Die letzte Epiphanie

„Ich hatte dies Land in mein Herz genommen.
Ich habe ihm Boten um Boten gesandt.
In vielen Gestalten bin ich gekommen.
Ihr habt mich in keiner erkannt.
Ich klopfte bei Nacht ein bleicher Hebräer,
ein Flüchtling, gejagt, mit zerrissenen Schuhn.
Ihr riefet dem Schergen, ihr winktet dem Späher
und meintet noch Gott einen Dienst zu tun.
Ich kam als zitternde geistgeschwächte Greisin
mit stummem Angstgeschrei.
Ihr aber spracht von Zukunftsgeschlechte
und nur meine Asche gabt ihr frei.
Verwaister Knabe auf östlichen Flächen
ich fiel euch zu Füßen und flehte um Brot.
Ihr aber scheutet ein künftiges Rächen
ihr zucktet die Achseln und gabt mir den Tod.
Ich kam als Gefangner, als Tagelöhner“
verschleppt und verkauft, von der Peitsche zerfetzt.
Ihr wandtet den Blick von dem struppigen Fröhner.
Nun komm ich als Richter. Erkennt ihr mich jetzt?“
Werner Bergengruen 1944

Jesus, verschlimmbessert

100 Jahre alt ist das Fresko “Ecce Homo” in einer Kirche im Spanischen Borja mittlerweile. Eine fast genau so alte Rentnerin ist nun bei dem Versuch spektakulär gescheitert, das verblasste und abgebröckelte Bild von Jesus zu restaurieren. Nach dem missglückten Restaurationsversuch sieht das Bild nun aus wie das Bild einer mittelmäßig begabten Drittklässlerin im Kunstunterricht. Dem Sommerloch sei dank geistert die Geschichte nun schon einige Tage durch die Medien – und beschert dem bis dahin weitgehend unbekannten spanischen Örtchen einen unverhofften Touristenboom.
Ich stand in der Schulzeit mit Kunst eher auf Kriegsfuß, aber ein Motiv kommt mir dann doch irgendwie verdächtig bekannt vor:
Kann es sein, dass es Christen öfter passiert, Jesus zu übermalen? Getrieben vom Wunsch, sein verblasstes und abgebröckeltes Image aufzupolieren, fangen wir an ihn zu übermalen, zu überzeichnen – aber das Endergebnis sagt mehr über uns aus als über Jesus selbst? Mag sein, dass solche Restaurationsversuche für ein paar Wochen Neugierige anziehen – aber endet nicht jeder Versuch, Jesus mit menschlichen Mitteln besser zu verkaufen, letztlich bei einer Verschlimmbesserung?
http://pixelpastor.com/2012/08/28/jesus-verschlimmbessert

 

Christlicher Fundamentalismus in Deutschland

Auch das renommierte Goethe-Institut schließt auf und polemisiert undifferenziert gegen den Evangelikalismus. Roland Detsch schreibt für das Institut:
Die Bedeutung christlich-fundamentalistischer Strömungen in der Gesellschaft wird von der deutschen Öffentlichkeit vielfach unterschätzt. Dabei trägt vor allem der missionarische Eifer der Evangelikalen längst auch hierzulande Früchte.
Wer bei religiösem »Fundamentalismus« nur an eifernde Mullahs oder islamistische »Gotteskrieger« denkt, befindet sich auf dem Holzweg. Desgleichen wer angesichts von Piusbruderschaft, Opus Dei oder Opus Angelorum christlichen Konservativismus allein im Umfeld der katholischen Kirche vermutet.
Auch wenn die Geistlichen zivil erscheinen, heiraten dürfen, Frauen in Amt und Würden kommen, Gotteshäuser und Ritus profan wirken: Die wahre Heimat christlicher Fundamentalisten ist der uneinheitliche Protestantismus. Allen voran der Evangelikalen, die sich vielfach in Freikirchen finden, aber auch in evangelischen Landeskirchen, denen sich fast jeder zweite der geschätzten 1,4 Millionen Evangelikalen zugehörig fühlt.
Hier der vollständige Beitrag und eine eMail-Adresse für konstruktive Kritik: www.goethe.de.
http://www.theoblog.de/christlicher-fundamentalismus-in-deutschland/6590/#comments

abgebrochen…

Liebe Besucher, aufgrund der emotionalen Belastung, die das erneute Erleben der Zelle für Carl-Wolfgang Holzapfel bedeutete, sah er sich dazu gezwungen, die Kunstaktion trotz der großen Resonanz abzubrechen. Wir bedauern das verfrühte Ende des Projekts, bitten um Verständnis und möchten uns bei allen Besuchern und Unterstützern bedanken.

http://www.stasi-live-haft.de/

Die 24/7 Haft-Aktion

Was geschah mit DDR-Bürgern, die sich offen gegen die SED-Diktatur stellten? Wohin wurde man gebracht, wenn die Staatssicherheit unschuldige Bürger festnahm?
Im Jahr 2009 – 20 Jahre nach dem Mauerfall – erinnert sich kaum jemand an die Schattenseiten der DDR-Vergangenheit. Viele Menschen traten bereits lange Zeit vor dem Mauerfall für Demokratie und Menschenrechte in der DDR ein und zahlten dafür einen hohen Preis: Gefangenschaft, stundenlange Verhöre und entwürdigende Haftbedingungen. Dafür dominieren in diesen Tagen die Bilder über die bewegenden Tage vom Herbst 1989. In zahlreichen Berichten und Reportagen werden Flüchtlinge in der Prager Botschaft oder tanzende Menschen auf der Berliner Mauer gezeigt.
Franziska Vu und Carl-Wolfgang Holzapfel wollen mit dieser Kunstperformance auf das Schicksal der unzähligen politischen Häftlinge in der DDR aufmerksam machen. Vom 29. Oktober bis 5. November 2009 ist Carl-Wolfgang Holzapfel wieder in einer Zelle der ehemaligen Stasi-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen gefangen. Während dieser Zeit überträgt eine in der Zelle installierte Webcam seinen „Haftalltag“ rund um die Uhr ins Internet (ausgenommen Wasch- und Toilettengang). Auch die Haftbedingungen sind so realitätsgetreu wie möglich: drei Mahlzeiten pro Tag durch die Essensluke, nachts bleibt das Zellenlicht angeschaltet.
Die Fotografin Franziska Vu begleitet die Haftaktion und fertigt dazu eine fotografische Arbeit an. Diese wird später als Fotoausstellung angelegt und an verschiedenen Orten präsentiert.


 

Rita und Anita sind bei Jesus und wurden heute begraben.

Rita und Anita sind bei Jesus und wurden heute begraben.
„Die beiden wussten von der Gefahr“
Anita G. und Rita S. arbeiteten als Pflegerinnen im Dschumhuri-Krankenhaus in der nordwestlichen Stadt Saada. Die Bibelschule Brake, an der rund 150 junge Erwachsene eingeschrieben sind, wies in einer Stellungnahme am Donnerstag Vorwürfe zurück, sie habe die beiden Schülerinnen zur Mission in den Jemen gesendet. Sie seien als Praktikantinnen der niederländischen Hilfsorganisation „Worldwide Services“ in einem ausschließlich humanitären Dienst in einem staatlichen Krankenhaus tätig gewesen. Dies sei auch aus der Arbeitsbeschreibung hervorgegangen. Anita G. und Rita S. hätten sich bewusst selbst für ihre Praktikumsstelle im Jemen entschieden, „weil sie ein großes Anliegen hatten, den Ärmsten der Welt soziale Hilfe zukommen zu lassen“. Die Bibelschule habe beide Praktikantinnen zudem „ausdrücklich auf die Sicherheitsrisiken im Jemen hingewiesen“. Der Assistent des Schulleiters, Volker Hillebrenner, sagte gegenüber dem „Westfalen-Blatt“: „Die beiden wussten, dass es im Jemen gefährlich werden könnte, aber es waren aufgeweckte, beherzte Frauen, die mit beiden Beinen im Leben standen. Auch deshalb haben wir uns keine Sorgen gemacht, als sie dorthin gereist sind.“ Auch der Vater der ermordeten Rita S. erinnert sich: „Alle haben Rita und Anita eindringlich vor den Gefahren in dem Land gewarnt und ihnen von der Reise in den Nahen Osten abgeraten.“ Rita und Anita seien keine Abenteuerinnen gewesen, sondern hätten es als ihre Bestimmung gesehen, den Ärmsten der Armen zu helfen. „Rita war schon zu einem humanitären Einsatz in Kasachstan, Anita hat schon drei Mal in Malawi geholfen. Die beiden hatten ihre Herzen an bedürftige Menschen verloren“, sagte Albert S. am 18. Juni dem „Westfalen-Blatt“. Die Möglichkeit des Praktikums im Jemen hätten beide als Zeichen Gottes und geöffnete Tür interpretiert.
Der Vater schließt aus, dass seine Tochter und ihre Cousine in dem islamischen Land missioniert und sich so in Gefahr gebracht haben: „Sie wollten helfen. Mehr nicht.“ (PRO)
Deutschland trauert um die im Jemen getöteten Studentinnen Anita G. (”  24) und Rita S. (”  26). 1000 Freunde, Verwandte und Gemeindemitglieder nahmen in der Wolfsburger Kirche der Immanuel-Gemeinde Abschied von den beiden Frauen.
Die Leichen waren in zwei weißen Särgen aufgebahrt. Darauf Blumenschmuck, in der Mitte ein Foto der beiden lachenden Frauen, die sich umarmen.
Vertreter der Bibelschule in Lemgo (NRW) waren mit zwei Bussen angereist. Ein 60-köpfiger Chor und eine Band intonierten bei der Trauerfeier gospelartige deutsche Kirchenlieder. Als Trauerredner hat unter anderem Wolfsburgs Oberbürgermeister Rolf Schnellecke (CDU) das Wort ergriffen. Er würdigte die Entführungsopfer als „offene, fröhliche und sympathische junge Frauen“. Sie seien in den Jemen gegangen, um „in bester Absicht und mit Idealismus im Herzen, Menschen in ärmeren Regionen zu helfen“, sagte er. Schnellecke warnte in seiner Trauerrede vor Spekulationen, die Frauen hätten sich selbst in Gefahr begeben. Dies könne die grausame Bluttat nicht entschuldigen und das schreiende Unrecht der Tat nicht mindern, so der Oberbürgermeister. Gemeindeleiter Johann Dockter sagte, die Immanuelgemeinde verliere durch die unfassbare Tat zwei wertvolle Diamanten. „Es ist traurig, es ist grausam, es ist furchtbar.“ Beeindruckend sei, dass in den Eltern der Frauen keine Rachgefühle seien.
Nach der Trauerfeier wurden Anita G. und Rita S. auf dem Friedhof von Wettmershagen im Kreis Gifhorn beigesetzt.(Bild)
Ali

Wir trauern um die Opfer aus Jemen

Zwei der in Jemen getöteten Frauen waren Studentinnen der Bibelschule Braake mit denen wir uns sehr verbunden fühlen. Durch die Liebe von Jesus waren sie bereit diese Gefahren auf sich zu nehmen. Sie dürfen jetzt mit ihren eigenen Augen den sehen, der auch für sie das Leben gelassen hat. Ihr Leben war nicht umsonst, sondern zur Ehre des Königs der Könige.
Betet bitte mit (wer beten kann) für die Angehörigen und Freunde der getöteten Frauen um Trost und Kraft. Auch, dass sich die vielen Unklarheiten schnell aufklären und die verbleibenden Vermissten lebend aus der Sache rauskommen.
Hier die Meldung von der Webseite der Bibelschule Braake:
Bibelschule Brake trauert um Studentinnen
Mit tiefer Bestürzung haben wir die Nachricht vom
Tod unserer Studierenden Anita G. und Rita S. aufgenommen. Unser Mitgefühl gilt in dieser schweren Stunde in besonderem Maße den Angehörigen, Freunden und ehemaligen Kollegen. Anita G. und Rita S. waren Studierende des dritten Jahrgangs unserer Ausbildungsstätte. Aufgrund ihres ausgeprägten sozial-diakonischen Engagements entschieden sie sich für ein Praktikum im Jemen. Dort brachten sie sich als Kurzzeitmitarbeiter von „Worldwide Services“ im Krankenhaus von Saada in die medizinische Versorgung der Bevölkerung ein.
Wir verlieren mit Anita G. und Rita S. zwei engagierte Studentinnen, die mit ihrer Liebe zu Gott und den Menschen ein Vorbild waren. Wir werden ihr Andenken in Ehren halten.
Chris

Donald Duck wird 75 und kennt Gott immer noch nicht.

„Pechvogel, Wüterich, patziger Prolet: Donald Duck ist die tierische Inkarnation des Jedermanns. Unermüdlich rafft er allen Optimismus zusammen, um gegen die Fährnisse des Lebens zu bestehen. Deshalb lieben wir den ewig glücklosen Erpel so sehr.“ focus.de
Die Beziehung zwischen Mensch und Gott gleicht also vielmehr der Beziehung zwischen Donald Duck und Walt Disney. Wenn Donald Duck beweisen möchte, dass es einen Walt Disney gibt, wird ihm selbst das kaum möglich sein. Er kann durch ganz Entenhausen laufen, er wird Walt Disney nirgends finden. In Entenhausen gibt es nicht einmal eine Kirche. Donald Duck wird nur dann von Walt Disney erfahren, wenn Walt Disney selbst etwas über sich in das Comic malt. Die Russen haben 1961 den ersten Menschen in den Weltraum geschickt. Einige Monate nach seiner Rückkehr verkündigte der sowjetische Ministerpräsident Nikita Khrushchev auf einer Pressekonferenz: „Wir haben jemand in den Himmel geschickt und Gott war nirgends zu sehen.“ Aber wenn es einen Gott gibt, der die ganze Welt erschaffen hat, dann ist die Beziehung zwischen Mensch und Gott anders als zwischen Mensch und erschaffener Materie. Wenn es Gott gibt, ist er nicht Teil der Schöpfung. Die Existenz Gottes bleibt ein Mysterium. Wir selbst können Gott nicht beweisen. Wir können nur dann etwas über Gott erfahren, wenn Gott selbst etwas über sich in die Geschichte malt: Jesus hat Geschichte geschrieben. Er ist die geoffenbarte Gottheit. Durch Jesus kann man Gott kennen lernen. Und für die, die ihn kennen gelernt haben, steht fest: „Es gibt wahrscheinlich keinen beweisbaren Gott. Aber es gibt einen erfahrbaren Gott. Und der liebt mich.“ sound7.de   Ali

500 Jahre Dürers Betende Hände

Die „Betenden Hände“ von Albrecht Dürer (1471-1528) zählen zu den am meisten kopierten Werken der Kunstgeschichte. Dieses Jahr werden sie 500 Jahre alt. Die originale Tuschezeichnung befindet sich heute in der Grafischen Sammlung Albertina in Wien. Anlässlich des Jubiläums gibt es jetzt in der Dürer-Stadt Nürnberg eine Ausstellung „1000 x kopiert – 500 Jahre Dürers Betende Hände“. Das Kulturreferat der Stadt wertete außerdem eine Umfrage aus, die an über 500 Besitzer von Repliken ging: „Kitsch oder Kunst? Billiges Andenken oder religiöses Symbol?“
Die Antwort war überraschend. Das Kulturreferat stellte fest: „Entgegen ersten Annahmen verbinden die meisten Menschen die ‚Betenden Hände‘ nicht mit Trauer, Tod, Glaube und Beten, sondern mit einer Erinnerung“. Diese Erinnerung bezog sich bei den Meisten auf solch einschneidende Ereignisse wie Hochzeit oder Konfirmation. Ein Befragter ließ sich die „Betenden Hände“ gar auf seinen Oberarm tätowieren; sein Kommentar: „Ich kenne die ‚Betenden Hände‘ von meiner Großmutter. Sie haben mich schon immer sehr fasziniert, da sie für mich ein Bild von Kraft und Ruhe sind.“
1508 erhielt Dürer den Auftrag, die Hände für ein großes Altarwerk in einer Frankfurter Kirche zu malen. Später wurde dieser Altar nach München verkauft, dann aber bei einem Brand in der Residenz zerstört. Dürer hatte das Bild mit einem Tuschepinsel auf bläuliches Papier gezeichnet, so etwas galt lange Zeit nicht als Kunst. Im zwanzigsten Jahrhundert wurde die Zeichnung zum populären Motiv für alles mögliche: Postkarten, Wandschmuck etc. Vor allem nach dem zweiten Weltkrieg erlebten die „Betenden Hände“ eine Renaissance. Das Nürnberger Kulturreferat meint: „Nach dem Desaster des Nationalsozialismus wurden sie zum Sinnbild der Hoffnung.“ Heute sind sie in der ganzen Welt verbreitet, auf Briefmarken in Uganda, auf Münzen in Äquatorial-Guinea und auf dem Grabstein des amerikanischen Künstlers Andy Warhol.
Beten ist heute auch wieder in Mode gekommen. Viele Menschen nehmen sich Zeit um spirituelle Erfahrungen zu machen. Albrecht Dürer war ein überzeugter Christ, der von Martin Luthers Reformation wesentlich beeinflusst wurde und dies auch in seiner Kunst ausdrückte. Das christliche Gebet unterscheidet sich von allen anderen Weltreligionen. Jesus sprach von einem sinnerfüllten Gespräch mit dem Vater. Durch Jesus können Christen wie Kinder zum Vater im Himmel kommen („Denn durch ihn [Jesus Christus] haben wir [Juden und Nichtjuden] den Zugang durch einen Geist zu dem Vater“, Epheser 2v18), der Heilige Geist hilft dabei („Deshalb tue ich euch kund, daß niemand, im Geist Gottes redend, sagt: Fluch über Jesus! Und niemand sagen kann: Herr Jesus! Als nur im Heiligen Geist“ 1 Korinther 12v3)
Conrad

Naturbeobachter

“Als Forscher bin ich von der Ordnung und der Schönheit, die ich im Kosmos und im Innern der Materie finde, zutiefst beeindruckt. Und als Naturbeobachter kann ich die Idee nicht verleugnen, dass es eine präexistente Ordnung gibt. Die Idee, dies alles sei das Resultat eines Zufalls, einer blossen statistischen Schwankung, ist für mich völlig unakzeptabel. Es muss eine Intelligenz geben, die der Existenz des Universums übergeordnet ist.” Carolo Rubbia, Nobelpreisträger und von 1989 bis 1993 Generaldirektor am CERN (Europäische Organisation für Kernforschung), 1992 im NZZ Folio. Am CERN ist jetzt der Large Hadron Collider (LHC), der gigantische Teilchenbeschleuniger und größte Maschine der Welt, in Betrieb genommen worden.

Solschenizyn, Kritiker Stalins und des westlichen Säkularismus stirbt!

Mit dem Tod Alexander Solschenizyn starb einer der wichtigsten kritischen Stimmen unserer Zeit. Er sah sich als „Schwert in Gottes Hand“. Der 1918 im Kaukasus geborene Solschenizyn verbrachte acht Jahre in Stalins Gefängnissen und nach Stalins Tod noch weitere drei Jahre in sibirischer Verbannung. Nach seiner Rehabilitierung 1957 schrieb er die Erzählung vom Lageralltag des unschuldig verurteilten Häftlings Iwan Denissowitsch. Es wurde das wichtigste Buch der anti-stalinistischen Sowjetliteratur. Einige Zeit später erschien sein erschütterndes Werk „Archipel Gulag“.1970 erhielt er den Literaturnobelpreis. Als er danach die Sowjetunion verlassen musste und nach Amerika übersiedelte wurde er auch ein Kritiker der westlichen Welt, die Gott vergessen hat. Auch bei den ganzen Gedenken an seine Person wegen des Todesfalls wurden von den Medien seine christlichen Standpunkte weitestgehend verschwiegen. Unvergessen bleibt seine Rede in Harvard 1978. Hier einige Auszüge:
Aber sollte jemand mich fragen, ob ich den Westen, so wie er heute ist, meinem Land als Modell ans Herz legen wollte, würde ich offen gesagt mit Nein antworten müssen. Nein, ich könnte eure Gesellschaft in ihrer gegenwärtigen Form nicht als Ideal für die Veränderung meiner Gesellschaft empfehlen. Durch tiefes Leiden hat unser Land nun eine geistige Entwicklung von solcher Intensität erreicht, dass das westliche System in seinem gegenwärtigen Zustand geistiger Erschöpfung nicht attraktiv erscheint ( …).
Es stimmt natürlich, dass eine Gesellschaft nicht im Abgrund der Rechtlosigkeit verharren kann, wie meine es tut. Aber es ist ebenso unter ihrer Würde, eine solche mechanische legalistische Glätte zu wählen, wie sie hier existiert. Eine menschliche Seele, die Jahrzehnte unter Gewalt und Unterdrückung gelitten hat, sehnt sich nach höheren, wärmeren und pureren Dingen als die, die das heutige Leben in Massen anbietet, angeführt durch die abstoßenden Eingriffe der Öffentlichkeit, durch die Fernsehstumpfheit und durch unerträgliche Musik. All das ist erkennbar für Beobachter aus allen Welten unseres Planeten. Es wird immer unwahrscheinlicher, dass die westliche Lebensform das führende Modell werden wird. (…)
Ein Grabstein lastet auf dem Haupt der noch nicht ganz ausgestorbenen rechtgläubigen russischen Menschen und zerreißt ihnen die Brust – davon will mein Brief berichten. Alle wissen darum, der Schrei der Gequälten war schon laut vernehmlich, aber Schweigen hat sich wiederum aller wie ein Fluch bemächtigt. (…)
Weder vor den Menschen, noch gar im Gebet können wir uns listig herausreden, äußere Fesseln seien stärker als unser Geist. Nicht leichter war es in der Geburtsstunde des Christentums, doch es hat die Leiden durchgestanden und kam zum Erblühen. Und es hat uns den Weg dazu gewiesen: das Opfer.
Wer aller materiellen Kräfte beraubt ist, wird im Opfer immer den Sieg erringen. Das gleiche, den ersten Jahrhunderten würdige Martyrium haben viele unserer Priester und Glaubensbrüder auf sich genommen, uns alle noch in lebendiger Erinnerung. Einst warf man die Märtyrer vor die Löwen, was man heute verlieren kann, das ist ja nur der Wohlstand.
Wenn Sie in diesen Tagen vor dem Kreuz niederknien, das in die Mitte des Gotteshauses getragen wurde, so fragen Sie Gott den Herrn, welch anderes Ziel denn Ihr Dienst im Volke hat, in dem Volk, das schon fast ganz den Geist des Christentums und das christliche Antlitz verloren hat.
Geschrieben von Conrad