Archiv für April 2007

Eine „zweite Erde“?

Samstag, 28. April 2007

Der “bewohnbare” Planet ist ein Rechenergebnis

(25. April 2007/rh.) – Die menschliche Sehnsucht nach einer anderen Erde muss gross sein. Die Entdeckung eines möglicherweise lebensfreundlichen Planeten macht Schlagzeilen. Das Schweizer Boulevard-Blatt „Blick“ meldete gar: „Sensation! Neue Erde entdeckt!“. So weit ist es aber noch lange nicht.

Ein Team schweizerischer, französischer und portugiesischer Astronomen meldet die Entdeckung des bislang erdähnlichsten Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems. Der Exoplanet hat einen um 50 Prozent grösseren Radius als die Erde und könnte flüssiges Wasser haben.

Der Planet ist der bislang kleinste seiner Art. Er umkreist seine Sonne, einen roten Zwerg namens Gliese 581, in 13 Tagen und ist ihr 14-mal näher als die Erde der Sonne. Weil Gliese 581 aber kleiner und kälter ist, liegt sein Planet trotzdem in einer Zone, in der Wasser in flüssiger Form vorkommen könnte.

Stéphane Udry vom Genfer Observatorium schätzt, dass die Durchschnittstemperatur auf dem Planeten zwischen 0 und 40 Grad Celsius liegt, was fliessendes Wasser möglich mache. Wie die Oberfläche der „neuen Erde“ wirklich beschaffen ist, weiss aber niemand. Aufgrund der Modellberechnungen könnte sie entweder felsig oder mit Meeren überdeckt ist.

Der Stern Gliese 581 zählt zu den 100 erdnahesten Sonnen und liegt rund 20 Lichtjahre entfernt im Sternbild Waage. Mit anderen Worten: Selbst das Licht benötigt über 20 Jahre für die rund 200 Billionen Kilometer.

Vor zwei Jahren schon fanden dieselben Astronomen bei Gliese 581 einen Planeten, der mit 15 Erdmassen dem Neptun ähnelt und der seinen Heimatstern in 5,4 Tagen umrundet. Und bereits haben sie erste Hinweise auf einen dritten Planeten von 8 Erdmassen und einer Umlaufzeit von 84 Tagen.

Die Planetenentdeckung gelang mit dem System HARPS (High Accuracy Radial Velocity for Planetary Searcher), einem High-Tech-Spektrografen. Er ist gekoppelt mit dem 3,6-Meter-Superteleskop mit Standort im chilenischen La Silla. HARPS vermag Geschwindigkeiten zu messen mit einer Genauigkeit von mehr als einem Meter pro Sekunde (oder 3,6 km/h).

Die reisserischen Titel in der populären Presse täuschen. Der angeblich erdähnliche Planet wurde noch nie gesehen. Die Beobachtungsmethode basiert auf dem sogenannten Wobble-Verfahren. Schaukelbewegungen des Sterns haben die Anwesenheit eines Planeten verraten. Diese Bewegungen können gemessen werden. Sie ergeben sich aus Veränderungen der Geschwindigkeit des Zentralgestirns im Zusammenhang mit der Anziehungskraft eines (unsichtbaren) Planeten. Aus diesen Geschwindigkeitsschwankungen wird die Umlaufbahn des Planeten abgeleitet, dazu seine Umlaufzeit, der Abstand zum Zentralgestirn sowie seine Mindest-Masse. Inzwischen sind mit diesem Verfahren 200 Exoplaneten ausgemacht worden, aber nur 17 davon konnten durch weitere Messverfahren bestätigt werden.

Die Existenz von flüssigem Wasser bei ausgeglichenen Temperaturen ist für die Wissenschaft hochspannend. Ein solches Umfeld gilt als wichtigste Voraussetzung für die Entstehung von Leben. Allerdings reichen Wasser und angenehme Temperatur noch nicht. Elemente wie Kohlenstoff und Stickstoff gehören auch dazu. Und wie entsteht dann Leben? Der französische Planetenforscher Thierry Forveille gegenüber „Spiegel online“: „Dann braucht man noch einen Auslösemechanismus für die Entstehung von Leben – von dem niemand weiss, wie er aussieht.“

Auch wenn die Medien bereits die Entdeckung einer neuen Erde vermelden, sind dennoch alle diesbezüglichen Angaben mit grosser Zurückhaltung zu geniessen. Bei den Grössen- und Gewichtsangaben handelt es sich ausschliesslich um Schätzungen aufgrund von Rechenmodellen. In Simulationen wurden die Atmosphären solcher Planeten durchgespielt und festgehalten und jetzt mit den Angaben über Giese 581 verglichen. Der Planet selbst wurde – wie erwähnt – noch gar nicht gesehen.

Doch erst die direkte Beobachtung des Lichtspektrums des Planeten würde die chemische Zusammensetzung seiner Atmosphäre verraten und damit bessere Hinweise auf die Möglichkeit von Leben liefern. Mit den aktuell zur Verfügung stehenden Instrumenten ist dies aber nicht möglich. Gegenüber „Spiegel online“ gab Astronom Forveille zu, sie wüssten „noch nicht einmal mit letzter Sicherheit, ob tatsächlich flüssiges Wasser auf dem Planeten existiert“.

Solcher Aussagen ungeachtet titelten die Medien „Forscher melden Entdeckung eines bewohnbaren Planeten“ oder der „Blick“ textete: „Sensation! Schweizer Forscher entdeckt neue Erde!“ Das ist nun doch weit aus dem Fenster gelehnt. Im Vorspann wird dann deutlich, worauf das Boulevard-Blatt anspielt: „Wir sind nicht verloren! Wenn alles schief geht, haben wir eine Ersatzerde! Ein Genfer Forscher entdeckt eine neue Welt.“

Wer tatsächlich davon ausgeht, dass diese Welt verloren ist, der sollte seine Suche nach Errettung nicht an einem anderen Planeten festmachen. Eine solche Hoffnung wäre auf Sand gebaut. Die Hoffnung auf Errettung heisst nicht Giese 581, sondern Jesus Christus.

http://www.factum-magazin.ch/wFactum_de/aktuell/2007_04_25_Planet_Giese_581.php

http://www.factum-magazin.ch/wFactum_de

Greenpeace baut „Arche“ am Ararat

Freitag, 27. April 2007

(27. April 2007/rh.) – Mit dem Nachbau einer Arche Noah am Berg Ararat in der Türkei will die Umweltorganisation Greenpeace die Führer der G8-Länder vor ihrem Gipfeltreffen in Heiligendamm vor den Folgen einer drohenden Klimakatastrophe warnen. Das ist – zumindest biblisch – nicht korrekt.
“Es droht eine neue Sintflut, wenn wir nicht handeln; noch können wir das verhindern, aber wir müssen jetzt anfangen”, sagte die Pressesprecherin von Greenpeace-Deutschland, Ortrun Albert, in Istanbul.

Greenpeace nimmt die in der biblischen Urgeschichte realen Sintflutbericht (1. Mose 6 bis 9), um damit Aufmerksamkeit zu erregen und Politik zu machen. Der Zusammenhang stimmt nicht. Grund der biblischen Flut damals war die geistliche Degeneration der Menschheit, deren „Trachten der Gedanken des Herzens allezeit nur böse“ waren (1. Mose 6,5). Sie lehnten ihren Schöpfer ab und lebten selbst bestimmt. Ausgangspunkt war ihr falsches Denken von Gott, das führte zur Sünde (vgl. Jak. 1,13 bis 15) und diese zum Gericht. Das müsste auch heute so gesagt werden.

Tatsächlich strandete Noahs Arche auf dem Berg Ararat (1. Mose 8,4). Die Drohung mit einer „neuen Sintflut“ ist wiederum manipulativ. Sie widerspricht der Bibel, die sagt, dass Gott mit Noah einen Bund schloss, der alle Lebewesen mit einschloss, unter der besonderen Verheissung, die Erde nie wieder mit einer Flut zu verderben (1. Mose 9,9 bis 11). Die damalige globale Flut hatte das Antlitz der Erde vollständig verändert. Dazu gehörten auch andere klimatische Bedingungen (1. Mose 8,22) und eine Atmosphäre, die den Regenbogen sichtbar macht (1. Mose 9,12 bis 17). Grund war die geistige Degeneration

Greenpeace sollte besser auf ein anderes Gericht Gottes verweisen, wonach die Erde eines Tages durch Feuer vernichtet werden wird (vgl. 2. Petrus 3,10 und 11; Offb. 20,9; 21,1).

Mit dem Bau seiner Arche, die zehn Meter lang, vier Meter breit und vier Meter hoch werden soll, will Greenpeace Anfang Mai beginnen. Die vorgefertigten Holzplanken sollen mit Pferden auf 3000 Meter Höhe gebracht und dort zusammengebaut werden. Bei einer Feierstunde am 31. Mai sollen dann 206 Tauben – “für alle Nationen dieser Erde” – fliegen gelassen werden.

Die Arche wurde nach Angaben der Sprecherin von einem Schiffsbaumeister und einem Tischler in Hamburg entworfen. Nach der Aktion, deren Kosten auf 120 000 Euro veranschlagt werden, soll die Arche dem türkischen Staat geschenkt werden und als Schutzhütte für Bergsteiger dienen. Immerhin. Quelle: dpa.; BAZ

http://www.factum-magazin.ch/wFactum_de/aktuell/2007_04_27_Greenpeace_Arche.php

Heilung durch den Geist als Thema neuer Religiosität

Donnerstag, 19. April 2007

Mit dem Stichwort “neue Religiosität” wird auf den Vorgang hingewiesen, daß Modernisierungsprozesse in westlichen Gesellschaften nicht nur durch fortschreitende Säkularisierungstendenzen bestimmt sind, sondern auch durch die Ausbreitung einer häufig unbestimmten Religiosität, die sich selbst als “dogmenfrei” versteht und überaus individuell geprägt ist. Ohne Übertreibung kann gesagt werden, daß dabei das, was im Zuge neuzeitlicher Aufklärung als Magie oder Aberglaube bezeichnet wurde, eine neue Renaissance erfahren hat. Mit dem Schwinden eines bewußt gestalteten Glaubens breiten sich offensichtlich nicht nur Indifferenz und religiöse Gleichgültigkeit aus, sondern auch eine archaische Religiosität, die keine Scheu kennt vor Astrologie, Okkultismus und Spiritismus und die offen ist für die Aufnahme von Traditionen, Weltanschauungen und religiösen Praktiken und Ritualen aus unterschiedlichen Religionen. Ein wichtiger Bestandteil dieser neuen Religiosität ist eine überaus facettenreiche und alternativ geprägte Heilungspraxis, die sich in deutlicher Distanz zur modernen Medizin begreift.
Zwar gibt es in den hiesigen Kirchen inzwischen respektable Versuche, neue Zugänge zum Heilungsauftrag des Evangeliums zu entdecken. Vielfach ist das Thema “Heilung” aus dem Kontext christlicher Glaubenspraxis jedoch ausgewandert und Gegenstand säkularer Medizin und Therapie geworden.1 Gleichzeitig ist die Heilungsthematik in der alternativen Religionskultur der westlichen Welt allerdings beherrschend. Prospekte und Werbezettel laden ein zur Heilung durch den Geist, zur Heilung durch Farben, zur Heilung aus früheren Leben (Reinkarnationstherapie), zur Heilung durch die Heilkraft der Gedanken, zu heilsamen Trance-Ritualen. “Geistiges Heilen” ist ein wichtiges Schlagwort, und das Interesse an der eigenen Heilung ist für viele das entscheidende Tor des Eingangs in die vielfältigen Ausprägungen neuer Religiosität. (weiterlesen…)

Wenige Abrahams, viele Lots?

Donnerstag, 19. April 2007

Ich stosse mich im Moment öfter am latenten schlechten Gewissen vieler Christen, die ständig am Anspruch scheitern, geistliche Superhelden zu sein. Sie kriegen es einfach nicht hin, regelmässig in der Bibel zu lesen und soviel zu beten, wie „man eigentlich sollte und wollte“. Kein Wunder, denke ich manchmal. Da liest einer in seiner Freizeit höchstens ab und zu eine Autozeitschrift, und man verlangt von ihm, jeden Tag die Bibel (am besten noch in Elberfelder-Übersetzung) zu lesen? Sicher, man wird mich sogleich auf die Jünger Jesu verweisen, von denen viele einfache Fischer und auch nicht sonderlich belesen waren. Wer richtig für Jesus brennt und ihm bedingungslos nachfolgt, bei dem kommt doch das Bedürfnis nach geistlichen Übungen „automatisch“ mit der Zeit!

Ist das wirklich so? Diese Frage beschäftigt mich. Was verlangt Gott vom „Normalbürger“? Haben wir alle die Berufung, Billy Grahams zu sein? Wohl kaum, aber trotzdem ist in der Gemeinde, im Hauskreis und unter Christen ständig dieses schlechte Gewissen zu spüren, nicht geistlich genug zu sein. Mit Predigten, Lesehilfen, neuen Methoden und Konzepten versucht man, den lauwarmen Gläubigen auf die Sprünge zu helfen. Wenn es aber auf Dauer so vielen nicht gelingt, dem „offiziellen“ Anspruch eines geistlichen Lebens gerecht zu werden, stellt sich mir die Frage, ob es sich dabei um unseren eigenen oder um Gottes Anspruch an uns handelt.

Das Problem ist nicht neu – die Heiligenverehrung der alten Kirche ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden, die Last des „geistlichen Superheldentums“ an andere zu delegieren (die man im Gegenzug dafür besonders ehrt und bewundert). Jemand hat mich in einer Diskussion um eben dieses Problem auf die Beschreibung von Lot im Neuen Testament hingewiesen.

Wer war noch mal Lot? Ein etwas lauwarmer, nicht besonders glaubensstarker Nomalbürger im Schatten Abrahams? Petrus dachte offenbar anders:

„Denn Gott […] hat den gerechten Lot errettet, dem die schändlichen Leute viel Leid antaten mit ihrem ausschweifenden Leben. Denn der Gerechte, der unter ihnen wohnte, musste alles mit ansehen und anhören und seine gerechte Seele von Tag zu Tag quälen lassen… (2. Petrus 2, 4-8)

Ich fand es sehr seltsam, das so zu lesen. Offenbar hat Lot dem Anspruch Gottes genügt, wenn er auch bei uns gerne durchfällt oder gar nicht erst beachtet wird. Die Erfahrung hat meiner Ansicht nach gezeigt, dass es in jeder Gemeinde eher wenige Abrahams, aber viele Lots gibt. Vielleicht sollte die Kirche sich überlegen, wie sie auf diesen Umstand reagieren sollte und ob sie wirklich von allen das gleiche verlangen darf.

posted by sara März 17th, 2007

http://diskutabel.wordpress.com/2007/03/17/wenige-abrahams-viele-lots/#comments

So nicht, Herr Schäuble (offener Brief)

Donnerstag, 19. April 2007

Guten Tag Herr Schäuble,

als ich heute in die Zeitungen und Zeitschriften geblickt habe, da musste ich ersteinmal schwer schlucken:

“Schäuble will Unschuldsvermutung nicht gelten lassen”

Jemand, der des Terrors verdächtigt wird, gilt also in dem Fall als schuldig, bis seine Unschuld bewiesen wird. Das Diametral entgegengesetzt zu dem, was in Deutschland und Europa zu gutem Recht seit langer Zeit usus ist.

In der Europäischen Grundrechtecharta finden wir in Artikel 48 folgende Aussage:

Jede angeklagte Person gilt bis zum rechtsförmlich erbrachten Beweis ihrer Schuld als unschuldig.

Die Grundrechtecharta ist ein Teil des “Vertrages über eine Verfassung für Europa”, und wäre somit, sollte dieser Vertrag ratifiziert werden, Teil des höchsten europäischen Rechts.

Aber auch schon die europäische Menschenrechtskonvention beinhaltet den Grundsatz der Unschuldsvermutung in §6, Abs. 2.

Mit Fug und Recht kann man also behaupten, die Unschuldsvermutung ist ein Kernbestand der europäischen Rechtspraxis. Und das hat einen guten Grund.
Sie wollen das jetzt für den Bereich des Terrorismus nicht mehr gelten lassen. Dazu fallen mir sogleich zwei wichtige Anfragen ein:

1. Wie definieren Sie “Terrorismus”? Wann beginnt Terrorismus? Ab wann bin ich ein “Terror-Verdächtiger”? Wer erklärt mich dazu? Die Wikipedia schreibt hierzu treffend folgendes:

Eine objektive Eingrenzung des Begriffs Terrorismus ist schwierig, da er von den jeweils herrschenden Regierungen gerne als Legitimation, zur Denunzierung ihrer Gegner – manchmal auch unabhängig davon, ob diese Gewalt anwenden oder nicht – und zur Rechtfertigung eigener Gewaltanwendung gegen vermeintliche Feinde der gegenwärtigen Staatsordnung herangezogen wird.

Sollte es also keine sachliche und wirklich gut umgrenzte Definition von Terrorismus geben, dann droht der Terrorismus zu einer Hintertür für eine breiter angelegte Aushebelung dieses Grundprinzips zu werden. Damit bin ich auch schon bei der zweiten Anfrage:

2. Sind Sie sich über die Konsequenzen bewusst, die diese Umkehrung der Unschuldsvermutung mit sich bringt? Hier wird einem Denunziantentum Tür und Tor geöffnet. Gibt es keine genaue Definition von Terrorismus (s.o.), dann droht, dass jeder, der verdächtig wirken könnte und genauso jeder, der unangenehm ist, des Terrorismus verdächtigt wird und dann automatisch auch als schuldig angesehen wird und ersteinmal mühselig seine Unschuld beweisen muss. Ein Problem sehe ich hier vor allem auch unseren ausländischen Mitbürgern gegenüber, wenn jeder Moslem, der zu oft in die Moschee geht, gleich Terror-verdächtig sein könnte. “Was die da schon wieder aushecken …”
Das ist sicherlich nicht das, was Sie beabsichtigen. Aber man muss bei so weitreichenden Entscheidungen auch in die Zukunft sehen und die Konsequenzen berücksichtigen und genauso auch aus der Vergangenheit lernen.

Ich kann Sie also nur bitten, von Ihrer Idee abzusehen und das Grundprinzip der Unschuldsvermutung in seiner ganzen Breite auf alle Bereiche angewendet zu belassen. Terroristen, die unsere freiheitliche Staatsordnung bekämpfen, bekämpft man wiederum nicht, indem man diese freiheitliche Staatsordnung von Selbst einschränkt. Das ist der falsche Weg.

Freiheit hat man nie ohne Kosten erstreiten und verteidigen können. Sie ist ein zu kostbares Gut, als dass man sie so leicht hergeben sollte, weder aus Angst vor Terrorismus, noch zur Bekämpfung von Terrorismus. Und auch unser Rechtsstaat ist eine fundamentale Errungenschaft. Aber er kann nur funktionieren, wenn man sich an bestimmte Grundsätze hält. Und dazu zählt: “Gleiches Recht für alle”, genauso wie “Im Zweifel für den Angeklagten” und “Die Schuld des Verdächtigten muss erwiesen werden”. Der Rechtsstaat schützt die rechtliche Ordnung genauso wie die Freiheit, auch zu dem Preis, dass er Schuldige durchschlüpfen lässt, weil im Zweifelsfall die Freiheit immer Vorrang hat.

Ein restriktiver Staat mag das Ungeheuer des Terrorismus bekämpfen, aber er kann darüber selber zum Ungeheuer werden. Unsere Geschichte hat das Ungeheuer Staat schon zu oft erleben müssen. Lassen Sie es nicht wieder dazu kommen und das fängt schon im Kleinen an.

MfG
Karl Karzelek

http://karl.karzelek.com/2007/so-nicht-herr-schauble-offener-brief/

Wird Wolfgang Schäuble vom Verfassungsschutz beobachtet?

Donnerstag, 19. April 2007

Diese Frage stellt Peter Mühlbauer im Telepolis. Verdachtsmomente liegen nicht erst vor, seit der Minister die Unschuldsvermutung in der Terrorabwehr einschränken will. Also fragte Telepolis beim Berliner Landesamt für Verfassungsschutz und beim Bundesamt für Verfassungsschutz nach. Die Pressesprecherin der Berliner gab und vermittelte keine Auskunft, sondern verwies auf einen (nicht existenten) Paragraphen. Beim Bundesamt teilte die Pressesprecherin eine (recht unklare) Rechtslage mit. Fazit:

Man stößt auf eine Mauer des Schweigens – und die erschreckende Erkenntnis: Vielleicht gehen die Befugnisse des Verfassungsschutzes wirklich nicht weit genug, und es bedarf erst einer – wie Hegel es nannte – “List der Vernunft”, also eines Wolfgang Schäuble als Innenminister, damit die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden, mit denen auch eine Gefahr wie er überwacht werden kann.

Bis dahin gilt für den Innenminister übrigens uneingeschränkt die Unschuldsvermutung.

Abgelegt unter: Genossenes ”” Haso @ 20:03

April 18, 2007

http://tafel.4haso.de

Schnittstellen des Denkens

Dienstag, 17. April 2007

Die Diskussion zur Präambel einer europäischen Verfassung hat vor einiger Zeit die Frage nach der „europäischen Identität“ in den Vordergrund gerückt. Welche Einflüsse sind für das abendländische Denken prägend gewesen, und welches geistige Erbe gilt es auch für die Zukunft zu bewahren? Die teilweise heftige Debatte hierüber hat gezeigt, dass die jeweiligen Antworten immer vom Standpunkt, den man selber eingenommen hat, mitbestimmt werden. Namentlich die Rolle des Christentums hinsichtlich der europäischen Geistesgeschichte wird kontrovers beurteilt. Wenn ich im Folgenden einige Weichenstellungen des abendländischen Denkens skizziere, dann bringe ich implizit meine eigene Überzeugung zum Ausdruck, dass dieses Denken sich in der Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben entscheidend geformt hat. Es sind im Wesentlichen drei Momente, die ich beleuchten möchte: Einmal die Geburt des philosophischen Denkens im antiken Griechenland; zweitens das Aufeinandertreffen der Philosophie mit der Botschaft des Evangeliums; drittens die Emanzipation von Philosophie und Wissenschaft von Theologie und Kirche. Diese drei Momente stimmen im Grossen und Ganzen überein mit der üblichen Epocheneinteilung in Antike, Mittelalter und Neuzeit. (weiterlesen…)

Alte Testament im Kreuzfeuer der Kritik

Montag, 2. April 2007

Bei der Arbeit mit Studierenden der Theologie begegnet uns eine große Unsicherheit besonders im Umgang mit dem AT (Altes Testament). Aber auch im Gespräch mit Gemeindegliedern stößt man auf viele Fragen, und nicht wenige beteuern, keinen Zugang zum AT zu finden. Da ist der gegenüber dem NT deutlich größere Umfang, der die Übersicht erschwert. Man spürt die zeitliche, kulturelle und religiöse Ferne. Themen werden genannt, mit denen man sich schwer tut: Schöpfung und Naturwissenschaft, die Frage nach der Gültigkeit der Gebote, die Anwendung von Gewalt im Namen Gottes … Es bricht die Frage auf: „Brauchen wir als Kirche das AT überhaupt?” (weiterlesen…)