„Silence“

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Pater Ferreira (Liam Neeson). Bild: © 2017 Kerry Brown, Concorde Filmverleih GmbH

Wer den Skandalfilm „Die letzte Versuchung Christi“ (1988) oder „Shutter Island“ (2010) und zuletzt „The Wolf of Wall Street“ (2013) gesehen hat, dürfte überrascht sein, zu hören, dass sich der Regisseur Martin Scorsese von Jugend an suchend mit dem christlichen Glauben auseinandersetzt. Einen nachhaltigen Impuls zur Vertiefung dieser Suche gab es 1988. Nach einer Sondervorführung von „Die letzte Versuchung Christi“ (in dem Film wird Jesus eine Beziehung zu Maria Magdalena unterstellt), überreichte Erzbischof Paul Moore dem Filmemacher eine Ausgabe von Shūsaku Endōs historischem Roman „Schweigen“. Das Buch hinterließ einen tiefen Eindruck. „Das Thema, das Endō hier behandelt, ist in meinem Leben seit meiner frühesten Jugend präsent“, so der Regisseur. „Ich wurde in einer streng katholischen Familie groß und beschäftigte mich stark mit Religion. Die Spiritualität des römischen Katholizismus, in die ich als Kind eintauchte, ist das Fundament meines Lebens, und diese Spiritualität hing mit dem Glauben zusammen.“ Während Scorsese den Roman las, fand er sich zu seiner eigenen Überraschung mit tiefgreifenden Fragen des Christentums konfrontiert, mit denen er „noch immer“ ringt, wie er sagt. „In der heutigen Phase meines Lebens grüble ich ständig über Themen wie Glauben und Zweifel, Schwäche oder das Schicksal des Menschen nach – und Endōs Buch berührt diese ganz direkt.“

„Silence“

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Regisseur & Drehbuchautor Martin Scorsese und Andrew Garfield. Bild: © 2017 Concorde Filmverleih GmbH

Mit dem Film „Silence“, der auf dem Buch von Endō beruht, hat der Meisterregisseur nun ein Werk in die Kinos gebracht, das fast keine große Frage ausläßt. Der Film thematisiert, was Theologen, Religionsphilosophen oder Missionare umtreibt. Um einige Themen zu nennen: Was ist Wahrheit? Wie können wir das Evangelium kontextualisieren? Wie sollen sich Christen in Verfolgungssituationen verhalten? Zerstört die christliche Mission fremde Kulturen? Gibt es nach dem Abfall vom Glauben eine weitere Chance zur Umkehr? Und natürlich die übergroße Frage: Warum schweigt Gott?

Die Handlung

Der Film dreht sich um Pater Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Francisco Garpe (Adam Driver), die 1638 von Portugal ins für die westliche Welt völlig abgeschottete Japan aufbrechen, um der Wahrheit hinter den Gerüchten nachzugehen, dass ihr berühmter Lehrer Cristóvão Ferreira (Liam Neeson) seinem Glauben abgeschworen habe. Ferreira, ein Vorbild für viele junge Priester in Portugal, soll nicht nur dem Christentum den Rücken zugekehrt, sondern sogar zum Buddhismus übergetreten sein und eine Japanerin geheiratet haben.

Nachdem Rodrigues und Garpe im Hafen Macaus angekommen sind, zeichnet sich das Bild der christlichen Mission in Japan durch Gespräche mit Augenzeugen immer düsterer. Christen sind in Japan von ständiger Verfolgung der Feudalherren bedroht und werden durch Folter zum Glaubensabfall gezwungen.

In einer Kneipe finden die Priester den einzigen Japaner von Macau. Obwohl Kichijirō ein zwiespältiger Trunkenbold ist, scheint nur er sie unentdeckt nach Japan führen zu können. Angeblich stammt Kichijirō aus einer christlichen Familie. Während diese ihrem Glauben treu blieb und grausam hingerichtet wurde, verleugnete er das Christentum und wurde von seinen Peinigern in seinem Heimatdorf zurückgelassen. Er hatte es dann fluchtartig wegen plagender Schuld- und Schamgefühle verlassen. Nun betäubt er sein schlechtes Gewissen im Rausch.

Doch Kichijirō tut scheinbar alles, um sich zu rehabilitieren: Kurz nach der Landung in einer entlegenen Küstenregion nahe Nagasaki bringt er die beiden Jesuiten mit den ärmlichen Dorfbewohnern Tomogis zusammen, die alle dem von den Missionaren gebrachten Katholizismus treu geblieben sind und ihren Glauben im Geheimen praktizieren. Für sie sind die beiden Priester sprichwörtlich ein Geschenk Gottes: Endlich haben sie Geistliche, die ihnen die Sakramente spenden. Die Jesuiten selbst sind von dieser Aufgabe tief bewegt, auch wenn sie zunehmend begreifen, dass die Dörfler eine Art improvisiertes Christentum praktizieren und womöglich nicht alle Inhalte des Glaubens voll verstehen.

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Pater Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Francisco Garpe (Adam Driver) werden von christlichen Bauern versteckt. Bild: © 2017 Kerry Brown, Concorde Filmverleih GmbH

Tagsüber müssen sich die Priester verstecken. Erst in der Dunkelheit können Rodrigues und Garpe ihre seelsorgerischen Aufgaben wahrnehmen. Nach katholischer Lehre braucht es für den Zuspruch der Vergebung die Beichte bei einem Priester. Endlich sind sind sie da. Die Bauern bekennen ihre Sünden. Auch wenn die Priester nicht immer verstehen, um was es geht, erteilen sie die Absolution. (Als Protestant musste ich während dieser Szene an Luther denken. Dieser schrieb: Gott „schüttet also seine Christen noch viel reichlicher und decket ihnen mit Vergebung der Sünden alle Winkel voll, auf dass sie nicht allein in der Gemeinde Vergebung der Sünden finden sollen, sondern auch daheim im Hause, auf dem Felde, im Garten, und wo einer nur zum andern kommt, da soll er Trost und Rettung haben.“)

Als sich die befreundeten Priester auch bei Tageslicht hervorwagen, werden sie Zeuge eines grausamen Zwischenfalls: Samurai-Truppen marschieren in Tomogi ein und zwingen die Bewohner zur Glaubensprüfung. Sie müssen auf Bildern von Jesus, Maria oder Kruzifixen herumtrampeln, um damit zu beweisen, dass sie nicht dem Christentum folgen. Kichijiro, dem Pater Rodrigues erst zuvor noch die Beichte abgenommen hatte, verleugnet seinen Glauben erneut und läuft eilig davon. Letztlich werden drei aus dem Dorf, die sich der zynischen Kontrolle verweigert haben, zum Tod durch Kreuzigung verurteilt. Fassungslos sehen die beiden Pater mit an, wie die Märtyrer in der Meeresbrandung gekreuzigt werden. Sie sterben unter dem Anprall der Wellen langsam und unter großen Qualen vor Erschöpfung. Ihre Leichen werden verbrannt und die Asche wird verstreut, um sie einer kultischen Verehrung zu entziehen. Verzweifelt beginnt Rodrigues in seinen Gebeten angesichts des erlebten Leidens seiner Glaubensbrüder das Schweigen Gottes ins Feld zu führen.

Die eigentliche Aufgabe der Jesuiten ist allerdings noch nicht erfüllt: Das Schicksal von Pater Ferreira ist weiterhin ungeklärt. Gegen das sehnliche Bitten der Dorfbewohner verlassen Rodrigues und Garpe das Dorf Tomogi und teilen sich auf, um jeder für sich, weiter ins Land vorzudringen. Hier spitzt sich dann die Handlung dramatisch zu.

Erste Eindrücke

(1) Um es gleich zu sagen: „Silence“ ist ein beeindruckender Film. Ich kann mich nicht daran erinnern, einen Kinosaal jemals beklommener verlassen zu haben (und Spielbergs Film „Schindlers Liste“ hatte mir schon einiges abverlangt). Die Wucht der Bilder, die kurzen aber präzisen Dialoge, die offenbarten leiblichen und seelischen Qualen, haben mir fast den Atem genommen.

(2) Die Schauspieler glänzen durchweg. Ob Adam Driver (Garpe), Liam Neeson (Ferreira, er spielte Oskar Schindler in Schindlers Liste) oder Yōsuke Kubozuka (Kichijirō), sie spielen grandios. Andrew Garfield (Rodrigues) hat einen Oscar verdient.

(3) Für den Film braucht es Nerven wie Stahl. Schon die Eingangsszene zeigt die Brutalität, mit der die Inquisition die Christen gefoltert und gemordet hat. Die einheimischen Gläubigen werden mit kochend heißem Wasser aus Vulkanquellen übergossen. Besonders grausam war die Technik des ‚ana-tsurushi’, die im Film zu sehen ist: Das Opfer wurde von einem Gerüst mit dem Kopf nach unten in eine Grube gehängt, der Körper fest verschnürt, um die Blutzirkulation zu hemmen. Während es unerträglichen Druck auf den Kopf litt, tropfte ihm langsam Blut aus Mund und Nase oder einer Schnittwunde. Bis der Tod eintrat, dauerte es oft bis zu einer Woche. Ich kann nicht nachvollziehen, dass der Film ab 12 freigegeben wurde.

(4) Die problematische Theologie und die Missionsmethodik von Franz Xaver (1506–1552) und den Jesuiten will ich hier nicht erörtern. Es ist jedoch einen Hinweis wert, dass die Bibel – zumindest im Film – so gut wie keine Rolle spielt. Obwohl ich Filmen gern eine zweite Chance gebe, ist das schon jetzt für mich die Erklärung für das vorgebliche Schweigen Gottes. Ich kann mich sogar an eine Szene erinnern, in der (vermeintlich) Jesus doch spricht. Im Schweigen vernimmt Rodrigues seine Stimme, die zum Glaubensabfall aufruft. Die Heilige Schrift, die ja Verfolgung und Martyrium deutlich anspricht, bezeugt auf breiter Grundlage, dass es gerade das Wort Gottes ist, dass in Stunden schwerster Anfechtung und Not Orientierung, Halt und Trost gibt. Gott spricht durch sein Wort.

(5) Der Film stellt Fragen, viele gute Fragen. Antworten gibt er nicht. Deutet er Antworten an, sind sie unorthodox und mystisch. Trotzdem kann „Silence“ zum tiefschürfenden Gespräch anstiften.

(6) Wieder einmal ist deutlich geworden, wie wichtig solide Begründungen der Religionstoleranz sind und das sie geschützt werden muss.

(7) Die japanische Inquisition hat den Gläubigen einen „Abfall vom Glauben“ leicht gemacht. Die Apostasie wird scheibchenweise serviert: „Das ist nur eine Formsache. Es reicht eine Geste, mehr wollen wir nicht.“ Doch die erste Überschreitung hat die Herzen der Menschen gebrochen und weitere Schritte vorbereitet.

(8) Mehr als einmal habe ich mich während des Films gefragt: Was hätte ich wohl in dieser Situation getan? Wäre ich standhaft geblieben?

Als der Film „Taxi Driver“ 1976 in New York uraufgeführt wurde, war das ein Ereignis der amerikanischen Popkultur. Aus dem jungen Robert de Niro wurde über Nacht ein großer Darsteller und Scorsese gilt seit dem als gefeierter Kultregisseur. „Taxi Driver“ entwickelte sich zum Referenzwerk postmodernen Filmstils und die Kritiker haben sich beim Ringen um die richtige Interpretation die Finger wundgeschrieben. Diese Aufmerksamkeit wird „Silence“ nicht bekommen. Ein Ereignis ist der Streifen über Glaube, Zweifel, Martyrium und Apostasie allemal.
Ron Kubsch
Der Film kommt am 2. März 2017 bundesweit in die Kinos.
FSK ab 12 freigegeben. 162 Minuten. Internet: www.silence-film.de.

 

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Bild: © 2017 Concorde Filmverleih GmbH

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Ben Hur für diese Generation

Das Remake von «Ben Hur» hat es schwer. Kritiker vergleichen mit der berühmten Version von 1959. Sie suchen Fehler und reden dort, wo es um die Darstellung von Jesus geht, von Kitsch. Doch die Neuverfilmung ist besser, als es manchen lieb ist.
1959, als Charlton Heston als Ben Hur sein berühmtes Wagenrennen gegen den Adoptivbruder fuhr, war ich noch nicht geboren. Auch später kannte ich die Story, die als Film elf Oscars einheimste, nur vom Hörensagen. Keiner konnte mich überreden, mich vier Stunden lang vor den Fernseher zu setzen, um ein Familiendrama mitzuverfolgen. Interessant wurde das Thema für mich erst, als ich las, dass Ben-Hur-Autor Lewis Wallace den Romanstoff als Atheist anpackte und als Christ abschloss. Es war das Studium der Person von Jesus Christus, die sein Denken verändert hatte. Und jetzt ist Ben Hur wieder im Kino. Eingedampft auf zwei Stunden. Aufgepeppt mit neuester Technik. Also tauchte ich – ohne Bilder aus dem alten Film im Kopf – mit der 3D-Brille auf der Nase ein ins Jahr 33.
Das militärisch überlegene Rom unterjochte die damals bekannte Welt. Auch Jerusalem. Die Juden verloren ihre Freiheit. Während sich die einen mit den Machthabern arrangierten, griffen die anderen zu den Waffen. Die Zeloten waren bereit, ihr Leben für die Freiheit zu opfern. Die Hauptpersonen sind aber Judah Ben Hur (Jack Huston) und sein römischer Adoptivbruder Messala (Toby Kebbell). Zwietracht macht aus den dicken Freunden hasserfüllte Feinde.
Der neue „Ben Hur“ polarisiert. Von filmisch schwach und kitschig ist die Rede. Es sei ein Streifen für die Kreationisten im Bible-Belt («Die Welt»). Viele Filmkritiker machen das Remake madig. Ich fand den ersten Teil ziemlich langsam, die Actionszenen ziemlich cool, den Schluss ziemlich süss. Zugegeben, das ist ein gewagter Mix. Dennoch – ein Kinobesuch lohnt sich. In welchem Film aus Hollywood sonst spielt Jesus Christus eine wichtige Rolle? Pontius Pilatus erkennt, dass nicht die kämpferischen Zeloten das Problem für Machtmenschen wie ihn sind, sondern der Friedensbringer Jesus. Dessen Botschaft der Feindesliebe bezeichnet Pilatus als Gift. Es wird deutlich, dass Ben Hurs Frau Esther dem Nazaraner nachfolgt. Das krempelt ihr Leben um und führt sie in den Dienst am Nächsten. „Wir bekommen eine zweite Chance“, sagt sie zu ihrem Mann, der angesichts des Gekreuzigten auf die Knie sinkt. Auf dem Weg ans Kreuz hat Jesus Ben Hur versichert: „Ich gebe mein Leben aus freien Stücken.“
Der Film stellt uns in einer Zeit wachsender Angst zwei grosse und aktuelle Fragen: Führt Gewalt zu Freiheit? Kommt Frieden durch Rache? Er gibt uns eine auf Gott bezogene Antwort: Es ist Gottes Liebe, die Kraft zur Vergebung vermittelt und Zerbrochenes heilt. Das wird sichtbar am von Hass und Rachegefühlen zerfressenen Herzen Judah Ben Hurs und den von Lepra gezeichneten Körpern seiner Mutter und seiner Schwester. Bemerkenswerterweise lässt das Remake diese Botschaft nicht weg. Dahinter stehen die US-Produzenten Roma Downey und Mark Burnett. Sie haben schon den Jesus-Film „The Son of God“ und die Serie „The Bible“ produziert. Mit „Ben Hur“ bringen sie mehr als ein aufgemöbeltes Wagenrennen. Sie bieten einem grossen Publikum die Chance, über den Glauben nachzudenken. Der Film endet denn auch mit einem Paulus-Zitat: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten.“
Ich bewerte den Film «Ben Hur» ungleich besser als viele Kollegen. Vielleicht deshalb, weil ich es nie schaffte, die berühmte Filmversion von 1959 anzuschauen? Der Roman von Lewis Wallace (1827-1905) erschien 1880 und trägt den Untertitel „Eine Geschichte von Jesus“. Der Band war im 19. Jahrhundert das meistgedruckte Buch neben der Bibel. Wallace war General, Anwalt, Politiker und Schriftsteller. Während eines Gesprächs mit Wallace spottete ein Stabsoffizier über Gott, Glaube und Christen. Wallace kam ins Grübeln. Er entschloss sich, alles, was mit Bibel und Jesus zu tun hatte, zu erforschen. Später erzählte Wallace, die Begegnung mit dem zynischen Colonel habe zwei konkrete Folgen gehabt: Erstens den Roman „Ben Hur“ und zweitens seine Hinwendung zu Gott. Während die juristischen und militärischen Leistungen von Lewis Wallace in Vergessenheit gerieten, avancierte „Ben Hur“ zu einem Bestseller, dessen Botschaft dank der aktuellen Verfilmung einer neuen Generation zugespielt wird: „Dadurch, dass Christus am Kreuz sein Blut vergoss, hat Gott Frieden geschaffen.“ (Kolosserbrief, Kapitel 1, Vers 20) Rolf Hoeneisen https://www.facebook.com/rolf.hoeneisen/posts/10207158992312495

 

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Noah – eine kurze Anmerkung zum neuen Hollywood-Streifen „Noah“.

Biblische Geschichte im Hollywood-Style
Inhaltlich schmückt Regisseur und Drehbuch-Koautor Aronofsky („Black Swan“, „The Wrestler“) die biblische Vorlage der Kapitel 5 bis 10 des Buches Exodus aus: Noah erscheint als ehemaliger Krieger, der angesichts einer lebensfeindlichen Umwelt voller Gewalt und Tyrannei Frieden für sich und die Seinen sucht.
Der biblische Noah ist in diesem Film kaum wieder zuerkennen
Aronofskys Noah wird so sehr durch die menschliche Sündhaftigkeit „gestört“, dass er von der Idee „besessen“ wird, dass die Menschheit nicht überleben sollte. Gott gebrauchte die Familie des Hauptdarstellers, nur um die Tierwelt zu retten; danach musste die Menschheit aussterben.
Für den Fall, dass seine Schwiegertochter ein Mädchen gebären sollte, plant Noah dieses Baby umzubringen, damit das Leben der menschlichen Rasse nicht fortbesteht.
Später hebt Noah sein Messer über die Zwillingstöchter an – und erinnert somit ein bisschen an Abraham und ein bisschen an einem Verrückt gewordenen.
Die Darstellung von Noah ist in diesem Teil des Films ist so dunkel, dass man ihn nicht mögen wird. Die Sympathie für Noah schwindet jedenfalls beim Zusehen stetig. Es ist schwer sich den „Gerechten“, wie er im 1.Mose 6 oder den „Glaubensmann“ (Hebr. 11) darin vorzustellen.
Juden und Christen werden sich schwer damit tun, Noah in diesem Film wiederzuerkennen.
Die Inszenierung des Kontexts ist falsch
Es werden Bilder von Krieg, Gewalt, Diebstahl und sexuelle Sünde gezeigt. Aber gemäß dem Film ist die Hauptsünde der Menschheit der Missbrauch der Umwelt. Der Mensch betreibt eine „Politik der verbrannten Erde“. Entspricht der heutigen Theorie der „Globalen Erwärmung“. Tiere zu töten wird genauso als eine Abkehr von der Lebensweise im Garten Eden verurteilt. Dieses Umwelt-Thema verdreht die das Evangeliums. Dieses wir jedoch moderat und vorsichtig verpackt dem Zuschauer präsentiert.
Genesis 6 beschreibt hingegen die Sünden der Zeitgenossen Noahs Generation: Bosheit, ihr ganzes Herzens war darauf ausgerichtet das Böse zu tun, Korruption und Gewalt waren an der Tagesordnung.
Wenn man den Biblischen Bericht im Hinterkopf hat, dann merkt man die vielen falschen Darstellung sofort.
So tauchen in dem Film gefallene Engel auf, die ein wenig aussehen wie Orks – rein digitale Gestalten, wie selbstverständlich auch die Flut im Rechner generiert worden ist. Düster ist das alles und wuchtig auf der Tonspur.
Warum man Noah nicht sehen sollte:
Noah heißt auf Deutsch „Ruhe“. Davon bleibt in dem Film nichts übrig. Das Geschrei, Geballer und Gemetzel klingelt dermaßen in den Ohren, dass sich die Ruhe nach dem Sturm nicht recht genießen lässt. Höchst ärgerlich auch, dass eine ganz andere Noahgeschichte erzählt wird als in der Bibel. Aronofsky macht den Erbauer der Arche zu einem Öko-Fundamentalisten, der die Menschheit nicht retten, sondern auslöschen will. Das ist voll daneben. (Bernd Buchner, Redakteur) http://aktuell.evangelisch.de/artikel/93623/unsere-noah-filmkritik
Eine konventionelle Mischung aus „Herr der Ringe“, „Ben Hur“, „Titanic“ und Klingonien  sowie „Hornbach“-Reklame. Keine eigene Idee, keine spezielle Ästhetik. Dazu transportiert er vollkommen unironisch ein vorsteinzeitliches Geschlechter-Rollenverständnis. Es fällt doch tatsächlich der Satz: „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss!“ Heimwerker-Romantik pur! (Claudius Grigat, Freier Redakteur) http://aktuell.evangelisch.de/artikel/93623/unsere-noah-filmkritik
„Untypisch für einen Hollywoodfilm: die zuerst positive besetzte Hauptfigur Noah wird immer mehr zum Bösewicht, und wird immer unsympathischer.“
Ein Zuschauer sagte: „Ich will mein Geld und die kostbare Zeit meines Lebens zurück“

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Charlie Chaplin und die Nationalsozialisten

The_Great_Dictator_(screenshot).jpg„Der große Diktator“ gehört zu den Filmen, die ich mehrmals mit Begeisterung gesehen habe. Ich hoffe, die Satire auf Adolf Hitler, die am 15. Oktober 1940 uraufgeführt wurde, noch einige Male genießen zu können.   2011 ist ein opulentes Werk über Charlie Chaplin und die Nationalsozialisten erschienen. Bettina Klix hat das Buch:
Norbert Aping, Liberty Shtunk! Die Freiheit wird abgeschafft, Vorwort von Kevin Brownlow, 2011, Schüren Verlag, Marburg, 424 Seiten, viele Abbildungen, 38 Euro welches die Entstehung des Films eingehend beleuchtet, rezensiert:
„Ich konnte Hitler nicht ernst nehmen. Jede Postkarte zeigte eine andere Pose…Die Gebärde des Grußes, bei der er die Hand über die Schulter zurückwarf, wobei die Handfläche nach oben gerichtet war, erweckte in mir den Wunsch, ein Tablett mit schmutzigen Tellern daraufzustellen. ‚Das ist ein Verrückter!’ dachte ich. Doch als Einstein und Thomas Mann gezwungen wurden, Deutschland zu verlassen, war dieses Gesicht Hitlers nicht mehr komisch, sondern unheimlich.“ Was Charlie Chaplin hier beschreibt, ist eine Art die Gebärde zu studieren, die mit Hilfe grotesker Assoziationen der Wahrheit auf die Spur kommt. Und gleichzeitig schon Ideen für eine Figur sammelt, die sich aus dem Ausgangsmaterial herstellen lässt: Den Diktator Hynkel in der genialen Anti-Hitler-Satire „The Great Dictator“ (1940).

201302141139.jpgChaplin schrieb in seiner Autobiographie, dass er , trotz aller Schwierigkeiten im Vorfeld und der noch zu erwartenden Zensurprobleme – die USA befanden sich noch nicht im Krieg – fest entschlossen war, den Film zu machen, „denn über Hitler sollte gelacht werden.“ Aber: „Hätte ich etwas von den Schrecken der Konzentrationslager gewusst, ich hätte mich über den mörderischen Unsinn der Nazis nicht lustig machen können. “ Für dieses Projekt konnte Chaplin sich die Ähnlichkeit seiner Filmfigur des Tramps Charlie mit Hitler zunutze machen. Äußerer Anhaltspunkt war der zur Verwechslung einladende Schnurrbart, bei Chaplin falsch, bei Hitler echt. Auch zahllose Karikaturen in den Blättern der Auslandspresse – die im Buch zu sehen sind – nahmen die Barttracht zum Anlass für komische Vertauschungen und Verkehrungen. Chaplin hatte Hitler anhand von Wochenschau-Aufnahmen und Fotos genau studiert. Sein Sohn Charlie Chaplin Junior erzählt: „Dad studierte jede Pose des Diktators, machte sich alle Eigenheiten seines Benehmens zu eigen und war von dem Gesamteindruck gefesselt. ‚Der Kerl ist ein großer Schauspieler’, pflegte er voller Bewunderung zu sagen. ‚Wirklich, er ist der größte Schauspieler von uns allen.’“ „Dieses intensive Studium machte sich für Dad bezahlt.“, erzählt sein Sohn weiter. „Seine Darstellung Hitlers war eine perfekte Imitation, so perfekt, dass Deutsche die den Film sahen, genau hinhören mussten, um sich zu vergewissern, dass es sich nicht um den typischen Tonfall Hitlers handelte, sondern um Dads Kauderwelsch.“

Mehr: www.solon-line.de.
http://www.theoblog.de/charlie-chaplin-und-die-nationalsozialisten/19876

 

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Der Film Lemon Tree des israelischen Autors und Regisseurs Eran Riklis zeigt unaufgeregt und mit einiger Situationskomik das Drama des Misstrauens.

Salma Zidane, eine verwitwete Palästinenserin aus der Westbank, die in der Nähe einer jüdischen Siedlung eine seit Jahrzehnten im Familienbesitz befindliche Zitronenplantage bearbeitet, hat plötzlich neue Nachbarn: den israelischen Verteidigungsminister und seine Frau Mira. Aus Sicherheitsgründen soll der Zitronenhain daher verschwinden. Mit Hilfe des jungen Anwalts Ziad Daud klagt Salma gegen diese Maßnahme – bis zum Obersten Gerichtshof, der verfügt, dass die Zitronenbäume zwar stehen bleiben dürfen, aber bis auf Bodenhöhe gekappt werden müssen, wodurch sie jegliche Funktion einbüßen. Von dem saftigen Grün bleibt ein karges Stoppelfeld übrig, eingezäunt und zur Siedlung hin von einer hohen Mauer umschlossen.
Das ist – ganz grob – die Geschichte, die der Film Lemon Tree erzählt, der auf der Berlinale 2008 mit dem Panorama-Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Er erzählt sie ohne großes Pathos und in einer Draufsicht, die versucht, möglichst objektiv zu sein und die inmitten der Feindschaft den gemeinsamen Feind auf beiden Seiten der Mauer identifizieren hilft: das Misstrauen, das entsteht, wenn man wenig weiß über den Anderen, über den Nächsten, hier: über den Nachbarn.
Freilich werden die Sympathien subtil ungleich verteilt. Es fällt viel leichter, sich mit der Frau vom Zitronenhain zu identifizieren als mit dem Verteidigungsminister. Der Wohlstand der jüdischen Siedler wird mit der Armut der Palästinenser konfrontiert, die oft genug behördlicher Willkür ausgesetzt sind. Doch der Film moralisiert nicht. Zu Recht, denn keiner Seite ist allein der Vorwurf zu machen. Das Sicherheitsinteresse Israels ist ebenso unbestreitbar wie das Interesse der Palästinenser, in menschenwürdigen Verhältnissen zu leben – und dazu gehört die Garantie von Leben, Freiheit und Eigentum. Die zahlreichen terroristischen Angriffe, die eine Maßnahme wie die Vernichtung des Zitronenhains rechtfertigen, heben die Unschuldsvermutung, die auch gegenüber Salma gelten muss, nicht auf.
Doch das Risiko bleibt. Abbauen ließe es sich nur durch den persönlichen Kontakt – etwas, das sich Mira, die Ehefrau des Verteidigungsministers, insgeheim wünscht, aber nicht realisieren kann. Was hindert sie daran, in eine Beziehung zu ihrer Nachbarin zu treten? Antwort: Die Umstände, die sich wiederum nur durch Beziehung ändern ließen. Es wird deutlich: Irgend jemand muss den Bann brechen, muss den nötigen Vertrauensvorschuss liefern, anders lässt sich das Problem nicht lösen, anders lässt sich die Spirale aus Angst und Gewalt nicht stoppen. Es braucht Feindesliebe – zumindest den Wunsch nach einem Ende der Feindschaft.
Dabei sind sich Salma und das Paar von nebenan viel näher als sie denken. Ihre Kinder studieren beide in den USA, wie sich im Laufe der Handlung herausstellt. Und schließlich sind sie Nachbarn, die aber von einem Stacheldraht (am Ende des Films von einer Mauer) getrennt sind. Die ganze skurrile Situation rund um die Zitronenplantage wird untermalt von den Logik-Lektionen, die sich der diensthabende Soldat auf seinem Wachturm anhört, offenbar, um sich auf eine Prüfung vorzubereiten. Sie stehen in scharfem Kontrast zur Unlogik des Misstrauens, das nur Verlierer zurücklässt: Salma verliert ihre Zitronenbäume, der Verteidigungsminister, nachdem er sich die Aussicht auf den Zitronenhain verbaut hat, verliert seine Frau, die ihn schweigend verlässt. Es braucht die Logik der Liebe, die den ersten Schritt tut. Diese Lehre erteilt Lemon Tree – ohne Vorwürfe und ohne erhobenen Zeigefinger. Guter Film.
(http://jobo72.wordpress.com/2014/01/09/eine-zitronenplantage-oder-die-angst-vor-dem-unbekannten/ Josef Bordat)

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The Company Men

Finanzkrise und Rezession sind derzeit im amerikanischen Kino ein Dauerthema. Was wir zur Zeit sehen, sind die Verfilmungen der Drehbücher, die auf dem Höhepunkt der Depression geschrieben wurden. Die Finanzkrisen-Filme, die bislang in Hollywood entstanden sind – „Margin Call“ mit Kevin Spacey oder Oliver Stones „Wall-Street“-Fortsetzung, alle singen das immergleiche Lied von der Gier als Motor aller Dinge.
Inhaltsangabe
Der Film „The Company Men“ mit Ben Affleck und Tommy Lee Jones erzählt von Männern, die ihre Führungsposten verlieren. Und die dramatische Geschichte über eine amerikanische Firma, die sich von einer Großzahl ihrer Mitarbeiter trennen muss, um einen Bankrott zu verhindern
Der Film spielt im Herbst 2008, jenen Tagen, als Corporate America von der Finanzkrise erstmals erschüttert wurde. Damals gingen die Bilder der entlassenen Banker und Manager, die mit ihren Kartons die Büros an der Wall Street und anderswo verlassen, um die Welt. Egal, was du im Laufe deiner Karriere an Besitzständen und Privilegien eingesammelt hast: Am Ende passt doch alles wieder in eine Pappschachtel. Die Ledercouch aus deinem Büro kannst du genauso wenig mitnehmen wie die persönliche Assistentin, den Schlüssel zum Klo der Chefetage muss du genauso abgeben wie sämtliche elektronische Datenträger. Dann stehst du da in der Lobby deines einstigen Arbeitgebers, unterm Arm einen Schuhkarton mit Bleistiften und unbrauchbaren Briefbeschwerern. Weiterlesen

„Albert Schweitzer – Ein Leben für Afrika“ Filmische Biographie des berühmten Arztes

Albert Schweitzer (1875-1965) zählt ohne Zweifel zu den im positiven Sinne bemerkenswertesten Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts. Albert Schweitzer wanderte vom ersten Lebenstag zwischen den Welten. Das Dorf Kaysersberg unweit von Colmar, wo er am 14. Januar 1875 geboren wurde, lag im sogenannten Reichsland Elsass-Lothringen, welches das kaiserliche Deutschland vier Jahre zuvor den Franzosen weggenommen hatte. Sein Vater war evangelischer Pfarrer in einer katholischen Gegend, ein Onkel Kaufmann in Paris. Seine Muttersprache war das Alemannische des Oberelsass, Französisch lernte er in der Familie, Hochdeutsch wohl erst in der Schule. Das Abitur machte Albert Schweitzer mit 18 Jahren in Mülhausen.
Als Kind hatte er sich gefragt, warum Maria und Josef nach Weihnachten keine reichen Leute wurden: „Wieso kümmerten sich die drei Weisen aus dem Morgenland später nie mehr um Jesus? Was hatten die Eltern mit den Kostbarkeiten gemacht, die sie von ihnen zu Jesu Geburt bekommen hatten? Wieso waren sie später wieder arm?“ Solche Fragen, so hat Albert Schweitzer (1875-1965) später erzählt, bewogen ihn zum Studium der evangelischen Theologie. Zumal zu seinen bibelkritischen Leben-Jesu-Forschungen als Professor. Vielleicht auch, weil ja alle Glaubenssysteme in ihrer Nähe zu Fiktivem verwandt sind, zu seinen Versuchen, das Christentum zur indischen Spiritualität zu öffnen. Als Vikar an der Straßburger Nikolaikirche traute er 1908 den künftigen Bundespräsidenten Theodor Heuss mit seiner Braut Elly Heuss-Knapp. Weiterlesen

Der stotternde König

Es könnte einfach großer Kitsch sein: Die Geschichte eines Mannes, der gegen seinen Willen König wird und dann sein Stottern überwinden muss, um zu seinem Volk zu sprechen. Zumal es sich um die „wahre“ Geschichte von Albert handelt, dem Vater von Queen Elizabeth II. Als sein älterer Bruder Edward abdankte, um eine zweifach geschiedene Amerikanerin zu heiraten, bestieg er als George VI. nur widerwillig den Thron und hielt fortan als bekannter Stotterer seine Untertanen bei Ansprachen stets in Hochspannung, ob er seine angefangenen Sätze auch zu Ende bringen würde.
Die bislang heimlich konsultierten Ärzte konnten ihm nicht helfen, mit Übungen wie „Sprechen mit Korken im Mund“ oder dem Hinweis, mit dem Rauchen von Zigaretten den Lungen Entspannung zu gönnen. Alberts Frau Elizabeth (Helena Bonham Carter) tut den kauzigen Sprachtherapeuten Lionel (Geoffrey Rush) auf, der wahre Wunder bewirken soll – allerdings durch Methoden, die in den 30er Jahren noch fragwürdig sind. Lionel will die Ursachen der Sprachblockade bekämpfen und bezieht die Psyche seiner Patienten mit ein. Der Stotterer muss über sich, sein Leben und seine Gefühle Auskunft geben. So viel Privates zu präsentieren, ist für ein Mitglied der Königsfamilie jedoch unmöglich. Genauso, wie sich mit Kosenamen ansprechen zu lassen oder unterbrochen zu werden. Lionel provoziert den zukünftigen Regenten, nennt ihn abschätzig Bertie, missachtet die Etikette und setzt in Albert solche Wut frei, die ihn zwar explodieren und frei formulieren lässt, aber schließlich vergrault.
Geschichtsfilme laufen oft Gefahr, entweder schlecht recherchiert, verklärend oder schlicht öde zu sein. Der Film berührt zahlreiche ernste Themen, ohne depressiv zu wirken, und ist gleichzeitig erfrischend heiter, ohne ins lächerliche und unglaubwürdige abzurutschen.
F-Wörter rausgestrichen
Nach Kürzungen, die insbesondere die Streichung von Schimpfwörtern betrafen, wurde „The King’s Speech“ auf ein PG-13-Rating heruntergesetzt.Mit diesen Änderungen will man nun auch Kinder und Jugendliche erreichen, den Film als Lehrmaterial anbieten und Stotterern Hoffnung machen.

DAS LABYRINTH DER WÖRTER

La tête en friche, so der Originaltitel von Roman und Film, meint wörtlich etwa der „brachliegende Kopf“ und beschreibt Germains (Gérard Depardieu)Ausgangssituation..
Es ist die Geschichte über eine dieser Begegnungen, die das ganze Leben verändern können: das Zusammentreffen in einem Park zwischen Germain (Gérard Depardieu), um die 50, praktisch Analphabet, und Margueritte (Gisèle Casadesus), einer kleinen alten Dame und leidenschaftlichen Leserin. Vierzig Jahre und hundert Kilo trennen sie. Sie die zierliche Gelehrte, er der tumbe Klotz, der innen so spärlich möbliert ist wie außen. Eines Tages setzt sich Germain zufällig neben sie. Margueritte liest ihm Passagen aus Romanen vor und eröffnet ihm die Welt und die Magie der Bücher, von denen sich Germain immer ausgeschlossen und unerreichbar fühlte
Der Umgang der gebildeten und kultivierten „Wissenschaftlerin, wenn man so will“, wie sie Germains Frage nach ihrem ehemaligen Beruf beantwortet, mit dem Illiteraten ist frei von jeglicher elitärer Überheblichkeit. Seine Anmerkungen nimmt sie stets ernst, mögen sie auch oft etwas unqualifiziert erscheinen. Diese Empathie erklärt sich daher, dass sie das ungewöhnliche zweite „t“ in ihrem Namen ihrem Vater verdankt, der selbst seine Schwierigkeiten mit den Wörtern hatte.
Depardieus Figur wird neben seinem gewohnt präzisen Spiel durch Rückblenden erschlossen, die zeigen, wie er als Kind von seiner Umwelt zurückgewiesen wurde. Bei der Darstellung des liebenswürdigen Tölpels kommt Depardieu einmal mehr seine Physis zugute. Auch wenn er des Öfteren Hohn erntet, hat er mit seinen letztlich doch verlässlichen Freunden und mit der Busfahrerin Annette (Sophie Guillemin), die ihn aufrichtig liebt, eine gute Grundlage zum Glücklichsein. Seine Begriffsschwäche, durch die er sich gebrandmarkt sieht, und seine ihm gegenüber meist verächtliche Mutter (Claire Maurier) stehen dem jedoch im Wege.
Kein Film für die Ewigkeit, aber unterhaltsam und mit einer guten Botschaft. Anschauen ist keine verschwendete Zeit!

Narnia: Der Kampf gegen das Böse in uns selbst

Weihnachten steht vor der Tür und passend zur beschaulichen Jahreszeit auch der nächste Teil der Narnia-Reihe. „Die Reise auf der Morgenröte“ kommt diesmal in einer 3D-Version daher. Zwar ist sie nicht originalgetreu verfilmt. Doch Regisseur Michael Apted schafft es, den Geist Narnias vor die Kamera zu bekommen – und macht den Klassiker von C.S. Lewis damit zu christlichem Unterhaltungskino, das ohne erhobenen Zeigefinger auskommt.
Das wollte sich selbst die englische Queen nicht entgehen lassen: Bei Schnee und Kälte erschien sie zur Erstvorführung des dritten Teils der Narnia-Reihe am Londoner Kinoplatz Leicester Square. «Die Reise auf der Morgenröte» läuft am kommenden Donnerstag auch in deutschen Kinos an – und bietet nicht nur königliche Unterhaltung, sondern auch eine christliche Botschaft, die so deutlich selten auf der Kinoleinwand zu sehen war. Weiterlesen