Johannes 1,17 Denn das Gesetzt ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Teil 18
V.17 schließt mit „denn“ deutlich anV.16 („Denn“) an. Dann drückt er aus, was implizit bereits in V.12f. und besonders in V.14 enthalten ist.
Dieses Leben des steten Empfangens von Gnade über Gnade ist der vollendete Gegensatz gegen ein Leben unter dem Gesetz. Unter dem Gesetz würde es heißen: „Aus unserer Fülle haben wir alle hervor gebracht Werk über Werk.“ Unter dem „Gesetz“ kam es nicht zur „Wahrheit“, sondern zur „Heuchelei“, zum Scheinleben einer unechten Frömmigkeit. Das hatte Jesus selber mit tiefen Ernst gezeigt (Mt. 6, 1-18) Wahre Wirklichkeit eines Lebens mit Gott gibt es erst da, wo die Gnade waltet und wo die aufgenommene Gnade tatsächliche Gotteskindschaft wirkt. Das Gesetz führt zum krampfhaften Schein oder zur Verzweiflung.
Schon vorher hatte Gott eine große Gabe gegeben, sein Gesetz, seinen heiligen Willen. Keinem anderen Volk wurde ein solches Privileg zuteil. Aber das war nur die vorbereitende Offenbarung. Jetzt erst in Jesus Christus hat Gott sich selbst wirklich geoffenbart in der Fülle seiner unwandelbaren Barmherzigkeit.
Johannes bekämpft nicht das „Gesetz“ als Heilsweg; er spricht unbeschwert vom „Gebote – Halten“, „vom neuen Gebot“ Joh.13, 34; 1Joh.2,7f).
Eine Schrift über Jesus, von einem Israeliten geschrieben, wollte und mußte mit jüdischen Lesern rechnen. Sofort die ersten Worte dieser Schrift sprachen darum besonders in jüdische, vom Alten Testament lebende Herzen hinein: „Im Anfang war das Wort“ Diese Leser aber fragten naturgemäß: „Und was ist mit Mose? Was ist mit dem Gesetz Es wird voll anerkannt‚ „Das Gesetz wurde durch Mose gegeben.“ An der Offenbarungsgeschichte wird nichts abgestrichen. Dabei hört ein Israelit der Johannes ja war! – hier anders als wir. Denn “Christus“ heißt “Messias“. Wenn Christus bei uns nicht so fest eingebürgert wäre, müsste man immer übersetzen: „Jesus Messias“.
Hier haben wir eine Gegenüberstellung von Mose und Jesus: Von Mose werden hier große Dinge ausgesagt, wie Jesus überhaupt Mose geschätzt hat (vgl. Mt 8,4; Mt 17,3; Mt 23,2; Lk 16,29; Lk 24,27; Joh 3,14; Joh 5,45ff.; Joh 7,19): „Gott hat durch (die Vermittlung des) Mose das Gesetz gegeben“. Das Passiv (Leideform) wird hier – wie oft im Judentum – gebraucht, um aus heiliger Ehrfurcht das Wort “Gott“ zu vermeiden. Das belässt Johannes also, dass Mose im Auftrage Gottes das Gesetz überbracht hat. Moses nennt er nicht nur als Gesetzgeber (7,19+22f), sondern auch als Schriftautorität (1,45;5,45-47;vgl. 9,29). Als solche ist Moses ähnlich wie Johannes der Täufer ein Zeuge für Jesus (5,45ff); ferner spielt der Führer auf dem Wüstenzug eine gewisse typologische Rolle (vgl. 3,14;6,32). So besteht für Joh. zwischen Moses, der (im Auftrag Gottes!) das Gesetz gab, und Jesus Christus, der Gnade und Wahrheit brachte, kein absoluter Gegensatz.
Heutzutage hat man sich angewöhnt, im Gesetz etwas Negatives zu sehen. Das ist ein völliges Missverständnis. Israel kann ein Fest der Gesetzesfreude feiern (vgl. Ps 119). Dass Gott Weisung gab – der viel bessere Ausdruck für Gesetz! -, wurde als unvergleichliche Hilfe und Gnade empfunden: „Wenn dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich vergangen in meinem Elend“ (Ps 119,92). Auch Paulus nennt das Gesetz „heilig, recht und gut“ (Röm 7,12). Nur eins konnte daß Gesetz nicht, und zwar aufgrund der Macht der Sünde: uns vor Gott gerecht machen. Das konnte nur die Versöhnung am Kreuz. Wenn also Johannes Jesus dem Mose gegenüberstellt, verfährt er ähnlich wie der Hebräerbrief (Hebr 3,1ff.). Vielleicht erinnert er uns auf diese Weise auch daran, dass nach 5. Mose 18,15 ein „zweiter Mose“ kommen sollte: eben der Messias. Inwiefern ist Jesus größer? Erstens bringt er „die Gnade“, d. h. die Rettung aus dem jüngsten Gericht, die wir als „rettende Barmherzigkeit“ bezeichneten. Das war dem Gesetz unmöglich (vgl. Mt. 20,28; Röm. 3,20ff.; Röm. 5,20ff.; Röm. 8,3; Gal. 2,16ff.; Gal. 3,11). Zweitens bringt er die »Wahrheit«, d. h. die Offenbarung des vollen Gotteswillens, die Mose um der Herzen Härtigkeit willen ermäßigen musste und die von den Schriftgelehrten Israels immer noch weiter ermäßigt und verkleinert wurde (vgl. Mt 5,20; Mt 19,7ff.). Drittens heißt es bei Jesus nicht „gegeben“, sondern „geworden“. Mose hat als treuer Botschafter nur etwas von einem anderen (nämlich Gott) überbracht. Jesus aber verkörpert die Gnade und Wahrheit selbst in Person.
Die Gnade aber läßt Wahrheit „werden“ Diese Formulierung von einer „gewordenen Wahrheit“ zeigt, daß es nicht um die theoretischen „ewigen Wahrheiten“ der Philosophie geht, sondern um einen Lebenszustand, der in der Tat allein „durch Jesus Christus wird“. Was alles „Gesetz“ vergeblich fordert und aller „Idealismus“ nur als schönen Traum vor uns hinstellt, das wird lebendige Wirklichkeit, wenn ein Menschenleben von Jesu Christus ergriffen ist. Das Annehmen von Gnade und Wahrheit ist dem bloßen Gesetzesgehorsam überlegen.
An dieser Stelle des Prologs lässt der Apostel zum erstenmal den so lange erwarteten Namen Jesus Christus vernehmen. Er steigt stufenweise herab vom Göttlichen zum Menschlichen: der Logos (V1), der eingeborenen Sohn (V14), endlich Jesus Christus, in dem die himmlische Welt für uns völlig Leben und Wirklichkeit gewinnt.
Die Herrlichkeit der Kirche heute aber besteht darin, daß sie die Offenbarung von Gottes Gnade und Wahrheit durch Jesus Christus besitzt (vgl. V. 14).
Dieser Vers soll schlussendlich die Größe der bisherigen Gesetzesordnung durch die Gnadenwirklichkeit Jesu Christi herausstellen. Wenn das Gesetz von Moses „gegeben“ wurde (die alte hebräische Formel), die Gnade und Wahrheit durch Jesus Christus aber „kam“, so wird dadurch das eschatologische Heilsereignis hervorgehoben. Mit Jesus hat der vom AT angekündigte Neue Bund begonnen (vgl. Röm. 6,14; Röm. 10,4).
Verwendete Literatur
Das Evangelium des Johannes 1.Teil erklärt von Werner de Boor
Frédéric Godet Das Evangelium des Johannes
Brockhaus Kommentar zur Bibel
Das Johannesevangelium Teil 1 Rudolf Schnackenburg Vierte Auflage 1979
Multimedia Bibel
Lutherbibel 1984
Archiv für September 2009
Johannes 1,17 Denn das Gesetzt ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.
Samstag, 26. September 2009Guillaume Farel (1489-1565)
Samstag, 26. September 2009Wilhelm Guillaume Farel Reformator der französischen Schweiz
Samstag, 26. September 2009Wie ich Atheist wurde
Mittwoch, 23. September 2009Zusammenfassung des Buchs von Antony Flew: There is a god How the world’s most notorious atheist changed his mind, HarperCollins, New York, 2007
In seinem Vorwort stellt Roy Abraham Varghese fest, dass sich die Bücher und Aufsätze der ‚neuen Atheisten‘ wie fundamentalistische Predigten anhören. Sie sind schwarz-weiss. Antony Flew ist für sie ein Apostat (=Abtrünniger). Und sie wollen nicht anerkennen, dass es bedeutende Physiker und andere Wissenschaftler gibt, die an die Existenz Gottes glauben.
I My Denial of the Divine
1. Wie ich Atheist wurde
Als Sohn eines Methodistenpredigers aufgewachsen, verlor Antony Flew erst mit 13-15 Jahren im Gymnasium den Glauben an Gott. Obwohl er vorher schon nie religiöse Gefühle entwickelt hatte. Dagegen war er immer sehr geistig interessiert. Ein Grund für seine Abkehr vom Glauben war das Problem des Bösen, das er während der Nazizeit erlebte (persönliche Erlebnisse auf Ferienreisen nach Deutschland und Frankreich). Er wurde Philosophieprofessor und erhielt den John Locke Wissenschaftspreis in Philosophie. Die Philosophie Ludwig Wittgensteins wurde für ihn in Oxford wichtig, obwohl er realisierte, dass dieser sich in Bezug auf die Nazis geirrt hatte (er hatte gemeint, wegen den Beziehungen seiner Familie nicht in Gefahr durch die Nazis zu sein). Im Sokrates-Club in Oxford diskutierte er auch mit C.S.Lewis, einem der bedeutendsten christlichen Philosophen des 20. Jahrhunderts, über die Gottesfrage.
2. Wohin die Evidenz führt
Während der Schulzeit wurde er Kommunist. Als Atheist glaubte er, dass der evolutionäre Prozess Fortschritt garantiere. In Oxford wurde er ein Anhänger der ‚neuen Philosophie‘, die als linguistisch bezeichnet wurde. Das Sokratische Prinzip, der Evidenz zu folgen, wohin sie auch immer führt, wurde für ihn wichtig. Deshalb war er auch bereit, seine Meinung zu ändern (z.B. in Bezug auf seine politische oder weltanschauliche Auffassung). Im Aufsatz ‚Theologie und Falsifikation‘ legte er dar, dass eine These wie „Gott liebt die Menschen“ leer wird, wenn es zu viele Widersprüche gibt, die dann wegerklärt werden müssen, um die These zu halten. Durch die Entgegnungen auf seinen Aufsatz lernte er einiges, z.B. dass der Glaube eine Interpretation von Erfahrung ist, die weder bewiesen noch widerlegt werden kann. Und dass Theisten glauben, dass Gott transzendent ist und deshalb jenseits unseres Verstehens ist. Er realisierte auch, dass Theisten um das Problem des Bösen wissen (Theodizeefrage), aber trotzdem an einen liebenden Gott glauben. In ‚Gott und Philosophie‘ versuchte er, die Argumente für eine ‚natürliche Theologie‘ wie für eine Offenbarung zu widerlegen. Es ist unmöglich, von religiöser Erfahrung auf die Existenz Gottes zu schliessen. Frederick Copleston, Philosophie-Historiker, stimmte zu, dass man Gott nicht wie einen Schmetterling festpinnen und beschreiben könne; „Gott wird Realität für das menschliche Denken in der persönlichen Bewegung des Transzendierens“, sagte er.
10 Jahre später publizierte Flew ‚Die Annahme des Atheismus‘, wo er darlegte, dass die Beweislast bei den Theisten liegen müsse. Der Thomist Ralph McInerny entgegnete, die natürliche Ordnung der Natur lege den Gottesglauben als natürlichen Ausgangspunkt nahe; die Beweislast liege daher bei den Atheisten. Flew betont, dass er einen methodologischen Atheismus vertrat, den auch (gewisse) Theisten akzeptieren konnten, keine ontologische Festlegung. Dann setzte er sich mit Hume’s Skeptizismus gegenüber Ursache-Wirkung auseinander und vertrat die Unterscheidung von physical und moral causes. Menschliches Verhalten ist nicht im gleichen Sinn kausal wie physikalische Vorgänge. (weiterlesen…)
Der moderne Atheismus und die Antwort des christlichen Glaubens
Dienstag, 22. September 2009Gott ist an allem Schuld! Der Kreuzzug der neuen Atheisten!” So titelte der Spiegel – etwas paradox – in seiner Pfingstausgabe 2007. Grundlage des „neuen Atheismus” ist das Buch „Der Gotteswahn” des Oxforder Evolutionsbiologen Richard Dawkins. Die englische Ausgabe dieses Buches wurde bereits mehr als eine Million Mal verkauft. Die deutsche Ausgabe liegt seit September 2007 vor und gelangte in kurzer Zeit auf Platz zwei der Sachbuchliste.
Worum geht es in diesem Buch? Was ist von seinen Thesen aus christlicher Sicht zu halten? Wie kann man ihnen argumentativ begegnen? (weiterlesen…)
Der Prolog des Johannesevangelium
Sonntag, 20. September 2009Johannes 1,1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Der Prolog des Johannesevangelium Teil 2 http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/471
Johannes 1,2 Dasselbe war im Anfang bei Gott Der Prolog des Johannesevangelium Teil 3
http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/472
Johannes 1,3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. Der Prolog des Johannesevangelium Teil 4 http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/473
Johannes 1,4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Der Prolog des Johannesevangelium Teil 5 http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/474
Johannes 1,5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen Der Prolog des Johannesevangelium Teil 6 http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/477
Johannes 1,6 Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Der Prolog des Johannesevangelium
Teil 7 http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/479
Johannes 1,7 Der kam zum Zeugnis, um von dem Licht zu zeugen, damit sie alle durch ihn glaubten. Der Prolog des Johannesevangelium Teil 8 http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/481
Johannes 1,8 Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht. Der Prolog des Johannesevangelium Teil 9 http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/484
Johannes 1,9 Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Johannes 1,9 Der Prolog des Johannesevangelium Teil 10 http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/485
Johannes 1,10 Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht. Der Prolog des Johannesevangelium Teil 11 http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/491
Johannes 1,11 Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Der Prolog des Johannesevangelium Teil 12 http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/492
Johannes 1,12 Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, Der Prolog des Johannesevangelium Teil 13
http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/493
Johannes 1,13 die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. Der Prolog des Johannesevangelium Teil 14
http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/494
Johannes 1,14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Der Prolog des Johannesevangelium Teil 15 http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/498
Johannes 1,15 Johannes gibt Zeugnis von ihm und ruft: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. Der Prolog des Johannesevangelium Teil 16
http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/502
Johannes 1,16 Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Der Prolog des Johannesevangelium Teil 17 http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/512
Aurelius Augustinus
Sonntag, 20. September 2009Aurelius Augustinus:
Wenn Du glaubst, was Dir am Evangelium gefällt, und zurückweist, was Dir nicht gefällt, vertraust Du nicht dem Evangelium, sondern Dir selbst.
Die Arche Noah des 21. Jahrhunderts
Samstag, 19. September 2009Nach vielen Jahren sah Gott wieder einmal auf die Erde. Die Menschen waren verdorben und gewalttätig und er beschloss, sie zu vertilgen, genau so, wie er es vor langer langer Zeit schon einmal getan hatte. Er sprach zu Noah: “Noah, baue mir noch einmal eine Arche aus Zedernholz, so wie damals – 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch. Ich will eine zweite Sintflut über die Erde bringen. Die Menschen haben nichts dazugelernt. Du aber gehe mit deiner Frau, deinen Söhnen und deren Frauen in die Arche und nimm von allen Tieren zwei mit, je ein Männchen und ein Weibchen. In sechs Monaten werde ich den großen Regen schicken”.
Noah stöhnte auf, musste das denn schon wieder sein”. Wieder 40 Tage Regen und 150 unbequeme Tage auf dem Wasser mit all den lästigen Tieren an Bord und ohne Fernsehen! Aber Noah war gehorsam und versprach, alles genau so zu tun, wie Gott ihm aufgetragen hatte. Nach sechs Monaten zogen dunkle Wolken auf und es begann zu regnen. Noah saß in seinem Vorgarten und weinte, denn da war keine Arche. “Noah”, rief der Herr, “Noah, wo ist die Arche?
Noah blickte zum Himmel und sprach: “Herr, sei mir gnädig.” Gott fragte abermals “Wo ist die Arche, Noah?” Da trocknete Noah seine Tränen und sprach: “Herr… was hast du mir angetan? Als Erstes beantragte ich beim Landkreis eine Baugenehmigung. Die dachten zuerst, ich wollte einen extravaganten Schafstall bauen. Die kamen mit der ausgefallenen Bauform nicht zurecht, denn an einen Schiffbau wollten sie nicht glauben. Auch deine Maßangaben stifteten Verwirrung, weil niemand mehr weiß, wie lang eine Elle ist. Also musste mein Architekt einen neuen Plan entwerfen. Die Baugenehmigung wurde mir zunächst abgelehnt, weil eine Werft in einem Wohngebiet planungsrechtlich unzulässig sei. Nachdem ich dann endlich ein passendes Gewerbegrundstück gefunden hatte, gab es nur noch Probleme. Im Moment geht es z. B. um die Frage, ob die Arche feuerhemmende Türen, eine Sprinkleranlage und einen Löschwassertank benötige. Nach dem Hinweis, ich hätte im Ernstfall rundherum genug Löschwasser, glaubten die Beamten, ich wollte mich über sie lustig machen. Als ich ihnen erklärte, das Wasser käme noch in großen Mengen, und zwar viel mehr als ich zum Löschen benötigte, brachte mir das den Besuch eines Arztes vom Landeskrankenhaus ein. Er wollte von mir wissen, was ein Schiffbau auf dem Trockenen, fernab von jedem Gewässer, solle. Die Bezirksregierung teilte mir daraufhin telefonisch mit, ich könnte ja gern ein Schiff bauen, müsste aber selbst zusehen, wie es zum nächsten größeren Fluss käme. Mit dem Bau eines Sperrwerks könnte ich nicht rechnen, nachdem der Ministerpräsident zurückgetreten sei. Dann rief mich noch ein anderer Beamter dieser Behörde an, der mir erklärte, sie seien inzwischen ein kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen und darum wolle er mich darauf hinweisen, dass ich bei der EU in Brüssel eine Werftbeihilfe beantragen könne, allerdings müsste der Antrag achtfach in den drei Amtssprachen eingereicht werden. Inzwischen ist beim Verwaltungsgericht ein vorläufiges Rechtsschutzverfahren meines Nachbarn anhängig der einen Großhandel für Tierfutter betreibt. Der hält das Vorhaben für einen großen Werbegag – mein Schiffbau sei nur darauf angelegt, ihm Kunden abspenstig zu machen. Ich habe ihm schon zwei Mal erklärt, dass ich gar nichts verkaufen wolle. Er hört mir gar nicht zu und das Verwaltungsgericht hat offenbar auch viel Zeit.
Die Suche nach dem Zedernholz habe ich eingestellt. Libanesische Zedern dürfen nicht mehr eingeführt werden. Als ich deshalb hier im Wald Bauholz beschaffen wollte, wurde mir das Fällen von Bäumen unter Hinweis auf das Landeswaldgesetz verweigert. Dies schädige den Naturhaushalt und das Klima. Außerdem sollte ich erst eine Ersatzaufforstung nachweisen. Mein Einwand, in Kürze werde es gar keine Natur mehr geben und das Pflanzen von Bäumen an anderer Stelle sei deshalb völlig sinnlos, brachte mir den zweiten Besuch des Arztes vom Landeskrankenhaus ein.
Die angeheuerten Zimmerleute versprachen mir schließlich, für das notwendige Holz selbst zu sorgen. Sie wählten jedoch erst einmal einen Betriebsrat. Der wollte mit mir zunächst einen Tarifvertrag für den Holzschiffbau auf dem flachen Lande ohne Wasserkontakt aushandeln. Weil wir uns aber nicht einig wurden, kam es zu einer Urabstimmung und zum Streik. Herr, weißt du eigentlich, was Handwerker heute im Voraus verlangen? Wie soll ich denn das bezahlen? Weil die Zeit drängte, fing ich schon einmal an, Tiere einzusammeln. Am Anfang ging das noch ganz gut, vor allem die beiden Ameisen sind noch immer wohlauf. Aber seit ich zwei Tiger und zwei Schafe von der Notwendigkeit ihres gemeinsamen und friedlichen Aufenthaltes bei mir überzeugt hatte, meldete sich der örtliche Tierschutzverein und rügte die artwidrige Haltung.
Und mein Nachbar klagt auch schon wieder, weil er auch die Eröffnung eines Zoos für geschäftsschädigend hält. Herr, ist dir eigentlich klar, dass ich auch nach d. Europäischen Tierschutz-transportverordnung eine Genehmigung brauche? Ich bin schon auf Seite 22 des Formulars und grüble im Moment darüber, was ich als Transportziel angeben soll. Und wusstest du, dass z. B. Geweih tragende Tiere während der Brunftzeit überhaupt nicht transportiert werden dürfen? Herr, wusstest du das?
Übrigens, wo hast du eigentlich die Callipepla caliconica du weißt schon, die Schopfwachteln und den Lethamus Discolor versteckt? Den Schwalbensittich habe ich bisher auch nicht finden können. Dir ist natürlich auch bewusst, dass ich die 43 Vorschriften der Binnenmarkt –Tier-schutzverordnung bei dem Transport der Kaninchen strikt beachten muss. Meine Rechtsanwälte prüfen gerade, ob diese Vorschriften auch für Hasen gelten. Übrigens: wenn du es einrichten könntest, die Arche als fremdflaggiges Schiff zu deklarieren, das sich nur im Bereich des deutschen Küstenmeeres aufhält, bekäme ich die Genehmigung viel einfacher. Du könntest dich doch auch einmal für mich bemühen. Ein Umweltschützer von Greenpeace erklärte mir, dass ich Gülle, Jauche, Exkremente und Stallmist nicht im Wasser entsorgen darf. Wie stellst du dir das eigentlich vor? Damals ging es doch auch! Vor zwei Wochen hat sich das Oberkommando der Marine bei mir gemeldet und von mir eine Karte der künftig überfluteten Gebiete erbeten. Ich habe ihnen einen blau angemalten Globus geschickt.
Und vor zehn Tagen erschien die Steuerfahndung; die haben den Verdacht, ich bereite meine Steuerflucht vor. Ich komme so nicht weiter Herr, ich bin verzweifelt! Soll ich nicht doch lieber meinen Rechtsanwalt mit auf die Arche nehmen?” Noah fing wieder an zu weinen.
Da hörte der Regen auf, der Himmel wurde klar und die Sonne schien wieder. Und es zeigte sich ein wunderschöner Regenbogen. Noah blickte auf und lächelte. “Herr, du wirst die Erde doch nicht zerstören” – “Da sprach der Herr: “Darum sorge ich mich nicht mehr, das schafft schon eure Verwaltung!”
Existiert Gott?
Samstag, 12. September 2009„Wenn ich Gott nur sehen könnte, dann würde ich an ihn glauben!“ sagen manche Menschen, oder „Wenn es genügend Beweise gäbe, dann wüsste ich, dass er existiert!“ Existiert Gott? Gibt es Beweise für ihn?
Manche Leute meinen, die Frage an sich sei schon völliger Unsinn. Vor hundert Jahren verkündete der Philosoph Friedrich Nietzsche: „Gott ist tot!“ In unserer Zeit verkündigt der Wissenschaftler Richard Dawkins: „Es gibt keinen Grund, zu glauben, dass irgendeine Art von Göttern existiert.“ Gibt es diesen Aussagen etwas zu entgegnen?
Erstens gibt die Bibel selbst Antworten auf Nietzsche und Dawkins. Gott existiert nicht nur, er hat es absolut klar gemacht, dass er da ist. Unter anderem hat er das durch die Erschaffung der Weite und der Majestät des Universums gemacht. Wenn wir dessen Komplexität und Schönheit anschauen, sollte es klar sein, dass es einen Gott gibt, der das erschaffen haben muss und der es würdig ist, angebetet zu werden.
Zweitens ist Gott nicht nur ein distanzierter Schöpfer, er hat sich uns gezeigt, indem er als Jesus Christus auf diese Erde kam. 30 Jahre lang war der Schöpfer dieses Universums für alle klar zu sehen. Durch verschiedene Wunder machte er das deutlich. Er heilte die Kranken mit nur einer Berührung. Er machte einen Blinden sehend und brachte ein totes Mädchen wieder zum Leben mit nur einem Wort. Er machte 5000 Menschen mit ein paar Broten und Fischen satt. Er beruhigte einen heftigen Sturm in einem Moment. Er sprach wie kein anderer Mensch vor ihm oder nach ihm. In nur drei Jahren stellte Jesus durch seine Lehren und seine Wunder die Welt auf den Kopf. Die Indizien führen zu dem Urteil: Jesus war Gott. Kein Wunder, dass er der bemerkenswerteste Mensch war, der je auf der Erde gelebt hat.
Jesus ist also die Antwort auf die Frage, ob Gott existiert. Die Indizien sind in der Bibel und jeder kann sie anschauen.
Es gibt dazu noch viele andere Gründe, an die Existenz Gottes zu glauben. Es ist absurd zu glauben, eine Welt wie die unsere könnte ohne einen Schöpfer existieren. Die Existenz Gottes ist auch dadurch deutlich, dass wir unser Verhalten in richtig und falsch einteilen. Da es ein moralisches Gesetz gibt, muss ein moralischer Gesetzgeber da sein, ein moralischer Gott, der es geschaffen hat. Ein anderes Argument kann man in unserem Verlangen erkennen. Alle Menschen haben gute, natürliche Verlangen, die allesamt gestillt werden können. Es gibt Nahrung für den Hunger, Wasser für den Durst und Freundschaft und Liebe für die Sehnsucht nach Beziehungen. Menschen haben auch eine Sehnsucht nach Gott und nach Sinn im Leben, dieses Verlangen zeigt, dass es einen Gott geben muss, der es stillen kann. Interessanterweise gibt es viele gute Gründe, an Gott zu glauben, aber viele Menschen scheinen nicht glauben zu wollen. Nach der Bibel ist unser Problem nicht, dass es zu wenig Beweise gäbe, sondern, dass wir uns dazu entscheiden, die Indizien zu missachten:
„Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit besitzen, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbart – denn das Unsichtbare von ihm wird geschaut, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, die von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten wahrgenommen werden -, damit sie ohne Entschuldigung seien, weil sie, Gott kennend, ihn weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde. Indem sie sich für Weise ausgaben, sind sie zu Toren geworden und haben die Herrlichkeit des unverweslichen Gottes verwandelt in das Gleichnis eines Bildes von einem verweslichen Menschen und von Vögeln und von vierfüßigen und kriechenden Tieren.“ (Römer 1, 16-23) Conrad
Atheisten
Montag, 7. September 2009„Meine Mutter sagte, die Christen haben es gut, die können sich an Gott klammern. Wir (als Atheisten) müssen uns selber helfen.“
Wolf Biermann, Liedermacher

