Auf(er)stehen

Ein Brausehersteller, der unter anderem ein koffeinhaltiges Süßgetränk („Cola“) feilbietet, macht derzeit in Berlin mit einer Plakatkampagne auf sein Produkt aufmerksam, die auf einem Wortwitz basiert: der Verwechslung von „aufstehen“ und „auferstehen“. Tenor: Das Produkt hilft beim „Auferstehen“.
Dass man die Kampagne zu Ostern platziert, zeugt von großem Vertrauen auf (oder: starkem Glauben an) die religiöse Bildung der potentiellen Kundschaft, denn das Wissen darum, dass Ostern etwas mit Auferstehung bzw. umgekehrt Auferstehung etwas mit Ostern zu tun hat, kann heute nicht mehr allgemein vorausgesetzt werden.
Andererseits bin ich wirklich nicht sicher, ob der Witz tatsächlich verstanden wird, weil dessen Pointe ja darin besteht, dass „auferstehen“ etwas viel Größeres ist als „aufstehen“. Diese Steigerung nutzt die Werbekampagne, um das Produkt aus der Masse der Getränke herauszuheben.
Vielleicht wurde auch darauf spekuliert, dass sich die Kirche über die kommerzielle Nutzung einer christlichen Glaubenswahrheit aufregt und dadurch die Sache erst richtig bekannt macht, aber zur Aufregung besteht kein Grund. Zumindest solange nicht, wie das Spiel mit den Bedeutungsebenen funktioniert. Denn solange wäre klar: Auferstehung ist was Besonderes. So besonders wie das Produkt gerne wäre.
Also: Aufstehen und auferstehen – was ist der Unterschied? Aufstehen kommt nach dem Schlaf, auferstehen nach dem Tod. Aufstehen ist Erwachen im Raum zu ganz bestimmter Zeit, auferstehen ist Erweckung außerhalb von Raum und Zeit – ganz bestimmt. Aufstehen ist Neuanfang im alten Leben, auferstehen ist Neubeginn von neuem Leben. Aufstehen geht mit Koffein, auferstehen geht mit Gott. Die Mittel zum Aufstehen muss man kaufen, die Mittel zum Auferstehen bekommt man geschenkt. Der Effekt der Hilfe zum Aufstehen reicht bis zum Nachmittag, der Effekt der Hilfe zum Auferstehen reicht in alle Ewigkeit. Aufstehen – das muss regelmäßig wiederholt werden, auferstehen – das braucht nur einmal geschehen. In Sachen aufstehen gibt es nichts zu feiern, in Sachen auferstehen schon: Ostern. (Josef Bordat)
https://jobo72.wordpress.com/2017/04/12/auferstehen/

 

Was macht eigentlich ein Terrorist zu Ostern?

Verweilen. Aber nicht bleiben
Was macht eigentlich ein Terrorist zu Ostern? Ich fürchte, er kommt dort gar nicht an. Er bleibt beim Karfreitag stehen, ohne jedoch am Kreuz zu verweilen. Denn das Kreuz setzt zu viel voraus. Empathie zum Beispiel. Ein Terrorist blickt nicht auf den Gekreuzigten, das hält er nicht aus. Der ist zu stark für ihn.
Ein Terrorist steht am Rand und betrachtet die Szenerie, weidet sich am Chaos, das er hervorbringt. Hauptsache Blut. Hauptsache Tod. Hauptsache Aufmerksamkeit. Für Terroristen das Größte. Der Karfreitag ist das Ostern des Bösen.
Es sind bedrohliche Zeiten, in denen wir leben, wenn nicht einmal mehr eine Gruppe junger Männer zu ihrem Fußballspiel fahren kann.
Was ist eigentlich noch sicher? Dass übermorgen Ostern ist! Dass damit der Karfreitag das Ende vom Ende ist. Und Ostern ein Anfang. Es geht weiter! Und dass wir in dieser Gewissheit vom Kreuz her stets eine Antwort auf den Terror parat haben: Liebe.
Der Text ist von Josef Bordat die Überschrift wurde von mir abgeändert das Original siehe den Link unten. https://jobo72.wordpress.com/2017/04/14/verweilen-aber-nicht-bleiben

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Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Lukas 24, 5.6

Als meine älteste Tochter gerade laufen gelernt hatte, war sie plötzlich verschwunden. Die Haustür von meinen Schwiegereltern stand offen, und sie war mit einem Mal weg.
In der Hauptstraße liefen viele Menschen, nur sie war nicht zu sehen. Mit Herzklopfen und allen Phantasien, was passiert sein könnte, die Straße entlang zu laufen und zu suchen – das waren keine leichten Minuten. Zum Glück habe ich meine Tochter dann im Geschäft von Freunden die nicht weit wohnten fröhlich herumlaufend wiedergefunden. Die Erleichterung war groß. Freude über ein quicklebendiges Kind.
Diese Art zu suchen hat sehr viel mit Liebe zu tun. Es geht nicht darum, vielleicht etwas oder jemanden zu finden; ich muss diesen Menschen finden! Er bedeutet mir so viel.
Mit Liebe haben sich auch die Frauen auf den Weg zum Grab Jesu gemacht, von denen das Evangelium erzählt. Sie suchten Jesus, von dem sie so viel empfangen hatten an geistlicher Stärkung und göttlicher Liebe. Sie wollten seinen Leichnam einbalsamieren, weil bei der Bestattung vor dem Sabbat dazu keine Zeit mehr gewesen war. Ein letzter Liebesdienst. Doch er ist nicht da. Das Grab ist leer. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden,“ wird ihnen gesagt.
In dieser Frage des Engels liegt eine gehörige Portion Ironie. Einen Lebenden bei den Toten suchen, das ist so verrückt wie einen Fußballhasser im Stadion zu suchen. Das ergibt keinen Sinn.
So entlarvt diese Frage den Kleinglauben, der Gott nichts zutraut; der Jesus auf der Seite des Todes sieht und nicht auf der Seite des Lebens. Aber wo der Glaube klein ist, da hilft die Liebe weiter. Die Frauen erinnern sich an Jesus, was er gesagt und getan hat. Sie erinnern sich, dass er sein Leiden vorausgesehen hat, und dass er von seiner Auferstehung gesprochen hat. Und diese Erinnerungen teilen sie mit den anderen Jüngern.

Ist Ostern das Gegenteil von Western?

Ja, natürlich – was denn sonst?
Ein Western ist Mythos, Ostern Geschichte. Revolverhelden, die nie aus dem Sattel fallen; Indianer, die ständig auf dem Kriegspfad sind; Kopfgeldjäger, die die Gesetzlosen mittels Steckbrief jagen … gute Unterhaltung, aber unterm Strich bleibt: Western sind unglaublich.
Ein Grab, das leer ist; Engel, die verkündigen: „Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden“ und Augenzeugen, die für ihre Botschaft ihr Leben hingeben. Ostern ist unglaublich, aber wahr.
Wie hätten die ersten Christen in Jerusalem nach Ostermontag die Auferstehung von Jesus predigen können, wenn ihre Gegner ihnen das Grab mit dem Leichnam hätten zeigen können? Das wäre die reinste Lachnummer gewesen. Aber sie konnten auf ein leeres Grab verweisen und glaubhaft von einem lebendigen Jesus erzählen, der ihnen als Auferstandener begegnet war. Jesus lebt und sein Versprechen gilt noch heute:
Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. (Die Bibel: Johannesevangelium 11,25+26)
„Spiel mir das Lied vom Tod“ kennt jeder. Aber: Kennst du die Botschaft des Lebens? http://darumostern.de/artikel/ist-ostern-das-gegenteil-von-western

Veröffentlicht unter Ostern

Gedanken zum Kreuzesgeschehen

Der Beitrag ist eine Antwort auf folgenden Artikel:
Karfreitag: Warum hing der Sohn Gottes am Kreuz?
http://www.aufnkaffee.net/2016/03/karfreitag-warum-hing-der-sohn-gottes-am-kreuz/
Dass die ersten Christen dafür bekannt waren, den Bedürftigen und Fremden Gutes zu tun, jedem mit Liebe zu begegnen und ihren Feinden bedingungslos zu vergeben, ist kein glückliches Nebenprodukt des Evangeliums.
1. Ein Denkfehler liegt bereits darin, dass angedeutet wird, dass „verschiedene Deutungen“ des Kreuzestodes im NT vorlägen. Dies ist aber irreführend. Vielmehr sind es unterschiedliche soteriologische und christologische Aspekte, die gleichzeitig das „eine“ Kreuzesereignis Christi beschreiben, wie Gott es wollte, dass es zu verstehen sei. Hier ist von Komplementarität zu reden, nicht von (möglicherweise unterstellten) Alternativen.
2. Die christologische Deutung des Kontextes von Jes. 53,5 erläutert, dass die Strafe (Gottes) auf „ihm“ (dem Gottesknecht – Jesus-Deutung vom NT her) liege, auf dass wir Frieden (mit Gott) hätten. Was „Strafe“ im Gottesknechtslied ist, ist gewiss von Anselms Lösungsansatz her unterschieden zu deuten. Doch den „Strafe-Gedanken“ des Kreuzestodes Jesu ausblenden zu wollen, ist soteriologisch fragwürdig. Das lässt sich sühne- und opfer-theologisch vom AT her näher bestimmen, erweitert durch Offenbarungen Gottes dazu im NT.
3. Die „Sühne“ lediglich als Illustration damaliger jüdischer Opfervorstellungen des kultischen Opferbetriebs zu sehen, ist ungenügend und – wie es im Text klingt – abwertend. Der AT-Opfergedanke (Stellvertretung, Sühne, Sündenvergebung, Blut etc.) in seinen Facetten ist zentral notwendig, das Kreuzesgeschehen im NT zu begreifen (Joh. 3,14-18.36 – erhöhte Schlange; Hebräerbrief, z.B. Kap. 9 usw.).
4. Christus trägt die „Sünde“ der Welt ans Kreuz, erleidet den Fluch (des mosaischen Gesetzes) und die Gottverlassenheit des am Holz Gekreuzigten stellvertretend für Sünder (Röm. 5 usw.).
5. Den Akzent darauf zu legen, dass es beim Kreuzesgeschehen um das Plädoyer für Gewaltlosigkeit oder um eine Zeichenhandlung der Feindesliebe als Vorbild „für uns“ gehe, ist neu-theologisch ausgedacht worden, aber kaum biblisch-theologisch plausibel. Das ist „Möchte-Gern-Theologie“, nicht besser als Anselm verdrehte Satisfaktionstheorie.
6. Die Liebe Gottes gibt den Sohn am Kreuz hin, dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat (Joh. 3,14-16). Das Kreuz Christi demonstriert die Liebe Gottes zur verlorenen Welt (kosmos). Wer der Liebesdemonstration Gottes in Jesus glaubt, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht (Joh. 5,24). Wer nicht an den Sohn glaubt, BLEIBT unter dem Zorn Gottes (und kommt ins Gericht Gottes). Ob paulinisch oder johanneisch oder lukanisch etc., wie auch immer, das soteriologische Ergebnis der Kreuzigung Jesu ist insgesamt das Gleiche, jeweils unterschiedlich akzentuiert.
7. Anselms Satisfaktionslehre muss man in wesentlichen Gesichtspunkten kritisieren. Luther, Calvin und andere seit dem haben es sinnvoll getan und Alternativdeutungen des biblischen Befundes vorgestellt. Doch die hier im Artikel vorgetragene Lösung überzeugt in den wesentlichen theologisch substantiellen Behauptungen nicht. Die theologiegeschichtlich relevanten Grundlagen dieser hier vertretenen Gedanken erwachsen teilweise aus den liberal-theologischen Theologien des 19. und 20. Jahrhunderts heraus. Sie tragen aber nicht wirklich durch, den „Karfreitag“ zu verstehen. Damit kann man weder richtig leben, noch richtig sterben (Heidelberger Katechismus, Fr. 1). Und ob theologisch etwas „heutzutage intuitiv einleuchtet oder nicht“, das spielt letztlich entscheidend keine Rolle in der christlichen Lehrbildung. Solche Überlegungen gehören vielleicht in den Bereich der Vermittlung des Evangeliums (praktische Theologie, Predigtlehre, Seelsorge), sie sind jedoch dogmatisch geurteilt kein Kriterium zur Urteilsbildung, was denn nun der Kreuzestod Jesu bedeutet und was nicht (vgl. z.B. Reinhard Slenczka, Kirchliche Entscheidung in theologischer Verantwortung, Göttingen 1991)
Gottfried Sommer

Jesus Christus ist auferstanden

„Man schämt sich tief, wenn man sich vor Augen hält, wie kümmerlich wenig wir mit diesem ‚Jesus Christus ist auferstanden’, mit der Osterbotschaft also, anzufangen wissen. Man schämt sich für sich selbst, wie wenig man doch dieser Botschaft gewachsen ist: mit dem Kopf nicht und mit dem Herzen und Gewissen erst recht nicht und mit seinem Leben schon gar nicht.
Man könnte freilich auch fast erschrecken, wenn man sich vorstellte, wie es wäre, wenn das plötzlich auskäme und bekannt würde. (…) Wenn sich das auf einer unserer Großbanken etwa kurz vor Büroschluß auf einmal in seinem wahren Sinn herumspräche vom Direktorszimmer bis zu den Schaltern für das Publikum! (…) Wenn in einer Pfarrer-Konferenz – vielleicht in der Woche nach Ostern, wenn sie alle begreiflicherweise etwas müde und etwas zum Unglauben geneigt sind – jemand durchs offene Fenster von außen dieses Wort hereinriefe! (…) Wenn … aber der Leser mag sich weitere Situationen (und seine eigene) selbst ausmalen. Wenn er dann nicht ein wenig erschrickt, so kann es nur eben daran liegen, daß er das Wort noch nicht verstanden hat und darum seine wirklich revolutionäre Bedeutung für das menschliche Leben nicht zu ermessen weiß. (…) ‚Jesus Christus ist auferstanden’ heißt nämlich: ‚Das Alte ist vergangen, siehe da, es wurde zu einem Neuen’ [2. Kor. 5, 17]. Nicht, wie es jedes Jahr wieder Frühling wird. Nicht, wie wir jeden Morgen zu einem neuen Tag erwachen. Nicht, wie es nach bösen Zeiten (wenigstens manchmal) auch wieder besser zu gehen pflegt. Und nicht, wie wir nach Kummertagen auch wieder ein wenig Mut schöpfen mögen. Da vergeht ja das Alte nicht, da wird es ja nicht zu einem Neuen. Das sind ja bekanntlich nur Teilstrecken in einem großen Kreislauf. ‚Jesus Christus ist auferstanden’ bedeutet aber eine endgültige und gänzliche Veränderung aller Dinge infolge dessen, daß sie in ein ganz neues Licht gekommen sind.
Ich nenne ein paar von den Dingen, die im Lichte der Auferstehung Jesu Christi endgültig und gänzlich verändert sind: Was wir das Böse nennen, hat wie eine Wespe, nachdem sie einmal gestochen hat, von da an keine Macht mehr. (…) Der Tod? Hier muß man das Stärkste sagen, wenn man es recht sagen will: In der Auferstehung Jesu Christi ist es besiegelt, daß wir schon gestorben sind [vgl. Kol. 3, 3] und daß das Sterben, das wir noch vor uns haben, nur die Bestätigung sein wird, daß alle Verlegenheit und Bitterkeit, alle Finsternis des Todes schon erledigt ist und hinter uns liegt. (…)
Vielleicht hat uns die Nachricht noch nicht richtig erreicht, vielleicht glauben wir sie noch nicht. Jedenfalls haben wir noch nicht realisiert, was geschehen ist. Und so leben wir weiter, als wäre nichts geschehen. Was sind wir für kuriose Leute! (…)
Gesucht sind ein paar fröhliche Christen und ein paar fröhliche Weltkinder, (…) die also ohne Angst, daß jene Veränderung wahr sein könnte, realisieren wollen, was damit geschehen ist. Die böse Zeit, in der wir leben, hat ein paar solche Menschen nötig, die für das Licht der ‚Sonne der Gerechtigkeit’ [Mal. 3, 20], wie Jesus Christus in alten Tagen genannt wurde, dankbar sein, die in diesem Licht leben und dieses Lichtes Zeugen sein mögen.“
Aus: Karl Barth, Jesus Christus ist auferstanden (Ostern 1947), in: ders., Predigten 1935-1952, hrsg. von Hartmut Spieker und Hinrich Stoevesandt (Gesamtausgabe Abt. I), Zürich 1996, 451-455. http://www.reformiert-info.de/1802-0-84-9.html Barbara Schenck

Karfreitag

Am Karfreitag unter dem Kreuz Jesu wurde nach dem Bericht des Matthäus nicht (wie etwa in der „Matthäus-Passion“ von Johann Sebastian Bach) gesungen und gebetet. Es ist überhaupt eine ernste Frage: Verliert nicht – wenn die Leidensgeschichte in erhabene Musik gesetzt wird – sie recht eigentlich ihren leidvollen, tödlichen Ernst. Jesus hat am Kreuz nicht gesungen. Er hat nicht in bewegende Choräle eingestimmt. Und er hat keinen malerischen Anblick geboten. Vielmehr ist in der Leidensgeschichte Jesu nach Matthäus zweimal ein gellender Schrei zu hören. Und ein Mensch ist in einem grauenhaften Sterben zu sehen.
Manfred Hausmann, Dichter und reformierter Laienprediger (* 10. September 1898 in Kassel; † 6. August 1986 in Bremen)

ER allein

Das Wort von der Versöhnung
In den letzten Jahren hat eine zunehmende Verunsicherung im Blick auf die Inhalte der Passionsgeschichte um sich gegriffen. Was bedeuten für den autonomen Menschen rituelle Vorstellungen wie Blutopfer, Sühnemahl, Lösegeld? Und was soll das für ein grausamer und rachsüchtiger Gott sein, der nur zu versöhnen ist, wenn er Blut fließen sieht? Was in der Passion Jesu geschah, ist die Mitte eines Geschehens, das mit der Auflehnung gegen Gottes Gebot im Garten Eden begann und sich bis zum heutigen Tag in der Abkehr von Gott fortsetzt. Wir leben im Unfrieden mit Gott und daraus entsteht all der Unfriede in der Welt. Unser Leben ist nicht heil, wie wir es gerne haben möchten. Wir können das von uns aus auch nicht ändern. Nur Gott kann dies tun – und er hat es getan. Das meint das Wort von der Versöhnung: „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünde nicht zu.“ (2. Kor. 5, 19-21) ER, immer nur ER! ER bringt uns das Heil, ER allein. Und wie geschah dies? „Er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“ (2. Kor. 5, 21) Einen „seligen Tausch“ hat Martin Luther dieses Geschehen genannt. Gott hat seinen eigenen Sohn geopfert, damit unser Leben heil werden kann. Versöhnung vollzieht sich also von oben nach unten, von Gott zu uns Menschen. Nicht wir Menschen versöhnen Gott. Kein Tun auf Erden, kein Gebet, keine Frömmigkeit, keine Leistung, nichts kann unsere Schuld aufwiegen, sondern Gott versöhnt uns mit sich selber durch das Opfer seines Sohnes. Wer diese Tat Jesu im Glauben annimmt, empfängt Versöhnung.
Dieter Böhm Ehemaliger Leiter der sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft „Teichhaus“ im Krelinger Reha-Zentrum (Krelinger Briefe Nr.3/4 März/April 2012

Zwischen Himmel und Erde

Warum musste Jesus sterben? „Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.“ Lukas 23,33 Jesus hängt zwischen Himmel und Erde und er ist beiden ausgesetzt: unseren Sünden und Gottes Zorn. Von beiden wollen wir postmodernen Menschen nichts hören. „Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg“. Treffender als mit dem alten Prophetenwort kann man unsere Zeit nicht charakterisieren. Ein jeder ist mit sich selbst und seinem Freud oder Leid beschäftigt. Es gibt so viele Entwürfe für wahr oder falsch, gut oder böse wie es Menschen gibt. Der Prophet Jesaja sieht das Hintergrundgeschehen: „Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn“. Wörtlich: Er ließ ihn unsere Sünde treffen. Da sagt mir jemand: „Was du gestern gesagt hast, hat mich sehr getroffen“. Ich denke nach und muss gestehen: Es stimmt, ich habe mich im Ton und in der Sache vergriffen. Meine Sünden haben Jesus getroffen? Das ist uns fremd. Denkt der Einbrecher an Jesus, wenn er stiehlt oder der Kollege, wenn er einen anderen mobbt? Keineswegs. Die Bibel sagt: Gott ließ unsere Sünden Jesus treffen. Der Diebstahl, die Verleumdung, die habgierige Lust treffen nicht nur Menschen, sie treffen Jesus. Gottes Zorn trifft Jesus. In unserer Kirche herrscht Windstille, wenn es um diese Wirklichkeit geht. Gottes Zorn ist nicht die Wut eines Cholerikers, sondern sein heiliges, unüberwindbares Nein gegen alle Sünde und Schuld. Er heißt sie nicht gut. Er lässt sie nicht ungesühnt. Nie in Ewigkeit. Wenn die Bibel von der Verlorenheit, von der Hölle redet, dann meint sie diese unheimliche Möglichkeit, dass unser Leben über den Tod hinaus ohne Gott weiterexistiert. Geschützt vor Gottes Zorn sind wir nur unter dem Kreuz. Darum müssen wir in den Schatten des Kreuzes treten. Der Schritt unter das Kreuz Jesu ist der Schritt aus dem Halbdunkel ins Licht: Gott, sei mir Sünder gnädig! Dr. Manfred Dreytza Leiter des Krelinger Studienzentrums http://www.grz-krelingen.de/upload/KB.pdf

Die Angst vor dem Loslassen

“Mir vorzustellen, ich hätte nur noch 24 Stunden zu leben: Entsetzlich! Ich fühle mich sofort wie ein zum Tode Verurteilter, der erfährt: „Morgen um fünf Uhr wirst du hingerichtet, verbring jetzt deinen Tag. Du kannst machen, was du willst.“ Wie grauenhaft. Wie kann man da überhaupt noch mit Freude entscheiden, was man gerne machen würde? Ich wäre bestimmt gelähmt vor lauter Todesangst. Wahrscheinlich würde ich nur versuchen, in dieser Zeit die Menschen, die meiner Seele am nächsten sind, unentwegt bei mir zu haben. Meine Frau, meine Tochter und mein Enkelkind. Ansonsten wäre mir selbst für die Henkersmahlzeit der Appetit vergangen.”
Diese Sätze schreibt eine Legende des Wiener Burgtheaters, Gert Voss. Wir alle sind getrieben von dem Gedanken, dass wir einmal sterben müssen. Nein, nicht getrieben, das ist das falsche Wort, denn wir versuchen mit aller Macht diesem Gedanken aus dem Weg zu gehen. Hier in unserer Welt tut man alles dafür, um nur nicht an diesen Moment zu denken, in dem du dein Leben aushauchst.
“Für mich ist das Leben immer dann am schönsten, wenn ich die größte Freiheit habe, ein Gefühl der Unbegrenztheit.” Ja, so ist es. Das Lebensgefühl, wenn es denn stimmt, hat diesen Gedanken der Freiheit, eine Vollendung des Seins, es ist die Sehnsucht nach dem unendlichen Ende. “Sobald sich Grenzen zeigen, fühle ich mich beengt. Das war schon in der Schule so, wenn ich wusste, diese Klassenarbeit muss ich in einer Stunde abliefern. Dann fiel mir nichts mehr ein. Kopfblockade. Auch beim Theater gibt es Grenzen, etwa das Ende der Proben, und manchmal läuft einem die Zeit davon wie in einem Taxi das Taxameter. Das ist zum Wahnsinnigwerden. Aber selbst da hat man immer noch die Möglichkeit, zur Not die Premiere zu verschieben oder eine Vorstellung nicht zu spielen.”
Grenzen, wir hören dieses Wort nicht gern, spielen auch beim Tod eine Rolle. Denn es ist DIE Grenze. Es setzt dem Mensch das Ende, die Ränder der Freiheit werden abgesteckt. “Wenn der Tod kommt, gilt das alles nicht. Ich glaube, ich möchte deshalb auch nicht wissen, wann es so weit ist. Und wenn ich die Nachricht erhielte, würde sie mich vermutlich verändern. Wahrscheinlich würde ich völlig neue Seiten an mir kennenlernen. Für jeden Menschen wären solche Zwänge einschneidend, buchstäblich wesensverändernd. Auch deshalb ist es fast unmöglich, mir diese letzten 24 Stunden auszumalen. Ich kann doch jetzt nicht darüber befinden, ob ich dann in heller Panik wäre oder – wer weiß? – womöglich sogar gelöst.”
Was ist es, dieser Tod? Was ist es, wenn ich ihn mir bildlich vor Augen halte? Warum tun wir das nicht alle, ist er doch eine unausweichliche Realität? Eben weil der Gedanke daran kein angenehmer ist. Gert Voss schreibt am Ende: “Genau das frage ich mich: Werde ich die Fähigkeit haben, gleichmütig zu werden, loszulassen? Ganz ehrlich: Ich glaube nicht.”
Genau das ist es, was es uns so unangenehm macht. Es bleibt am Ende nichts, alles, was wir auf der Welt hatten, wird zur unwichtigsten Unwichtigkeit degradiert. Es bleibt nur eins: die Frage, was danach kommt. Vielleicht ist es so, dass wir uns Menschen zu wenig Gedanken darum machen. Deswegen finde ich auch gut, wenn mal so jemand wie Voss darüber schreibt. Er ruft in Erinnerung, er sagt, was eigentlich essenziell ist. Und gleichermaßen merkt man auch: Er kennt keine Antwort. Er ist hoffnungslos.
Diese Hoffnung ist etwas, was mich grundlegend von ihm unterscheidet, und jeden Christen mit mir. Wir haben keine Angst, wir haben keine Wehmut, wir müssen nichts loslassen, wir sehen auch nichts Negatives mehr. Wenn du einen Chrsiten fragst nach den letzten Stunden seines Lebens, dann kann er antworten: Klar muss ich viel loslassen, was mir hier lieb ist, aber ich freue mich, denn jetzt geht das Leben los! Die Sehnsucht ist erfüllt, das Ziel ist erreicht!
Das ist die Botschaft von Ostern. Ist sie dir entgangen?
“Diese sinds, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben sie hell gemacht im Blut des Lammes. Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten, es wird auch nicht auf ihnen lasten die Hitze der Mittagssonne, denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.”
Offenbarung 7,14-17
Inspiriert durch: www.cicero.de/salon/gert-…t-vor-dem-loslassen/48532
Simon