Finanzkrise und Rezession sind derzeit im amerikanischen Kino ein Dauerthema. Was wir zur Zeit sehen, sind die Verfilmungen der Drehbücher, die auf dem Höhepunkt der Depression geschrieben wurden. Die Finanzkrisen-Filme, die bislang in Hollywood entstanden sind – “Margin Call” mit Kevin Spacey oder Oliver Stones “Wall-Street”-Fortsetzung, alle singen das immergleiche Lied von der Gier als Motor aller Dinge.
Inhaltsangabe
Der Film “The Company Men” mit Ben Affleck und Tommy Lee Jones erzählt von Männern, die ihre Führungsposten verlieren. Und die dramatische Geschichte über eine amerikanische Firma, die sich von einer Großzahl ihrer Mitarbeiter trennen muss, um einen Bankrott zu verhindern
Der Film spielt im Herbst 2008, jenen Tagen, als Corporate America von der Finanzkrise erstmals erschüttert wurde. Damals gingen die Bilder der entlassenen Banker und Manager, die mit ihren Kartons die Büros an der Wall Street und anderswo verlassen, um die Welt. Egal, was du im Laufe deiner Karriere an Besitzständen und Privilegien eingesammelt hast: Am Ende passt doch alles wieder in eine Pappschachtel. Die Ledercouch aus deinem Büro kannst du genauso wenig mitnehmen wie die persönliche Assistentin, den Schlüssel zum Klo der Chefetage muss du genauso abgeben wie sämtliche elektronische Datenträger. Dann stehst du da in der Lobby deines einstigen Arbeitgebers, unterm Arm einen Schuhkarton mit Bleistiften und unbrauchbaren Briefbeschwerern. Weiterlesen
Archiv der Kategorie: Kino
“Albert Schweitzer – Ein Leben für Afrika” Filmische Biographie des berühmten Arztes
Albert Schweitzer (1875-1965) zählt ohne Zweifel zu den im positiven Sinne bemerkenswertesten Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts. Albert Schweitzer wanderte vom ersten Lebenstag zwischen den Welten. Das Dorf Kaysersberg unweit von Colmar, wo er am 14. Januar 1875 geboren wurde, lag im sogenannten Reichsland Elsass-Lothringen, welches das kaiserliche Deutschland vier Jahre zuvor den Franzosen weggenommen hatte. Sein Vater war evangelischer Pfarrer in einer katholischen Gegend, ein Onkel Kaufmann in Paris. Seine Muttersprache war das Alemannische des Oberelsass, Französisch lernte er in der Familie, Hochdeutsch wohl erst in der Schule. Das Abitur machte Albert Schweitzer mit 18 Jahren in Mülhausen.
Als Kind hatte er sich gefragt, warum Maria und Josef nach Weihnachten keine reichen Leute wurden: „Wieso kümmerten sich die drei Weisen aus dem Morgenland später nie mehr um Jesus? Was hatten die Eltern mit den Kostbarkeiten gemacht, die sie von ihnen zu Jesu Geburt bekommen hatten? Wieso waren sie später wieder arm?“ Solche Fragen, so hat Albert Schweitzer (1875-1965) später erzählt, bewogen ihn zum Studium der evangelischen Theologie. Zumal zu seinen bibelkritischen Leben-Jesu-Forschungen als Professor. Vielleicht auch, weil ja alle Glaubenssysteme in ihrer Nähe zu Fiktivem verwandt sind, zu seinen Versuchen, das Christentum zur indischen Spiritualität zu öffnen. Als Vikar an der Straßburger Nikolaikirche traute er 1908 den künftigen Bundespräsidenten Theodor Heuss mit seiner Braut Elly Heuss-Knapp. Weiterlesen
Der stotternde König
Es könnte einfach großer Kitsch sein: Die Geschichte eines Mannes, der gegen seinen Willen König wird und dann sein Stottern überwinden muss, um zu seinem Volk zu sprechen. Zumal es sich um die “wahre” Geschichte von Albert handelt, dem Vater von Queen Elizabeth II. Als sein älterer Bruder Edward abdankte, um eine zweifach geschiedene Amerikanerin zu heiraten, bestieg er als George VI. nur widerwillig den Thron und hielt fortan als bekannter Stotterer seine Untertanen bei Ansprachen stets in Hochspannung, ob er seine angefangenen Sätze auch zu Ende bringen würde.
Die bislang heimlich konsultierten Ärzte konnten ihm nicht helfen, mit Übungen wie “Sprechen mit Korken im Mund” oder dem Hinweis, mit dem Rauchen von Zigaretten den Lungen Entspannung zu gönnen. Alberts Frau Elizabeth (Helena Bonham Carter) tut den kauzigen Sprachtherapeuten Lionel (Geoffrey Rush) auf, der wahre Wunder bewirken soll – allerdings durch Methoden, die in den 30er Jahren noch fragwürdig sind. Lionel will die Ursachen der Sprachblockade bekämpfen und bezieht die Psyche seiner Patienten mit ein. Der Stotterer muss über sich, sein Leben und seine Gefühle Auskunft geben. So viel Privates zu präsentieren, ist für ein Mitglied der Königsfamilie jedoch unmöglich. Genauso, wie sich mit Kosenamen ansprechen zu lassen oder unterbrochen zu werden. Lionel provoziert den zukünftigen Regenten, nennt ihn abschätzig Bertie, missachtet die Etikette und setzt in Albert solche Wut frei, die ihn zwar explodieren und frei formulieren lässt, aber schließlich vergrault.
Geschichtsfilme laufen oft Gefahr, entweder schlecht recherchiert, verklärend oder schlicht öde zu sein. Der Film berührt zahlreiche ernste Themen, ohne depressiv zu wirken, und ist gleichzeitig erfrischend heiter, ohne ins lächerliche und unglaubwürdige abzurutschen.
F-Wörter rausgestrichen
Nach Kürzungen, die insbesondere die Streichung von Schimpfwörtern betrafen, wurde “The King’s Speech” auf ein PG-13-Rating heruntergesetzt.Mit diesen Änderungen will man nun auch Kinder und Jugendliche erreichen, den Film als Lehrmaterial anbieten und Stotterern Hoffnung machen.
DAS LABYRINTH DER WÖRTER
La tête en friche, so der Originaltitel von Roman und Film, meint wörtlich etwa der „brachliegende Kopf“ und beschreibt Germains (Gérard Depardieu)Ausgangssituation..
Es ist die Geschichte über eine dieser Begegnungen, die das ganze Leben verändern können: das Zusammentreffen in einem Park zwischen Germain (Gérard Depardieu), um die 50, praktisch Analphabet, und Margueritte (Gisèle Casadesus), einer kleinen alten Dame und leidenschaftlichen Leserin. Vierzig Jahre und hundert Kilo trennen sie. Sie die zierliche Gelehrte, er der tumbe Klotz, der innen so spärlich möbliert ist wie außen. Eines Tages setzt sich Germain zufällig neben sie. Margueritte liest ihm Passagen aus Romanen vor und eröffnet ihm die Welt und die Magie der Bücher, von denen sich Germain immer ausgeschlossen und unerreichbar fühlte
Der Umgang der gebildeten und kultivierten „Wissenschaftlerin, wenn man so will“, wie sie Germains Frage nach ihrem ehemaligen Beruf beantwortet, mit dem Illiteraten ist frei von jeglicher elitärer Überheblichkeit. Seine Anmerkungen nimmt sie stets ernst, mögen sie auch oft etwas unqualifiziert erscheinen. Diese Empathie erklärt sich daher, dass sie das ungewöhnliche zweite „t“ in ihrem Namen ihrem Vater verdankt, der selbst seine Schwierigkeiten mit den Wörtern hatte.
Depardieus Figur wird neben seinem gewohnt präzisen Spiel durch Rückblenden erschlossen, die zeigen, wie er als Kind von seiner Umwelt zurückgewiesen wurde. Bei der Darstellung des liebenswürdigen Tölpels kommt Depardieu einmal mehr seine Physis zugute. Auch wenn er des Öfteren Hohn erntet, hat er mit seinen letztlich doch verlässlichen Freunden und mit der Busfahrerin Annette (Sophie Guillemin), die ihn aufrichtig liebt, eine gute Grundlage zum Glücklichsein. Seine Begriffsschwäche, durch die er sich gebrandmarkt sieht, und seine ihm gegenüber meist verächtliche Mutter (Claire Maurier) stehen dem jedoch im Wege.
Kein Film für die Ewigkeit, aber unterhaltsam und mit einer guten Botschaft. Anschauen ist keine verschwendete Zeit!
Narnia: Der Kampf gegen das Böse in uns selbst
Weihnachten steht vor der Tür und passend zur beschaulichen Jahreszeit auch der nächste Teil der Narnia-Reihe. „Die Reise auf der Morgenröte“ kommt diesmal in einer 3D-Version daher. Zwar ist sie nicht originalgetreu verfilmt. Doch Regisseur Michael Apted schafft es, den Geist Narnias vor die Kamera zu bekommen – und macht den Klassiker von C.S. Lewis damit zu christlichem Unterhaltungskino, das ohne erhobenen Zeigefinger auskommt.
Das wollte sich selbst die englische Queen nicht entgehen lassen: Bei Schnee und Kälte erschien sie zur Erstvorführung des dritten Teils der Narnia-Reihe am Londoner Kinoplatz Leicester Square. «Die Reise auf der Morgenröte» läuft am kommenden Donnerstag auch in deutschen Kinos an – und bietet nicht nur königliche Unterhaltung, sondern auch eine christliche Botschaft, die so deutlich selten auf der Kinoleinwand zu sehen war. Weiterlesen
Facebook – ein soziales Netzwerk?
Facebook – ein soziales Netzwerk?
Wir wollen es gleich auf den Punkt bringen! Es geht um ein einsames arrogantes „Arschloch“, das uns alle zu dem Selbigen machen möchte!
Alle kennen Facebook, aber kaum jemand kennt Mark Zuckerberg, den Erfinder des größten sozialen Netzwerks aller Zeiten. Regiseur David Fincher (Fight Club) malt uns in seinem neuen Film The sozial Network das Bild eines selbstverliebten Informatiker vor Augen, der einerseits hochintelligent, aber andererseits total unbeliebt ist. Eine Szene zeigt Mark Zuckerberg mit seiner Freundin Erica in einer Studentenkneipe. Sie trinken gemeinsam ein Bier. Mit seiner unsensiblen Art bringt er sie in kürzester Zeit so in Rage, dass sie ihm direkt ins Gesicht sagt, was sie über ihn denkt: „Du wirst durchs Leben gehen und glauben, dass die Mädchen dich nicht mögen, weil du ein Computer-Freak bist. Aber es liegt daran, dass du ein Arschloch bist.“
Da muss wohl etwas Wahres dran sein, denn „du kannst nicht 500 Millionen Freunde haben, ohne dir ein paar Feinde zu machen!“
The sozial Network erzählt, wie wir das wurden, was wir sein werden, vernetzte Monokraten. Wie kommt das? Weil wir genauso beziehungsgestört werden, wie der Macher von Facebook es schon ist, indem wir uns einreden lassen große Entscheidungsfreiheiten zu haben. In gewisser Weise, so legt es der Film nahe, hat uns Mr. Zuckerberg nach seinem Ebenbild geschaffen. Zu sozial völlig unverträglichen Typen. Der 26 jährige Milliardär hat keine wahren Freunde – den einzig echten Freund, den er hatte, Eduardo Saverin, hat er wegen seines unerträglichen Narzismus aus der Firma gedrängt – aus diesem Grund will er sich rächen und unsere Vorstellung von Freundschaft jetzt ganz neu definieren. Das ist doch das faszinierende an Facebook, dass man sich Leuten näher fühlt, die man nur selten sieht (oder gar nicht kennt), obwohl sie einem nur im virtuellen Raum begegnen. Und dass der Abgleich mit der Wirklichkeit womöglich gar nicht mehr notwendig ist, um sich nahe zu fühlen. So in etwa sehen die neuen alten Freundschaften aus, etwas überspitzt geschildert. Alles nur Verschwörungstheorie, könnte man meinen. Warten wir es mal ab was in zehn Jahren sein wird, wenn man sich das alles gar nicht mehr weg denken kann!
Lass dir nicht von Facebook – Gründer Zuckerberg vorschreiben, wie du soziale Beziehungen und Freundschaften zu leben hast. Gott hat uns dazu geschaffen, um echte reale soziale Netzwerke zu leben und nicht virtuelle. Wir sind nach Seinem Ebenbild geschaffen worden, der schon immer in Beziehung zu seinem Sohn gelebt hat.
Mark Zuckerberg will sich selbst zu diesem Streifen nicht äußern. Er sagt: „Dieser Film ist nur Fiktion!“ Wir werden sehen.
Mein Vorschlag an dieser Stelle ist, lasst uns eine neue Gruppe „Zuckerberg needs Jesus“ gründen.
Wer dazu bock hat kann mich dann gerne einladen.
Jesus ist die einzige Chance für ihn aber auch für uns, ein Beziehungsmensch zu bleiben.
Pasquale
Up in the Air
Ryan Bingham ist immer unterwegs:
Wenn Fliegen Freiheit ist, dann ist Ryan Bingham ein sehr freier Mensch. Man könnte ihn aber auch für zwangsneurotisch halten. Der Zwang, allen Zwängen zu entfliehen, hat ihn fest im Griff. Seine Horrorvorstellung ist es, mehr als vierzig Tage im Jahr in seiner Wohnung verbringen zu müssen.
322 Tage, verkündet er stolz, hat er vergangenes Jahr im Hotel verbracht. Kein Wunder, dass sein eigenes Apartment in Omaha, Nebraska, aussieht wie ein Motelzimmer vielleicht nur dürftiger eingerichtet. Nur der Begrüßungstext im Fernseher fehlt. Dafür stehen ein paar Schnapsfläschchen aus einer Hotel-Minibar im ansonsten leeren Kühlschrank. Dafür versteht er sich unterwegs auf Luxus, Upgraden lautet sein Zauberwort, ob in Sachen Hotel, Mietauto oder Flugzeug.
Dieser rastlose Mann im grauen Anzug, liebt das Reisen – als Selbstzweck. Er liebt das Surren der Räder seines Rollkoffers auf den polierten Flughafenböden, er liebt den Blick aus dem Flugzeugfenster aus 10.000 Meter Höhe, er liebt es, in der Masse der Mitreisenden zu verschwinden. Und das immergleiche Dienstleistungslächeln der Stewardessen, die kalte Pracht der Airport-Hotels, die kurzen Absacker an der Bar, die flüchtigen Abenteuer – eventuell – mit einer Hotelbekanntschaft.. Schlange stehen und warten muss er nur selten, denn Bingham besitzt alle wichtigen Vielfliegerkarten, die Lizenz zum Vordrängeln. Nicht mehr lange, und sein Konto bei American Airlines wird zehn Millionen Meilen betragen. Nur sechs andere haben diesen Status vor ihm erreicht. “Es waren schon mehr Menschen auf dem Mond”, sagt Bingham.
Ryan Bingham ist ein Nomade des frühen 21. Jahrhunderts, auf Effizienz gedrillt. Weiterlesen
The Book of Eli
Nach einer Katastrophe, die fast alles Leben auf Erden ausgelöscht hat, bahnt sich im Jahr 2044 ein einsamer Wanderer seinen Weg auf zerstörten Freeways und durch kalte Ruinen. Die Umgebung ist feindselig, überall könnten marodierende Banden zuschlagen und ein Schluck Wasser oder ein paar Schuhe entscheiden, wer unter Jägern und Gejagten den nächsten Tag erlebt. Der Name des Wanderers ist Eli (Denzel Washington). Obwohl er nicht weiß, ob es tatsächlich irgendwo noch Hoffnung für die Zivilisation gibt, ist er unterwegs nach Westen. Im Gepäck ein mysteriöses Buch, das auch von anderen manisch begehrt und von Eli mit seinem Leben geschützt wird. In einer zerfallenen Stadt, in der das Gesetz des Stärkeren herrscht, trifft Eli auf den despotischen Carnegie (Gary Oldman), der seinem Geheimnis bald auf die Schliche kommt. Zwar kann sich Eli zunächst der Waffengewalt von Carnegies Schergen erwehren und mit Hilfe der jungen Solara (Mila Kunis) flüchten. Doch beim nächsten Wiedertreffen der Kontrahenten wird Eli nicht nur seines Besitzes beraubt, sondern auch mit einem Bauchschuß zum Sterben zurückgelassen. Carnegie scheint sein Ziel erreicht zu haben.
Mit einem ausgesprochenen Gespür für Tempo enthüllt der Film jedoch nach und nach einige Informationen, die vor allem in der Aussage gipfeln, die meisten Menschen hätten in der Bibel die Ursachen des Krieges gesehen. Deswegen haben sie versucht, alle Exemplare zu verbrennen.
Der Zustand der Welt straft indes dreißig Jahre später die Einschätzung eindrücklich Lügen: Ohne die Bibel, ohne den Glauben an eine transzendente Welt sind die Menschen zu Bestien geworden. Das Außerordentliche an „The Book of Eli“ liegt gerade darin, dass nicht irgendwelche Gutmenschen in der Lage sind, die menschliche Zivilisation wiederherzustellen. Dafür benötigt der Mensch etwas, was über seine Kräfte und Fähigkeit hinausgeht. Und das findet er nur in der Bibel. Deswegen wandert Eli seit 30 Jahren ohne Unterlass in Richtung Westen. Denn hier, in der ehemaligen Gefängnisinsel Alcatraz, wird der Kern einer neuen Zivilisation aufgebaut. Dass das Regisseurduo es damit ernst meint, beweisen viele Aussagen von „The Book of Eli“, nicht zuletzt Elis Lebensweisheit, die er der Bibel entnommen hat: Dass es im Leben darauf ankommt, mehr für andere zu tun als für sich selbst. Ebenso ernst zu nehmen sind denn auch die Worte des Apostels Paulus („Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten“), die am Ende des Filmes als Zusammenfassung von Elis Leben stehen. Angesichts der nachdenkenswerten Ansätze, die „The Book of Eli“ bietet, befremdet es allerdings um so mehr, dass sich Allen und Albert Hughes einer übermäßigen, über weite Strecken allzu realistischen „Martial Arts“-Gewalt bedienen, die bei vielen Zuschauern eher Widerwillen erzeugt.
Das besondere am Film ist allerdings, dass er das Thema Religion unmissverständlich ins Zentrum rückt, dabei aber keine klaren Positionen bezieht, sondern die verschiedenen Aspekte nur antippt und die Interpretation weitgehend offen lässt.
Wer allerdings hofft, eine besonders realitätsbezogene Handlung zu sehen oder gar den Film als Grundlage für Glaubensfragen und -diskussionen erwartet, wird – eher enttäuscht sein. Ich meine allerdings, dass der Film diesen Anspruch auch gar hat oder nicht vermitteln möchte.
Originaltitel: The Book of Eli
Herstellungsland: USA 2010
Regie: Albert Hughes, Allen Hughes
Buch: Gary Whitta
Darsteller: Denzel Wahsington, Mila Kunis, Gary Oldman, Jennifer Beals, Malcolm McDowell, Michael Gambon, Ray Stevenson, Tom Waits
Gran Torino
Endlich wieder ein intelligenter Film. Mit Gran Torino ist Altmeister Clint Eastwood, der als Regisseur und Hauptdarsteller agiert, ein Volltreffer gelungen. Wer hätte gedacht, dass die Geschichte eines alten Knackers derart fesselnd sein kann? Gran Torino erzählt die Geschichte des Vietnamveterans Walt Kowalski, der als greisender Sturkopf nicht einsehen will, warum er aus seinem mittlerweile von Asiaten dominierten Heimatviertel ziehen soll. Kurz zuvor ist seine Frau gestorben und nun sieht er als Einzelkämpfer nur noch Feinde um sich. Als Rassist verachtet Kowalski – ironischerweise selbst polnischer Herkunft – die überwiegend ausländische Nachbarschaft und auch seine Söhne wollen ihn im Altersheim abstellen. Doch Walt ist stur und verbittert. Er käme nicht auf die Idee, sein Revier aufzugeben. Er lässt sich von niemand etwas sagen und sitzt den ganzen Tag auf der Veranda, schüttelt über ungezogene Jugendliche den Kopf und schnauzt jeden an, der sich seinem Grundstück nähert. Neben ihm ist eine asiatische Hmong-Familie eingezogen, die er hauptsächlich als Gefahr für die patriotische amerikanische Lebensweise – und ihn als letzten wirklichen Verfechter derselben – ansieht. Ausländer und Schwarze sind für ihn Synonym für den Verfall Amerikas und er tut alles, um nicht mit ihnen reden zu müssen. Kontakt gibt es nur, wenn er pöbelnden Jugendlichen seine Flinte ins Gesicht hält. Denn als alter Knochen sorgt er für Recht und Ordnung in seiner Gegend. Nicht um der Nachbarn willen, sondern aus Prinzip. So kommt es, obwohl er für die Nachbarn nur Beleidigungen und Hass übrig hat, zu Annäherungen, als er den Sohn aus dem Haus nebenan vor einer Jugendgang beschützt. Nicht um dem Sohn willen, sondern weil er Ruhe haben will auf seiner Veranda. Es stellt sich dem Zuschauer die Frage, wieso dieser alte Grobklotz derart hart, verbittert und zynisch ist. Liegt es am Tod seiner Frau? Niemand scheint er an sich heranzulassen. Niemandem öffnet er sich. Selbst mit seinem Kumpel, dem italienischstämmigen Friseur unterhält er sich nur codiert, denn ihre Unterhaltungen verpacken die Beiden in rassistische Beleidigungen. Walt ist zerfressen von seiner eigenen Bitterkeit. Er ist gefangen in seiner Unfähigkeit, sich mit anderen zu freuen. Ein trostloser kalter Lebensabend steht ihm bevor.
Durch seine eigenmächtigen Sheriffaktionen kommt es schließlich aber doch zu dem, was Walt um jeden Preis verhindern wollte: Er beginnt, seine Nachbarn zu mögen. Für den Nachbarsjungen Thao nimmt er sogar die Rolle des verstorben Vaters ein und lehrt ihm verschiedene praktische Lektionen des Mannseins. Aus dem rückgratlosen Ja-Sager Thao wird langsam ein Junge mit eigener Meinung. Die beiden Freunden sich an, auch wenn Walt das nie zugeben würde. Nach wie vor kleidet er alle Aussagen in harte strenge Einsilbigkeit. Nach wie vor hat er keinen inneren Frieden.
Die Auseinandersetzungen mit den Jugendgangs schaukeln sich hoch, bis schließlich eines nachts Thaos Haus aus einem vorbeifahrenden Auto mit Schüssen durschsiebt und seine Schwester vergewaltigt wird. Thao ist außer sich. Wollte der schüchterne Junge sich bisher aus derlei Streitereien raushalten, sinnt er nun nur noch auf eines: Rache! In Walt meint er einen Freund zu haben, der ihn in diesem Bestreben nachvollziehen und unterstützen kann. Walt ist tatsächlich genau der richtige Mann für gerechte Selbstjustiz. Doch nun bremst er Thao. In Walts Denken haben sich in jüngster Zeit Konstanten geändert, die sich sein Leben lang gefestigt haben. Wie konnte es dazu kommen, dass er sich plötzlich mit Asiaten befreundete, die er früher in Vietnam bekämpft hatte? War er sein Leben lang auf dem falschen Weg gewesen? Und außerdem: Vielleicht hat seine bisherige Denkweise etwas mit seinem Unfrieden zu tun? Seine verstorbene Frau hätte ihm in Punkto Seelenfrieden wohl die katholische Kirche empfohlen. Sie hatte sogar den jungen Priester auf ihn angesetzt, damit er ihren größten Wunsch wahr werden lässt: Walt bei der Beichte. Doch der Rentner hält beide – Frau und Priester – für naiv und abergläubisch. Lächerlich, wie der grünschnäbelige Jungpriester ihm etwas über Leben und Tod erzählen will.
Nun, nachdem Walt die Hmong – Nachbarn näher kennen lernte, ahnt er, dass es vielleicht doch eine Lösung für seinen über Jahre konstanten Unfrieden geben könnte. Er überrascht Thao, der sich Walts Hilfe für die geplante Blutrache sicher ist, indem er ihn im Keller einsperrt. Thao ist rasend, denn er will unbedingt eigenhändig bei der Wiederherstellung der Gerechtigkeit mithelfen. Doch Walt schreit ihn nieder: “Ich habe bereits Blut an den Fingern! Du weist nicht, wie schlimm es ist, einen Menschen getötet zu haben! Ich schon! Das werde ich dir ersparen! Ich habe in Vietnam unschuldige Kinder, die um Hilfe gebettelt haben, erschossen! Das verfolgt mich mein ganzes Leben! Ich werde ohne deine unschuldigen Hände für Gerechtigkeit sorgen!”. Durch dieses Geschrei lässt Walt endlich raus, was die Ursache für seine Härte und Bitterkeit ist: Schuld! Es war ihm unmöglich, seine Schuld aus dem Vietnamkrieg zu verarbeiten. Denn er tötete nicht nur auf Befehl, sondern auch eigenmächtig. Diese Schuld hat ihn sein Leben lang gefangen genommen. Sie hat ihn zu einem einsamen, ruhe- und freudlosen Mann gemacht. Doch jetzt sieht er eine Möglichkeit, sie wieder gutzumachen. Bevor er zu der Jugendgang aufbricht, erledigt er alles, wofür es bald zu spät sein könnte. Er erfüllt sogar seiner verstorbenen Frau ihren Wunsch und geht zur Beichte. Nachdem er einige vergleichsweise kleine Schulden gebeichtet hat, sagt ihm der Jungpriester: “Bete 10 Gebete. Deine Schuld ist dir vergeben.”. Lächerlich! Wie könnten ein paar Gebete Schuld bezahlen? Doch Walt tut es seiner Frau zuliebe. Der Priester fragt ihn im Gehen, wie es mit Walts Seelenfrieden aussähe. Walt lächelt zurück und sagt: “Keine Sorge, den habe ich.”, wissend, dass er ihn nicht von dem religiösen Ritual bekam, sondern weil er nun durch das Verbrechen der Jugendgang endlich bezahlen und wiedergutmachen kann. Nur durch Bezahlen der Schuld, da ist sich Walt sicher, kann seine Seele Ruhe finden. Schließlich macht er sich auf den Weg. Er postiert sich vor dem Haus der Gang, bis die Jugendlichen herauskommen und zahlreiche Pistolen auf ihn gerichtet sind. Er greift in seine Jacke, an die Stelle, wo er gewöhnlich seinen Revolver versteckt. Als er seine Hand ruckartig aus der Jacke zieht, streckt ihn ein Kugelhagel aus vielen Händen nieder. Walt stirbt mit einem zufriedenen Lächeln. Denn durch die vielen Zeugen wird die Gang nun für Jahre eingesperrt. Thaos Familie hat endlich Ruhe. Walt hat seine Schuld mit dem Tod bezahlt. Kurz vor seinem Tod hatte Walt nach Jahrzehnten wieder ein paar schöne zufriedene Stunden, denn seine Schuld war endlich gesühnt.
Gran Torino identifiziert mit messerscharfer Präzision eine Ursache für Unfrieden im menschlichen Herzen: Schuld. Es gibt viele Ansätze, damit fertig zu werden. Man kann sie verdrängen. Man kann sie als Nichtexistent bezeichnen. Man kann versuchen, besonders gerecht zu sein, um die Schuld wieder aufzuwiegen. Doch Gran Torino zeigt den einzigen Weg, der einem schuldigen Menschen trotzdem wieder den Seelenfrieden zurückgeben kann: Die Schuld muss bezahlt werden. Sie muss gesühnt werden. Sonst lauert sie im unbewussten Hintergrund und kommt wieder.
Nicht nur Walts Unfrieden hing mit seiner Schuld zusammen. Schuld ist das grundlegende Problem jedes Menschen. Nicht jeder hat einen Menschen getötet, doch vor Gott sind alle schuldig. Schuld ist nicht nur eine Ursache für Ruhelosigkeit, sondern auch der Grund, warum uns Gott nicht in den Himmel lassen kann. Sie muss erst bezahlt werden. Doch kein Mensch ist würdig und fähig, das nötige Opfer zu bringen. Deswegen wurde Gott selbst Mensch und starb an unserer Stelle für unsere Schuld. Jesus Christus hat am Kreuz für unsere Schuld bezahlt. Wer an ihn glaubt, dem ist alle Schuld vergeben. Jesus hat den nötigen Preis an unserer Stelle bezahlt.
Daniel
Fight Club – Ein postmodernes Sittengemälde
Fight Club zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Filmen unserer Generation, weil er unsere inneren Nöte und Sehnsüchte kennt und uns dadurch einen Spiegel vorhält. Er zeichnet das Leben in einer materialistischen Welt, in welcher sich Sinn und Leben des in ihr lebenden Menschen auf seine Funktion reduzieren: Güter herstellen und diese verbrauchen. Produktion und Konsum als Selbstzweck. Die Hauptfigur verzweifelt an der Sinnlosigkeit des Lebens, die permanent empfundene innere Leere, tiefe innere Ängste und eine scheinbar uferlose Orientierungslosigkeit lösen sich der Hauptfigur des Films auch nach unzähligen Besuchen bei Selbsthilfegruppen nicht auf in das erfüllte, glückliche Leben, welches die TV-Werbung propagiert. In Aussagen wie dieser schreit die Hauptfigur der Welt ihre Verzweiflung entgegen: „…Herrgott noch mal, eine ganze Generation zapft Benzin! Räumt Tische ab! Schuftet als Schreibtisch-Sklaven! Durch die Werbung sind wir heiß auf Klamotten und Autos.. Machen Jobs, die wir hassen! Kaufen dann Mist, den wir nicht brauchen! Wir sind die Zweitgeborenen der Geschichte, Männer ohne Zweck und ohne Ziel! Es gibt heute keinen großen Krieg, keine große, wirtschaftliche Depression! Aber wir haben eine, unsere Depression ist geistig. Unsere große Depression ist unser Leben. Wir haben eine spirituelle Depression. Wir wurden durch das Fernsehen aufgezogen, in dem Glauben, dass wir alle irgendwann einmal Millionäre werden, Filmgötter, Rockstars.. Werden wir aber nicht! Und das wird uns langsam klar! Und wir sind kurz, ganz kurz vor dem Ausrasten…” Weiterlesen