Der Jona von Albert Camus

Albert Camus hat sich intensiv mit dem „Nehmt mich und werft mich ins Meer“ befasst. Er stellt sich die Situation vor, wo er nicht mehr brauchbar ist. Zum Beispiel als Künstler, der sich nur noch um sein Publikum kümmert, der darum nicht mehr kreativ sein kann. Camus hat eine Novelle darüber geschrieben: „Jonas oder der Künstler bei der Arbeit“. Als Motto zitierte Camus den biblischen Text:„Nehmt mich und werft mich ins Meer…“
Bei Albert Camus wird Jona durch einen Maler verkörpert, der berühmt geworden ist durch die ersten Werke, die er schuf. Sein Erfolg bewirkt, dass er nicht mehr bei sich selber sein kann. Er hat keine Ruhe mehr. Er ist nicht mehr souverän. Er kann nicht mehr kreativ sein. Er müsste sich verweigern. Aber, kann er das? Darf er das gegenüber seinem Publikum? Nur schon die Briefe, die er erhält, überfordern ihn. Sie einfach liegen zu lassen, verbietet ihm seine Höflichkeit.
Albert Camus: „Als sein Name immer häufiger in den Gazetten auftauchte, wurde Jonas wie jeder andere aufgefordert, sich einzusetzen, um besonders empörendes Unrecht anzuprangern. Jonas antwortete, schrieb über die Kunst, gab Ratschläge, gewährte hier und dort eine Unterstützung, setzte seinen Namen unter gerechte Protestschreiben. ‚Treibst du jetzt Politik? Überlass das den Politikern, die etwas davon verstehen‘. ‚ Nein, nein. Ein Künstler muss sich engagieren, sonst gilt er nichts mehr‘.
Jonas beantwortet Briefe, unterschreibt Manifeste, gibt Interviews, fühlt sich immer verspätet, er fühlt sich immer schuldig. Er hat sich selber verloren. Seine Seele. Er ist nicht mehr bei sich. Er ist die Marionette seines Publikums. Sein Auftrag? Er ist ihm abhanden gekommen. ‚Nehmt mich und werft mich ins Meer‘. Jonas ist unbrauchbar geworden. Er gleicht dem Jona aus der Bibel.
Der Künstler Jonas im Buch von Albert Camus zieht sich ins hinterste Gemach seiner Wohnung zurück, um sich dort zu vergraben, dass ihn niemand mehr erreicht. Auch seine Frau und seine Kinder nicht. Gefragt, was er denn tue, sagt Jonas, er arbeite, aber in Wirklichkeit wartet er darauf, arbeiten zu können, um den Klang seiner ursprünglichen Berufung wieder zu hören. Aber er ist verstummt.
Die Novelle von Albert Camus endet damit, dass man den Künstler Jonas tot auffindet. Er hat noch ein Wort aufgeschrieben, das man aber kaum entziffern kann. Heisst es nun solitaire oder solidaire, einsam oder gemeinsam? Wollte Jonas solitaire oder solidaire schreiben?
Bedeutet Einsamkeit Identität – ist Engagement Selbstverrat? Oder umgekehrt? Bedeutet das Für-sich-Schauen, das Sich-Abgrenzen, dass man flieht vor der Aufgabe, vor sich selber – vor Gott? Albert Camus lässt es offen.
Jedenfalls kritisiert er in seiner Novelle die Existenzweise, da man sich sozusagen den Menschen ausliefert und total abhängig wird, sich selber entfremdet, seinem Auftrag untreu wird, nicht mehr brauchbar ist – in der Einsamkeit nicht, und auch in der Gemeinschaft nicht:
http://www.blogreminger.ch/der_jona_von_albert_camus.html
Merkmal des Buches Jona ist, dass Jona selbst die eigentliche Prophetie ist.
    Der Zeuge, der sich von Gott entfernt hat.
    Der stolze Prophet.
    Das schuldige Volk
    Die reumütigen Übriggebliebenen, die sich am Aufenthaltsort der Nationen befinden.
Wegen der Reue Ninives (Hauptstadt des assyrischen Reiches) wurde die Prophetie Jonas nicht erfüllt.

Die verweigerte Taufe von Albert Camus [aktualisiert]

CAmus.jpgVor 50 Jahren starb der Schriftsteller und Philosoph Albert Camus (1913–1960) bei einem Autounfall. Sein Werk ist aktueller denn je und liefert Antworten auf die Fragen unserer Zeit. Der Rheinische Merkur schreibt dazu:

Camus bleibt präsent: Als der linke Antikommunist, der Parteien verabscheute, als Atheist Gott respektierte und die Würde des Einzelnen über politische Interessen stellte, war das genaue Gegenteil eines Fanatikers. Wissbegierde und Ehrlichkeit, Mut und Konsequenz, die Auflehnung gegen ein sich Abfinden, das alles sind Tugenden, die unsere Zeit mehr als nötig hat.

Was kaum jemand weiß und deshalb weniger präsent ist, erzählte mir vor einigen Jahren John Warwick Montgomery (Quelle liegt mir vor):

Ich lernte vor nicht all zu langer Zeit von einem inzwischen pensionierten Pastor einer Kirche in Paris, dass Albert Camus sich dort im Monat seines tragischen Todes bei einem Autounfall taufen lassen wollte. Camus hatte den Bankrott der humanistischen Existenzphilosophie miterlebt und, wie viele andere intelligente Seelen über die Jahrhunderte hinweg, kein Problem damit, den Evangeliums-Narrativen zu vertrauen.

Anmerkung: In einer ersten Ausgabe des Beitrags schrieb ich, dass Camus sich taufen ließ. Das war ein Irrtum. Camus wollte sich kurz vor seinem Unfall taufen lassen. Der Pastor der Kirche, die Camus gelegentlich besuchte, hat die jedoch Taufe verweigert, weil Camus ausdrücklich eine private Taufe wünschte. Mehr dazu in den Kommentaren.

Veröffentlicht von Ron am January 8, 2010 09:29
http://www.theoblog.de/die-taufe-von-albert-camus/6899/

Camus im Widerspruch

Der französische Philosoph Albert Camus dachte die Vorstellung, dass es keine absoluten Werte gebe, zu Ende. Trotzdem blieben seine Thesen in sich widersprüchlich. Auch Camus konnte nicht ohne Werte Leben. Camus hat eine -absurde Philosophie geschaffen in der er ganz auf eint absolute Ethik und auf absolute Werte verzichten will. Er ist sich dabei durchaus im klaren, was eine relative Ethik mit sich bringt: «Wenn man an nichts glaubt, wenn nichts Sinn hat und wenn wir keinen Wert bejahen können, ist alles möglich und nichts von Wichtigkeit. Es gibt dann kein Für und kein Gegen, der Mörder hat weder unrecht noch recht. Man kann die Verbrennungsöfen schüren, so wie man sich der Pflege Leprakranker weiht. Bosheit und Tugend sind zufällig oder Launen.» Weiterlesen

Albert Camus Ist das Leben sinnlos?

Ist das Leben sinnlos?
Bericht über den französischen Philosoph und Schriftsteller Albert Camus:
1960 erhielt der französische Philosoph und Schriftsteller Albert Camus den Literaturnobelpreis. Camus bewegte die Frage, wie ein Mensch leben kann, wenn er weder an Gott, noch an die Macht der Vernunft glaubt. In seinem Essay »Der Mythos von Sisyphos« entwickelt er die These, dass das Leben absurd sei und es keinen Sinn für den Menschen in dieser Welt gibt. Wenn der Mensch jedoch gegen die Absurdität revoltiert, dann kann er seiner Existenz Sinn abtrotzen. Weiterlesen