein Plan mit Dir und mir? Denn als Dein und mein Schöpfer, der sich in der Natur schon durch Komplexität, Logik, unfassbarem Wissen und übernatürlicher Macht offenbart hat, wird er das mit Sicherheit ganz genau wissen. Schopenhauer erklärte dies mit einem einfachen Zitat: „Jeder kleine dumme Junge kann einen Käfer zertreten, aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen“.
Für mich ist die Bibel die Antwort Gottes und in ihr finde ich Antworten. Im 1. Buch Mose 1,26 sagt Gott: “Lasst uns Menschen machen in unserem Bild“. Gott hat also den Menschen gemacht, damit Er sich in seinem Bild spiegeln kann. Er wollte Gemeinschaft mit dem Menschen, eine direkte und unmittelbare Beziehung zu ihm. Dies ist der Grund für unsere Erschaffung. Nur haben wir uns gegen unsere gottgegeben Bestimmung dann aufgelehnt und entschieden, selbst Gott sein zu wollen (1.Mose 3,1-7). Dies nennt die Bibel Sünde, sie ist der Hauptgrund dafür, warum Gott keine unmittelbare Beziehung mehr zu dem Menschen haben konnte. Das Problem Deiner und meiner Sünde wollte Gott dann nicht nur beseitigen, Er hat es dann auch konkret durch die Sendung Seines Sohnes Jesus Christus getan. Er hat Ihn gesandt, damit „Er die Sünde der Welt wegnimmt“ (Johannes 1,29) und „jeder, der an Jesus Christus glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat“ (Johannes 3,16). Dieses ewige Leben steht hierbei u.a. für die Erneuerung der Beziehung von Gott zu dem glaubenden Menschen.
Wenn Du dies glaubst und somit Jesu Rechtfertigungsopfer angenommen hast, dann ist Deine Schuld vor Gott endgültig und unwiderruflich bezahlt. Der Weg zu Gott ist jetzt frei für Dich, ab sofort darfst Du wieder in eine Beziehung zu Gott treten. Er hat Dich nun zu Seinem Kind gemacht, dem Er sich mehr und mehr offenbaren will, wie Er wirklich ist. Und diese wirkliche Beschreibung von Gottes Charakter findest Du in der Bibel, was ich Dir nachfolgend aufzeigen möchte. Denn dies hat nichts mit dem „lieben Gott“ zu tun, der von allen spöttisch und verachtend so gerufen wird…
Gottes Charakter, wie ihn die Bibel beschreibt:
→ Gott ist ein Wesen, das aus den drei Personen Gott der Vater, Gott der Sohn Jesus Christus und dem Heiligen Geist besteht. Diese Personen gehören gleichermaßen zu dem untrenn- baren Wesen Gottes
→ Gott ist für den Menschen nicht wirklich begreifbar oder sichtbar, denn Er ist Geist (Johannes 4,24); u.a. um dem Menschen zu nahen und Gottes Wesen für ihn erkennbar zu machen, ist Jesus Mensch geworden und spiegelt den Vater wieder (Johannes 1,18; 12,25)
→ Gott ist ein unbedingtes Wesen, das unabhängig von Raum, Zeit und Materie ist; Er existierte schon immer und hatte keinen eigenen Ursprung (Johannes 1,1-2; Epheser 1,4, Psalmen 136x)
→ Gott ist allgenügsam, Er braucht nichts und niemanden, um weiterhin zu bestehen
→ Gott ist unendlich, da es keinerlei Beschränkungen durch Raum, Zeit oder Materie für Ihn gibt
→ Gott ist unveränderlich, Seine Eigenschaften entsprechen absolut Seinem Wesen
→ Gott ist allwissend (Jesaja 40,13-14; Hiob 38-39) und kennt die Herzen der Menschen (Apostelgeschichte 15,8; Johannes 2,24)
→ Gott ist die vollkommene Weisheit (Jakobus 1,4; Psalm 104,24)
→ Gott ist allmächtig (Offenbarung 1,8; 4,8; 11,17; 15,3; 16,7.14; 19,6.15; 21,22; 31 x in Hiob)
→ Gott ist allgegenwärtig
→ Gott ist vollkommen treu und hält Seine Versprechen (1. Korinther 1,9; 10,13; Hebräer 6,13-20)
→ Gott ist Güte (die Psalmen erwähnen Gottes Güte 158x)
→ Gott ist Gerechtigkeit (1. Mose 18,25; Psalm 97,2; Daniel 9,7)
→ Gott ist Barmherzigkeit (Lukas 1,50.54;58.72.78)
→ Gott ist Gnade (Johannes 1,14.16; 1. Petrus 5,10)
→ Gott ist Liebe (1. Johannes 4,8)
→ Gott ist Heiligkeit (Jesaja 6,5)
→ Gott ist Souveränität
Lieber Leser, ich möchte Dir nur einen Abriss davon geben, was die Bibel über Gott sagt. Jede dieser Eigenschaften ist noch mit vielen weiteren Stellen und auch Geschichten hinterlegt, außerdem könnte man noch mehr Eigenschaften anführen. Du merkst sicherlich, dass diese außergewöhnliche Liste von Charakterzügen nichts, aber auch rein gar nichts mit dem Bild des „lieben Gottes“ zu tun hat, sondern ein unvorstellbares und anbetungswürdiges Wesen charakterisiert. Du magst Dich fragen, wie diese Eigenschaften in einem Wesen zusammenkommen und sich ausdrücken können. Widersprechen sie sich nicht sogar? Ich will es Dir verdeutlichen: Gott hat die Menschen geschaffen, um Seiner Liebe Ausdruck zu verleihen. Er sah, wie sie sich von Ihm abwandten, und entwarf daher durch Seine Allwissenheit einen Plan, um sie wieder zu sich in die Gemeinschaft zurückzuholen. Da Er vollkommen heilig ist, konnte Er mit sündigen Wesen keine Gemeinschaft haben. Seine Gerechtigkeit musste befriedigt werden, jemand musste die Schuld bezahlen, die der Mensch verursacht hatte. Damit dies möglich war, sandte Er aus Gnade Seinen Sohn, damit dieser ihre Schuld stellvertretend trug. Aber Er gab aus Barmherzigkeit dem Menschen noch mehr, nämlich die Möglichkeit, ein Kind Gottes zu werden. Dies alles verknüpfte Gott in Seiner Güte nur durch den Glauben an Jesus Christus zu einem gesamten Geschenkt an den Menschen, dass Er ihm durch Seine Treue mit unveränderbaren Versprechungen zusagte. An dem gesamten Geschehen wirkt Gott in Seiner Dreieinigkeit mit und zeigt dadurch Seine wahre Herzenshaltung der Liebe zu dem Menschen. Nur schenkt Er dem Menschen die Freiheit, dieses Geschenk der Vergebung anzunehmen oder abzulehnen und bewahrt dadurch auch Seine Unbedingtheit. Dieser gesamte Erlösungsplan für den Menschen spiegelt letztendlich Seine Allmächtigkeit und Seine Souveränität wieder, denn sowohl der Gerechtigkeit als auch der Liebe Gottes wird vollkommen genüge getan.
Und hier und heute kannst Du Dich entscheiden, ob Du Dich einem solchen Gott anvertrauen möchtest. Vergiss die Ammenmärchen von dem „lieben Gott“, der nur in Hirngespinsten existiert und übergib Dein Leben dem lebendigen Gott, der die ganze Zeit darauf wartet, dass Du ihm in Seinen am Kreuz geöffneten Arme von Jesus Christus hineinläufst und Er Dich zu Seinem Kind macht!
Ben Graf

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