Gebetsketten – mit oder ohne Gott

Gerade habe ich ein Werbemail erhalten. Darin bietet mir eine Firma buddhistische Gebetsketten (Malas) in ganz unterschiedlichen Farben und Designs an. Schnell werfe ich einen Blick auf die Bewertungen bei Amazon. So ganz zufrieden scheinen die Kunden hier nicht zu sein. Über den geistlichen Nutzen der Ketten wird in den Kommentaren nur wenig gesagt. Buddhistische Accessoires sind gegenwärtig durchaus beliebt. Aber an der Qualität der Ketten scheint es zu hapern. Mehrere Käufer beklagen sich, dass ihre Ketten schon nach wenigen Wochen gerissen waren. Nun, vielleicht ist das ja auch beabsichtigt. Immerhin glauben Buddhisten an den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen.
Im Gegensatz zu den 99 Perlen der islamischen Gebetsketten – sie erinnern an die 99 Namen Allahs – bringen es ihre buddhistischen Pendants auf 108 Perlen. In der Mitte sitzt die etwas dickere Guru- Perle. Für manche ist es ein Symbol Buddhas. Für andere zeigt sie lediglich den Anfang bzw. das Ende.
Über den Grund, warum diese Ketten genau 108 Perlen haben müssen kursieren unterschiedliche Erklärungen: 1. Die ersten 27 Perlen stehen für die zu überwindenden Leidenschaften. Die zweiten 27 Perlen symbolisieren die zu erreichenden Geistesqualitäten. Die dritten 27 Perlen meinen die zu überwindenden Herzenstrübungen. Und die letzten 27 Perlen erinnern an die erstrebten buddhistischen Eigenschaften. 2. Andere sehen in den 108 Perlen die 108 Bände der Lehren Buddhas. 3. Wieder andere interpretieren sie als die Potenzierung der 6 von Buddha genannten Schlüssel- Emotionen. 4. Es könnte sich aber auch um eine Erinnerung an die 108 im m Buddhismus genannten schlechten Eigenschaften oder Illusionen handeln.
In jedem Fall sollte der Nutzer bei jeder Perle, die ihm durch die Finger gleitet ein Mantra sprechen, ein hinduistisch- buddhistisches Gebet. Dabei sollte man die Kette zwischen Daumen und Ringfinger nehmen, keinesfalls aber den Zeigefinger benutzen, weil dieser im Buddhismus für den eigenen Egoismus steht, den man überwinden will. Während man betenden meditiert, möglichst im Lotussitz, sollte man Buddha visualisieren; das heißt, ihn mit geistiger Kraft in Erscheinung rufen.
Manche Gebetsketten- Träger wollen auch gar keine Buddhisten werden oder sich meditativ mit Buddha vereinen. Als Christ brauche ich keine buddhistischen Gebetsketten. Zum einen glaube ich nicht an die geistige Kraft der magischen Mantras. Zum anderen habe ich Verbindung zu Gott durch Jesus Christus und brauche keine weitere Hilfe von Buddha. Irgendwie ist es doch da sehr beruhigend, dass Christen keine Gegenstände nötig haben, um sich Gott zu vergegenwärtigen, sondern ihn „im Geist und in der Wahrheit anbeten“ können (vgl. Joh 4,24). Michael Kotsch

Die Faszination des Dalai Lama

Die Faszination des Dalai Lama
1. Einführung
Seit gut 30 Jahren hat der Buddhismus als Philosophie, Religion und Lebenspraxis in der westlichen Welt in einem noch nie dagewesenen Maß Eingang gefunden. Fanden sich im 19. Jahrhundert z.B. Schopenhauer, Nietzsche und R. Wagner als einige populäre Anhänger, so ist ihre Anzahl heute Legion. Sänger und Schauspieler wie Steven Seagal, Tina Turner, Doris Dörrie, Shirley McLaine u. a. bekennen sich zum Buddhismus. Die Filmindustrie von Hollywood tut das ihre dazu, denken wir nur an drei Filme der letzten Jahre, die sich mit dem Thema „Buddhisinus und Tibet“ beschäftigen: „Der kleine Buddha“, „Sieben Jahre in Tibet“ und Martin Scorseses „Kundun“.
Mit Recht redet V. Trimondi (Viktor Trimondi Der Schatten des Dalai Lama. Düsseldorf 1999) geradezu von einer „Buddhisierung“ des Westens. Dazu hat natürlich ein ganzer Strom von Faktoren beigetragen. Denken wir nur an den „Drogenpapst“ Timothy Leary, der in den 70er Jahren seine Anleitungen zu Drogenerfahrungen deutlich mit dem Tibetischen Totenbuch das Kultbuch einer ganzen Generation verknüpfte. Reiche Sponsoren, zahllose Anhänger, Okkultisten und Esoteriker haben zu dem Boom beigetragen. Gab es in unserem Land 1970 nur 3 buddh. Zentren, so 1998 über in der westlichen Welt in einem noch nie 420 Zentren mit ca. 60.000 deutschen Buddhisten.
Wie Sie wissen, hat das Buddhistische Zentrum Hamburg Anfang November 1998 eine Großveranstaltung in Lünzen bei Schneverdingen organisiert. Auf dem ehemaligen Militärcamp Reinsehlen hörten bis 8.000 Menschen täglich den Lehren des Dalai Lama zu.
Alle heutigen Vertreter des Buddhismus überragt Tensin Gyatso, der XIV. Dalai Lama. Er tritt freundlich und humorvoll auf, lächelt gütig, erscheint demütig und schlicht. In seiner Person und Biographie vertritt er zudem den gewaltlosen Widerstand gegen China, das sein Land 1950 gewaltsam annektiert hat. Seine Anhänger verehren ihn als „Kundun“ (lebenden Buddha), als ihren Gott König. Er selbst versteht sich als die Inkarnation des Boddhisatva Avalokiteshvara („Der gütig  Herabblickende“). Im Dalai Lama offenbare sich die Gestalt des Adi Buddha (des höchsten Buddha). Nicht nur Tibeter, auch Menschen des westlichen Kulturkreises sehen in ihm geradezu einen modernen Messias. Der Tibetologe Peter Bishop meint, der Dalai Lama befriedige als Oberhaupt einer lamaistischen „Kirche“ für viele Menschen im Westen eine neuentstandene Wertschätzung für den ’Göttlichen Vater’. Weiterlesen

Drewermann und der Buddhismus

Drewermann als Zweidrittelbuddhist

Die moderne Buddhismusbegeisterung im Westen

Es ist Mode geworden, daß sich Mitglieder der Schickeria und der High Society zum Buddhismus bekennen, so der Filmstar Richard Gere, das Mannequin Cindy Crawford, die Rocksängerin Tina Turner, der Fußballstar Roberto Baggio, der Dallas-Star Patrick Duffy, die Künstler John Cage und Leonhard Cohen und nicht zuletzt der Theologe Eugen Drewermann. Katholische Ordensleute haben die Techniken der buddhistischen Zen-Meditation längst in ihre Gebets und Meditationsübungen integriert, evangelische Kirchen bieten buddhistische Kurse an und das Tibetische Totenbuch (‚Bardo Thödol‘), von niemand geringerem als von C. G. Jung in einem eigenen Buch wohlwollend kommentiert (‚Psychologischer Kommentar zum Bardo Thödol‘), ist seit Jahren ein Renner im Westen. Bertoluccis Film ‚Little Buddha‘ tat ein übriges. An die Stelle der „Zen-Begeisterten der fünfziger und sechziger Jahre“ tritt gegenwärtig vor allem der „Zauber der tibetischen Kultur“, ausgelöst durch die an die Papstreisen erinnernden Weltreisen des tibetischen Dalai Lama. „Ohne den obersten Lama, den 14. Dalai Lama und seine charismatische Ausstrahlung, wäre die gegenwärtige Buddhismusbegeisterung kaum denkbar.“ Weiterlesen