Das Leiden ist der stumme Fels, an dem die Religion der Moderne zerschellt

Das Leiden ist der stumme Fels, an dem die Religion der Moderne, die Fortschrittsidee, zerschellt. Die moderne Welt hat Großes hervorgebracht, aber sie konnte und kann keine wirkliche Antwort auf die Frage geben, welchen Sinn das Leiden hat. Die Moderne kann im Leiden nur etwas sehen, was es eigentlich nicht geben darf. Die Fortschrittshoffnungen der Moderne sind immer verbunden mit dem Programm der Leidensminderung, und das Enziel soll eine Welt ohne Leiden sein. Die Tragik in diesem gewaltigen Experiment, das die Menschheit in der Moderne macht, liegt in diesem vergeblichen Kampf gegen das Leiden. Die Moderne ist angetreten, sämtliche Quellen des Leidens auszutrocknen, und darum hat die UNO Gesundheit definiert hat als die Erfahrung des Zustandes eines dauernden physischen, sozialen und kulturellen Wohlgefühls. Nach dieser Definition der UNO sind wir alle krank. Jeder weiss heute, dass es eine aberwitzige Utopie ist, diesen Zustand eines physischen und sozialen Wohlgefühls für jedermann herstellen zu wollen. Die Quelle solcher aberitzigen Utopien liegt in der Vorstellung, dass Leiden keinen Sinn hat, dass es Leiden nicht geben dürfte und dass der Fortschritt Leidensüberwindung leistet. Die christliche Kultur ist dagegen dadurch ausgezeichnet, dass sie ein tiefes Bewusstsein von dem über uns verhängten Leiden mitbringt. Das Christentum hat sich immer als eine Kraft des Trostes, als eine Kraft der Hoffnung verstanden, diesem Leiden widerstehen zu können. Das Christentum wurde letztlich immer als die Macht der Überwindung des Leidens verstanden. Die Moderne steht und fällt mit dem Anspruch, Leiden überwinden zu können. Die Moderne stösst an ihre Grenze, wenn sie eingestehen muss, dass das Leiden nicht überwindbar ist, und dass jeder Fortschritt auf dem Wege der Moderne die Erschließung einer erneuten Leidensquelle bedeutet. Die Moderne stößt an ihre Grenze, wenn sie begründen soll, das dann der Sinn des Leidens ist. Die Moderne ist sinnlos, wenn sie auf diese Frage keine Antwort geben kann, denn man kann mit Moral das Leiden nicht abschaffen. Rohrmoser (Nietzsche als Diagnostiker der Gegenwart, S. 174)

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O mein Gott ich bitte Dich, nimm meinen leichten Sinn und meinen eigensüchtigen Willen

Zitat

„O mein Gott ich bitte Dich, nimm meinen leichten Sinn und meinen eigensüchtigen Willen, der an den süssen, verderblichen Dingen hängenbleiben will, von mir, ich vermag es nicht, ich bin viel zu schwach.
Ich kann es nicht verstehen, wie heute „fromme“ Leute fürchten um die Existenz Gottes, weil Menschen seine Spuren mit Schwert und schändlichen Taten verfolgen. Als habe Gott nicht die Macht (ich spüre, wie alles in seiner Hand liegt), die Macht. Fürchten bloss muss man um die Existenz der Menschen, weil sie sich von Ihm abwenden, der ihr Leben ist.“ Tagebucheintrag vom 9.8.1942 Sophie Scholl

 

Ich entschuldige mich nicht

„Ich entschuldige mich nicht dafür, daß ich die Bibel ohne vorgeschaltete Kritik als Autorität akzeptiere. Die Bibel ist die Grundlage und die Quelle des Glaubens, nicht das Ergebnis des Glaubens. Es geht mir darum, alles unter das Urteil des göttlichen Wortes zu bringen. Ohne zögern akzeptiere ich die Irrtumslosigkeit des biblischen Berichtes, die Historizität des Vorwortes der Bibel – 1.Mose 1-11 -, den mosaischen Ursprung des Pentateuchs und die historische, konservative, evangelikale Stellung zu allen Büchern der Bibel. Ich habe diese Stellung nicht blindlings bezogen. Die historisch-kritische Forschung ist mir nicht fremd. Die Auseinandersetzungen über Offenbarung und Inspiration, Authentizität und Integrität der Bibel sind mir wohl bekannt. Über Jahre hinweg verfolgte ich aufmerksam und nachdenklich die verschiedensten philosophischen und theologischen Strömungen und ihren Umgang mit der Bibel. Ich fand aber all diese Theorien mangelhaft. Sie scheinen mir weder offenbarungsgemäß, noch historisch, noch rational zu verfahren. Es fehlen ihnen die historischen Beweise für ihre Behauptungen und die klaren autoritativen Kriterien. Sie bauten weder meinen Glauben noch mein Leben auf. Es handelte sich bei ihnen um subjektive, unkritische Spekulationen. Sie mehrten weder missionarische Motivation noch schafften sie missionarische Dynamik. Diese Theorien nahmen weder mein Herz in Beschlag, noch spornten sie meinen Willen an. Deshalb bleibe ich bei der Bibel als meinem Führer, meiner Wegweisung und meiner Autorität.“ George W. Peters. Missionarisches Handeln und biblischer Auftrag. Eine Theologie der Mission, S. 9f.

 

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Bürokratie

Bürokratie nennt man diejenige Form des Menschen am Mitmenschen, in welcher gerade dieser erste Schritt, der Schritt in die gegenseitige Offenheit verfehlt … wird, weil die Zweisamkeit um der Einfachheit einer allgemeinen Betrachtung und eines allgemeinen Verfahrens willen umgangen wird. Bürokratie ist die Begegnung von Blinden mit solchen, die von diesen als Blinde behandelt werden. Ein Büro ist eine Stelle, wo die Menschen unter gewissen Schemata betrachtet und nach bestimmten Plänen, Grundsätzen und Regeln behandelt, abgefertigt, verarztet werden. Das kann dann wohl dazu führen, dass die Menschen selbst – die Behandelnden und die Behandelten – sich gegenseitig unsichtbar werden. Nicht jedes Büro ist ein Amtsbüro. Es sitzt und wirkt auch mancher, ohne es zu wissen, zeitlebens in seinem Privatbüro, von dem aus er die Menschen … nach seinen Privatplänen zu behandeln und abzufertigen gedenkt, wobei es dann wohl möglich ist, dass ihm die wirklichen Menschen gerade deshalb zeitlebens unsichtbar bleiben, wie er selbst dann vielleicht auch den Anderen zeitlebens unsichtbar bleiben muss. (Kirchliche Dogmatik Bd. III / 2 S. 299 und 302 – Kapitel „Die Grundform der Menschlichkeit“)
Zitat des Monats: Der unsichtbare Mensch – Karl Barth zur Bürokratie

Führe uns nicht in Versuchung

Muß denn die Stunde der Versuchung nicht kommen? Ist es darum nicht unerlaubt, so zu beten? Sollten wir nicht vielmehr allein darum beten, daß uns in der Stunde der Versuchung, die ja kommen muß, Kraft zur Überwindung geschenkt werde? Dieser Gedanke will mehr von der Versuchung wissen als Christus und will frömmer sein als der, der die schwerste Versuchung erfuhr. »Muß die Versuchung nicht kommen?« Ja, warum denn? Muß denn Gott die Seinen dem Satan ausliefern? muß er sie denn an den Abgrund des Abfalles führen? Muß denn Gott dem Satan solche Macht einräumen? Wer sind denn wir, daß wir davon reden könnten, daß Versuchung kommen müsse? Sitzen wir denn in Gottes Rat? Und wenn schon Versuchung kommen muß, – Kraft eines uns unbegreiflichen göttlichen Muß – dann ruft uns eben Christus, der Versuchteste von allen auf, gegen dieses göttliche Muß anzubeten, nicht resigniert-stoisch sich der Versuchung auszuliefern, sondern von jenem dunklen Muß, in dem Gott den Teufel willfährig ist, zu jener offenbaren göttlichen Freiheit zu fliehen und zu rufen, in der Gott den Teufel unter die Füße tritt. Führe uns nicht in Versuchung! (Matthäus 6, 13) Dietrich Bonhoeffer
Quelle:Illegale Theologenausbildung: Sammelvikariate 1937-1940, DBW Band 15, Seite 375
http://www.dietrich-bonhoeffer.net/zitat/id/448/

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Ich will meine Theologie erleben!

Wir müssen uns nicht zwischen einem geistlichen Leben der Wahrheit und der rechten Lehre [auf der einen Seite] und einem der Kraft des Heiligen Geistes [auf der anderen Seite] entscheiden, sondern beides gehört zusammen. Meine Aufgabe war es nicht, meine Theologenstube zu verlassen und endlich jemand zu werden, der Erlebnisse mit Gott hatte, sondern den Heiligen Geist zu bitten, mir zu helfen, meine Theologie zu erleben. Tim Keller in „Beten: Dem heiligen Gott nahekommen“

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„Was entgegnen Sie jemanden, der predigt, dass wir ‚Jesus treu sein sollen‘, anstatt ‚der Bibel treu‘ gegenüber zu sein?“

„Meine Antwort darauf ist, dass dies eine falsche Unterteilung ist. Niemand hatte eine größere Wertschätzung für die Bibel als Jesus, und niemand hat eine größere Wertschätzung für Jesus, als es die biblischen Autoren hatten. Wir können doch gar nichts über Jesus sagen außerhalb der Bibel. Einfach gesagt: Jesus-treu zu sein, heißt Bibel-treu zu sein – und Bibel-treu zu sein, heißt Jesus-treu zu sein. Der Gedanke, dass wir losgelöst von den Texten des Paulus, Petrus, Jesaja oder irgendeines anderen biblischen Schreibers Jesus haben oder Treue gegenüber Jesus haben können, ist dem Selbstverständnis von Jesus völlig fremd.“ R.C. Sproul

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Das Wort Gottes treiben

Gerhard Ebeling beschreibt in seiner Einführung zu Luther, wie dieser im Anschluss an die Zeit auf der Wartburg nach Wittenberg zurückkehrte, um das Wort zu predigen (Gerhard Ebeling, Luther: Einführung in sein Denken, Tübingen: Mohr Siebeck, 1965, S. 67):
In Wittenberg aber geht Luther auf die Kanzel, Tag für Tag, eine Woche lang, und hat durch das Wort dem rechten Gang der Reformation die Bahn gemacht, indem er klarstellte, daß das, was der Inhalt des Evangeliums ist, auch bestimmend sein muß für die Frage des reformatorischen Handelns, nämlich daß alles abzustellen ist auf Wort und Glauben: „Denn das Wort hat Himmel und Erde geschaffen und alle Dinge; das muß es tun und nicht wir armen Sünder. Summa Summarum: Predigen will ich’s, sagen will ich’s, schreiben will ich’s. Aber zwingen, dringen mit der Gewalt will ich niemand. Denn der Glaube will willig, ungenötigt angezogen werden. Nehmt ein Exempel von mir: Ich bin dem Ablaß und allen Papisten entgegen gewesen, aber mit keiner Gewalt. Ich habe allein Gottes Wort getrieben, gepredigt und geschrieben, sonst hab ich nichts getan. Das hat, wenn ich geschlafen habe, wenn ich Wittenbergisch Bier mit meinem Philippus und Amsdorf getrunken habe, also viel getan, daß das Papsttum so schwach geworden ist, daß ihm noch nie kein Fürst noch Kaiser so viel Abbruch getan hat. Ich hab nichts getan, das Wort hat es alles getan und ausgerichtet.“ https://theoblog.de/das-wort-gottes-treiben/31536/

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Ist die Vernunft letzte Autorität?

Nun ist es die allgemeine Tendenz der Aufklärung, keine Autorität gelten zu lassen und alles vor dem Richterstuhl der Vernunft zu entscheiden. So kann auch die schriftliche Überlieferung, die Heilige Schrift wie alle andere historische Kunde, nicht schlechthin gelten, vielmehr hängt die mögliche Wahrheit der Überlieferung von der Glaubwürdigkeit ab, die ihr von der Vernunft zugebilligt wird. Nicht Überlieferung, sondern die Vernunft stellt die letzte Quelle aller Autorität dar.
Hans-Georg Gadamer. Wahrheit und Methode. Mohr: Tübingen 1999. S. 277.

Aus dem Tagebuch einer Bibel

Januar
Es ist eine sehr arbeitsreiche Zeit für mich. Die meisten aus der Familie haben beschlossen, mich im Laufe des Jahres einmal durchzulesen. In den ersten beiden Wochen war ich sehr beschäftigt, doch jetzt haben sie mich vergessen.

Februar
Frühjahrsputz…ich wurde gestern abgestaubt und wieder an meinen Platz gestellt. Mein Besitzer hat mich letzte Woche einmal für ein paar Minuten gebraucht. Er hatte mit jemandem einen Streit gehabt und hat ein paar Stellen nachgeschlagen, um zu beweisen, dass er  Recht hatte.

März
Am Ersten des Monats hatte ich einen sehr arbeitsreichen Tag. Mein Besitzer wurde zum Vorsitzenden der Industrie- und Handelskammer gewählt und hat mich gebraucht, um eine Rede vorzubereiten.

April
Großvater hat uns diesen Monat besucht. Er hat mich eine Stunde lang auf seinem Schoß gehabt und aus 1. Petrus 5:5-7 vorgelesen. Er scheint mehr von mir zu halten als einige Leute aus meinem eigenen Haushalt.

Mai
Ich habe ein paar grüne Flecken auf meinen Seiten. Einige Frühlingsblumen wurden zwischen meinen Seiten gepresst.

Juni
Ich sehe aus wie ein Sammelalbum. Sie haben mich mit Zeitungsausschnitten voll gestopft – eines der Mädchen hat geheiratet.

Juli
Heute haben sie mich in den Koffer gepackt. Anscheinend fahren wir in Urlaub. Ich wünschte, ich könnte zu Hause bleiben. Ich kann mir schon vorstellen, dass ich jetzt mindestens zwei Wochen lang hier eingeschlossen bin.

August
Ich bin immer noch im Koffer.

September
Endlich wieder zu Hause und an meinem alten, gewohnten Platz. Ich habe eine Menge Gesellschaft. Zwei Frauenzeitschriften und vier Comic-Hefte wurden auf mich gestapelt. Ich wünschte, ich würde so oft gelesen wie sie.

Oktober
Heute haben sie ein bisschen in mir gelesen. Jemand im Haus ist sehr krank. Gerade jetzt liege ich mitten auf dem Kaffeetisch. Ich glaube, der Pastor kommt zu Besuch.

November
Zurück an meinem alten Platz. Jemand hat heute gefragt, ob ich ein Sammelalbum sei.

Dezember
Die Familie macht sich für die Ferien bereit. Ich schätze mal, dass ich wieder unter Geschenkpapier und Paketen verschwinden werde … so wie jedes Jahr um die Weihnachtszeit. Aber zumindest werde ich nächsten Monat wieder für ein paar Wochen gelesen.