Matthäus 6,21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Wenn vom Herzen gesprochen wird, wird nicht nur Liebe oder Empfindungen, sondern die Gesamtrichtung des innersten Wollens beansprucht. Ist Wille und Herz auf den Himmel gerichtet, so ist es auf Gott gerichtet. Jesu Wort fragt also, ob der Schatz und Besitz des Herzens bei Gott gesucht wird, ob das innerste Wollen auf ihn gerichtet ist; ähnlich redet er in Gleichnissen und Sprüchen wie Mt.13,44-46;Luk.16,1-12. Beim „Schatz im Himmel“ ist also an die „Herrschaft des Himmels“ gedacht. Die Frage ist die, ob Gott oder der Reichtum über uns herrscht. So stellt unser Spruch vor die gleichen Fragen wie die Gegensatzstücke 5,20-48. Er trägt die gleiche Form der scharf zugespitzten (paradoren, radikalen) Aussage. Er meint weit mehr als eine bloße neue Gesinnung, nämlich ein ganz neues Handeln. Um zu zeigen, wie sich das im Alltag auswirkt, müsste man die die Geschichte der Kirche von den paulinischen Briefen bis zur Gegenwart durchgehen. Forschungen der Nationalökonomie (Max Weber) haben gezeigt, daß am Anfang gerade der abendländischen Wirtschaftsentfaltung im Calvinismus und Puritanismus die Verantwortung vor Gott der Beweggrund ist: aller Besitz gehört nicht uns, sondern Gott. Umso schärfer richtet sich Jesu Wort gegen jedes Besitzen, über dem Gott vergessen wird; und sein Wehe über die Reichen (Luk.6,24;16,25) trifft den Stolz, der sich gegen Gott erhebt.
Schniewind, Julius: Das Evangelium nach Matthäus. Das neue Testament Deutsch Bd. 2 Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht 8.Auflage 1956 Seite 91
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