Islam und Christentum im Vergleich Wichtige Lehren werden gegenübergestellt

GOTT

Christen und Muslime glauben an Gott, den Muslime „Allah“ („der Gott“) nennen, den Schöpfer des Himmels und der Erde und den Schöpfer jedes einzelnen Menschen. Er allein ist allmächtig und hat seine Geschichte mit den Menschen, sowie seinen Willen in seinem Buch niedergelegt. Am Ende der Zeiten wird er alle Menschen im Gericht zur Verantwortung ziehen.

 

Islam Christentum
1. Allah („der Gott“) ist zwar der Schöpfer der Welt und jedes einzelnen Menschen, aber er ist transzendent, d. h., von der Schöpfung getrennt. Es gibt keine Brücke zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf. Er wird von Muhammad und allen ihm vorausgegangenen Propheten im Koran bezeugt. (Sure 55,1-78;6,100-101). 1. Gott schuf den Menschen als sein Ebenbild und Gegenüber. Er offenbart sein Wesen in der Schöpfung. Jesus ist die Brücke zwischen Gott und Mensch. Gott wird in der Bibel durch den Heiligen Geist bezeugt (Johannes 1,14-15).
2. Gott hat keine Kinder, und es gibt nichts, was ihm gleich wäre. Jesus ist nicht Gott und darf nicht als Gott verehrt werden. Der Glaube an die Dreieinigkeit ist Vielgötterei. Vielgötterei ist die schlimmste, unvergebbare Sünde im Islam, denn Vielgötterei ist ‚Beigesellung‘ eines anderen Wesens neben den Allmächtigen (5,72-73+75; 4,171-172). 2. Gottes einziger Sohn ist Jesus Christus. Jesus kam als Mensch auf die Erde und ist selbst Gott. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind ein einziger dreieiniger Gott (Johannes 1,1-2). Neben ihm darf kein anderer Gott verehrt werden (2. Mose 20,1-3).
3. Gott ist nur der Schöpfer, aber weder der Vater seiner Kinder noch der Vater Jesu Christi. Der Koran klagt die Christen an, drei Götter, nämlich Gott, Jesus und Maria anzubeten und damit Vielgötterei zu betreiben. So war die Dreieinigkeit Muhammad vermutlich von Christen seiner Zeit dargelegt worden (9,30-31). 3. Gott ist der Vater Jesu Christi. Wer Gott durch den Geist als Vater anruft, ist sein Kind (Römer 8,1517). Die Dreieinigkeit besteht aus Vater, Sohn und Heiligem Geist. Maria war ein Mensch und hat keinen Anteil an der Dreieinigkeit (Matthäus 28,19).
4. Gott hat immer wieder durch Propheten gesprochen, die stets dieselbe Offenbarung von dem einen allmächtigen Gott und dem drohenden Gericht verkündigten (6,74-90). 4. Der dreieinige Gott hat sich in der Zeit vor Jesu Geburt als Gott und Herr offenbart (1. Mose 6,9ff.). Er sprach durch viele Glaubenszeugen und Propheten und am Ende jener Tage durch seinen Sohn Jesus Christus (Hebräer 1,1-2; Hebräer 11).
5. Gott hat sich im Koran als der ewige, einzige, allmächtige, allwissende und barmherzige Gott offenbart (7,156; 35,15). 5. Der Gott der Bibel hat sich zwar auch als ewig, majestätisch, allwissend und vollkommen offenbart, aber er ist selbst auch Wahrheit, Leben, Licht, Liebe und Gerechtigkeit (2. Mose 15,11; Psalm 147,5; 1. Johannes 4,7-9+16)

 

JESUS CHRISTUS

Sowohl der Koran als auch die Bibel sprechen von Jesus, den Gott zu Israel gesandt hat. Koran und Bibel nennen ihn ‚Christus‘. Er wurde von einer Jungfrau Maria geboren und hat in Israel Wunder gewirkt. Er ist in den Himmel aufgefahren und wird am Ende der Tage noch einmal auf die Erde zurückkehren. Ihm werden einige der höchsten Ehrentitel unter allen Gesandten Gottes beigelegt.

Christen und Muslime glauben an Gott, den Muslime „Allah“ („der Gott“) nennen, den Schöpfer des Himmels und der Erde und den Schöpfer jedes einzelnen Menschen. Er allein ist allmächtig und hat seine Geschichte mit den Menschen, sowie seinen Willen in seinem Buch niedergelegt. Am Ende der Zeiten wird er alle Menschen im Gericht zur Verantwortung ziehen.

 

Islam Christentum
1. Der Titel „Christus“ („Messias“) wird im Koran zwar als zusätzlicher Name für Jesus verwendet. Es bleibt jedoch unklar, was Muhammad darunter verstanden hat. Auch die Korankommentatoren vertreten unterschiedliche Ansichten. Jedenfalls hat der Titel „Christus“ nicht die biblische Bedeutung des Retters und Gesalbten (3,45). 1. Der Titel „Christus“ („Messias“) bedeutet der mit dem Heiligen Geist „Gesalbte“ und vereint die alttestamentlichen Ämter des Priesters, des Propheten und des Königs auf den Sohn Gottes (Lukas 1,26-38; Lukas 3,21-22).
2. Jesus (im Koran: „Isa“) wurde von Gott durch sein Wort („Sei!“) erschaffen und durch Gottes Macht in Maria versetzt. Er ist jedoch nur ein Mensch (3,59; 5,75; 5,116-117). 2. Jesus wurde vom Heiligen Geist in Maria gezeugt und ist wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich (Lukas 1,35).
3. Jesus war nur ein Prophet, wenn auch einer der bedeutendsten Propheten der Geschichte. Er wurde von Maria, der Schwester Moses und Aarons unter einer Palme geboren (19,16-33). Größer als Jesus ist jedoch Muhammad, das „Siegel der Propheten“ (33,40; 61,6). Muhammads Kommen wird schon im Alten Testament durch Mose und Jesaja und im Neuen Testament durch Jesus angekündigt (2,67 ff; 7,157). 3. Jesus kam als der im Alten Testament verheißene Erlöser und Retter in die Welt. Er wurde von Maria zur Regierungszeit des Herodes und zur Zeit der Römerherrschaft in Bethlehem in einem Stall geboren. Er ist als Sohn Gottes der höchste Prophet und kündigte das Kommen des Geistes Gottes als Tröster an (Johannes 14,16). Muhammad ist nicht in der Bibel angekündigt und entspricht nicht den biblischen Kriterien für einen Propheten Gottes (Apostelgeschichte 10,43).
4. Jesus wurde nicht gekreuzigt und ist nicht auferstanden. Eine Kreuzigung wäre eine schmachvolle Niederlage für ihn gewesen. Er hätte mit seinem Tod auch keine Erlösung erwirken können. Über sein Ende macht der Koran keine klaren Angaben. Wahrscheinlich entrückte Gott ihn vor seinen Feinden, und ein anderer wurde an seiner Stelle gekreuzigt. Die meisten Muslime glauben, daß Jesus jetzt im Himmel lebt (4,157-158). 4. Jesus starb nach dem Willen seines Vaters am Kreuz, er wurde ins Grab gelegt und stand am dritten Tag von den Toten auf. Er fuhr in den Himmel auf, wo er heute lebt und regiert. Durch seinen Tod errang er den Sieg über die Macht der Sünde und den ewigen Tod und erwirkte stellvertretend Erlösung und Errettung für die Verlorenen, die durch Jesu Tod nun Zugang zum Vater haben (1. Petrus 1,18-19; Epheser 2,18).
5. Jesus war einer der Gesandten Gottes, der Israel vor dem drohenden Gericht warnen sollte. Er tat Wunder, heilte Kranke, erweckte Tote zum Leben und besaß übernatürliches Wissen (3,49; 5,112-114). Jesus wurde von Gott eine Schrift offenbart, das Evangelium (arab. injîl). Dennoch ist Jesus nur einer der Propheten, der von Muhammad als dem letzten Propehten der Geschichte an Bedeutung weit übertroffen wird. Jesu Aufgabe der Verkündigung unterschied sich grundsätztlich nicht von dem Auftrag Muhammads (33,56; 81,19-20). 5. Über Jesus, den Sohn Gottes, der von Gott in die Welt gesandt wurde, um Menschen zu retten und von Schuld zu erlösen, berichtet das Neue Testament, der Schlußpunkt der Schriftoffenbarung Gottes. (Offenbarung 22,18-19). Jesu Wirken war ein beständiger Hinweis auf den himmlischen Vater und eine Einladung zur Errettung aus der verlorenen Welt (Apostelgeschichte 2,40; Philipper 2,95). Nach Erfüllung der Verheißung in Jesus Christus wird kein weiterer Prophet mehr erwartet.

 

SÜNDE, GLAUBE UND VERGEBUNG

Koran und Bibel betonen, daß es Gottes Willen entspricht, an ihn zu glauben und nach seinen Geboten zu leben. Vor Gott müssen sich alle Menschen verantworten. Weil sie Gott aber mißachteten und andere Götter verehrten, hat Gott den Menschen seine Gesandten geschickt, um sie vor seinem drohenden Gericht zu warnen. Diese Gesandten verkündeten Gottes Willen und Gebote. Übertritt ein Mensch diese Gebote und sündigt er, so kann ihm durch Gottes Barmherzigkeit Vergebung geschenkt werden. Für das Ende der Tage sprechen Bibel und Koran von ewiger Strafe und von ewigem Lohn.

 

Islam Christentum
1. Adam sündigte im Paradies, als er die von Gott verbotene Frucht aß. Der Mensch wurde dadurch aber nicht von seinem Schöpfer getrennt und zog auch nicht sein Verhältnis zu seinen Mitmenschen in Mitleidenschaft: Im Islam gibt es keinen eigentlichen Sündenfall und keine Erbsünde. Der Tod ist nicht die Folge der Sünde (2,35-39). 1. Adam übertrat Gottes Gebot im Paradies und brachte damit die Sünde, den Tod und die Trennung von Gott für alle Menschen in die Welt. Versöhnung mit Gott ist nur durch Jesu Tod möglich (2. Korinther 5,18-19; Römer 3,20).
2. Der Mensch ist stets in der Lage, sich zwischen dem Guten und dem Bösen zu entscheiden. Er kann gute Werke tun und durch das Einhalten der Gebote Gottes Gunst erhoffen. Wenn er jedoch gegen seine Gebote verstößt und sündigt, betrifft er ihn damit nicht. Er sündigt in erster Linie gegen sich selbst (7,19-25; 7,23). 2. Der Mensch ist seit dem Sündenfall böse. Er kann von sich aus nichts tun, um vor Gott seine Schuld wieder gut zu machen. Der eigenmächtige Versuch, das Gesetz zu erfüllen, bringt ihn nur noch tiefer in die Sünde hinein. Seine einzelnen Sünden richten sich immer direkt gegen Gott (Römer 3,10-12+20; Psalm 51,6).
3. Glaube bedeutet, Gottes Existenz anzuerkennen, sich ihm zu unterwerfen, ihm Dankbarkeit zu erweisen und zumindest die fünf Säulen des Islam zu befolgen (das Bekenntnis zu Gott, das fünfmal tägliche Gebet, das Fasten, die Almosen und die Pilgerfahrt nach Mekka). Zu den grundlegenden Glaubenslehren gehört außerdem der Glaube an das Prophetentum Muhammads, an das Gericht und das Leben nach dem Tod, an die Engel und die heiligen Bücher der Offenbarung (2,177). 3. Glaube bedeutet, seine eigene Schuld und Verlorenheit einzusehen, Jesu Erlösung für sich anzunehmen und aus der Kraft des Heiligen Geistes nach Gottes Geboten zu leben (Apostelgeschichte 9,1-18). Das Evangelium ist die Frohe Botschaft von der Befreiung aus Sünde, Schuld und Tod. Diese Befreiung schenkt Vergebung und ewiges Leben (Titus 2,12; Römer 8,1; 1. Timotheus 1,16).
4. Der reuige Sünder hofft auf Gottes Vergebung. Der Koran rühmt zwar immer wieder Gottes Barmherzigkeit und Gnade. Im Einzelfall hat der Sünder jedoch keine Gewißheit der Vergebung, ja im gegenwärtigen Leben auch keine Gewißheit, ob er nach seinem Tod ins Paradies eingehen darf. Gott ist zu allmächtig, als daß er auf sein Handeln eindeutig festzulegen wäre. Daher weiß keiner, ob seine guten Taten im Jüngsten Gericht ausreichen werden, um seine schlechten zu überwiegen. Nur die im Kampf für die Sache Gottes Gefallenen (Märtyrer) können den sofortigen Eingang ins Paradies erwarten (7,156; 3,31; 2,154; 47,4-6). 4. Der reuige Sünder weiß, daß Gott ihm Vergebung schenkt, denn Gott hat sich in seinem Wort eindeutig festgelegt (1. Johannes 1,9). Gottes Gerechtigkeit ist unwandelbar, deshalb muß er den Sünder bestrafen. Nur der, der sich auf Jesu Tod als Lösegeld zur Sündenvergebung beruft und Gottes Vergebung annimmt, dem schenkt er Vergebung und die Gewißheit des ewigen Lebens (Joh 1,12; 1. Johannes 3,1). Im Jüngsten Gericht kann ihn einzig seine Berufung auf Jesu Tod, nicht jedoch auf seine Werke retten (Epheser 2,8; Titus 3,5).

 

GOTTES WORT – HEILIGER GEIST

Muslime und Christen glauben, daß Gottes unverfälschtes Wort in seinem Buch niedergeschrieben ist. Es berichtet davon, wie Gott in der Vergangenheit mit Menschen seine Geschichte gemacht hat. Es gibt den Menschen heute Orientierung für ihr Leben und ihren Glauben.

 

Islam Christentum
1. Der Koran ist das reine unverfälschte Wort Gottes; eine getreue Abschrift der himmlischen Uroffenbarung. Die Schriften der Juden und Christen sind dagegen mit der Zeit verfälscht worden. Der Koran korrigiert die Schriften der Juden und Christen (das Alte und Neue Testament) dort, wo sie vom Koran abweichen (2,2; 2,97-98; 43,2-4; 2,83). 1. Die Bibel ist Gottes zuverlässiges Wort. Der Heilige Geist überwachte ihre Niederschrift. Die Bibel wird nicht durch den Koran korrigiert. Sie bleibt in Ewigkeit Gottes gültiges Wort (Offenbarung 22,18). Da der Koran der Bibel an zentralen Punkten widerspricht, kann er nicht gleichzeitig eine Offenbarung Gottes sein.
2. Der Koran ist Muhammad durch Vermittlung des Engels Gabriel direkt von Gott eingegeben worden ohne Beteiligung der Persönlichkeit Muhammads. Damit ist seine Unverfälschtheit garantiert (26,192-194). 2. Die Bibel ist von Gott „eingehaucht“, die Persönlichkeit der verschiedenen Schreiber jedoch nicht ausgeschaltet; sie spiegelt sich deutlich in den einzelnen biblischen Büchern wider (2. Timotheus 3,16; 2. Petrus 3,16).
3. Der Geist Gottes ist keine göttliche Person. Er ist nicht der „Tröster“ der die Gläubigen im Gebet vor Gott vertritt, und er wirkt nicht an der Welt. Er deckt keine Sünde auf und bringt auch keine geistlichen Gaben und Früchte hervor. 3. Der Heilige Geist ist göttliche Person und gehört zur Dreieinigkeit. Er geht vom Vater und dem Sohn aus (Johannes 15,26; Galater 4,6). Er ist der von Jesus verheißene „Tröster“, der den Betenden vor Gott vertritt, und er überführt die Welt von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht. In den Gläubigen bringt er Geistesgaben und Geistesfrüchte zur Entfaltung (1. Mose 1,26; Johannes 16,7-8; Römer 8,26; Galater 5,22).
4. Der Geist Gottes wirkte mit bei der Offenbarung der Schriften, die auf einzelne Männer herabgesandt wurden (auf Mose die Torah, auf David die Psalmen, auf Jesus das Evangelium und auf Muhammad der Koran) (16,102). Einzelne Personen (wie z. B. Jesus) wurden mit dem Geist gestärkt (2,87; 5,110), er ist aber nicht allen Gläubigen verheißen, um in ihnen zu wirken. 4. Der Heilige Geist wirkte in den Schreibern des Alten und Neuen Testamentes. An Pfingsten wurde er über alles Fleisch ausgegossen. Er überführt Menschen von Sünde und Schuld (Johannes 16,8).

 

Zusammenfassung:

Zwischen Islam und Christentum ergeben sich also oberflächlich betrachtet einige Gemeinsamkeiten in den Aussagen über den Schöpfergott, das Jüngste Gericht, über das ewige Leben und den ewigen Tod. Gestalten aus dem Alten Testament wie Adam, Noah, Abraham, Mose, Hiob, David und Jona begegnen uns im Koran. Selbst Jesus Christus und der Heilige Geist werden dort erwähnt. Jesus Christus wird im Koran sogar als „Wort Gottes“, „Geist Gottes“ und „Messias“ bezeichnet. Ähnliche Begriffe stehen jedoch nicht immer für gleiche Inhalte. Gerade an der Rolle Jesu Christi treten die wichtigsten Unterschiede zwischen Koran und Bibel zu Tage:

Während Jesus Christus nach biblischem Zeugnis nicht nur ein Prophet war, sondern Gottes einziger Sohn, lehnt der Koran diese Gottessohnschaft ab. Während nach alt und neutestamentlicher Aussage das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz notwendig waren, um Erlösung für die unter die Erbsünde Verkauften zu erwirken, lehnt der Koran die Kreuzigung Jesu, aber auch die Erbsünde und Erlösungsbedürftigkeit des Menschen ab. Kreuzigung, Erlösung, Gottessohnschaft und Dreieinigkeit, Eckpfeiler biblischer Dogmatik, sind aus Sicht des Korans Verirrungen des Christentums, ja Gotteslästerung.

Nach dem Koran begehen Christen mit ihrem Glauben an die Dreieinigkeit (die nach dem Koran Vater, Sohn und Maria umfasst) die schlimmste Sünde überhaupt, die Sünde der Vielgötterei. Nach dem Koran gelangen nur diejenigen, die an Mohammed und den Koran als Wahrheit glauben, ins Paradies. Die Wahrheit der Bibel hingegen ist, dass nur diejenigen das ewige Leben erben werden, die an Jesus Christus als Sohn Gottes und sein stellvertretendes Opfer glauben.“

© 2006 Dr. Christine Schirrmacher

Frau Schirrmacher hat in Giessen und Bonn Islamwissenschaften (Arabisch, Persisch, Türkisch), vergleichenden Religionswissenschaft und Geschichte studiert. Sie hat 1991 mit einer Arbeit zur christlich-muslimischen Kontroverse im 19. und 20. Jahrhundert („Mit den Waffen des Gegners“, Berlin 1992) promoviert. Frau Schirrmacher ist Dozentin für Islamwissenschaft am Martin Bucer Seminar Bonn und Hamburg und wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Islamfragen (IfI) der Lausanner Bewegung Deutschland. Darüber hinaus hat sie verschiedene Artikel zum Thema „Islam“ veröffentlicht und ist oft zu Studien- und Vortragsreisen in Nord-, West- und Ostafrika, im Nahen und Mittleren Osten unterwegs.
http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/texte/islam_christentum_vergleich.html

Veröffentlicht unter Islam

Char­lie Hebdo und die Iro­nie der To­le­ranz

Über den Autor

Mario Taf­fer­ner ist 24 Jahre alt, stu­diert Se­mi­tis­tik und Alt­ori­en­ta­lis­tik in Mar­burg und ver­bringt seine Frei­zeit gerne mit Els­beth. Er macht sich viele Ge­dan­ken über Dinge, die das Alte Tes­ta­ment be­tref­fen, und liebt die he­bräi­sche Spra­che. Mario liest gern, mag pral­le Som­mer­hit­ze und guten Wein, aber am bes­ten nicht alles gleich­zei­tig.

Mohammedvideo 2: Sollen Mörder uns vorschreiben, wo unsere Freiheit endet?

 

Sollen wir unsere Rechtsprechung zur Blasphemie ändern, weil unsägliche Filme und Karikaturen einen Teil der Muslime so ärgern, dass sie mit Zerstörung oder gar Mord reagieren?

Wo sind wir denn eigentlich, dass uns Mörder vorschreiben, was wir in unserem Land dürfen und nicht dürfen?

Ich bin Christ. Ich lebe damit, dass die Pressefreiheit auch die tägliche Dosis Spott, Karikatur, aber natürlich auch die ständige gediegene Auseinandersetzung mit dem Christentum mit sich bringt. Manchmal ist es zum Schmunzeln, manchmal zum Nachdenken, manchmal nervt es oder ärgert einen gar. Aber ich bin froh, dass wir keine Religionspolizei haben, die das kontrolliert, begrenzt und bestraft. Denn ich befürchte, dass die morgen mich inhaftieren, wenn ich meine Meinung sage oder mich mit Andersdenkenden auseinandersetze.

Ob es für Verunglimpfung Andersdenkender eine rechtliche Grenze geben und wo genau sie verlaufen sollte, muss man sicher diskutieren, auch wenn man hier sehr vorsichtig sein sollte, da die Erfahrung lehrt, dass Blasphemiegesetze selten gerecht auf alle gleichermaßen angewandt werden. Aber warum sollten wir diese Grenze von Mördern Tausende Kilometer weg festzurren lassen?

Und warum sollte es dabei eigentlich nur um den Schutz einer Religion gehen? Warum sollte dann nicht jede Religion geschützt werden? Warum nicht jede Weltanschauung? Warum nicht gleich die Würde jedes Menschen? Warum schreien jetzt manche auf, wie man nur den Islam so angreifen könne, die sich noch nie vor Christen, Bahai oder Humanisten gestellt haben?

Hat am Ende der Recht, der mit Gewalt über oder mit ihr droht? Oder der, der sich – wie die islamischen Dachverbände – dahinter versteckt, er könne dann nicht dafür garantieren, dass es nicht zu Gewalt käme?

Hier ist natürlich auch der deutsche Blasphemieparagraph schief gewickelt, denn er stellt Blasphemie nur unter Strafe, wenn dadurch der öffentliche Friede gefährdet ist. Kein Wunder, dass die seltenen Fälle, in denen es zu einer Verurteilung kam, alle mit der Kritik am Islam zu tun haben, denn alle anderen Religionsanhänger gefährden nicht den öffentlichen Frieden.

Noch etwas:

Die Medien nehmen wieder jeden in Sippenhaft, den sie nur im Entferntesten mit den Spinnern in Verbindung bringen können, die diesen Film produziert haben (die TAZ verdächtigt etwa ohne jeden Beweis die Evangelikalen, obwohl sich die Weltweite Evangelische Allianz nun wirklich seit Jahren häufig und deutlich von solchen Produkten distanziert), lassen aber die dann ja x-fach vorhanden sein müssende Empörung über die vermissen, die Leute umbringen, die ja allesamt mit dem Film nicht das Geringste zu tun haben.

Auszug aus meinem Bundestagsgutachten (27.10.2010)

(siehe hier: http://www.thomasschirrmacher.info/archives/1683)

Menschenrechtsausschuss des Deutschen Bundestages, 10. Frage: Gibt es in anderen europäischen Staaten ähnliche Paragraphen wie den § 166 des deutschen Strafgesetzbuches, der die Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen unter Strafe stellt, wenn dadurch der öffentliche Frieden gestört wird? Inwieweit schränken solche Gesetze die Religionsfreiheit in Europa ein?

Ähnliche Paragraphen gibt es in fast allen Ländern mit einer katholischen Bevölkerungsmehrheit wie Österreich, Irland, Spanien, sowie in unseren Nachbarländern Schweiz und Niederlande. Ihre Anwendung ist sehr selten, was aber vor allem an der Rechtsprechung zur Presse- und zur Kunstfreiheit liegt, die meist auch auf Verwendung religiöser Themen und Symbole bezogen wird.

So wurde in einem der ganz wenigen Fälle vor deutschen Gerichten im Februar 2006 etwa ein 61jähriger zu einer einjährigen Bewährungsstrafe und 300 Sozialstunden verurteilt, der das Wort ‚Koran‘ auf Toilettenpapier druckte und die Rollen im Internet zum Verkauf anbot.

Seit 2009 ist Gotteslästerung in Irland wieder strafbar (25.000 €). Fälle sind noch keine bekannt. Aber auch hier gilt: nur wenn nachgewiesen wird, dass die Störung des öffentlichen Friedens durch Empörung der Beschimpften beabsichtigt war, kann die Strafverfolgung einsetzen.

Blasphemieparagrafen waren in der Geschichte in der Regel darauf ausgerichtet, den Glauben der Mehrheitsreligion zu schützen. Das kann man sehr gut in Griechenland beobachten, wo der Blasphemieparagraf eigentlich die ‚Ehre Gottes‘ schützt, tatsächlich aber auf die Abwehr von Kritik am griechisch-orthodoxen Glauben abzielt.

§ 166 und ähnliche Gesetze sind eine Folge davon, dass man nicht mehr die Mehrheitsreligion und schließlich auch nicht nur Körperschaften des öffentlichen Rechts schützen wollte. Das Preußische Strafgesetzbuch von 1851 schützte etwa in § 135 die anerkannten christlichen Kirchen vor Verspottung, nicht die sog. Freikirchen und nicht andere Religionsgemeinschaften. 1872 traten dann alle mit Körperschaftsrechten ausgestatteten Religionsgemeinschaften hinzu, also etwa die jüdische Gemeinschaft, weiterhin aber nicht alle christlichen Kirchen.

Eine Problematik, die etwa in Deutschland oder Irland bei der heutigen Fassung der ‚Gotteslästerungsparagrafen‘ entsteht, ist, dass ein friedlicher Protest mit friedlichen Konsequenzen keinen Schutz auslöst. Muss man also, um in den Genuss des Schutzes des § 166 zu gelangen, etwa selbst unfriedliche Maßnahmen ergreifen oder aber den jeweiligen Gegner oder eine andere religiöse Gruppe so provozieren, dass diese zu unfriedlichen Mitteln greift? Oder anders gesagt: die friedliche Begegnung im Protest wird hier gewissermaßen diskriminiert, die unfriedliche dagegen könnte zum Erfolg führen. Ich sage „könnte“, da der Paragraf praktisch nie angewandt wird.

Literatur: Arnold Angenendt, Michael Pawlik, Andreas von Arnauld de la Perrière. Religionsbeschimpfung: Der rechtliche Schutz des Heiligen. Wissenschaftliche Abhandlungen und Reden zur Philosophie, Politik und Geistesgeschichte 42. Berlin: Duncker & Humblot, 2007

‚Defamation of Religion‘

Die Organisation Islamischer Staaten will bekanntlich im UN-Menschensrechtsrat die immer wieder beschlossenen Resolutionen gegen die Kritik an Religionen (‚Defamation of Religion‘) durchsetzen, deren jährliche Verabschiedung (die nächste Abstimmung ist im November 2010) derzeit zum Glück keinerlei Rechtskraft hat.

Dass in den beschlossenen Texten, wie sie die Staaten der Organisation Islamischer Staaten vorgelegt haben, vor allem der Islam und dann noch Christentum und Judentum namentlich erwähnt werden und keinerlei individuelle Rechte angesprochen werden, zeigt, dass es hier nicht um Religionsfreiheit geht, sondern darum, die Religions- und Meinungsfreiheit anderer Religionen und nichtreligiöser Menschen einzuschränken. Hier steht das islamische Denken Pate, das den Islam als letzte und größte Offenbarung sieht, daneben Christentum und Judentum einen Sonderstatus gibt und alle anderen Religionen und den Atheismus als Götzendienst oder Verwerfung Gottes ansieht. Wie ernst die Lage ist, zeigt sich daran, dass Qatar im Menschenrechtsrat erneut den Versuch gemacht hat, die Resolution durch ein Zusatzprotokoll zu den Antidiskriminierungsbestimmungen über den Rang einer reinen Erklärung herauszuheben und in die verpflichtenden Menschenrechtsstandards einzubringen. Die Logik ist, dass es die Menschenrechte einer Religion verletze, wenn sie kritisiert werde. Warum soll das dann aber nicht für jede Form der Kritik gelten und wie soll dann noch Gedanken-, Gewissens- oder Pressefreiheit möglich sein? Es ist erfreulich, dass sich hier die Staaten der EU in ihrer Ablehnung einig sind.

Nachtrag: 2011 und 2012 hat die OIC diesen Antrag nicht erneut gestellt.

Hier das vollständige Gutachten als PDF-Download
http://www.thomasschirrmacher.info/archives/2398

Mohammedvideo 1: Mit zweierlei Maß

Das abscheuliche Mohammedvideo will man verbieten, abscheuliche Äußerungen und Darstellungen gegen das Christentum dagegen erwähnt man meist gar nicht. Wo bleibt da die Gleichbehandlung? Entweder ist Verunglimpfung von Religionen grundsätzlich falsch und zu verbieten oder alle Religionen müssen das im Namen der Meinungsfreiheit aushalten. Wer allerdings rechtssicher prüfen will, wodurch und ab wann sich Gläubige in Wallung bringen lassen, hat einen steinigen Weg vor sich, dessen Gefahren wahrscheinlich größer als sein Nutzen sind.
Im vorauseilenden Gehorsam wird die in Jahrhunderten mühsam erkämpfte Meinungs- und Pressefreiheit sausen gelassen, als würde dadurch auch nur ein Islamist oder Terrorist beeindruckt zum friedlichen Mitbürger!
Dass friedliche Menschen sowieso schneller beleidigt werden als gewalttätige, deren Rache man fürchten muss, ist leider so. Dass man aber aus der Not sogar eine Tugend macht, stellt doch alles auf den Kopf und misst mit zweierlei Maß.
Ich könnte verstehen, wenn Politiker wie der französische Außenminister sagen würden: „Ich bin für Meinungs- und Pressefreiheit. Da es aber Menschen gibt, die darauf völlig falsch, ja kriminell reagieren, bitte ich darum, auf die Provokation zu verzichten.“ Aber so zu tun, als wäre Kritik am Islam an sich falsch, dumm, verwerflich, stellt die Sache doch auf den Kopf!
Wie kommt es, dass viele Kommentare und Berichte angesichts der Beleidigung für die gewalttätige Reaktion der Muslime Verständnis zeigen und die Berichterstattung über die Hintermänner des Films abfälligere Worte findet als die über Gewalttäter oder Regierungen, die zu Gewalt aufrufen oder ihr durch arbeitsfreie Tage Vorschub leisten? Und das sind meist dieselben Medien, die fast nie über die tagtägliche Verunglimpfung von Christen oder Hindus oder Bahai in der islamischen Welt berichten, die oft in Mord und Vertreibung endet!
Richard Herzinger schreibt in seinem lesenswerten Artikel treffend: „Der Islamismus strebt nach der Weltherrschaft“ (Die Welt am Sonntag vom 15.9.2012) treffend: „Entweder naiv oder perfide ist jene Reaktion westlicher Kommentatoren, die unverdrossen ‚Provokationen‘ wie den obskuren Filmschnipsel auf YouTube, der den Propheten Mohammed aufs Unvorteilhafteste darstellt, für die jüngste islamistische Gewaltwelle verantwortlich machen. Rechtsgerichtete ‚Provokationen‘ gegen Muslime, wie sie hierzulande Gruppen wie Pro Deutschland praktizieren, mögen unappetitlich bis rassistisch sein. Solange sie verbal bleiben, unterscheiden sie sich jedoch grundsätzlich von der islamistischen Selbstermächtigung zur Gewalt. Umso verlogener ist die Propaganda gegen den ‚muslimfeindlichen‘ Westen angesichts der brutalen Welle von Christenverfolgung in der arabischen Welt. Und dass diese täglich übelste antisemitische Karikaturen und Hassgesänge hervorbringt, ruft kaum internationalen Protest hervor.“ (siehe hier)
Die muslimischen Verbände in Deutschland haben nach einem halben Jahr die Sicherheitspartnerschaft mit der Bundesregierung aufgekündigt. Dieser ungeheuerliche, ja beängstigende Vorgang war den meisten Medien noch nicht mal eine Meldung wert. Man überlege einmal, christliche Kirchen würden dem Staat Ähnliches erklären! Dieselben muslimischen Verbände fordern die Bundesregierung auf, das Zeigen des Films in Deutschland zu verhindern (selbst in geschlossenen Räumen, wo niemand hingehen muss?), andernfalls könnten sie nicht garantieren, dass es nicht zu Unruhen käme! Von jedem anderen würde das als Drohung oder insgeheime Billigung einer solchen Reaktion angesehen, hier aber kamen keine Proteste in den Medien.
ProMundis Blogeintrag 27. September 2012 von Schirrmacher
http://www.thomasschirrmacher.info/archives/2393

„Innocence of Muslims“

Seit Tagen werden Christen in islamischen Ländern getötet weil ein Mann im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen will. Im Sommer 2012 veröffentlichte der Ägypter Sam Bacile (Pseudonym für Nakoula Basseley Nakoula) seinen 13-minütigen, antiislamischen Video im Internet. Auf Umwegen gelangte der Film „Innocence of Muslims“ („Die Unschuld der Muslime“) an einen ägyptischen Fernsehsender, der Teile davon ausstrahlte. Seitdem nutzen gewaltbereite Muslime das Video als Vorwand um gegen westliche Diplomaten und einheimische Christen vorzugehen. In Ägypten, Tunesien, Libyen, Afghanistan, Pakistan, dem Jemen, Sudan und Indonesien wurden seitdem rund 20 Menschen ermordet.
Für die amerikanischen Behörden ist Nakoula kein Unbekannter. Wegen Bankbetrugs und Steuervergehen wurde der 55-jährige vor drei Jahren zu 21 Monaten Haft und einer Geldstrafe in Höhe von knapp 800.000 Dollar verurteilt.
Auch der anti-islamische Pastor Terry Jones aus Florida, der durch seine angedrohte Verbrennung eines Koran zu einem gewalttätigen Protest in arabischen Ländern beigetragen hatte, steht in Kontakt mit Sam Bacile alias Nakoula.
Nakoula gibt an, er habe den Film aus Ärger über die Gewalt von radikalen Muslimen gedreht. Doch genau diese Gewalt facht er durch seine Aktion an. Offensichtlich wird kein gewaltbereiter Muslim durch einen solchen Film eines Besseren belehrt. Unentschiedene Muslime hingegen fühlen sich angegriffen und geben islamischen Scharfmachern recht, die in ihrer Propaganda behaupten, der Westen wolle den Islam verspotten und Muslime vernichten. Die Situation der Christen in islamischen Ländern verschärft sich durch solche Aktionen noch einmal.
Es besteht kaum eine Aussicht, dass durch „Die Unschuld der Muslime“ irgendetwas Positives bewirkt wird: Säkulare Europäer ärgern sich über „gläubige“ Christen, die vorgeblich den religiösen Frieden stören, gewaltbereite Muslime haben einen weiteren Grund, um gegen ihre christlichen Landsleute vorzugehen, friedlichere Muslime werden fanatisiert und der christliche Glaube wird erneut mit Negativschlagzeilen in Verbindung gebracht. Es ist wohl eine Illusion zu meinen, dass durch solch ein Video ein einziger gewaltbereiter Muslim von seinem Weg abgebracht wird. Aber Christen müssen leiden und sterben, weil jemand meint, seinen Ärger über gewaltbereite Muslime am besten durch polemischen Spott gegenüber Mohammed und dem Islam zum Ausdruck zu bringen.
Das religiös begründete Gewalt in vielen islamischen Ländern ein echtes Problem ist, hat mit solcher bewussten Provokation nur wenig zu tun. Hier wird offensichtlich kein Problem behoben, sondern nur noch verschärft. Michael Kotsch

Gott kommt uns nahe? ein Unterschied des Christetums zum Islam

Im christlichen Glauben kommt Gott in seiner Offenbarung den Menschen nahe. Er kommt zum Menschen, er spricht mit den Menschen, er spricht die Sprache der Menschen, er gibt der Beziehung zwischen Gott und Mensch eine tragfähige Grundlage, indem er sich selbst an sein Wort bindet und als der absolut Treue und Zuverlässige Glauben und Vertrauen ermöglicht.
Gerade deswegen drängt aber die fortlaufende Offenbarung Gottes in der Heilsgeschichte auf eine schriftliche Fassung, die die Zuverlässigkeit greifbarer macht und allen Menschen Gott in menschlicher Sprache nahe bringt.
Die schriftliche Offenbarung ihrerseits drängt aber wieder auf ihre Erfüllung in einer Weise, in der uns Gott von sich aus noch näher kommt: Gott wird in Christus Mensch und „wohnt unter uns“ (Joh 1,14). Gott wird in Christus „Immanuel“, „Gott unter uns“ (Mt 1,23).
Deswegen hebt die Fleischwerdung Gottes in Jesus die schriftliche Offenbarung nicht auf, sondern erfüllt sie als das eigentliche Wort Gottes.
Doch auch damit nicht genug! Gott will uns noch näher kommen. Jesus, wahrer Mensch und wahrer Gott, verlässt nach seiner Auferstehung mit seinem neuen Leib die Erde und sendet an seiner Statt den Heiligen Geist, der nicht nur der gesamten Menschheit viel näher kommen kann, als Jesus, sondern seit Pfingsten in den Gläubigen wohnt, ihrem Geist Gottes Geist bezeugt, und ihnen die innere Kraft gibt, nach Gottes Willen zu leben (Rom 8,34).
Näher kann uns Gott nicht kommen!
Der Dreischritt
1. Schritt: Gott kommt den Menschen nahe, indem er ihre Sprache spricht, sich ihnen offenbart und ihnen seinen Willen auch in schriftlicher Form übergibt. (z. B. 2Tim 3,14?17)
2. Schritt: Gott kommt den Menschen noch näher, indem er selbst in Christus Mensch wird und sich den Menschen unmittelbar offenbart. (z. B. Joh 1,1+14; 14,9)
3. Schritt: Gott kommt den Menschen noch näher, indem er durch seinen Geist in allen wohnt, die an Jesus Christus glauben. (z. B. Röm 8,9?14)
Für einen Muslim ist es schon sehr schwer nachzuvollziehen, dass die Bibel Menschenwort und Gotteswort zugleich ist, da er sich Gottes Wort nur ohne menschliches Zutun denken kann. http://www.thomasschirrmacher.info/archives/1992

Schirrmacher: Islamisten bestrafen wachsenden Mut der Christen

In der islamischen Welt werden alteingesessene Christengemeinschaften zum Ziel von Terror. Die Zeitschrift DIE WELT hat mit Thomas Schirrmacher über die Lage der Christen im Orient gesprochen:
Welt Online: Die Christen werden selbstbewusst – und dafür bestraft?
Schirrmacher: Ja, der historische Deal zwischen muslimischer Mehrheit und christlicher Minderheit wird zunehmend aufgekündigt. Er bestand darin, dass die orientalischen Christen nicht laut und schon gar nicht gegenüber dem Ausland über ihre rechtlichen Benachteiligungen klagten. Im Gegenzug ließ man sie als Bürger zweiter Klasse in Ruhe.
Welt Online: Wo sonst beobachten Sie das Ende dieses »Deals«?
Schirrmacher: Offenkundig im Irak. Nachdem einige irakische Bischöfe begannen, die Weltöffentlichkeit über ihr Leid zu informieren, verschlimmerte sich die Lage der irakischen Christen noch.
Welt Online: Stehen die irakischen Bischöfe denn geschlossen hinter der Strategie öffentlicher Hilferufe?
Schirrmacher: Keineswegs! Viele Bischöfe plädieren dafür, lieber leise diskriminiert zu werden, statt sich laut zu beschweren und dafür ermordet zu werden. Ähnlich riskant leben die Christen in der Türkei: Der Mord an den drei Evangelikalen von Malatya lässt sich ebenfalls als Bestrafungsaktion verstehen. In Malatya war ein Zentrum alteingesessener Türken entstanden, die sich zum christlichen Glauben bekehrt hatten und nun offensiv Gleichberechtigung einforderten. Einige verlangten, in ihrem Ausweis den Eintrag »Muslim« durch »Christ« zu ersetzen, andere wagten, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen – gegen ihren Staat. So viel Selbstbewusstsein dulden Radikalislamisten nicht. Hier: www.welt.de.

Wir sind schuld

Muslimische Intellektuelle und Alltagsrassisten sind mitverantwortlich für den Hass auf die christlichen Kopten, sagt der muslimische Journalist Hani Shukrallah aus Kairo. Er hat einen bemerkenswert selbstkritischen Kommentar zur Lage der Kopten in Ägypten verfasst. DIE ZEIT hat eine Übersetzung publiziert:
Jetzt jedoch, zwei Jahrhunderte nach der Geburt des modernen Ägyptens und zu Beginn des zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts, scheint das, was bisher undenkbar war, nicht mehr jenseits unserer Vorstellungskraft zu liegen: ein Ägypten ohne Christen. Ich hoffe, dass ich, falls das eintrifft, schon lange diese Erde verlassen haben werde. Doch ob tot oder lebendig, dieses Ägypten wird ein Ägypten sein, das ich nicht wiedererkenne und dem ich nicht angehören will. Hier: www.zeit.de.

Der Begriff der „Liebe Gottes“ in der Bibel und im Koran

Zum Vergleich des in Bibel und Koran vermittelten Gottesbildes ist das Attribut der „Liebe” Gottes ein guter Ansatzpunkt, das in der Bibel von zentraler Bedeutung ist.
Liebe” im Alten Testament
In der ganzen Bibel ist Gott der Gott der Liebe. Bereits im Alten Testament begegnet uns Gott als liebender Hirte (Ps 23), als Liebender (Hld), als liebender Ehemann (Hos), als liebender Vater (Jer 31,20), als liebende Mutter (Jes 49,15). An vielen weiteren Stellen wird das hebräische Wort für „Liebe“ (ahava) nicht direkt erwähnt, der Sachverhalt aber behandelt. Im Vergleich zum Neuen Testament spielt das Nomen „Liebe” im Alten Testament jedoch eine untergeordnete Rolle. Das hängt damit zusammen, daß das Hebräische sehr wenige Abstrakta kennt. Doch an vielen Textstellen ist von liebendem Handeln Gottes die Rede, ohne daß der Begriff für „Liebe“ (ahava) direkt Verwendung findet. Liebe im Sinne von agape, liebende Selbsthingabe, findet sich nicht im Alten Testament.
„Liebe” im Neuen Testament
Im Vergleich zwischen alttestamentlicher ahava und neutestamentlicher agape besteht ein entscheidender Unterschied darin, daß agape die Liebe der Selbsthingabe ist. Einige Textstellen machen das unmißverständlich deutlich. In 1Joh 4,8 geht Johannes nach seiner Aussage „Gott ist Liebe” gleich im nächsten Vers dazu über, zu erläutern, wie diese Liebe gefüllt ist: „Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, daß Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen” (Luther-Übersetzung). Ähnliche Aussagen finden sich in Joh 3,16, Röm 5,8 und Gal 2,20. Im Neuen Testament ist Gott explizit selbst diese Art von „Liebe” (agape). Er hat sich in selbsthingebender Liebe durch das Opfer seines Sohnes am Kreuz geoffenbart.
Agape ist eine Liebe, die selbst den liebt, der ihrer nicht würdig ist, Liebe, die sogar den Feind einschließt. Von daher ist sie inklusiver als alttestamentliche ahava. Jesus verwendet diesen Begriff in der Bergpredigt, wenn er von Feindesliebe spricht (Mt 5,43-47). Agape hat nichts zu tun mit gegenseitiger Anziehung, Gefallen oder Freundschaft. Es ist vielmehr eine Sache des Willens, jeden ohne Unterschiede zu lieben. Weiterlesen