Selbstüberwindung

Echte und überflüssige Berater, Coachs, Therapeuten oder Gurus geben einem heute fast immer selbe Mantra: „Mach wozu Du List hast!“ oder anders ausgedrückt: „Du weißt am besten, was für Dich gut ist!“ – Natürlich hört sich das ziemlich gut an, denn wer will sich schon von jemand anders sagen lassen, was in einer bestimmten Situation dran ist oder wovon man besser die Finger lassen sollte. Viele Menschen fragen zwar nach der Meinung anderer, suchen in Wirklichkeit aber nur eine begeisterte Zustimmung. – Ok, dann gilt heute also: „Du bist absolut toll! Alles was Du machst und willst ist absolut Hammer!“ – Damit sind die meisten bestens zufrieden und die Freundschaft ist erst einmal garantiert. Nur stimmt dieser Zuspruch eben nicht immer.
Manchmal hat man keinen wirklichen Durchblick. Dann rät einem das Gefühl genau zu der falschen Entscheidung. Oftmals ist das Richtige eben auch mit Mühe, unangenehmer Selbsterkenntnis oder Überwindung der eigenen Trägheit verbunden.
Wahrscheinlich gibt es kaum ein erstrebenswertes Ziel, dass nicht auch etwas kostet. Ohne ein gewisses Maß an Selbstüberwindung bekommt man höchstens kurzfristige Befriedigungen: billige Komplimente bei lauter Musik und Alkohol; relativ schnelle Erfolge beim Zocken am Computer; Angebereien oder billige Witze, Leute abzocken für den eigenen Vorteil usw.
Echt lohnenswerte Ziele kosten Selbstüberwindung: Die Überwindung im Sport nicht aufzugeben, auch wenn die Muskeln schmerzen und die Leistung nur langsam steigt. Die Überwindung sich mit einem neuen Instrument immer wieder zum Üben hinzusetzen, auch wenn ein Musikstück selbst nach 10 Stunden noch nicht konzertreif ist. Die Selbstüberwindung, sich in einer Partnerschaft auf die Eigenarten und Fehler des Anderen einzustellen, auch wenn sie nerven. Die Selbstüberwindung eigene Bequemlichkeit zurückzustellen, um sich Zeit für Gott und für andere Menschen zu nehmen, auch wenn man gerade keinerlei Lust dazu hat. – Gut das Gott Kraft gibt um das Unangenehme tun zu können!
„Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt.“ (Epheser 6, 13) Michael Kotsch

„… und aus ist’s mit der Lenkerei“

„... und aus ist’s mit der Lenkerei“

Michail Bulgakows Der Meister und Margarita ist eines der populärsten Werke der modernen russischen Literatur. 1940 vollendet konnte der Roman erst 1966/67 in der Sowjetunion erscheinen. Der Teufel selbst treibt darin in der Gestalt von Voland, des „Spezialisten für schwarze Magie“, in Moskau sein Unwesen.
In der ersten Szene verwickelt er zwei Schriftsteller in ein Gespräch. Einer arbeitet gerade an einem literarischen Angriff auf das Christentum. „Wenn es keinen Gott gibt, wer lenkt dann eigentlich das menschliche Leben und überhaupt den ganzen Ablauf auf der Erde?“, wendet Voland ein. „Der Mensch selbst“, so einer der Schriftsteller. Der Teufel bleibt skeptisch: „Um das alles zu lenken, bedarf es schließlich eines genauen Planes für einen halbwegs angemessenen Zeitraum“. Wie will der Mensch aber alles lenken, wenn er nicht „für so eine lächerliche Frist von… eintausend Jahren“ planen kann? Außerdem kann er sich „nicht einmal sicher sein, was ihm selber der morgige Tag bringt“. Er nennt das Beispiel eines Lungensarkoms, „und schon ist es aus mit Ihrer Lenkerei!“ Den Autor des „antireligiösen Poems“ lässt Voland tatsächlich bald darauf bei einem Unfall sterben.
Wer steht am Ruder des Weltgeschehens – wir selbst, der Teufel oder Gott? In wessen Hand ist unser eigenes Leben? Bulgakows Teufel stürzt Moskau in Verwirrung und betreibt selbst fleißig Lenkerei. Im Roman bleibt es letztlich offen, ob der Mensch der Willkür des Teufels ganz ausgeliefert ist und ob es einen göttlichen Lenker gibt. Voland bekräftigt aber die Existenz Gottes, und auch in der Bibel heißt es ja, dass Teufel und Dämonen in gewissem Sinne an Gott glauben – „und zittern“ (Jak 2,19). Der wahre Teufel handelt aktiv in der Welt und versetzt sie nur zu gern in Chaos, was besonders in Kriegen sichtbar wird. Jesus selbst nannte ihn den „Fürsten dieser Welt“ (Joh 12,31). Auch der Mensch soll über die Natur herrschen, die Erde als eine Art Vizeregent Gottes verwalten (Gen 1,26.28).
Doch der „oberste Herr und Lenker aller Dinge“, so Johannes Calvin im Genfer Katechismus, bleibt Gott selbst. Er lenkt „die ganze Ordnung der Natur“ und „regiert über alle Geschöpfe“. Auch alles Böse und die Teufel unterliegen seiner Kontrolle. Der Reformator weiter: „Es stünde schlimm um uns, wenn den Teufeln und gottlosen Menschen ohne Gottes Willen irgendetwas erlaubt wäre. Bei dem Gedanken, ihrer Willkür ausgesetzt zu sein, müssten wir ja stets unruhigen Gemüts sein. Nur dann können wir ganz ruhig sein, wenn wir wissen, dass ihnen durch Gottes willen Zügel angelegt sind und sie wie in einer Burg gefangen sind, so dass sie ohne seine Erlaubnis nichts tun können.“
„Der Mensch denkt: Gott lenkt – Keine Red davon!“, spottete Bertold Brecht in Mutter Courage. Er spielte damit an Sprüche 16,9 an: „Ein Mensch kann seinen Weg planen, seine Schritte aber lenkt der Herr.“ Auch gläubige Menschen planen natürlich ihr Leben, aber sie wissen und erfahren, dass Gott sie in diesem Planen, Nachdenken und Entscheiden lenkt. Gerade wenn die Zukunft offen und unsicher ist, können sie daher „ganz ruhig“ sein und Gottes Lenkung oder Führung vertrauen.
In der Theologie wird die Lenkung des gesamten Weltgeschehens durch Gott unter dem Begriff „Vorsehung“ betrachtet. In den meisten reformierten Bekenntnissen finden sich dazu Abschnitte (so im Hugenottenbekenntnis von 1559, Art. 8, oder im Zweiten Helvetischen Bekenntnis, 1566, Art. 6,1). Sehr gut erläuertert der Heidelberger Katechismus (1563) in Fr. 27 die Vorsehung: „Die allmächtige und gegenwärtige Kraft Gottes, durch die er Himmel und Erde mit allen Geschöpfen  wie durch seine Hand noch erhält und so regiert, dass Laub und Gras, Regen und Dürre, fruchtbare und unfruchtbare Jahre, Essen und Trinken, Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut und alles andere uns nicht durch Zufall, sondern aus seiner väterlichen Hand zukommt.“
Auf der Linie Calvins betont auch das Niederländische Bekenntnis (1561) in Art. 13 den persönlichen Trost durch diese Lehre: „Wir glauben, dass der liebe Gott, nachdem er alle Dinge geschaffen hatte, sie keineswegs der Willkür des Zufalls oder Schicksals überlassen hat, sondern dass er selbst, nach Vorschrift seines heiligen Willens, sie immerwährend so regiert und lenkt, dass nichts in der Welt ohne seinen Willen und seine Anordnung geschieht… Diese Lehre aber bringt uns unermesslichen Trost. Denn aus ihr lernen wir, dass uns nichts zufällig trifft, sondern alles nach dem Willen unseres himmlischen Vaters geschieht, der für uns mit wahrhaft väterlicher Sorge wacht… Hierbei beruhigen wir uns völlig, indem wir wissen, dass Gott die Teufel und alle unsere Feinde gleich wie mit einem Zügel so im Zaum hält, dass sie ohne seinen Willen und seine Erlaubnis niemand von uns schaden können.“
Auf dieser von Sünde und Leid gekennzeichneten Erde bedeutet Vorsehung also nicht die Auslöschung alles Bösen, sondern dessen Kontrolle. Mehrfach taucht in den reformierten Texten dafür das Bild der Zügel auf. Der Heidelberger nennt ungewöhnlich konkret verschiedene Übel wie Dürre, Krankheit und Armut. In Hebräer 11,35f ist sogar von Folter und gewaltsamen Todesarten der Glaubenshelden des Alten Testament die Rede.
Das Böse, der Teufel und eine Vielzahl von üblen Gestalten wirken in der Geschichte, aber Gott setzt ihnen auch Grenzen. Die Weihnachtsgeschichte bekräftigt dies. Herodes der Große, der mächtige Vasall der Römer, zwingt die Familie Jesu zur Flucht und ermordert dann auch noch ungehindert Kleinkinder in Judäa (Mt 2,14–16). Die „Könige der Erde“ (Ps 2,2) lehnen sich gegen den „Gesalbten“ auf, aber Gott lacht über sie, ja verspottet sie (V. 4). Zu Pilatus, der auch eine wichtige Figur in Bulgakows Roman ist, sagt Jesus: „Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre“ (Joh 19,11). Zu seiner Zeit „stößt er die Gewaltigen vom Thron“ (Lk 1,52). Denn es ist wahrlich nicht „der Mensch selbst“, der die Geschicke der Welt lenkt. Dies ist eine demütigende Wahrheit, die aber auch „unermesslichen Trost“ schenkt. http://lahayne.lt/2018/12/19/und-aus-ists-mit-der-lenkerei/

Schneeballschlachten

Im kleinen Ort Severance im US-Staat Colorado sind Schneeballschlachten seit 100 Jahren illegal. Dass das Werfen von Schneebällen in diesem Winter erstmals offiziell erlaubt sein wird, geht zurück auf die Initiative des 9-jährigen Dane Best. Drei Minuten dauerte sein Plädoyer vor dem Gemeinderat. Dane forderte, dass jeder in Severance in der Lage sein soll, „eine Schneeballschlacht zu haben, wie überall auf der Welt“. Der Rat folgte seinem Antrag einstimmig.
Nicht nur wir fragen uns, wie es zu einem Schneeball-Verbot gekommen ist. Das taten auch die Gemeindebehörden von Severance. Beim Nachforschen stellten sie fest, dass der Ursprung des Wurfverbots ziemlich unklar ist. Seine Wurzeln liegen wohl in einer Regelung aus dem Jahr 1921. Nach dieser ist es untersagt, „Steine oder jegliche anderen Wurfgeschosse“
auf Menschen, Tiere, Gebäude, Bäume und Fahrzeuge zu werfen. Irgendwelche Entscheidungsträger in der Vergangenheit müssen Schneebälle auf diese rote Liste gesetzt haben. Es brauchte fast 100 Jahre und einen 9-jährigen Jungen, um ein ständig weitergesagtes, aber unbegründetes und unsinniges Verbot umzustossen. Schneeballschlachten fördern die Lebensfreude!
Wie wir reden, leben, denken und glauben, ist es doch richtig, oder? Oder kann es sein, dass wir Regeln und Traditionen als Wahrheit betrachten, ohne deren eigentlichen Grund zu kennen? Ich fürchte nämlich, dass wir weit mehr von unserer Kultur, Familie und Sprache geprägt sind, als wir meinen. Wir müssen aufpassen: Während wir die Pollen rausfiltern, verschlucken wir möglicherweise die Kokosnuss!
Jesus wusste um das Problem der verschobenen Proportionen. Im Matthäus-Evangelium bemüht er sich ein ganzes Kapitel lang (Kapitel 23), den religiösen Autoritäten ein Problem vor Augen zu führen: „Ihr gebt noch von Gartenminze, Dill und Kümmel den zehnten Teil, lasst aber die wichtigeren Forderungen des Gesetzes ausser Acht: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue! (…) Die Mücke siebt ihr aus, aber das Kamel verschluckt ihr. (…) Ihr reinigt das Äussere von Becher und Schüssel, aber was ihr drin habt, zeigt eure Gier und Masslosigkeit.“
Viele Differenzen unter Christen entstehen dadurch, dass eigene Vorlieben zum Willen Gottes erklärt werden – sei es in Theologie, Kirche, Ethik, Musik, Kunst. Die Mücken werden rausgesiebt. Unbemerkt bleibt, wie dabei das Kamel verschluckt, das Wesentliche vergessen wird. Achten wir auf unser Herz. Und ertragen wir einander in Liebe. https://www.facebook.com/rolf.hoeneisen

Stammen alle Menschen von einem Paar ab?

Die Zeitschrift DAILY MAIL berichtete online am 24. November 2018 von einer Studie, die ergeben habe, dass alle modernen Menschen von einem Paar abstammen. In dem Artikel heißt es:
Alle modernen Menschen stammten von einem einsamen Paar ab, das vor 100.000 bis 200.000 Jahren lebte, sagen Wissenschaftler.
Wissenschaftler untersuchten die genetischen „Strichcodes“ von fünf Millionen Tieren – einschließlich Menschen – von 100.000 verschiedenen Arten und folgerten, dass wir von einem einzigen Paar Erwachsener stammten, nachdem ein katastrophales Ereignis die Menschheit fast ausgelöscht hätte.
Diese Strichcodes oder DNA-Ausschnitte, die sich außerhalb der Kerne lebender Zellen befinden, deuten darauf hin, dass es nicht nur Menschen sind, die von einem einzigen Wesenspaar stammen, sondern auch neun von zehn Tierarten.
Stoeckle und Thaler, die Wissenschaftler, die die Studie leiteten, kamen zu dem Schluss, dass neunzig Prozent aller heute lebenden Tierarten von Eltern stammen, die alle etwa zur gleichen Zeit, vor weniger als 250.000 Jahren, mit der Geburt begannen und die Muster der menschlichen Evolution in Frage stellten.
Im Artikel wird allerdings auch darauf hingewiesen, dass dieser Befund nicht im Sinne einer klassischen Schöpfungslehre interpretiert werden solle. Es dürfte viele Diskussionen geben. Hier: www.dailymail.co.uk.

Stammen alle Menschen von einem Paar ab?

 

Rezension zu „Weiterglauben: Warum man einen großen Gott nicht klein denken kann“ von Thorsten Dietz

Ich habe mich darauf gefreut das Buch „Weiterglauben: Warum man einen großen Gott nicht klein denken kann“ von Thorsten Dietz zu lesen. Doch leider ist das Buch sehr enttäuschend und ich kann es nicht weiterempfehlen! Aber der Reihe nach…
Zunächst sei angemerkt, dass Thorsten Dietz ein unbeschriebenes Blatt für mich war und ich gespannt war ein Buch von einem Professor für Systematische Theologie an der Evangelischen Hochschule Tabor zu lesen! Ich habe mich verpflichtet eine Rezension zu schreiben und hier ist sie:
1. Der Inhalt von „Weiterglauben“
Im Vorwort des Buches beschreibt Dietz sein Anliegen Menschen zu helfen, wie sie heute noch weiter glauben können. Der Autor greift von vornherein die Beobachtung auf, dass es in der Christenheit zwei unterschiedliche Lager gibt, zwischen denen große Spannungen bestehen und die viele Christen verunsichern.
„Der Titel dieses Buches, Weiter glauben, markiert diese Spannung: Die einen sehnen sich nach mehr Weite im Glauben; andere empfinden solche Weite als Auflösung, sie wollen am Glauben weiter festhalten. „Weiter“ lässt sich temporal und lokal verstehen: lokal im Sinne von mehr Weite, Flucht aus der Enge, aber eben auch temporal, weiter im Sinne von weiterhin glauben, den Glauben nicht verlieren wollen. Dieses Buch handelt von der Frage, ob und wie beides gelingen kann.“ S. 15
Der Autor möchte verbinden:
„In diesem Buch werden Prozesse der Polarisierung untersucht und beschrieben mit der Absicht, die Brücken, die Übergänge und Verbindungstunnel zwischen den Lagern zu pflegen und zu stärken. Unterschiedliche Frömmigkeitsstile brauchen vielleicht einander zur Ergänzung, verschiedene Phasen des Glaubens können auch zeitversetzt nebeneinander bestehen, so manche notwendige Auseinandersetzung könnte verständnisvoller und gründlicher geführt werden.“ S. 11 Weiterlesen

Meine Zuneigung zu Jesus ist wirklich groß

Am 30. Januar 1948, wurde Mohandas Karamchand Gandhi, dem der indische Dichter und Philosoph Rabindranath Tagore den Beinahmen Mahatma (große Seele) gegeben hatte, ermordet. Sein Verhältnis zum Christentum war gleichermaßen geprägt von einer tiefen Jesusverehrung wie auch durchschmerzliche Erfahrungen mit Christen seiner Zeit.
Er schreibt: „…. Meine Zuneigung zu Jesus ist wirklich groß. Seine Lehre, seine Einsicht und sein Opfertod bewegen mich zur Verehrung. Aber ich muß die orthodoxe Lehre, daß Jesus eine Inkarnation Gottes im feststehenden Sinne des Wortes gewesen oder daß er der einzige Sohn Gottes ist, ablehnen. Ich glaube auch nicht an die Lehre von der Übertragbarkeit der überschüssigen Verdienste. Sein Opfertod ist Vorbild und Beispiel für uns. Jeder von uns muß sich um seines Heiles willen kreuzigen lassen. Ich kann die Ausdrücke »Gott Sohn«, »Gott Vater« und »Gott Heiliger Geist« nicht buchstäblich nehmen. Es sind alles bildhafte Ausdrücke. Ebenso wenig kann ich die Einschränkungen gutheißen, die der Bergpredigt gegenüber geltend gemacht werden. Ich finde im Neuen Testament keine Rechtfertigung des Krieges. In meinen Augen ist Jesus einer der größten Propheten und Lehrer, die der Welt je gegeben wurden. Daß ich in der Bibel keinen unfehlbaren Bericht vom Leben Jesu sehe, brauche ich wohl nicht besonders hervorzuheben. Ebenso wenig halte ich jedes Wort im Neuen Testament für ein Wort Gottes.
Die religiösen Ideen sind wie alles andere auf Erden dem Gesetz der Entwicklung unterworfen. Gott allein ist unwandelbar, da aber seine Lehre verkündigt wird durch den unvollkommenen Mittler Mensch, wird sie immer entstellt, mehr oder weniger, je nach der Reinheit des Mittlers. Ich möchte deshalb meine christlichen Freunde herzlich bitten, mich zu nehmen, wie ich nun einmal bin. Ich achte ihren Wunsch, daß ich denken und handeln sollte wie sie selber und lasse ihn gelten, wie ich den gleichen Wunsch achte und gelten lasse, den die Mohammedaner mir gegenüber äußern. Beide Religionen sind für mich so wahr wie meine eigene. Meine eigene aber stillt alle meine inneren Bedürfnisse. Sie bietet mir alles, wessen ich zu meiner inneren Entfaltung bedarf. Sie lehrt mich beten, andere möchten sich zur Fülle ihres Wesens in ihrer eigenen Religion entfalten, nicht aber, andere möchten glauben, was ich selber glaube. So bete ich denn für einen Christen, daß er ein besserer Christ, für einen Mohammedaner, daß er ein besserer Mohammedaner werden möge. Ich bin überzeugt, daß Gott dereinst nach dem fragen wird, daß Gott heute schon nach dem fragt, was wir sind, d.h. was wir tun, nicht nach dem Namen, den wir uns beilegen. Bei ihm ist Tun alles, Glauben ohne Tun nichts. Bei ihm ist Tun Glauben und Glauben Tun.
Es ist meine feste Überzeugung, daß das heutige Europa nicht den Geist Gottes oder des Christentums verwirklicht, sondern den Geist Satans. Und Satan hat den größten Erfolg, wo er mit dem Namen Gottes auf den Lippen erscheint. Europa ist heute nur dem Namen nach christlich. In Wirklichkeit betet es den Mammon an. »Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme.« Das sind in Wirklichkeit die Worte Jesu Christi….“
Enthalten in: Indische Geisteswelt, Band I, Glaube und Weisheit der Hindus . Herausgegeben von Helmuth von Glasenapp (S.280f.) Holle Verlag , Darmstadt
Siehe auch
Wie christlich ist Gandhi?
http://bibelkreis-muenchen.de/?p=140
05.12.2006 – Mohandas Karamchand Gandhi (2.10.1869 – 30.1.1948), später bekannt als Mahatma Gandhi, war der politisch und geistig wichtigste Führer …
https://www.amazon.de/Gandhi-politische-Avatar-Benedikt-Peters/dp/3856662928

 

Erkenntnistheorie für einen Teenager (Teil I)

Wir befassen uns in diesem und den folgenden Briefen mit der Frage:
Gibt es eine objektive Welt der Dinge da draußen oder gibt es sie nur innerhalb unseres Bewusstseins als mentales Erleben ohne Außenwelt?
Mit unseren Sinnen nehmen wir Gegenstände wahr. Wenn wir einen Gegenstand mit unseren Augen sehen, dann macht er einen Eindruck auf unsere Sehnerven. Wir erhalten eine abstrakte Vorstellung von diesem Gegenstand, die ich im Folgenden „Idee“ nennen werde, und urteilen zugleich, dass es außer uns wirklich einen Gegenstand gibt, der uns die Idee verschafft hat. Es scheint uns völlig selbstverständlich, dass alle Objekte, die wir sinnlich wahrnehmen, eine natürliche oder reale Existenz außerhalb unseres Verstandes haben. Aber untersuchen wir etwas sorgfältiger, was dabei vorgeht.
Nehmen wir als Beispiel den Vollmond am Nachthimmel. Der Mond stellt unseren Sinnen wahrnehmbares Anschauungsmaterial dar. Die Lichtstrahlen fallen ins Auge und erzeugen dort einen Sinnesreiz. Auf der Netzhaut entsteht Bild, das dem Mond ähnlich ist. Die Sinnesrezeptoren leiten dieses Material in Form von neuronal-elektrischen Impulsen an unser Gehirn weiter. Daraufhin entsteht im Gehirn die Idee vom Gegenstand Mond. Die Idee „Mond“ nicht die Sache selbst. Verallgemeinert gesprochen: Die Gegenstände unseres Denkens sind nicht die Dinge selber. Dennoch urteilen wir, dass unsere Idee sich auf den Mond in der Welt außerhalb von uns bezieht. Die Ursache hiervon ist aber nichts weiter als ein Nervenreiz an einem bestimmten Ort in unserem Gehirn, wiederum verursacht durch einen Nervenreiz im Auge. Das Gehirn hat keine Kenntnis von den Bildern, die auf der Netzhaut des Auges projiziert sind, und noch weniger von dem Mond selbst, dessen Strahlen diese Bilder hervorgebracht haben. Dennoch urteilt es, dass es in der Außenwelt einen Körper geben muss, nämlich den Mond, der die Idee und das mentale Erleben verursacht hat. Weiterlesen

Kant und die Vernunft

Kant wählte für seine Maxime den Imperativ, obwohl sein Inhalt sich aus der Vernunft ableitet und deswegen schon zwingend ist.
Warum wählte er ihn trotzdem?
K [=Kant]: Um eine Verpflichtung einzuführen.
A [=Arendt]: Wer sollte verpflichtet werden?
K: Der Wille, damit er das tut, was die Vernunft ihm sagt.
A: Gibt also die Vernunft dem Willen Befehle?
K: Der Wille wird nicht nur durch die Vernunft bestimmt, sondern auch durch Neigungen. Jede Neigung ist eine Versuchung, die von außen auf mich einwirkt und mich fehlgehen lässt. Deswegen muss der Wille durch die Vernunft genötigt werden.
A: Inwiefern ist der Wille dann frei?
K: Freiheit heißt, nicht von äußeren Umständen bestimmt zu sein. Neigung ist damit unvereinbar, weil ich von etwas in der Welt außerhalb von mir affiziert bin. Die Vernunft ist frei von Neigungen und nur durch sie bin ich autonom, mein eigener Gesetzgeber und erlange darin meine Würde und bin Zweck an sich.
A: Das klingt ja schön und gut, aber versuchst du da nicht den Willen zu überreden, das Diktat der Vernunft zu akzeptieren?
K: Der Gute Wille muss nicht überredet werden; er wählt, was die Vernunft als gut erkennt. Nur ein Wille, der frei von Neigung ist, kann gut und frei genannt werden.
A: Nehmen wir mal an, dass es einen solchen Willen gibt. Wenn ich trotzdem nicht tue, was die Vernunft mir befiehlt?
K: Dann bist du ungehorsam gegenüber dem moralischen Gesetz in dir.
A: Die Pflicht zum Gehorsam habe ich also vor allem mir selbst gegenüber. Und warum soll ich meine Pflicht tun? Weil es meine Pflicht ist! – Ist eine solche moralische Verpflichtung nicht letztlich eine Leerformel?
K: Die Pflicht leitet sich aus dem moralischen Gesetz ab, das die Vernunft dem Willen auferlegt. Die Vernunft ist in Fragen der Moral genauso unwiderlegbar wie im Bereich anderer Vernunftwahrheiten [etwa mathematischer]. Das Kriterium ist die Widerspruchsfreiheit. Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch vermöge seiner Vernunft wissen kann, was Recht und Unrecht ist. Niemand will böse sein und die es trotzdem sind, fallen in moralische Absurdität und müssen sich selbst verachten.
A: Die Furcht vor Selbstverachtung reicht kaum aus, jemanden davor zurück zu halten, Unrecht zu tun. Was ist im Konfliktfall zwischen moralischem und staatlichem Gesetz zu tun, wenn die Gesetze des Staates etwas anderes vorschreiben?
K: Das höhere, nämlich das moralische, ist zu befolgen; es ist selbstverständlich, denn seine Quelle ist die Vernunft. Wer sich davon bestimmen lässt, was ihm von außen – sei es Staat, Gesellschaft oder Kirche – auferlegt wird, ist nicht autonom; das hat keinen moralischen Wert.
A: Du setzt voraus, dass der Mensch, wo immer er hingeht, was immer er tut, sein eigener Gesetzgeber ist, eine völlig autonome Person. Du scheinst nicht zur Kenntnis zu nehmen, dass Menschen die Erde bewohnen, nicht der Mensch. Du gibst doch an anderer Stelle selbst zu, dass der Mensch sich an Beispielen orientiert.
K: Gewiss. Aber ich zweifele nicht daran, dass, wann immer die Vernunft sich dem Beispiel der Tugend gegenüber sieht, weiß, was Recht ist, und das Gegenteil Unrecht. Wenn du der Vernunft nicht folgst, die alle Menschen aufgrund ihres Menschseins, ja alle vernünftigen Wesen [heißt Gott und die Engel], gemein haben, weigerst du dich, deine Rolle als Gesetzgeber der Welt zu spielen.
A: Ich habe den Eindruck, dass deine Philosophie der Vernunft, die purer Verstand ist, dem Problem des Bösen ausweicht. Das Böse bleibt so formal und inhaltsleer wie dein kategorischer Imperativ. Das ganze Beiwerk von Pflicht, Gehorsam, Guter Wille und Selbstbestrafung spielt sich nur innerhalb des Menschen ab und die Vernunft verleiht dem Ganzen objektive Gültigkeit, sodass auch „ein Volk von Teufeln“ – um es mit deinen eigenen Worten zu sagen – oder ein vollkommener Schurke entsprechend den Diktaten der „richtigen Vernunft“ handeln kann. Das erscheint mir widersprüchlich.
Arendt wendet sich Sokrates zu. Katharina Wallhäußer
http://wuestegarten.de/eichmann-in-jerusalem/reflexion-ueber-eichmann-in-jerusalem/reflexion-ueber-eichmann-in-jerusalem-teil-iii-kant/
Siehe auch

Sokrates und das Denken

 

 

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte

“Wenn ich mein Leben
noch einmal leben könnte, im nächsten Leben,
würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen.
Ich würde nicht so perfekt sein wollen, ich würde mich mehr entspannen.
Ich wäre ein bisschen verrückter, als ich es gewesen bin,
ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
Ich würde nicht so gesund leben, würde mehr riskieren.
Ich würde mehr reisen, mehr Sonnenuntergänge betrachten,
mehr bergsteigen, mehr in Flüssen schwimmen.
Ich würde an mehr Orte gehen, wo ich vorher noch nie war.
Ich würde mehr Eis essen und weniger dicke Bohnen.
Ich würde mehr echte Probleme als eingebildete haben.
Ich war einer dieser klugen Menschen, die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten.
Freilich hatte ich auch Momente der Freude, aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben.
Falls du es noch nicht weißt, aus diesen besteht nämlich das Leben, nur aus Augenblicken.
Vergiss nicht das Jetzt!
Ich war einer derjenigen, die nirgendwo hingingen
ohne ein Thermometer, eine Wärmeflasche, einen Regenschirm und Fallschirm.
Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich leichter reisen.
Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn an bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen.
Ich würde mehr Karussell fahren, mir mehr Sonnenaufgänge ansehen und mehr mit Kindern spielen, wenn ich das Leben noch vor mir hätte.
Aber sehen Sie… ich bin 85 Jahre alt und weiß, dass ich bald sterben werde.“ Von Jorge Luis Borges

Gewalttätige Christenfeinde

Nach Jahrzehntelanger Stimmungsmache gegen überzeugte Christen und die von ihnen geäußerten Meinungen wächst der unterschwellige Christenhass in der westlichen Welt. Immer mehr Menschen fühlen sich gut und fortschrittlich, wenn sie gegen Christen polemisieren, diese in aller Öffentlichkeit lächerlich machen oder sogar mit Gewalt gegen Gläubige vorgehen.
Aufgrund des massiven gesellschaftlichen Drucks, der von atheistischen Netzwerken erzeugt wird, ist es zwischenzeitlich vielen Christen peinlich, sich zu den Aussagen Jesu Christi zu stellen. Fragt man sie nach ihrer Religionszugehörigkeit, versäumen sie nicht schnell darauf hinzuweisen, dass sie die ganze Sache natürlich nicht so ernst nehmen, kaum Gottesdienste besuchen und generell ihren Glauben nicht praktizieren. Um nicht negativ aufzufallen beteuern sie, eigentlich doch genauso so zu denken und zu leben wie alle anderen säkular orientierten Mitbürger auch. Heute ist es weitaus peinlicher sich als bewusster Christ vorzustellen, als öffentlich über seine Homosexualität zu sprechen.
Dumm und hoffnungslos altmodisch
In Schulklassen werden Christen häufig nicht nur von Mitschülern wegen ihres Glaubens gemobbt sondern immer wieder auch von Lehrern. Vor der ganzen Klasse werden sie als dumm und hoffnungslos altmodisch dargestellt, weil sie der Bibel vertrauen, an ein Leben nach dem Tod glauben, an die Jungfrauengeburt oder an die Vergebung der Schuld durch den Tod Jesu Christi. Wer sich heute in jeder freien Minute für Musik, Kunst oder Sport engagiert, gilt als Vorbild. Wer sich hingegen ebenso stark für Gott oder für seine Gemeinde einsetzt, gilt als verschroben oder als religiöser Fundamentalist. Und das ist nicht gerade freundlich gemeint.
„Weil ihr Christen seid, werdet ihr Gott schon in wenigen Sekunden gegenüberstehen“
Beim jüngsten Amoklauf in den USA hatte sich der Täter besonders Christen als Opfer ausgesucht. Am Umpqua Community College in Roseburg bei Portland (Oregon) wurden bei einem Amoklauf am vergangenen Donnerstag zehn Menschen getötet und mindestens sieben weitere verletzt – drei davon schwer. Der bei seiner geschiedenen Mutter lebende 26-jährige Chris Harper-Mercer wollte offenbar insbesondere Christen ermorden. Außerdem ging es ihm darum als Amokläufer ganz groß in den Medien herauszukommen. Zuerst hatte er die Studenten gefragt, ob sie Christen seien, zitierte der Sender CNN am Freitag eine 18-Jährige, die von einer Kugel am Rücken getroffen wurde. „Weil ihr Christen seid, werdet ihr Gott schon in wenigen Sekunden gegenüberstehen“, antwortete der Täter. Auch die „New York Post“ berichtet, dass der Täter systematisch gegen Menschen christlichen Glaubens vorgegangen ist. Die Zeitung schreibt, dass Mercer seine Opfer aufforderte, sich auf den Boden zu legen. Anschließend soll er sie einzeln gefragt haben, ob sie christlichen Glaubens seien. Wenn diese mit „Ja“ antworteten, soll er ihnen direkt in den Kopf geschossen haben. Wenn sie nicht oder mit „Nein“ antworteten, schoss er ihnen in die Beine.
Christenfeindliche Tendenzen in Medien und Gesellschaft
So etwas spiegelt deutlich den allgemeinen Stimmungswandel in den westlichen Gesellschaften wider. Alles engagiert Christliche oder spezifisch Biblische wird kritisch kommentiert, lächerlich gemacht oder geradewegs abgelehnt. Christophobe Atheisten schüren diese Tendenz beständig. Wenn in einem zeitgenössischen Spielfilm oder Roman ein Christ auftaucht, ist der entweder ein fürchterlicher Langweiler oder der von einem religiösen Wahn befallene Mörder. Bibelverse an Wänden oder in Briefen deuten fast ausschließlich in dieselbe Richtung. Diese christenfeindlichen Tendenzen in Medien und Gesellschaft werden vermutlich auch in der nächsten Zukunft weiter dazu beitragen, dass Christen und ihre Meinungen diskriminiert werden. Weil sich die dafür verantwortlichen Unterdrücker voll im Einklang mit dem gerade vorherrschenden Zeitgeist wissen, meinen sie mit ihrem Mobbing sogar noch etwas Gutes zu tun.
Christen sollten trotz dieses Drucks mutig an ihrem Glauben festhalten. Jesus verspricht: „In der Welt wird man Druck auf euch ausüben. Aber verliert nicht den Mut! Ich habe die Welt besiegt!“ (Johannes 16,33) Michael Kotsch
https://agwelt.de/2015-10/gewalttaetige-christenfeinde/