1. Petrus 2,10 die ihr einst »nicht ein Volk« wart, nun aber »Gottes Volk« seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid (Hosea 2,25).

Das „einst“ und das „nun aber“ stehen in gewaltigem Gegensatz einander gegenüber. Sie waren vorher kein Volk. Es gab eine Zeit in ihrem Leben, in der sie nicht begnadigt waren (wörtlich: ohne Erbarmen), sondern unter dem Zorn Gottes (Röm.1,18 ff) und daher preisgegeben an die Verderbensmächte. Als Ungläubige kannten sie das Erbarmen von Christus nicht – sie waren einst „nicht ein Volk“, jetzt aber waren sie ein Volk Gottes geworden, weil sie Barmherzigkeit empfangen hatten. Barmherzigkeit ist gleichbedeutend mit Erbarmen und beinhaltet im Kern, dass Gott Mitgefühl mit der elenden Lage von Sündern hat und sie vor der gerechten Strafe für ihre Sünden rettet. Es rettet die Gläubigen vor dem Gericht in der Hölle und schenkt ihnen ein ewiges Erbteil im Himmel 1,4; Ps 37,18.
Jetzt wendet Petrus diese Worte des Propheten über Israel (vgl. Hos 2,25) auf die Gemeinde an – bestehend aus Judenchristen und Heidenchristen (vgl. Röm 9,22-26). „nicht ein Volk…. nun aber Gottes Volk“ Das griech. Wort, das hier mit „Volk“ (laos) wiedergegeben ist steht in LXX in erster Linie für Israel. Auch an dieser Stelle bezieht Petrus einen Begriff aus dem AT auf die Gemeinde. Er zieht Hos 1,6,9,10 und 2,23 (nach LXX) heran. Im urspr. Zusammenhang ging es um die Wiederannahme Israels durch Gott, nachdem es zunächst verworfen worden war. Petrus interpretiert (wie Paulus. Rom 9.25 f.) diese Passage aus Hosea jedoch als gleichzeitige Aufnahme der erwählten Heiden in das Gottesvolk. Gottes Gnade kommt Juden und Heiden unverdientermaßen zu, und so besteht eine wesentliche Kontinuität zwischen dem atl. Israel und der ntl. Gemeinde.
Auffällig ist, daß 1 Petr in all seinen ekklesiologischen Aussagen die Bezeichnung Kirche meidet und die Christenheit konsequent als „Volk Gottes“ darstellt. Dadurch will er den universalen Charakter des durch Jesus Christus geschenkten göttlichen Heils herausstellen und zugleich dem Selbstbewußtsein der im ganzen römischen Reich verbreiteten Christen als universale neue Gemeinschaft religiösen Charakters Ausdruck geben. Weder die Heiden noch die Juden sind das eine wahre Volk Gottes: Dies sind die Christen allein. Ihnen
allein ist daher die endgültige Zukunft in der voll erlösten Welt von Gott zugesagt. Insofern sind sie die Vorhut der erlösten Menschheit.

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