Der Charakter der Psalmen

Ein menschliches Herz ist wie ein Schiff auf einem wilden Meere, welches die Sturmwinde von allen vier Himmelsrichtungen hin und her treiben: von hieher stößt Furcht und Sorge vor zukünftigem Unglück; von dorther fährt Gram und Traurigkeit über gegenwärtiges Übel; von da weht Hoffnung und Vermessenheit im Blick auf zukünftiges Glück; von dort bläst Sicherheit und Freude über gegenwärtigen Gütern. Solche Sturmwinde aber lehren mit Ernst reden und das Herz öffnen und es von Grund ausschütten. Denn wer in Furcht und Not steckt, der redet sehr viel anders vom Unglück, als wer in Freuden schwebt; und wer in Freuden schwebt, der redet und singt sehr viel anders von Freuden, als wer in Furcht steckt. Es kommt nicht von Herzen, sagt man, wenn ein Trauriger lachen oder ein Fröhlicher weinen soll; das will heißen: seines Herzens Grund steht nicht offen und kommt nicht heraus [ans Licht]. Was ist aber das meiste im Psalter anderes als solch ernstliches Reden in allerlei solchen Sturmwinden?
Wo findet man feinere Worte von Freuden als in den Lob- oder den Dankpsalmen? Da siehst du allen Heiligen ins Herz wie in schöne Lustgärten, ja wie in den Himmel; [du siehst], wie feine, liebliche, herzerfreuende Blumen darin aufgehen von allerlei schönen, fröhlichen Gedanken gegen Gott um seiner Wohltat willen.
Andererseits, wo findest du tiefere, von Klage und Jammer mehr erfüllte Worte der Traurigkeit als in den Klagepsalmen? Da siehst du abermals allen Heiligen ins Herz wie in den Tod, ja wie in die Hölle. Wie finster und dunkel ist’s da von allerlei betrübtem Anblick des Zornes Gottes! Ebenso auch, wo die Heiligen von Furcht oder Hoffnung reden, da gebrauchen sie solche Worte, dass dir kein Maler die Furcht oder die Hoffnung so abmalen und kein Cicero oder Redekundiger sie dir so schildern könnte. Und, wie gesagt, das Allerbeste ist, dass die Psalmisten diese Worte Gott gegenüber und mit Gott reden; denn das bewirkt, dass doppelter Ernst und zwiefältiges Leben in den Worten liegt. Denn wo man sonst Menschen gegenüber von solchen Dingen redet, geht es nicht so stark von Herzen, brennt, lebt und drängt nicht so sehr.
Daher kommt’s auch, dass der Psalter aller Heiligen Büchlein ist, und ein jeder, in welcher Lage er auch ist, Psalmen und Worte darin findet, die sich auf seine Lage reimen und so auf ihn passen, als wären sie nur um  seinetwillen so geschrieben; er könnte sie auch selbst nicht besser verfassen oder erfinden, noch sich bessere wünschen. Das ist dann auch dazu gut: wenn einem solche Worte gefallen und sie auf ihn passen, dann wird er dessen gewiss, er sei in der Gemeinschaft der Heiligen, — es sei ja allen Heiligen so ergangen, wie es ihm geht, weil sie alle das gleiche Liedlein mit ihm singen; — besonders dann, wenn er die Worte in solcher Weise auch Gott gegenüber reden kann, wie sie es getan haben. Dies muss freilich im Glauben geschehen, denn ein gottloser Mensch findet keinen Geschmack an solchen Worten.
Martin Luther, Vorrede zum Psalter (1528), WA DB 10, 1, Seite 100-102, abgedruckt in: Martin Luther, Das schöne Confitemini, Calwer Luther-Ausgabe, Bd. 7, Siebenstern: München-Hamburg 1967, Seiten 56-58.

 

Die Bibel ist langweilig?

Wenn Leute sagen, die Bibel sei langweilig, dann frage ich mich: Warum? Biblische Charaktere sind voller Leben. Ihnen ist einen einzigartige Leidenschaft zeigen. Ihre Biografien offenbaren Dramatik, Pathos, Lust, kriminelle Energie, Hingabe und jeden erdenklichen Aspekt des menschlichen Seins. Da finden wir Tadel, Reue, Buße, Trost, praktische Weisheit, philosophische Betrachtungen und vor allem Wahrheit. […] Auch wenn ihre Lebensumstände ganz andere waren als unsere, sind ihre Probleme und Sorgen den unseren sehr ähnlich.
Die Langeweile, die manche beim Bibellesen empfinden, begegnete mir vor einiger Zeit, als ich beauftragt wurde, in einem christlichen College Pflichtkurse über die Bibel zu unterrichten. Der Leiter der Einrichtung rief mich und sagte: „Wir brauchen einen jungen und begeisterten Mann mit dynamischen Methoden, der die Bibel lebendig machen kann.“ Ich musste mich dazu zwingen, mir die Antwort zu verkneifen. Ich wollte sagen: „Sie wollen, dass ich die Bibel zum Leben erwecke? Ich wusste noch gar nicht, dass sie gestorben ist. Um ehrlich zu sein, wusste ich nicht einmal, dass sie krank war. Wer war der behandelnde Arzt, als die Bibel starb?“ Nein, ich kann die Bibel für niemanden lebendig machen. Sie ist schon lebendig. Sie hat mich ins Leben gerufen.  
R.C. Sproul

Ohne Unterweisung leben Christen wie Säue

Als Martin Luther durch das Nachsinnen über Römer 1:16,17 zum Glauben an das Evangelium durchgestoßen war, dachte er zunächst, daß es von nun an ausreichen würde, allein das Evangelium zu verkünden, um die Menschen zu Christus zu führen und sie im Glauben zu erhalten. Außerdem ging er davon aus, daß Jesus bald wiederkommen werde und er Teil der endzeitlichen Erneuerung der Gemeinde sei. Als er merkte, daß beides nicht zutraf, begann er umzudenken. Er merkte, daß neben der Verkündigung des Evangeliums noch die gezielte Unterweisung der Gläubigen vonnöten ist, damit diese wirklich im Glauben an Christus gegründet werden und an praktischer Gottesfurcht zunehmen. Deshalb verfaßte er den kleinen Katechismus, in dessen Vorrede er auf sein Umdenken eingeht.

Diesen  Katechismus  oder  christliche  Lehre  in  eine  solche  kleine,  schlichte,  einfache  Form  zu bringen,  hat  mich  die  klagenswerte,  elende  Not  gezwungen  und  gedrungen,  die  ich  neulich erfahren  habe,  als  ich  auch  Visitator  war.  Hilf,  lieber  Gott,  wie  viel  Jammer  habe  ich  da gesehen!  Der  ungelehrte  Mann  weiß  doch  gar  nichts  von  der  christlichen  Lehre,  besonders auf  den  Dörfern,  und  viele  Pfarrer  sind  sehr  ungeschickt  und  untüchtig  zu  lehren.  Und  doch wollen  sie  alle  Christen  sein,  getauft  sein  und  die  heiligen  Sakramente  genießen,  obwohl  sie weder  das  Vaterunser  noch  das  Glaubensbekenntnis  oder  die  Zehn  Gebote  kennen, sondern  sie  leben  dahin  wie  das  liebe  Vieh  und  wie  unvernünftige  Säue.  Und  jetzt,  wo  das Evangelium  hingekommen  ist,  da  haben  sie  fein  gelernt,  alle  Freiheit  meisterhaft  zu missbrauchen!

Luther mußte schmerzlich erfahren, daß es nicht ausreicht, einzig auf die Verkündigung von der Kanzel zu setzen. Die Gemeinde braucht darüber hinaus intensive Katechese bzw., um einen modernen Begriff zu gebrauchen, Jüngerschaftstraining. Das Vorbild dazu ist der Apostel Paulus. Er verkündigte Christus, hatte dazu aber die Leidenschaft, jeden Menschen zu ermahnen und zu lehren, um ihn vollkommen in Christus darzustellen.

Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, um jeden Menschen vollkommen in Christus Jesus darzustellen. Kolosser 1:28

Wir müssen uns überlegen, wie wir diese intensive Unterweisung wieder Teil unseres Gemeindedienstes werden lassen.

Ohne Unterweisung leben Christen wie Säue

„Wir sollen Gott fürchten und lieben“

„Gottesfurcht ist ein alter Begriff aus der Bibel; sicher ist er auch etwas aus der Mode gekommen.“ So heißt es im „Kirchenlexikon“ bei „Kirche im NDR“. Die Gottesfurcht wird als Ehrfurcht erklärt, aber gleich wird auch hinzugefügt: „Andererseits hat diese Gottesfurcht auch ihre Schattenseiten. Vielleicht wurde uns, als wir Kinder waren, Angst gemacht mit dem Satz: Gott sieht alles! Das kann einen Menschen richtig krank machen. Darum hat ein Psychotherapeut dies einmal als ‘Gottesvergiftung’ bezeichnet.“ Das Fazit des Autors, ein Superintendent in der evangelischen Kirche: „Gott fürchten und lieben – beides gehört zusammen – aber wenn Sie mich fragen: Die Liebe hat das größere Gewicht. Schließlich ist die Bibel eine ‘Gute Nachricht’.“
Die Gottesfurcht, so scheint es, wird gerade so toleriert (oder auch ganz ignoriert wie im „Glaubens-ABC“ auf den EKD-Seiten); sie muss der Liebe den ihr gebührenden höheren Rang zu gestehen; sie steht zumindest in Spannung, möglicherweise auch im Gegensatz zur Botschaft und Frucht des Evangeliums. Alt, aus der Mode geraten und Schattenseiten – Positives ist selten zu der arg verstaubten Tugend zu hören.
Aber damit nicht genug: Am meisten Angst hat man heutzutage offensichtlich vor der Angst vor Gott, und Furcht – in welcher Wortkombination auch immer – riecht verdächtig nach ängstlicher Grundhaltung. Vielfach wird nun zu verstehen gegeben, dass die Gottesbeziehung von Christen einzig von der Liebe dominiert werden soll. Hat die Gottesfurcht als Relikt einer vermeintlich kranken, angstgesteuerten Zeit also ausgedient? Weiterlesen

Schon bald ist das Leben vorbei

Vor wenigen Tagen starb Emma Morano aus Pallanza am Lago Maggiore. Ich kannte sie nicht, weshalb sich meine Trauer in Grenzen hält. Und überhaupt hatte sie nicht viele Freude, zumindest nicht mehr. Bekannt geworden ist sie in erster Linie aufgrund ihres Alters. Für rund ein Jahr war die 1899 geborene Italienerin der älteste lebende Mensch der Welt. Ein besonderes Rezept fürs Älterwerden kannte sie nicht. Weder aß sie nur vegetarisch noch betrieb sie außerordentlich viel Sport. Ihr Leben war eher hart und von schmerzhaften Einschnitten gekennzeichnet. Ihr erstes Kind starb schon nach wenigen Monaten. Ihr Mann schlug sie regelmäßig, ehe sie sich von ihm trennte. Sie wuchs auf in einer Zeit der Monarchien, lange vor dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg, der ersten Mondlandung und der Erfindung des Computers. Nun ist sie tot.
Sterben muss jeder! Das gehört bekanntlich zu den Dingen, die absolut sicher sind. Allerdings sind die wenigsten Menschen wirklich auf ihr Ende vorbereitet. Die meisten versuchen jeden Gedanken an ihre eigene Sterblichkeit möglichst effektiv zu verdrängen. Sie denken an Personen, die noch viel älter sind als sie. Sie machen detaillierte Pläne für die weitere Zukunft, als ob das auch deren Umsetzung garantieren würde. Mit jedem Jahr ernähren sich gesünder und verwenden immer mehr Stunden ihres Lebens auf Sport und Arztbesuche. Sie vermeiden Berührungen mit dem Thema Tod und mit leidenden, sterbenden Menschen. – Verdrängung oder Flucht sind in Hinsicht auf den Tod aber keine wirklich weiterführenden Reaktionen.
Tatsächlich ist der Tod kein punktuelles Ereignis, sondern ein Prozess. Für manche beginnt das Jahre vor dem eigentlichen Ende. Andere sind zwar lange körperlich fit, geistig aber lange schon nicht mehr von dieser Welt. In gewisser Weise beginnt der Tod bereits mit der Geburt, spätestens jedoch mit der deutlichen Verlangsamung der biologischen Erneuerungsprozesse ab dem 20.Lebensjahr. Wenn dann irgendwann das Herz stehenbleibt, dauert es noch Stunden ehe der ganze Körper wirklich tot ist.
Der Tod ist unheimlich, weil er einen einzigartigen Einschnitt bildet und unumkehrbar ist. Auch der Trost antiker Philosophen, dass man vom Tod keine Angst haben müsse, weil man ja nicht mehr da sei, wenn von einem Besitz ergreife, kann nicht wirklich trösten. – Sterben ist schwierig, zweifellos. Meistens ist es mit Schmerzen, Verlust und Ungewissheit verbunden. Vieles für das man gelebt und gekämpft hat wird spätestens jetzt weitgehend bedeutungslos. Dazu kommt häufig die Ungewissheit ob und wenn ja, wie es nach dem Tod weitergeht.
Christen wissen, dass mit dem Tod nicht alles zuende ist, sondern dass sie schlussendlich die Ewigkeit bei Gott verbringen werden. Das ist eine durchaus schöne Perspektive. Für Christen ist der Tod keine Strafe, sondern eigentlich der Übergang in eine bessere Welt, ohne Alter, Krankheit, Egoismus, Betrug, Gier und Leid. – Wer bisher dem Tod nur auszuweichen versuchte, sollte sich Zeit nehmen, ernsthaft über Leben und Tod nachzudenken, sowie sich den biblischen Informationen über eine nachirdischen Existenz und ein göttliches Gericht zu stellen.
„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90, 12)  Michael Kotsch

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Lukas 24, 5.6

Als meine älteste Tochter gerade laufen gelernt hatte, war sie plötzlich verschwunden. Die Haustür von meinen Schwiegereltern stand offen, und sie war mit einem Mal weg.
In der Hauptstraße liefen viele Menschen, nur sie war nicht zu sehen. Mit Herzklopfen und allen Phantasien, was passiert sein könnte, die Straße entlang zu laufen und zu suchen – das waren keine leichten Minuten. Zum Glück habe ich meine Tochter dann im Geschäft von Freunden die nicht weit wohnten fröhlich herumlaufend wiedergefunden. Die Erleichterung war groß. Freude über ein quicklebendiges Kind.
Diese Art zu suchen hat sehr viel mit Liebe zu tun. Es geht nicht darum, vielleicht etwas oder jemanden zu finden; ich muss diesen Menschen finden! Er bedeutet mir so viel.
Mit Liebe haben sich auch die Frauen auf den Weg zum Grab Jesu gemacht, von denen das Evangelium erzählt. Sie suchten Jesus, von dem sie so viel empfangen hatten an geistlicher Stärkung und göttlicher Liebe. Sie wollten seinen Leichnam einbalsamieren, weil bei der Bestattung vor dem Sabbat dazu keine Zeit mehr gewesen war. Ein letzter Liebesdienst. Doch er ist nicht da. Das Grab ist leer. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden,“ wird ihnen gesagt.
In dieser Frage des Engels liegt eine gehörige Portion Ironie. Einen Lebenden bei den Toten suchen, das ist so verrückt wie einen Fußballhasser im Stadion zu suchen. Das ergibt keinen Sinn.
So entlarvt diese Frage den Kleinglauben, der Gott nichts zutraut; der Jesus auf der Seite des Todes sieht und nicht auf der Seite des Lebens. Aber wo der Glaube klein ist, da hilft die Liebe weiter. Die Frauen erinnern sich an Jesus, was er gesagt und getan hat. Sie erinnern sich, dass er sein Leiden vorausgesehen hat, und dass er von seiner Auferstehung gesprochen hat. Und diese Erinnerungen teilen sie mit den anderen Jüngern.

Gottes Rettung, das Werk des dreieinigen Gottes

Worin besteht Gottes Rettung?
Die Rettung im Neuen Testament hat drei Zeitformen: Die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Sie ist eine Rettung
– von der Schuld der Sünde (der Gesichtspunkt der Vergangenheit: Das Muss der Bestrafung ist aufgehoben)
– von ihrer Macht (der Gesichtspunkt der Gegenwart: Die Sünde herrscht nicht mehr über uns)
– von ihrem Dasein (der Gesichtspunkt der Zukunft: Die Sünde wird eines Tages nur noch eine unangenehme Erinnerung sein)
Die Rettung ist also ein fortlaufender Vorgang, der zur Zeit noch nicht abgeschlossen ist. Doch die Christen sind von Folgendem errettet:
– Vom Zorn Gott (von der Vergeltung des Gerichts, Röm 5,9; 1Thess 1,10)
– Vom ewigen Tod (Rom 6,21+23)
– Von der Herrschaft der Sünde (Röm 6,14+18)
– Vom Leben in der Furcht (Röm 8,15)
– Von uns beherrschenden ungöttlichen und unmoralischen Gewohnheiten (Tit 2,11-3,6)
Die Rettung durch den Dreieinigen Gott
Der Vater, der alles geplant hat (siehe Röm 8,28-30; Eph 3,9-11) sandte zuerst seinen Sohn und dann den Heiligen Geist in die Welt, damit sie seine Rettungsabsichten ausführten (sieh Joh 3,17; 6,38-40; 14,26; 16,7-15; Röm 8,26). Der Sohn, dessen Wesen und Freude es ist, immer den Willen des Vaters zu tun (siehe Joh 4,35; 5,19; 6,38; 8,29), wurde Mensch, um für uns zu sterben, für uns aufzuerstehen, für uns zu regieren und eines Tages für uns wiederzukommen, um uns zu dem Ort der glücklichen Ruhe zu holen, den er für uns vorbereitet hat (siehe Joh 10,14-18; 14,2+18-23). In der Zwischenzeit lässt er uns von seinem Thron Gnade und Hilfe zukommen (siehe Hebr 4,14-16, 7,25). Der Heilige Geist, der sich selbst im Hintergrund haltende göttliche Bevollmächtigte, der die Schöpfung zuwege brachte und der nun die neue Schöpfung bewirkt (Joh 3,3-8), ist seit Pfingsten am Werk, indem er den Gläubigen ihre Anzahlung auf das himmlische Leben und das Leben mit ihrem Retter verleiht (siehe Röm 8,23; Eph 1,13). Zusätzlich verändert der Heilige Geist zunehmend die Gläubigen in das Bild Christi hinein (siehe 2Kor 3,18).
Die Rettung ist also die dreifache Handlung des dreieinigen Gottes. Genauso wie die gegenseitige Liebe und Ehrerbietung als die Tätigkeit des Drei-in-Einem offenbart wird (siehe Joh 3,35; 5,20; 14,31; 16,14; 17,1+4), wird die Liebe zur und die Verehrung der Dreieinigkeit die ewige Berufung derjenigen, die der Drei-in-Einem errettet hat -, was schon jetzt beginnt. Ein Kennzeichen der Erretteten besteht deshalb darin, dass sie sich selbst unablässig der Anbetung hingeben, und sie möchten das buchstäblich immer und ewig so fortsetzen.
J. I. Packer. Heiligkeit. One Way: Wuppertal/Wittenberg, 1992. S. 62+64-65.

..und der Haifisch, der hat Zähne.. nur die Flunder leider nicht

..und der Haifisch, der hat Zähne, nur die Flunder leider nicht;Quelle: de-de-facebook.com
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..und der Haifisch, der hat Zähne, nur die Flunder leider nicht
Seid Untertan der Obrigkeit. Wie wunderbar kann man dieses Wort der Bibel missverstehen. Klar, sich sonntags in der Kirche treffen, ein wenig über Heilige Schrift plaudern und ein paar schöne Loblieder singen. Und vielleicht ist ein Fremdling unter uns, der davon berührt wird und zum Glauben kommt. Dann reden wir gleich von missionarischem Erfolg. Ist das christliche Existenz?
Ich erinnere mich an einen Vortrag von Klaus Vollmer (siehe in der Blogliste unter „Nachruf auf einen wunderbaren Menschen“). Da sprach er mal über das Christsein und die Politik. „Wenn wir Christen uns diakonisch betätigen, uns um die Obdachlosen kümmern und in die Gefängnisse gehen… dann sind alle mit uns zufrieden, dann kriegen wir sogar noch das Bundesverdienstkreuz… aber wenn wir Christen dieser Gesellschaft sagen, wer Jesus wirklich ist, sagen, dass dieses raubkapitalistische System von vorgestern ist, die Mächtigen kritisieren und in Verantwortung nehmen, dann bekommen wir Krach“(aus dem Gedächtnis zitiert). Wo sind sie hin, diese großen Prediger, wie Vollmer oder  Wilhelm Busch, die kein Blatt vor den Mund nahmen und der Ungerechtigkeit und Verlogenheit die Stirn geboten haben?

Weil wir sanftmütig sein und alle Menschen lieben sollen, meinen allzu viele Christen, dass wir ständig nur den Schongang einlegen dürfen. Das ist schon rein geschichtlich nicht wahr. Heutige gesellschaftliche Errungenschaften, die gerade drohen wieder verloren zu gehen, sind allesamt im Kontext des Christentums geboren worden. Der Humanismus ist aus dem Christentum hervorgegangen und hat sich erst im weiteren Verlauf säkular verselbständigt. Die gesamte Epoche der Aufklärung wurde durch Christen geboren (Descartes, Lessing etc) und hat sich erst später außerhalb der Kirchen und gegen den Konservativismus der Kirchen etabliert. Wir könnten noch über Krankenversorgung, Schulwesen und anderes mehr reden, dass im Lauf der Zeit dann staatlich organisiert wurde und doch ihren Anfang in der Christenheit hatte. Aber, wenn es um Kirchengeschichte geht, holt man ja ständig nur die alten Kamellen von Kreuzzügen, Zwangsmissionierung und Hexen- bzw. Ketzerverbrennungen hervor.
Wenn Jesus einmal sagt, die Kinder der Finsternis seien klüger als die Kinder des Lichts, so meinte er damit nicht, dass wir Christen intellektuell unterlegen seien. Es gibt ein fromm verbrämtes Duckmäusertum, dass die Klappe hält, wo Protest gefordert ist. Der große katholische Theologe Thomas von Aquin sagte mal: „Die blasse Harmlosigkeit, die im Gewand der Sanftmut einherschreitet, soll man nicht für eine christliche Tugend halten“. Um der Überschrift gerecht zu werden, so finden wir uns doch wieder in dieser Welt. Umgeben von gierigen Haien, die Alles fressen, was ihnen vor´s Maul kommt. Und wir sind die armen Flundern, die dem machtlos gegenüber stehen? Wenn ein George W. Bush ein „born again christian“ ist, wie er von sich behauptet, wer sind wir dann? Wenn eine Partei als christlich gehandelt wird, nur weil sie dieses C im Namen trägt, wer sind wir dann? Welche Möglichkeiten haben wir durch und mit Jesus, der uns versprochen hat, dass Er bei uns ist, bis ans Ende aller Tage?
Ich wünsche mir, dass wir diese Plattform hier mal nutzen, um uns über derartige Fragen (auch kontrovers) auszutauschen.
Thomas Nachtigall für GottinBerlin.com

Die Autoren des Neuen Testaments

10 Gründe, warum die Autoren des Neuen Testaments die Wahrheit sagten:
(Unser Thema letzten Sonntag in der Sonntagsschule).
1. Die Autoren des NT schrieben Dinge auf, die ihre Bewegung in ein ungünstiges Licht rückten. (Jünger waren fortwährend schwer von Begriff, Jünger verließen Jesus, Petrus verleugnete Jesus, etc.)
2. Die Autoren schrieben unangenehme Aussagen anderer über Jesus auf. (Jesus sei ein „Fresser und Weinsäufer“, von Dämonen besessen, etc.)
3. Die Autoren schrieben Worte Jesu mit sehr schwer zu erfüllenden Anforderungen auf. (Feindesliebe, Scheidungsverbot etc.)
4. Die Autoren des NT unterschieden klar zwischen Jesu Worten und ihren eigenen Worten. (Sie schrieben Jesus nicht Worte zu, um theologische Dispute zu regeln)
5. Die Autoren des NT beschrieben Ereignisse bei Begräbnis und Auferstehung Jesu, die sie nicht erfunden hätten. (Z.B. dass nicht sie, sondern ein Mitglied des Sanhedrin (Joseph von Arimathäa) das Begräbnis für Jesus organisierten; dass Frauen die ersten Zeugen der Auferstehung waren, u.a. die früher dämonenbesessene Maria Magdalena).
6. Die Autoren des NT erwähnten mehr als 30 Personen, die durch außerbiblische Quellen historisch bestätigt wurden. (Wäre daran etwas falsch gewesen, hätte man es leicht nachprüfen und widerlegen können, z.B. die Begegnungen und Gespräche von Paulus mit Festus, Felix, etc.).
7. Die Schriften des NT enthalten genügend Abweichungen in Details, um unabhängige Zeugenberichte zu sein, und genügend Übereinstimmungen in der Kernbotschaft, um über die gleichen Ereignisse zu schreiben. (Simon Greenleaf, Harvard Professor in Law: „Die Evangelien würden heute vor Gericht problemlos als Augenzeugen-Aussagen anerkannt“.)
8. Die Autoren des NT fordern ihre Leser heraus, die Fakten zu überprüfen, und auch Wunder nachzuprüfen. (Paulus spricht in 1. Kor. 15 von 500 Augenzeugen der Auferstehung, „von denen die meisten noch leben“).
9. Die NT Autoren beschreiben Wunder wie alle anderen Ereignisse: mit einfachen Worten, ohne Ausschmückungen.
10. Die Autoren des NT gaben tief verwurzelte, 1500 Jahre alte Überzeugungen auf (Tieropfer, Gesetz, Beschneidung, Sabbat am Samstag, etc.), und nahmen radikale neue Überzeugungen an (Abendmahl: Brot und Wein (Leib und Blut Jesu), vollkommenes Opfer Jesu am Kreuz (also Rettung nicht durch Gesetz), Feiertag am Sonntag, Taufe etc.) und waren bereit, dafür in den Tod zu gehen. Rod Nolte
(Quelle: Turek, Geisler: I don’t have Enough Faith to Be an Atheist).
„Undesigned Coincidendes“: Wie sich die Evangelien gegenseitig als wahr erweisen.
Auf einen kürzlichen Vortrag von Tim McGrew zurückgehend.
(Eine neue – oder wieder neu bekannt gewordene – Argumentform dafür, dass die Evangelien Augenzeugenberichte sind.)
Wenn zwei Bibelstellen aus verschiedenen Evangelien sich hervorragend ergänzen, und es gleichzeitig unwahrscheinlich ist, dass dies mit Absicht so verfasst wurde, ist dies ein Hinweis auf die historische Verlässlichkeit der Berichte. (Es ist ein Hinweis darauf, dass beide Berichte entweder Augenzeugenberichte desselben Ereignisses sind, oder auf verlässliche Augenzeugenberichte zurückgehen).
Eine Absprache zwischen zwei Evangelien-Autoren (z.B. Matthäus und Lukas) über das Weglassen oder Hinzufügen von unwesentlichen Details erscheint unwahrscheinlich.
Erstmalige Erwähnung dieser Argumentform: William Paley 1850: Horae Paulinae. Zwischen Apg. und Paulusbriefen. Danach entwickelte John James Blunt diesen Ansatz weiter und wandte die „Methode“ auf das gesamte AT, das NT, sowie auf das NT im Verhältnis zu Josephus an. Danach geriet der Ansatz in Vergessenheit. Kürzlich wurde er von Tim und Lydia McGrew (USA) wieder neu „entdeckt“ und in einigen Youtube-Videos popularisiert.
Beispiel 1:
Matth 14,1-2 „Herodes sprach zu seinen Dienern: Das ist Johannes der Täufer; er ist von den Toten auferstanden.“ (Man fragt sich: woher wusste Matthäus, dass Herodes dies zu seinen Dienern sprach?)
Lk 8,3 hat die Antwort: „Und Johanna, die Frau des Chuzas, eines Verwalters [Dieners] des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihnen dienten mit ihrer Habe“.
Beispiel 2:
Joh 2,6-7: Sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung, die leer waren. (Man fragt sich: Warum sind die leer? Reinigen die sich nicht mehr rituell?)
Matth 15,1-2 hat die Antwort: „Da kamen zu Jesus Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem und sprachen: Warum übertreten deine Jünger die Satzungen der Ältesten? Denn sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen.“
Beispiel 3:
Lk 9,28-35: Verklärung Jesu: Sie sagten es niemanden. (Man fragt sich: Warum sollte man ein so extremes Erlebnis nicht sofort weitererzählen?)
Mk 9,9 hat die Antwort: „Er gebot ihnen, es niemandem weiterzusagen.“
Beispiel 4:
Joh 6,5: Jesus fragt Philippus: „Wo kann man hier etwas zu essen kaufen?“
Philippus ist einer der unbedeutendsten Jünger; hätte man die Story erfunden, hätte man eher geschrieben: Jesus fragte Petrus, oder Jesus fragte Judas (Kasse) etc. Man fragt sich also: Warum fragt Jesus gerade den Philippus?
Lk 9,10: Speisung der 5000 war in Betsaida. Joh. 12: Philippus stammte aus Bethsaida. (Lukas bestätigt Joh)
Beispiel 5:
Lk 23,1-4: Pilatus sagt: „Ich finde keine Schuld an diesem Menschen“, V4. (Man fragt sich: Warum „keine Schuld“, denn Jesus hatte in Vers 3 doch zugegeben, dass er der „König der Juden“ sei, was als gegen die Autorität des Kaisers gerichtet gedeutet werden konnte).
Joh. 18,33-38: Jesus zu Pilatus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“. (Deshalb war es kein Angriff auf die Autorität des Kaisers.)
Beispiel 6:
Joh. 21,15-17: Jesus fragte Petrus drei Mal: „Hast du mich lieb?“ (Man fragt sich: Warum fragt Jesus ihn genau drei Mal? Das würde sich aus dem Johannesevangelium nicht so klar ergeben).
Mk 14,30 erklärt dies: Jesus sprach zu Petrus: „Heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen“. Mk 14, 66-72: Petrus verleugnet Jesus 3x. ==> Diese Ankündigung der dreimaligen Verleugnung fehlt in Johannes.
Zu dieser „Argumentform“ (Undesigned Coincidences) erscheint ca. 1. Halbjahr 2017 ein Buch von Lydia McGrew mit viel mehr Beispielen, auch mit gegenseitigen Bestätigungen zwischen Evangelien, Apostelgeschichte sowie den Paulusbriefen.

Wider die Vernachlässigung der Ethik

Der anglikanische Pfarrer und Theologe John Stott (1921–2011) über Ethik in seinem Kommentar zu den Thessalonicherbriefen (The Gospel & the End of Time – The Message of 1&2 Thessalonians; IVP, 1991):
„Wir haben euch gelehrt, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, und ihr handelt auch danach. Doch nun bitten wir euch im Namen des Herrn Jesus mit allem Nachdruck: Macht darin auch weiterhin Fortschritte! Ihr kennt ja die Anweisungen, die wir euch im Auftrag des Herrn Jesus gegeben haben. Gott will, dass ihr ein geheiligtes Leben führt…“ 1 Thess 4,1–3a
Eine der größten Schwächen der heutigen evangelikalen Christenheit ist unsere relative Vernachlässigung der christlichen Ethik – sowohl in unserer Lehre als auch in der Praxis. Als Folge davon sind wir besser bekannt als solche, die das Evangelium predigen, und weniger als die, die es leben und verehren. Es fällt Außenstehenden zu selten auf, dass wir eine Gemeinschaft sind, die sich der Heiligkeit des menschlichen Lebens verschrieben hat, die soziale Gerechtigkeit anstrebt, die persönliche Ehrlichkeit und Integrität im Geschäftsleben betont, die einen einfachen Lebensstil praktiziert – im Gegensatz zur Gier in unserer Konsumgesellschaft, und deren Heime von Stabilität gekennzeichnet sind, wo Untreue und Scheidung praktisch unbekannt sind und Kinder in der sicheren und liebenden Obhut ihrer Eltern aufwachsen. Zumindest in der Ehe- und Familienstatistik schneiden die Juden besser ab als die Christen!
Einer der Hauptgründe für all dies ist, dass unsere Kirchen im Großen und Ganzen zu wenig Ethik lehren. Wir sind so sehr damit beschäftigt, das Evangelium zu verkündigen, dass wir nur selten das Gesetz lehren. Wir haben Angst davor, uns den Vorwurf der „Gesetzlichkeit“ einzuhandeln. „Wir leben nicht unter dem Gesetz“, sagen wir fromm – als ob wir frei wären, es zu ignorieren oder ihm gar ungehorsam zu sein. Dagegen meinte Paulus doch, dass unsere Annahme bei Gott nicht von unserer Beachtung des Gesetzes abhängt. Christen sind jedoch immer noch verpflichtet, das moralische Gesetz und die Gebote zu halten. Tatsächlich war der Zweck von Christi Tod, dass „die Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde“ (Röm 8,4), und der Heilige Geist, der in unseren Herzen wohnt, schreibt Gottes Gesetz in diese (s. Jer 31,33; Hes 36,27; 2 Kor 3,3–8). Weiterlesen