„Was machen wir also, wenn wir diese Schwäche unseres sterblichen Körpers fühlen?

John Stott schreibt in einem, vor kurzem Postum veröffentlichten Büchlein:
„Was machen wir also, wenn wir diese Schwäche unseres sterblichen Körpers fühlen? Wir beten, wie Paulus, dass wir von diesem ‚Stachel im Fleisch‘ befreit würden, und dass Gott uns davon erlöst. Unsere Migräne mag verschwinden, unsere körperlichen Gebrechen mögen geheilt werden, unsere psychologischen Ängste mögen von uns genommen werden, aber es mag auch sein, dass sie bleiben. Ich glaube, dass uns sowohl die Bibel als auch unsere Erfahrungen diese bittere Lektion beibringen: dass Gott uns oft bewusst in unserer Schwäche belässt, sodass seine Kraft auf uns ruhen möge.‟ (Stott, John, Problems of Christian Leadership, Downers Grove: IVP 2014, S.23f)
Manchmal denken wir, gerade als christliche Leiter, dass Schwäche etwas ist, was Gott Unehre macht. Und wir verbieten sie uns, schleppen uns mit schreiender Seele oder zerrütteter Gesundheit auf die Kanzel und ins seelsorgerliche Gespräch, weil wir keine andere Möglichkeit sehen – und vorher, währenddessen und am Schluss beten wir, dass Gott die Schwachheit von uns nehmen mag – es ist doch zu seiner Ehre.
Genau, sagt Gott dann oft, zu meiner Ehre, und damit meine Kraft sichtbar wird, du mehr darauf vertraust, bleibt Schwachheit auf dieser Seite der Herrlichkeit Teil der menschlichen Erfahrung.
God Bless, Restless Evangelical
P.S. Das Originalzitat:
„What then do we do if we feel this weakness of our mortal flesh? Like Paul, we pray that we may be delivered from a thorn in the flesh, and God may deliver us. Our headaches may pass, our physical infirmities may be healed, our psychological shyness may be taken away from us, but they may not. I believe that Scripture and experience both teach this rather unpalatable lesson: that God often deliberately keeps us in weakness in order that his power may rest upon us.‟ http://restless-evangelical.blogspot.de/2014/11/happchen-weise-42.html

Gott Kennt Mich

„Worauf es also hauptsächlich ankommt, ist letzen Endes nicht die Tatsache, dass ich Gott kenne, sondern die größere und grundlegendere Tatsache, dass Er mich kennt. Ich stehe in den Linien seiner Handfläche und bin nie aus seinem Sinn verschwunden. All meine Kenntnis von ihm ist abhängig von seinem beständigen Willen, mich zu kennen. Ich kenne ihn, weil Er zuerst mich erkannt hat und fortfährt, mich zu kennen. Er kennt mich wie ein Freund, der mich liebt. Es gibt keinen Augenblick, in dem seine Augen nicht auf mir ruhen oder in dem seine Aufmerksamkeit von mir abgelenkt wäre, und daher keine Sekunde in der seine Sorge um mich schwankend würde.
Dieses Wissen hat große Bedeutung. In ihm liegt unglaubliches Wohlbefinden – ein Wohlbefinden wohlgemerkt, das vorantreibt, nicht schwächt – zu wissen, dass Gott ständig Kenntnis von mir nimmt und in Liebe über mich zu meinem Besten wacht. Es ist enorm erleichternd, zu wissen, dass seine Liebe zu mir absolut realistisch ist, dass ihm jederzeit auch das Schlimmste von mir bekannt ist, so dass nichts nachträglich zutage treten kann, was ihn über mich eines Schlechteren belehren und seine Entscheidung für mich rückgängig machen könnte.
Es kann für uns bestimmt ein guter Anlass zur Demut sein, zu bedenken, dass Er all die Sachen über uns weiß, die nicht ganz in Ordnung sind, und die unsere Mitmenschen (Gott sei Dank) nicht wissen. Und dabei sieht Er mehr Verderbtheit in mir, als ich selbst wahrnehmen kann – dabei würde das, was ich sehe, ja eigentlich schon reichen.
Gleichfalls müsste es einen großen Antrieb für uns darstellen, wenn wir uns überlegen, dass Gott aus irgendeinem unerfindlichen Grund uns zu Freunden wünscht, dass Er Verlangen hat, mein Freund zu sein, und aus diesem Grund seinen Sohn für mich in den Tod schickte.“
J I Packer, Gott Erkennen.

Gebet

Höchster König des Himmels, Herr der Jahre, souverän über Zeit und Geschichte,
gib uns überwältigende Erkenntnis dessen, wer du bist,
so dass unser Vertrauen unerschütterlich feststeht.
Gewähre uns ein ausreichendes Verständnis der Zeichen der Zeit, in der wir leben,
damit wir wissen, wie wir Dir in unserer Generation dienen
und noch viel wahrhaftiger dein Volk in dieser Welt repräsentieren können.
Zu diesem Zweck, o Herr, belebe uns wieder
und ziehe uns näher zur dir selbst und zueinander.
Wo wir in falscher Zufriedenheit dahindümpeln, säe in uns eine heilige Ruhelosigkeit;
Wo Entmutigung niederdrückt, gewähre uns neue Frische in unsere Herzen.
Für deine Sache stärke uns als Salz und Licht,
damit wir in deinem Frieden aufblühen können.
In Namen Jesus‘, Amen.
Aus: Os Guinness, Renaissance: The Power of the Gospel However Dark the Times. (freie Übertragung)
http://hanniel.ch/2014/09/14/gebet-gib-uns-die-ueberwaeltigende-erkenntnis-dessen-der-du-bist/

Gedanken über das Kreuz

Was anbefohlen, anvertraut,
ins Herz gelegt und angestaut,
gewinnt Gestalt, wird in mir laut:
Ich steh’ auf den Dächern, bekenne den Einen
und ihr, die ihr’s mitkriegt, würdet wohl weinen,
würdet ihr einsehen, worum es hier geht!
Doch jeder hört es und keiner versteht.
Und keiner erkennt, obwohl’s jeder sieht!
Die Welt will das Kreuz gerne missversteh’n.
Und „Jesus war nur ein Mensch unter vielen,
mit Größenwahnsinn und krassen Ideen“.
Ihr seht das Kreuz und blickt nicht den Sinn.
Denk’ länger, sei ehrlich, schau nochmal hin!
Es ist nur ein Gott und ein Weg zu Ihm!
Der Weg ist Sein Sohn, der kam, uns zu dienen.
Wie unverdient, doch von vielen verachtet.
Denk nach: Er wurde für dich geschlachtet!
Entmachtet hat Jesus den Tod am Kreuz,
missachtete jedes Naturgesetz
und blieb nicht im Grab – ich verkündige stolz:
Er hat sich zurück auf den Thron gesetzt!
Wirklich würdig ist einer nur.
Er ging den Weg des Leides allein.
Und würd’ ich dich fragen, was sagst du mir?
Gott würde gern Dein Retter sein!
Er sah sie alle und alle sahen Ihn.
Die Liebe zu Menschen zwang Gott in die Knie
und nichts hielt Ihn ab, so tief zu gehen,
um in tiefster Demut den Kranken zu dienen,
die in Ihm den Sohn des Höchsten erkannten.
Denn ohne Worte, doch wortgewandt
verband Er sorgsam ihre Wunden
mit Banden der Liebe und in Sekunden
heilte, was als unheilbar empfunden.
Verschwunden war Trauer und Schmerz zugleich,
als Gott begann, zu bauen Sein Reich
in Herzen, die sehen, wer Jesus ist:
der Einzige Weg vom Dunkel ins Licht!
Von: Fabian www.neuzeitpoeten.de

Segnen heißt:

Die Hand auf etwas legen und sagen:
Du gehörst trotz allem Gott.
So tun wir es mit der Welt,
die uns solches Leid zufügt
Wir verlassen sie nicht.
Wir verwerfen, verachten, verdammen sie nicht,
sondern wir rufen sie zu Gott.
Wir geben ihr Hoffnung,
wir legen die Hand auf sie und sagen:
Gottes Segen komme über dich.
Wir haben Gottes Segen empfangen
im Glück und im Leiden.
Wer aber selbst gesegnet wurde,
der kann nicht mehr anders
als diesen Segen weitergeben,
ja, er muss dort, wo er ist,
ein Segen sein.
Nur aus dem Unmöglichen
kann die Welt erneuert werden,
dieses Unmögliche ist der Segen Gottes.
Dietrich Bonhoeffer am 8.6.1944 DBW 8, 675
zit nach Jochen Arnold, Ralph Kunz, Christine Tergau-Harms Behütet auf dem Weg Sendung und Segen im Kirchenjahr

Gott kennen

Der Kern der christlichen Religion besteht darin, Gott zu kennen. Ihn zu kennen ist der Zweck des Christentums, dessen höchstes Ziel und Bestreben und größter Segen. Wie Jesus in Joh. 17,3 sagt bedeutet es ewiges Leben.
Diese Erkenntnis Gottes, ist die einzig wahre Erkenntnis. Wir können ohne ihn und außerhalb von ihm nicht einmal uns selbst erkennen. Dies ist nicht nur wahr, weil wir Sünder sind, deren Herzen falsch und verdorben sind (Jer. 17,9), sondern auch, weil wir von Gott geschaffen wurden, um in einer Beziehung zu ihm zu leben (Ps. 30,5). Ohne ihn können wir nicht wissen wer und was wir sind.
Selbst unsere Werke werden in Beziehung zu Gott gesetzt und an ihm gemessen. Jemand kann nicht wissen, ob seine Taten und Worte gut oder schlecht sind, es sei denn durch den Vergleich mit dem Maßstab, den Gottes eigene perfekte Heiligkeit setzt. Das erklärt, warum nur wenige moralische Richtlinien in unserer heutigen Gesellschaft übrig geblieben sind. Selbst die Mehrheit derjenigen, die irgendeine Art von Religion ausübt, kennt Gott nicht. In ihrer Unkenntnis Gottes, besitzen sie keine moralischen Maßstäbe.
Gott zu kennen bedeutet nicht nur, den Kopf voller Glaubenslehren oder Fakten über Gott zu haben, selbst wenn dies biblische Fakten oder Wahrheiten sind. Das heißt nicht, dass die Glaubenslehren betreffs Gottes unwichtig sind. Wissen ist ein Teil des Glaubens und ohne es ist der Glaube nichts. Man kann nicht behaupten an einen Gott zu glauben, von dem man nichts weiß. Dennoch beinhaltet das Wissen über Gott mehr – so viel mehr, dass es möglich ist auf einer intellektuellen Basis zu wissen was die Bibel über Gott lehrt – einem womöglich als Kind die Lehre von Gott wie sie in der Schrift zu finden ist beigebracht wurde – und dennoch Gott nicht zu kennen.
Das Wissen von Gott hat auch etwas mit Erfahrung zu tun. Gott ist so groß, dass man ihn nicht durch bloße Denktätigkeiten oder intellektuelle Bemühungen kennen kann. Man muss ihm begegnet sein, ihn gehört haben, mit ihm gegangen sein und ihn kennen wie ein Mann seinen Freund kennt. Tatsächlich, wenn die Schrift vom Kennen Gottes spricht, ist das Wort kennen synonym zu lieben. So wie die Schrift vom Kennen des Mannes seiner Frau spricht, um die liebevollen Innigkeiten der Ehe zu beschreiben, so spricht die Schrift auch vom Kennen Gottes. Ihn nicht zu lieben heißt, ihn nicht zu kennen – nicht wahrhaft zu kennen.
Daher heißt Gott zu kennen, sich an ihm zu freuen, an ihm Gefallen zu finden und ihm zu gehorchen. Er ist so wunderbar in seiner Gnade, seinem Erbarmen und seiner Majestät, dass es für jemanden, der Gott nicht liebt und sich nicht an ihm erfreut, unmöglich ist zu behaupten, dass er Gott kennt. Diese Person weist ihn zurück, kehrt ihm den Rücken zu, hasst ihn und zeigt, dass sie Gott in Wirklichkeit überhaupt nicht kennt, trotz der Tatsache, dass sie wohl wissen mag was die Bibel über Gott sagt. Der Verstand dieser Person ist verblendet und ihr Herz verhärtet.
Kennst du Gott in dieser wahren Bedeutung des Wortes? Zeigst du jeden Tag aufs Neue, dass er deine größte Freude und Kostbarkeit ist? Liebst du ihn und seine Herrlichkeit von ganzem Herzen und mit all deiner Kraft? Erfreust du dich an ihm, gehorchst du ihm?
Aus: Ronald Hanko, 2004: Doctrine According to Godliness.
A Primer of Reformed Doctrine, S. 27f.

Das liebe ich an Jesus

… dass ich zu meinen Fehlern stehen kann.
Wenn ich gefragt werde, warum ich Jesus liebe, dann ist die biblisch korrekte Antwort natürlich, dass ich ihn liebe, weil er mich zuerst geliebt hat und weil er bereit war, alles für mich zu geben. Ich liebe Jesus deswegen als ganze Person, nicht nur Teile oder Aspekte von ihm, so wie ich ja auch nicht bloß mit einem besonders anziehenden Aspekt meiner Frau verheiratet bin oder nur ihre Nase liebe, ihr Lächeln oder ihre Geduld, sondern sie als ganze Person.
Wenn man eine Person liebt, hat man auch schnell eine lange Liste an der Hand, was sie ganz speziell anziehend macht. Ich liebe Jesus, weil ich ohne ihn gar nicht da wäre. Ich liebe Jesus, weil er mich nie im Stich lässt. Ich liebe Jesus. weil, weil, weil … Aber die Frage ist ja wohl, ob es nicht eine ganz spezielle Sache an Jesus gibt. die mir sofort vor Augen steht, wenn ich an ihn denke. Und tatsächlich – es gibt sie: Ich liebe Jesus über alles, weil seine Vergebung bewirkt, dass ich anderen nicht mehr ein geschöntes Bild von mir vermitteln muss, sondern offen zu meinen Schwächen und Fehlern, ja, Sünden stehen kann.
Jesus nachzufolgen ist für mich vor allen Dingen eine praktische Angelegenheit. Wenn es sich nicht in meinem Alltag in Wissenschaft und Geschäftswelt bewährt hätte, hätte ich längst die Religion gewechselt. Denn zur Betäubung und Ablenkung von der Wirklichkeit gibt es nun tatsächlich bessere Mittel.
Und gerade da kommt die Vergebung der Sünden, die Jesus bewirkt hat, ins Spiel. Ich finde es großartig, nicht ständig allen beweisen zu müssen, dass ich fehlerlos bin. Denn solch ein vorgetäuschtes Leben macht uns seelisch kaputt. Das ewige Basteln an den Masken und die ständigen Vertuschungsmanöver kosten Zeit und Nerven und funktionieren am Ende meist doch nicht.
Jesus ist am Kreuz stellvertretend für meine Sünden und Fehler gestorben und deswegen kann ich sie ihm gegenüber ebenso eingestehen wie meiner Umwelt gegenüber. Wenn meine Fehler sowieso schon eingestanden sind, muss es mir doch viel leichter fallen zuzugeben, wer ich wirklich bin, als Menschen, die ohne Jesus leben.
Das alles verstehe ich dennoch nicht Freibrief von Jesus, extra viele Fehler zu machen oder kräftig in punkto Sünde aufs Gas zu treten. Vergebung räumt nämlich nicht nur mit der Vergangenheit auf. Sie gibt auch die Kraft, tatsächlich etwas zu ändern. Diese Kraft wird nicht nur in der Bibel als Folge der Vergebung beschrieben, sondern krempelt mich auch tatsächlich um. Bei mir gibt es jedenfalls genug zu ändern.
Aber entscheidend ist für meine Beziehung zu Jesus, dass mein Glaube mit meiner Selbstkritik beginnt. Darin unterscheidet er sich etwa fundamental vom Islam, der keine echte Selbstkritik kennt, ja Selbstkritik als Eingeständnis der Niederlage versteht. In der Bibel dagegen beginnt Glaube mit der Erkenntnis der eigenen Unzulänglichkeit. Und nicht zufällig kritisiert die Bibel nicht vor allem die Ungläubigen und die böse Welt, sondern die Gläubigen. Ganze Bücher des Alten Testamentes widmen sich dem schonungslosen Offenlegen der Zustände unter den Juden, ganze Bücher des Neuen Testamentes – legen die schlimme Situation in christlichen Gemeinden bloß. Jesus macht mich frei zur Selbstkritik. Welch eine Erleichterung! Von Thomas Schirrmacher
„Prof. Dr. phil. Dr. theol. Thomas Schirrmacher (geb. 1960) ist Rektor des Martin Bucer Seminars (Bonn, Zürich, Innsbruck, Prag, Ankara), wo er auch Ethik lehrt, Professor für Religionssoziologie an der Staatlichen Universität Oradea, Rumänien, Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz und Sprecher für Menschenrechte dieses weltweiten Zusammenschlusses. Er promovierte 1985 in Ökumenischer Theologie in Kampen (Niederlande), 1989 in Kulturanthropologie in Los Angeles, und 2007 in Vergleichender Religionswissenschaft an der Universität Bonn.“ http://www.schirrmacher.info

Biblische Modelle der Spiritualität

Spirituelle Erlebnisse prüfen können ist nicht dasselbe wie selber welche haben. Viele von uns sind gute Theaterkritiker, aber schlechte Stückeschreiber; wir sind besser auf der Tribüne als auf dem Fußballfeld. Aber im Christenleben kann man nicht auf der Tribüne bleiben; man muß selber mitmachen, um das Spiel kennenzulernen. Die Bibel gibt uns Modelle der Spiritualität, um uns zu helfen, spirituelle Erfahrungen gleichsam von innen zu prüfen. Diese Modelle wollen nicht nur unser theoretisches Wissen befördern. Sie wollen unser Bewußtsein schärfen und einen Weg zeigen, wie wir Gott in unserem täglichen Leben begegnen können. Der Weg hinein in Gottes Gegenwart besteht darin, daß wir tief in den Schätzen des Evangeliums schürfen. Dieses Evangelium ist die Botschaft Jesu Christi, Buße zu tun und an das Evangelium zu glauben (Markus 1,15). Manchmal glauben wir ja, die Kur für unser spirituelles Unbehagen müsse neu oder kompliziert sein. Wir denken, daß dann, wenn unsere Probleme mit Gott schwierig sind, die Lösung dieser Probleme ebenfalls schwierig sein muß. Und in einem gewissen Sinne ist dieses Gefühl sogar richtig. Jesus hat gesagt, daß der Weg zum Leben schmal ist und wenige ihn finden. Aber in einem anderen Sinn ist es falsch. Manchmal hat ein sehr vertracktes Problem eine ganz einfache Lösung, und dies ist oft der Fall im spirituellen Leben. Das Schwierige besteht darin, die Antwort anzunehmen, und nicht darin, daß die Antwort so kompliziert wäre. Eine Geschichte aus dem Alten Testament über einen Heerführer illustriert die Schwierigkeit des Einfachen im geistlichen Leben. (Sie ist nachzulesen in 2. Könige 5.) Der Mann litt an einer schlimmen Hautkrankheit, und die Ärzte hatten ihm nicht helfen können. In seiner Verzweiflung besuchte er schließlich einen Propheten. Es muß peinlich gewesen sein für diesen General, einen religiösen Exzentriker um Hilfe anzugehen – und dann noch einen aus einem feindlichen Land! Als der General nach der beschwerlichen Reise bei dem Propheten ankommt, hält der es nicht für nötig, ihn persönlich zu empfangen, sondern schickt ihm einen Boten entgegen und läßt ihm ausrichten, er solle sich siebenmal im Jordan waschen. Waschen? Das hätte er zu Hause auch haben können; warum sollte dieser mickrige Fluß besser sein als der große Strom in seiner Heimat? Aber gut, der General wusch sich – und wurde geheilt. Die Moral aus dieser Geschichte ist nicht, daß man mit siebenmal Waschen Lepra heilen kann, sondern daß einfache Lösungen schwierig sein können. Man muß demütig sein, um sie anzunehmen. Echte Spiritualität erfahren kann nur der, der ganz schlicht dem Evangelium glaubt.
Gott offenbart das Evangelium durch sein Wort, durch Jesus Christus und durch den Heiligen Geist. Diese drei sind drei biblische Modelle der Spiritualität, die uns helfen, unseren Glauben an das Evangelium und damit auch unsere spirituelle Erfahrung größer werden zu lassen.
Josh Moody: Biblische Spiritualität in der neuheidnischen Gesellschaft Seite 145-146

Das Kreuz zeigt uns Jesus den Herrn

Kant sagte, daß es unmöglich sei, zum Wesen Gottes vorzudringen, und wir finden heute entsprechend viele Menschen, die sich für verschiedene Manifestationen von Spiritualität interessieren oder mit ihnen experimentieren, ohne einen absoluten Wahrheitsanspruch zu erheben. Solange es verschiedene Wege zum Gipfel gibt, sind die Menschen es zufrieden, daß der Gipfel unerreichbar ist oder vielleicht auch gar nicht existiert. Die Befriedigung liegt in der Reise selber; an das Ziel – die persönliche Begegnung mit dem höchsten Wesen – zu gelangen, ist unmöglich. Doch das Kreuz erzählt uns, daß dieses Wesen zu uns herabgekommen ist. Die Inkarnation erklärt uns, daß Jesus der Gott-Mensch ist, der in Raum und Zeit hineingekommen ist; das Kreuz und die Auferstehung bestätigen seine Identität. Von uns aus könnten wir ihn nie erreichen, darin hatte Kant recht: Es gibt eine Barriere zwischen Gott und Mensch. Die Christen behaupten nicht, deswegen Zugang zu Gott zu haben, weil sie klüger oder besser wären als andere Leute. Sie sind nicht zu dem Geheimnis des Universums vorgedrungen. Aber das Geheimnis des Universums ist zu ihnen gekommen! Die Bibel sagt uns, daß in Jesus Christus »das Geheimnis« (das Wort bedeutet im Griechischen etwas Verborgenes) enthüllt worden ist (Kolosser 1,26-27). Dafür ist das Kreuz das Siegel, das uns dazu aufruft, unser Vertrauen auf dieses höchste Wesen zu setzen. Genauer gesprochen, offenbart das Kreuz zwei Dinge über Gott. Zwei Dinge, die vielen Menschen ein Problem sind, besonders wenn es um die Herrschaft und Hoheit Jesu geht. Das Kreuz zeigt uns Gottes Gerechtigkeit und seine Liebe. Beide sind schwer zu glauben in einer Welt der Schmerzen und der Not, aber beide werden am Kreuz demonstriert – auf eine Art, die unseren Glauben wecken will, daß Jesus wirklich der Herr ist. Weil wir alle schon gelitten haben, fällt es uns schwer, zu glauben, daß Gott gerecht ist. Mag ja sein, daß kein Mensch völlig unschuldig ist, aber viele scheinen so viel mehr leiden zu müssen, als sie verdient haben. Der Leidende wird leicht verbittert auf Gott: »Warum hast du das zugelassen?« Einen gerechten Gott – gibt es das überhaupt? In meinem Beruf als Pastor werde ich viel mit den persönlichen Problemen der Menschen konfrontiert. Manchmal kann ich es nach einem Tag Predigen und Seelsorge kaum fassen, wie viel Schlimmes es im ganz normalen Alltag gibt. Hier der unheilbare Krebs, dort der Alkoholiker, der Frau und Kinder schlägt. Ja, wie kann Gott gut sein, wenn er so etwas zuläßt?
Es gibt keine Patentantwort auf diese Frage. Wir alle leiden und verstehen nicht, warum. Aber ein Christ kann als Antwort auf das Kreuz zeigen. Denn dort am Kreuz hat Gott selber bis in die tiefsten Tiefen gelitten. Und dort am Kreuz hat er uns gezeigt, daß er das Böse nicht ungestraft läßt. Er sitzt nicht däumchendrehend da und läßt die Welt vor die Hunde gehen. Er wird handeln, ja er hat gehandelt. Es hat seinen Sohn das Leben gekostet.
Die Bibel lotet diese Tiefe des Erlösungshandelns Gottes aus, wenn sie an einer berühmten Stelle sagt: Den [Jesus] hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, daß er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus (Römer 3,25-26).
Josh Moody: Biblische Spiritualität in der neuheidnischen Gesellschaft Seite 120/121