Jesu Tod als stellvertretendes Sühnopfer

Wenn wir uns mit dem stellvertretenden Opfer Jesu beschäftigen, dann handelt es sich dabei um ein Thema, gegen das sich in den letzten 200 Jahren besonders großer Widerstand formiert hat.

Jesu Tod als Gottes Bestimmung

Während wir es gewohnt sind, davon zu sprechen, dass Gott Jesus von den Toten auferweckt hat (vgl. Apg 4,10; 5,30), macht es uns gewisse Schwierigkeiten, zu akzeptieren, dass die Kreuzigung ebenso ein von Gott bestimmtes Ereignis ist. Dabei spricht die Bibel durchaus davon, dass in der Kreuzigung Gott seinen Sohn in den Tod gegeben hat und Er sterben musste. Während wir auf der einen Seite daran festhalten, dass die Menschen durch ihre Sünde den unschuldigen Sohn ans Kreuz gebracht haben, halten wir Golgatha zugleich für ein Heilshandeln Gottes.

Einige sehr starke biblische Aussagen diesbezüglich finden wir bei Paulus: „Er [Gott], der seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ (Röm 8,32). „Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns herausreiße aus der gegenwärtigen bösen Welt nach dem Willen unseres Gottes und Vaters, dem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Gal 1,3).

Auch Petrus spricht davon, dass Jesus gemäß Gottes „unumstößlichem Ratschluss“ getötet werden musste (vgl. Apg 2,23).

Kurzum: Jesus starb, weil Gott es so geplant hat!

Immer wieder wird in den Evangelien betont, dass Jesus leiden musste: „Und er begann sie zu lehren: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten und den Hohen Priestern und den Schriftgelehrten verworfen und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen“ (Mk 8,31). Markus gebraucht hier für das „Muss“ seines Todes das griechische δε (dei), welches eine Notwendigkeit bezeichnet, dessen Zeitform für eine göttliche, unabwendbare Bestimmung steht.

Bei Lukas ist die Rede von der Notwendigkeit des Leidens und Sterbens Jesus ebenfalls zu finden. Bevor der Menschensohn wiederkommt, „muss er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht“ (Lk 17,25). Und „der Menschensohn muss in die Hände von sündigen Menschen ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen“ (Lk 24,7).

Im Johannesevangelium ist ähnlich von einem „Muss“ des Erhöhtwerdens des Menschensohnes die Rede. So sagt Johannes 3,13-15 beispielsweise: „Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Menschensohn. Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat.“

Dass diese Erhöhung Jesu die Kreuzigung mit einschließt, wird anhand von Johannes 12,32-33 deutlich: „Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt, jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich von der Erde weggenommen und erhöht bin, werde alle zu mir ziehen. Das aber sagte er, um anzudeuten, welchen Tod er sterben sollte.“

Dieses „Muss“ des Sterbens erschließt sich uns noch tiefer, wenn wir erkennen, dass hier an die alttestamentliche Prophezeiungen des leidenden Messias angeknüpft wird. Jesu Tod ist schriftgemäß, da er schon im Alten Testament ankündigt ist. Der Sohn des Menschen geht dahin, „wie von ihm geschrieben wird“ (Mt 26,24). Bei seiner Verhaftung begründet Jesus gegenüber den Jüngern die Gewaltlosigkeit mit der Aussage: „Doch wie würden dann die Schriften in Erfüllung gehen, nach denen es so geschehen muss?“ (Mt 26,54). Lukas berichtet in seinem Evangelium, das schon im Gesetz, bei den Propheten und in den Psalmen darüber geschrieben ist, dass der Menschensohn sterben muss. Weiter lesen wir in Lukas 24,44-48: „Alles muss erfüllt werden, was im Gesetz des Mose und bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht. Dann öffnete er [Jesus] ihren Sinn für das Verständnis der Schriften und sagte zu ihnen: So steht es geschrieben: Der Gesalbte wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen“(vgl. auch Lk 9,22-23).

Dasselbe betont der Auferstandene Jesus bei seiner Begegnung mit Jüngern von: „Wie unverständig seid ihr doch und trägen Herzens! Dass ihr nicht glaubt nach allem, was die Propheten gesagt haben! Musste der Gesalbte nicht solches erleiden und so in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften über ihn steht“ (Lk 24,25-27).

Als Paulus und Silas auf der zweiten Missionsreise in Thessalonich ankamen, predigte der Apostel auf der Grundlage alttestamentlicher Schriften und „er öffnete ihnen die Augen und legte ihnen dar, dass der Gesalbte leiden und von den Toten auferstehen musste, und er sagte: Dieser Jesus, den ich euch verkündige, ist der Gesalbte!“ (Apg 7,2-3).

Aber auf welche alttestamentlichen Ankündigungen berufen sich Jesus und seine Jünger hier? Die Zahl dieser Bibelstellen ist so umfangreich, dass ich nur einige nennen kann. Im Blick auf das Leiden es Menschensohnes am Kreuz ist Psalm 22 sehr bedeutsam; dort lesen wir in den Versen 2-3 als Ankündigung der Gottesferne bei der Kreuzigung (vgl. Mt 27,46; Mk 15,34): „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist fern meiner Rettung, den Worten meiner Klage? Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du antwortest nicht, bei Nacht, doch ich finde keine Ruhe.“

Doch bereits im Gesetz, also bei Mose, sind Hinweise auf den Tod des unschuldigen Menschensohnes zu finden. In Galater 3,13 teilt Paulus uns mit, dass Christus, obwohl unschuldig, den Tod eines Verbrechers am Holz starb. Hier erfüllt sich, wovon uns schon in 5. Mose 21,22-23 berichtet wird: „Und wenn jemand ein todeswürdiges Verbrechen begeht und er getötet wird und du ihn an einen Pfahl hängst, darf sein Leichnam nicht über Nacht am Pfahl hängen bleiben, sondern du musst ihn noch am selben Tag begraben. Denn ein Gehängter ist von Gott verflucht …“

Wir sind sicherlich alle mit dem bekannten Abschnitt in Jesaja 53 vertraut, wo wir die Weissagung über leidenden Gottesknecht lesen: „Durchbohrt aber wurde er unseres Vergehens wegen, unserer Verschuldungen wegen wurde er zerschlagen, auf ihm lag die Strafe, die unserem Frieden diente, und durch seine Wunden haben wir Heilung erfahren. Wie Schafe irrten wir alle umher, ein jeder von uns wandte sich seinem eigenen Weg zu, der HERR aber ließ ihn unser aller Schuld treffen. Er wurde bedrängt, und er ist gedemütigt worden, seinen Mund aber hat er nicht aufgetan wie ein Lamm, das zur Schlachtung gebracht wird, und wie ein Schaf vor seinen Scherern verstummt. Und seinen Mund hat er nicht aufgetan. Aus Drangsal und Gericht wurde er herausgenommen, doch sein Geschick – wen kümmert es? Denn aus dem Land der Lebenden wurde er herausgeschnitten, der Schuld meines Volks wegen hat es ihn getroffen. Und bei Frevlern gab man ihm sein Grab und bei Reichen, als er starb, obwohl er keine Gewalttat verübt hatte und kein Trug in seinem Mund war. Dem HERRN aber gefiel es, ihn mit Krankheit zu schlagen. Wenn du ihn zur Tilgung der Schuld einsetzt, wird er Nachkommen sehen, wird er lange leben, und die Sache des HERRN wird Erfolg haben durch ihn“ (Jes 53,5-9, vgl. Lk 22,37).

Jesu Tod ist also kein „Zufall, Missgeschick oder Betriebsunfall“, sondern eine in den Heiligen Schriften des Alten Testaments angekündigte Tat Gottes. Deshalb schreibt Paulus den Korinthern: „Denn ich habe euch vor allen Dingen weitergegeben, was auch ich empfangen habe: dass Christus gestorben ist für unsere Sünden gemäß den Schriften, …“ (1Kor 15,3).

Doch dass Jesus diesen beschwerlichen Weg aus eigenem Willen und nicht gezwungener Maßen tat, tritt ebenfalls in der Heiligen Schrift deutlich hervor. So sagt Er selbst vor den Ohren des Volkes: „Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, damit ich es wieder nehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir aus. Ich habe Vollmacht, es zu lassen, und habe Vollmacht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen“ (Joh 10,17-18); und an Petrus gewandt, offenbart Jesus während seiner Festnahme, dass Er seinen Vater nur darum bitten brauche, und dieser würde Ihm mehr als zwölf Legionen Engel zur Hilfe schicken (vgl. Mt 26,53). Doch Jesus verzichtete auf diesen Anspruch und beugte sich dem Willen seines Vaters, weil Er wusste, dass sein stellvertretendes Leiden und Sterben der einzige Weg sein würde, um Sünder von der Macht und dem Fluch der Sünde zu erlösen (vgl. Lk 22,42).

Jesu Tod als stellvertretende Sühne

Das Verständnis von Jesu Tod als stellvertretende Sühne war seit jeher in der Kirchengeschichte das allgemeine Verständnis der biblischen Texte. Allerdings erfährt dieses Verständnis seit der Aufklärung die lebhafteste Kritik. „Wenn irgendwo theologisch über die Bedeutung des Todes Jesu diskutiert und gestritten wird, geht es immer um den Gedanken der stellvertretenden Sühne, seine Berechtigung, Möglichkeit, Problematik oder Notwendigkeit“, so bezeugt der konservative Theologe Gerhard Barth.

Im Rahmen der Aufklärung wurde die jüdisch-christliche Sühnetheologie einer einschneidenden Kritik unterzogen und die Theologen waren bemüht, den biblischen Sühnegedanken abzuändern und an die Ansprüche der Aufklärung anzupassen. Seit dem ist man bemüht, eine Sühnetheologie zu formulieren, die ohne Genugtuung und Stellvertretung auskommt.

Besonders folgenschwer war hierbei das Urteil Immanuel Kants (1724-1804). Nach Kant konnte die persönliche Sündenschuld (im Gegensatz zu Geldschuld) nicht auf einen anderen Menschen übertragen werden. Umgekehrt ist auch die Zuschreibung einer fremden Gerechtigkeit für ihn unvernünftig. Kant misstraute der reformatorischen Sühnetheologie, da sie nicht zur moralischen Besserung der Welt beitrage. In seinem Buch „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ schreibt er:

„Es ist gar nicht einzusehen, wie ein vernünftiger Mensch, der sich strafschuldig weiß, im Ernst glauben könne, er habe nur nötig, die Botschaft von einer für ihn geleisteten Genugtuung zu glauben, und sie (wie die Juristen sagen) utilitär anzunehmen, um seine Schuld als getilgt anzusehen, und zwar dermaßen (mit der Wurzel sogar), dass auch fürs künftige ein guter Lebenswandel, um den er sich bisher nicht die mindeste Mühe gegeben hat, von diesem Glauben und der Akzeptation der angebotenen Wohltat, die unausbleibliche Folge sein werde.“

So finden wir heute auch in bekenntnisorientierten Kreisen oft ein Sühneverständnis, das ohne die stellvertretende Sühnung und die Anrechnung der Gerechtigkeit Jesu auf die Gläubigen auskommt. Gott tritt demnach als Subjekt der Versöhnung auf, nicht als Objekt. Gott braucht kein sühnendes Opfer, sondern Er schafft Sühne für den Menschen. Diese Sühnetheologie gilt inzwischen als allgemein anerkannt. Es geht darum zu betonen, dass Christus nicht gekommen sei, um Gott mit der Welt zu versöhnen oder damit Gott die Menschen lieben könne. Denn schließlich sei Gott ja die absolute und vorbehaltlose Liebe, und brauche kein Opfer, um versöhnt zu werden. Jesus ist nicht als Sühnopfer gestorben, sondern als Märtyrer seiner Überzeugungen, und um uns zu zeigen, wie sehr Gott uns liebt.

Ist es tatsächlich so, dass die traditionelle Sicht des Sühneopfers auf einer jahrhundertelangen Fehlinterpretation der biblischen Texte beruht? Oder spiegelt sie doch das wider, was die Heilige Schrift zur Sühne sagt.

Schauen wir uns zunächst einige wichtige Textstellen an:

Sühne und Sühnen

Wir finden den kultischen Begriff der Sühne (hilasmos) oder des Sühnens (hilaskomai) zum Beispiel in Hebräer 2,17: „Daher musste er in allem den Brüdern und Schwestern gleich werden, um ein barmherziger und treuer Hoher Priester vor Gott zu werden und so die Sünden des Volkes zu sühnen.“

Dass sich das „Sühnen“ auf Golgatha bezieht, zeigt eindeutig der vorangehende Vers 14, der davon spricht, dass Jesus durch den Tod den entmachtet hat, der „die Macht hat über den Tod, nämlich den Teufel“.

In 1. Johannes 2,2 steht: „Er [Jesus] ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere, sondern auch für die der ganzen Welt.“ Obwohl auch hier Golgatha nicht buchstäblich angesprochen ist, ergibt sich aus dem Zusammenhang eindeutig, dass die Aussage auf den Tod von Jesus Christus bezogen ist.

In 1. Johannes 4,9-10 wird die Sühne nochmals thematisiert: „Darin ist die Liebe Gottes unter uns erschienen, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Darin besteht die Liebe: Nicht dass wir Gott geliebt hätten, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühne für unsere Sünden.“

Der bedeutsamste Vers steht zweifellos bei Paulus im Römer 3,25: „Ihn hat Gott dazu bestellt, Sühne zu schaffen – die durch den Glauben wirksam wird – durch die Hingabe seines Lebens. Darin erweist er seine Gerechtigkeit, dass er auf diese Weise die früheren Verfehlungen vergibt, …“

Wer mit verschiedenen Bibeln arbeitet, wird feststellen, dass dieser Vers verschieden übersetzt wird. Die Elberfelder Bibel schreibt: „Ihn hat Gott dargestellt zu einem Sühneort“. Bei der Lutherbibel von 1984 heißt es: „Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne“. Die Schlachterbibel spricht davon, dass Gott ihn „zum Sühnopfer verordnet“ hat.

Der Begriff hilasterion kann die profane Bedeutung von „Sühne“ oder „Sühnemittel“ haben oder aber einen direkten Bezug zu den Opferritualen des Alten Testaments haben. Die Septuaginta, also die griechische Übersetzung des Alten Testaments, bezeichnet mit hilasterion den Sühnedeckel der Bundeslade. Denselben Begriff verwendet der Autor des Hebräerbriefs, wenn er in Hebräer 9,5 die Bundeslade im Allerheiligsten beschreibt. Martin Luther greift diesen Bezug des Opfers Jesu zum alttestamentlichen Sühneopfer auf, indem er hilasterion in Römer 3,25 mit „Gnadenthron“ übersetzt. Der Vorwurf, dass es sich hierbei um einen logischen Bruch handle – da Christus demnach gleichzeitig als Sühnedeckel und als Opfer, dessen Blut an den Deckel gesprengt wird, erscheint – erweist sich als unbegründet, sobald man erkennt, dass Paulus in Römer 3,25 von der Einsetzung eines neuen, den alten überragenden Sühneortes spricht. An die Stelle der Bundeslade, des Opfers und des bisherigen Sühneritus hat Gott Jesus treten lassen, der durch sein eigenes Blut eine ewige Erlösung erworben (vgl. Hebr 9,12).

Ausgangspunkt der Versöhnung ist, wie schon im Alten Testament, das Handeln Gottes. Gott ist derjenige, der als Subjekt auftritt und Sühne durch seinen Sohn schafft.

Die Formel „für uns“

Doch Jesu stellvertretender Tod wird nicht nur an den Stellen als Sühne für unsere Sünden gedeutet, wo der Begriff „sühnen“ verwendet wird, sondern auch überall dort, wo davon die Rede ist, dass Er „für uns“, „für euch“, „für mich“, für sein Volk“, „für die Schafe“, „für alle“, „für Gottlose“ oder auch „für unsere Sünden“ gestorben ist. Eine Konkordanz zeigt uns die riesige Vielfalt dieser Stellen.

Der hier verwendete griechische Begriff hyper hat einen weiten Bedeutungsumfang und kann deshalb mit „für“, „zugunsten von“ oder auch „anstelle von“ übersetzt werden. An einigen Stellen meint es aber deutlich „stellvertretend“. So heißt es in 2. Korinther 5,21: „Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns [d. h. an unserer Stelle] zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“

Hier wird deutlich, dass dort am Kreuz ein Rollenwechsel stattfand. Der Sündlose wird zum Träger der Sünde gemacht, damit die Ungerechten vor Gott so gerecht würden, dass sie vor Gott bestehen können. Diese Tatsache finden wir auch in Galater 3,13; Johannes 11,50-52; 18,14; 2. Korinther 5,14f und 1. Petrus 3,18 für Stellvertretung. Zwar muss es nicht immer und überall den Gedanken der Stellvertretung einschließen, sondern kann auch einfach bedeuten, dass etwas zugunsten von etwas oder jemandem geschieht. Doch wenn man darüber nachdenkt und in der Bibel forscht, inwiefern Jesu Tod zu unseren Gunsten geschehen ist, kommt man unweigerlich auf den Stellvertretungsgedanken.

Sühne durch das Blut Jesu

Außerdem wird die Vorstellung der Sühne durch Jesu Tod auch dort deutlich, wo von der heilsamen Wirkung seines Blutes gesprochen wird. Auch hier ist uns Römer 3,25 im Zusammenhang eine wichtige Stelle: „Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, dass er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.“

Etwas Ähnliches sagt der Apostel auch zwei Kapitel später, wenn er betont, dass wir durch Christi Blut gerecht geworden sind und deshalb vor dem Zorn Gottes bewahrt werden: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Um wie viel mehr werden wir nun durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind! Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wie viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind“ (Röm 5,8-10).

Der Epheserbrief spricht ebenfalls zweimal von dieser rettenden Wirkung des Blutes Jesu: „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit“ (Eph 1,7-8). Und auch wir Heiden, die wir einst fern von Gott und von seinen Verheißungen ausgeschlossen waren, sind jetzt „nahe geworden durch das Blut Christi“ (Eph 2,13).

Christi Opfer bringt Juden wie Heiden die Versöhnung mit Gott. Mehr noch: Da nun der Opferkult, der einst Juden und Heiden voneinander trennte, abgetan ist, erwächst durch das Kreuz auch Frieden zwischen Beschnittenen und Unbeschnittenen (vgl. Eph 2,11).

Der bekannte Theologe Wayne Grudem schreibt dazu:

„Das Blut Christi ist der deutliche äußere Beweis, dass sein Lebensblut vergossen wurde, als er den Opfertod starb, um für unsere Erlösung zu bezahlen ‚das Blut Christi‘ meint seinen Tod in seinen errettenden Aspekten. Obwohl wir denken mögen, dass das Blut Christi (als Beweis dafür, dass sein Leben gegeben worden war) sich ausschließlich auf die Beseitigung unserer rechtlichen Schuld vor Gott bezöge – denn darauf bezieht es sich in erster Linie –, schreiben die Verfasser des Neuen Testaments ihm auch mehrere andere Wirkungen zu. Durch das Blut Christi werden unsere Gewissen gereinigt (Hebr 9,14), erlangen wir freimütigen Zugang zu Gott in Anbetung und Gebet (Hebr 10,19), werden wir fortschreitend von der in uns bleibenden Sünde gereinigt (1 Joh 1,7; Offb 1,5b), vermögen wir den Verkläger der Brüder zu überwinden (Offb 12,10-11) und werden wir von einem sündigen Lebenswandel erlöst (1 Petr 1,18).“ (Wayne Grudem, Biblische Dogmatik)

Es ist eben nicht ein tieferes Textverständnis, das den modernen Theologen dazu bringt, die bisherige Vorstellung der Sühnetheologie abzulehnen; es sind vielmehr Vorurteile, der die klaren Texte nicht stehenlassen kann und sie zum Schweigen bringen will. Paulus hat das Herz des Evangeliums darin gesehen, dass die Gottlosen allein durch die Gnade Gottes aus dem Glauben an Jesus Christus gerettet und gerechtfertigt werden (vgl. Eph 2,8-9). Die einzige Möglichkeit, um als Sünder vor Gott als gerecht zu stehen, hat Gott selbst geschaffen, indem Er seinen Sohn dem Tod preisgegeben und Ihn von den Toten auferweckt hat (vgl. Röm 3,21-26; 4,25; 8,31-39 usw.). Petrus bezeichnet Jesus im Hinblick auf die alttestamentliche Tradition vom Brand- oder Ganzopfer als das „Lamm ohne Fehl und Makel“, dessen Blut uns erlöst, also Sühne erwirkt (vgl. 1 Petr 1,19). Dieses Bild steht auch hinter dem Bekenntnis von Johannes dem Täufer: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1,29; vgl. Jes 53,7.12).

Die unselige Behauptung, die heutzutage häufig aufgestellt wird, dass die Vorstellung vom Sühneopfer Jesu nur eine unter vielen sei und „keineswegs besonders wichtig“, verdient unseren Unmut und Widerspruch. Das Kreuz Jesu, an dem Er stellvertretend für uns starb, ist die Mitte, das Hauptanliegen und die seligmachende Hoffnung des Evangeliums. Die Entstellung der Sühnetheologie, wie sie uns in der modernen Theologie begegnet, erschüttert die Grundfesten des Glaubens und ist schlichtweg eine Preisgabe der Rechtfertigung, durch die Gemeinde Jesu steht und fällt. Wir haben daher das weiterzugeben, was wir empfangen haben, nämlich dass „Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift“ (1 Kor 15,3). Alles andere ist, wie Paulus warnend hervorhebt, eine Verdrehung des Evangeliums (vgl. Gal 1,6-8). Und Martin Luther bezeichnete es als „der ganzen Christenheit, aller Propheten und Apostel Predigt“. Die Botschaft von dem stellvertretenden Sühneopfer am Kreuz kann nicht oft genug wiederholt, nicht deutlich genug verteidigt und schlechterdings niemals in seiner Bedeutung überschätzt werden.
https://www.evangelium21.net/ressourcen/jesu-tod-als-stellvertretendes-suehnopfer


Der Artikel erschien ursprünglich in: Herold, 59. Jg., Nr. 8 (704), August 2015, S. 4-8.

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Hungersnot

Mitte des 19. Jahrhunderts starben in Irland eine Million Menschen an Hunger. Danach gab es abgesehen von Kriegszeiten in Europa westlich von Russland keine Hungerkatastrophen mehr. Bedürftige gibt es seitdem immer noch, auch in christlichen Gemeinden. Seit der Zeit der ersten Christen ist es Aufgabe der Diakone, sich um die leibliche Not der Menschen in der Kirche zu kümmern. Weiterlesen

Gott segne dich!? – Was wir eigentlich meinen (sollten), wenn wir vom Segen sprechen.

Wer kennt es nicht? Man erzählt einem guten christlichen Freund oder einer guten christlichen Freundin von den Problemen, mit denen man gerade zu kämpfen hat, und erhält im Gegenzug ein gutes und heilsames Gespräch sowie ein ernst gemeintes „Gott segne dich!“. Als Christen benutzen wir diese Segensformel ja recht häufig. Pastoren erbeten Gottes Segen für die Gemeinde am Ende des Gottesdienstes, Christen beenden Briefe mit einer ermutigenden Segensformel und christliche Buchläden scheinen vor allen möglichen Formen der Segenswünsche schier überzulaufen. Während der Trend bis vor kurzem irische Segenssprüche auf Postkarten mit satten Grüntönen favorisierte, sind verschiedene jüdische Segen aus Israel nun ganz stark im Kommen. Alles in allem ist der Segen daher offensichtlich beliebt. Weiterlesen

Gibt es kleine und große Sünden?

Bild: Ligonier

Historisch gesprochen, haben sowohl die römisch-katholische Kirche als auch der Protestantismus gelehrt, dass es große und kleine Sünden gibt (oder Grade). Die römisch-katholische Kirche macht einen Unterschied zwischen einer Todsünde und einer lässlichen Sünde. Der Punkt dieser Unterscheidung ist, dass manche Sünden so gravierend, schlimm und ernst sind, dass die Begehung einer dieser Sünden tödlich ist im Sinne, dass es die Gnade der Rechtfertigung tötet, die in der Seele des Gläubigen ruht. Nach ihrer Theologie ist nicht jede Sünde in dem Maße zerstörerisch. Es gibt wirkliche Sünden, die lässliche Sünden sind. Diese sind weniger ernste Sünden in Bezug auf ihre Konsequenzen und sie haben nicht die rechtfertigungstötende Wirkung der Todsünden.
Viele evangelikale Christen haben die Vorstellung von Sündengraden verworfen, weil sie wissen, dass die protestantische Reformation die römisch-katholische Unterscheidung zwischen tödlichen und lässlichen Sünden ablehnte. Als Folge davon sind sie zu dem voreiligen Schluss gekommen, dass es im Protestantismus keine Unterschiede zwischen Sünden gibt.
Wir sollten zu den Ansichten der Reformatoren selbst zurückkehren. Johannes Calvin war ein ausgesprochener Kritiker der römisch-katholischen Kirche und ihrer Unterscheidung zwischen tödlichen und lässlichen Sünden. Calvin sagte, dass jede Sünde tödlich ist im Sinne, dass sie den Tod verdient. Der Jakobusbrief erinnert uns: „Denn wer das ganze Gesetz hält, sich aber in einem verfehlt, der ist in allem schuldig geworden“ (Jak 2,10). Selbst die kleinste Sünde ist ein Akt kosmischen Hochverrats. Wir fühlen oft nicht den Ernst unserer Taten in diesem Ausmaß, aber es ist wahr.
Wenn ich sündige, wähle ich meinen Willen über den Willen des allmächtigen Gottes. Per Implikation sage ich dadurch, dass ich intelligenter, weiser, gerechter und mächtiger bin als Gott selbst. Calvin sagte, dass jede Sünde tödlich ist im Sinne, dass Gott jeden von uns gerechterweise zerstören könnte für die kleinste Sünde, die wir begangen haben. Die Strafe der Sünde wurde am Tag der Erschaffung des Menschen bekanntgegeben: „Aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben!“ (1Mo 2,17). Aber Gott behandelt uns nicht immer entsprechend der Gerechtigkeit. Er behandelt uns entsprechend der Gnade, erlaubt uns zu leben und bewirkt unsere Erlösung. Calvin sagte, dass jede Sünde tödlich ist, weil wir dadurch den Tod verdienen, aber keine Sünde ist tödlich im Sinne, dass sie unsere rettende Gnade vernichten kann. Wir müssen Buße tun, ja, aber die rechtfertigende Gnade, die der Heilige Geist uns bringt, wird durch unsere Sünde nicht vernichtet. Calvin und jeder der Reformatoren verfocht leidenschaftlich, dass es einen Unterschied gibt zwischen kleineren Sünden und dem, was sie ernsthafte oder gräuliche Sünden nannten.
Dieser Unterschied ist für uns Christen wichtig zu verstehen, damit wir lernen können, liebevoll miteinander umzugehen. Die Sünde der Kleinlichkeit, bei der Menschen sich an kleinen Übertretungen in der Gemeinde stören, kann den Leib Christi auseinanderreißen. Großer Schaden kommt, wenn er durch das Feuer von Tratsch und übler Nachrede angefacht wird. Wir sind zu Geduld und Toleranz berufen gegenüber dem ringenden Scheitern anderer Christen. Das heißt nicht, dass wir berufen sind, nachlässig mit Sünde umzugehen, denn im Neuen Testament werden bestimmte Sünden aufgeführt, die ernst sind und in einer Gemeinde nicht erlaubt werden dürfen. Ehebruch ist ernst. Inzucht erzwingt Gemeindezucht. Trunkenheit, Mord und Unzucht werden wiederholt erwähnt. Diese Sünden sind so zerstörerisch, dass sie Gemeindezucht erfordern, wenn sie sich manifestieren.
Es ist klar, dass es verschiedene Grade von Sünde gibt, wenn wir die Warnungen der Schrift bedenken. Es gibt mindestens 22 Stellen im Neuen Testament, die von Graden des Lohns sprechen, die den Heiligen im Himmel gegeben werden. Es gibt unterschiedliche Stufen, Belohnungen und Rollen im Himmel. Die Bibel warnt uns davor, uns eine schärfere Strafe zuzuziehen. Jesus sagte zu Pontius Pilatus: „Der, welcher mich dir ausliefert, hat größere Schuld“ (Joh 19,11). Jesus misst und bewertet Schuld, und mit größerer Schuld und größerer Verantwortung kommt auch ein größeres Urteil. Es ist ein Thema, welches sich durch das ganze Neue Testament zieht.
Die Vorstellung von Abstufungen bei der Sünde und der Belohnung ist gegründet auf Gottes Gerechtigkeit. Wenn ich zweimal so viele Sünden begehe wie eine andere Person, verlangt es die Gerechtigkeit, dass die Strafe dem Verbrechen entspricht. Wenn ich zweimal so tugendhaft gewesen bin wie eine andere Person, verlangt es die Gerechtigkeit, dass ich eine größere Belohnung bekomme. Gott sagt uns, dass der Zutritt zum Himmel nur auf Grundlage des Verdienstes Christi geschieht, aber, wenn wir im Himmel sind, werden wir Belohnungen entsprechend unserer Werke erhalten. Die, die reich an guten Werken waren, werden eine reiche Belohnung erhalten. Die, die pflichtvergessen und nachlässig in ihren Werken waren, werden eine kleine Belohnung im Himmel erhalten. Auf gleiche Weise werden die gemeinsten Feinde Gottes eine strenge Qual in der Hölle erleiden. Die, die weniger feindselig waren, werden eine geringere Strafe von der Hand Gottes empfangen. Er ist vollkommen gerecht und wenn er richtet, wird er alle mildernden Umstände in Betracht ziehen. Jesus sagte: „Ich sage euch aber, dass die Menschen am Tag des Gerichts Rechenschaft geben müssen von jedem unnützen Wort, das sie geredet haben“ (Mt 12,36).
Wieso ist es wichtig für uns, diesen Punkt zu betonen? Ich habe schon oft mit Männern gesprochen, die mit Lust zu kämpfen hatten und sich selbst oder mir sagten: „Ich kann doch gleich Ehebruch begehen, weil ich mich schon der Lust schuldig gemacht habe. Ich kann vor Gott nicht schlechter dastehen, also kann ich die Tat auch zu Ende bringen.“ Ich antworte darauf immer: „Du kannst sehr wohl schlechter dastehen.“ Das Gericht über tatsächlichen Ehebruch wird viel schwerer sein als über Lust. Gott wird mit uns auf diese Weise umgehen und es ist sehr töricht für eine Person, die ein geringfügiges Verbrechen begangen hat, zu sagen: „Ich bin ja schon schuldig; also kann ich genauso gut auch ein Schwerverbrechen begehen.“ Gott bewahre, dass wir so denken. Wenn wir es doch tun, werden wir das gerechte Gericht Gottes erfahren. Wir müssen das im Sinn behalten, wenn wir ein christliches Gewissen und einen christlichen Charakter entwickeln wollen.
Dieser Artikel von R.C. Sproul erschien zuerst bei Ligonier Ministries. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
https://www.evangelium21.net/ressourcen/gibt-es-kleine-und-grosse-suenden

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„Die Heilige Schrift nicht zu kennen heißt, Christus nicht zu kennen.“

Viele versuchen heute Jesus gegen die Bibel auszuspielen. Sie wollen nur den vorgeblich toleranten und ausschließlich liebenden Jesus. Die Bibel scheint ihnen häufig zu hart und viel zu fordernd. Jesu Reden meint man vor allem in der eigenen Gefühlswelt zu hören.
Solche Entwicklungen gab es auch in der Kirchengeschichte immer wieder. Menschen waren überzeugt, Jesus in den Beschlüssen der Kirche, in Äußerungen von Propheten, in eigenen Erfahrungen oder sogar in fremden Religionen zu finden. Manche Christen kommen deshalb heute zu dem Schluss, dass alle, die bekennen „Jesus zu lieben“ als Brüder und Schwestern anzusehen sind; auch wenn ihre Vorstellung von Jesus vor allem durch Esoterik, kirchliche Lehrentwicklungen oder subjektive Erwartungen bestimmt sind.
Vor diesem Hintergrund ist die Aussage des Kirchenvaters Hieronymus bis heute aktuell und herausfordernd: „Die Heilige Schrift nicht zu kennen heißt, Christus nicht zu kennen.“ Wer Jesus näher kennenlernen und ihm folgen will, kommt an der Bibel nicht vorbei. Umgekehrt gilt, wer über Jesus redet ohne seine Aussagen aus der Bibel zu begründen, spekuliert und verweist häufig nur auf eine private religiöse Projektion und nicht auf den wahren Sohn Gottes.
Die Bibel ist nicht nur eine Darstellung von geschichtlichen Ereignissen, ein Grundbuch christlicher Lehre oder eine beständige moralische Ermahnung. Vor allem ist die Bibel ein Gesprächsangebot Gottes und eine einmalige Möglichkeit, Jesus Christus authentisch und umfassend zu begegnen. Wer betend und offen in der Bibel liest, der wird die Worte Jesu verstehen und gewinnbringend im eigenen Leben anwenden können. Michael Kotsch FB

Wer hat Angst vor dem Mann, der von Osten her kommt? Jes 41,1-20 für Angstgeplagte

Dies ist der dritte Teil einer Reihe von Reflexionen darüber, wie man Gottes Wort in Jesaja 40-55 seinen eigenen Ängsten entgegenstellen kann. Eine kurze Einleitung zu dieser Serie gibt es hier. Es wäre von großem Nutzen, den genannten Abschnitt aus Jesaja zuvor zu lesen.
Unsere schlimmsten Ängste lehren uns häufig, dass wir uns selbst zu ernst nehmen. Gleichzeitig zeigen sie uns, dass wir unsere Leiden um jeden Preis verhindern wollen. Dinge, vor denen wir Angst haben, sind oft auch Dinge, die wir unter keinen Umständen durchleben möchten.
Eventuell ist die hohe Rate der Angstgeplagten in unseren westlichen Gesellschaften ja gerade damit verbunden, dass wir es verlernt haben, den Objekten unserer Angst entgegenzutreten und ihnen vielleicht sogar etwas abzugewinnen. Die moderne Medizin hat unser Leben beschwerdefreier gemacht, die Fortschritte der Technik haben unser Leben vereinfacht und die kulturellen Einflüsse der letzten vier Jahrzehnte haben das „ich“ ins Zentrum unseres Weltbildes gerückt.
Die tragischste Entwicklung unserer Zeit ist aber die Verdrängung Gottes aus unseren modernen Glaubenssystemen. Diese Säkularisierung hat im Zusammenhang mit der Zentralität des „ichs“ im zeitgenössischen Weltbild fatale Folgen für unsere mentale Gesundheit. Wenn Gott durch das „ich“ als Zentrum und Grundlage unserer Wahrheit, Ethik, und Identität ersetzt wird, dann wird jede Gefährdung der eigenen Hoffnungen und Wünsche natürlich unendlich viel dramatischer. Angst kann auf solchem Nährboden wunderbar gedeihen.
In Jes 41,1-20 wird uns von einem Mann berichtet, der von Osten kommt und auf seinem Weg nach Westen ganze Völker gefangen nimmt. In der Zeit, die der Prophet Jesaja hier in seiner Prophezeiung anspricht, regierte das babylonische Großreich über große Teile der bekannten Welt. Die Babylonier deportierten ganze Völker und taten schreckliche Dinge an Israel, dem Volk Gottes. Sie zerstörten den Tempel in Jerusalem und führten einen großen Teil des Volkes ins Exil nach Mesopotamien. Gott beschloss aber, dieses Regime zu brechen und sein eigenes Volk in das Land Israel zurück zu bringen. Zu diesem Zweck ließ er die Perser erstarken, ein Volk aus dem Osten, welches unter seinem Führer Kyros das gesamte babylonische Reich eroberte. Der Mann aus dem Osten, von welchem in Jes 41,2 die Rede ist, ist genau dieser Kyros.
Im gesamten Abschnitt Jes 41,1-20 wird uns nun aufgezeigt, wie die Menschen des alten Orients auf die drohende Zukunft reagieren. Was tuen sie in ihrer Furcht vor Kyros? Wie versuchen die Völker dieses Gebiets ihre eigene Zukunft zu erhalten? Wer hat hier Angst vor dem Mann, der von Osten her kommt?
Im Grunde werden uns hier zwei mögliche Reaktionen auf die herannahende Gefahr aufgezeigt:
Im Angesicht des Perserkönigs, der unaufhaltsam den kompletten alten Orient eroberte, begannen die Völker in ihrer Angst damit, sich gegenseitig zu helfen (41,5). Sie unterstützen sich darin, Götzen zu bauen, die ihre Zukunft absichern sollten. Sie wollten ihre eigenen kleinen Götter haben, die ihnen gegen Gottes Handeln helfen sollten. In ihrer Angst meinten sie, dass sie Gottes Gesandten bekämpfen könnten.
Israel hingegen wurde dazu aufgefordert gerade keine Angst zu haben. Sie sollten Gott vertrauen, dass Kyros nicht zu ihrer Zerstörung, sondern zu ihrer Erlösung kommt. Ganz konkret werden uns drei Gründe genannt, warum das Volk Gottes sich nicht fürchten braucht: a) Sie sind von Gott geliebt und erwählt (41,8-10); b) Das, was ihnen Angst macht, ist nicht zu ihrer Zerstörung, sondern zur Zerstörung ihrer Feinde (41,11-13); und c) Gott wird Israel befähigen im Sturm der Dinge siegreich hervorzugehen (41,14-16).
Beide Gruppen hatten sehr wohl Angst. Gott musste Israel durch den Propheten explizit dazu auffordern, sich nicht zu fürchten. Der große Unterschied bestand aber darin, wie die zukünftige Gefahr interpretiert werden sollte. Während die Völker in ihrer Angst nur damit beschäftigt waren, etwas gegen Gottes Handeln in dieser Welt zu unternehmen, sollte Israel die herannahende Gefahr schlicht aus einer anderen Perspektive betrachten.
Viel zu häufig verhalten wir uns aber wie die Völker. Wir sehen unsere Hoffnungen und Wünsche als gefährdet und bekommen Angst. Wir verfallen in einen Modus, in dem wir uns ständig fragen: „was wäre, wenn?“. Stattdessen sollten wir uns vor Augen halten, was Gott über sein Volk ausspricht. Diejenigen, die an Jesus glauben sind Erwählte und werden niemals verloren gehen. Gleichzeitig zeigt uns die Schrift, dass Gott ihre Leiden benutzt, um sie im Glauben zu festigen und ihnen noch mehr Freude zu bereiten (Hebr. 12,7-11).
Wenn das „ich“ zum Zentrum der Wahrheit und Freude wird, dann wird es außerordentlich schwer, sich im Angesicht des Leidens nicht zu fürchten. Ich denke, die meisten Menschen wissen das und suchen daher häufig nach einem „Sinn“ für die eigenen Probleme. Wenn junge Menschen ganz tragisch an einer bestimmten Krankheit sterben müssen, werden oft Stiftungen gegründet, die sich der Erforschung oder der Bekanntheit einer solchen Krankheit widmen. Im Angesicht der Objekte unserer Angst wird uns Menschen häufig erst bewusst, dass das „ich“ nicht im Zentrum unseres Weltbildes stehen kann.
In der eigenen Angst dann auf Gott blicken zu können, dessen Verheißungen auch unsere schlimmsten Befürchtungen nicht zerstören können, ist ein wahrer Segen. Dieses Leben ist nämlich nicht „sicher“. Das Leiden kann genau so wenig umgangen werden wie der Tod. Gott nimmt uns aber unsere Angst vor Leid und Tod, indem er ihnen den Schrecken raubt. Aber noch viel wichtiger: Gott rückt in das Zentrum unseres Weltbildes. Dadurch sind wir nicht mehr selbst der Maßstab für Wahrheit, Freude und Identität. Auch wenn wir uns selbst in Gefahr wägen, wird Gott seine Liebe für uns niemals fallenlassen. Auch wenn wir meinen, dass unser Leid sinnlos und zerstörerisch sei, hat Gott seinen Weg damit.
Vor dem Mann aus dem Osten muss man eigentlich nur Angst haben, wenn man nicht erkennt, dass Gott am Werk ist und es gut mit seinem Volk meint.
Wer hat Angst vor dem Mann, der von Osten her kommt? Jes 41,1-20 für Angstgeplagte

Vergängliches Gras: Jesaja 40:1-11 für Angstgeplagte

Dies ist der erste Teil einer Reihe von Reflexionen darüber, wie man Gottes Wort in Jesaja 40-55 seinen eigenen Ängsten entgegenstellen kann. Eine kurze Einleitung zu dieser Seite gibt es hier. Es wäre von großem Nutzen, den genannten Abschnitt aus Jesaja zuvor zu lesen.
Jesaja 40,1-11 ist die Einleitung zu den Kapiteln 40-55. Im Prinzip wird hier schon alles vorgeziechnet, um was es in den 15 folgenden Kapiteln gehen soll: Trost, Vergebung, die Unvergleichlichkeit Gottes, die Vergänglichkeit der Menschen und die Güte Gottes zu seinem Volk.
Gerade Jesaja 40,1 („Tröstet, tröstet mein Volk!“) wird in Zeiten der Trauer häufig zitiert. Doch was steckt dahinter? Worin besteht der Trost, den die Freudenboten (40,9) dem Volk hier bringen sollen?
Eine Antwort auf diese Fragen wird uns in Jes 40:1-11 mit bildreichen Metaphern gegeben. Ein Gott, dem selbst die geographischen Beschaffenheiten der Erde weichen müssen, kommt zu seinen Menschen, die durch seinen bloßen Atem vergehen könnten. Gott wird hier in seiner Herrlichkeit als stark und mächtig präsentiert. Vor ihm müssen die Berge und die Täler eben werden. Gottes Wort ist so mächtig, dass es in Ewigkeit bestehen bleibt und er ist so groß, dass die ganze Welt ihn sehen wird. Die Menschen sind dagegen nur Gras. Wer auf seinem Weg ganze Berge platt macht, der wird es ja eigentlich kaum bemerken, wenn er Graß zertritt, oder?
Doch genau hier wird der Trost greifbar. Anstatt die Menschen in ihrer Vergänglichkeit zu zerschmettern, nimmt er sich ihrer an. Die Wuchtigkeit und Gewalt Gottes, die in den ersten Metaphern beschrieben wird, weicht der Zärtlichkeit eines Hirten, der seine Lämmer hütet und bewahrt.
Wie kann das geschehen? Wie wird aus dem Gott, der wie ein Krieger zur Schlacht auszieht, ein Hirte für seine Schafe?
Die Verse 9 und 10 geben Aufschluss: „Zion, du Freudenbotin, steig auf einen hohen Berg; Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht; erhebe sie und fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott; Siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her.
Gott gewann sich etwas, er erwarb sich ein Volk, das vor ihm bestehen kann. Daher ist in V.11 auch von „seiner Herde“ die Rede. Das Volk Gottes ist zwar noch immer „Gras“, aber im Gegensatz zu allen anderen Völkern ist es von Gott gepflegt und beschützt. In den späteren Kapiteln wird deutlich, dass Gottes „Erwerben“ im Leiden des Gottesknechtes, Jesus Christus, selbst besteht. Gottes Volk wird uns in diesem Abschnitt deshalb als das Volk vorgestellt, dem die Schuld vergeben wurde (40,1-2) und für das Gott selbst wie ein Krieger auszieht.
Der ganze Abschnitt zeigt uns zwei grundlegende Wahrheiten auf:
1) Gott ist mächtig, ewig und herrlich, aber wir Menschen sind schwach, vergänglich und unbedeutend.
2) Trotz dieser Unterschiede zieht Gott aus, um uns zu treffen und uns in unserer Schwachheit mit Fürsorge zu begegnen.
Schwäche, Vergänglichkeit und Unbedeutsamkeit stehen dem, was wir uns wünschen aber oft diametral gegenüber. Wir wollen selbst stark, unvergänglich oder wichtig sein. Daher fürchten wir uns oft vor Krankheit, Tod oder Ablehnung.
Die Bibel ist hier sehr ehrlich mit uns und hält uns einen Spiegel dessen vor, was wir wirklich sind. Wir können nicht auf unsere eigene Stärke vertrauen, denn wir sind wie Gras, das verdorrt. Deshalb werden wir hier dazu aufgefordert, auf die Stärke und Handlung Gottes zu blicken.
Unsere Ängste offenbaren, auf was wir hoffen. Wenn wir auf Gott hoffen, dann brauchen wir keine Angst zu haben, denn sein Wort währt ewiglich. Berge und Täler müssen vor der Liebe Gottes zu seinem Volk weichen.  https://gesellschaftsfaehigblog.wordpress.com/

„Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.“ Jes 40:28

Vor kurzem wurde ich mit einer Angststörung diagnostiziert, die mir aber schon seit Monaten außerordentliche Schwierigkeiten bereitet hat. Während ich mich meinen Sorgen zu Beginn dieser Zeit fast widerstandslos ergeben hatte, ist es mir gerade in den letzten Wochen wichtig geworden, dieser Angst biblische Wahrheiten entgegenzustellen.
In den letzten Tagen habe ich dann damit begonnen, meinen Ängsten die Worte Gottes aus Jesaja 40-55 vorzuhalten. Meine Reflexionen darüber, wie Gottes Wort in Jes 40-55 zu Angstgeplagten sprechen kann, würde ich daher gerne auf meinem Blog teilen.
Man darf beim lesen jedoch nicht denken, dass ich hier als Lehrer von oben herab sprechen würde. Ich wünschte, ich hätte selbst schon alle Antworten parat. Das Gegenteil ist jedoch leider der Fall. Ich befinde mich selbst noch mitten im Kampf mit meinen Ängsten (ein Kampf mit vielen Rückschlägen) und versuche lediglich, die Trostworte zu dokumentieren, die ich in der Bibel gefunden habe. Gleichzeitig ist es meine Überzeugung, dass Gottes Wort mächtig und unfehlbar ist und daher auch durch ein solch zerbrechliches Gefäß wie mich sprechen kann.
Während ich in den nächsten Tagen und Wochen verschiedene Reflexionen darüber, wie Gottes Wort uns in unsere Angst helfen kann aus Jes 40-55 posten will, soll dieser Beitrag als Einleitung zur ganzen Reihe verstanden werden. Es ist mir wichtig, hier eine entscheidende Vorbemerkung zu machen.
Wenn wir die Aussagen der Bibel über Angst auf die Stellen reduzieren, die uns dazu auffordern, keine Furcht zu haben (z.B. Jes 41,10), dann greifen wir meiner Einschätzung nach zu kurz. In seinem Buch „Running Scared“ schreibt der Seelsorger Edward Welch dazu folgende hilfreiche Worte (Welch 2007, 47-48; Übersetzung durch mich):
„Es gibt Zeiten, in denen uns die Angst sagt, dass etwas schlicht zu gefährlich ist und wir uns davor fürchten sollten. In meinem Hören auf meine Ängste bestand das Ziel aber darin, zu entschlüsseln, was sie noch so alles sagen….Ich war überrascht zu erkennen, dass es eine Verbindung zwischen meinen Ängsten und meinen Wünschen, Verlangen, Bedürfnissen und Vorlieben gibt. Wenn ich nun diese Ansammlung von Vorgängen in mir selbst erkenne, dann kann ich dadurch eine größere Hoffnung haben. Ginge es bei der Angst nur um eine gefährliche Welt, dann gäbe es fast nichts, was ich tun könnte. Geht es aber um mich, dann gibt es vielleicht einen Weg heraus.“
Welch schließt diesen Absatz mit folgender Aufforderung:
„Erinnere dich an deine Ängste und frage dich: was sagen meine Ängste darüber aus, auf wen oder was ich mein Vertrauen setze? Was sagen meine Ängste darüber aus, wen oder was ich liebe?“
Ich denke, Welchs Beobachtungen sind hilfreich und akkurat. Unsere Angst ist nicht bloß eine seelische Belastung, die lediglich auf unsere Umstände zurückzuführen ist. Es ist nicht so, dass wir ausschließlich deshalb Angst haben, weil unsere Umwelt oder Lebenssituationen furchteinflößend sind. Unser Verlangen, unsere Wünsche, unsere Bedürfnisse und unsere Vorlieben spielen eine weitere wichtige Rolle im Aufkommen unserer Ängste. Gerade an dieser Stelle ist Welchs Analyse messerscharf: Unsere Ängste sprechen zu uns. Sie teilen uns mit, was uns am liebsten ist. Sie erklären uns, was wir lieben und worauf wir unser Vertrauen setzen.
Während diese Einsicht auf den ersten Blick furchteinflößend wirken kann, sollte sie als gute Nachricht begriffen werden. Wäre unsere Angst ausschließlich von unseren Umständen und Lebenssituationen abhängig, dann gäbe es kaum etwas, was wir gegen sie tun könnten. Es gibt in diesem Leben nämlich keine absolute Sicherheiten. Dadurch, dass unsere Ängste aber mit uns und unseren tiefsten Bedürfnissen zu tun haben, können wir etwas ändern.
Im Hören auf Jes 40-55 kann es deshalb nicht bloß darum gehen, dass wir Stellen suchen, die direkt über Ängste sprechen. Wir müssen auch darauf hören, was uns Gott über unsere Wünsche, Vorlieben und Hoffnungen mitteilt.
Worauf vertrauen wir? Was lieben wir? Worauf sollten wir vertrauen und was sollten wir lieben, damit wir unseren Ängsten entkommen können? Das sollen die leitenden Fragen beim Lesen von Jes 40-55 werden.
An unseren Umständen können wir häufig nichts ändern. Die gefallene Welt bricht manchmal einfach auf uns hernieder. Im Hören auf sein Wort kann Gott uns allerdings durch seinen Geist verändern. Darum soll es gehen.
Literaturangabe:
Welch, Edward T., Running Scared: Fear, Worry and the God of Rest. Greensboro: New Growth Press, 2007. https://gesellschaftsfaehigblog.wordpress.com/

 

Dispensationalismus und Bundestheologie im Vergleich

Sergej Pauli hat auf biblipedia.de, ausgehend von einer Vorlesung von Ligon Duncan, tabellenartig Dispensationalismus und Bundestheologie gegenübergestellt. Hanniel Strebel hat die Gegenüberstellung gekürzt und leicht überarbeitet. http://hanniel.ch/2018/09/20/input-dispensationalismus-und-bundestheologie-im-vergleich/

DISPENSATIONALISMUS BUNDESTHEOLOGIE
Hohe Betonung auf „wörtlicher“ Interpretation der Bibel Akzeptiert sowohl die wörtliche wie die bildliche Auslegung der Bibel
Akzeptiert normalerweise nicht die Idee der „Analogie des Glaubens“ Akzeptiert so gut wie immer  die Idee der „Analogie des Glaubens“
„Israel“ meint immer nur die tatsächlichen, physischen Nachkommen Jakobs „Israel“ kann entweder die wörtlichen, physischen Nachkommen Jakobs oder das bildliche geistliche Israel meinen, je nach Kontext
„Israel Gottes“ in Gal 6,16 meint nur das physische Israel „Israel Gottes“ in Gal. 6,16 meint das geistliche Israel, so wie auch Gal. 3,29; Rom 2,28-29; 9,6; Phil. 3,3
Gott hat zwei Völker mit zwei unterschiedlichen Zielen: Israel (irdisch) und die Gemeinde (himmlisch) Gott hatte immer nur ein Volk; die Gemeinde entwickelte sich schrittweise
Die Gemeinde entstand zu Pfingsten Die Gemeinde begann im AT (Apg. 7,38) und erreichte ihre Erfüllung im NT
Die Gemeinde wurde nicht im AT vorhergesehen, sondern war ein verstecktes Mysterium bis zum NT Es gibt viele Prophezeiungen des AT über die neutestamentliche Gemeinde
Alle Prophezeiungen des AT für „Israel“ sind für das physische Israel, nicht für die Gemeinde Einige Prophezeiungen des AT sind für das physische Israel, andere für das geistliche Israel
Gottes Hauptanliegen in der Geschichte ist das physische Israel Gottes Hauptanliegen in der Geschichte ist zunächst Christus und dann auch die Gemeinde
Die Gemeinde ist ein Einschub in Gottes Programm für alle Zeitalter Die Gemeinde ist der Höhepunkt des Anliegen Gottes für alle Zeitalter
Der Haupterbe des Bundes mit Abraham war Isaak und das physische Israel Der Haupterbe des Bundes mit Abraham war Jesus und das geistliche Israel
Es gab keinen ewigen Bund der Erlösung in der Dreieinigkeit Der ewige Bund der Erlösung war in der Dreieinigkeit um Erwählung zu bewirken
Es gab keinen Bund der Werke mit Adam im Garten Eden Gott schloss einen bedingten Bund der Werke mit Adam als einem Stellvertreter aller seiner Nachkommen
Es gab  bezüglich Adam keinen Bund der Gnade Gott machte einen Bund der Gnade mit Christus und seinen Leuten, einschließlich Adam
Israel handelte übereilig, als es den Bund am Berge Sinai annahm Israel handelte richtig, als es den Bund  am Berge Sinai annahm
Der neue Bund in Jer. 31,31-34 ist nur für das physische Israel und ist nicht der neue Bund in Lk. 22,20 Der neue Bund in Jer. 31 ist derselbe wie in Lk 22. Beide sind gemäß Hebr. 8 für das geistliche Israel
 

 

Fußreflexzonenmassage

Fußreflexzonenmassage kommt vom amerikanischen Arzt Fitzgerald (1872-1942). Er teilte den Körper willkürlich in zweimal fünf Längszonen ein und behauptete, dass man von jeder Stelle einer Zone aus sämtliche Organe dieser Zone erreichen könne. Das Konzept wurde aufgegriffen und ausgebaut. So soll nun der gesamte Körper am Fuß repräsentiert sein, wie bei Ohrakupunktur. Verändert sich an einer bestimmten Stelle der Fußsohle die Hautbeschaffenheit oder tritt beim Massieren Druckschmerz auf, soll das angeblich korrespondierende Organ krank sein. Diese Stellen werden dann mit Fingerkuppen gedrückt und gerieben. So sollen allerlei Schmerzen behoben werden.
Die Längszonen sind allerdings ein reines Phantasieprodukt. Die Angaben, wo einzelne Organe auf der Fußsohle repräsentiert sind, weichen oft erheblich voneinander ab. Auch für die behaupteten Wirkungen fehlt der Beweis. Viele Behandelnde erklären die Wirkung deshalb damit, dass der Energiefluss ausgeglichen werde, analog dem fernöstlichen Gedankengut. Diese Erklärungen sind jedoch magisch, weshalb davon abgeraten werden muss.
Gerade bei solchen Techniken spielen intuitive und mediale Fähigkeiten des Therapeuten eine große Rolle, weil diese Menschen mit Kräften in Verbindung stehen, die nicht von Gott sind und den Behandelten in einen gefährlichen okkulten Bann bringen können. Fußmassage ohne zusätzliche esoterische Erklärungen tut wohl. Das Stehen auf einem gewellten Brett fördert die Durchblutung der Füße und schadet nicht.
Behandlungen mit esoterischem Hintergrund schadet der Seele, auch wenn diese Methode bei körperlichen Beschwerden hilft. Die okkulte Belastung der Seele ist viel schlimmer als eine körperliche Krankheit. Der Glaube an Gott und die Verbindung zu ihm ist dadurch zerstört. Wer sich mit esoterischen Methoden eingelassen hat, soll sich von diesen okkulten Praktiken abwenden.
Paulus schrieb an Titus Kap. 3 Vers 14: «Jesus hat sein Leben für uns gegeben und uns von allem Bösen und von aller Schuld befreit. So sind wir sein Volk geworden; bereit, ihm dankbar zu dienen.»