Evangelikale Zukunft

In den Nachkriegsjahren haben sich die Evangelikalen um zwei Kernüberzeugungen gesammelt, nämlich die volle Autorität der inspirierten Schrift und die Zentralität von Jesu stellvertretendem Sühnetod (S. 5). Dem folgte eine anhaltende Schwächephase durchsteigende Gleichgültigkeit gegenüber biblischer Lehre. „Das Christentum wurde zunehmend auf private, innere, therapeutische Erfahrung reduziert.“ (S. 8) Zudem wurde der Glaube von der lokalen Gemeinde losgelöst. „Der Glaube wurde individualistisch, selbst-fokussiert und konsumorientiert“ (S. 11). Das zweite große Segment seit den 1980er-Jahren bilden die sogenannten „Marketers“. Sie holten mit dem Argument „wir behalten die alte Botschaft, verpacken sie einfach neu“ Businessstrategien in die Kirche. Wells vergleicht Gemeinden mit den Einkaufszentren: Wir holen uns, wann wir es wollen, das, wozu wir gerade Lust haben. Dies bereitete den Boden für eine nächste Generation, die Emergenten. Sie sind besonders skeptisch gegenüber Macht und Strukturen. Sie schließen sich in losen Netzwerken zusammen. Was von den „Marketers“ inhaltlich ausgehöhlt worden war, besetzen sie mit einem Sammelsurium von neuen Inhalten. Sie experimentieren mit anderen Gottesdienstformen. Die Diagnose stimmt nachdenklich: „Ich weiß nicht, was die evangelikale Zukunft sein wird, aber ich bin sicher, dass der Evangelikalismus keine gute Zukunft hat“ (S. 21). Zumindest dann, wenn keine Kursänderung gelingt.
Courage to be Protestant: Truth-lovers, Marketers and Emergents in the Post-modern World (Englisch) Gebundene Ausgabe – 18. April 2008 von David F Wells

 

Das große Fragezeichen eines „religionslosen Christentums“

»Was mich unablässig bewegt, ist die Frage, was das Christentum, oder auch wer Christus für uns heute für uns eigentlich ist. Die Zeit, in der man das den Menschen durch Worte – seien es theologische oder fromme Worte sagen könnte, ist vorüber, ebenso die Zeit der Innerlichkeit und des Gewissens, und d.h. eben die Zeit der Religion überhaupt. Wir gehen einer völlig religionslosen Zeit entgegen; die Menschen können einfach, so wie sie nun einmal sind, nicht mehr religiös sein.« Dietrich Bonhoeffer  Aufzeichnungen aus der Haft, DBW, 8. Band, München 1998, 403-409

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Der unklare Begriff der „Werte“

Der Wertbegriff war einer der konstitutiven Begriffe  der Nationalökonomie von Adam Smith. In die Philosophie ist der Wertbegriff aber erst durch Nietzsche gekommen. Der Wertbegriff erlebt heute eine Konjunktur, die weit über die Philosophie hinaus reicht. Er ist zum zentralen Begriff in allen Zusammenhängen unserer Gesellschaft geworden, so weit es nicht gerade nur um Fakten und um technische Machbarkeiten geht. In allen heute noch kulturell zu nennenden Verständigungsformen geht es um die Wertfrage. Alles gesellschaftliche Geschehen hat, direkt oder indirekt, mit Prozessen zu tun, in denen Werte sich ändern und wandeln. Dieser Prozess des Wertewandels beschleunigt sich immer mehr, wir sprechen daher von einem dynamischen Wertewandel. Diesem inflationären Gebrauch des Wertbegriffes steht eine nach wie vor höchst unbefriedigende Klärung dessen gegenüber, was ein Wert ist. Nur in nationalökonomischen Zusammenhängen kann man präzise die Frage beantworten, was ein Wert wert ist. In allen nicht nationalökonomischen Verwendungszusammenhängen steht der allgegenwärtigen Präsenz des Wertbegriffs eine merkwürdige Unklarheit in Bezug auf die entscheidende Frage gegenüber, was denn die Werte selber wert sind, die man jeweilig setzt oder die gerade entwertet werden. … Max Scheler hat noch behauptet, dass die Werte an sich gelten, und dass die Menschen auch über ein eigenes emotionales Organ verfügen, um diese Werte zu erfassen. Für die neukantianische Wertphilosophie steht dagegen fest: Werte gelten, aber sie sind nicht. Werte rufen daher nach ihrer Verwirklichung. Die Verwirklichung der an sich geltenden Werte braucht den Einsatz für die Verwirklichung der Werte. Die Werte müssen dann aber gegenüber konkurrierenden Werten durchgesetzt werden. Über die Chance einer Durchsetzung eines Wertes entscheidet dann die Macht. Die Macht holt den Wert aus dem abstrakten, wesenlosen Sein abstrakter Geltung heraus und sorgt für dessen Durchsetzung. Die Realität einer sich auf Werte hin verstehenden Gesellschaft ist darum gekennzeichnet durch den Kampf um die Werte.
Günter Rohrmoser „Werte“ (Nietzsche als Diagnostiker der Gegenwart, S. 314f)

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Die Kirche braucht einen progressiven Fundamentalismus mit einer sozialen Botschaft

„Die Kirche braucht einen progressiven Fundamentalismus mit einer sozialen Botschaft“; „Einst war das erlösende Evangelium eine weltverändernde Botschaft, heute ist es zu einer weltverneinenden Botschaft geworden“; „Wir müssen die Welt heute mit einer Ethik konfrontieren, die sie erzittern lässt, mit einer Dynamik, die sie hoffen lässt“. Der Fundamentalismus „fordert die Ungerechtigkeiten des Totalitarismus, den Säkularismus der modernen Erziehung, die Übel des Rassenhasses, die Mißstände in der Arbeitswelt, internationale Ungleichheiten nicht heraus. Er hat aufgehört Rom und Cäsar herauszufordern… Das apostolische Evangelium hat nichts mehr gemein mit einer Leidenschaft für eine gerechte Welt.“ Carl F.H. Henry 1913–2003

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Frieden haben heisst…………….

„Frieden haben heisst sich getragen zu wissen, sich geliebt zu wissen, sich behütet zu wissen, heisst still, ganz still werden können, mit einem Menschen Frieden haben heisst auf seine Treue unerschütterlich bauen können, heisst sich mit ihm eins wissen, sich von ihm vergeben wissen.
Frieden haben heisst eine Heimat haben in der Unruhe der Welt, heisst festen Boden unter den Füssen haben, da mag nun die Welle branden und toben, sie können mir meinen Frieden nicht mehr rauben, mein Friede hat mich frei gemacht von der Welt, stark gemacht gegen die Welt, reif gemacht für die andere Welt. Dass wir aber solchen Frieden mit Gott haben sollen, dass ist seine Sache, die über alles menschliche Begreifen über alle Vernunft geht.“
(Dietrich Bonhoeffer, zitiert aus: Mystik für Christen, ein Jahreslesebuch, Gütersloher Verlag. Lesung zum 19. Sept.)

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Ein Gebet für [die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland] und alle weltliche Obrigkeit.

O Herr, unser himmlischer Vater, Du erhabener und mächtiger Regent des Weltalls, der Du von Deinem Throne siehest auf Alle, die auf Erden wohnen: Wir bitten Dich von Herzen, blicke in Gnaden herab auf Deine Dienerin, [die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland] und alle anderen Beamten; und gieb ihnen ein so reiches Maß Deiner Gnade und Deines Heiligen Geistes, auf daß sie allezeit Deinem Willen sich beugen und in Deinen Wegen wandeln. Rüste sie reichlich aus mit himmlischen Gaben; verleihe ihnen in Gesundheit und Segen lange zu leben; und endlich nach dieser Zeit die ewige Freud und Seligkeit; durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen.
Aus dem allgemeinen Gebetsbuch der Anglikaner (leicht abgewandelt für unsere Verhältnisse) Alexander Weiss

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Wir werden nicht in einen Binnenraum versetzt

Als die Gerechtfertigten werden wir von der in dieser Welt noch herrschenden Gottlosigkeit geschieden, aber wir werden nicht in einen Binnenraum versetzt, in dem die Geschicke der Welt und der Menschen, die noch in Gottesferne leben, uns gleichgültig sein können.
Rechtfertigungsfrömmigkeit ist somit keine weltabgewandte Jenseitsfrömmigkeit.
Nicht zur Abwendung von der Welt, auch nicht zur Anpassung an die Welt, aber zum Zeugnis, zur Hoffnung und zum Gebet für die Welt ist die Gemeinde Jesu Christi gerufen. Aus: Dogmatik II, Gottes Weg mit dem Menschen (Joest & von Lüpke).

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Der Ruf in die Nachfolge bindet den Menschen an den, der da ruft.

Der Ruf in die Nachfolge bindet den Menschen an den, der da ruft. Nicht eine Christusidee, nicht eine Christologie, nicht ein christozentrisches Gedankensystem, geschweige denn die angeblich christliche Vorstellung eines Vatergottes ruft in die Nachfolge. Wie könnten sie das auch? Sie haben ja kein Wort und keine Stimme! Sie können auch keinen binden. So ist die Nachfolge auch nicht die Übernahme eines Programms, eines Ideals, eines Gesetzes, nicht der Versuch, ein solches zu verwirklichen. Das Gebot der Nachfolge fällt praktisch mit dem Gebot des Glaubens zusammen.
(Kirchliche Dogmatik Bd IV/2 S. 606f. Der Ruf in die Nachfolge Christi)

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Viele junge Menschen schieben und schieben – die Verantwortung von sich.

„Die dramatischen Veränderungen im Hinblick auf die Ehe und Familie betreffen auch Christen. Auch sie heiraten immer später, scheiden sich öfter und bekommen weniger Kinder. Das ist ein Problem des Erwachsenwerdens und auch ein moralisches Problem, weil es damit einhergeht, dass die biblische Sicht eines Lebens zur Ehre Gottes und Christi verloren geht. Zur biblischen Weltsicht gehört aber, dass der Mensch erwachsen wird und Verantwortung in Ehe und Familie übernimmt. Darauf beruht auch seine Verantwortung in der Gesellschaft.“ – Albert Mohler

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Was würde Luther tun, wenn er 500 Jahre später geboren wäre?

Er würde auch wieder dieses Gedicht schreiben:
Meine Hoffnung
Mir ist es bisher – wegen angeborener Bosheit und Schwachheit – unmöglich gewesen, den Forderungen Gottes zu genügen.
Wenn ich nicht glauben darf, dass Gott mir – um Christi Willen – dieses täglich beweinte Zurückbleiben vergeben wird, so ist es aus mit mir.
Ich müsste verzweifeln, aber das lasse ich bleiben.
Wie Judas an einen Baum mich hängen, das tu’ ich nicht.
Ich hänge mich an den Hals oder an den Fuß Christi wie die Sünderin.
Und wenn ich auch noch schlechter bin als diese, ich halte meinen Herrn fest.
Dann spricht er zum Vater an der Pforte:
“Dieses Anhängsel muss auch durch. Es hat zwar nichts gehalten und alle Deine Gebote übertreten, Vater, aber er hängt sich an mich.
Was soll’s! Ich starb auch für ihn. Lass ihn durchschlupfen. Das soll mein Glaube sein. Martin Luther

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