Wer hat Angst vor dem Mann, der von Osten her kommt? Jes 41,1-20 für Angstgeplagte

Dies ist der dritte Teil einer Reihe von Reflexionen darüber, wie man Gottes Wort in Jesaja 40-55 seinen eigenen Ängsten entgegenstellen kann. Eine kurze Einleitung zu dieser Serie gibt es hier. Es wäre von großem Nutzen, den genannten Abschnitt aus Jesaja zuvor zu lesen.
Unsere schlimmsten Ängste lehren uns häufig, dass wir uns selbst zu ernst nehmen. Gleichzeitig zeigen sie uns, dass wir unsere Leiden um jeden Preis verhindern wollen. Dinge, vor denen wir Angst haben, sind oft auch Dinge, die wir unter keinen Umständen durchleben möchten.
Eventuell ist die hohe Rate der Angstgeplagten in unseren westlichen Gesellschaften ja gerade damit verbunden, dass wir es verlernt haben, den Objekten unserer Angst entgegenzutreten und ihnen vielleicht sogar etwas abzugewinnen. Die moderne Medizin hat unser Leben beschwerdefreier gemacht, die Fortschritte der Technik haben unser Leben vereinfacht und die kulturellen Einflüsse der letzten vier Jahrzehnte haben das „ich“ ins Zentrum unseres Weltbildes gerückt.
Die tragischste Entwicklung unserer Zeit ist aber die Verdrängung Gottes aus unseren modernen Glaubenssystemen. Diese Säkularisierung hat im Zusammenhang mit der Zentralität des „ichs“ im zeitgenössischen Weltbild fatale Folgen für unsere mentale Gesundheit. Wenn Gott durch das „ich“ als Zentrum und Grundlage unserer Wahrheit, Ethik, und Identität ersetzt wird, dann wird jede Gefährdung der eigenen Hoffnungen und Wünsche natürlich unendlich viel dramatischer. Angst kann auf solchem Nährboden wunderbar gedeihen.
In Jes 41,1-20 wird uns von einem Mann berichtet, der von Osten kommt und auf seinem Weg nach Westen ganze Völker gefangen nimmt. In der Zeit, die der Prophet Jesaja hier in seiner Prophezeiung anspricht, regierte das babylonische Großreich über große Teile der bekannten Welt. Die Babylonier deportierten ganze Völker und taten schreckliche Dinge an Israel, dem Volk Gottes. Sie zerstörten den Tempel in Jerusalem und führten einen großen Teil des Volkes ins Exil nach Mesopotamien. Gott beschloss aber, dieses Regime zu brechen und sein eigenes Volk in das Land Israel zurück zu bringen. Zu diesem Zweck ließ er die Perser erstarken, ein Volk aus dem Osten, welches unter seinem Führer Kyros das gesamte babylonische Reich eroberte. Der Mann aus dem Osten, von welchem in Jes 41,2 die Rede ist, ist genau dieser Kyros.
Im gesamten Abschnitt Jes 41,1-20 wird uns nun aufgezeigt, wie die Menschen des alten Orients auf die drohende Zukunft reagieren. Was tuen sie in ihrer Furcht vor Kyros? Wie versuchen die Völker dieses Gebiets ihre eigene Zukunft zu erhalten? Wer hat hier Angst vor dem Mann, der von Osten her kommt?
Im Grunde werden uns hier zwei mögliche Reaktionen auf die herannahende Gefahr aufgezeigt:
Im Angesicht des Perserkönigs, der unaufhaltsam den kompletten alten Orient eroberte, begannen die Völker in ihrer Angst damit, sich gegenseitig zu helfen (41,5). Sie unterstützen sich darin, Götzen zu bauen, die ihre Zukunft absichern sollten. Sie wollten ihre eigenen kleinen Götter haben, die ihnen gegen Gottes Handeln helfen sollten. In ihrer Angst meinten sie, dass sie Gottes Gesandten bekämpfen könnten.
Israel hingegen wurde dazu aufgefordert gerade keine Angst zu haben. Sie sollten Gott vertrauen, dass Kyros nicht zu ihrer Zerstörung, sondern zu ihrer Erlösung kommt. Ganz konkret werden uns drei Gründe genannt, warum das Volk Gottes sich nicht fürchten braucht: a) Sie sind von Gott geliebt und erwählt (41,8-10); b) Das, was ihnen Angst macht, ist nicht zu ihrer Zerstörung, sondern zur Zerstörung ihrer Feinde (41,11-13); und c) Gott wird Israel befähigen im Sturm der Dinge siegreich hervorzugehen (41,14-16).
Beide Gruppen hatten sehr wohl Angst. Gott musste Israel durch den Propheten explizit dazu auffordern, sich nicht zu fürchten. Der große Unterschied bestand aber darin, wie die zukünftige Gefahr interpretiert werden sollte. Während die Völker in ihrer Angst nur damit beschäftigt waren, etwas gegen Gottes Handeln in dieser Welt zu unternehmen, sollte Israel die herannahende Gefahr schlicht aus einer anderen Perspektive betrachten.
Viel zu häufig verhalten wir uns aber wie die Völker. Wir sehen unsere Hoffnungen und Wünsche als gefährdet und bekommen Angst. Wir verfallen in einen Modus, in dem wir uns ständig fragen: „was wäre, wenn?“. Stattdessen sollten wir uns vor Augen halten, was Gott über sein Volk ausspricht. Diejenigen, die an Jesus glauben sind Erwählte und werden niemals verloren gehen. Gleichzeitig zeigt uns die Schrift, dass Gott ihre Leiden benutzt, um sie im Glauben zu festigen und ihnen noch mehr Freude zu bereiten (Hebr. 12,7-11).
Wenn das „ich“ zum Zentrum der Wahrheit und Freude wird, dann wird es außerordentlich schwer, sich im Angesicht des Leidens nicht zu fürchten. Ich denke, die meisten Menschen wissen das und suchen daher häufig nach einem „Sinn“ für die eigenen Probleme. Wenn junge Menschen ganz tragisch an einer bestimmten Krankheit sterben müssen, werden oft Stiftungen gegründet, die sich der Erforschung oder der Bekanntheit einer solchen Krankheit widmen. Im Angesicht der Objekte unserer Angst wird uns Menschen häufig erst bewusst, dass das „ich“ nicht im Zentrum unseres Weltbildes stehen kann.
In der eigenen Angst dann auf Gott blicken zu können, dessen Verheißungen auch unsere schlimmsten Befürchtungen nicht zerstören können, ist ein wahrer Segen. Dieses Leben ist nämlich nicht „sicher“. Das Leiden kann genau so wenig umgangen werden wie der Tod. Gott nimmt uns aber unsere Angst vor Leid und Tod, indem er ihnen den Schrecken raubt. Aber noch viel wichtiger: Gott rückt in das Zentrum unseres Weltbildes. Dadurch sind wir nicht mehr selbst der Maßstab für Wahrheit, Freude und Identität. Auch wenn wir uns selbst in Gefahr wägen, wird Gott seine Liebe für uns niemals fallenlassen. Auch wenn wir meinen, dass unser Leid sinnlos und zerstörerisch sei, hat Gott seinen Weg damit.
Vor dem Mann aus dem Osten muss man eigentlich nur Angst haben, wenn man nicht erkennt, dass Gott am Werk ist und es gut mit seinem Volk meint.
Wer hat Angst vor dem Mann, der von Osten her kommt? Jes 41,1-20 für Angstgeplagte

Vergängliches Gras: Jesaja 40:1-11 für Angstgeplagte

Dies ist der erste Teil einer Reihe von Reflexionen darüber, wie man Gottes Wort in Jesaja 40-55 seinen eigenen Ängsten entgegenstellen kann. Eine kurze Einleitung zu dieser Seite gibt es hier. Es wäre von großem Nutzen, den genannten Abschnitt aus Jesaja zuvor zu lesen.
Jesaja 40,1-11 ist die Einleitung zu den Kapiteln 40-55. Im Prinzip wird hier schon alles vorgeziechnet, um was es in den 15 folgenden Kapiteln gehen soll: Trost, Vergebung, die Unvergleichlichkeit Gottes, die Vergänglichkeit der Menschen und die Güte Gottes zu seinem Volk.
Gerade Jesaja 40,1 („Tröstet, tröstet mein Volk!“) wird in Zeiten der Trauer häufig zitiert. Doch was steckt dahinter? Worin besteht der Trost, den die Freudenboten (40,9) dem Volk hier bringen sollen?
Eine Antwort auf diese Fragen wird uns in Jes 40:1-11 mit bildreichen Metaphern gegeben. Ein Gott, dem selbst die geographischen Beschaffenheiten der Erde weichen müssen, kommt zu seinen Menschen, die durch seinen bloßen Atem vergehen könnten. Gott wird hier in seiner Herrlichkeit als stark und mächtig präsentiert. Vor ihm müssen die Berge und die Täler eben werden. Gottes Wort ist so mächtig, dass es in Ewigkeit bestehen bleibt und er ist so groß, dass die ganze Welt ihn sehen wird. Die Menschen sind dagegen nur Gras. Wer auf seinem Weg ganze Berge platt macht, der wird es ja eigentlich kaum bemerken, wenn er Graß zertritt, oder?
Doch genau hier wird der Trost greifbar. Anstatt die Menschen in ihrer Vergänglichkeit zu zerschmettern, nimmt er sich ihrer an. Die Wuchtigkeit und Gewalt Gottes, die in den ersten Metaphern beschrieben wird, weicht der Zärtlichkeit eines Hirten, der seine Lämmer hütet und bewahrt.
Wie kann das geschehen? Wie wird aus dem Gott, der wie ein Krieger zur Schlacht auszieht, ein Hirte für seine Schafe?
Die Verse 9 und 10 geben Aufschluss: „Zion, du Freudenbotin, steig auf einen hohen Berg; Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht; erhebe sie und fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott; Siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her.
Gott gewann sich etwas, er erwarb sich ein Volk, das vor ihm bestehen kann. Daher ist in V.11 auch von „seiner Herde“ die Rede. Das Volk Gottes ist zwar noch immer „Gras“, aber im Gegensatz zu allen anderen Völkern ist es von Gott gepflegt und beschützt. In den späteren Kapiteln wird deutlich, dass Gottes „Erwerben“ im Leiden des Gottesknechtes, Jesus Christus, selbst besteht. Gottes Volk wird uns in diesem Abschnitt deshalb als das Volk vorgestellt, dem die Schuld vergeben wurde (40,1-2) und für das Gott selbst wie ein Krieger auszieht.
Der ganze Abschnitt zeigt uns zwei grundlegende Wahrheiten auf:
1) Gott ist mächtig, ewig und herrlich, aber wir Menschen sind schwach, vergänglich und unbedeutend.
2) Trotz dieser Unterschiede zieht Gott aus, um uns zu treffen und uns in unserer Schwachheit mit Fürsorge zu begegnen.
Schwäche, Vergänglichkeit und Unbedeutsamkeit stehen dem, was wir uns wünschen aber oft diametral gegenüber. Wir wollen selbst stark, unvergänglich oder wichtig sein. Daher fürchten wir uns oft vor Krankheit, Tod oder Ablehnung.
Die Bibel ist hier sehr ehrlich mit uns und hält uns einen Spiegel dessen vor, was wir wirklich sind. Wir können nicht auf unsere eigene Stärke vertrauen, denn wir sind wie Gras, das verdorrt. Deshalb werden wir hier dazu aufgefordert, auf die Stärke und Handlung Gottes zu blicken.
Unsere Ängste offenbaren, auf was wir hoffen. Wenn wir auf Gott hoffen, dann brauchen wir keine Angst zu haben, denn sein Wort währt ewiglich. Berge und Täler müssen vor der Liebe Gottes zu seinem Volk weichen.  https://gesellschaftsfaehigblog.wordpress.com/

„Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.“ Jes 40:28

Vor kurzem wurde ich mit einer Angststörung diagnostiziert, die mir aber schon seit Monaten außerordentliche Schwierigkeiten bereitet hat. Während ich mich meinen Sorgen zu Beginn dieser Zeit fast widerstandslos ergeben hatte, ist es mir gerade in den letzten Wochen wichtig geworden, dieser Angst biblische Wahrheiten entgegenzustellen.
In den letzten Tagen habe ich dann damit begonnen, meinen Ängsten die Worte Gottes aus Jesaja 40-55 vorzuhalten. Meine Reflexionen darüber, wie Gottes Wort in Jes 40-55 zu Angstgeplagten sprechen kann, würde ich daher gerne auf meinem Blog teilen.
Man darf beim lesen jedoch nicht denken, dass ich hier als Lehrer von oben herab sprechen würde. Ich wünschte, ich hätte selbst schon alle Antworten parat. Das Gegenteil ist jedoch leider der Fall. Ich befinde mich selbst noch mitten im Kampf mit meinen Ängsten (ein Kampf mit vielen Rückschlägen) und versuche lediglich, die Trostworte zu dokumentieren, die ich in der Bibel gefunden habe. Gleichzeitig ist es meine Überzeugung, dass Gottes Wort mächtig und unfehlbar ist und daher auch durch ein solch zerbrechliches Gefäß wie mich sprechen kann.
Während ich in den nächsten Tagen und Wochen verschiedene Reflexionen darüber, wie Gottes Wort uns in unsere Angst helfen kann aus Jes 40-55 posten will, soll dieser Beitrag als Einleitung zur ganzen Reihe verstanden werden. Es ist mir wichtig, hier eine entscheidende Vorbemerkung zu machen.
Wenn wir die Aussagen der Bibel über Angst auf die Stellen reduzieren, die uns dazu auffordern, keine Furcht zu haben (z.B. Jes 41,10), dann greifen wir meiner Einschätzung nach zu kurz. In seinem Buch „Running Scared“ schreibt der Seelsorger Edward Welch dazu folgende hilfreiche Worte (Welch 2007, 47-48; Übersetzung durch mich):
„Es gibt Zeiten, in denen uns die Angst sagt, dass etwas schlicht zu gefährlich ist und wir uns davor fürchten sollten. In meinem Hören auf meine Ängste bestand das Ziel aber darin, zu entschlüsseln, was sie noch so alles sagen….Ich war überrascht zu erkennen, dass es eine Verbindung zwischen meinen Ängsten und meinen Wünschen, Verlangen, Bedürfnissen und Vorlieben gibt. Wenn ich nun diese Ansammlung von Vorgängen in mir selbst erkenne, dann kann ich dadurch eine größere Hoffnung haben. Ginge es bei der Angst nur um eine gefährliche Welt, dann gäbe es fast nichts, was ich tun könnte. Geht es aber um mich, dann gibt es vielleicht einen Weg heraus.“
Welch schließt diesen Absatz mit folgender Aufforderung:
„Erinnere dich an deine Ängste und frage dich: was sagen meine Ängste darüber aus, auf wen oder was ich mein Vertrauen setze? Was sagen meine Ängste darüber aus, wen oder was ich liebe?“
Ich denke, Welchs Beobachtungen sind hilfreich und akkurat. Unsere Angst ist nicht bloß eine seelische Belastung, die lediglich auf unsere Umstände zurückzuführen ist. Es ist nicht so, dass wir ausschließlich deshalb Angst haben, weil unsere Umwelt oder Lebenssituationen furchteinflößend sind. Unser Verlangen, unsere Wünsche, unsere Bedürfnisse und unsere Vorlieben spielen eine weitere wichtige Rolle im Aufkommen unserer Ängste. Gerade an dieser Stelle ist Welchs Analyse messerscharf: Unsere Ängste sprechen zu uns. Sie teilen uns mit, was uns am liebsten ist. Sie erklären uns, was wir lieben und worauf wir unser Vertrauen setzen.
Während diese Einsicht auf den ersten Blick furchteinflößend wirken kann, sollte sie als gute Nachricht begriffen werden. Wäre unsere Angst ausschließlich von unseren Umständen und Lebenssituationen abhängig, dann gäbe es kaum etwas, was wir gegen sie tun könnten. Es gibt in diesem Leben nämlich keine absolute Sicherheiten. Dadurch, dass unsere Ängste aber mit uns und unseren tiefsten Bedürfnissen zu tun haben, können wir etwas ändern.
Im Hören auf Jes 40-55 kann es deshalb nicht bloß darum gehen, dass wir Stellen suchen, die direkt über Ängste sprechen. Wir müssen auch darauf hören, was uns Gott über unsere Wünsche, Vorlieben und Hoffnungen mitteilt.
Worauf vertrauen wir? Was lieben wir? Worauf sollten wir vertrauen und was sollten wir lieben, damit wir unseren Ängsten entkommen können? Das sollen die leitenden Fragen beim Lesen von Jes 40-55 werden.
An unseren Umständen können wir häufig nichts ändern. Die gefallene Welt bricht manchmal einfach auf uns hernieder. Im Hören auf sein Wort kann Gott uns allerdings durch seinen Geist verändern. Darum soll es gehen.
Literaturangabe:
Welch, Edward T., Running Scared: Fear, Worry and the God of Rest. Greensboro: New Growth Press, 2007. https://gesellschaftsfaehigblog.wordpress.com/

 

Dispensationalismus und Bundestheologie im Vergleich

Sergej Pauli hat auf biblipedia.de, ausgehend von einer Vorlesung von Ligon Duncan, tabellenartig Dispensationalismus und Bundestheologie gegenübergestellt. Hanniel Strebel hat die Gegenüberstellung gekürzt und leicht überarbeitet. http://hanniel.ch/2018/09/20/input-dispensationalismus-und-bundestheologie-im-vergleich/

DISPENSATIONALISMUS BUNDESTHEOLOGIE
Hohe Betonung auf „wörtlicher“ Interpretation der Bibel Akzeptiert sowohl die wörtliche wie die bildliche Auslegung der Bibel
Akzeptiert normalerweise nicht die Idee der „Analogie des Glaubens“ Akzeptiert so gut wie immer  die Idee der „Analogie des Glaubens“
„Israel“ meint immer nur die tatsächlichen, physischen Nachkommen Jakobs „Israel“ kann entweder die wörtlichen, physischen Nachkommen Jakobs oder das bildliche geistliche Israel meinen, je nach Kontext
„Israel Gottes“ in Gal 6,16 meint nur das physische Israel „Israel Gottes“ in Gal. 6,16 meint das geistliche Israel, so wie auch Gal. 3,29; Rom 2,28-29; 9,6; Phil. 3,3
Gott hat zwei Völker mit zwei unterschiedlichen Zielen: Israel (irdisch) und die Gemeinde (himmlisch) Gott hatte immer nur ein Volk; die Gemeinde entwickelte sich schrittweise
Die Gemeinde entstand zu Pfingsten Die Gemeinde begann im AT (Apg. 7,38) und erreichte ihre Erfüllung im NT
Die Gemeinde wurde nicht im AT vorhergesehen, sondern war ein verstecktes Mysterium bis zum NT Es gibt viele Prophezeiungen des AT über die neutestamentliche Gemeinde
Alle Prophezeiungen des AT für „Israel“ sind für das physische Israel, nicht für die Gemeinde Einige Prophezeiungen des AT sind für das physische Israel, andere für das geistliche Israel
Gottes Hauptanliegen in der Geschichte ist das physische Israel Gottes Hauptanliegen in der Geschichte ist zunächst Christus und dann auch die Gemeinde
Die Gemeinde ist ein Einschub in Gottes Programm für alle Zeitalter Die Gemeinde ist der Höhepunkt des Anliegen Gottes für alle Zeitalter
Der Haupterbe des Bundes mit Abraham war Isaak und das physische Israel Der Haupterbe des Bundes mit Abraham war Jesus und das geistliche Israel
Es gab keinen ewigen Bund der Erlösung in der Dreieinigkeit Der ewige Bund der Erlösung war in der Dreieinigkeit um Erwählung zu bewirken
Es gab keinen Bund der Werke mit Adam im Garten Eden Gott schloss einen bedingten Bund der Werke mit Adam als einem Stellvertreter aller seiner Nachkommen
Es gab  bezüglich Adam keinen Bund der Gnade Gott machte einen Bund der Gnade mit Christus und seinen Leuten, einschließlich Adam
Israel handelte übereilig, als es den Bund am Berge Sinai annahm Israel handelte richtig, als es den Bund  am Berge Sinai annahm
Der neue Bund in Jer. 31,31-34 ist nur für das physische Israel und ist nicht der neue Bund in Lk. 22,20 Der neue Bund in Jer. 31 ist derselbe wie in Lk 22. Beide sind gemäß Hebr. 8 für das geistliche Israel
 

 

Fußreflexzonenmassage

Fußreflexzonenmassage kommt vom amerikanischen Arzt Fitzgerald (1872-1942). Er teilte den Körper willkürlich in zweimal fünf Längszonen ein und behauptete, dass man von jeder Stelle einer Zone aus sämtliche Organe dieser Zone erreichen könne. Das Konzept wurde aufgegriffen und ausgebaut. So soll nun der gesamte Körper am Fuß repräsentiert sein, wie bei Ohrakupunktur. Verändert sich an einer bestimmten Stelle der Fußsohle die Hautbeschaffenheit oder tritt beim Massieren Druckschmerz auf, soll das angeblich korrespondierende Organ krank sein. Diese Stellen werden dann mit Fingerkuppen gedrückt und gerieben. So sollen allerlei Schmerzen behoben werden.
Die Längszonen sind allerdings ein reines Phantasieprodukt. Die Angaben, wo einzelne Organe auf der Fußsohle repräsentiert sind, weichen oft erheblich voneinander ab. Auch für die behaupteten Wirkungen fehlt der Beweis. Viele Behandelnde erklären die Wirkung deshalb damit, dass der Energiefluss ausgeglichen werde, analog dem fernöstlichen Gedankengut. Diese Erklärungen sind jedoch magisch, weshalb davon abgeraten werden muss.
Gerade bei solchen Techniken spielen intuitive und mediale Fähigkeiten des Therapeuten eine große Rolle, weil diese Menschen mit Kräften in Verbindung stehen, die nicht von Gott sind und den Behandelten in einen gefährlichen okkulten Bann bringen können. Fußmassage ohne zusätzliche esoterische Erklärungen tut wohl. Das Stehen auf einem gewellten Brett fördert die Durchblutung der Füße und schadet nicht.
Behandlungen mit esoterischem Hintergrund schadet der Seele, auch wenn diese Methode bei körperlichen Beschwerden hilft. Die okkulte Belastung der Seele ist viel schlimmer als eine körperliche Krankheit. Der Glaube an Gott und die Verbindung zu ihm ist dadurch zerstört. Wer sich mit esoterischen Methoden eingelassen hat, soll sich von diesen okkulten Praktiken abwenden.
Paulus schrieb an Titus Kap. 3 Vers 14: «Jesus hat sein Leben für uns gegeben und uns von allem Bösen und von aller Schuld befreit. So sind wir sein Volk geworden; bereit, ihm dankbar zu dienen.»

Wie man in einem postmodernen Zeitalter über Sünde reden kann

Als ich damit begann, die Bibel zu lesen, habe ich nach einem verbindenden Thema Ausschau gehalten. Ich schloss, dass es viele gibt und dass, wenn wir eines davon zu dem Thema machen (wie „Bund“ oder „Reich“), wir dann Gefahr laufen, eine Engführung zu betreiben.

Aber eine grundlegende Art, die Bibel zu lesen, ist, darin einen langen Kampf zwischen wahrem Glauben und Götzendienst zu sehen. Am Anfang wurden die Menschen dazu geschaffen, Gott anzubeten und ihm zu dienen und über alle geschaffenen Dinge im Namen Gottes zu herrschen (1Mose 1,26-28). Paulus versteht die ursprüngliche Sünde der Menschen als einen Akt des Götzendienstes: „Sie haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht … und dem Geschöpf Ehre und Gottesdienst erwiesen anstatt dem Schöpfer“ (Röm 1:23.25). Anstatt für Gott zu leben, haben wir angefangen, für uns selbst zu leben und für materielle Güter. Wir haben die ursprünglich gedachte Ordnung umgekehrt. Weiterlesen

Was ist Apologetik?

Apologetik ist eine systematisch-theologische Disziplin, die den Gläubigen dabei hilft, den in 1Petr 3,15 formulierten Auftrag in die Tat umzusetzen. Apologetik ist demnach denkerische Rechtfertigung und Verteidigung der christlichen Hoffnung.

Ihren besonderen Charakter gewinnt die Apologetik dadurch, dass sie Fragen (und Klagen) Andersdenkender aufgreift und für diese formal nachvollziehbar zu beantworten sucht. Petrus erwartet von den Christen, dass sie den Grund für ihre Hoffnung vernünftig kommunizieren können. Ein Apologet glaubt nicht nur, er kann auch erklären und begründen, warum und woran er glaubt. Ein Apologet versucht plausibel darzulegen, warum ein Christ Christ ist und Nicht-Christen Nachfolger von Jesus Christus werden sollten.

Apologetik ist keine Disziplin für Spezialisten. Bei allen denkbaren Gelegenheiten und gegenüber jedermann (vgl. 1Petr 3,15) sollen Christen zur Rechenschaftslegung bereit sein. Somit ist nicht nur die akademische Auseinandersetzung Forum für die Apologetik, sondern das gesamte Gemeindeleben einschließlich der Katechese, Verkündigung, Seelsorge oder Evangelisation.

Wir können zwischen reflektierender, defensiver und offensiver Apologetik unterscheiden. (In der Literatur findet sich manchmal die Unterscheidung zwischen negativer und positiver Apologetik. Ich ziehe defensive und offensive Apologetik dieser traditionellen Bezeichnung vor, da sprachlich präziser.)

(a) Reflektierende Apologetik. Sie richtet sich nach innen, also an die Gemeinde der Christusgläubigen. Diese Form der Apologetik liefert den Gläubigen einsichtige und prüfbare Gründe für ihren Glauben. Auch Gläubige haben Zweifel und werden durch leere und verführerische Gedankengebäude angefochten (vgl. Kol 2,8). Jesus und die Apostel haben den Gläubigen überzeugende und tragfähige Gründe für ihre Nachfolge gezeigt (vgl. z. B. Joh 20,24–31; 1Kor 15,1–11). Reflektierende Apologetik hilft dabei, Vernunftsschlüsse, die sich gegen die Erkenntnis Gottes richten, aufzudecken und alles Denken in den Gehorsam gegenüber Christus zu führen (vgl. 2Kor 10,5).

Reflektierende Apologetik klärt also Fragen des Glaubens und Unglaubens im Kreis der Kirche. Defensive und offensive Apologetik wendet sich vor allem an den Kreis der Menschen, die (noch) nicht an Jesus Christus glauben.

(b) Defensive Apologetik. Sie liefert Belege und Argumente für die Verteidigung des christlichen Glaubens gegenüber Einwänden und Angriffen. Sie reagiert auf Argumentationen, die von außen an die Kirche herangetragen werden. Einige Reden des Apostels Paulus gehören zu dieser Form der Apologetik, da er das Evangelium gegenüber Anklagen von Juden und Griechen verteidigte. Ebenso wurden viele Reden Jesu durch verbale Angriffe der Pharisäer und Schriftgelehrten provoziert (vgl. Abschnitt „Adressaten der Apologetik im Neuen Testament“). Wie wir bereits gesehen haben, sind Apologien überwiegend defensiv ausgerichtet. Theologen bemerken, dass die Gläubigen in den Gemeinden durch populäre Geistesströmungen verunsichert werden und bei ihren evangelistischen Bemühungen Überzeugungskraft verlieren. Um Zweifel auszuräumen und die Gemeinden geistlich, intellektuell und ethisch zu stärken, verteidigen sie das historische Christentum durch eigene Schriften.

(c) Offensive Apologetik. Sie präsentiert Argumente für die Wahrheit des christlichen Glaubens mit dem Ziel, die weltliche Weisheit als Torheit zu überführen (vgl. Spr 9,6; Ps 53,2; 1Kor 1,18–21). Offensive Apologetik ist also „angriffslustig“, sie attackiert die gottlosen Denksysteme und Lebensentwürfe mit der Offenbarung Gottes. Nicht-christliches Denken ist dem Wahn verfallen (Röm 1,21). Offensive Apologetik will nun dieses verfinsterte Denken aufdecken und überzeugende Denkalternativen entfalten. Apologetik in diesem Sinn zeigt, dass der Glaube an Christus wahr ist. https://theoblog.de/was-ist-apologetik/32589/

Evangelikale Moral

Das praktische Leben vieler evangelikaler Christen nähert sich zusehends dem gesellschaftlichen Durchschnitt. Manchen sind Bibelverse dabei vollkommen egal, weil Glaube für sie nur noch darin besteht, ein Leben nach dem Tod für wahrscheinlich zu halten und darauf zu vertrauen, dass Gott hier auf der Erde schon alles segnet, was sie bereits für sich geplant haben. Eine wirkliche Lebensveränderung wird zumeist nicht einmal in Betracht gezogen. Was man sich wünscht, wird als richtig erklärt. In die eigenen Entscheidungen will man sich weder von Gott noch von Glaubensgeschwistern hineinreden lassen. Andere Christen spüren noch ein vages geistliches Unwohlsein. Doch statt sich der Prägung Gottes auszusetzen und dann auch unangenehme Entscheidungen zu treffen, suchen sie intensiv nach Möglichkeiten klare biblische Aussagen wegzuerklären. Die einfachste Strategie ist dabei natürlich die Feststellung, dass Gott genau zu dieser Frage schweigt und deshalb alles erlaubt ist. Wenn sich dann doch eine biblische Anweisung findet, dann wird erklärt, das gelte nur für die damalige Zeit. Heute sei alles anders, entweder, weil wir als Christen heute im Zeitalten der Freiheit und Gnade leben oder weil die Ausgangslage heute halt ganz anders sei als im alten Israel oder zur Zeit des Paulus. In Wirklichkeit aber wollen die betreffenden Christen garnichtmehr auf Gott hören, sie suchen lediglich noch einen einfachen Weg das stille Rufen ihres Gewissens zu beruhigen.
Natürlich ist die Argumentation, in der Bibel wird dies oder das nicht ganz deutlich verboten, also muss es wohl erlaubt sein, Unsinn. Mit dieser Logik könnte man auch behaupten, das Neue Testament verbietet Entführungen nicht deutlich genug, folglich sind Entführungen für einen Christen legitim. Oder: Das Neue Testament verbietet keine Ehen mit Tieren, also sind sie von Gott erlaubt. Wenn man wirklich nach dem Willen Gottes sucht, sollte man zuerst nach den deutlichen, positiven Aussagen zu einem Themenbereich suchen und den dann umsetzen. Dadurch regeln sich manche Sonderfragen weitgehend von alleine. Bei der Frage, ob Mann und Frau vor der Ehe zusammenziehen dürfen, sollte man also nicht nach einem strengen Verbot suchen, sondern nach Aussagen, wie Ehe positiv definiert und gelebt wurde (z.B. 1Mo 29, 21). Natürlich sollte es dabei schon zum Nachdenken bringen, dass im Alten Testament Sex zwischen Unverheirateten bestraft werden sollte (2Mo 22, 15; 3Mo 19, 29; 5Mo 22, 28f.; 5Mo 22, 13-21). An diesen Stellen wird auch deutlich unterschieden zwischen „Sex haben“ und „verheiratet sein“, weshalb man kaum behaupten kann, durch das Zusammenleben oder den Sex sei man vor Gott bereits verheiratet (vgl. 5Mo 20,7).
An allen Stellen im Neuen Testament, wo direkt oder im übertragenen Sinn von Ehe gesprochen wird, beginnt diese durch eine öffentliche Zeremonie. Mit einer gegenseitigen Verpflichtung wurde vor der ganzen Umwelt deutlich gemacht, dass man nun dauerhaft mit allen Rechten und Pflichten zusammengehört (Mt 22, 1-14; 25, 1-12; Joh 2, 1-11). Maria beispielsweise lebte nicht mit Joseph zusammen und hatte vor der Ehe auch keinen Sex mit ihm (Lk 1, 34; vgl. 1Kor 7, 36). Auch Paulus macht deutlich: entweder heiraten und zusammenleben oder alleine bleiben. In dieser Hinsicht soll es keinen Zwischenzustand geben (1Kor 7, 8f.). Der potentielle Partner sollte abgesehen von anderen positiven Eigenschaften gläubig sein (1Mo 28, 1ff.; 5Mo 7, 1-4; Spr 31, 30; 2Kor 16, 14; Jak 4,4). Außerdem untersagen zahlreiche Texte des Neuen Testamentes mit dem Begriff „Unzucht“ (Porneia) jeden Sex außerhalb der Ehe, also auch den vor der Hochzeit (1Kor 6, 15ff.; Eph 5, 3-8; Hbr 13, 4).
Wenn man wirklich eine Ehe nach Gottes Vorstellungen leben will, dann hindert auch nichts an einer offiziellen Hochzeit. Wenn man die Phase des Zusammenlebens aber eher als Probezeit versteht oder nur deshalb nicht heiratet, weil man keine dauerhafte Verpflichtung eingehen will, dann ist man offensichtlich nicht bereit, eine Beziehung in Treue und Liebe zu führen, wie Gott sie ursprünglich vorgesehen nat.
Evangelikale Christen bauchen wieder neu den Mut, Glauben nicht nur als Gefühl in einem Anbetungskonzert zu verstehen, sondern als konsequente und vertrauensvolle Beziehung zu Gott. Man muss Gott dann allerdings auch das Recht einräumen, mit Autorität ins eigene Leben hineinzusprechen. Gott ist aber schließlich auch derjenige, der den größeren Überblick hat, nicht wie ein Mensch mit seinem immer begrenzten Einschätzungsvermögen. Wenn Christen glaubhaft sein wollen, wenn sie Gottes Realität auch im Alltag erleben wollen, dann müssen sie sich von den ganz „normalen“ Vorstellungen des Zeitgeistes lösen und Gottes Maßstäbe akzeptieren, statt sie elegant wegzureden. Das ist dann eine echte Alternative, die vielleicht nicht kurzfristig jede Lust befriedigt, auf längere Frist hin aber erfüllend und erfolgreich sein wird. – Selbstverliebte Christen dürfen nicht erwarten, dass Gott sie auch noch in diesem eigensüchtigen Weg unterstützt. Am Ende werden sie halt leben wie Millionen anderer Zeitgenossen auch, durchschnittlich glücklich oder unglücklich, aber eben nicht mehr. Auch wenn es nicht populär wirkt, es lohnt sich, auch in ganz konkreten Fragen der Lebensführung nach Gottes Regeln zu fragen, statt immer nur das rechtfertigen zu wollen, wozu man gerade Lust hat.
„Und richtet euch nicht nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lasst die Art und Weise, wie ihr denkt, von Gott erneuern und euch dadurch umgestalten, sodass ihr prüfen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob es Gott gefallen würde und ob es zum Ziel führt!“ (Römer 12, 2) Michael Kotsch

Gebot oder Gnade?

Wie gehen wir als Gemeinde oder als Christen mit unserem Versagen um? Meine erste Empfehlung lautet: Wir brauchen das Gebot und die Gnade.
Etliche Gemeinden, die mit bewundernswerter Sorgfalt am biblischen Gebot festhalten, verschließen die Augen vor den Nöten und Kämpfen ihrer Mitglieder. Wenn etwa mit Gesten der Selbstverständlichkeit sexuelle Reinheit eingefordert wird, entsteht schnell der Eindruck, unter Christen gäbe es so etwas wie Versagen in diesem Bereich nicht. Da das Thema sowieso sehr schambesetzt ist, findet kaum jemand den Mut, die persönlichen Nöte ans Licht zu bringen. Das Brodeln unter der Oberfläche wird gar nicht wahrgenommen. Offiziell scheint alles in Ordnung zu sein. So kann sich eine pharisäische Gesinnung etablieren, ein doppelter Standard. Vordergründig ist alles geklärt, aber hinter dem Vorhang sieht das Leben anders aus. Das Sollen wird so stark betont, dass das Sein nur noch verzerrt wahrgenommen wird. Weiterlesen

Wo ist die Hölle geblieben?

„Die Hölle ist weg. Keiner hat es bemerkt“
Der Philosoph Bertrand Russell meinte in Why I Am Not a Christian (Warum ich kein Christ bin, 1927) selbstsicher, Jesus habe einen „schweren Charakterfehler“ gehabt. Russell glaubte, dass niemand, „der zutiefst menschenfreundlich ist, an eine ewigwährende Strafe [in der Hölle] glauben kann.“ Und Christus „glaubte ganz gewiss an eine ewige Strafe“. „Rachsüchtige Wut“ finde sich in den Evangelien, aber nicht bei Sokrates. Die ganze Lehre von der Hölle sei eine „grausame Lehre“, ja sie habe sogar „die Grausamkeit in die Welt gebracht“.
Der Psychiater Franz Buggle, ein weiterer Atheist, schrieb in Denn sie wissen nicht, was sie glauben (1992) zur Hölle, diese sei „eine Strafandrohung, deren unheilvolle, psychisch verheerende Wirkung in der Geschichte des Christentums auf unzählbare Menschen gar nicht übertrieben werden kann… Kann ein ethischer und religiöser Lehrer…, kann ein solcher Mann heute noch als Verkörperung des absolut Guten, der absoluten Liebe, als Gott verkündet werden?“ „Ewig dauernde Qualen“ sind für ihn neben der Kreuzeslehre der eigentlich „unheilbare Skandal“ des Neuen Testaments.
Die Kritik der säkularen Kultur ist also äußerst massiv. So massiv, dass führende Kirchenvertreter im Westen sich nicht mehr zur Hölle bekennen wollen. Im Jahr 2013 interviewte der deutsche „Spiegel“ (30/2013) die bekannteste evangelische Pastorin des Landes, die ehemalige Hannoversche Bischöfin und EKD-Ratsvorsitzende (2009–2010) Margot Käßmann: „Glauben Sie eigentlich noch an Himmel und Hölle?“ Sie glaube an die Auferstehung, aber „ob es eine ewige Verdammnis der Sünde und eine Hölle gibt, diese Frage überlasse ich lieber Gott.“ Die lutherische Theologin kritisiert diejenigen, die den „strafenden Donnergott“ zurückhaben wollen. „Es gibt die Hölle auf Erden…“ „Aber als Jenseitsort?“ fragt „Der Spiegel“ bohrend zurück. Antwort: „Ich glaube, dass der Mensch für seine Taten nach dem Tod Rechenschaft ablegen muss. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott Menschen Jahrhunderte in irgendeinem Feuer brennen lässt. Das sind für mich eher die Vorstellungen von Leuten, die ihren Feinden das Schlimmste wünschen.“ „Die Idee der ewigen Verdammnis hat auch etwas Tröstliches“, wenden die Journalisten ein. So würde schlimmen Verbrechern Gerechtigkeit widerfahren. Käßmann sieht hinter so einem Denken allerdings nur „Rachebilder“. Weiterlesen