1. Petrus 2,5 Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.

Ehe die Leser nun an das Paradoxon eines „lebendigen Steines“ gewöhnt werden, führt der Text sie in die doppelte Metapher ein, nämlich daß sie selbst „lebendige Steine“ sind.
Wenn Sünder im Glauben zu Christus, dem „lebendigen Stein“, kommen, werden auch sie lebendige Steine; wenn jemand an Christus glaubt, dann teilt er dessen Leben (vgl. Joh 17,21.23; 2Kor 3,18; Eph 4,15-16; 1Jo 3,2). Lebendige Steine zu sein, bedeutet, dass die Gläubigen das ewige Leben Christi haben. Sie sind mit ihm verbunden, was ihr erstes geistliches Privileg ist. Sie verehren ihn nicht nur, sind ihm gehorsam und beten zu ihm; sie sind mit ihm als Steine in einem geistlichen Haus verbunden, dessen Eckstein er ist. Christen werden Teilhaber des göttlichen Wesens: Kol 3,3-4; vgl. Gal 2,20. Der Brennpunkt jeder Baureihe und die Perspektive jedes Winkels in diesem herrlichen Gebäude lenken das Augenmerk immer auf Christus hin.
Dieser Vergleich führt uns zu dem ersten geistlichen Vorrecht, dessen sich die Christen erfreuen: die Einheit mit Christus selbst. Das macht das Christentum einmalig unter den Religionen. Von Buddhisten heißt es nicht, sie seien in Buddha; Muslime sind nicht in Mohammed oder gar in Allah; Konfuzianer sind nicht in Konfuzius. Nur die Christen sind mit Christus vereint und empfangen ihr geistliches Leben von dem Gegenstand ihrer Verehrung.
Ausleger sind über die Frage, ob das Verb „bauen“ im Passiv oder dem Indikativ oder dem Imperativ steht, verschiedener Ansicht. So geben einige dieses „baut euch selbst auf /seid aufgebaut/werdet aufgebaut“ eben in diesen verschiedenen Ausdrücken wieder. Die Gelehrten sind sich hier nicht einig. Es scheint nun so zu sein, daß dem normalen Leser der offensichtliche Sinn auch der beste ist. Ein Gebäude setzt einen Erbauer und einen Bauplan voraus. Wohl kaum kann jeder Stein für sich selbst mit dieser Aufgabe betraut werden, ein so großartiges Gebäude zu errichten.
Im AT wurde Gottes Gegenwart durch ein zeitlich begrenztes, materielles Gebäude (Lk 21,5; Joh 2,20), seinen Tempel, repräsentiert (1Kö 8,10-11; 2Chr 5,13; 7,2-3). Doch im NT sind die Gläubigen als ein geistliches Haus aufgebaut, das jedes materielle Gebäude ablöste (Eph 2,20- 22; Hebr 3,6). Sie bilden Gottes geistlichen Tempel (vgl. Apg 17,24; 1Kor 6,19-20; 2Kor 6,16), den Paulus das „Haus Gottes, welches die Gemeinde des lebendigen Gottes ist“ (1Tim 3,15), nannte. Der Verfasser des Hebräerbriefs sagte Folgendes über dieses geistliche Haus: „Christus aber als Sohn über sein eigenes Haus; und sein Haus sind wir“ (Hebr 3,6). Die jüdische Kultur zur Zeit des Petrus hatte den Tempel in Jerusalem zum Mittelpunkt. Jetzt gebraucht er dieses Bild, um in lebendiger Sprache darzustellen, dass Gott nicht mehr in einem irdischen, materiellen, zeitlichen Hause, sondern in einem geistlichen Tempel wohnt.
Der Dienst des Priesters hatte sich durch die Jahrhunderte verändert. Von Adam bis Noah war jeder Mann selbst ein Priester, der Gott sein Opfer ganz individuell brachte. Von Noah bis Abraham war der Mann ein Priester für seine Familie (Melchisedek, der Priesterkönig war ein einzigartiger Typus). Dann berief Gott eine Nation, um ein Königreich von Priestern zu sein, wenn sie gehorsam wären. Sie gehorchten jedoch nicht; somit verwirkte Israel seinen nationalen Dienst. Aus diesem Volk heraus berief Gott in Seiner Gnade eine Familie, die den Priesterdienst versehen sollte. Aaron war der Hohepriester, und seine Söhne folgten ihm in dieser Aufgabe nach. Dieses aaronitische Priestertum dauerte, bis Kajaphas das priesterliche Gewand zerriß und damit das Ende jener Dynastie signalisierte, die dann schließlich durch das Kreuz beschlossen wurde. Nachdem der Herr Jesus Sein großes, priesterliches Werk vollbracht hatte, wurde Er auferweckt, erhöht und zum Großen Hohenpriester in einer neuen Ordnung des Priestertums gesalbt, in der jeder Gläubige im Zeitalter der Gemeinde Jesu Christi ein Priester ist, der keines irdischen Vermittlers mehr bedarf, um zwischen ihm und Gott zu wirken. Die Hauptaufgabe dieses geheiligten Dienstes liegt zunächst in der Darbringung geistlicher Opfer. Das Wesen dieser Opfer wird in anderen Textstellen gezeigt, wie z.B. Röm 12,1; Phil 2,7;4,18; Hebr 13,15.16.
Die Hauptfunktion der alttestamentlichen Priester, die zuerst in der Stiftshütte und dann im Tempel dienten, bestand darin, Gott Tieropfer darzubringen (2Mo 29,10-19; 2Chr 35,11). Doch als Christus den Neuen Bund einsetzte, waren Tieropfer nicht länger erforderlich (Hebr 8,13; 9,11-15; 10,1-18). Die einzig verbliebenen Opfer für das Priestertum der Gläubigen sind laut Petrus geistliche Opfer.
Der Ausdruck für Opfer bezeichnet eigentlich „Schlachtopfer“. Damit ist wohl angedeutet: echte geistliche Opfer können nur da gebracht werden, wo gestorben wird. Der Heilige Geist wirkt, daß jeder seinen Leib zur Verfügung stellt als ein Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist (Rö 12, 1) Unter geistlichem Opfer ist das Gebet zu verstehen (Ps 141, 2; 119, 108: Offb 5. 8: 8. 3 f) ebenso wie der Dank (Ps 50. 14; V. 23; 110. 17). Lob und Bekenntnis des Namens Jesu (Hbr 13, 15: Ps 27, 6), wie auch das Wohltun und Mitteilen (Hbr 13,16; Phil 4, 18); wo dem Herrn priesterlich gedient wird, kommt es stets auch zu diakonischer Verantwortung. Ebenso ist der priesterliche Dienst am Evangelium (Ro 15, 18; Phil 2, 17) ein Darbringen geistlicher Opfer. Die atst Opfer dagegen, wenn sie als Werkfrömmigkeit verstanden werden, gefallen Gott nicht, denn so spricht der Herr: „Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer darbringt, so habe ich kein Wohlgefallen daran“ (Am 5,22 f). Von den geistlichen Opfern aber darf man wissen, daß sie Gott wohlgefällig sind.

Ein Gedanke zu “1. Petrus 2,5 Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.

  1. Es ist immer wieder toll, und gut für die Seele zu erfahren, dass sich auch ander mit der Bibel beschäftigen!
    Manchmal kommt man ja schließlich ins Zweifeln. Ich selbst schau dann immer in die Bibel und schau nach einem passenden Bibelspruch, der mich etwas aufheitert und mir wieder Hoffnung gibt.

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