Der „neue Atheismus“ – Gefahr oder Aufwachmittel?

Anmerkungen zu einem aktuellen Thema.
Der „neue Atheismus“ – Gefahr oder Aufwachmittel?
Seit geraumer Zeit macht der sogenannte „neue Atheismus“ von sich reden. Gibt es in den Reihen bekennender Christen genügend ansteckenden Glauben, um dieser Herausforderung zu begegnen?
Aktuelle Titel wie „Wir brauchen keinen Gott“ (Michel Onfray), „Der Gotteswahn“ (Richard Dawkins), „Der Herr ist kein Hirte“(Christopher Hitchens) oder das „Manifest des evolutionären Humanismus“ (Michael Schmidt-Salomon, Giordano-Bruno-Stiftung) sind eine bewusste Provokation. Im letzten Jahr wühlten solche Veröffentlichungen die Medienwelt auf.
Manche sagen den Höhepunkt dieser Bewegung für das Jahr 2009 voraus, dem 200. Geburtstag von Charles Darwin.
Entgegen anderen Tendenzen, die eine Versöhnung zwischen den Religionen anstreben, vertritt dieser „neue Atheismus“ einen bewussten Anti-Theismus, d.h. er versucht, den Glauben an einen (monotheistisch verstandenen) Gott mit Argumenten aktiv zu bekämpfen. Gleichzeitig wird aber auch betont, dass es nicht nur um die Bekämpfung religiöser Inhalte geht, sondern vielmehr um die Rettung der Aufklärung, das Bewahren sogenannt wissenschaftlicher und rationaler Konzepte, die dem Menschen erst ein ethisches Handeln ermöglichen würden. Denn nach Meinung dieser Bewegung richten religiöse (gemeint: monotheistische) Überzeugungen, wenn ernst genommen und nicht humanistisch aufgeweicht, großen Schaden an. Der „Tagesspiegel“ (30.4.2008) verweist auf den deutschen Meinungsführer dieser Denkrichtung, M. Schmidt-Salomon, wenn er schreibt:
„Der „neue Atheismus“ sei lediglich der „Vorbote eines grundlegenden Veränderungsprozesses, die religionskritische Spitze eines weltanschaulichen Eisberges“ gewesen. Es gehe ihm und seinen Mitstreitern um viel mehr: um eine neue Ethik, einen „neuen Humanismus“. Darunter versteht Schmidt-Salomon so etwas wie eine säkulare Alternative zur Religion, eine Weltanschauung ohne Propheten und Priester, ein Wertesystem auf naturwissenschaftlicher Basis. Das ganze soll mehr als graue Theorie sein“.
Zunächst könnte man diese Bewegung als das Wunschbild einiger intellektueller Freigeister abtun.
Offensichtlich leben aber viele Zeitgenossen, leider auch Christen, wie Atheisten, wenn ihr Glaube an Gott keine realen lebensbezogenen Konsequenzen mehr hat. Ein unauffälliges, wachsweiches Christentum ist aber nicht die Angriffsfläche dieser neuen Atheisten. Insofern sollten diese provokanten Angriffe Steilvorlagen sein: sowohl für unser Denken als auch für unser Handeln.
Christen sind gefordert: es ist nicht der Glaube, der krank macht, aber vielleicht die vielen Inkonsequenzen, Halbheiten, falsche Betonungen, Einseitigkeiten, mangelnde Bereitschaft, sich in den Raum des Lebens mit Christus so zu stellen, dass dadurch sichtbar wird, dass es uns ernst ist mit der „unsichtbaren Welt“ bzw. dem einen lebendigen Herrn, der tatsächlich die Grenzen von Raum und Zeit durchbrochen hat!
Wir können verschiedene Wege wählen, um auf die Herausforderungen des „neuen Atheismus“ zu antworten: einerseits ist es gut, ein gesundes, überzeugendes Verständnis von der Offenbarung unseres Gottes zu haben. Die meisten Argumente der „neuen Atheisten“ laufen ins Leere, wenn man sie genau untersucht (teilweise muss man ihnen recht geben, sofern sie nicht das biblische Verständnis angreifen, sondern verschiedene Schattierungen der religiösen Welt).
Andererseits ist es aber auch vor allem notwendig, der Realität in unseren Gemeinden offen ins Auge zu sehen: da gibt es Zweifler, Ängstliche, Sorgenvolle, auch Kritiker, die manchmal nicht verstehen, manchmal auch nicht verstehen wollen. Aber wir müssen lernen, sie ernst zu nehmen. Denken wir daran, dass eine gesunde, umfassend verstandene, auf biblische Wahrheit gegründete Gemeindeseelsorge uns davor bewahrt, zu bigotten, besserwisserischen und an der falschen Stelle selbstherrlichen Überfliegern zu werden, die keine Fragen sondern nur noch Antworten kennen. „Glaube ist Vernunft, die Mut gefasst hat – nicht das Gegenteil der Vernunft , wohlgemerkt, sondern etwas, das mehr ist als Vernunft und sich nicht von der Vernunft allein zufrieden stellen lässt.“ (der Theologe Thomas Graham).
Petrus sagt zu Jesus: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens“ (Joh. 6,68)
Klaus Giebel

Peter Hitchens ist gläubig:Neues Buch ist Antwort auf atheistischen Bruder

Am Donnerstag erscheint in England bei der „Continuum International Publishing Group“ das neue Buch von Peter Hitchens: „Rage Against God: Why Faith is the Foundation of Civilisation“ (Wut auf Gott: Warum der Glaube die Grundlage unserer Zivilisation ist). Darin beschreibt er seinen Weg von einem überzeugten Atheisten des linken politischen Spektrums hin zu einem konservativen Christen. Teilweise geht er darin auch auf das religionskritische Buch „Der Herr ist kein Hirte“ seines Bruders ein. Dieser sagte einmal über die Beziehung zu seinem Bruder, der größte Unterschied zwischen ihnen beiden sei wohl der Glaube an Gott. Peter sagte über die Beziehung zu seinem Bruder: „Wir leben in zwei verschiedenen Welten. Wenn wir nicht Brüder wären, würden wir uns wahrscheinlich nicht kennen.“ Ob das Buch auch auf Deutsch herauskommt, ist noch unklar.
Peter weiß, dass die „britische Elite“ das Buch seines Bruders begeistert aufnimmt, „weil sie Religion als eine Art des Verrücktseins sehen“. Er selbst begann jedoch vor etwa 20 Jahren, als er Korrespondent in den Sowjetstaaten war und der Kommunismus immer mehr zerbröckelte, damit, über den Glauben nachzusinnen. Im Rückblick sieht er sogar starke Ähnlichkeiten zwischen dem damaligen Kommunismus und dem heutigen Atheismus. „Viele haben einfach keine Ahnung, welche Mächte die Neuen Atheisten da aus dem Erdboden herbeirufen und wie gefährlich das ist, was sie tun. Wenn man Gott aus der Welt herauswirft, entsteht eine Wildnis“, sagte Peter Hitchens in einem Interview mit Internetaktivisten von „Gorilla Poet Productions“. Dass ausgerechnet sein eigener Bruder dabei helfe, diesen „Neuen Atheismus “ zu verbreiten und populär zu machen, erfreut ihn nicht besonders.
„Ohne Christentum kommt Dunkelheit“
In dem Interview erzählt Hitchens, dass er eines Tages mit seiner Freundin, die später seine Ehefrau wurde, in Frankreich einen Bildband ansah. Als sie auf ein altes Gemälde vom Jüngsten Gericht stießen, habe er zuerst unwillkürlich gedacht: „Schon wieder irgend so ein religiöses Motiv.“ Doch dann wurde ihm bewusst, dass ihn seit langem eine Frage quälte: „Vielleicht werde ich auch irgendwann gerichtet?“
Heute verbreitet Hitchens das Gegenteil von dem, was sein Bruder verkündet: Während Christopher Hitchens vor Religionen warnt, weil sie Gesellschaften vergifteten, ist sein jüngerer Bruder fest davon überzeugt, dass es mit einer Gesellschaft genau dann abwärts geht, wenn sie Religion verwirft und Gott ablehnt. „Die Menschen verhalten sich immer noch so, als wären sie christlich. Unsere Gesellschaft funktioniert immer noch so, als wäre sie christlich. Aber irgendwann ist das weg. Wir leben seit 40 oder 50 Jahren im Nachleuchten des Christentums, aber letzten Endes bricht Dunkelheit herein.“
Er selbst habe bei seinem Weg vom Atheismus zum Glauben festgestellt: „Viele glauben, Atheismus sei die Endstation einer Reise. Wenn man alles andere durch hat und dort ankommt, sei die Reise beendet. Doch von da aus gesehen, wo ich jetzt stehe, erkennt man, dass er keineswegs das Ende ist, sondern der Anfang.“
Seinen eigenen Bruder hat er noch nicht aufgegeben, sagt er. „Die Leute fragen manchmal, wie zwei Brüder zu so unterschiedlichen Schlüssen kommen können. Meine Antwort ist: Ich bin nicht sicher, ob wir wirklich so unterschiedlich sind, wie wir aussehen. Und: noch ist es nicht zu Ende.“ Peter sagte einmal, sein Bruder Christopher sei einem religiösen Glauben näher als er selbst es wisse. „Es gibt bei jedem atheistischen Kampf gegen Gott auch einen Kampf gegen die Versuchung.“ (pro)
Geschrieben von Ali um Freitag, 16. April 2010

Die Menschen haben Gott vergessen

aleksandr-solzhenitsyn

Ich erinnere mich wie ich ein paar alte Leute vor einem halben Jahrhundert, als ich noch ein kleiner Junge war, erklären hörte, was die grosse Katastrophe, die über Russland hereingebrochen war, verursacht hatte: „Die Menschen haben Gott vergessen, das ist alles was passiert ist.“
Seitdem habe ich fast 50 Jahre an der Geschichte unserer Revolution gearbeitet. Während dessen habe ich hunderte von Büchern gelesen, habe hunderte persönlicher Zeugnisse gesammelt und haben zu den Bemühungen die Trümmer dieses Umbruchs wegzuräumen, bereits acht eigene Bände beigetragen. Aber wenn man mich heute bitten würde die Hauptursache für diese ruinöse Revolution, welche etwa 60 Millionen Menschen unseres Volks dahingerafft hat, so kurz wie möglich zu formulieren, könnte ich es nicht genauer ausdrücken, als zu wiederholen: „Die Menschen haben Gott vergessen, das ist alles was passiert ist.“
Aleksandr Solzhenitsyn (1918-2008)

Wie ich Atheist wurde

Zusammenfassung des Buchs von Antony Flew: There is a god How the world’s most notorious atheist changed his mind, HarperCollins, New York, 2007
In seinem Vorwort stellt Roy Abraham Varghese fest, dass sich die Bücher und Aufsätze der ‚neuen Atheisten‘ wie fundamentalistische Predigten anhören. Sie sind schwarz-weiss. Antony Flew ist für sie ein Apostat (=Abtrünniger). Und sie wollen nicht anerkennen, dass es bedeutende Physiker und andere Wissenschaftler gibt, die an die Existenz Gottes glauben.
I My Denial of the Divine
1. Wie ich Atheist wurde
Als Sohn eines Methodistenpredigers aufgewachsen, verlor Antony Flew erst mit 13-15 Jahren im Gymnasium den Glauben an Gott. Obwohl er vorher schon nie religiöse Gefühle entwickelt hatte. Dagegen war er immer sehr geistig interessiert. Ein Grund für seine Abkehr vom Glauben war das Problem des Bösen, das er während der Nazizeit erlebte (persönliche Erlebnisse auf Ferienreisen nach Deutschland und Frankreich). Er wurde Philosophieprofessor und erhielt den John Locke Wissenschaftspreis in Philosophie. Die Philosophie Ludwig Wittgensteins wurde für ihn in Oxford wichtig, obwohl er realisierte, dass dieser sich in Bezug auf die Nazis geirrt hatte (er hatte gemeint, wegen den Beziehungen seiner Familie nicht in Gefahr durch die Nazis zu sein). Im Sokrates-Club in Oxford diskutierte er auch mit C.S.Lewis, einem der bedeutendsten christlichen Philosophen des 20. Jahrhunderts, über die Gottesfrage.
2. Wohin die Evidenz führt
Während der Schulzeit wurde er Kommunist. Als Atheist glaubte er, dass der evolutionäre Prozess Fortschritt garantiere. In Oxford wurde er ein Anhänger der ‚neuen Philosophie‘, die als linguistisch bezeichnet wurde. Das Sokratische Prinzip, der Evidenz zu folgen, wohin sie auch immer führt, wurde für ihn wichtig. Deshalb war er auch bereit, seine Meinung zu ändern (z.B. in Bezug auf seine politische oder weltanschauliche Auffassung). Im Aufsatz ‚Theologie und Falsifikation‘ legte er dar, dass eine These wie „Gott liebt die Menschen“ leer wird, wenn es zu viele Widersprüche gibt, die dann wegerklärt werden müssen, um die These zu halten. Durch die Entgegnungen auf seinen Aufsatz lernte er einiges, z.B. dass der Glaube eine Interpretation von Erfahrung ist, die weder bewiesen noch widerlegt werden kann. Und dass Theisten glauben, dass Gott transzendent ist und deshalb jenseits unseres Verstehens ist. Er realisierte auch, dass Theisten um das Problem des Bösen wissen (Theodizeefrage), aber trotzdem an einen liebenden Gott glauben. In ‚Gott und Philosophie‘ versuchte er, die Argumente für eine ‚natürliche Theologie‘ wie für eine Offenbarung zu widerlegen. Es ist unmöglich, von religiöser Erfahrung auf die Existenz Gottes zu schliessen. Frederick Copleston, Philosophie-Historiker, stimmte zu, dass man Gott nicht wie einen Schmetterling festpinnen und beschreiben könne; „Gott wird Realität für das menschliche Denken in der persönlichen Bewegung des Transzendierens“, sagte er.
10 Jahre später publizierte Flew ‚Die Annahme des Atheismus‘, wo er darlegte, dass die Beweislast bei den Theisten liegen müsse. Der Thomist Ralph McInerny entgegnete, die natürliche Ordnung der Natur lege den Gottesglauben als natürlichen Ausgangspunkt nahe; die Beweislast liege daher bei den Atheisten. Flew betont, dass er einen methodologischen Atheismus vertrat, den auch (gewisse) Theisten akzeptieren konnten, keine ontologische Festlegung. Dann setzte er sich mit Hume’s Skeptizismus gegenüber Ursache-Wirkung auseinander und vertrat die Unterscheidung von physical und moral causes. Menschliches Verhalten ist nicht im gleichen Sinn kausal wie physikalische Vorgänge. Weiterlesen

Der moderne Atheismus und die Antwort des christlichen Glaubens

„Gott ist an allem Schuld! Der Kreuzzug der neuen Atheisten!” So titelte der Spiegel – etwas paradox – in seiner Pfingstausgabe 2007. Grundlage des „neuen Atheismus” ist das Buch „Der Gotteswahn” des Oxforder Evolutionsbiologen Richard Dawkins. Die englische Ausgabe dieses Buches wurde bereits mehr als eine Million Mal verkauft. Die deutsche Ausgabe liegt seit September 2007 vor und gelangte in kurzer Zeit auf Platz zwei der Sachbuchliste.
Worum geht es in diesem Buch? Was ist von seinen Thesen aus christlicher Sicht zu halten? Wie kann man ihnen argumentativ begegnen?
Die wichtigsten Thesen seines Buches lauten:
Glaube und Wissenschaft sind Gegensätze: Glaube ist blind – Wissenschaft beruht auf Belegen.
Die Welt sieht so aus, als sei sie gezielt gestaltet. Das ist aber eine Täuschung; und selbst, wenn:
wer gestaltete den Gestalter?
Religion ist die Ursache für die Gewalt in dieser Welt – eine atheistische Welt wäre eine friedlichere Welt.
Glaube an Gott ist irrationales Wunschdenken.
Blinder Glaube?
Sehen wir uns diese Thesen etwas näher an. Im Gegensatz zur Wissenschaft, die von Beweisen ausgeht, ist für Dawkins Glaube blind, „ohne Belege”. Das Neue Testament handelt er auf wenigen Seiten ab, denn für ihn ist es genau wie der Roman „Sakrileg” von Dan Brown „von Anfang bis Ende erfunden und reine Fiktion. …
Der einzige Unterschied besteht darin, dass Sakrileg eine moderne literarische Erfindung ist, während die Evangelien schon vor sehr langer Zeit erfunden wurden” (Seite 137). Diese Aussage zeigt, dass es Dawkins nicht um eine wissenschaftlich seriöse Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben geht und dass er an historischer Wahrheit nicht interessiert ist. Das ist schade, denn der christliche Glaube ist nicht blind, sondern beruht auf historischen Belegen und persönlichen Erfahrungen.
Gotteswahn – Neuer Atheismus
Offensichtlich falsch ist es auch, wenn Dawkins behauptet: Wissenschaft und Glaube an Gott schließen sich aus. Es gab und gibt viele herausragende christliche Wissenschaftler. Dawkins selbst nennt einige: Kepler, Newton, Faraday, Polkinghorne und andere. Für ihn sind das Ausnahmen. Damit macht er es sich hier wie auch an anderen Stellen, die nicht in seine Weltanschauung passen, zu einfach. Es mutet etwas seltsam an, wenn er in diesem Zusammenhang darüber spekuliert, ob mancher Wissenschaftler (und mancher Künstler), der sich in früheren Jahrhunderten zum christlichen Glauben bekannte und christliche Kunstwerke schuf, heute möglicherweise Atheist wäre. Den Gegensatz von Glaube und Wissenschaft gibt es nicht; stattdessen gibt es Wissenschaftler, die an Gott glauben und solche, die nicht an Gott glauben.
Was glaubt der, der an Gott glaubt? Der Philosoph Robert Spaemann beantwortet diese Frage so: „Er glaubt an eine fundamentale Rationalität der Wirklichkeit. Er glaubt, dass das Gute fundamentaler ist als das Böse. Er glaubt, dass das Niedere vom Höheren verstanden werden muss und nicht umgekehrt. Er glaubt, dass Unsinn Sinn voraussetzt und dass Sinn nicht eine Variante der Sinnlosigkeit ist.”
Glaubt ein Atheist?
Was glaubt laut Dawkins dagegen ein Atheist? „Ein Atheist oder philosophischer Naturalist vertritt die Ansicht, dass es nichts außerhalb der natürlichen, physikalischen Welt gibt: keine übernatürliche, kreative Intelligenz, die hinter dem beobachtbaren Universum lauert, keine Seele, die den Körper überdauert, und keine Wunder, außer in dem Sinne, dass es Naturphänomene gibt, die wir noch nicht verstehen.” („Der Gotteswahn”, Seite 25). Dieser Satz von Dawkins ist aber nach eigener Definition nur Teil der natürlichen, physikalischen Welt. Warum sollte er wahr sein? Unser Verstand ist dann ja nur ein zufälliges Nebenprodukt der Evolution und unsere Gedanken sind ausschließlich das Ergebnis physikalischer Prozesse, nicht aber rationaler Einsichten. Wenn aber hinter unserer Welt eine grundlegende Rationalität steht, dann ist es sinnvoll, unserem Verstand zu vertrauen und damit die Welt zu erforschen.
Die „zentrale Argumentation” seines Buches lautet: Die Welt sieht zwar so aus, als sei sie gezielt gestaltet worden und als sei dieser „Anschein von Gestaltung auf tatsächliche Gestaltung zurückzuführen.” Aber dieses Denken „führt in die Irre, denn die Gestalterhypothese wirft sofort die umfassendere Frage auf, wer den Gestalter gestaltet hat” (Seite 222). Entgegen der jüdisch-christlichen Vorstellung von Gott als Schöpfer dieser Welt kann sich Dawkins Gott nur als gestaltet, als geschaffen vorstellen – als eine materielle Wirklichkeit, die den Gesetzen der Evolution unterworfen ist. Er setzt sich daher gar nicht erst mit einer Gottesvorstellung auseinander, in der Gott ungeschaffen, personal und ewig ist. Für Dawkins hat sich alles „durch natürliche Selektion” (in Anlehnung an Darwin) aus „einfachen Anfängen” entwickelt.
Am Anfang
Doch woher kommen diese „einfachen Anfänge”? Durch Selektion wird ja nichts Neues geschaffen, sondern nur bereits Bestehendes weiterentwickelt.
Welcher Glaube – auch der Atheismus ist ja ein Glaube – ist glaubwürdiger: Stand am Anfang irrationale Materie, aus der sich (nicht zielgerichtet) Geist entwickelte, oder stand am Anfang ein personaler schöpferischer Geist, der Materie schuf? Welche dieser beiden Weltanschauungen erklärt plausibler das, was wir tagtäglich an Sinn, Liebe, Schönheit – und auch an wissenschaftlicher Erkenntnis – erfahren? Der Oxforder Mathematiker John Lennox schreibt dazu: „Entweder verdankt die menschliche Intelligenz ihre Entstehung letztlich geist- und zweckloser Materie, oder es gibt einen Schöpfer. Es ist seltsam, dass einige Menschen behaupten, ihre Intelligenz führe sie dahin, die erste der zweiten Möglichkeit vorzuziehen”. Darüber hinaus gilt, was Robert Spaemann so ausdrückt: „Eine plötzliche grundlose Entstehung einer Welt aus nichts denken zu müssen, enthält eine Zumutung an die Vernunft, die alle anderen Zumutungen in den Schatten stellt”.
Religion ist für Dawkins die Ursache der Gewalt in unserer Welt. Ohne Religion gäbe es „keine Selbstmordattentäter, keinen 11. September, … keine Kreuzzüge …” (Seite 12) „Dass ein Krieg im Namen des Atheismus geführt würde, kann ich mir nicht vorstellen. Was sollte der Grund sein?” (Seite 387)
Atheismus bringt Friede?
Es ist beklagenswert, dass auch das Christentum – trotz des Gebotes von Jesus: „Liebet eure Feinde!” – immer wieder zu Kriegen und Verfolgungen geführt hat. Im 20. Jahrhundert – denken wir nur an Stalin oder Mao – waren es aber gerade atheistische und wissenschaftsgläubige(!) Staatsysteme, die unvorstellbare Grausamkeiten und millionenfache Morde an ihrer eigenen Bevölkerung begangen haben. Die Behauptung von Dawkins, eine atheistische Welt wäre eine friedlichere Welt, ist durch diese Erfahrungen gründlich widerlegt.
Für Dawkins ist Glaube an Gott irrationales Wunschdenken. Diese berühmte These des Philosophen Ludwig Feuerbach, Glaube sei Wunschdenken, geht von der Voraussetzung aus, dass es keinen Gott gibt, und versucht dann die Frage zu beantworten: Warum glauben so viele Menschen an einen nicht existierenden Gott? Antwort: Wunschdenken.
Wenn man stattdessen von der Voraussetzung ausgeht, es gibt einen Gott, kann man fragen, warum seit über 200 Jahren in Westeuropa immer mehr Menschen glauben, es gäbe keinen Gott. Antwort: Wunschdenken.
Entgegen der These, der Glaube an Gott sei Wunschdenken, ist es wohl plausibler, davon auszugehen, dass der Atheismus seinen Ursprung im Wunschdenken hat – dem Wunsch nach moralischer Autonomie: Man will sich von Gott in sein Handeln nicht hineinreden lassen.
Richard Dawkins will provozieren, wenn er schreibt: „Leidet ein Mensch an einer Wahnvorstellung, so nennt man es Geisteskrankheit. Leiden viele Menschen an einer Wahnvorstellung, dann nennt man es Religion.” (Seite 18)
Bekehrungsreisen
Um seine Gedanken möglichst weit zu verbreiten, unternimmt er in den USA Lesereisen. Sein Ziel ist es, seine theistischen Leser zum Atheismus zu „bekehren” (Seite 160), vor allem aber seine atheistischen Leser zu ermutigen, sich als Atheisten zu „bekennen”. (Seite 16)
Für seine Titelgeschichte wählte der Spiegel als Überschrift: „Der Kreuzzug der ‚neuen Atheisten’”. Dadurch sollte auf den aggressiven, ja militanten Ton dieses „neuen Atheismus” hingewiesen werden. Warum diese Militanz? Ist es „Panik” (Spiegel), weil Religion nicht im Verschwinden begriffen ist, wie es die Voraussagen von Atheisten in den vergangenen Jahrzehnten nahelegten, sondern in vielen Teilen der Welt ein Comeback erlebt?
Oder gibt es handfestere Gründe? Robert Spaemann hält es nicht für einen Zufall, dass mit Dawkins ein weltweit bekannter Biologe an der Spitze der atheistischen Bewegung steht. „Die Genforschung beispielsweise eröffnet uns Möglichkeiten der Manipulation und des Zugriffs auf die menschliche Natur. Da gibt es nur noch einen Widerstand, und das ist in einem weit gefassten Sinne ein religiöser. Es scheint mir so zu sein, dass die Menschen, die von diesem Machtwillen und von der Vorstellung besessen sind, allmählich alles machen zu können, nun das Haupthindernis beseitigen möchten, das diesem totalen Zugriff im Wege steht. Denn diese Disziplin befindet sich zur Zeit wie in einem Machtrausch (Beispiel Gentechnik). Die einzigen, die sie noch aufhalten können, sind im weitesten Sinne religiöse Menschen. Deshalb der aggressive Ton gegen alles Religiöse.”
Der christliche Glaube ist kein grundloser Glaube, sondern beruht auf zuverlässigen, historischen Zeugnissen über Jesus Christus, seinem Tod und seiner Auferstehung und auf persönlichen Erfahrungen. Diese Botschaft sind wir unserer Mitwelt schuldig.
Den hier vorliegenden Aufsatz von Dr. Jürgen Spieß, Historiker und Leiter des Instituts für Glaube und Wissenschaft (www.iguw.de), hielt er in ähnlicher Form auf dem Regionaltreffen 2009 in Bielefeld.

http://www.dctb.de/dctb/medien/1artikel.php?we_objectID=6057
Literatur:
A. McGrath, Der Atheismus-Wahn. Eine Antwort auf Richard Dawkins und den fundamentalisti-schen Atheismus, Asslar 2007
D. Robertson, Briefe an Dawkins, Gießen 2008
J. Lennox, Hat die Wissenschaft Gott begraben? Wuppertal 2007
R. Spaemann, Der letzte Gottesbeweis, München 2007

Existiert Gott?

„Wenn ich Gott nur sehen könnte, dann würde ich an ihn glauben!“ sagen manche Menschen, oder „Wenn es genügend Beweise gäbe, dann wüsste ich, dass er existiert!“ Existiert Gott? Gibt es Beweise für ihn?
Manche Leute meinen, die Frage an sich sei schon völliger Unsinn. Vor hundert Jahren verkündete der Philosoph Friedrich Nietzsche: „Gott ist tot!“ In unserer Zeit verkündigt der Wissenschaftler Richard Dawkins: „Es gibt keinen Grund, zu glauben, dass irgendeine Art von Göttern existiert.“ Gibt es diesen Aussagen etwas zu entgegnen?
Erstens gibt die Bibel selbst Antworten auf Nietzsche und Dawkins. Gott existiert nicht nur, er hat es absolut klar gemacht, dass er da ist. Unter anderem hat er das durch die Erschaffung der Weite und der Majestät des Universums gemacht. Wenn wir dessen Komplexität und Schönheit anschauen, sollte es klar sein, dass es einen Gott gibt, der das erschaffen haben muss und der es würdig ist, angebetet zu werden.
Zweitens ist Gott nicht nur ein distanzierter Schöpfer, er hat sich uns gezeigt, indem er als Jesus Christus auf diese Erde kam. 30 Jahre lang war der Schöpfer dieses Universums für alle klar zu sehen. Durch verschiedene Wunder machte er das deutlich. Er heilte die Kranken mit nur einer Berührung. Er machte einen Blinden sehend und brachte ein totes Mädchen wieder zum Leben mit nur einem Wort. Er machte 5000 Menschen mit ein paar Broten und Fischen satt. Er beruhigte einen heftigen Sturm in einem Moment. Er sprach wie kein anderer Mensch vor ihm oder nach ihm. In nur drei Jahren stellte Jesus durch seine Lehren und seine Wunder die Welt auf den Kopf. Die Indizien führen zu dem Urteil: Jesus war Gott. Kein Wunder, dass er der bemerkenswerteste Mensch war, der je auf der Erde gelebt hat.
Jesus ist also die Antwort auf die Frage, ob Gott existiert. Die Indizien sind in der Bibel und jeder kann sie anschauen.
Es gibt dazu noch viele andere Gründe, an die Existenz Gottes zu glauben. Es ist absurd zu glauben, eine Welt wie die unsere könnte ohne einen Schöpfer existieren. Die Existenz Gottes ist auch dadurch deutlich, dass wir unser Verhalten in richtig und falsch einteilen. Da es ein moralisches Gesetz gibt, muss ein moralischer Gesetzgeber da sein, ein moralischer Gott, der es geschaffen hat. Ein anderes Argument kann man in unserem Verlangen erkennen. Alle Menschen haben gute, natürliche Verlangen, die allesamt gestillt werden können. Es gibt Nahrung für den Hunger, Wasser für den Durst und Freundschaft und Liebe für die Sehnsucht nach Beziehungen. Menschen haben auch eine Sehnsucht nach Gott und nach Sinn im Leben, dieses Verlangen zeigt, dass es einen Gott geben muss, der es stillen kann. Interessanterweise gibt es viele gute Gründe, an Gott zu glauben, aber viele Menschen scheinen nicht glauben zu wollen. Nach der Bibel ist unser Problem nicht, dass es zu wenig Beweise gäbe, sondern, dass wir uns dazu entscheiden, die Indizien zu missachten:
„Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit besitzen, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbart – denn das Unsichtbare von ihm wird geschaut, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, die von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten wahrgenommen werden -, damit sie ohne Entschuldigung seien, weil sie, Gott kennend, ihn weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde. Indem sie sich für Weise ausgaben, sind sie zu Toren geworden und haben die Herrlichkeit des unverweslichen Gottes verwandelt in das Gleichnis eines Bildes von einem verweslichen Menschen und von Vögeln und von vierfüßigen und kriechenden Tieren.“ (Römer 1, 16-23)   Conrad        


Atheisten

„Meine Mutter sagte, die Christen haben es gut, die können sich an Gott klammern. Wir (als Atheisten) müssen uns selber helfen.“
Wolf Biermann, Liedermacher

Gott existiert.

Ihr sagt: Es gibt keinen Gott. Ich sage: Gott existiert. Es steht also unentschieden! Wenn ihr Recht habt, und es gibt wirklich keinen Gott, was wäre dann mit mir? Eigentlich nichts! ich würde sterben, und alles wäre vorbei. Ich hätte hier vielleicht nicht alles ausgekostet, was man als unverzichtbar hinstellt. Aber ist das ein so großer Verlust? Wenn es Gott aber gibt, dann wäre alles, wirklich alles, für euch verloren! Ihr würdet sterben und müsstet dann vor Gott Rechenschaft ablegen. Oder glaubt ihr, dass sich Gott eure Ignoranz seiner Person gefallen lässt? Ihr habt dann zwar hier alles mitgenommen und trotzdem alles verloren! Blaise Pascal