1.Petrus 2,9 Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht;

Petrus schließt diesen Abschnitt seines seelsorgerlichen Schreibens mit einer eindringlichen Mahnung an seine Leser, den Weg der Heiligung in die Praxis umzusetzen.
Im Gegensatz zu den Ungehorsamen konzentriert sich Petrus auf die Gläubigen mit den Worten „Ihr aber“.
Hinter diesen Kennzeichnungen der christlichen Gemeinde als „auserwähltes Geschlecht“, „heiliges Volk“ und „Volk des Eigentums“ stehen atl. Gottesworte an Israel (vgl. 2. Mo 19,5f.; Jes 43,20f. 5. Mose 7,6-9). Der Titel „auserwähltes Geschlecht“, der ursprünglich nur Israel gebührte, gilt nun den Heidenchristen ebenso wie den Judenchristen. Die Gemeinde des neuen Bundes tritt also mit in die Stellung Israels ein. Allerdings tritt sie nicht an Israels Stelle, denn das atl. Gottesvolk ist von Gott nicht verworfen, sondern bis zum Ende der Zeit zurückgestellt. Wir sind ein -gepfropfte Zweige am Baum Israel (so drückt es Paulus aus, vgl. Röm 11,17.25f.).
Israel wird das Privileg, Gottes heiliges Volk zu sein, erst wieder genießen, wenn es sich am Ende im Glauben zum Messias hinwendet (vgl. Hes 36,25-31; Röm 11,24.26). Es ist heilsgeschichtlich bedeutsam, daß für die Berufung zur Gemeinde de Neuen Bundes nun nicht mehr Volkzugehörigkeit entscheidet, sondern Glaube! Nun, im Kirchenzeitalter, werden die Gläubigen als königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums bezeichnet. Petrus gebraucht für die Christen den Begriff „heilige Priesterschaft“ (1. Petr 2,5) und „königliche Priesterschaft“ (1. Petr 2,9; vgl. Offb 1,6). Königlich ist sie, weil sie der Königsherrschaft Gottes angehört und auf sie hin lebt. Trotz Bedrängnis und Verachtung ist sie dennoch königlich frei, weil sie gebunden ist an Gott.
Das neue Gottesvolk steht im Dienst seines Herrn: „… dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten.“ Christen sind Zeugen ihres Herrn und rufen vor den Menschen die „Wohltaten“ ihres Herrn einladend aus. Das griechische Wort „Wohltaten« kann mit „Herrlichkeit, Stärke, Machttat“ wiedergegeben werden. Dahinter steht Jesaja 43,21, Israel soll Gottes Ruhm verkündigen. Und diese „Machttat“ Gottes gipfelt eben darin, dass er uns „berufen hat von der Finsternis“. „Finsternis“ ist der Zustand des „alten“ Menschen, ist der „Schatten des Todes“ (vgl. Ps 107,10; Jes 42,7; Jes 58,10; Jes 60,2; Mt 4,16; Lk 1,79; Joh 1,5; Joh 8,12; 2. Kor 4,6; Eph 5,8; Kol 1,13; 1. Thess 5,4; 1. Joh 2,8.11).
Das grie Wort für Eigentum kann auch „Erhaltung“ und „Erwerbung“ bedeuten. Gemeint ist ein Eigentum, das Gott selbst für sich erworben hat. Niemand anderes kann Besitzanspruch auf dieses Volk erheben als allein Gott. Auch nicht für sich selbst ist dieses Volk da, sondern nur für Gott (vgl. Tit 2, 14). „Jesus Christus, der sich selbst für uns [Christen] hingegeben hat, um uns von aller Gesetzlosigkeit zu erlösen und für sich selbst ein Volk zum besonderen Eigentum zu reinigen“ (Tit 2,13-14; vgl. Apg 20,28; 1Kor 6,20).
Gottes Plan in der Erwählung der Gläubigen zu seinem Volk ist es, daß sie verkündigen … die Wohltaten dessen, der sie berufen hat. Statt „Wohltaten“ könnte man auch „hervorragende Eigenschaften“, „außergewöhnliche Qualitäten“ oder „Tugenden“ (aretos; das Wort taucht nur viermal im Neuen Testament auf; Phil 4,8; 1. Petr 2,9;

2. Petr 1,3.5) schreiben. Die alte LÜ hat „Tugend“, aber das ist zu moralisch. Die rev. LÜ hat „Wohltat“, das ist richtig, wenn wir es nicht auf das Gebiet des äußeren Lebens beschränken, sondern als machtvolle Heilstat verstehen.
Die priesterlichen Gläubigen sollen so leben, daß das Wesen ihres himmlischen Vaters in ihrer Lebensführung zum Ausdruck kommt. Sie sollen die Herrlichkeit und Gnade Gottes bezeugen, der sie von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat. Petrus
von der Finsternis“ Die ganze Geschichte hindurch kannte die unerlöste Welt zwei Arten von Dunkelheit: in geistiger und in moralischer Hinsicht. Geistige Dunkelheit ist Unwissenheit – die Unfähigkeit, die Wahrheit zu sehen und zu kennen. Moralische Dunkelheit hingegen ist Unmoral – die Unfähigkeit, das Richtige zu erkennen und zu tun (Ps 58,4; Jer 17,9; Röm 8,7-8; 1Kor 2,14; Eph 4,17-19). Die Finsternis, die Petrus hier meint, fällt in die zweite Kategorie – der sündige Zustand der Ungläubigen, die in der geistlichen Dunkelheit des Teufels, des Fürsten der Finsternis, gefangen sind (Eph 2,1-2; 2Tim 2,25- 26; 1Jo 5,19). Eine solche Dunkelheit ist durchdringend und tief greifend (Ps 143,2; Pred 7,20; Jes 53,6; Röm 3,9-12).
Hier ist vom Licht als von einem Bereich gesprochen, nämlich dem der Nähe Gottes. Licht ist sein Kleid (Ps 104, 2), sein Reich ist von Licht geprägt, und er wohnt in einem Licht, da niemand zukommen kann (1 Tim 6, 16). Ja, sein Licht ist so intensiv, daß man ihm nicht ohne weiteres nahen kann: „Wer ist unter uns, der bei ewiger Glut wohnen kann“ (Jes 33, 14)?

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