Zwischen Himmel und Erde

Warum musste Jesus sterben? „Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.“ Lukas 23,33 Jesus hängt zwischen Himmel und Erde und er ist beiden ausgesetzt: unseren Sünden und Gottes Zorn. Von beiden wollen wir postmodernen Menschen nichts hören. „Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg“. Treffender als mit dem alten Prophetenwort kann man unsere Zeit nicht charakterisieren. Ein jeder ist mit sich selbst und seinem Freud oder Leid beschäftigt. Es gibt so viele Entwürfe für wahr oder falsch, gut oder böse wie es Menschen gibt. Der Prophet Jesaja sieht das Hintergrundgeschehen: „Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn“. Wörtlich: Er ließ ihn unsere Sünde treffen. Da sagt mir jemand: „Was du gestern gesagt hast, hat mich sehr getroffen“. Ich denke nach und muss gestehen: Es stimmt, ich habe mich im Ton und in der Sache vergriffen. Meine Sünden haben Jesus getroffen? Das ist uns fremd. Denkt der Einbrecher an Jesus, wenn er stiehlt oder der Kollege, wenn er einen anderen mobbt? Keineswegs. Die Bibel sagt: Gott ließ unsere Sünden Jesus treffen. Der Diebstahl, die Verleumdung, die habgierige Lust treffen nicht nur Menschen, sie treffen Jesus. Gottes Zorn trifft Jesus. In unserer Kirche herrscht Windstille, wenn es um diese Wirklichkeit geht. Gottes Zorn ist nicht die Wut eines Cholerikers, sondern sein heiliges, unüberwindbares Nein gegen alle Sünde und Schuld. Er heißt sie nicht gut. Er lässt sie nicht ungesühnt. Nie in Ewigkeit. Wenn die Bibel von der Verlorenheit, von der Hölle redet, dann meint sie diese unheimliche Möglichkeit, dass unser Leben über den Tod hinaus ohne Gott weiterexistiert. Geschützt vor Gottes Zorn sind wir nur unter dem Kreuz. Darum müssen wir in den Schatten des Kreuzes treten. Der Schritt unter das Kreuz Jesu ist der Schritt aus dem Halbdunkel ins Licht: Gott, sei mir Sünder gnädig! Dr. Manfred Dreytza Leiter des Krelinger Studienzentrums http://www.grz-krelingen.de/upload/KB.pdf

Die Angst vor dem Loslassen

“Mir vorzustellen, ich hätte nur noch 24 Stunden zu leben: Entsetzlich! Ich fühle mich sofort wie ein zum Tode Verurteilter, der erfährt: „Morgen um fünf Uhr wirst du hingerichtet, verbring jetzt deinen Tag. Du kannst machen, was du willst.“ Wie grauenhaft. Wie kann man da überhaupt noch mit Freude entscheiden, was man gerne machen würde? Ich wäre bestimmt gelähmt vor lauter Todesangst. Wahrscheinlich würde ich nur versuchen, in dieser Zeit die Menschen, die meiner Seele am nächsten sind, unentwegt bei mir zu haben. Meine Frau, meine Tochter und mein Enkelkind. Ansonsten wäre mir selbst für die Henkersmahlzeit der Appetit vergangen.”
Diese Sätze schreibt eine Legende des Wiener Burgtheaters, Gert Voss. Wir alle sind getrieben von dem Gedanken, dass wir einmal sterben müssen. Nein, nicht getrieben, das ist das falsche Wort, denn wir versuchen mit aller Macht diesem Gedanken aus dem Weg zu gehen. Hier in unserer Welt tut man alles dafür, um nur nicht an diesen Moment zu denken, in dem du dein Leben aushauchst.
“Für mich ist das Leben immer dann am schönsten, wenn ich die größte Freiheit habe, ein Gefühl der Unbegrenztheit.” Ja, so ist es. Das Lebensgefühl, wenn es denn stimmt, hat diesen Gedanken der Freiheit, eine Vollendung des Seins, es ist die Sehnsucht nach dem unendlichen Ende. “Sobald sich Grenzen zeigen, fühle ich mich beengt. Das war schon in der Schule so, wenn ich wusste, diese Klassenarbeit muss ich in einer Stunde abliefern. Dann fiel mir nichts mehr ein. Kopfblockade. Auch beim Theater gibt es Grenzen, etwa das Ende der Proben, und manchmal läuft einem die Zeit davon wie in einem Taxi das Taxameter. Das ist zum Wahnsinnigwerden. Aber selbst da hat man immer noch die Möglichkeit, zur Not die Premiere zu verschieben oder eine Vorstellung nicht zu spielen.”
Grenzen, wir hören dieses Wort nicht gern, spielen auch beim Tod eine Rolle. Denn es ist DIE Grenze. Es setzt dem Mensch das Ende, die Ränder der Freiheit werden abgesteckt. “Wenn der Tod kommt, gilt das alles nicht. Ich glaube, ich möchte deshalb auch nicht wissen, wann es so weit ist. Und wenn ich die Nachricht erhielte, würde sie mich vermutlich verändern. Wahrscheinlich würde ich völlig neue Seiten an mir kennenlernen. Für jeden Menschen wären solche Zwänge einschneidend, buchstäblich wesensverändernd. Auch deshalb ist es fast unmöglich, mir diese letzten 24 Stunden auszumalen. Ich kann doch jetzt nicht darüber befinden, ob ich dann in heller Panik wäre oder – wer weiß? – womöglich sogar gelöst.”
Was ist es, dieser Tod? Was ist es, wenn ich ihn mir bildlich vor Augen halte? Warum tun wir das nicht alle, ist er doch eine unausweichliche Realität? Eben weil der Gedanke daran kein angenehmer ist. Gert Voss schreibt am Ende: “Genau das frage ich mich: Werde ich die Fähigkeit haben, gleichmütig zu werden, loszulassen? Ganz ehrlich: Ich glaube nicht.”
Genau das ist es, was es uns so unangenehm macht. Es bleibt am Ende nichts, alles, was wir auf der Welt hatten, wird zur unwichtigsten Unwichtigkeit degradiert. Es bleibt nur eins: die Frage, was danach kommt. Vielleicht ist es so, dass wir uns Menschen zu wenig Gedanken darum machen. Deswegen finde ich auch gut, wenn mal so jemand wie Voss darüber schreibt. Er ruft in Erinnerung, er sagt, was eigentlich essenziell ist. Und gleichermaßen merkt man auch: Er kennt keine Antwort. Er ist hoffnungslos.
Diese Hoffnung ist etwas, was mich grundlegend von ihm unterscheidet, und jeden Christen mit mir. Wir haben keine Angst, wir haben keine Wehmut, wir müssen nichts loslassen, wir sehen auch nichts Negatives mehr. Wenn du einen Chrsiten fragst nach den letzten Stunden seines Lebens, dann kann er antworten: Klar muss ich viel loslassen, was mir hier lieb ist, aber ich freue mich, denn jetzt geht das Leben los! Die Sehnsucht ist erfüllt, das Ziel ist erreicht!
Das ist die Botschaft von Ostern. Ist sie dir entgangen?
“Diese sinds, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben sie hell gemacht im Blut des Lammes. Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten, es wird auch nicht auf ihnen lasten die Hitze der Mittagssonne, denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.”
Offenbarung 7,14-17
Inspiriert durch: www.cicero.de/salon/gert-…t-vor-dem-loslassen/48532
Simon

 

Die Orientierung verloren

Ein Mann in einem Heißluftballon hat die Orientierung verloren. Er geht tiefer und sichtet eine Frau am Boden. Er sinkt noch weiter ab und ruft: „Entschuldigung, können Sie mir helfen? Ich habe einem Freund versprochen, ihn vor einer Stunde zu treffen; und ich weiß nicht wo ich bin.“
Die Frau am Boden antwortet:
„Sie sind in einem Heißluftballon in ungefähr 10m Höhe über Grund. Sie befinden sich auf dem 49.Grad, 28 Minuten und 11 Sekunden nördlicher Breite und 8.Grad, 28 Minuten und 58 Sekunden östlicher Länge.“
„Sie müssen Ingenieurin sein“ sagt der Ballonfahrer. „Bin ich“, antwortet die Frau, „woher wissen Sie das?“
„Nun“, sagt der Ballonfahrer, „alles was Sie mir sagten ist technisch korrekt, aber ich habe keine Ahnung, was ich mit Ihren Informationen anfangen soll, und Fakt ist, dass ich immer noch nicht weiß, wo ich bin. Offen gesagt, waren Sie keine große Hilfe. Sie haben höchstens meine Reise noch weiter verzögert.“
Die Frau antwortet: „Sie müssen im Management tätig sein.“
„Ja,“ antwortet der Ballonfahrer, „aber woher wissen Sie das?“
„Nun,“ sagt die Frau, „Sie wissen weder, wo Sie sind, noch wohin Sie fahren. Sie sind aufgrund einer großen Menge heißer Luft in Ihre jetzige Position gekommen. Sie haben ein Versprechen gemacht, von dem Sie keine Ahnung haben, wie Sie es einhalten können und erwarten von den Leuten unter Ihnen, dass sie Ihre Probleme lösen. Tatsache ist, dass Sie nun in der gleichen Lage sind, wie vor unserem Treffen, aber merkwürdigerweise bin ich jetzt irgendwie schuld!“
Die Wahrheit ist oft leichter zu ertragen, wenn sie mit etwas Humor angereichert ist. Wir Menschen haben die Angewohnheit, andere für unsere Dilemmas und Probleme verantwortlich zu machen. So ist es schon von Anfang an gewesen. Adam gab Eva die Schuld. Adam deutete sogar an, daß Gott schuld sei, weil Gott ihm Eva gegeben hatte. Als Antwort auf diese Kritik beschuldigte Eva die Schlange. Und wie wir alle wissen, glaubt Satan, der Teufel, daß Gott hart und lieblos ist.
Eine der Lektionen, die wir als Christen lernen, besteht darin, daß Reue kein einmaliges Ereignis in unserem Leben ist. Gott arbeitet mit uns, er heiligt uns, und sein Werk ist ein fortwährendes Werk der Verwandlung und täglichen Erneuerung (2.Kor.4, 16). Gott kennt den Menschen sehr gut und weiß auch von seinen Sünden.
Er liebt uns trotzdem. Nur Gott kann das tun.
Sünde ist eine universelle Abartigkeit (Deformierung), die alle Menschen betrifft (Römer 3,9-23). Sünde identifiziert uns, sie plagt und versklavt uns. Nachdem der Mensch gesündigt hat, ist es für ihn unmöglich, sich selber heilig und vollkommen zu machen. wir können uns selber nicht gut genug machen. Nur Gott kann das. Jede Facette und jede Eigenschaft Gottes ist heilig. Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm (1.Joh.1,5-2,10).
Menschen können keinen heiligen, gerechten Charakter bilden, egal wie sehr sie es versuchen oder wie lange sie daran arbeiten. Wegen des Kreuzes und des leeren Grabes können wir Gott kennen lernen und eine persönliche Beziehung zu ihm haben. Keine eigenen Werke machen uns gerecht vor Gott.
www.bibelkreis-muenchen.de

Das Kreuz mit dem Kreuz Ärgernis und Heilsereignis

Dass Jesus am Kreuz starb, steht in der Diskussion um das Kreuz nicht zur Debatte. Es steht allerdings immer wieder zur Debatte, warum Jesus am Kreuz starb. Der Glaube daran, dass Jesus stellvertretend für die Sünde der Menschen am Kreuz gestorben ist, wird immer wieder abgelehnt.
Der ehemalige Fernsehpfarrer Jürgen Fliege sagt: „Ich will meine Sünden behalten!“
Robert Zollitzsch, Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, sagt auf die Frage, ob Jesus tatsächlich für die Sünden am Kreuz gestorben sei: „Nein“, Gott brauche kein Sündopfer, er habe seinen Sohn „in Solidarität mit uns bis in die letzte Todesnot hineingelassen, um zu zeigen: So viel seid ihr mir wert, ich gehe mit euch, ich bin ganz bei euch in jeder Situation.“ (Hess. Rundfunk, Karsamstag 2009).
Nikolaus Schneider, Präses der EKD-Synode, antwortete auf die Anfrage von Welt Online, ob der Tod Jesu ein Sühnetod war: „Er war es nicht!“
Der Benediktinerpater Anselm Grün, viel gelesener Autor spiritueller Bücher und beliebter Lebensberater, schreibt in seinem Buch Erlösung (Kreuz Verlag, 2004, S .7) über das Sühneopfer von Jesus Christus: »In manchen Köpfen schwirrt noch immer die Idee herum, dass Gott seinen Sohn sterben lässt, um unsere Sünden zu vergeben. Doch was ist das für ein Gott, der den Tod seines Sohnes nötig hat, um uns vergeben zu können? « Ist es wirklich wahr, dass »Der Tod Jesu war nicht notwendig, damit Gott sich mit uns versöhnt und uns vergibt.« Weiterlesen

Warum musste Jesus sterben?

Immer noch ist das Kreuz das Symbol des christlichen Glaubens schlechthin. Doch war es keineswegs das erste. Die ersten Christen verwandten das Fisch-Symbol oder eine Taube als Erkennungsmerkmal. Erst ab dem 3. Jahrhundert setzte sich das Kreuz als offizielles Symbol durch. Das überrascht, denn beim Wort „Kreuz“ lief es jedem Römer kalt den Rücken herunter. Die Hinrichtungsart des Kreuzigens zögerte den Tod bewusst so lange hinaus, bis das Opfer ein Maximum an Qualen erlitten hatte. Kein römischer Bürger durfte gekreuzigt werden. Das Kreuz als Mittelpunkt Warum also das Kreuz als zentrales Symbol? Ein kurzer Blick ins Neue Testament zeigt: Der Kreuzestod Jesu steht im Mittelpunkt der Botschaft und Verkündigung. Die vier Evangelien sind „Passionsgeschichten mit verlängerter Einleitung“ (M. Kähler). Weiterlesen

Hat Ostern sich gelohnt?

Der dänische Schriftsteller Jens Peter Jacobsen wurde vor allem durch sein Buch „?Die Pest von Bergamo“ bekannt. Eindrücklich beschreibt er, wie eine Stadt von einer Seuche heimgesucht wird. Die Menschen haben den Tod vor Augen. Sie wissen genau um ihr baldiges Ende. Aber statt sich zu besinnen, stürzen sie sich in grenzenlosen Sinnestaumel, in Ausschweifungen und Gelage. Weiterlesen

Gekreuzigt, gestorben und begraben …

Am Ende seines öffentlichen Auftretens steht Jesus vor der Entscheidung, ob er nach Galiläa zurückkehren oder nach Jerusalem hinaufgehen soll. Lukas teilt mit, dass Jesus sich fest entschlossen nach Jerusalem begab (Lk 9,51). Markus erwähnt, dass Jesus seinen Jüngern klar machte, was Gott mit ihm vorhatte: „Der Menschensohn muss vieles erleiden und verworfen werden“ (Mk 8,31). Johannes charakterisiert diese Situation mit den Worten: „Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war …“ (Joh 13,1). Weiterlesen

Das Abendmahl

Das Abendmahl ist   durch Jesus Christus eingesetzt worden in der Nacht, da Er verraten wurde. Die Synoptiker berichten darüber in Mt 26,26-30; Mk 14,22-26; Lk 22,19-20. Johannes erwähnt das Mahl nicht. Manche meinen zwar, in Joh 6 einen Hinweis auf das Abendmahl zu finden. Dieser Abschnitt hat aber keine Beziehung zum Abendmahl. Die Symbole, auch Elemente oder Zeichen genannt, sind Brot und Wein. Beide werden von allen Teilnehmern genommen. Interessant sind dabei die Worte Jesu. Beim Brot sagt er nur: „Nehmet, esset!“ – aber beim Kelch: „Trinket alle daraus!“

Mt 26,27 „Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus;“
Mk 14,23 „Und er nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus.“ Weiterlesen

Jesu Schweigen

Zu diesem Zeitpunkt wurde Jesus auf dem Balkon des Prätoriums – direkt neben Pilatus stehend – wahrscheinlich von römischen Soldaten bewacht. Matthäus schreibt: »Und als er von den Hohenpriestern und den Ältesten angeklagt wurde, antwortete er nichts. Da spricht Pilatus zu ihm: ”ºHörst du nicht, wie vieles sie gegen dich vorbringen? ”¹ Und er antwortete ihm auch nicht auf ein einziges Wort, so dass der Statthalter sich sehr verwunderte« (Matthäus 27,12-14). Pilatus wusste sehr wohl, dass Jesus sich keines der Vergehen hatte zuschulden kommen lassen, derer sie ihn anklagten. Er konnte erkennen, dass die Ratsmitglieder von Neid getrieben wurden (V. 18). Er hatte Jesus verhört und keine Schuld an ihm gefunden. Er hatte bereits in der Öffentlichkeit Jesu Unschuld verkündet. Der Fall hätte abgeschlossen werden können. Pilatus hätte Jesus freilassen und die aufgebrachte Menge zerstreuen sollen. Er fürchtete aber noch immer zu sehr die politischen Auswirkungen, die eine Kränkung des Hohen Rats mit sich gebracht hätte. In zahllosen gegen Verbrecher geführten Prozessen war Pilatus der Richter gewesen. Er hatte Hunderte – vielleicht sogar Tausende – angeklagter Verbrecher gesehen. Sie alle – unschuldige und schuldige gleichermaßen – hatten bei jeder Gelegenheit nachdrücklich ihre Unschuld beteuert. Niemals zuvor war Pilatus jemandem begegnet, auf den das Urteil »unschuldig« so vollkommen zutraf und der dennoch darauf verzichtete, zu seiner Verteidigung zu sprechen. Pilatus war über das gelassene und majestätische Schweigen Jesu erstaunt und verwundert. Im Grunde wünschte er, dass Jesus es seinen Anklägern verbal gehörig zurückgab. Doch Jesus blieb still. Was gab es noch zu sagen? Wer sollte noch überzeugt werden? Bei welchen der vorliegenden Anklagen lohnte sich die Beantwortung noch? Pilatus hatte ihn bereits von jedem Fehlverhalten freigesprochen. Und auch die Mitglieder des Hohen Rats wussten von seiner Unschuld – selbst wenn sie weiterhin entschlossen waren, ihn zu töten. Weil es an dieser Stelle nichts bewirkt hätte, wenn Jesus zu seiner Verteidigung gesprochen hätte, schwieg er. Erneut stellte dies alles eine vollkommene Erfüllung des göttlichen Plans dar. Hunderte Jahre zuvor schrieb Jesaja davon, dass Christus sich selbst opfern würde: »Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf wie das Lamm, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf« (Jesaja 53,7). John F. MacArthur „Tatort Golgatha.Gedanken über das Leiden und Sterben Jesus CLVBielefeld, 2004 ISBN3-89397-958-I  www.factum-magazin.de 2/08 http://schwengeler.ch/wFactum_de/aktuelles_heft/aktuelles_heft.php

Das Leben des Pilatus

Über die Zeit vor seinem Wirken, seine Herkunft, Familie etc., ist nicht viel bekannt. Man kennt nicht einmal seinen Vornamen. Das „Pontius“ in seinem Namen ist ein sogenannter „nomen gentile“, also ein Geschlechtsname. Dieser nomen gentile weist darauf hin, dass Pilatus aus dem samnitischen Geschlecht stammt. Der Beiname „Pilatus“ wird verschieden interpretiert. Die Spanne reicht von „der Haarige“, über „Hut der Freiheit“ bis „der Speerträger“. Eine weitere Sache, die wir über Pilatus wissen, ist, dass er dem Ritterstand angehörte. Es war üblich, dass der Prokurator von Judäa aus dem Ritterstand kam, so wie wahrscheinlich auch alle anderen Prokuratoren. Darüber hinaus wissen wir noch, dass er verheiratet war (Mt 27,19). Bei einigen apokryphen Schriften und Kirchenvätern werden verschiedene Namen gehandelt, die alle nicht gesichert sind.

Die Zeit in Judäa

Er war der fünfte Statthalter der Provinz Judäa. Er trat die Nachfolge des Valerus Gratus an. Sowohl Pilatus als auch Gratus waren Schützlinge des mächtigen Sejan. Dieser vertrat eine Politik der Strenge gegen die Juden, was sich auch auf die Art der Herrschaft der beiden Prokuratoren auswirkte. Pilatus wurden zuweilen sogar antisemitische Züge angekreidet. Datiert wird seine Regierungszeit auf 27 – 37 n. Chr.20. Durch sein Handeln zog er sich immer wieder den Zorn der Juden auf sich, sei es nun, um zu provozieren, oder teilweise aus Unwissenheit. Er galt als bestechlich und gewalttätig. Hier eine Darstellung der gröbsten Skandale während der Amtszeit des Pilatus. Weiterlesen