Das Apfelbäumchen

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, soll Martin Luther einmal gesagt haben. Oft wird der Reformator entsprechend zitiert. Dieser Satz lässt sich allerdings bisher bei Luther gar nicht nachweisen. „Mit Luther“, so der Lutherforscher Martin Schloemann in der FAZ, „hat der Spruch nichts zu tun“ (Ausgabe vom 12.04.2017, Nr. 87, S. 7). Schloemann weiter:
Das Wort ist vermutlich erst in den dreißiger Jahren entstanden. Der erste belegbare Nachweis stammt von Oktober 1944 aus einem Rundbrief der Bekennenden Kirche in Hessen. Pfarrer Karl Lotz aus Hersfeld setzte das Wort bei seinen Lesern damals bereits als bekannt voraus. Am Ende des Krieges konnte der Spruch zünden. Das Land lag in Trümmern, und die Leute sahen ihre vertraute Welt untergehen. Das Wort passte einfach in die Zeit. Ron Kubsch
http://theoblog.de/das-apfelbaeumchen/29919/

Moderne Gesellschaften sind funktional nicht mehr auf Religion angewiesen.

Die NZZ zitiert den Religionssoziologen Jörg Stolz: „Moderne Gesellschaften sind funktional nicht mehr auf Religion angewiesen.“ Der Wohlfahrtsstaat garantiert materielle Sicherheit, die höhere Bildung greift die Glaubensfundamente an, der medizinische Fortschritt verschafft Heilung. Die Gesellschaft ist überzeugt, dass man den Herausforderungen mit Wissenschaft und Technik begegnet und Beten nicht viel nützt. Ähnliches ergab eine Internetumfrage unter rund 200 000 Menschen zwischen 18 und 34 Jahren, durchgeführt in zehn europäischen Ländern inklusive der Schweiz. 85 Prozent der jungen Erwachsenen sagen, sie können ohne Gott glücklich sein.
Die Wissenschaft beschreibt Religion als System von Praktiken, mit denen Menschen versuchen, Gefahr und Not zu bewältigen und zu verstehen: In der Hungersnot wird dem Wettergott geopfert; in Kriegen wird Bewahrung erhofft, bei Krankheit und Tod wird etwas Grösseres um Heilung und Erlösung angefleht. Nachdem zumindest hierzulande der Hunger technisch-industriell beseitigt ist und die Regierungen demokratisch austariert sind, bleibt als letzte grosse Angst noch der Tod. Kindisch verschliessen wir die Augen vor ihm, wir weichen ihm aus. Öffentliche Abdankungen werden seltener. Aber der Tod hat Zeit; er wartet.
Nein, wir brauchen keine Religion. Nicht, wenn wir darunter eine Praxis verstehen, die uns als Gutmenschen in himmlische Sphären hebt, während wir uns an Geld, Gurus und geheimnisvolle Kräfte binden. Wer wissen will, warum er auf diesem Planeten atmet, der muss seine Suche am anderen Ende beginnen – bei Gott, dem Schöpfer. Die Antworten auf unsere Fragen nach Not und Tod, nach Sinn und Ziel liegen bei ihm.
Wie Gott über uns denkt, erfahren wir an Karfreitag und Ostern in grosser Deutlichkeit. Nicht wir steigen zum Himmel auf. Er kommt zu uns herab! Er löst unser Schuldproblem. Er stirbt unseren Tod. Er kommt zurück ins Leben. Er besiegt den Tod. Er streckt uns seine Hand hin. Unser Schicksal trägt den Namen Jesus Christus. Der Apostel Paulus schreibt im Kolosserbrief: „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes (…) durch ihn und zu ihm hin ist alles geschaffen.“ Jesus sagt: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Es geht nicht um Religion. Es geht um die Frage, die Jesus an Martha gerichtet hat: „Glaubst du das?“ Rolf Hoeneisen  https://www.facebook.com/rolf.hoeneisen?hc_ref=NEWSFEED&fref=nf

Stephen Hawkings Gottesproblem

„Die Zeit begann mit der Entstehung des Universums. Wenn es also vorher keine Zeit gab, konnte es auch keinen Schöpfer geben, der ein bestimmtes Ereignis verursacht hat, da dies ohne Zeit nicht möglich ist. Es gibt also keinen Gott.“(Stephen Hawking)
Tut mir leid, Mister Hawking, aber bei all Ihrer Genialität machen Sie doch immer den gleichen gewaltigen Denkfehler. Ich bin 14 Jahre alt und so etwas wie ein „Astrophysikfreak“, weshalb ich immer wieder auf derartige Aussagen stoße. Und weil Physik und Religion sich eben nicht ausschließen, versuche ich jetzt zu erklären, warum Stephen Hawking genial, aber nicht genial genug ist. Sein Problem ist der Verstand, weil dieser es nicht zulässt, dass Hawking über den Rand eben dieses Verstandes hinausdenkt. Er hält alles für berechenbar. Aber Gott kann man nicht berechnen, weil unser Verstand ihn gar nicht erfassen kann. Hawking begründet weiterhin: „Die Natur lässt nichts Übernatürliches zu, weil sie ausschließlich nach den Naturgesetzen funktioniert“.
Warum sollte Gott sich kleiner machen, als er ist? Sich in Formeln und Zahlen quetschen, die ihn nicht annähernd erfassen können? Und das Wichtigste: Warum sollte Gott an Raum und Zeit gebunden sein, wenn er eben diese erschaffen hat? Warum sollte ein Universum unter genau richtigen Bedingen einfach zufällig entstehen? Will man auf all diese Fragen eine annähernd sinnvolle Antwort geben, kommt man um die Existenz eines Gottes eigentlich gar nicht mehr herum. Gott ist notwendig, um dem Leben einen Sinn zu geben, denn ohne Gott ist das Leben sinnlos, nichts hat Konsequenzen, ob man lügt, stiehlt oder sogar mordet. Alles in der Natur verfällt früher oder später ins Chaos, nur wir Menschen folgen Regeln, Gesetzen und einer Moral.
Warum sollten wir all das benötigen, wenn unser Handeln keine Folgen hätte? Aber weil mir eine solche Erklärung für die kurze Begegnung auf dem Gang zu lang ist, entgegne ich meistens nur: „Und was ist Religion für dich? Glauben oder Verstand?“
Zur Autorin: Laetitia Jennißen ist 14 Jahre jung und kommt aus Deutschland. Sie ist Mitglied bei der Katholischen Pfadfinderschaft Europas. In ihrer Freizeit versucht sie, wissenschaftliche Theorien zu hinterfragen und selbst welche aufzustellen. Sie sieht sich als ein „Astrophysikfreak“.
Der Beitrag erscheint im Rahmen des Jugend-Schreibwettbewerbs von kath.net.
Mehr Infos unter: http://www.kath.net/news/59054

Warum sich jeder mit Friedrich Nietzsche befassen sollte

Friedrich Nietzsche ist der Philosoph, der mich persönlich schon am längsten beschäftigt. Nun kann man meine Überschrift kritisieren und sagen, dass ich mein Steckenpferd doch bitte nicht jedem aufdrängen sollte. Meine Gründe für die Aussage sind vielfältiger als das auf den ersten Moment erscheint. Nietzsche hat Christen und Nichtchristen, besonders auch selbsternannten Atheisten, sehr viel zu sagen. Doch gibt es auch Missverständnisse über ihn, die man nur lösen kann, wenn man sich direkt mit ihm und seinen Werken befasst. Außerdem hat seine Theologie und Philosophie eine Wirkungsgeschichte, die das wahre Wesen des Atheismus aufzeigt.
Am bekanntesten ist wohl Nietzsches Rede vom Tode Gottes in der Fröhlichen Wissenschaft. Nietzsche war nie stolz darauf, dass er endlich diesen Gott umgebracht hat. Manchmal wird das ein wenig so dargestellt. Im Sinne von: Endlich ist die Menschheit weit genug evolviert, um ohne Gott auszukommen. Nietzsche hat sich nie so geäußert. Er hat vielmehr festgestellt, dass es in den Kirchen viel Heuchelei gibt, dass Menschen predigen, die selbst gar nicht so glauben, was sie da erzählen, und so weiter. Unter dem Einfluss von Darwins Evolutionslehre hat er gedacht, dass der Mensch irgendwann diesen Gott nicht mehr braucht, und Nietzsche selbst sah seine Lebensaufgabe darin, herauszufinden, wie der Mensch ohne Gott leben kann; welche Werte er auch ohne Glauben tatsächlich noch vertreten kann.
Nietzsches Leben und Werk zeigt den schrecklichen Einfluss, den die liberale Theologie auf einen jungen Menschen haben kann. Als er David Friedrich Strauß‘ „Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet“ in der gekürzten, einbändigen Ausgabe las, verlor der junge, fromme Pietist seinen Glauben. Strauß wollte den historischen Jesus in den Evangelien finden – und am Ende fand er ihn nicht, sondern brachte auch noch seine Leser vom Glauben ab. Wir sollten uns an das Schicksal von Nietzsche erinnern, wenn wir uns historisch-kritischen Theologen wie Siegfried Zimmer und anderen öffnen.
Nietzsches Werk zeigt aber auch, wie ein echter Atheist zu denken und leben hat, wenn er denn bereit ist, kompromisslos mit Haut und Haaren seinen Atheismus zu bedenken und zu leben. Er muss im Zuge der Evolutionslehre vom Überleben des Stärkeren ausgehen und alle Hilfe dem Schwächeren gegenüber ablehnen. Warum? Weil sich dann nur die starken Gene weiter fortpflanzen. Die Neuen Atheisten sind allesamt Heuchler, die meinen, dass Atheismus auch Humanität beinhalten könne. Nietzsche zeigt sehr deutlich auf, dass das ein Widerspruch in sich selbst ist.
Nietzsches Werk macht aber auch sichtbar, dass es selbst in einer atheistischen Welt ein Metanarrativ, also eine übergeordnete Weltgeschichte und eine klare Weltanschauung braucht. Deshalb schrieb Nietzsche den Zarathustra. Dieser sollte als Bibel für die gottlose Zeit gebraucht werden. Er merkte, dass der Mensch nicht ohne Geschichte und ohne ein Staunen über seine Umwelt leben kann. Hierin zeigt sich Nietzsche aber auch wieder als unauthentisch und kompromissbereit. Für Christen sollte dies ein Grund sein, die biblische Heilsgeschichte und Weltanschauung ernst zu nehmen und daran aufzuzeigen, dass es die bestmögliche Art und Weise ist, die Realität zu betrachten.
Gerade auch die Wirkungsgeschichte von Nietzsches Werk sollte spätestens jeden denkenden Menschen überzeugen, dass der echte Atheismus eine gefährliche Ideologie ist, die besonders auch nicht mit dem Gewissen des Menschen vereinbar ist. Zahlreiche hohe Persönlichkeiten des Nationalsozialismus und der verschiedenen Kommunismen waren stark von Nietzsche beeinflusst. Wenn man dieser Tatsache ehrlich ins Auge schaut und sich fragt, was wir von Nietzsche lernen können, dann könnte ein möglicher Gedanke folgender sein: „Nie wieder Atheismus!“ Eingestellt von Jonas Erne http://jonaserne.blogspot.de/2017/02/warum-sich-jeder-mit-friedrich.html

Henning Mankell ist 2015 gestorben.

Prophet im Hier und Jetzt
Mit der Religion tat er sich schwer, zumal mit der institutionellen. Doch auch Christinnen und Christen wird neben Kommissar Wallander auch Mankells Aufrichtigkeit fehlen. Ein Nachruf. Von Peter Otten
Vor ein paar Tagen ist Henning Mankell gestorben. Er blickte mich an, melancholisch, die schlohweißen Haare wie so oft ein wenig zerzaust und hinten kragenlang, auf dem Nachruf-Bild der Tagesschau. Mankell hatte Lungenkrebs und eine Metastase im Nacken. Dem „Stern“ beschrieb er den Moment, nachdem sein Arzt ihm das alles erzählt hatte: „Meine Frau und ich fuhren mit dem Taxi nach Hause. An einer Kreuzung sah ich ein kleines Mädchen, sechs, sieben Jahre alt, sie hüpfte voller Freude in einer Schneewehe auf und ab. Ich dachte, dass ich so auch oft gehüpft bin. Und dass ich jetzt nicht mehr hüpfe. Dass jetzt nur noch sie hüpft. Dass sich mein Leben gerade fundamental verändert hat, für immer.“
In den letzten beiden Jahren seines Lebens hatte Mankell an einem letzten Buch gearbeitet. „Treibsand“ heißt es, und es handelt davon, was Menschen anderen Menschen am Ende ihres Lebens hinterlassen. Schönes, Absurdes und Schreckliches. Am Anfang ist das Buch auch eine Reise zurück in seine eigene Kindheit, auch zu ersten Begegnungen mit der Religion, die für ihn immer unverständlich blieb.
Mankell erzählte, dass sein Vater immer versucht hatte, ihn vor allem Religiösen zu bewahren. Im Buch beschreibt er eines seiner ersten Erlebnisse mit der Religion in der Schule: „Ich erinnere mich besonders gut an einen Krankenhauspastor“, schreibt er. „Er kam in regelmäßigen Abständen ans Gymnasium und berichtete von den letzten Stunden junger Menschen während seiner seelsorgerischen Betreuung im Krankenhaus. Der Tenor seiner Auslassungen war, dass die Angst vor dem Tod auch bei jungen Menschen erträglich werden könne, wenn man seine Seele Gott anvertraue. Die Sentimentalität und die Falschheit waren abstoßend. Fast jedes Mal brachten seine eigenen Erzählungen ihn zum Weinen. Er kam mir vor wie eine Figur aus einer der bigottesten Geschichten in der Sonntagsschule.“ Vielleicht war für Mankell die Begegnung mit dieser abstoßend gefühligen, unechten und übergriffigen Art von Religion die Initialzündung dafür, seine eigene Berufung in einer aufrechten Anuthentizität gegenüber und in dem Leben zu begreifen, die in seiner Biographie mit allen Brüchen doch so vielfältig zu finden war. Seine Religion war die Literatur. Er habe versucht, die Welt zu durchdringen, indem er möglichst viel über sie in Erfahrung bringen wollte, bis zuletzt: „Wenn die Agonie kommt, lese ich und verschwinde einfach in einem Buch. Egal, in welchem. Es kann ein Buch sein, das ich schon zehnmal gelesen habe. Lesen beruhigt mich besser als eine Pille. Bücher sind meine Kathedralen.“
„Ich bin nicht religiös und bin es auch nie gewesen“, schreibt er. „Jetzt, da ich Krebs habe, bin ich oft erstaunt über Menschen, die in ihrem Glauben Trost finden. Ich respektiere sie, aber ich beneide sie nicht.“ Er begründet seine Haltung so: „Ich respektiere Menschen, die an ein Leben nach dem Tod glauben. Aber ich verstehe sie nicht. Mir kommt die Religion wie eine Entschuldigung dafür vor, dass man die Grundbedingungen des Lebens nicht akzeptiert. Hier und jetzt, mehr ist es nicht. Darin liegt auch das Einzigartige unseres Lebens, das Wunderbare.“ Das Hier und jetzt zu achten und zu preisen, das steht auch einem religiösen Menschen gut an.
Für Mankell war das Hier und Jetzt eine Herausforderung: das Schreiben – und später das Theaterspiel mit vielen jungen Menschen im afrikanischen Maputo. Zuletzt sein Engagement im Operndorf in Burkina Faso, das sein Freund Christoph Schlingensief nach seinem Tod nicht mehr fortführen konnte. Mankell formte daraus seine Lebensaufgabe, „ein anständiger Mensch“ zu sein, das hat der Humanist und überzeugte Sozialist bis in seine letzten Tage hinein immer wieder gesagt. Luther und Calvin nannte er einmal seine Vorbilder. Er wolle die Welt ein bisschen besser zurücklassen, als er sie vorfand. Liest man dieses späte Buch, seine letzten Interviews, bleibt der Respekt vor einem Menschen, der um das rätselhafte Geschenk des Lebens wusste und aus diesem Wissen eine erwachsene Haltung voller Aufmerksamkeit, Achtung, politischem und sozialem Blick – und auch Demut formte, gerade vor den Rätseln, die immer Rätsel bleiben werden: „Wir kommen aus dem Dunkel, wir gehen in das Dunkel. Das ist das Leben“, sagte er. „Wenn ich höre, dass die Leute forschen, um das Leben ins Unendliche zu verlängern, habe ich dafür kein Verständnis. Das Fantastische am Leben ist doch, dass es endet.“ Das ist Prophetie im besten Sinn. Auch Christinnen und Christen wird seine Stimme fehlen. Eingestellt von Peter Otten um 12:14
http://theosalon.blogspot.de/2015/10/prophet-im-hier-und-jetzt.html#more

Warum glaubt der Mensch? Ein Artikel aus „National Geographic“

„National Geographic – Dez 2015 – Warum glaubt der Mensch? Text: Teja Fiedler.“
Vorbemerkung: Als National Geographic als deutschsprachige Zeitschrift erschien, hatte ich mich sehr gefreut: fundierte Texte kombiniert mit hervorragenden Bildern. Zehn Jahre lang hatte ich sie gelesen. Allerdings nervte mich zunehmend die antichristliche Einstellung der Zeitschrift, die bis zu einer wissenschaftlich getarnten Überheblichkeit über religiöse Menschen ging. Daher bestellte ich sie wieder ab. Kurz vor Weihnachten entdeckte ich im Zeitschriftenhandel dann die Ausgabe Dezember 2015. Auf der Titelseite dieser Ausgabe steht in weißer Schrift: Warum glaubt der Mensch? Die Frage (und natürlich auch die Antworten) interessieren mich sowohl aus theologischer als auch sozialwissenschaftlicher Sicht. Also die 5,50 € investiert und mehrmals gelesen. Eigentlich wollte ich eine Rezension schreiben. Aber es wurden nur ein paar Anmerkungen. Zumindest weiß ich jetzt wieder, warum ich diese Zeitschrift nicht mehr lese.
„Ratlos und und ohnmächtig stand er [der Urmensch, Anm, von mir] vor den Naturgewalten … Woher kamen sie? Das überstieg seinen praktischen Verstand, und er warf sich ehrfürchtig vor dem Unbegreiflichen nieder in der Hoffnung, es wenigstens so besänftigen zu können.“ Weiterlesen

„Weißt Du, wie Du Gott zum Lachen bringen kannst? Erzähl ihm Deine Pläne.“

„Weißt Du, wie Du Gott zum Lachen bringen kannst? Erzähl ihm Deine Pläne.“ Blaise Pascal
Der Humor ist eine Seelenhaltung, der Status weltüberwindender Distanz. Die Überwindung besteht darin, dass er die Welt relativiert, ohne sie zu verachten. Gerade die Sicherheit in der Differenzierung zwischen Letztem und Vorletztem zeichnet den Christen aus. Der Christ macht sich über das Vorletzte lustig, während ihm das Letzte unantastbar und heilig bleibt.
„Der christliche Humor lebt nicht von einer selbst errungenen Distanz zur Welt, aus der er das Weltgetriebe zu belächeln vermag (Anmerkung des Autors: das wäre tragischer Humor oder sarkastischer Humor), sondern er lebt von einer Botschaft, in deren Namen er zur Freiheit des Lächelns ermächtigt ist.“ Helmut Thielicke
„Als Luther gefragt wurde, was Gott in der Ewigkeit vor der Erschaffung der Welt getan habe, gab er zur Antwort, er habe im Busch gesessen und Ruten geschnitten für die, welche solch törichte Fragen stellen“.
Sigmund Freud vermochte zwar sein Lebtag keinen einzigen Patienten mit Hilfe seiner Psychoanalyse zu heilen, er erkannte aber mit genialer Hellsicht: „Der Witz ist die letzte Waffe des Wehrlosen.“
»Denn wenn der Heilige Geist sagt, Gott lache und spotte den Gottlosen, so tut er es um unsertwillen, damit auch wir mit Gott lachen und nicht zittern und zagen. Wer das immer und überall kann, der ist ein wahrer Doktor der Theologie, aber weder Petrus, noch Paulus, noch die anderen Apostel haben es gekonnt, darum  müssen auch wir bekennen, dass wir in dieser Kunst noch Schüler und noch keine Doktoren sind.« Martin Luther
Ps 126: »Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.
Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Heiden: Der Herr hat Großes an ihnen getan.
Der Herr hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.
Herr, wende unser Gefängnis, wie du die Wasser gegen Mittag trocknest!
Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin  und weinen  und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.«
„Auch ist es nirgendwo untersagt, zu lachen, sich am Klang der Musik zu freuen oder Wein zu trinken“ Johannes Calvin

Hudson Taylor zum Thema Bibelkritik

Hudson TaylorDer bekannte Tübinger Theologe Karl Heim erlebte Hudson Taylor im August 1893 auf einer Studentenkonferenz in Frankfurt am Main. In seiner Autobiographie „Ich gedenke der vorigen Zeiten“ schreibt er unter anderem:

„Eine weitere, ganz besonders prominente Persönlichkeit, die in Frankfurt dabei war, war der englische Missionsarzt Hudson Taylor, eine wahrhaft apostolische Erscheinung. Ich hatte von ihm schon manches gelesen und gehört. Ich wußte auch, wie er zum Glauben an Christus gekommen war. Er hatte, wie Augustin, eine Mutter, die eine gläubige Beterin war.

Besonders auf uns Tübinger machte Hudson Taylor einen starken Eindruck. Wir hatten noch nie einen Mann kennengelernt, dessen Leben wie das der Apostel und Propheten bis in alles einzelne hinein unter göttlichen Befehlen stand. Wir kamen ja aus dem Tübinger Stift, der Hochburg der liberalen Theologie und Bibelkritik. Wir umringten darum Hudson Taylor und stellten ihm die Frage: Wie können Sie an jedes Wort der Bibel glauben? Er gab uns zur Antwort:

»Wenn Sie morgen wieder von Frankfurt abreisen wollen, so schlagen Sie das Kursbuch auf und sehen nach, wann der Zug abgeht. Und wenn da steht, um sieben Uhr morgens fährt der erste Zug, so stellen Sie weiter keine Untersuchungen an über die Zuverlässigkeit des Kursbuchs, sondern gehen morgens sieben Uhr auf den Bahnhof und finden dort den angegebenen Zug. Genauso wie Sie es mit dem Kursbuch machen, habe ich es seit fünfzig Jahren mit der Bibel und ihren Geboten und Zusagen gemacht, und ich habe ihre Weisungen in einem langen Leben auch unter hunderten von Todesgefahren immer richtig gefunden. Wenn zum Beispiel in der Bibel steht: ,Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes, so wird euch alles übrige zufallen`, so habe ich mich danach gerichtet, und ich bin dabei in allen kritischen Lebenslagen nie enttäuscht worden. Handeln Sie ebenso, und Sie werden dieselbe Erfahrung machen!«

Die einfache Antwort auf unsere kritische Frage, hinter der aber ein langes Leben in Nöten und Gefahren stand, machte uns großen Eindruck.“
– John C. Pollock, Hudson Taylor, S. 242

Wir sind in einer postfaktischen Gesellschaft angekommen.

„Die Wissenschaft sei mit ihrem alten Versprechen gescheitert, an die Stelle von Religion und Aberglauben eine auf Vernuft und Überprüfbarkeit gebaute Welt zu setzen. ….“ So die Zeitschrift „Der Spiegel“ 01/2017
Der Spiegel führt weiter aus, dass die Wissenschaft die Sinnlücke nicht füllen konnte, im Gegenteil. Wir sind in einer postfaktischen Gesellschaft angekommen. „Zuerst verliert die Wissenschaft an Glaubwürdigkeit und danach alle anderen Instanzen, und dann erfasst die Erosion … den Alltag. Was kann man noch glauben? … Was machen?“ Wir haben eine Errosion des Vertrauens!
34% der Deutschen versuchen die komplizierte Welt mit Verschwörungstheorien zu erklären.
Ganz ehrlich: Wäre es nicht dran, die Wahrheit wieder bei Jesus Christus zu suchen? Wir feiern ja dieses Jahr 500 Jahre Reformation (#Luther2017 ). Die grösste Errungenschaft der Reformation war, einen unverstellten Blick auf Jesus zu ermöglichen. Ich finde einfach vor dem Fürwahrhalten von verrückten Verschwörungsthreorien, wäre ein Blick in die Bibel dran.
https://www.bibleserver.com/text/HFA/R%C3%B6mer15%2C13
Peter Schneeberger

Von meinem Recht, dagegen zu sein.

In der Nacht, als Trump siegte, sangen vor dem Weißen Haus Chöre gegen Ausgrenzung und Rassismus. Sie sorgten damit bei mir für einen Schub des Nachdenkens, dessen Ergebnis dieser Artikel ist: warum, fragte ich mich, stellen sich da bei mir die Nackenhaare auf, obwohl ich weder Rassist bin noch irgendjemanden ausschließen möchte? Was ist daran falsch, oder erscheint mir zumindest so?
Das Problem, so scheint mir, ist, dass in weltanschaulichen Fragen heute keine Meinung mehr vertreten wird, sondern eine Nicht-Meinung. Genauer noch: es ist MEINE Nicht-Meinung, für die andere eintreten. Sie vertreten nicht ihre Meinung, sondern fordern, dass ich keine habe oder sie zumindest für mich behalte. Nicht mehr bestimmte Meinungen werden bekämpft, sondern Meinungen an sich. Sind nämlich persönliche Einstellungen erst Privatsache, entfallen alle Reibungspunkte in der Gesellschaft. Dann gibt es keinen Konflikt mehr und es herrscht Frieden. Weniger nett formuliert ist es die Logik jeder Diktatur: solange alle die Schnauze halten, herrscht Ruhe.
Folglich darf ich beispielsweise für mich entscheiden, niemals abzutreiben, aber ich darf dies von niemandem fordern. Schon die Äußerung, dass ich Abtreibungen möglicherweise für falsch hielte, darf nicht sein. Selbst die Idee, dass Kinder etwas Schönes sind, könnte jemanden stören, der sich gegen sein Kind entschieden hat, und darf folglich nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Nichts erscheint zu übertrieben, als dass es nicht Realität werden könnte: „Dear Future Mom“, ein Spot, der Eltern von Kindern mit Down-Syndrom ermutigen soll, darf in Frankreich nicht im Fernsehen gezeigt werden. Gerichtliche Begründung: Der Spot könne auf Frauen verstörend wirken, die abgetrieben haben.
Hier stehen zwei Rechte gegeneinander: das tatsächliche Recht zu reden und das vermeintliche, nichts hören zu müssen. In meiner Jugend kursierte ein dummer Spruch: Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern, aber niemand hat die Pflicht, ihm zuzuhören. Heute ist daraus eine noch viel dümmere Realität erwachsen: jeder Hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern, solange sichergestellt ist, dass niemand sie anhören muss. So werden Meinungen jeder Art immer weiter aus der Öffentlichkeit verbannt. In diesem Licht gesehen bekommen positive Aussagen plötzlich einen Beigeschmack. Wenn ein Chor singt, man solle niemanden ausgrenzen, meint er, ich dürfe nicht sagen, dass ich gegen ausgelebte Homosexualität sei. Aus „grenze nicht aus!“ wird: „Schweig!“. Daher die stehenden Nackenhaare.
Da Meinungen an sich schlimm sind, setzt man sich nicht mit ihnen auseinander. Stattdessen bekämpft man die, die eine Meinung haben, als Ursache des Übels. Nicht für Abtreibung wird demonstriert, sondern gegen Abtreibungsgegner. Nicht für die Rechte Ausgegrenzter gehen die Leute auf die Straße, sondern gegen Rassisten. Brücken werden gebaut, um die gespaltene Gesellschaft wieder zu einen. Doch die Brücken sind verlogen: sie tragen nur Nackte, die ihre Meinung nicht mitnehmen. Jeder ist willkommen, solange er die Schnauze hält; die geeinte Gesellschaft ist meinungsfrei. Nur ein Chor ist erlaubt: der, in dem gegen Meinungen polemisiert wird. Und jeder, der mit anderen Menschen eine Meinung teilt, gilt als Populist.
Es herrscht Angst, und es ist die Angst von Weicheiern. Angemessen wäre es, mir in Diskussionen zu sagen, dass ich Blödsinn rede, und zwar aus folgenden Gründen: erstens, zweitens, drittens. Das bringt etwas. Doch was ist von Menschen zu halten, die es nicht ertragen, dass ich auch nur beginne, in ihre Richtung Einwände vorzubringen? Die bei der bloßen Möglichkeit in Panik geraten und da ein Gesetz gegen machen wollen? In „1984“ fällten wenigstens noch grausame Menschen die Urteile über Meinungsverbrechen, die wussten, was sie taten – heute sind es dümmliche Mimosen, die aus lauter Panik vor dem, was sie selbst tun, die Augen verschließen. Um nicht erkennen zu müssen, dass es um Meinungen geht, flüchten sie sich in die Idee, es seien Krankheitsbilder: der Begriff „Homophobie“ spricht Bände. Dass damit die absurde Situation entsteht, dass eine Angst strafbar gemacht werden soll, ist ihnen egal. Wenn nur die andere Meinung keine Meinung mehr ist, sondern eine Erkrankung, und damit auf jeden Fall falsch. Und wenn die eigene Meinung nur endlich hinter der Idee verschwindet, sie sei keine Position unter anderen, sondern alle Andersdenkenden seien einfach krank. „Homophobie“ schafft keinen Konflikt, sondern ist der verzweifelte Versuch, einen zu vermeiden.
Und alles, was da nicht mitspielt, wird in Panik niedergebrüllt, intellektuell verlacht, verachtet oder sonstwie auf Distanz gehalten. Denn was man selbst vertritt, ist nicht etwas, das man auch anders sehen könnte. Man selbst vertritt die vermeintliche Grundlage der Gesellschaft überhaupt, Gesundheit, Freiheit. Nur eines ist wichtig: keine Auseinandersetzung mit anderen Meinungen, denn das ist gefährlich. Memmen! Sie folgen jedem, der ihnen erklärt, man müsse zu diesem oder jedem keine Meinung haben.
Ein anständiger Gegner hat eine Rüstung, doch innen ist er weich. So kann man ihn treffen und verwunden, doch man muss geschickt dazu sein. Und man kann die Rüstung ausziehen und sich mit ihm anfreunden. Die Gegner heute jedoch sind außen weich und offen für alles. Entsprechend werden sie von allem und jedem schwer getroffen und sind so verwundet, dass sie vor jeder Berührung Panik haben. Innerlich aber sind sie so verhärtet, dass sie nur noch äußerlich zu Freundschaften fähig sind. Mit ihnen zu ringen muss bedeuten, sie innerlich wieder weich zu machen. Irgendwie in den Bereich vorzudringen, in dem sie ihre Eigenschaften weggesperrt haben, um die Nicht-Eigenschaften nicht zu stören, wo sie ihr Geschlecht knechten, um ihr Gender vor Zweifeln zu schützen. Den ganzen anonymen Mitläufern der aggressiven Masse von Meinungsgegnern fehlt vor allem eines: Ermutigung zu sich selbst.
Das einzige, was wir tun können, ist, nicht nur zu unseren Meinungen zu stehen, sondern immer auch zu Meinungen an sich, seien sie nun unsere oder nicht. Kurz: zur politischen Freiheit zu stehen. Pluralismus können nur die garantieren, die ihr eigenes Singular zum Plural beisteuern und so die Idee als Unsinn entlarven, Vielfalt entstehe, wenn keiner mehr denkt. Mein Recht, dagegen zu sein, ist die Grundlage für andere, dafür zu sein. Wer es mir nehmen will, kann mir viel Ärger bereiten. Doch sich selbst nimmt er die Basis für Persönlichkeit. http://echoromeo.blogspot.de/2016/12/von-meinem-recht-dagegen-zu-sein.html