1.Petrus 2,11 Liebe Brüder, ich ermahne euch als Fremdlinge und Pilger: Enthaltet euch von fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten,

1.Petrus 2,11 Liebe Brüder, ich ermahne euch als Fremdlinge und Pilger: Enthaltet euch von fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten,
Parallelvers
Ps 39,13 Höre mein Gebet, HERR, und vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen; denn ich bin ein Gast bei dir, ein Fremdling wie alle meine Väter.
Christen können ihre Pflichten aus 3 Perspektiven betrachten: 1.) als Pilger (V. 11.12); 2.) als Bürger (V. 13-17); und 3.) als Knechte (V. 18-20). In V. 21-25 zeigt Petrus, wie Christus ein Vorbild gegeben hat, indem er inmitten seiner feindseligen Umgebung ein vollkommenes Leben führte.
In warmem Ton redet Petrus seine Leser als „liebe Brüder“ (agapetoi) an. (griechisch kürzer: »Geliebte«) wird ein neuer Ansatz gekennzeichnet. Diese Anrede ist im Griechentum nicht geläufig, drückt aber eben das entscheidend aus, wie die Christen miteinander leben, nämlich in herzlicher Bruderliebe (vgl. zu 1. Petr 1,22). Deshalb findet sich diese innigste Anrede oft im Neuen Testament; auch Jesus hat sie gebraucht (vgl. Mk 10,24; Joh 13,33; Apg 3,17; Apg 6,3; Apg 7,2; Apg 9,17; Röm 1,13 u. ö.; 1. Kor 1,10 u. ö.; 2. Kor 1,8 u. ö. : Gal 1,11 Phil 1,12 u. ö. : Hebr 3,12 u. ö.; vgl. auch Jes 5,1).
Das apostolische ich ermahne euch regiert den nun folgenden ethischen Teil des Briefes bis zum Schluß. Es entspricht einerseits der Freiheit vom Gesetz und andrerseits der Gebundenheit an Jesus als Herrn. Es zwingt nicht und ist doch verbindlich. Das griechische Wort für „ich ermahne“ bedeutet wörtlich: „herbeirufen“. Das kann mit unterschiedlichem Ziel und auf verschiedene Weise geschehen. So ist es in 2Kor 1, 4 mehrmals mit „trösten“ übersetzt. Hier ist augenscheinlich gemeint, zu bedenken und doch mehr zu beherzigen, was der Apostel im Folgenden schreiben wird. Ermahnung entspringt der liebenden Sorge um den Bruder.
Ein Fremdling ist jemand, der mitten unter einem Volk wohnt, zu dem er nicht gehört, und in dem er keine Bürgerrechte genießt. Er ist also in einer rechtlosen Stellung. Er ist einer, der irgendwo anders zu Hause ist. Am Anfang des Briefes hatte Petrus sie „Fremdlinge von der Zerstreuung“ genannt (1Pet 1,1). Das wies auf ihre äußerliche Stellung auf Erden hin. Der Verfasser des Hebräerbriefs erinnerte die Gläubigen: »Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir« (13,14; vgl. 11,13-16).
Schon 1,14 hatte der Verfasser vor den Begierden, die dort als typisch für die vorchristliche Lebensweise, gewarnt. Im gleichen Maße, in dem ihre christlichen Werte und Überzeugungen von der Welt abgelehnt werden, sollen sie sich ihrerseits von der Unmoral und den fleischlichen Begierden ihrer Umwelt fernhalten. Die Verbform „enthaltet“ (apechesthai) kommt von dem Verb „ablassen von, meiden“. Die Christen sollen den sündhaften Versuchungen der weltlichen Begierden, die gegen die Seele streiten (vgl. Jak 4, 1), widerstehen.
Der Glaubende soll sich dieser fleischlichen Lüste „enthalten“. Dies ist nicht nur eine passive und diese Lüste verneinende Haltung. Auch ist es kein weltfremder Asketizismus, der mit Hemden aus Pferdehaar, Peitschen und Nagelbetten verbunden wäre.
Das griechische Wort für „fleischlich“ (sarkikos) kommt vor in Röm 15,27; 1Kor 3,3; 9,11; 2Kor 1,12; 10,4 und hier. Im klassischen Griechisch wurde gewöhnlich ein anderes Wort (sarkinos) gebraucht, um das Körperliche, also das Fleisch als Stoff, aus dem der Leib besteht, zu bezeichnen. Fleischlich „sarkikos“ bedeutet das, was unpassend, was nicht eindeutig für Gott ist, aber so geartet ist, daß es den Menschen in Versuchung bringt, sich Befriedigung zu verschaffen. Natürliches Begehren ist keine Sünde. Es ist dem Menschen mit seinem Fleisch mitgegeben. Da sich aber der Mensch von Gott getrennt hat, liegt in allem Begehren des Fleisches das Verlangen, sich gegen Gott zu behaupten, unabhängig von Gott zu sein und In der Befriedigung des natürlichen Begehrens Inhalt und Ziel des Lebens zu finden.
Durch die Verwendung des Ausdrucks die gegen die Seele streiten intensivierte Petrus seine Ausführungen über die fleischlichen Begierden. Es ist das Wesen dieser Begierden und Gelüste, gegen das neue Herz, das Gott in der Seele jedes Gläubigen geschaffen hat, zu streiten. Der Schlüssel, um sich von fleischlichen Begierden und Versuchungen zu enthalten, liegt in einem Leben in der Kraft des Geistes (Gal 5,16) und einer gottesfürchtigen Disziplin (1Kor 9,27; 2Kor 7,1). Der Kampf wird im Inneren gewonnen oder verloren, wie Jakobus festhielt: Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht. … (Jak 1,13-15) Zuvor rief Jakobus in Vers 12 zu demselben Verhalten auf, von dem auch Petrus sprach: »Glückselig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet;…

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