Die Wiederkunft Jesu Christi

„Es spricht, der dies bezeugt: Ja, ich komme bald. – Amen, ja, komm, Herr Jesus!“ (Offb 22,20).
Den genauen Zeitpunkt der Wiederkunft Jesu kann niemand von uns voraussagen, und jeder bisherige Versuch, den exakten Zeitpunkt herauszufinden, hat sich als falsch erwiesen. Doch eines können wir aufgrund der Aussagen der Bibel mit absoluter Gewissheit sagen: Christus wird am Ende dieser Weltzeit wiederkommen!
Als die Jünger den Herrn fragten: „Was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?“, zeigten sie damit, dass diese Begebenheiten für sie ein und dasselbe Ereignis sein werden. Und Jesu Reaktion weist darauf hin, dass sie mit dieser Sicht nicht falsch lagen. Auch später sprachen die Apostel Petrus und Paulus davon, dass Christi Wiederkunft und das Ende der Welt zusammen gehören. Dies wird auch deutlich, wenn wir uns die Begleiterscheinungen der Wiederkunft Jesu ansehen. Eine solche Begleiterscheinung ist die Auferstehung der Heiligen, und Jesus versichert, dass Er die, die an Ihn glauben, am jüngsten Tag auferwecken wird (vgl. Joh 6,40.44.54). Eine weitere Begleiterscheinung wird das große Weltgericht sein, insbesondere auch das Gericht über die Gottlosen. Und schließlich wird es auch zur Wiederherstellung aller Dinge kommen. Der Ausdruck „Wiederherstellung aller Dinge“ bezieht sich auf nichts Geringeres als die vollkommene und endgültige Erneuerung all dessen, was durch den Sündenfall entstellt oder zerstört wurde. Selbst der Teufel, die Sünde und der Tod werden dann endgültig entmachtet und besiegt sein. Weiterlesen

Was ist das Wesen guter Theologie?

Eine gute Theologie dient grundsätzlich den beiden Zielen

  • Gott zu loben und zu verherrlichen und
  • Gott zu dienen.

Eine gute Theologie sollte die folgenden sieben Merkmale aufweisen:

  1.  Sie muß akkurat sein, d.h. gesunde Lehre zum Inhalt haben.
  2. Sie muß Gott zum Zentrum haben (Gott-zentriert sein), d.h. Gottes Souveränität, seine Majestät und seine Kontrolle über alles muß im Zentrum stehen.
  3. Sie ist doxologisch, d.h. sie gibt Gott die Ehre für alle seine Leistungen in der Schöpfung, Vorsehung und Gnade.
  4. Sie ist eschatologisch, d.h. sie ist zukunftsorientiert und vermittelt Hoffnung, denn Gott hat uns erwählt, errettet und bringt uns ans Ziel.
  5. Sie ist christologisch, d.h. Christus-zentriert, und zwar in zweierlei Weise: 1) Sie weist auf Christus hin, der unser Mittler (zwischen Gott und Mensch), Prophet, Priester und König ist; 2) sie ruft uns dazu auf Christus zu folgen, indem wir uns selbst verleugnen und täglich das Kreuz auf uns nehmen.
  6. Sie ist ekklesiastisch, d.h. Gemeindezentriert (die Gemeinde hat Bedeutung!), denn wir sind zusammen auf dem Weg der Nachfolge Jesu.
  7. Sie ist motivierend. Theologie ist kein Selbstzweck, sie dient dazu uns Christus ähnlicher zu machen, ihre Absicht ist zu heiligen, geistliches Wachstum zu fördern. Dr. Derek W.H. Thomas

Die sechste Bitte Und führe uns nicht in die Versuchung

154. wenn das Wort “ Versuchung “ oder “ Prüfung “ nicht so allgemein üblich wäre, so stünde es viel besser und wäre klarer, wenn man es so ausdrückte: „Und führe uns nicht in Anfechtungen“. In diesem Gebet lernen wir aber, wie elend das Leben auf Erden ist. Denn es ist lauter Anfechtung, und wer hiernach Frieden und Sicherheit für sich sucht, handelt nicht weise; er kann es auch niemals dazu bringen. Und wenn wir alle es begehrten, so ist es doch unmöglich. Es ist ein Leben der Anfechtung und bleibt es.
155. Darum sagen wir nicht: „Nimm die Anfechtung weg von uns“, sondern: „Führe uns nicht hinein“, als wollte man sagen: „Wir sind hinten und vorne von Anfechtungen umgeben und können uns nicht davon freimachen. Aber, o unser Vater, hilf uns, dass wir nicht hineingeraten, d. h. dass wir nicht dazu einwilligen und so überwunden und unterdrückt werden“. Denn wer in die Sünde einwilligt, der sündigt und wird ein Gefangener der Sünde“, wie Paulus (Römer 7,23) sagt. Weiterlesen

Brauchen wir theologische Bildung in unserer Gemeinde?

In vielen der Gemeinden in unserem Land hat Theologie und theologische Ausbildung keinen sehr hohen Stellenwert. Ganz im Gegenteil wird theologische Bildung manchmal sogar als elitär betrachtet und empfunden. Dabei macht das Neue Testament die Notwendigkeit von theologischer Bildung und Zurüstung in der Ortsgemeinde sehr deutlich.
Apostelgeschichte 6, 1-7 z.B., das die Einsetzung der ersten Diakone schildert, zeigt wie unverzichtbar es ist, dass Brüder in unseren Gemeinden die Zeit und die Fähigkeit haben, sich dem gründlichen Studium und Dienst am Wort Gottes hinzugegeben. Denn die Diakone mussten eingesetzt werden, damit die Apostel und geistlichen Väter der Gemeinde nicht länger den Dienst am Wort (und das Gebet!) vernachlässigen mussten.
“Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen. Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, . . . . Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.” (Apg. 6, 2-4)
In diesem Zusammenhang wird der Stellenwert von gesunder Lehre und Wortverkündigung in der Gemeinde sehr deutlich. Weitere Brüder mussten für den Dienst an den Witwen herangezogen werden, damit diejenigen, die die Fähigkeit und Verantwortung hatten, Gottes Wort recht zu verkündigen, diesem Dienst voll nachkommen konnten.
Die Liste von Qualifikationen für Älteste, Aufseher und Leiter ist ein weiterer Beleg dafür, wie unverzichtbar es ist, Brüder in unseren Gemeinden zu haben, die begabt und zugerüstet sind, Gottes Wort zu lehren und die gesunde Lehre zu verteidigen. Mitten unter der Liste von den Eigenschaften, die Älteste in der Gemeinde auszeichnen sollten, erklärt Paulus in 1. Timotheus 3, 2, dass sie “geschickt im Lehren” sein sollen und führt diese Qualifikation dann in Titus 1, 9 wie folgt weiter aus:
“Er halte sich an das Wort der Lehre, das gewiss ist, damit er die Kraft habe, zu ermahnen mit der heilsamen Lehre und zurechtzuweisen, die widersprechen.”
Die Aufseher der Gemeinde müssen also den notwendigen theologischen Einblick haben, um zwischen gesunder bzw. heilsamer und falscher bzw. schädlicher Lehre zu unterscheiden. Sie müssen darüber hinaus auch in der Lage sein, diese zu verteidigen und die Widersprechenden zurechtzuweisen und zu überführen. Dazu ist ohne Frage theologische Bildung in welcher Form auch immer nötig.
An dieser Stelle erhebt vielleicht so mancher Leser den Einspruch, dass Gottes Geist doch jedem Gemeindeglied eine Gabe gegeben hat und dass die Gabe des Lehrens nicht über die anderen gestellt werden sollte. Letztendlich sind doch alle Gaben in der Gemeinde wertvoll und wichtig. Ohne Frage ist das richtig und Paulus betont dies auch an vielen Stellen, u.a. auch in Epheser 4, 7 (vgl. 1. Kor. 12, 1-11; Röm. 12, 3-8), wenn er sagt:
“Jedem Einzelnen von uns aber ist die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi gegeben worden.”
Wenn wir jedoch in diesem Abschnitt weiterlesen, sehen wir, dass Paulus fortfährt zu erklären, dass die Gemeinde Hirten und Lehrer braucht, die die Geschwister für die rechte Ausübung ihrer Gaben zurüsten. Denn durch diese Zurüstung wird der gesunde Wachstum der Gemeinde gefördert.
“Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes [mit ihren Gaben], für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Maß der vollen Reife Christi. Denn wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen, durch ihre Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum.” (Eph. 4, 11-14)
Wenn wir uns diese drei Texte zu Herzen nehmen, sollten wir uns für die Gemeinde, in der wir sind, ernsthaft die Frage stellen: Können wir

  • Männer des „Gebets und des Dienstes am Wort”;
  • Männer, die “geschickt sind im Lehren”;
  • Männer, die mit “heilsamer Lehre zurechtweisen” können;
  • Männer, die “Hirten und Lehrer” sind, die die Geschwister in der Wahrheit und Liebe anleiten,

durch irgendetwas anderes ersetzen? Diese Texte machen deutlich, dass theologisch zugerüstete und ausgebildete Brüder für unsere Gemeinden unverzichtbar sind.
Aber der Abschnitt im Epheserbrief geht noch einen Schritt weiter. Bei der theologischen und biblischen Zurüstung einiger weniger leitenden Brüder darf es nicht bleiben. Nein, der theologische Einblick und die Fähigkeit unserer Ältesten, Gottes Wort recht auszulegen und zu lehren, dient dem noch viel größeren Ziel, dass jedes Glied der Gemeinde lernt, theologisch recht zu denken und zu unterscheiden. Die Bibelfestigkeit der Hirten soll letztendlich dazu dienen, dass jeder in der Gemeinde befähigt wird, Gottes Wort recht auszulegen. Wie wir eben schon gelesen haben, beschreibt Paulus dieses größere Ziel für theologische Zurüstung wie folgt: jeder in der Gemeinde soll “hingelangen zur … Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Maß der vollen Reife Christi” (V. 13). Kein Gemeindeglied soll “mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen” (V. 14).
Somit ist die Erkenntnis der biblischen Wahrheit also gesunder Theologie nicht etwas, was irgendeiner Elite als “Hobby” vorenthalten ist, sondern für jedes Gemeindeglied elementar ist. Auf den Punkt gebracht: Wir brauchen theologisch bewandte und geschulte Leiter und Hirten, damit unsere Gemeinden und jedes Glied lernt, theologisch bewandt zu denken, dienen und leben! Kai Soltau September 24, 2015  http://www.wortzentriert.at/lehre/gemeinde/brauchen-wir-theologische-bildung-in-unserer-gemeinde/

 

Gibt es Wunder?

„Ich kann sie gut verstehen, die Menschen, die sich schwertun mit der Vorstellung eines Gottes, der in den Gang der Natur eingreift. Es ist nicht einfach, an Wunder zu glauben, und das soll auch so sein. In Matthäus 28 lesen wir, wie die Apostel auf einen Berg in Galiläa gehen, um Jesus zu treffen. „Als sie ihn dort sehen, vielen sie vor ihm nieder. Einige aber zweifelten, ob es wirklich Jesus war.“ (V. 17). Ein bemerkenswerter Satz! Der Verfasser eines der frühesten Dokumente des christlichen Glaubens teilt uns mit, dass mehrere der Gründer dieses Glaubens das Wunder der Auferstehung schier nicht glauben konnten, obwohl sie Jesus mit ihren eigenen Augen vor sich sahen und mit den Händen greifen konnten. Es gibt keine Erklärung dafür, warum dieses Detail in dem Bericht enthalten ist, außer dass es wirklich so war. Dieser Bibelabschnitt zeigt uns mehreres. Erstens: wir sollten uns nicht einbilden, dass nur wir modernen, wissenschaftlich aufgeklärten Menschen Probleme mit Wundern haben, während die primitiven Menschen der Antike dieses Problem nicht hatten. Die Apostel reagierten gerade so wie die meisten Menschen heute: die einen trauten ihren Augen, die anderen nicht. Zweitens macht uns die Szenen Mut zu mehr Geduld. Alle Apostel wurden später bedeutende Führungspersönlichkeiten der Alten Kirche, aber einigen fällt das glauben halt schwerer als anderen.
Der Sinn der Wunder und Heilungen
Doch das Eindrücklichster an diesem Text ist, was er uns über den Sinn der Wunder in der Bibel verrät. Wunder führen nicht los zum Glauben im Sinne von Für–wahr–halten, sondern zur ehrfürchtigen Anbetung. Die Wunder Jesu waren nie magische Tricks, die die Menschen beeindrucken oder manipulieren sollten. Wir lesen nirgends, dass Jesus sagte: „Seht ihr den Baum da drüben? Wartet, den lass‘ ich gleich in Flammen aufgehen!“ Er benutzte seine Wundermacht viel mehr dazu, Kranke zu heilen, Hungrige zu speisen und Tote aufzuerwecken. Warum das? Wir Heutigen stellen uns Wunder so vor, dass sie die Natur außer Kraft setzen; Jesus wollte mit Ihnen die Natur wiederherstellen und heilen. Die Bibel berichtet uns, dass Gott die Welt ursprünglich ohne Krankheit, Hunger und Tod erschuf. Jesus kam in die Welt, um zu erlösen, wo sie erlösung bedürftig ist, und um zu heilen, was zerbrochen ist. Seine Wunder sind nicht nur Erweise seiner Macht, sondern ein greifbarer Vorgeschmack darauf, was er einmal mit dieser Macht tun wird. Die Wunder Jesu sind nicht nur eine Herausforderung unseres Denkens, sondern ein Zuspruch an unsere Herzen – das die Welt, nach der wir uns alle sehnen, kommen wird.“
Dr.Timothy Keller, Warum Gott?, (Brunnen Verlag, Gießen 2010), S. 124-125

Denkmal einer Idee

   

Öffentliche Denkmäler des Reformators Johannes Calvin gibt es weltweit nur ganz wenige. Eine freistehende, mannshohe Skulptur – die einzige dieser Art – befindet sich in Budapest, der ungarischen Hauptstadt. Als Teil des evangelischen Unionsdenkmals in der Stiftskirche in Kaiserslautern repräsentiert Calvin die reformierte Konfession, Luther die lutherische. Außerdem befindet sich an der Friedrichstadtkirche in Berlin am Gendarmenmarkt eine Bronzeplatte, die den Genfer Reformator zeigt (angefertigt zur 250-Jahr-Feier der Aufnahme der Hugenotten in Brandenburg 1935).
Das war‘s dann auch. In Calvins Geburtsstadt Noyon in Nordfrankreich würde man vergeblich ein Denkmal suchen. Dass jeglicher Personenkult eines Kirchenmannes zu verwerfen ist, haben die reformierten Christen also weitgehend beherzigt. Die deutschen Lutheraner machten dagegen nach den Kriegen gegen Napoleon Martin Luther zu einem ihrer großen Nationalhelden. 1821 wurde das Lutherdenkmal in Wittenberg errichtet, künstlerisch verantwortlich waren die Top-Künstler der Zeit, Schinkel und von Schadow (Letzterer schuf auch die Quadriga auf dem Brandenburger Tor). Der Wittenberger Luther war übrigens das erste Denkmal für einen Bürgerlichen überhaupt im Land. Bis dahin waren diese Fürsten und Adeligen vorbehalten. Dutzende Lutherdenkmäler, vor allem natürlich in Deutschland, folgten im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Lutherdenkmal (copyright Thomas Vollmer churchphoto.de) - ID 28176 b

Luther in Wittenberg (von Schadows Skulptur; Baldachin von Schinkel)

Prägend wurde außerdem das Lutherdenkmal in Worms aus dem 1868; die Figur von Ernst Rietschel ließ man in vielen Ländern nachgießen. Die Komposition gilt auch als „Reformationsdenkmal“, da dem alle überragenden Luther andere Reformatoren beigeordnet sind wie Melanchton und Vorreformatoren wie Hus und Wycliff.
Das „internationale Reformationsdenkmal“ befindet sich aber in Genf in der Schweiz. Es ist ein Kunstwerk ganz eigenen Stils. Im Zentrum der Maueranlage befindet sich Calvin selbst – sechs Meter hoch, neben ihm stehend Guilliaume Farel, der ihn einst nach Genf holte, Theodore Beza, sein Nachfolger in der Stadt, sowie John Knox, der Reformator Schottlands, der sich auch einige Jahre in der Schweizer Stadt aufhielt. Nur rund einhundert Meter entfernt liegt Calvins einstige Predigtkirche St. Pierre.
Das Denkmal wurde 1917, vor einhundert Jahren, eingeweiht. Es war die erste öffentliche Ehrung Calvins in dieser Form. Jahrhundertelang achteten die Genfer Calvins letzten Willen, ihn persönlich in keiner Weise zum Objekt der Verehrung zu machen. Bekanntlich verhinderte er sogar die Kennzeichnung seines Grabes (was heute als Grab besucht werden kann, markiert nicht den tatsächlichen Ort der Bestattung, der unbekannt ist).
Initiator des Denkmals war der Genfer Professor für Kirchengeschichte Auguste Chantre. Von ihm stammte die Idee, zum 400. Geburtstag des Reformators 1909 ein Monument zu errichten. Um Calvins Anliegen aber dennoch gerecht zu werden, sollte das Kunstwerk „weniger einem Menschen als einer Idee“ gewidmet sein. In der Vorgabe zu einem Wettbewerb war die Abbildung zahlreicher Personen vorgesehen, darunter auch „Männer des Staates und des Degens“. Sage und schreibe 71 Entwürfe gingen ein.
Der erste Preis ging an das Projekt von vier Schweizer Architekten mit dem schlichten Namen Le Mur – die Mauer. Die Grundsteinlegung erfolgte noch 1909. Zweidrittel der Kosten wurden durch Spenden aus Genf selbst aufgebracht. Die „Volkstümlichkeit“ war eine der Vorgaben des Wettbewerbs, und tatsächlich erfreute sich das Monument international de la Réformation in der Stadt sofort großer Beliebtheit. Bis heute ist es ein Besuchermagnet. Die vier Personen im Zentrum werden bis heute gerne ikonographisch herausgegriffen als Symbol der Reformation überhaupt, so auch in Litauen im Rahmen des diesjährigen Reformationsjubiläums.
Die Stärke des Monuments ist sicherlich, dass die Figur Calvins in die Gruppe der drei anderen Reformatoren eingebunden und nur ganz dezent, vor allem durch die Haltung seiner Arme, herausgehoben ist (ganz anders war dies beim zweitplatzierten Entwurf vorgesehen). Es gilt jedoch zu beachten, dass alle vier mit der Genfer Reformation verbunden sind (Knox gleichsam als deren Exporteur). Das Denkmal erinnert damit nicht an die Schweizer Reformation oder die reformierte Konfession allgemein, schließlich fehlten dafür so wichtige Personen wie Ökolampad, Musculus und natürlich Bullinger. Trotz des Namens ist auch nicht die europaweite Reformation als solche Thema, denn deren ‘Urväter’ finden nur wie beiläufig Erwähnung: In den Seitenmauern sind die Namen „Luther“ und „Zwingli“ eingemeißelt.

Die Figurengruppe im Zentrum ist nur der Mittelteil des an die einhundert Meter breiten Monuments. Links und rechts der Vier befinden sich die Skulpturen von sechs weiteren Personen, die jeweils um die drei Meter hoch sind. Abgesehen vom Puritaner Williams ist keiner von ihnen ein ordinierter Pfarrer oder Theologe; sind die vier Figuren Männer der Kirche, so handelt es sich bei den anderen um die ja schon in den Vorgaben geforderten Männer des Staates (als solcher ist auch Williams als Gründer von Rhode Island in Nordamerika aufgenommen).

Das dritte Element der komplexen Komposition stellen Flachreliefs und dazugehörige Texte dar, die Episoden aus der Reformationsgeschichte in Deutschland, Frankreich, Ungarn oder der Schweiz veranschaulichen. Sie sind den sechs Personen zugeordnet. Hier ein kurzer Überblick:

Gaspard de Coligny war Armeeführer und einer der Köpfe der Hugenotten in Frankreich, das prominenteste Opfer des Massakers in der Bartholomäusnacht im Jahr 1572. Damals wurden innerhalb weniger Tage Tausende reformierte Christen umgebracht. Ein Vierteljahrhundert später kamen die Religionskriege zu einem Ende, als der französische König Heinrich IV 1598 das Toleranzedikt von Nantes unterzeichnete, festgehalten im Relief.

Wilhelm von Nassau, der Schweiger oder der Schweigsame, ist abgebildet, Anführer der niederländischen Unabhängigkeitsbewegung. Der später „Vater des Vaterlands“ Genannte war maßgeblich beteiligt an der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Provinzen der Niederlande von Spanien, vorgenommen durch die Generalstaaten 1581.

27733_web_1280x960

Friedrich Wilhelm von Brandenburg wird ebenfalls geehrt (im Bild o. links). Der Große Kurfürst nahm nach der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 durch Ludwig XIV in seinen Territorien hugenottische Glaubensflüchtlinge auf.

Viel weniger bekannt ist Stephan Bocskai: Im Relief ist dargestellt, wie der reformierte Fürst von Siebenbürgen 1606 dem ungarischen Landtag den Friedensvertrag von Wien übergibt. Darin sicherte der katholische Kaiser Rudolf II von Österreich den Protestanten Ungarns Religionsfreiheit zu.

Viele werden überrascht sein auch Oliver Cromwell zu sehen. Der General im englischen Bürgerkrieg Mitte des 17. Jahrhunderts übernahm in der kurzzeitigen Republik als „Lordprotektor“ die Herrschaft; gerne bezeichnet man ihn als Diktatoren. Vergessen wird dabei meist, dass der Puritaner Independent war, also „Freikirchler“. Er widerstand einer protestantischen Nationalkirche, und sei sie auch presbyterianisch. Sein Ruf war „Gewissensfreiheit!“. Daher blickt das ihm zugeordnete Relief nach vorne: Vertreter der Parlamentskammern überreichen 1689 Wilhelm von Oranien und seiner Frau Maria die „Declaration of Rights“. Aus dem Dokument ging im selben Jahr die „Bill of Rights“ hervor, die einen Meilenstein auf dem Weg zu modernen Parlamentarismus darstellt. In der Genese der Menschen- und Bürgerrechte spielt die Bill of Rights ebenfalls eine wichtige Rolle.

Schließlich ist Roger Williams zu sehen. Der englische Puritaner war einer der Väter des Baptismus und Vorkämpfer der Trennung von Kirche und Staat. 1654 wurde er zum Präsidenten von Rhode Island in Nordamerika gewählt, setzt sich für Glaubens- und Gewissensfreiheit ein. „Soul Liberty“ ist auch auf dem Buch zu lesen, das die Figur des Monuments in der Hand hält (s.u. Foto). Im Relief wird dargestellt, wie die Pilgerväter der Mayflower 1620 die Kolonie Plymouth in Neuengland gründen. (Zwei weitere Reliefs beziehen sich auf Farel und Knox.)

14938891783_8c4ed96b63_b

Über das ganze Denkmal zieht sich außerdem in sehr großen Lettern die Inschrift POST TENEBRAS LUX („Nach der Dunkelheit Licht“) – seit dem 16. Jahrhundert der Wappenspruch des reformierten Genf und aller Reformierten, die in der protestantischen Reformation eine Rückkehr zum Licht sahen.

Aber nicht nur die konfessionell reformierten Christen schätzen diesen Spruch. Genf selbst führt ihn immer noch in seinem Wappen, obwohl die Stadt inzwischen weitgehend säkular geprägt ist und die Reformierten nur noch 10 Prozent der Bevölkerung des Kantons ausmachen. Das Reformationsdenkmal zeigt recht klar, dass schon um 1900 das „Licht“ eine Prägung gewonnen hat, an die Calvin und Kollegen so sicher kaum gedacht hatten.

Die Idee des Denkmals ist nämlich nicht die Erneuerung des Evangeliums, des Glaubens oder der Kirche; es ist also nicht der konfessionelle Protestantismus und auch nicht die Reformation als solche. Die Idee des Monuments ist die in ganzen Staatswesen verankerte und konkret umgesetzte Religions-, Glaubens- und Gewissensfreiheit. War unter Calvin und Beza Genf theologisches Zentrum und Ausgangspunkt einer breiten Missionsbewegung, so schlägt das Reformationsdenkmal eine andere Brücke: von Genf zur modernen Toleranzidee. Genf als Hort des modernen politischen Freiheitsgedankens.

Diese Idee ist sicher nicht zu verwerfen. Der Calvinismus hat mit dazu beigetragen, dass sich Glaubens- und Gewissensfreiheit nach und nach etablierten. Allerdings war dies ein sehr gewundener Weg, auf dem viel gestolpert wurde; das Genf Calvins und das Schottland des Knox kannten noch keine moderne Religionsfreiheit. Außerdem nahm dieser Weg seinen Ausgang sicher nicht allein in Genf (Basel, wo Sebastian Castellio wirkte, und die Niederlande können hier sicher auch ‘Urheberrechte’ anmelden).

Das Genfer Reformationsdenkmal zeigt uns eine Deutung der Reformation, die als „kulturprotestantisch“ bezeichnet werden kann (diese Deutung nimmt auch der bekannte evangelische Theologe Jan Rohls ganz am Ende dieses Vortrags vor). Der Kulturprotestantismus entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Teil der breiten Strömung des Neuprotestantismus. Der evangelische Glaube sollte aus kirchlichen und dogmatischen Bindungen gelöst und zu einer modernen Bildungsreligion jenseits konfessioneller Beschränkungen umgeformt werden. Man glaubte an die kulturelle Führerschaft und Überlegenheit des Protestantismus. Angestrebt wurde eine Synthese oder Durchdringung der Kultur durch Religion. Durchdringung der Welt mit Freiheit und Toleranz – dies wird konkret im Reformationsdenkmal ausgedrückt.

Dieser freie oder liberale Protestantismus betonte vor allem Bildung und Fortschritt. In der Satzung des Deutschen Protestantenvereins hieß es, eine „Erneuerung der protestantischen Kirche im Geist evangelischer Freiheit und im Einklang mit der ganzen Kulturentwickelung seiner Zeit“ werde angestrebt. Seinen Höhepunkt erreichte der Kulturprotestantismus um 1900; Namen wie Adolph von Harnack und Ernst Troeltsch sind hier für Deutschland zu nennen. Der Kulturprotestantismus strahlte aber auch in andere Länder wie die Schweiz ab, und dass im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts dort solch eine Gedenkstätte geschaffen wurde, ist alles andere als Zufall.

Mit dieser Einordnung in den kulturellen Geist der damaligen Zeit soll das Genfer Monument nicht entwertet werden. Aber wir wissen ja inzwischen nur zu gut, welchen Luther man im 19. Jahrhundert in Deutschland aufleben ließ und in gewissem Sinne schuf – eine kulturelle deutsche Überfigur. Ganz im Sinne des Kulturprotestantismus trat die kirchlich-konfessionelle Dimension weit zurück. Im Calvinismus der Genfer hatte der Kulturprotestantismus nicht diese nationale Ausprägung. Das dortige Denkmal ist tatsächlich erfrischend international. Aber es ist eben fast gar nicht mehr ein Ort, an dem es um eine kirchliche Reformbewegung geht. Das „Licht“ des Evangeliums hat Kulturen verändert, wurde dabei aber auch säkularisiert und ein Stück womöglich sogar entkernt. Beim Betrachten des „internationalen Reformationsdenkmals“ sollte man auch dies beachten.
http://lahayne.lt/2017/10/15/denkmal-einer-idee/

 

„Ehe für alle“ – Fortschritt wohin?

Ein Diskussionsbeitrag von Gastautor Dr. Reinhard Junker
Der Artikel kann mit ausführlicheren Anmerkungen hier als PDF heruntergeladen werden.
„Ehe für alle“ – klingt gut und einladend, es wird niemand „diskriminiert“, es gelten gleiche Rechte für alle, niemandem wird etwas weggenommen. Und wenn Menschen dauerhaft Verantwortung füreinander übernehmen, ist das doch wertvoll und verdient Unterstützung, unabhängig davon, ob es sich um eine hetero- oder homosexuelle Beziehung handelt. Wo also  ist das Problem?
In diesem Beitrag möchte ich zunächst darlegen, was aus christlicher Sicht zur Ehe gesagt werden kann und anschließend die Argumente untersuchen, die spezifisch von kirchlicher Seite für die „Ehe für alle“ vorgebracht werden. Im zweiten Teil soll es um Argumente gehen, die unabhängig von christlicher Dogmatik und Ethik in der Diskussion über die „Ehe für alle“ (Efa) vorherrschen: Wie begründen die Befürworter die Efa und aus welchen Gründen lehnen sie ihre Gegner ab? In einem dritten Teil werden einige Konsequenzen erörtert. Weiterlesen

Gesetzeswerke – Glaubenswerke

 Luthers Betonung der biblischen Rechtfertigungslehre (nicht aus Gesetzeswerken – allein aus Glauben) stieß auf heftigen Widerspruch. Sowohl von Katholiken als auch von einzelnen Wiedertäufern wurden seine Überzeugungen zum Teil sehr entstellt wiedergegeben, so als ob Luther Werke des Glaubens für unnötig halten würde. – Das Gegenteil ist der Fall!
Das Thema “Rechtfertigung aus Glauben” nimmt in Luthers Werken einen sehr breiten Raum ein. Immer wieder kommt er darauf zu sprechen. Und immer wieder finden sich folgende Punkte:
  • Vor Gott wird ein Sünder allein aus Gnade durch den Glauben an Christus gerechtfertigt.
  • Werke können keinerlei Beitrag zu unserer Rechtfertigung leisten.
  • Mit echtem Glauben sind dann aber unausbleiblich gute Werke verbunden.
  • So bestätigen gute Werke die Echtheit des Glaubens.
  • Deshalb ist es nötig, dass auch die Notwendigkeit guter Werke deutlich gepredigt wird.
  • Dennoch tragen auch die Glaubenswerke in sich selbst nichts zum ewigen Heil bei.Hier eine nur kleine Auswahl von Zitaten dazu aus dem Lebenswerk Luthers. Wie bei Luther nicht anders zu erwarten ist, finden sich einige markante Aussprüche und ansprechende Sprachbilder darunter. Die Quellenangaben beziehen sich auf die Ausgabe von Walch. [Hervorhebungen und Ergänzungen in eckigen Klammern von mir.]
Weil wir sagen, daß man allein durch den Glauben an Christo hangend zum Himmel kommen, schreien die Widersacher: man verbiete gute Werke. 8,308
Auf den Glauben folgen die Werke, gleichwie der Schatten dem Leibe folgt. 6,613
Obwohl der Glaube genug ist zur Seligkeit, und durch den Glauben ich das Himmelreich erlange, dennoch so müssen die guten Werke hernach folgen, oder der Glaube ist nicht rechtschaffen. Denn der Glaube ist so ein ernst Ding, daß er nicht ohne gute Werke bleibt. 7,27
Du mußt gute Werke thun, und allezeit gute Werke gegen den Nächsten üben, auf daß der Glaube äußerlich leuchte im Leben, wie er sonst inwendig im Herzen leuchtet. 7,1990
Doch nicht der Meinung, daß man nicht gute Werke tun soll, sondern, daß man, Gnade bei Gott und ewiges Leben zu erlangen, allein diesen Christum durch den Glauben zuvor haben muß, aber nach und neben dem Glauben auch gute Werke thue, und die Liebe beweise; allein, daß dieser Unterschied recht gehalten werde, daß man unserm Leben und Werken nicht zumesse die Kraft und Verdienst, daß sie uns sollten hinauf zum Vater bringen.
Wir geben zu, daß man auch von guten Werken und von der Liebe lehren muß, aber zu seiner Zeit und an seinem Orte, nämlich wenn man die Frage von den Werken behandelt außerhalb dieses Hauptartikels [von der Rechtfertigung]. 9,187
Sie [die Werke] müssen gethan werden, nicht als die Ursache, sondern als die Frucht der Gerechtigkeit. 9,229
Denn wenn diese [die guten Werke] nicht auf den Glauben folgen, so ist es ein ganz gewisses Zeichen, daß der Glaube nicht der rechte Glaube ist. 9,750
Darum schleuß den Glauben und die guten Werke zusammen, daß also in den beiden die Summa des ganzen christlichen Lebens stehe; nicht daß die Werke etwas zur Rechtfertigung vor Gott thun, sondern daß der Glaube ohne sie nicht ist, oder ist kein rechter Glaube. 9,1153
Werk ohne Glauben ist Abgötterei. Glaube ohne Werke ist Lügen und kein Glaube. 9,1807
Denn wenn wir gerecht würden um der Werke willen, welche aus dem Glauben folgen, so würden wir schon nicht mehr durch den Glauben selbst gerecht, auch nicht um Christi willen, sondern um unser selbst willen, die wir nach dem Glauben Werke thun; das heißt Christum verleugnen. 9,1862
Denn die Werke folgen erst auf den Glauben, und wirken nichts zur Rechtfertigung, sondern kommen nach. Der Glaube und das Wort aber sind vorher zugegen und thun das Ihrige, das ist, sie machen gerecht. 9,1877
Wie sollten wir denn durch das Evangelium solche Predigt einführen, die da erlaubt Böses zu thun? … Man deutet und verkehrt unsere Lehre fälschlich, wenn man sagt, sie lehre nicht gute Werke thun noch achten. 12,776
Die Werke können den Glauben wohl anzeigen, aber nicht wirken. Denn wo die Werke der Gottseligkeit fehlen, da folgt, daß auch der Glaube selbst nicht da sei. 12,1834
Glaube ist eine lebendige, erwegene Zuversicht auf Gottes Gnade, so gewiß, daß er tausendmal darüber stürbe. Daher der Mensch ohne Zwang willig und lustig wird, jedermann Gutes zu thun, jedermann zu dienen, allerlei zu leiden Gott zu Liebe und zu Lob, der ihm solche Gnade erzeigt hat, also daß unmöglich ist, Werke vom Glauben zu scheiden, ja, so unmöglich als Brennen und Leuchten vom Feuer mag geschieden werden. 14,100
Denn gleichwie er [Johannes] im Evangelio den Glauben treibt, also begegnet er in der Epistel denen, die sich des Glaubens rühmen ohne Werke, und lehrt mannigfaltig, wie Werke nicht außen bleiben, wo der Glaube ist; bleiben sie aber außen, so ist der Glaube nicht rechtschaffen, sondern Lügen und Finsterniß. 14,126
Wo der Glaube des Geistes ist, da folgen die Früchte des Geistes von sich selbst. 19,1431
Die Werke, die nach dem Glauben folgen, machen nicht gerecht, sind nicht eine Ursache, sondern eine Frucht der Rechtfertigung. 19,1431
Wir gestehen, daß die guten Werke auf den Glauben folgen müssen, ja, nicht nur folgen müssen, sondern aus freien Stücken folgen, gleichwie ein guter Baum nicht gute Früchte tragen muß, sondern er trägt dieselben von selbst. 19,1440
Die Werke leuchten durch die Strahlen des Glaubens und gefallen [Gott] um des Glaubens willen, nicht umgekehrt. 22,453
Günter Vogel·Mittwoch, 1. November 2017
https://www.facebook.com/notes/g%C3%BCnter-vogel/gesetzeswerke-glaubenswerke/2152868024738647/

Warum ist Kirchengeschichte wichtig?

C.S. Lewis sprach in einer Predigt, die sich in dem Buch „The Weight of Glory“ findet, über die Wichtigkeit, sich mit der Geschichte vertraut zu machen.
Am meisten von allem brauchen wir vielleicht eine tiefe Kenntnis der Vergangenheit. Nicht, daß die Vergangenheit irgendwelche Magie in sich trägt, sondern weil wir nicht die Zukunft studieren können und auch nichts der Gegenwart entgegenzusetzen haben, das uns daran erinnert, daß die Grundannahmen zu unterschiedlichen Zeiten gänzlich verschieden waren, und daß vieles was den Ungebildeten als sicher gilt, bloß zeitweilige Mode ist. Ein Mann, der an vielen Ort gelebt hat, wird weniger wahrscheinlich von den lokalen Irrtümer seines Heimatdorfes getäuscht werden: ein Gelehrter hat zu vielen Zeiten gelebt und ist dadurch in einem gewissen Maß immun gegen den großen Schwall von Unsinn, der sich zu seiner Zeit von der Presse und dem Mikrophon ergeht.
Es lohnt sich, die Vergangenheit zu studieren. Nicht nur, um aus ihr wertvolle Lektionen zu gewinnen, sondern auch um weniger anfällig für die täuschenden Irrtümer der eigenen Zeit zu sein. https://inara.tv/2017/03/29/warum-ist-kirchengeschichte-wichtig/

Missional

Zum Begriff ‚missional‘
Vieles von dem, was ich vertrete, wird seit etwa zehn Jahren zunehmend als ‚missional‘ anstelle des älteren Begriffes ‚missionarisch‘ bezeichnet (Engl.: ‚missional‘ vs. ‚missionary‘). Das ist nicht ganz zufällig, denn bei fast allen Befürwortern des Ausdrucks ‚missional church‘ werden als Anreger und älteste Vertreter Leslie Newbigin und David Bosch genannt, die beide dem Begriff ‚Missio Dei‘ sehr nahe standen. Stefan Schweyer führt das Konzept ‚missional‘ direkt auf das ‚Missio-Dei‘-Konzept zurück.1
Allerdings wird der Begriff ‚missional‘, für den bisher die ältesten Belege aus den Jahren 1883 oder gar 1814 nachgewiesen wurden,2 von einer enormen Bandbreite von Vertretern propagiert und zudem haben natürlich auch früher viele unter ‚missionarisch‘ nicht die organisierten Aktivitäten von Missionsgesellschaften und Kirchen verstanden, sondern umfassender das ‚missionarische Wesen‘ der Kirche an sich, die sich ganz auf die Gesellschaft einlässt und diese transformiert, also genau das, was ‚missional‘ unterstreichen soll.
Es ist natürlich schlecht, eine Unterscheidung zwischen ‚missionarisch‘ und ‚missional‘ in Jahrzehnte zurück zu transportieren, in denen der Begriff ‚missional‘ gar nicht zur Verfügung stand oder heute jeden abzuqualifizieren, der noch den Begriff ‚missionarisch‘ verwendet. Und mag auch die Praxis oft schlechter gewesen sein: Wer von einer ‚missionarischen‘ Kirche sprach, meinte in der Regel das Wesen der Kirche, nicht die Werbung für eine Großorganisation. Weiterlesen