Das Fest der Ostereier

Käme jemand in diesen Tagen von einem anderen Planeten zu Besuch auf die Erde, dann bekäme er wahrscheinlich den Eindruck, die hier lebenden Menschen würden Eier und Hasen verehren. – In Geschäften, auf Plakaten und natürlich auch im Internet sind in der Osterzeit niedliche Hasen und bunte Eier allgegenwärtig. In einigen großen Medien wird man darüber informiert, dass die alten Römer in aufgeschlagenen rohen Eiern die Zukunft deuten wollte; dass peruanische Hühner aufgrund des vielen Schwefels im Boden gelegentlich blaue Eier legen und dass ein Straußenei rund 40 Minuten braucht um gar zu werden. Das alles ist für die Allgemeinbildung natürlich sehr interessant; auch wenn diese Daten für den Alltag ziemlich irrelevant bleiben. Wie das Auferstehungsfest von Jesus Christus zu den Hasen und Eiern kam, bleibt dabei allerdings oftmals unklar.
Zugegeben, selbst die Spezialisten der Kulturgeschichte müssen etwas vermuten und spekulieren, um einigermaßen plausible Antworten geben zu können. Der Hase hat vermutlich rein Garnichts mit dem christlichen Auferstehungsfest zu tun. Schon in vorchristlicher Kulturen feierte man in dieser Jahreszeit den Ende des Winters und den Beginn des Frühlings. Gelegentlich wurden die Zyklen der Natur mit mythischen Ereignissen in der eigenen Götterwelt verbunden. So wollte man im Frühling mit allerlei Zeremonien die „Dämonen“ des Winters verscheuchen. Man sehnte sich nach Wärme und Sonne. Außerdem wurden die aufgespeicherten Lebensmittel langsam rar und die Menschen waren auf Nachschub angewiesen. Deshalb versuchte man die Fruchtbarkeit mit magischen Riten herbeizuzwingen. Dazu gehörte auch die Verehrung von Hasen, die als außerordentlich fruchtbar galten; also als ideale Repräsentanten eines hoffentlich ertragreichen Jahres in der Landwirtschaft.
Auch Eier wurden als Zeichen der Fruchtbarkeit betrachte. Gleichzeitig gab es aber auch einen indirekten Grund, zu Ostern viele hartgekochte Eier zu verzehren. Entsprechend einer Regel der mittelalterlichen Kirche sollten Christen vor den großen Feiertagen – insbesondere vor Weihnachten und Ostern – fasten, d.h. auf bestimmte Lebensmittel verzichten. Dazu gehörte der Brauch, zwischen Fastnacht und Ostern keine Eier zu verzehren. Die sich bei dieser Fastenaktion angesammelten Eier sollten natürlich nicht einfach weggeschmissen werden. Also kochte man die Eier, um sie haltbarer zu machen. Zu Ostern durften die Menschen wieder alles essen, also begann man die große Menge hartgekochter Eier zu verzehren. Die österliche Eierschwemme hat auch noch einen anderen historischen Ursprung: In manchen Regionen mussten die mittelalterlichen Bauern Steuern und Pacht am Gründonnerstag mit Eiern bezahlen. Mit der Zeit änderte sich die Tradition und es wurden auch Kinder und Freunde mit Eiern beschenkt, um Ihnen eine Freude zu machen.
In kirchlicher Interpretation wies man allerdings auch schon früh darauf hin, dass Eier gute Symbole für das Auferstehungsfest sind. Zum einen sind Eier offensichtlich ziemlich rund. An ihrer Oberfläche kann man keinen Anfang und kein Ende finden. Damit wurden sie als Zeichen der Unendlichkeit, des ewigen Lebens angesehen. Der Christ kann sich seines ewigen Lebens sicher sein, weil Jesus für seine Sünde gestorben ist (Karfreitag) und weil er mit seiner Auferstehung aus den Toten (Ostern) die Macht des Todes besiegt hat, für sich und auch für alle Menschen, die sich ihm existentiell anvertrauen.
Zuweilen wird auch auf eine andere Geschichte aus der frühen Christenheit verwiesen. Damals hatte eine von den Römern verfolgte Christin das Ei als Symbol benutzt, um zu erklären, dass aus etwas scheinbar Totem durchaus etwas Lebendiges kommen kann. Ebenso ist es mit der Auferstehung Jesu. Da wo es rein biologisch unmöglich ist, dass Tote wieder lebendig werden, ist so etwas doch passiert, weil Gottes Macht größer ist als die der Natur.
Während der Christenverfolgung im Römischen Reich wurde eine junge Frau vor den Richter geführt. Nachdem sie zugab Christin zu sein machte sich der gebildete Beamte über sie lustig. Für ihn war vollkommen klar, tot bleibt tot. Also verspottete er die junge Christin. Wie könne man so dumm sein an Jesus Christus zu glauben, der ganz eindeutig am Kreuz hingerichtet und gestorben sei. Die Frau erbat sich einen Tag Bedenkzeit und wurde am nächsten Morgen erneut vor den Richter gebracht. Diesmal hatte sie ein Ei dabei. Sie hielt es dem Beamten entgegen. In diesem Moment pickte das Küken von innen ein Loch in die Schale. Von außer sähe das Ei aus wie ein toter Stein, erklärte die Christin. Und doch befindet sich hinter der harten Schale wirkliches Leben, unsichtbar für den äußeren Beobachter. Der Richter war beeindruckt. Trotzdem ließ er die Frau wegen ihres Glaubens an den Auferstandenen hinrichten.
Für Christen ist das Auferstehungsfest ein sensationelles Ereignis. In der Auferstehung Jesu hat Gott bewiesen, dass die Versprechungen von Sündenvergebung und ewigem Leben nicht nur fromme Phantasien sind, sondern, dass es sich hier um eine Realität handelt. Ein Christ muss keine Angst mehr vor dem Tod haben, weil er weiß, dass Gott ihn auferweckt, ihm seine Sünden vergibt und mit ihm leben will in Ewigkeit. Michael Kotsch

Aldi erklärt, warum, wann und wie Ostern gefeiert wird. Viele wissen nichts über das wichtigste Fest der Christen.

Die Tochterunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd gehören mit weltweit zusammen rund 10.000 Filialen und gemessen an den Umsätzen in Deutschland zu den Top-Five im Lebensmitteleinzelhandel. Der Aldi-Flyer beantwortet die wichtige Frage, warum Christen Ostern feiern so „Ostern feiern Christen auf der ganzen Welt jedes Jahr die Auferstehung von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Es ist das wichtigste Fest der christlichen Kirche – sogar noch wichtiger als das Weihnachtsfest.“ https://www.aldi-sued.de/de/ratgeber/ostern/osterbraeuche
Wer mehr wissen will:www.bibelgratis.de/

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Auf(er)stehen

Ein Brausehersteller, der unter anderem ein koffeinhaltiges Süßgetränk („Cola“) feilbietet, macht derzeit in Berlin mit einer Plakatkampagne auf sein Produkt aufmerksam, die auf einem Wortwitz basiert: der Verwechslung von „aufstehen“ und „auferstehen“. Tenor: Das Produkt hilft beim „Auferstehen“.
Dass man die Kampagne zu Ostern platziert, zeugt von großem Vertrauen auf (oder: starkem Glauben an) die religiöse Bildung der potentiellen Kundschaft, denn das Wissen darum, dass Ostern etwas mit Auferstehung bzw. umgekehrt Auferstehung etwas mit Ostern zu tun hat, kann heute nicht mehr allgemein vorausgesetzt werden.
Andererseits bin ich wirklich nicht sicher, ob der Witz tatsächlich verstanden wird, weil dessen Pointe ja darin besteht, dass „auferstehen“ etwas viel Größeres ist als „aufstehen“. Diese Steigerung nutzt die Werbekampagne, um das Produkt aus der Masse der Getränke herauszuheben.
Vielleicht wurde auch darauf spekuliert, dass sich die Kirche über die kommerzielle Nutzung einer christlichen Glaubenswahrheit aufregt und dadurch die Sache erst richtig bekannt macht, aber zur Aufregung besteht kein Grund. Zumindest solange nicht, wie das Spiel mit den Bedeutungsebenen funktioniert. Denn solange wäre klar: Auferstehung ist was Besonderes. So besonders wie das Produkt gerne wäre.
Also: Aufstehen und auferstehen – was ist der Unterschied? Aufstehen kommt nach dem Schlaf, auferstehen nach dem Tod. Aufstehen ist Erwachen im Raum zu ganz bestimmter Zeit, auferstehen ist Erweckung außerhalb von Raum und Zeit – ganz bestimmt. Aufstehen ist Neuanfang im alten Leben, auferstehen ist Neubeginn von neuem Leben. Aufstehen geht mit Koffein, auferstehen geht mit Gott. Die Mittel zum Aufstehen muss man kaufen, die Mittel zum Auferstehen bekommt man geschenkt. Der Effekt der Hilfe zum Aufstehen reicht bis zum Nachmittag, der Effekt der Hilfe zum Auferstehen reicht in alle Ewigkeit. Aufstehen – das muss regelmäßig wiederholt werden, auferstehen – das braucht nur einmal geschehen. In Sachen aufstehen gibt es nichts zu feiern, in Sachen auferstehen schon: Ostern. (Josef Bordat)
https://jobo72.wordpress.com/2017/04/12/auferstehen/

 

Was macht eigentlich ein Terrorist zu Ostern?

Verweilen. Aber nicht bleiben
Was macht eigentlich ein Terrorist zu Ostern? Ich fürchte, er kommt dort gar nicht an. Er bleibt beim Karfreitag stehen, ohne jedoch am Kreuz zu verweilen. Denn das Kreuz setzt zu viel voraus. Empathie zum Beispiel. Ein Terrorist blickt nicht auf den Gekreuzigten, das hält er nicht aus. Der ist zu stark für ihn.
Ein Terrorist steht am Rand und betrachtet die Szenerie, weidet sich am Chaos, das er hervorbringt. Hauptsache Blut. Hauptsache Tod. Hauptsache Aufmerksamkeit. Für Terroristen das Größte. Der Karfreitag ist das Ostern des Bösen.
Es sind bedrohliche Zeiten, in denen wir leben, wenn nicht einmal mehr eine Gruppe junger Männer zu ihrem Fußballspiel fahren kann.
Was ist eigentlich noch sicher? Dass übermorgen Ostern ist! Dass damit der Karfreitag das Ende vom Ende ist. Und Ostern ein Anfang. Es geht weiter! Und dass wir in dieser Gewissheit vom Kreuz her stets eine Antwort auf den Terror parat haben: Liebe.
Der Text ist von Josef Bordat die Überschrift wurde von mir abgeändert das Original siehe den Link unten. https://jobo72.wordpress.com/2017/04/14/verweilen-aber-nicht-bleiben

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Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Lukas 24, 5.6

Als meine älteste Tochter gerade laufen gelernt hatte, war sie plötzlich verschwunden. Die Haustür von meinen Schwiegereltern stand offen, und sie war mit einem Mal weg.
In der Hauptstraße liefen viele Menschen, nur sie war nicht zu sehen. Mit Herzklopfen und allen Phantasien, was passiert sein könnte, die Straße entlang zu laufen und zu suchen – das waren keine leichten Minuten. Zum Glück habe ich meine Tochter dann im Geschäft von Freunden die nicht weit wohnten fröhlich herumlaufend wiedergefunden. Die Erleichterung war groß. Freude über ein quicklebendiges Kind.
Diese Art zu suchen hat sehr viel mit Liebe zu tun. Es geht nicht darum, vielleicht etwas oder jemanden zu finden; ich muss diesen Menschen finden! Er bedeutet mir so viel.
Mit Liebe haben sich auch die Frauen auf den Weg zum Grab Jesu gemacht, von denen das Evangelium erzählt. Sie suchten Jesus, von dem sie so viel empfangen hatten an geistlicher Stärkung und göttlicher Liebe. Sie wollten seinen Leichnam einbalsamieren, weil bei der Bestattung vor dem Sabbat dazu keine Zeit mehr gewesen war. Ein letzter Liebesdienst. Doch er ist nicht da. Das Grab ist leer. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden,“ wird ihnen gesagt.
In dieser Frage des Engels liegt eine gehörige Portion Ironie. Einen Lebenden bei den Toten suchen, das ist so verrückt wie einen Fußballhasser im Stadion zu suchen. Das ergibt keinen Sinn.
So entlarvt diese Frage den Kleinglauben, der Gott nichts zutraut; der Jesus auf der Seite des Todes sieht und nicht auf der Seite des Lebens. Aber wo der Glaube klein ist, da hilft die Liebe weiter. Die Frauen erinnern sich an Jesus, was er gesagt und getan hat. Sie erinnern sich, dass er sein Leiden vorausgesehen hat, und dass er von seiner Auferstehung gesprochen hat. Und diese Erinnerungen teilen sie mit den anderen Jüngern.

Ist Ostern das Gegenteil von Western?

Ja, natürlich – was denn sonst?
Ein Western ist Mythos, Ostern Geschichte. Revolverhelden, die nie aus dem Sattel fallen; Indianer, die ständig auf dem Kriegspfad sind; Kopfgeldjäger, die die Gesetzlosen mittels Steckbrief jagen … gute Unterhaltung, aber unterm Strich bleibt: Western sind unglaublich.
Ein Grab, das leer ist; Engel, die verkündigen: „Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden“ und Augenzeugen, die für ihre Botschaft ihr Leben hingeben. Ostern ist unglaublich, aber wahr.
Wie hätten die ersten Christen in Jerusalem nach Ostermontag die Auferstehung von Jesus predigen können, wenn ihre Gegner ihnen das Grab mit dem Leichnam hätten zeigen können? Das wäre die reinste Lachnummer gewesen. Aber sie konnten auf ein leeres Grab verweisen und glaubhaft von einem lebendigen Jesus erzählen, der ihnen als Auferstandener begegnet war. Jesus lebt und sein Versprechen gilt noch heute:
Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. (Die Bibel: Johannesevangelium 11,25+26)
„Spiel mir das Lied vom Tod“ kennt jeder. Aber: Kennst du die Botschaft des Lebens? http://darumostern.de/artikel/ist-ostern-das-gegenteil-von-western

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Gedanken zum Kreuzesgeschehen

Der Beitrag ist eine Antwort auf folgenden Artikel:
Karfreitag: Warum hing der Sohn Gottes am Kreuz?
http://www.aufnkaffee.net/2016/03/karfreitag-warum-hing-der-sohn-gottes-am-kreuz/
Dass die ersten Christen dafür bekannt waren, den Bedürftigen und Fremden Gutes zu tun, jedem mit Liebe zu begegnen und ihren Feinden bedingungslos zu vergeben, ist kein glückliches Nebenprodukt des Evangeliums.
1. Ein Denkfehler liegt bereits darin, dass angedeutet wird, dass „verschiedene Deutungen“ des Kreuzestodes im NT vorlägen. Dies ist aber irreführend. Vielmehr sind es unterschiedliche soteriologische und christologische Aspekte, die gleichzeitig das „eine“ Kreuzesereignis Christi beschreiben, wie Gott es wollte, dass es zu verstehen sei. Hier ist von Komplementarität zu reden, nicht von (möglicherweise unterstellten) Alternativen.
2. Die christologische Deutung des Kontextes von Jes. 53,5 erläutert, dass die Strafe (Gottes) auf „ihm“ (dem Gottesknecht – Jesus-Deutung vom NT her) liege, auf dass wir Frieden (mit Gott) hätten. Was „Strafe“ im Gottesknechtslied ist, ist gewiss von Anselms Lösungsansatz her unterschieden zu deuten. Doch den „Strafe-Gedanken“ des Kreuzestodes Jesu ausblenden zu wollen, ist soteriologisch fragwürdig. Das lässt sich sühne- und opfer-theologisch vom AT her näher bestimmen, erweitert durch Offenbarungen Gottes dazu im NT.
3. Die „Sühne“ lediglich als Illustration damaliger jüdischer Opfervorstellungen des kultischen Opferbetriebs zu sehen, ist ungenügend und – wie es im Text klingt – abwertend. Der AT-Opfergedanke (Stellvertretung, Sühne, Sündenvergebung, Blut etc.) in seinen Facetten ist zentral notwendig, das Kreuzesgeschehen im NT zu begreifen (Joh. 3,14-18.36 – erhöhte Schlange; Hebräerbrief, z.B. Kap. 9 usw.).
4. Christus trägt die „Sünde“ der Welt ans Kreuz, erleidet den Fluch (des mosaischen Gesetzes) und die Gottverlassenheit des am Holz Gekreuzigten stellvertretend für Sünder (Röm. 5 usw.).
5. Den Akzent darauf zu legen, dass es beim Kreuzesgeschehen um das Plädoyer für Gewaltlosigkeit oder um eine Zeichenhandlung der Feindesliebe als Vorbild „für uns“ gehe, ist neu-theologisch ausgedacht worden, aber kaum biblisch-theologisch plausibel. Das ist „Möchte-Gern-Theologie“, nicht besser als Anselm verdrehte Satisfaktionstheorie.
6. Die Liebe Gottes gibt den Sohn am Kreuz hin, dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat (Joh. 3,14-16). Das Kreuz Christi demonstriert die Liebe Gottes zur verlorenen Welt (kosmos). Wer der Liebesdemonstration Gottes in Jesus glaubt, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht (Joh. 5,24). Wer nicht an den Sohn glaubt, BLEIBT unter dem Zorn Gottes (und kommt ins Gericht Gottes). Ob paulinisch oder johanneisch oder lukanisch etc., wie auch immer, das soteriologische Ergebnis der Kreuzigung Jesu ist insgesamt das Gleiche, jeweils unterschiedlich akzentuiert.
7. Anselms Satisfaktionslehre muss man in wesentlichen Gesichtspunkten kritisieren. Luther, Calvin und andere seit dem haben es sinnvoll getan und Alternativdeutungen des biblischen Befundes vorgestellt. Doch die hier im Artikel vorgetragene Lösung überzeugt in den wesentlichen theologisch substantiellen Behauptungen nicht. Die theologiegeschichtlich relevanten Grundlagen dieser hier vertretenen Gedanken erwachsen teilweise aus den liberal-theologischen Theologien des 19. und 20. Jahrhunderts heraus. Sie tragen aber nicht wirklich durch, den „Karfreitag“ zu verstehen. Damit kann man weder richtig leben, noch richtig sterben (Heidelberger Katechismus, Fr. 1). Und ob theologisch etwas „heutzutage intuitiv einleuchtet oder nicht“, das spielt letztlich entscheidend keine Rolle in der christlichen Lehrbildung. Solche Überlegungen gehören vielleicht in den Bereich der Vermittlung des Evangeliums (praktische Theologie, Predigtlehre, Seelsorge), sie sind jedoch dogmatisch geurteilt kein Kriterium zur Urteilsbildung, was denn nun der Kreuzestod Jesu bedeutet und was nicht (vgl. z.B. Reinhard Slenczka, Kirchliche Entscheidung in theologischer Verantwortung, Göttingen 1991)
Gottfried Sommer

Jesus Christus ist auferstanden

„Man schämt sich tief, wenn man sich vor Augen hält, wie kümmerlich wenig wir mit diesem ‚Jesus Christus ist auferstanden’, mit der Osterbotschaft also, anzufangen wissen. Man schämt sich für sich selbst, wie wenig man doch dieser Botschaft gewachsen ist: mit dem Kopf nicht und mit dem Herzen und Gewissen erst recht nicht und mit seinem Leben schon gar nicht.
Man könnte freilich auch fast erschrecken, wenn man sich vorstellte, wie es wäre, wenn das plötzlich auskäme und bekannt würde. (…) Wenn sich das auf einer unserer Großbanken etwa kurz vor Büroschluß auf einmal in seinem wahren Sinn herumspräche vom Direktorszimmer bis zu den Schaltern für das Publikum! (…) Wenn in einer Pfarrer-Konferenz – vielleicht in der Woche nach Ostern, wenn sie alle begreiflicherweise etwas müde und etwas zum Unglauben geneigt sind – jemand durchs offene Fenster von außen dieses Wort hereinriefe! (…) Wenn … aber der Leser mag sich weitere Situationen (und seine eigene) selbst ausmalen. Wenn er dann nicht ein wenig erschrickt, so kann es nur eben daran liegen, daß er das Wort noch nicht verstanden hat und darum seine wirklich revolutionäre Bedeutung für das menschliche Leben nicht zu ermessen weiß. (…) ‚Jesus Christus ist auferstanden’ heißt nämlich: ‚Das Alte ist vergangen, siehe da, es wurde zu einem Neuen’ [2. Kor. 5, 17]. Nicht, wie es jedes Jahr wieder Frühling wird. Nicht, wie wir jeden Morgen zu einem neuen Tag erwachen. Nicht, wie es nach bösen Zeiten (wenigstens manchmal) auch wieder besser zu gehen pflegt. Und nicht, wie wir nach Kummertagen auch wieder ein wenig Mut schöpfen mögen. Da vergeht ja das Alte nicht, da wird es ja nicht zu einem Neuen. Das sind ja bekanntlich nur Teilstrecken in einem großen Kreislauf. ‚Jesus Christus ist auferstanden’ bedeutet aber eine endgültige und gänzliche Veränderung aller Dinge infolge dessen, daß sie in ein ganz neues Licht gekommen sind.
Ich nenne ein paar von den Dingen, die im Lichte der Auferstehung Jesu Christi endgültig und gänzlich verändert sind: Was wir das Böse nennen, hat wie eine Wespe, nachdem sie einmal gestochen hat, von da an keine Macht mehr. (…) Der Tod? Hier muß man das Stärkste sagen, wenn man es recht sagen will: In der Auferstehung Jesu Christi ist es besiegelt, daß wir schon gestorben sind [vgl. Kol. 3, 3] und daß das Sterben, das wir noch vor uns haben, nur die Bestätigung sein wird, daß alle Verlegenheit und Bitterkeit, alle Finsternis des Todes schon erledigt ist und hinter uns liegt. (…)
Vielleicht hat uns die Nachricht noch nicht richtig erreicht, vielleicht glauben wir sie noch nicht. Jedenfalls haben wir noch nicht realisiert, was geschehen ist. Und so leben wir weiter, als wäre nichts geschehen. Was sind wir für kuriose Leute! (…)
Gesucht sind ein paar fröhliche Christen und ein paar fröhliche Weltkinder, (…) die also ohne Angst, daß jene Veränderung wahr sein könnte, realisieren wollen, was damit geschehen ist. Die böse Zeit, in der wir leben, hat ein paar solche Menschen nötig, die für das Licht der ‚Sonne der Gerechtigkeit’ [Mal. 3, 20], wie Jesus Christus in alten Tagen genannt wurde, dankbar sein, die in diesem Licht leben und dieses Lichtes Zeugen sein mögen.“
Aus: Karl Barth, Jesus Christus ist auferstanden (Ostern 1947), in: ders., Predigten 1935-1952, hrsg. von Hartmut Spieker und Hinrich Stoevesandt (Gesamtausgabe Abt. I), Zürich 1996, 451-455. http://www.reformiert-info.de/1802-0-84-9.html Barbara Schenck

Karfreitag

Am Karfreitag unter dem Kreuz Jesu wurde nach dem Bericht des Matthäus nicht (wie etwa in der „Matthäus-Passion“ von Johann Sebastian Bach) gesungen und gebetet. Es ist überhaupt eine ernste Frage: Verliert nicht – wenn die Leidensgeschichte in erhabene Musik gesetzt wird – sie recht eigentlich ihren leidvollen, tödlichen Ernst. Jesus hat am Kreuz nicht gesungen. Er hat nicht in bewegende Choräle eingestimmt. Und er hat keinen malerischen Anblick geboten. Vielmehr ist in der Leidensgeschichte Jesu nach Matthäus zweimal ein gellender Schrei zu hören. Und ein Mensch ist in einem grauenhaften Sterben zu sehen.
Manfred Hausmann, Dichter und reformierter Laienprediger (* 10. September 1898 in Kassel; † 6. August 1986 in Bremen)

ER allein

Das Wort von der Versöhnung
In den letzten Jahren hat eine zunehmende Verunsicherung im Blick auf die Inhalte der Passionsgeschichte um sich gegriffen. Was bedeuten für den autonomen Menschen rituelle Vorstellungen wie Blutopfer, Sühnemahl, Lösegeld? Und was soll das für ein grausamer und rachsüchtiger Gott sein, der nur zu versöhnen ist, wenn er Blut fließen sieht? Was in der Passion Jesu geschah, ist die Mitte eines Geschehens, das mit der Auflehnung gegen Gottes Gebot im Garten Eden begann und sich bis zum heutigen Tag in der Abkehr von Gott fortsetzt. Wir leben im Unfrieden mit Gott und daraus entsteht all der Unfriede in der Welt. Unser Leben ist nicht heil, wie wir es gerne haben möchten. Wir können das von uns aus auch nicht ändern. Nur Gott kann dies tun – und er hat es getan. Das meint das Wort von der Versöhnung: „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünde nicht zu.“ (2. Kor. 5, 19-21) ER, immer nur ER! ER bringt uns das Heil, ER allein. Und wie geschah dies? „Er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“ (2. Kor. 5, 21) Einen „seligen Tausch“ hat Martin Luther dieses Geschehen genannt. Gott hat seinen eigenen Sohn geopfert, damit unser Leben heil werden kann. Versöhnung vollzieht sich also von oben nach unten, von Gott zu uns Menschen. Nicht wir Menschen versöhnen Gott. Kein Tun auf Erden, kein Gebet, keine Frömmigkeit, keine Leistung, nichts kann unsere Schuld aufwiegen, sondern Gott versöhnt uns mit sich selber durch das Opfer seines Sohnes. Wer diese Tat Jesu im Glauben annimmt, empfängt Versöhnung.
Dieter Böhm Ehemaliger Leiter der sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft „Teichhaus“ im Krelinger Reha-Zentrum (Krelinger Briefe Nr.3/4 März/April 2012