„Der Ernstfall“

Die Moderne ist ihrer innersten Natur und ihrem innersten Wesen nach nichts anderes als der Wille, ein Programm des Fortschritts zu verwirklichen. (45)
Das Christentum stirbt als substanzielle Wahrheit, so hat man den Eindruck, aber es überlebt als Moral. Die schlimmste Wunde, die sich das Christentum selbst zufügte, ist die Moralisierung des Sündenbegriffs. … Ist der Mensch von Natur aus gut, dann ist das ganze Christentum abgetan … Es ist in der Tat nicht einzusehen, wovon das Christentum erlösen sollte, wenn es nichts mehr im Menschen gibt, was der Erlösung bedarf. (63)
Sophistik ist eine Form des Denkens, bei der die Politik und selbst ethische Fragen in technisch lösbare Verfahren transponiert werden. Alles gilt als lösbar, wenn man nur die richtige Technik beherrscht. (123)
Pragmatismus bedeutet, dass sich eine Partei bei allen Überlegungen von dem Ziel leiten lässt, entweder an die Macht zu kommen oder, wenn man schon an der Macht ist, sich so lange wie möglich dort zu halten. (152) Weiterlesen

Frankreich: Ein verstörendes Verbot

Das oberste französische Verwaltungsgericht hat die Ausstrahlung eines TV-Werbespots verboten, der glückliche Jugendliche mit Downsyndrom zeigt. Begründung: Der Clip könne auf Frauen, die abgetrieben haben, verstörend wirken.

PRO schreibt:

Das Video „Dear Future Mom“ (Liebe zukünftige Mutter) darf im französischen Fernsehen nicht gezeigt werden. Das hat das oberste Verwaltungsgericht im Land entschieden. Der zweieinhalbminütige Clip, den ursprünglich die italienische Organisation „CoorDown“ 2014 veröffentlicht hat, zeigt glückliche Kinder und Jugendliche mit Downsyndrom. Sie wollen Mütter, die ein Kind mit Trisomie 21 erwarten, ermutigen und sprechen in die Kamera: „Habe keine Angst.“

Dann erklären sie der potentiellen Mutter, dass ihr ungeborenes Kind später viele Dinge werde tun können, wie etwa sprechen und ihr sagen, dass es sie lieb hat. Auch glücklich sein, in die Schule gehen und schreiben lernen, sei mit Downsyndrom möglich, ebenso wie reisen, arbeiten und Geld verdienen. Gleichzeitig werde der Alltag aber auch manchmal „schwer, sehr schwer, fast unmöglich“ sein. Dann ist die Frage eines Jugendlichen ergänzt: „Aber ist das nicht so für alle Mütter?“ Schließlich zeigt das Video, wie sich die betroffenen Kinder und die Mütter umarmen und vor Freude strahlen.

Dass dieses Video im französischen Fernsehen nicht gezeigt werden darf, hat das oberste Verwaltungsgericht in zweiter Instanz bestätigt und damit ein schon früher ausgesprochenes Urteil in der Revision bekräftigt. Unter anderem hieß es in der Urteilsbegründung, dass die Bilder auf Frauen, die abgetrieben haben, möglicherweise „verstörend“ wirken könnten, berichten französische Medien.

Mehr: www.pro-medienmagazin.de.

Donald Trump

Hillary Clinton hat in den wichtigsten Direktdebatten gegen Donald Trump gesiegt – und trotzdem verloren. Trump hat sich mit verbalen Aussetzern diskreditiert – und trotzdem gewonnen. Was ist da passiert? Clinton sei mit einer „grösseren Macht“ konfrontiert gewesen, analysiert der Historiker Allan J. Lichtman. Er hat Trumps Wahl vorausgesagt. Sein Prognosemodell basierte auf Analysen der in den vergangenen Wahlen jeweils unterlegenen Partei. Lichtman sagt, Clinton habe nichts falsch gemacht. Trump habe nicht wegen sich und seiner Kampagne gewonnen, sondern trotz allem.
Viele Amerikaner sehen sich als Verlierer von Globalisierung und Welthandel. Mit Trumps Wahl verpassten sie dem politisch-medialen Establishment einen Denkzettel. Die NZZ bezeichnete seine Wahl als „gewaltigen Weckruf“. Menschen suchten Politiker und Parteien, die ihnen Sicherheit und Vertrauen vermitteln.
Viele Christen wählten Trump, weil sie ihre Anliegen von den Republikanern besser vertreten sehen. Sie vergleichen Trump mit Figuren wie Kyros oder Nebukadnezar. Dazu nehmen sie aber eine Verkürzung des Evangeliums in Kauf: Abtreibung ist durchaus Sünde, aber Rassismus und Frauenfeindlichkeit sind es eben auch! Geht es um Gemeindeleiter, um Bischöfe, dann fordert die Bibel nicht zuerst Fachkenntnis, sondern Integrität: von gutem Ruf, in der Beziehung treu, besonnen, verantwortungsbewusst, freundlich, rücksichtsvoll. Sollten wir von einem Staatspräsidenten viel weniger erwarten?
Was war das jetzt? Ist dem Allmächtigen mit Trumps Wahl in einem entscheidenden Moment der Weltgeschichte ein Unfall passiert? Im alttestamentlichen Israel wollte das Volk Könige. Es bekam sie. Doch über allem stand und steht Gott. „Er bestimmt den Wechsel der Zeiten, er setzt Könige ab und setzt Könige ein“, steht im Buch Daniel. Und er wird die Weltgeschichte zu Ende schreiben. Wir sollen uns auf Gott, nicht auf Menschen verlassen. Psalm 146 ist wegweisend. Ja, wir wollen uns die Erkenntnisse der Reformatoren neu verinnerlichen – allein Gnade, allein Glaube, allein Christus, allein die Schrift und alles zur Ehre Gottes. Um dann zu verstehen, dass es unser Auftrag ist, die Hoffnung und Kraft des Evangeliums zu verkündigen und jesusgemäss zu handeln: Arme, Gefangene, Blinde und Zerschlagene in die Freiheit zu entlassen. Trump hin oder her. Rolf Hoeneisen
https://www.facebook.com/rolf.hoeneisen?fref=nf&pnref=story

Trump for president!?

„Jedes Land bekommt die Regierung, die es verdient“, heißt es. Was bedeutet das wohl jetzt für die USA? Nun haben die Amerikaner einen weitgehend unberechenbaren Selbstdarsteller als Regierungschef am Hals. Wie bei den meisten Wahlen wurde Trump vor allem von den zahlreichen Unzufriedenen ins Amt gebracht, denjenigen, denen die USA militärisch zu zurückhaltend auftritt, denjenigen, die in den vergangenen Jahren ihren Job verloren haben, denjenigen, die gerne alle Ausländer loswerden und nur noch amerikanische Produkte kaufen wollen, denjenigen, die allem was aus anderen Ländern kommt grundsätzlich misstrauen usw.
In Demokratien ist es häufig so, dass nach einer längeren Regierungszeit einer politischen Partei zur Abwechslung eine andere gewählt wird. Man hat eben genug von immer demselben. Und man lastet alles was einem nicht gefällt den gerade Regierenden an.
Auch wenn niemand wirklich weiß, was von einer Regierung Trump zu erwarten ist, höchstwahrscheinlich wird die Welt auch jetzt nicht untergehen. Denn selbst der politische Spielraum eines amerikanischen Regierungschefs ist begrenzt. Im Augenblick aber ist nicht absehbar, wie Trump die USA voranbringen will und wie sich Amerika unter der neuen Führung international verhalten wird.
Äußerst bedenklich ist die fast zwanghafte Festlegung amerikanischer Evangelikaler auf den republikanischen Kandidaten. Umfragen zufolge sollen 81% der Evangelikalen für Trump gestimmt haben. Viele evangelikale Prediger haben sogar auf der Kanzel Wahlwerbung für den Republikaner gemacht. Klug taktierend hatte er sich in einigen sexualethischen Fragen, wie Homosexualität, Gender und Abtreibung, in ihrem Sinne geäußert. Dabei machen diese Fragen m politischen Alltagsgeschäft nur etwa 5% der Entscheidungen aus. Leider lassen sich evangelikale Amerikaner so einfach berechnen. Politiker brauchen nur zwei oder drei Schlüsselbegriffe fallenlassen und schon haben sie die Sympathie der Christen.
Das sehr einseitige Abonnement der meisten amerikanischen Evangelikalen auf die Republikaner ist durchaus problematisch. Auf diese Weise verliert auch ihre christliche Botschaft mit jeder falschen Entscheidung der Regierung massiv an Glaubwürdigkeit. Viele Junge und Gebildete verlassen deshalb jedes Jahr in den USA die Gemeinden. Für die amerikanischen und auch die deutschen Evangelikalen wäre es weit besser, mehr zu beten und mutiger vom Evangelium zu reden, als sich an unsauberen, politischen Intrigen zu beteiligen. In einzelnen Sachfragen sollten sie dann durchaus auch öffentlich ihre Stimme erheben, aber nicht immer im Interesse einer politischen Partei.
Die deutschen Medien reagieren bei jeder US-Wahl sehr voraussehbar: Immer sind sie für den Kandidaten der Demokraten, ganz gleich wer es ist. Immer malen die die Katastrophe für den Fall an die Wand, wenn der Republikaner gewinnen sollte. Das ist zwar eine durchaus effektive Wahlhilfe, wird mit der Zeit aber langweilig und zeigt eine beängstigende Unfähigkeit, objektiv und ausgewogen zu berichten.
Frau Clinton war aus meiner Sicht auch keine gute Alternative. Wahrscheinlich hätte ich als amerikanischer Christ intensiv gebetet und einen ungültigen Wahlschein angegeben. – Im Nachhinein können Gläubige natürlich für eine echte Bekehrung Trumps beten, dann würde aus einem konservativen Präsidenten vielleicht noch ein an christlichen Werten orientierter.
Wahrscheinlich werden wir uns auch in Europa auf Jahre einrichten, in denen die politischen „Klartext-Redner“ den Ton angeben, Leute, die heftig vom Leder ziehen können, die starke Feindbilder haben, einfache Lösungen propagieren, die den Nationalismus fördern und grundsätzliche Skepsis allem ausländischen gegenüber.
Doch wie schon in den vergangenen 2000 Jahren gilt auch heute für Christen: „So ermahne ich euch nun, daß man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und alle Obrigkeit, auf daß wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Denn solches ist gut und angenehm vor Gott, unserm Heiland, welcher will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ (1Tim 2, 1-4) Michael Kotsch https://www.facebook.com/michael.kotsch.9/posts/852794174860362

Viele Religionen – Eine Wahrheit?

Klaus von Stosch hält die drei klassischen Modelle – Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus – für nicht befriedigend. Er schlägt als Ausweg die „komparative Theologie“ vor, die sich auf Haltungen konzentriert wie epistemische Demut, Empathie, Gastfreundschaft, Freundschaft: anfangen auf andere hören, durch andere Religionen die eigene besser kennenlernen, lernen von fremden Kirchen, Andersheit wertschätzen, und bei allem Glauben doch verkündigen. Gegen diese Haltungen ist kaum etwas einzuwenden. Mir ist nur nicht klar, wie dadurch die Wahl zwischen den drei Hauptantworten umgangen werden kann.
Und wie üblich bei Worthaus hapert‘s mit einer präzisen biblischen Begründung – auch wenn hier und da natürlich Verse eingestreut werden. Sollte man nicht seine Vorschläge auch mal runterdeklinieren auf die Religionen im AT, mit denen sich Israel auseinandersetzte? Haben die Israeliten den Baalskult nicht viel zu wenig „wertgeschätzt“?! Und hätte nicht
Jeremia mehr Empathie zeigen und nicht über die „Vogelscheuchen im Gurkenfeld“ (heidnische Götter) spotten sollen? Und hätte Paulus nicht besser sein Material den Athenern vor seiner Predigt zur Korrektur gegeben wie es von Stosch mit dem Trinitätsmaterial und den Schiiten gemacht hat? Gut, dass wir da heute weiter sind…
https://www.facebook.com/holger.lahayne?fref=ts

Wenn Jesus von sich sagt, niemand komme in den Himmel, der nicht an ihn glaubt – haben dann all die Muslime, Hindus, Atheisten oder Anhänger von Naturreligionen keine Chance auf ein Leben nach dem Tod? Denn an dieses Leben bei Gott, ein glückliches, erfüllendes Leben im Himmel, daran glauben Christe…
worthaus.org

Schande von Dresden

Ihre moralische Legitimität haben die verbal aufeinander einschlagenden Kontrahenten längst verloren. Auf der zentralen Feier zur Deutschen Einheit in Dresden proklamierten linke Demonstranten: „Ich scheiß auf Deutschland!“ Ihre rechts orientierten Gegner schrien: „Merkel nach Sibirien, Putin nach Berlin!“

Das alles hat mit notwendiger politischer Diskussion längst nichts mehr zu tun. Wie Studien der jüngsten Zeit deutlich belegen, sind immer mehr links und rechts orientierte Bürger bereit, mit radikalen Äußerungen und gegebenenfalls auch mit Gewalt ihre Meinung zu vertreten. Das bewusste Schüren von Gewalt aber wird allen in Deutschland lebenden Menschen nur schaden, selbst wenn es mit der „richtigen“ Meinung geschieht. Hass zu fördern, mit bloßer Polemik Andersdenkende zu beschimpfen und mit zweifelhaften Halbwahrheiten Streit zu forcieren hilft keinem. Auf solche Art und Weise werden keine Fragen beantwortet, sondern nur Konflikte geschaffen, Probleme verschärft und hitzige Leute zur Gewalt ermutigt. – Wer Deutschland hasst, kann ja auch gerne auswandern, und wer Putin als Präsidenten will auch.

Die schalen Entschuldigungen mit den Fehlern der jeweils anderen politischen Seite helfen nicht weiter, sondern zementieren lediglich die gegenseitige Abneigung. Die gebetsmühlenartig wiederholten Hinweise auf die „Lügenpresse“ oder die „Nazis“ sind in den meisten Fällen weder wahr, noch bieten sie irgendwelche Lösungen.

„Wenn Gäste der Festveranstaltung um ihr Leben fürchten müssen und nahezu jeder Versuch, mit den Demonstranten in den Dialog zu treten, mit Pöbeleien und Beleidigungen niedergeschrien wird, hat das mit […] Demokratie nichts mehr zu tun“, sagte der Innenexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka.

„Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.“ (Matthäus 5,9)

„Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe.“ (Epheser 4, 2)

„So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit.“ (1.Timotheus 2,1f. Michael Kotsch
https://www.facebook.com/michael.kotsch.9?fref=ts

Dekonstruktion der klassischen Trinität a la Zimmer

Dekonstruktion der klassischen Trinität a la Zimmer. „In der Bibel gibt es keine Trinitätslehre“; wie von Osterhase, Tannenbaum und Kirchturm steht auch von dieser nichts in der Bibel. Und für Jugendliche sei sie auch nichts (dass manche Lehren für die frommen Nichtprofis nichts seien, vertrat schon Erasmus, Luther widersprach heftig). Anstatt uns die Dreieinigkeit anständig und zeitgemäß zu erklären, nimmt sich Zimmer ausführlich Zeit, „das Herz der Muslime zu öffnen“.
Mit der Auferstehung seien Jesus Dinge „zugewachsen“, die vorher „unmöglich waren“. Rückfrage: War der vorösterliche Christus nicht Gott, nicht der Gottmensch? Zimmer nennt im ganzen Vortrag Jesus nicht ein einziges Mal Gott, nur einmal sagt er Vater, Sohn und Geist sind Gott. „Ich und der Vater sind eins“ sei noch nicht im Sinne der Trinität gemeint, keine Wesenseinheit. Ist die Trinität dann entstanden? Ist der Sohn nicht ewig? Fragen über Fragen.
Er sei kein „Jünger der Trinitätslehre der Alten Kirche“, die er für „hochproblematisch“ und „starr“ hält. Praktisch kein gutes Wort zum Ringen der Kirchenväter und Nicäa usw. Die trinitarische Leseweise des NTs sei manipulativ. Das blosse Nachsprechen der alten Aussagen und Lehren sei nicht mehr möglich. Zimmer will einen Neuanfang, übrig bleibt das „väterliche Herz Gottes“ und der Gott, dem „es um das Leben geht“, „Gott ist das wahre Leben“, wir sollen Anteil bekommen an der Lebendigkeit Gottes als Ziel. Gott ist ein Beziehungswesen. Alles richtig. Aber warum polemisiert er x-Mal gegen die altkirchliche Lehre („drei Personen – furchtbar!“) und bietet uns dann nur ein armes „irgendwas ist beim Sohn anders als beim Vater“?
Zimmer betätigt sich mal wieder als Taschenspieler. Gegen Ende wird gar nicht schlecht die praktische Relevanz der Trinität verdeutlicht (obwohl die Polemik gegen Allmacht und Autorität unnötig ist; hier präsentiert er puren Moltmann). Doch über das „Beziehungen in Gott“ kommt er in eineinhalb Stunden kaum hinaus. Eine wirkliche Trinitätslehre über das Zueinander von Vater, Sohn und Geist entwickelt Zimmer gar nicht. – So sieht die theologische Bildungsoffensive im Stil von Worthaus aus. Da nimmt man sich besser ein klassische Dogmatik zur Hand. Holger Lahayne
https://www.facebook.com/holger.lahayne?fref=ts
Da atmen nicht nur seine muslimischen Studenten auf, wenn Siegfried Zimmer verkündet: „Ihr dürft die Lehre von der Trinität komisch finden!“ Es ist schließlich eine Lehre, die in der Bibel gar nicht erwähnt ist, die erst im dritten Jahrhundert nach Christus entwickelt wurde, eine Lehre, die selbst d… http://worthaus.org/mediathek/trinitat-was-soll-das-5-12-1/

 

Gotta Serve Somebody – oder: Nobelpreis für Literatur

Bob Dylan, der krächzende Rebell aus den USA hat nach vielen Nominierungen nun tatsächlich den Nobelpreis in Literatur zuerkannt bekommen.

Zu Recht stellt die FAZ fest:

Die Verleihung des diesjährigen Literaturnobelpreises an Bob Dylan ist kein Signal, dass es keine geeigneten klassischen Schriftsteller für die Auszeichnung gegeben hätte. Es ist eine Ehrung, die neben der Anerkennung eines beeindruckenden Gesamtwerks an Songtexten auch honoriert, dass die Wirkung dieser Dichtung eine ist, die weit über reine Musikfreunde hinausgeht, die vielmehr so viel Einfluss auf die Literatur gewonnen hat, dass man allemal vertreten kann, sie mit dem weltweit angesehensten Preis für Schriftsteller auszuzeichnen. Mit Dylan wurde ja nicht etwa ein dezidiert politischer Künstler gewählt, wie es noch im Vorjahr im Fall der weißrussischen Schriftstellerin Swetlana Alexejewitsch gewesen war, sondern in der Tat ein genuiner Literat, der seine Texte aber in Musik kleidet. Das gab es in der Geschichte des Literaturnobelpreises noch nie.

Dylan bleibt eine spannende Figur, die seit Jahrzehnten unsere Kultur beeinflusst hat. Zu seinem 74. Geburstag hatte ich einen Blog begonnen, aber nicht abgeschlossen. Hier aus gegebenem Anlass und mit Verspätung der Text aus seiner „frommen Zeit“: „Gotta Serve Somebody“, der mir immer noch was zu sagen hat!
You may be an ambassador to England or France
You may like to gamble, you might like to dance
You may be the heavyweight champion of the world
You may be a socialite with a long string of pearls.
But you’re gonna have to serve somebody, yes indeed
You’re gonna have to serve somebody
It may be the devil or it may be the Lord
But you’re gonna have to serve somebody.

Might be a rock’n‘ roll adict prancing on the stage
Might have money and drugs at your commands, women in a cage
You may be a business man or some high degree thief
They may call you Doctor or they may call you Chief.
But you’re gonna have to serve somebody, yes indeed
You’re gonna have to serve somebody,
Well, it may be the devil or it may be the Lord
But you’re gonna have to serve somebody.
You may be a state trooper, you might be an young turk
You may be the head of some big TV network
You may be rich or poor, you may be blind or lame
You may be living in another country under another name.
But you’re gonna have to serve somebody, yes
You’re gonna have to serve somebody,
Well, it may be the devil or it may be the Lord
But you’re gonna have to serve somebody.
You may be a construction worker working on a home
You may be living in a mansion or you might live in a dome
You might own guns and you might even own tanks
You might be somebody’s landlord you might even own banks.
But you’re gonna have to serve somebody, yes
You’re gonna have to serve somebody,
Well, it may be the devil or it may be the Lord
But you’re gonna have to serve somebody.
You may be a preacher with your spiritual pride
You may be a city councilman taking bribes on the side
You may be working in a barbershop, you may know how to cut hair
You may be somebody’s mistress, may be somebody’s heir.
But you’re gonna have to serve somebody, yes
You’re gonna have to serve somebody,
Well, it may be the devil or it may be the Lord
But you’re gonna have to serve somebody.
Might like to wear cotton, might like to wear silk
Might like to drink whiskey, might like to drink milk
You might like to eat caviar, you might like to eat bread
You may be sleeping on the floor, sleeping in a king-sized bed.
But you’re gonna have to serve somebody, yes indeed
You’re gonna have to serve somebody,
It may be the devil or it may be the Lord
But you’re gonna have to serve somebody.
You may call me Terry, you may call me Jimmy
You may call me Bobby, you may call me Zimmy
You may call me R.J., you may call me Ray
You may call me anything but no matter what you say.
You’re gonna have to serve somebody, yes indeed
You’re gonna have to serve somebody,
Well, it may be the devil or it may be the Lord
But you’re gonna have to serve somebody.
„Slow Train Coming“ (1979)
Wie es der Ringsgwandl so gut „eingebayert“ hat: „des konnst du net mitnehma“(http://www.ringsgwandl.com/text15.htm)

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bob_Dylan

Mich erinnert dieser Nobelpreis an die Dylan-Zitate in dem Buch „Die Zukuft hat begonnen“ (von Alois Wagner); und deren Bezüge zu Dylans Lyrik, die biblischer Themen berührt. Daraus ein Dylan-Zitat aus der Widmung im Deckblatt:

When a man he serves the Lord,
It makes his life worthwhile
It don’t matter ’bout his position,
It don’t matter ’bout his lifestyle
… und weitere Dylan-Zitate:
He’s got plans of His own
to set up His throne
when He returns.
Er hat Seine eigenen Pläne,
Seinen Thron aufzurichten,
wenn Er wiederkommt.
Bob Dylan
When He Returns
Every new messenger brings evil report
’bout armies on the march and time that is short
and famine and earthquakes and train wrecks
and the tearin’ down of the walls
Jeder neue Bote bringt schlimme Nachricht
über Armeen auf dem Vormarsch und Zeit, die kurz ist,
und Hungersnöte und Erdbeben und Zugunglücke
und das Niederreißen der Mauern
Bob Dylan,
Caribbean Wind
Well the howling wolf will howl tonight,
the king snake will crawl,
trees that’ve stood for a thousand years
suddenly will fall.
Wanna get married? Do it now.
Tomorrow all activity will cease.
You know that sometimes Satan
comes as a man of peace.
Nun, der heulende Wolf wird heute Nacht heulen,
die Königsschlange wird kriechen,
Bäume, die 1.000 Jahre standen,
werden plötzlich fallen.
Willst du heiraten? Tu es jetzt.
Morgen wird alles Tun ein Ende haben.
Denn weißt du, manchmal kommt Satan
als Mann des Friedens.
Bob Dylan
Man of Peace
It’s a shadowy world,
skies are slippery grey,
a woman just gave birth to a prince today
and dressed him in scarlet.
He’ll put the priest in his pocket,
put the blade to the heat,
take the motherless children of the street
and place them at the feet of the harlot.
Es ist eine Welt voller Schatten,
der Himmel ein schleimiges Grau,
eine Frau hat heute gerade einen Prinzen geboren
und ihn in Scharlach gehüllt.
Er wird den Priester in die Tasche stecken,
die Klinge im Feuer schmieden,
die mutterlosen Kinder von der Straße holen
und sie der Hure zu Füßen legen.
Bob Dylan
Jokerman
Can they imagine the darkness
that will fall from on high
when men will beg God to kill them
and they won’t be able to die?
Können sie sich die Finsternis vorstellen,
die vom Himmel fallen wird,
wenn die Menschen Gott anflehen werden, sie zu töten,
aber sie werden nicht sterben können?
Bob Dylan
Precious Angel
Are you ready for the judgment?
Are you ready for that terrible swift sword?
Are you ready for Armageddon?
Are you ready for the Day of the Lord?
Bist du bereit für das Gericht?
Bist du bereit für jenes schreckliche schnelle Schwert?
Bist du bereit für Harmagedon?
Bist du bereit für den Tag des Herrn?
Bob Dylan
Are you ready?

Surrender your crown
on this blood-stained ground,
take off your mask.
He sees your deeds,
He knows your needs,
even before you ask.
How long can you falsify
and deny what is real?
How lang can you hate yourself
for the weakness you conceal?
Lief ’re aus deine Krone
auf diesem blutgetränkten Boden,
nimm deine Maske ab.
Er sieht deine Taten,
er kennt deine Nöte,
sog­ar ehe du Ihn anflehst.
Wie lange kannst du verfälschen
und verleugnen, was wirklich ist?
Wie lange kannst du dich selbst hassen
für die Schwachheit, die du verbirgst?
Bob Dylan
When He Returns
When a man he serves the Lord,
it makes his life worthwhile.
lt don’t matter ’bout his position,
it don’t matter ’bout his lifestyle.
Talk about perfection,
I ain’t never seen none
and there ain’t no man righteous, no not one.

God got the power, man got his vanity,
man gotta choose before God can set him free.
Don’t you know there’s nothing new that’s under the sun?
And there ain’t no man righteous, no not one.
When I’m gone don’t wonder where I be.
Just say that I trusted in God and that Christ was in me.
Say He defeated the devil, He was God’s chosen Son
and there ain’t no man righteous, no not one.
Wenn jemand dem Herrn dient,
dann macht das sein Leben lebenswert.
Gleichgültig, was seine Stellung ist,
gleichgültig, wie sein Lebensstil aussieht.
Man redet von Vollkommenheit,
aber ich habe noch nie was davon gesehen
und da ist kein Gerechter; nein, auch nicht einer.
Gott hat die Macht, der Mensch seine Eitelkeit,
der Mensch muss sich entscheiden,
ehe Gott ihn befreien kann.
Weißt du’s nicht: Es gibt nichts Neues unter der Sonne?
Und da ist kein Gerechter, nein, auch nicht einer.
Wenn ich nicht mehr hier bin,
frag dich nicht, wo ich dann bin.
Sag einfach, dass ich mein Vertrauen
auf Gott gesetzt habe und dass Christus in mir war.
Sag: Er hat den Teufel besiegt,
Er war Gottes auserwählter Sohn,
und da ist kein Gerechter, nein, auch nicht einer.
Bob Dylan
Ain’t No Man Righteous, No Not One
Quellen:

https://www.tagesschau.de/kultur/nobelpreis-dylan-101.html
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/literaturnobelpreis-2016-fuer-bob-dylan-ist-schoene-ueberraschung-14479458.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Bob_Dylan
Alois Wagner, Die Zukunft hat begonnen: http://clv-server.de/pdf/255158.pdf
Foto: in wikipedia (gemeinfrei)
Joan Baez und Bob Dylan auf dem Civil Rights March nach Washington D.C. am 28. August 1963
https://brink4u.com/2016/10/15/gotta-serve-somebody-oder-nobelpreis-fuer-literatur

Krebsverdacht

Die verzimmerte Moderne
Im Sommer letzten Jahres hielt Siegfried Zimmer beim „Freakstock“-Festival einen Vortrag zum Thema „Das Verständnis der Moderne als ein Schlüssel zum angemessenen Verständnis von biblischen Texten“. Ein etwas sperriger Titel, aber inhaltlich wird die Nr. 5.7.2 laut Begleittext in der Mediathek von „Worthaus“ oder auf Facebook als ein „absoluter Basis-Vortrag“ bezeichnet. Denn „hier wird thematisiert, warum Worthaus entstanden ist.“
Was ist die Moderne? Was ist das moderne an der Moderne? Wann entstand die moderne Zeit? „Wie soll ich mich als Christ zur modernen Zeit stellen?“ Mit diesen Fragen beschäftigt sich Prof. Zimmer. Die Zuhörer würden in der guten Stunde, so Zimmer, „viele gesunde Erkenntnisse“ gewinnen, ja einen „Bildungsschub bekommen“. Weiterlesen

Das ist doch nicht wahr, oder?

Klar, Lügengeschichten lassen sich auch auf Papier drucken. Doch im Netz kursieren Gerüchte und Lügen viel einfacher. Inzwischen verbreiten spezielle Internetseiten bewusst verfasste gefälschte Nachrichten, sogenannte Fake-News. Besonders verwirrend: Diese Netzportale kommen professionell daher. Zum Beispiel „Associated Media Coverage“: Am 7. September meldete diese Seite, wegen religiöser Intoleranz verbanne Facebook sämtliche christlichen Inhalte. Facebook ist das weltgrösste Online-Netzwerk und zählt 1,7 Milliarden Nutzer im Monat. Der journalistisch geschriebene Text klang wie echt. Die Satire war kaum auszumachen. Aber es war ein Fake, eine Lüge. Wer mit etwas Fantasie begabt ist und geschickt formuliert, kann im Internet draufloslügen und gegen andere aufhetzen. Soziale Netzwerke eignen sich dazu bestens. Dort sind Lügenmeldungen inzwischen derart verbreitet, dass Facebook und Twitter den News-Plagiaten den Kampf angesagt haben.
Immer mehr Menschen fallen darauf herein und verbreiten und teilen falsche Nachrichten rund um die Welt. Oft haben Fakes einen wahren Kern. Der Leser meint, er kenne das Thema, weil ihm Namen oder Orte geläufig sind. Doch die eigentliche Meldung wird verdreht dargestellt und mit Fehlern ergänzt. So aufbereitete Falschmeldungen sind immer wieder erfolgreich. Sogar Zeitungsredaktionen sind schon auf solche Lügenmeldungen hereingefallen und schaden damit ihrem Ruf. Es gibt bereits Internetseiten wie „Fake News Watch“ oder „Snopes“, die nichts anderes tun, als falsche Geschichten aufzudecken! Was bezwecken die Hoax-Macher? Sie wollen entweder Geld oder Einfluss und Macht. Verbreitet werden Ideologien statt Fakten. Es gibt Falschmeldungen, die sich in wenigen Stunden Wort für Wort auf verschiedensten Portalen verbreiten. So entsteht ein paralleles Nachrichten-Netzwerk. Wegen Googles-Werbeprogramm „Adsense“ sind Lügen-Nachrichtenseiten kommerziell einträglich.
„Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit“, mahnt der Apostel Paulus im Epheserbrief. Das gilt für alle. Auf dem Feld der Information, den Medien, sollten wir elektronische Kanäle sinnvoll nutzen, uns aber gleichzeitig für gedruckte Medien starkmachen und dafür auch angemessen bezahlen. Magazine und Zeitungen widersetzen sich der Anonymität. Wir könnten sie eines Tages noch vermissen. Rolf Hoeneisen Chefredaktor idea Spektrum Schweiz http://www.ideaschweiz.ch  http://www.rolfhoeneisen.ch
https://www.facebook.com/rolf.hoeneisen?fref=nf