Schneeballschlachten

Im kleinen Ort Severance im US-Staat Colorado sind Schneeballschlachten seit 100 Jahren illegal. Dass das Werfen von Schneebällen in diesem Winter erstmals offiziell erlaubt sein wird, geht zurück auf die Initiative des 9-jährigen Dane Best. Drei Minuten dauerte sein Plädoyer vor dem Gemeinderat. Dane forderte, dass jeder in Severance in der Lage sein soll, „eine Schneeballschlacht zu haben, wie überall auf der Welt“. Der Rat folgte seinem Antrag einstimmig.
Nicht nur wir fragen uns, wie es zu einem Schneeball-Verbot gekommen ist. Das taten auch die Gemeindebehörden von Severance. Beim Nachforschen stellten sie fest, dass der Ursprung des Wurfverbots ziemlich unklar ist. Seine Wurzeln liegen wohl in einer Regelung aus dem Jahr 1921. Nach dieser ist es untersagt, „Steine oder jegliche anderen Wurfgeschosse“
auf Menschen, Tiere, Gebäude, Bäume und Fahrzeuge zu werfen. Irgendwelche Entscheidungsträger in der Vergangenheit müssen Schneebälle auf diese rote Liste gesetzt haben. Es brauchte fast 100 Jahre und einen 9-jährigen Jungen, um ein ständig weitergesagtes, aber unbegründetes und unsinniges Verbot umzustossen. Schneeballschlachten fördern die Lebensfreude!
Wie wir reden, leben, denken und glauben, ist es doch richtig, oder? Oder kann es sein, dass wir Regeln und Traditionen als Wahrheit betrachten, ohne deren eigentlichen Grund zu kennen? Ich fürchte nämlich, dass wir weit mehr von unserer Kultur, Familie und Sprache geprägt sind, als wir meinen. Wir müssen aufpassen: Während wir die Pollen rausfiltern, verschlucken wir möglicherweise die Kokosnuss!
Jesus wusste um das Problem der verschobenen Proportionen. Im Matthäus-Evangelium bemüht er sich ein ganzes Kapitel lang (Kapitel 23), den religiösen Autoritäten ein Problem vor Augen zu führen: „Ihr gebt noch von Gartenminze, Dill und Kümmel den zehnten Teil, lasst aber die wichtigeren Forderungen des Gesetzes ausser Acht: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue! (…) Die Mücke siebt ihr aus, aber das Kamel verschluckt ihr. (…) Ihr reinigt das Äussere von Becher und Schüssel, aber was ihr drin habt, zeigt eure Gier und Masslosigkeit.“
Viele Differenzen unter Christen entstehen dadurch, dass eigene Vorlieben zum Willen Gottes erklärt werden – sei es in Theologie, Kirche, Ethik, Musik, Kunst. Die Mücken werden rausgesiebt. Unbemerkt bleibt, wie dabei das Kamel verschluckt, das Wesentliche vergessen wird. Achten wir auf unser Herz. Und ertragen wir einander in Liebe. https://www.facebook.com/rolf.hoeneisen

Stammen alle Menschen von einem Paar ab?

Die Zeitschrift DAILY MAIL berichtete online am 24. November 2018 von einer Studie, die ergeben habe, dass alle modernen Menschen von einem Paar abstammen. In dem Artikel heißt es:
Alle modernen Menschen stammten von einem einsamen Paar ab, das vor 100.000 bis 200.000 Jahren lebte, sagen Wissenschaftler.
Wissenschaftler untersuchten die genetischen „Strichcodes“ von fünf Millionen Tieren – einschließlich Menschen – von 100.000 verschiedenen Arten und folgerten, dass wir von einem einzigen Paar Erwachsener stammten, nachdem ein katastrophales Ereignis die Menschheit fast ausgelöscht hätte.
Diese Strichcodes oder DNA-Ausschnitte, die sich außerhalb der Kerne lebender Zellen befinden, deuten darauf hin, dass es nicht nur Menschen sind, die von einem einzigen Wesenspaar stammen, sondern auch neun von zehn Tierarten.
Stoeckle und Thaler, die Wissenschaftler, die die Studie leiteten, kamen zu dem Schluss, dass neunzig Prozent aller heute lebenden Tierarten von Eltern stammen, die alle etwa zur gleichen Zeit, vor weniger als 250.000 Jahren, mit der Geburt begannen und die Muster der menschlichen Evolution in Frage stellten.
Im Artikel wird allerdings auch darauf hingewiesen, dass dieser Befund nicht im Sinne einer klassischen Schöpfungslehre interpretiert werden solle. Es dürfte viele Diskussionen geben. Hier: www.dailymail.co.uk.

Stammen alle Menschen von einem Paar ab?

 

Rezension zu „Weiterglauben: Warum man einen großen Gott nicht klein denken kann“ von Thorsten Dietz

Ich habe mich darauf gefreut das Buch „Weiterglauben: Warum man einen großen Gott nicht klein denken kann“ von Thorsten Dietz zu lesen. Doch leider ist das Buch sehr enttäuschend und ich kann es nicht weiterempfehlen! Aber der Reihe nach…
Zunächst sei angemerkt, dass Thorsten Dietz ein unbeschriebenes Blatt für mich war und ich gespannt war ein Buch von einem Professor für Systematische Theologie an der Evangelischen Hochschule Tabor zu lesen! Ich habe mich verpflichtet eine Rezension zu schreiben und hier ist sie:
1. Der Inhalt von „Weiterglauben“
Im Vorwort des Buches beschreibt Dietz sein Anliegen Menschen zu helfen, wie sie heute noch weiter glauben können. Der Autor greift von vornherein die Beobachtung auf, dass es in der Christenheit zwei unterschiedliche Lager gibt, zwischen denen große Spannungen bestehen und die viele Christen verunsichern.
„Der Titel dieses Buches, Weiter glauben, markiert diese Spannung: Die einen sehnen sich nach mehr Weite im Glauben; andere empfinden solche Weite als Auflösung, sie wollen am Glauben weiter festhalten. „Weiter“ lässt sich temporal und lokal verstehen: lokal im Sinne von mehr Weite, Flucht aus der Enge, aber eben auch temporal, weiter im Sinne von weiterhin glauben, den Glauben nicht verlieren wollen. Dieses Buch handelt von der Frage, ob und wie beides gelingen kann.“ S. 15
Der Autor möchte verbinden:
„In diesem Buch werden Prozesse der Polarisierung untersucht und beschrieben mit der Absicht, die Brücken, die Übergänge und Verbindungstunnel zwischen den Lagern zu pflegen und zu stärken. Unterschiedliche Frömmigkeitsstile brauchen vielleicht einander zur Ergänzung, verschiedene Phasen des Glaubens können auch zeitversetzt nebeneinander bestehen, so manche notwendige Auseinandersetzung könnte verständnisvoller und gründlicher geführt werden.“ S. 11 Weiterlesen

Meine Zuneigung zu Jesus ist wirklich groß

Am 30. Januar 1948, wurde Mohandas Karamchand Gandhi, dem der indische Dichter und Philosoph Rabindranath Tagore den Beinahmen Mahatma (große Seele) gegeben hatte, ermordet. Sein Verhältnis zum Christentum war gleichermaßen geprägt von einer tiefen Jesusverehrung wie auch durchschmerzliche Erfahrungen mit Christen seiner Zeit.
Er schreibt: „…. Meine Zuneigung zu Jesus ist wirklich groß. Seine Lehre, seine Einsicht und sein Opfertod bewegen mich zur Verehrung. Aber ich muß die orthodoxe Lehre, daß Jesus eine Inkarnation Gottes im feststehenden Sinne des Wortes gewesen oder daß er der einzige Sohn Gottes ist, ablehnen. Ich glaube auch nicht an die Lehre von der Übertragbarkeit der überschüssigen Verdienste. Sein Opfertod ist Vorbild und Beispiel für uns. Jeder von uns muß sich um seines Heiles willen kreuzigen lassen. Ich kann die Ausdrücke »Gott Sohn«, »Gott Vater« und »Gott Heiliger Geist« nicht buchstäblich nehmen. Es sind alles bildhafte Ausdrücke. Ebenso wenig kann ich die Einschränkungen gutheißen, die der Bergpredigt gegenüber geltend gemacht werden. Ich finde im Neuen Testament keine Rechtfertigung des Krieges. In meinen Augen ist Jesus einer der größten Propheten und Lehrer, die der Welt je gegeben wurden. Daß ich in der Bibel keinen unfehlbaren Bericht vom Leben Jesu sehe, brauche ich wohl nicht besonders hervorzuheben. Ebenso wenig halte ich jedes Wort im Neuen Testament für ein Wort Gottes.
Die religiösen Ideen sind wie alles andere auf Erden dem Gesetz der Entwicklung unterworfen. Gott allein ist unwandelbar, da aber seine Lehre verkündigt wird durch den unvollkommenen Mittler Mensch, wird sie immer entstellt, mehr oder weniger, je nach der Reinheit des Mittlers. Ich möchte deshalb meine christlichen Freunde herzlich bitten, mich zu nehmen, wie ich nun einmal bin. Ich achte ihren Wunsch, daß ich denken und handeln sollte wie sie selber und lasse ihn gelten, wie ich den gleichen Wunsch achte und gelten lasse, den die Mohammedaner mir gegenüber äußern. Beide Religionen sind für mich so wahr wie meine eigene. Meine eigene aber stillt alle meine inneren Bedürfnisse. Sie bietet mir alles, wessen ich zu meiner inneren Entfaltung bedarf. Sie lehrt mich beten, andere möchten sich zur Fülle ihres Wesens in ihrer eigenen Religion entfalten, nicht aber, andere möchten glauben, was ich selber glaube. So bete ich denn für einen Christen, daß er ein besserer Christ, für einen Mohammedaner, daß er ein besserer Mohammedaner werden möge. Ich bin überzeugt, daß Gott dereinst nach dem fragen wird, daß Gott heute schon nach dem fragt, was wir sind, d.h. was wir tun, nicht nach dem Namen, den wir uns beilegen. Bei ihm ist Tun alles, Glauben ohne Tun nichts. Bei ihm ist Tun Glauben und Glauben Tun.
Es ist meine feste Überzeugung, daß das heutige Europa nicht den Geist Gottes oder des Christentums verwirklicht, sondern den Geist Satans. Und Satan hat den größten Erfolg, wo er mit dem Namen Gottes auf den Lippen erscheint. Europa ist heute nur dem Namen nach christlich. In Wirklichkeit betet es den Mammon an. »Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme.« Das sind in Wirklichkeit die Worte Jesu Christi….“
Enthalten in: Indische Geisteswelt, Band I, Glaube und Weisheit der Hindus . Herausgegeben von Helmuth von Glasenapp (S.280f.) Holle Verlag , Darmstadt
Siehe auch
Wie christlich ist Gandhi?
http://bibelkreis-muenchen.de/?p=140
05.12.2006 – Mohandas Karamchand Gandhi (2.10.1869 – 30.1.1948), später bekannt als Mahatma Gandhi, war der politisch und geistig wichtigste Führer …
https://www.amazon.de/Gandhi-politische-Avatar-Benedikt-Peters/dp/3856662928

 

Erkenntnistheorie für einen Teenager (Teil I)

Wir befassen uns in diesem und den folgenden Briefen mit der Frage:
Gibt es eine objektive Welt der Dinge da draußen oder gibt es sie nur innerhalb unseres Bewusstseins als mentales Erleben ohne Außenwelt?
Mit unseren Sinnen nehmen wir Gegenstände wahr. Wenn wir einen Gegenstand mit unseren Augen sehen, dann macht er einen Eindruck auf unsere Sehnerven. Wir erhalten eine abstrakte Vorstellung von diesem Gegenstand, die ich im Folgenden „Idee“ nennen werde, und urteilen zugleich, dass es außer uns wirklich einen Gegenstand gibt, der uns die Idee verschafft hat. Es scheint uns völlig selbstverständlich, dass alle Objekte, die wir sinnlich wahrnehmen, eine natürliche oder reale Existenz außerhalb unseres Verstandes haben. Aber untersuchen wir etwas sorgfältiger, was dabei vorgeht.
Nehmen wir als Beispiel den Vollmond am Nachthimmel. Der Mond stellt unseren Sinnen wahrnehmbares Anschauungsmaterial dar. Die Lichtstrahlen fallen ins Auge und erzeugen dort einen Sinnesreiz. Auf der Netzhaut entsteht Bild, das dem Mond ähnlich ist. Die Sinnesrezeptoren leiten dieses Material in Form von neuronal-elektrischen Impulsen an unser Gehirn weiter. Daraufhin entsteht im Gehirn die Idee vom Gegenstand Mond. Die Idee „Mond“ nicht die Sache selbst. Verallgemeinert gesprochen: Die Gegenstände unseres Denkens sind nicht die Dinge selber. Dennoch urteilen wir, dass unsere Idee sich auf den Mond in der Welt außerhalb von uns bezieht. Die Ursache hiervon ist aber nichts weiter als ein Nervenreiz an einem bestimmten Ort in unserem Gehirn, wiederum verursacht durch einen Nervenreiz im Auge. Das Gehirn hat keine Kenntnis von den Bildern, die auf der Netzhaut des Auges projiziert sind, und noch weniger von dem Mond selbst, dessen Strahlen diese Bilder hervorgebracht haben. Dennoch urteilt es, dass es in der Außenwelt einen Körper geben muss, nämlich den Mond, der die Idee und das mentale Erleben verursacht hat. Weiterlesen

Kant und die Vernunft

Kant wählte für seine Maxime den Imperativ, obwohl sein Inhalt sich aus der Vernunft ableitet und deswegen schon zwingend ist.
Warum wählte er ihn trotzdem?
K [=Kant]: Um eine Verpflichtung einzuführen.
A [=Arendt]: Wer sollte verpflichtet werden?
K: Der Wille, damit er das tut, was die Vernunft ihm sagt.
A: Gibt also die Vernunft dem Willen Befehle?
K: Der Wille wird nicht nur durch die Vernunft bestimmt, sondern auch durch Neigungen. Jede Neigung ist eine Versuchung, die von außen auf mich einwirkt und mich fehlgehen lässt. Deswegen muss der Wille durch die Vernunft genötigt werden.
A: Inwiefern ist der Wille dann frei?
K: Freiheit heißt, nicht von äußeren Umständen bestimmt zu sein. Neigung ist damit unvereinbar, weil ich von etwas in der Welt außerhalb von mir affiziert bin. Die Vernunft ist frei von Neigungen und nur durch sie bin ich autonom, mein eigener Gesetzgeber und erlange darin meine Würde und bin Zweck an sich.
A: Das klingt ja schön und gut, aber versuchst du da nicht den Willen zu überreden, das Diktat der Vernunft zu akzeptieren?
K: Der Gute Wille muss nicht überredet werden; er wählt, was die Vernunft als gut erkennt. Nur ein Wille, der frei von Neigung ist, kann gut und frei genannt werden.
A: Nehmen wir mal an, dass es einen solchen Willen gibt. Wenn ich trotzdem nicht tue, was die Vernunft mir befiehlt?
K: Dann bist du ungehorsam gegenüber dem moralischen Gesetz in dir.
A: Die Pflicht zum Gehorsam habe ich also vor allem mir selbst gegenüber. Und warum soll ich meine Pflicht tun? Weil es meine Pflicht ist! – Ist eine solche moralische Verpflichtung nicht letztlich eine Leerformel?
K: Die Pflicht leitet sich aus dem moralischen Gesetz ab, das die Vernunft dem Willen auferlegt. Die Vernunft ist in Fragen der Moral genauso unwiderlegbar wie im Bereich anderer Vernunftwahrheiten [etwa mathematischer]. Das Kriterium ist die Widerspruchsfreiheit. Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch vermöge seiner Vernunft wissen kann, was Recht und Unrecht ist. Niemand will böse sein und die es trotzdem sind, fallen in moralische Absurdität und müssen sich selbst verachten.
A: Die Furcht vor Selbstverachtung reicht kaum aus, jemanden davor zurück zu halten, Unrecht zu tun. Was ist im Konfliktfall zwischen moralischem und staatlichem Gesetz zu tun, wenn die Gesetze des Staates etwas anderes vorschreiben?
K: Das höhere, nämlich das moralische, ist zu befolgen; es ist selbstverständlich, denn seine Quelle ist die Vernunft. Wer sich davon bestimmen lässt, was ihm von außen – sei es Staat, Gesellschaft oder Kirche – auferlegt wird, ist nicht autonom; das hat keinen moralischen Wert.
A: Du setzt voraus, dass der Mensch, wo immer er hingeht, was immer er tut, sein eigener Gesetzgeber ist, eine völlig autonome Person. Du scheinst nicht zur Kenntnis zu nehmen, dass Menschen die Erde bewohnen, nicht der Mensch. Du gibst doch an anderer Stelle selbst zu, dass der Mensch sich an Beispielen orientiert.
K: Gewiss. Aber ich zweifele nicht daran, dass, wann immer die Vernunft sich dem Beispiel der Tugend gegenüber sieht, weiß, was Recht ist, und das Gegenteil Unrecht. Wenn du der Vernunft nicht folgst, die alle Menschen aufgrund ihres Menschseins, ja alle vernünftigen Wesen [heißt Gott und die Engel], gemein haben, weigerst du dich, deine Rolle als Gesetzgeber der Welt zu spielen.
A: Ich habe den Eindruck, dass deine Philosophie der Vernunft, die purer Verstand ist, dem Problem des Bösen ausweicht. Das Böse bleibt so formal und inhaltsleer wie dein kategorischer Imperativ. Das ganze Beiwerk von Pflicht, Gehorsam, Guter Wille und Selbstbestrafung spielt sich nur innerhalb des Menschen ab und die Vernunft verleiht dem Ganzen objektive Gültigkeit, sodass auch „ein Volk von Teufeln“ – um es mit deinen eigenen Worten zu sagen – oder ein vollkommener Schurke entsprechend den Diktaten der „richtigen Vernunft“ handeln kann. Das erscheint mir widersprüchlich.
Arendt wendet sich Sokrates zu. Katharina Wallhäußer
http://wuestegarten.de/eichmann-in-jerusalem/reflexion-ueber-eichmann-in-jerusalem/reflexion-ueber-eichmann-in-jerusalem-teil-iii-kant/
Siehe auch

Sokrates und das Denken

 

 

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte

“Wenn ich mein Leben
noch einmal leben könnte, im nächsten Leben,
würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen.
Ich würde nicht so perfekt sein wollen, ich würde mich mehr entspannen.
Ich wäre ein bisschen verrückter, als ich es gewesen bin,
ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
Ich würde nicht so gesund leben, würde mehr riskieren.
Ich würde mehr reisen, mehr Sonnenuntergänge betrachten,
mehr bergsteigen, mehr in Flüssen schwimmen.
Ich würde an mehr Orte gehen, wo ich vorher noch nie war.
Ich würde mehr Eis essen und weniger dicke Bohnen.
Ich würde mehr echte Probleme als eingebildete haben.
Ich war einer dieser klugen Menschen, die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten.
Freilich hatte ich auch Momente der Freude, aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben.
Falls du es noch nicht weißt, aus diesen besteht nämlich das Leben, nur aus Augenblicken.
Vergiss nicht das Jetzt!
Ich war einer derjenigen, die nirgendwo hingingen
ohne ein Thermometer, eine Wärmeflasche, einen Regenschirm und Fallschirm.
Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich leichter reisen.
Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn an bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen.
Ich würde mehr Karussell fahren, mir mehr Sonnenaufgänge ansehen und mehr mit Kindern spielen, wenn ich das Leben noch vor mir hätte.
Aber sehen Sie… ich bin 85 Jahre alt und weiß, dass ich bald sterben werde.“ Von Jorge Luis Borges

Gewalttätige Christenfeinde

Nach Jahrzehntelanger Stimmungsmache gegen überzeugte Christen und die von ihnen geäußerten Meinungen wächst der unterschwellige Christenhass in der westlichen Welt. Immer mehr Menschen fühlen sich gut und fortschrittlich, wenn sie gegen Christen polemisieren, diese in aller Öffentlichkeit lächerlich machen oder sogar mit Gewalt gegen Gläubige vorgehen.
Aufgrund des massiven gesellschaftlichen Drucks, der von atheistischen Netzwerken erzeugt wird, ist es zwischenzeitlich vielen Christen peinlich, sich zu den Aussagen Jesu Christi zu stellen. Fragt man sie nach ihrer Religionszugehörigkeit, versäumen sie nicht schnell darauf hinzuweisen, dass sie die ganze Sache natürlich nicht so ernst nehmen, kaum Gottesdienste besuchen und generell ihren Glauben nicht praktizieren. Um nicht negativ aufzufallen beteuern sie, eigentlich doch genauso so zu denken und zu leben wie alle anderen säkular orientierten Mitbürger auch. Heute ist es weitaus peinlicher sich als bewusster Christ vorzustellen, als öffentlich über seine Homosexualität zu sprechen.
Dumm und hoffnungslos altmodisch
In Schulklassen werden Christen häufig nicht nur von Mitschülern wegen ihres Glaubens gemobbt sondern immer wieder auch von Lehrern. Vor der ganzen Klasse werden sie als dumm und hoffnungslos altmodisch dargestellt, weil sie der Bibel vertrauen, an ein Leben nach dem Tod glauben, an die Jungfrauengeburt oder an die Vergebung der Schuld durch den Tod Jesu Christi. Wer sich heute in jeder freien Minute für Musik, Kunst oder Sport engagiert, gilt als Vorbild. Wer sich hingegen ebenso stark für Gott oder für seine Gemeinde einsetzt, gilt als verschroben oder als religiöser Fundamentalist. Und das ist nicht gerade freundlich gemeint.
„Weil ihr Christen seid, werdet ihr Gott schon in wenigen Sekunden gegenüberstehen“
Beim jüngsten Amoklauf in den USA hatte sich der Täter besonders Christen als Opfer ausgesucht. Am Umpqua Community College in Roseburg bei Portland (Oregon) wurden bei einem Amoklauf am vergangenen Donnerstag zehn Menschen getötet und mindestens sieben weitere verletzt – drei davon schwer. Der bei seiner geschiedenen Mutter lebende 26-jährige Chris Harper-Mercer wollte offenbar insbesondere Christen ermorden. Außerdem ging es ihm darum als Amokläufer ganz groß in den Medien herauszukommen. Zuerst hatte er die Studenten gefragt, ob sie Christen seien, zitierte der Sender CNN am Freitag eine 18-Jährige, die von einer Kugel am Rücken getroffen wurde. „Weil ihr Christen seid, werdet ihr Gott schon in wenigen Sekunden gegenüberstehen“, antwortete der Täter. Auch die „New York Post“ berichtet, dass der Täter systematisch gegen Menschen christlichen Glaubens vorgegangen ist. Die Zeitung schreibt, dass Mercer seine Opfer aufforderte, sich auf den Boden zu legen. Anschließend soll er sie einzeln gefragt haben, ob sie christlichen Glaubens seien. Wenn diese mit „Ja“ antworteten, soll er ihnen direkt in den Kopf geschossen haben. Wenn sie nicht oder mit „Nein“ antworteten, schoss er ihnen in die Beine.
Christenfeindliche Tendenzen in Medien und Gesellschaft
So etwas spiegelt deutlich den allgemeinen Stimmungswandel in den westlichen Gesellschaften wider. Alles engagiert Christliche oder spezifisch Biblische wird kritisch kommentiert, lächerlich gemacht oder geradewegs abgelehnt. Christophobe Atheisten schüren diese Tendenz beständig. Wenn in einem zeitgenössischen Spielfilm oder Roman ein Christ auftaucht, ist der entweder ein fürchterlicher Langweiler oder der von einem religiösen Wahn befallene Mörder. Bibelverse an Wänden oder in Briefen deuten fast ausschließlich in dieselbe Richtung. Diese christenfeindlichen Tendenzen in Medien und Gesellschaft werden vermutlich auch in der nächsten Zukunft weiter dazu beitragen, dass Christen und ihre Meinungen diskriminiert werden. Weil sich die dafür verantwortlichen Unterdrücker voll im Einklang mit dem gerade vorherrschenden Zeitgeist wissen, meinen sie mit ihrem Mobbing sogar noch etwas Gutes zu tun.
Christen sollten trotz dieses Drucks mutig an ihrem Glauben festhalten. Jesus verspricht: „In der Welt wird man Druck auf euch ausüben. Aber verliert nicht den Mut! Ich habe die Welt besiegt!“ (Johannes 16,33) Michael Kotsch
https://agwelt.de/2015-10/gewalttaetige-christenfeinde/

 

Die Tragik des 20. Jahrhunderts (Teil 3)

These 3:
Die Gemeinschaft, die soziale Nähe und der Zusammenhalt unter den Leuten in (ehemals) kommunistischen Ländern ist offener, tiefer, inniger …, als die in nicht-kommunistischen, d.h. vor allem kapitalistischen Ländern. Das hat der Kommunismus gefördert und ist ihm zu verdanken.

Handelt es sich bei dieser These um eine Geschichte aus der Kommunistischen Mythologie oder ein Gerücht, welches manche für wahr halten — oder ist da wirklich etwas Wahres dran?

Ausgehend von dieser These habe ich zwei Fragen:

  1. Ist die Gemeinschaft in ehemals kommunistischen Ländern wirklich besser als in Ländern, die den Kommunismus nicht erlebt haben? (Wirkung)
  2. Wenn sie besser ist, ist das auf den Kommunismus zurück zu führen oder auf etwas anderes? (Ursache)

Zu Frage 1: Welche Messkriterien wenden wir an? Wie bestimmen wir, ob eine Gemeinschaft besser ist als eine andere? Es gibt hier keine greifbaren Quantitäten, die man statistisch erfassen, zählen, messen, oder wiegen könnte. Wir müssen auf Erfahrung, Alltagswahrnehmungen und subjektive Bewertungen zurückgreifen, die aber deswegen nicht falsch sein müssen. So ist das bei ganz vielen Fragen und nur die wenigsten lassen sich rechnerisch beantworten, vielleicht sind es sogar die weniger interessanten.

Um die erste Frage zu beantworten, würde ich Menschen zu Wort kommen lassen, die die Gemeinschaft im Kommunismus erlebt haben. Siehe Artikel 2. Als gleichzeitig positives und negatives Beispiel führe ich Wolfgang Leonhards Erfahrungsbericht an, den er in seinem Buch Die Revolution entlässt ihre Kinder schildert, Kap. 5, Abschnitt Natürliche Entspannung und «organisierte Geselligkeit».

Bei Frage 2 geht es darum, ob zwischen der vermeintlichen Ursache und Wirkung eine Korrelation oder eine Kopplung besteht. Selbst wenn es einen Zusammenhang zwischen (A) „Kommunismus“ und (B) „bessere Gemeinschaft“ gibt, kann man immer noch nicht auf eine Auswirkung von (A) auf (B) schließen. Man muss also nicht nur einen Zusammenhang nachweisen, sondern auch eine Wirkung von A auf B. Hier ist keine einfache Beweisführung möglich. Verglichen damit sind naturwissenschaftliche Theorien fast schon trivial. Und selbst diese können niemals bewiesen werden, sie sind nur mehr oder weniger gut belegt. Ob eine Theorie endgültig wahr oder falsch genannt werden kann, ist eine tiefgreifende Kontroverse.

Aber wir sind hier nicht im Labor, sondern bei einem gemütlichen Abendessen unter Freunden. Reden wir also nicht über wissenschaftliches Wissen, sondern über unsere alltäglichen Wahrnehmungen. Mein Freund und ich haben ganz unterschiedliche Überzeugungen, selbst wenn wir dieselbe Gruppe von Leuten beobachten und unsere Schlüsse über die Qualität ihrer Gemeinschaft ziehen.

Zum Beispiel habe ich diese Alltagstheorie (nur eine von mehreren): Die bessere Gemeinschaft in der nach-kommunistischen Zeit ist eine Auswirkung der Erlebnisse unter dem kommunistischen Regime in der Vergangenheit, welches eine gute Gemeinschaft erschwerte. Die Menschen, die den Kommunismus erlebt haben, sind jetzt, nachdem das kommunistische Regime abgelöst wurde, zu tieferer Gemeinschaft und stärkerem Zusammenhalt bereit, gerade weil das im Kommunismus nicht möglich war. Vielleicht kehren diese Menschen zu etwas zurück, was vor dem Kommunismus da war und jetzt wieder möglich ist. Was die Ex-DDR und Ex-Sowjetunion angeht, kehren sie einfach zu ihrem „normalen Menschen“ zurück, der nicht von Spitzeln und Flüsterern umgeben ist. Vielleicht war aber auch die Gemeinschaft im Kommunismus gar nicht so schlecht, weil man sich die ganze Zeit von Feinden umgeben sah und deswegen umso enger mit den echten Freunden und Gesinnungsgenossen zusammen gerückt ist.

Welche dieser beiden Theorien ist näher an der Wahrheit? Die meines Freundes oder meine?
Jeder von uns hat ein bestimmtes Hintergrundwissen, das seine Theorie über den Kommunismus beeinflusst. Die Theorie, die ich bereits habe, prägt die Beobachtungen, die ich mit meinen Sinnen mache, noch bevor etwas gewusst und geklärt werden kann. Die Umstände, unter denen ich eine menschliche Gemeinschaft beobachte, beeinflussen meine Wahrnehmung. Sie können günstiger sein, wenn ich die Beobachtung als Urlauber mache, als wenn ich dasselbe als Einheimischer tue. Die Problematik der Umstände und unserer Voreinstellungen (Fachbegriff: Theoriebeladenheit von Beobachtungen), besteht unabhängig davon, ob ich das Verhalten von Chemikalien im Reagenzglas, von Fischen im Aquarium oder von Menschen in einer Gesellschaft beobachte. Abgesehen davon, gibt es viele Dinge, die nicht beobachtet werden können, über die wir aber implizit Annahmen treffen.

Wer hat denn nun Recht? Einen endgültigen Beschluß wird es hier von meiner Seite nicht geben. Ich hoffe, wir werden in unserem Freundeskreis noch öfters diese Frage diskutieren. Und das ist umso spannender, interessanter und lehrreicher, als dass wir nicht alle derselben Meinung sind. Also, zurück zu den geistigen Waffen und rein in den Kampf um die Wahrheit (nicht zu verwechseln mit Recht)! Aber mit Liebe oder wenigstens Achtung, wir wollen schließlich als Freunde auseinander gehen, auch wenn unsere heftigen Diskussionen oft dem Brausen des Meeres gleichen 🙂  http://wuestegarten.de/die-tragik-des-20-jahrhunderts-teil-3/

Die Tragik des 20. Jahrhunderts (Teil 2)

Ich rekapituliere kurz: Die Kritik deutscher Journalisten am Kommunismus ist unglaubwürdig oder zumindest unangebracht, weil sie von der eigenen Nationalsozialistischen Vergangenheit ablenkt. Selbst wenn ihre Väter keine Nazis waren, stehen deren Angehörige, Kinder der nachfolgenden Generationen, unter Generalverdacht. Darüber sprach der vorhergehende Artikel.
Nun weiter mit der zweiten These:
Der Kritik von ehemaligen Kommunisten ist auch nicht zu trauen, gerade weil sie selbst Kommunisten waren. Sofern sie sich nicht ins Privatleben zurück gezogen haben, wird ihnen vorgeworfen, dass sie ihre Erfahrungen als Sprungbrett für eine neue Karriere als Experten des Kommunismus nutzten.
Zu letzteren zählt mein Freund des Kommunismus den Historiker Wolfgang Leonhard. Er sei aufgrund seiner Wende um 180 Grad aus der Reihe der vertrauenswürdigen Kritiker ausgeschlossen.
– Schließen wir doch gleich auch Alexander Solschenizyn und Karl Raimund Popper aus und mit ihnen alle anderen, die durch dieses Raster fallen. Es fragt sich, wer dann noch übrig bleibt, dem man eine Kritik zutrauen darf?
Den deutschen Journalisten nicht. Den ehemaligen Kommunisten, die jetzt den Kommunismus offen ablehnen, auch nicht. Die ehemaligen Kommunisten, die sich nicht mehr dazu äußern, schweigen brav.
Wer ist dann noch ein glaubwürdiger Zeuge, wenn wir mal die Kommunisten selbst und ihre Freunde aus dem Kreis der „goldenen Mitte“ ausschließen? Nun, ich will nicht sagen, dass das eine leere Menge ist. Sicherlich gibt es noch viele Unentschiedene und vor allem junge Leute, die zum Kommunismus bekehrt werden könnten.
Wen fragen wir aber, wenn wir etwas über den Kommunismus erfahren wollen? Die Geschichtsbücher? – Gut. Sie werden auch von manipulierbaren Menschen geschrieben, von Historikern, die sich ein Urteil gebildet haben, bevor sie etwas schreiben (siehe erster Artikel; oder meinen wir etwa, dass Historiker nur berichten aber niemals richten?). Wen noch? – Ich bin dafür, dass wir die Kommunisten selbst fragen. Natürlich. Lies Marx, Lenin, Trotzki, das Parteiprogamm der DKP, der MLPD usw. usf., meinetwegen, bitte schön! Wenn ich etwas über Gott erfahren will, frage ich schließlich auch nicht die Atheisten. Warum mit den Gegnern anfangen?
Sobald wir aber anfangen, uns mit dem Thema zu beschäftigen, werden wir schnell merken, dass wir auch die Gegenseite, darunter auch Ex-Kommunisten wie Solschenizyn, Leonhard, Popper, usw., fragen müssen, um zu einem Gesamturteil zu gelangen. Mein Kommunismus-Freund blendet das aus. Er ist da unerbittlich, weil er an vieles unerbittlich nicht denkt. Allein, eine vollzogene Wende macht niemanden zu einem unglaubwürdigen Zeugen. Leonhard hat doch nicht seine eigene Geschichte nach der „Wende“ neu geschrieben. Er kommt lediglich zu einem anderen Urteil. Ist der Apostel Paulus ein unglaubwürdiger Jude, weil er eine radikale Wende zum Christentum vollzogen hat? Ich glaube, jeder Bibelkenner im weitesten Sinne würde das verneinen. Vielleicht ist ein solcher „Umkehrer“ glaubwürdiger als jeder Mitläufer, der das rote Parteibuch eingesteckt und dafür sein Gehirn abgegeben hat.
Die Umkehrer sind eine unverzichtbare Ergänzung für unser eigenes Urteilen. Im politischen Bereich brauchen wir ihre Stimmen, d.h. ihre Meinung (ich spreche nicht von Wahlen), als Gegengewicht. Das gesellschaftliche Gleichgewicht ist anders nicht zu erreichen und nicht zu halten. Mein Freund will die „goldene Mitte“. Aber sie ist verschwindend klein, nur schwer abzugrenzen und total irrelevant, sie interessiert keinen und nützt keinem. Oder will er etwa eine Partei, wo alle einstimmig dasselbe reden? Das kann man gerne bekommen, wir müssen nur anfangen alle Gegenstimmen zum Verstummen zu bringen. Warum Oppositionen und Alternativen dulden? Ist doch anstrengend, diese Meinungsvielfalt!
Karr!
Nachtrag: Ein passendes Titelbild für diesen Beitrag wären wahlweise Paul Webers Schlag ins Leere (1934/1951) oder Hammerschläge (1971). Wegen der Urheberrechte verlinke ich hier nur die Webseite. Der Leser darf sich das selbst aussuchen.

Die Tragik des 20. Jahrhunderts (Teil 2)