Noch nie hat das sprachliche Geschlecht mit dem biologischen übereingestimmt.

„Noch nie hat das sprachliche Geschlecht mit dem biologischen übereingestimmt. Schon «das Weib» ist ein Skandal, die Eselsmilch natürlich ebenso. Was wäre weiblich an der Rhone und männlich am Rhein? Haben die Vögel drei Geschlechter, weil wir der Spatz, die Amsel und das Rotkehlchen sagen? Macht es uns Probleme, unter den Katzen auch die Kater zu verstehen? Oder glaubt irgend jemand, in der Einwohnerstatistik wären die Frauen nicht mitgezählt?“
Aus einem Essay von Wolf Schneider

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Theologie der Anpassung

Ein gut Teil heutiger Theologie ist Theologie der Anpassung an den Geist des »We never had it so good« mit seinem gezähmten Gottesgedanken und der Ablehnung jeglichen Urteils über die Sünde des Menschen. Im allgemeinen scheint die Botschaft der Theologie an die Öffentlichkeit zu lauten: Doch, es gibt einen Gott, aber wir können versprechen, daß er sich nicht einmischt. Die Theologie vermittelt, gewollt oder ungewollt, den Eindruck der Unwirklichkeit Gottes. Klaus Bockmühl
(„Aufgaben der systematischen Theologie heute“, in: Denken im Horizont der Wirklichkeit Gottes: Schriften zur Dogmatik und Theologiegeschichte, Abt. 2, Bd. 1, 1999, S. 105-121, hier S. 114)

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Theologie ist eine harmlose Angelegenheit geworden

Heute haben wir es mit einer Dialoginflation zu tun. Man will mit jedem und möglichst allen „ins Gespräch kommen“. Theologie muss relational und kommunikativ sein. Der Gegenstand, über den wir sprechen, ist nicht so wichtig, die Beziehung, die wir im Dialog eingehen, ist wichtiger. Der Dialog unserer Tage dient nicht der Wahrheit, sondern der Gemeinschaft. Diese gemeinschaftssuchenden Dialoge gehen von einer Kirchengemeinschaft zur anderen, von einer Religionsgemeinschaft zur anderen. Zugleich entstehen wahrheitssuchende Dispute in allen Kirchen und in allen Religionen zwischen Konservativen und Progressiven, zwischen Fundamentalisten und Modernisten. Warum sind die gemeinschaftssuchenden Dialoge und die wahrheitssuchenden Dispute getrennt? Warum gehen Gemeinschaft und Wahrheit nicht zusammen?
Es gibt einen flachen Witz über die moderne Philosophie der Kommunikation: Ein Reisender ist in einer fremden Stadt. Er fragt einen, der ihm begegnet: „Wissen Sie, wo es zum Bahnhof geht?“ Der antwortet: „Das weiß ich auch nicht, aber ich freue mich, dass wir ins Gespräch gekommen sind.“ Es ist kein Wunder, dass es in der Theologie still geworden ist. Ich erinnere noch die heftigen Dispute über „Entmythologisierung“ oder „feministische Theologie“, um nur zwei zu nennen. Heute sind Theologen friedlich geworden. Es gibt kaum noch Streit. Die Öffentlichkeit nimmt kaum noch Notiz. „Wissenschaftliche Theologie“ hat die Kirchen verlassen und konzentriert sich auf Anerkennung im Haus der Wissenschaften. Dogmatik geht zur Religionsphilosophie über. In früheren Zeiten klagten die Leute über die Streitlust der Theologen, die rabies theologorum. Heute ist Theologie eine harmlose Angelegenheit geworden. Ist das nicht gut so? Nein! Wir müssen wieder lernen. Ja oder Nein zu sagen. Ein Streit kann mehr Wahrheit enthalten als ein toleranter Dialog.
Christliche Erneuerungen in schwierigen Zeiten, 2019, S. 14–16

Jürgen Moltmann: Theologie ist eine harmlose Angelegenheit geworden

Geistlicher Ehebruch heute

Wenn diejenigen, die behaupten, daß sie Gott gehören, sich von dem Wort Gottes und dem Christus der Geschichte abwenden, dann ist das in Gottes Augen sehr viel schlimmer als der schlimmste Fall von ehelicher Untreue, denn das zerstört die Wirklichkeit des großen, zentralen Braut-Bräutigam-Verhältnisses. Ich habe mich bemüht zu betonen, daß Gott Promiskuität in geschlechtlichen Beziehungen keineswegs auf die leichte Schulter nimmt, aber Abfall vom Glauben — geistlicher Ehebruch — ist viel schlimmer. Und das ist genau das, was der moderne liberale Theologe getan hat. Und was sagen wir dazu? Ich würde meinen, daß wir uns bemühen sollten, die Situation nicht weniger klar zu beurteilen, als Gott das tut. Wenn man sich die liberale Theologie von heute ansieht, so wird deutlich, daß sie den Gott, den es gibt, leugnet. Sie leugnet den göttlichen historischen Christus. Sie leugnet die Bibel als das Wort Gottes in menschlicher Sprache. Sie leugnet den Heilsweg Gottes. Die Liberalen erheben ihre eigenen humanistischen Theorien in eine Stellung, die über dem Wort Gottes, der offenbarten Mitteilung Gottes an den Menschen, gilt. Sie machen sich durch bloße Projektionen ihres Denkens Götter, die keine Götter sein können.
Francis Schaeffer (Die Kirche Jesu Christi, 1981, S. 43–44)

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Gemeinde aufbauen, nicht abbauen

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Ich weiß, daß es in vielen gläubigen Kreisen geradezu eine hysterische Angst vor geistiger und theologischer Klärung gibt. Der Grund liegt sehr häufig darin, daß gewisse Leute, die sich Theologen nennen, die Gemeinde nicht aufgebaut, sondern mit ihren gottlosen Sprüchen abgebaut haben. Von hierher ist zu verstehen, wenn mancher einfach keine Lust und kein Vertrauen mehr zu theologischer Arbeit hat, weil er befürchten muß, daß die Gemeinde nur zerstritten wird. Aber es gilt auch hier der Satz: Der Mißbrauch hebt den guten Gebrauch nicht auf … Holt Euch zu theologischer Arbeit nur solche Männer, die mit Euch beten und Gott loben können und die nachgewiesen haben, daß alle theologische Arbeit in dem Versöhnungsopfer von Golgatha gemessen werden muß, und von denen Ihr wißt, daß sie eine lebendige Ewigkeitshoffnung haben.
Klaus Vollmer, Gemeinde aufbauen, nicht abbauen (Alte Wege – neu entdeckt, 1975, S. 81–82

Der Geist Gottes im Kampf der Geister

In vielen frommen Kreisen wird der Heilige Geist als eine imaginäre, seltsam mit Gefühlen vermischte Größe angesehen. Hier muß wieder Klarheit hineinkommen: Der Geist Gottes trifft auf einen Menschen, um ihm das Geheimnis Christi zu offenbaren und um den Gläubigen, in alle Wahrheit zu leiten’ (Joh. 16, 13). Dies sind geistige Vorgänge. Und es ist eben keine Nebensache, daß unser Herr seine Jünger gelehrt hat und daß er sie beauftragte, alle Welt, zu lehren’, sondern Lehre bedeutet, daß ein Mensch ganz, nach Leib, Seele und Geist unter die Herrschaft Christi kommt. Da wir Menschen aber durch den Geist geadelt sind, setzt Gott auch entscheidend im Geist an.
Verkündigung ist und bleibt darum auch ein Kampf der Geister! Und immer wird es darum gehen, ob der Geist der Selbstherrlichkeit, des Hochmuts und der Selbstgerechtigkeit siegt, oder ob durch die Verkündigung des Wortes Gottes der Geist Gottes über einen Menschen herrschen kann. Und indem er ihn zum Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn bringt, wird er die Führung über das ganze Leben antreten. In diesem Kampf der Geister führt der Geist Gottes jeden in die Auseinandersetzung mit den herrschenden Geistern der Zeit. Klaus Vollmer, Der Geist Gottes im Kampf der Geister (Alte Wege – neu entdeckt, 1975, S. 77–78)

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Oft ist zu hören: Das Gedenken an die sechs Millionen ermordeten Juden werde nach dem Ableben der letzten Zeitzeugen erheblich erschwert.

Oft ist zu hören: Das Gedenken an die sechs Millionen ermordeten Juden werde nach dem Ableben der letzten Zeitzeugen erheblich erschwert. Das ist gedankenloses Geschwafel. Längst sind die Zeitzeugen der altrömischen Republik tot, aber ihre Geschichte können wir ebenso rekonstruieren wie die des römischen Kaiserreichs. Notwendig ist eine Wende in der europäischen Gedenkkultur. Ohne sie wird der dreiköpfige – muslimische, linke und rechte – Antisemitismus immer stärker und Holocaust-Gedenken zur selbst gestellten Falle.
Wer nur nach hinten rechts schaut, übersieht die entgegenkommenden Gefahren. Wer vom muslimischen und vom linken Antisemitismus nicht reden will, sollte auch vom rechten schweigen. Die Gedenkfalle kann keine noch so erschütternde Zeitzeugenrede am «Holocaust-Gedenktag» beseitigen.
https://www.nzz.ch/meinung/wer-immer-nur-rechts-in-den-rueckspiegel-schaut-sieht-die-gefahr-vorne-nicht-rituelles-holocaust-gedenken-kann-auch-zur-falle-werden-ld.1450430

 

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Ins Herz gemeißelt

„So also stehen die Dinge: der Glaube der Christen darf sich nicht auf menschliches Zeugnis gründen, nicht auf schwankende Meinungen stützen, noch sich durch Autorität von Menschen absichern, sondern er muss uns mit dem Finger des lebendigen Gottes ins Herz gemeißelt sein, damit ihn kein Irrtum mit seiner Verblendung auslöschen kann.“ (Johannes Calvin, 1509-1564)
Zweifellos ist es ermutigend, wenn Archäologen die historische Zuverlässigkeit einer biblischen Aussage bestätigen oder wenn bedeutende Gelehrte ihr Vertrauen in die Aussagen Gottes bekennen. Der Blick in die Schönheiten der Natur kann einen ebenso tiefen Eindruck hinterlassen, wie der mitreißende Lebensbericht eines Menschen, der aus Gottlosigkeit und Eigensucht umgekehrt ist, um ein neues Leben mit Gott zu beginnen. Auch selbst erfahrene Wunder oder überraschende Gebetserhörungen festigen den Glauben, zumindest eine Zeitlang. Natürlich ist auch der Zuspruch anderer Christen ganz angenehm, weil er den Eindruck vermittelt, mit seiner Auffassung nicht ganz alleine dazustehen.
Am Ende aber braucht es die ganz persönliche Beziehung zu Gott, die langjährige Erfahrung seiner Nähe, das Reden des Heiligen Geistes im eigenen Innern, dass auch bei Leiden oder in Phasen des Zweifels eine Sicherheit des Glaubens vermittelt, die über alle rationalen Argumente oder spirituellen Gefühle hinausgeht. Diese Gewissheit kann man weder lernen noch erzeugen, sie muss dem Christen von Gott geschenkt werden.
„Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu!“ (Philipper 4,7) Michael Kotsch

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Das christliche Leben ist …

„Das christliche Leben ist in allen Bereichen – Intellekt und Ethik, Frömmigkeit und Beziehung, nach oben gerichtete Anbetung und nach Aussen gerichtetem Zeugnis – übernatürlich; nur der Geist kann es initiieren und erhalten.
Ohne ihn gibt es also nicht nur keine lebendigen Gläubigen und keine lebendigen Gemeinden, sondern überhaupt keine Gemeinden.“ J.I. Packer

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Die Geburt Jesu in Bethlehem ist keine einmalige Geschichte, sondern ein Geschenk, das ewig bleibt. Martin Luther

Wenn Gott in Jesus Christus Raum in der Welt beansprucht – und sei es nur in einem Stalle, weil ›sonst kein Raum in der Herberge‹ war – so faßt er in diesem engen Raum zugleich die ganze Wirklichkeit der Welt zusammen und offenbart ihren letzten Grund. Dietrich Bonhoeffer
Gott will nicht tote Christen, sondern Christen, die ihrem Herrn leben. Hören wir dieses Wort nicht, so ist Weihnachten an uns vorübergegangen. Dietrich Bonhoeffer

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