Es gibt zwischen Glauben und Wissenschaft mehr Parallelen, als man denken könnte

Das erste Bild eines schwarzen Lochs aus einer fernen Galaxie versetzt die Wissenschaft in Partystimmung. 8 Radioteleskope auf 4 Kontinenten und ein 200-köpfiges Team haben es geschafft. Ein Algorithmus hat die Unmengen von Daten zu einem Bild zusammengesetzt. Der Blick ins Nichts am Ende von Raum und Zeit schürt die Hoffnung auf tiefere Einblicke in die Geheimnisse des Universums.
Einer der Initiatoren hinter dem Verbund der Observatorien ist der Astrophysiker Heino Falcke. Über schwarze Löcher sagt er: „Wir wissen nicht, was in ihnen vor sich geht. Darin kann alles passieren. Man kann hinein, aber nicht mehr heraus. Das macht manchen Menschen Angst. Und hat etwas Mystisches, fast wie der Eingang zur Hölle.“
Falcke bekennt sich zu seinem Glauben an Gott. Dem „Spiegel“ sagte er: „Es gibt zwischen Glauben und Wissenschaft mehr Parallelen, als man denken könnte. Beide suchen nach dem Grund von allem. Nur traut sich die Physik nicht, einen Schritt weiterzugehen und die Frage nach Gott zu stellen. Ich glaube aber, dass der Mensch nicht nur aus Naturgesetzen besteht. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass da noch mehr ist. Wir haben Geist, Gefühl und Seele. Und diesem Bauchgefühl folge ich auch in der Wissenschaft oft.“
Schwarze Löcher sind extreme Phänomene. Diese Monster der Schwerkraft verschlucken alles Licht. Um sie herum brodelt es, rast alles. Gas wird enorm heiss. Die Energien sind gewaltig, während die Zeit beinahe stillzustehen scheint.
Ein anderes Loch, wo die Zeit für einen Augenblick stillstand, ist ein Felsengrab in Jerusalem. Die Energie, die dort herrschte und den toten Jesus verwandelt wieder ins Leben setzte, muss grösser gewesen sein als in jedem lichtschluckenden Monsterloch im Universum.
Am Kreuz wurde es dunkel; im Grab herrschte Licht. Es ging um alles: um Sünde und Tod besiegen. Raum und Zeit durchbrechen. Ins Leben auferstehen. Den Weg in die Ewigkeit bahnen. Solches vermag nur eine Kraft, die ausserhalb des Sichtbaren existiert.
Das Grab war leer, ein schwarzes Loch. Und doch der Eingang zum Himmel. „Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier. Er ist auferstanden!“ Der Blick ins leere Grab weckt die unbändige, begründete Hoffnung auf neues, ewiges Leben. Der Glaube sieht weiter und tiefer als ein Radioteleskop. Frohe Ostern! Rolf Hoeneisen

Tolstoi und Nietzsche stehen am Scheideweg

Tolstoi und Nietzsche stehen am Scheideweg. Der eine haßt alle Wege, während der andere sie alle liebt. Das Ergebnis ist nicht schwer vorherzusehen - sie stehen und stehen am Scheideweg -- Chesterton, Orthodoxie

Erklärung: Tolstoi findet alles Handeln böse, Nietzsche alles Handeln gut. Und so werden beide untätig, weil sie keine Entscheidungen fällen können, da sie schlicht nicht beurteilen können welcher Weg nun besser ist:
Beide sind sie ohnmächtig – der eine, weil er nichts festhalten, und der andere, weil er nichts loslassen darf. Der Tolstoische Wille ist gelähmt durch das buddhistische Gefühl, daß jedes beschränkte Handeln böse ist. Aber der Nietzscheaner ist ebenso gelähmt durch seine Ansicht, daß jedes beschränkte Handeln gut ist — Chesterton: Orthodoxie, S. 90
http://www.philippkeller.com/pages/chesterton-orthodoxie.html#mybook/7

Wer ist heutzutage ein „fundamentalistischer Christ“?

Dazu hatte ich heute eine kurze Diskussion auf facebook. Anlass war die Meinung eines Diskussionspartners, das Buch „Das geplante Universum“ (hgg. von Markus Widenmeyer) sei für fundamentalistische Christen ziemlich wertlos. Ich widersprach und wollte wissen, was man unter solchen Christen versteht. Antwort: „Leute, die die Bibel wörtlich und als göttliche Offenbarung verstehen.“
Das war mir zwar nicht neu, aber eine solche „Definition“ ist unsinnig. Denn: Ich selber hoffe eigentlich, dass ich (unter Beachtung des Kontextes versteht sich) wörtlich genommen werde, wenn ich etwas schreibe oder sage, und dass man dann nicht irgendwas sucht, was nicht dasteht, oder etwas, das ich gar nicht behauptet habe. Die meisten Menschen wollen, dass man sie beim Wort nimmt und es nicht herumdreht (es gibt spezielle Ausnahmen). In der normalen Kommunikation sind also demnach die meisten Menschen fundamentalistisch. Reinhard Junker

 

Tabuisierte Gender- Kritik

So reagieren aufklärte, weltoffene, tolerante … Zeitgenossen auf eine sachlich begründete Kritik an dem sexualisierenden Programm des Gender- Mainstreaming. Hier einige Kommentare zu einen von mir bei YouTube veröffentlichten Vortrag über Gender- Mainstreaming:
„Noch so ein religiöser Depp, klammert sich an einen uralten Aberglauben und lehnt alles Moderne ab! Bloß keine Veränderung und Anpassung an echte Lebenswirklichkeit der Menschen, alles was gegen das rückständige, engstirnige religiös fanatische Weltbild spricht wird als „Böse“ abgestempelt!“
„Wenn man seine Reden hört bin ich froh ein Atheist zu sein und ein Leben ohne diese ideologisierte Religion zu führen.“
„Was für eine Unverschämtheit! Absoluter Schwachsinn!“
„Die Psychologie ist eine Wissenschaft, die ihr Christen natürlich gern bekämpft, weil sie eure homophoben Vorurteile zerlegt hat und eher die Ursachen für eure Homophobie erforscht.“
„Alles reine religiöse Propaganda von rechten Spinnern … Ginge es nach den Religiösen hätten die Kinder gar keine Sexualkunde oder Evolutionslehre!“
„Es ist echt widerlich, wie die Christen anderen durch solche Lügenmärchen ihre prüde Keuschheitsmoral aufdrücken wollen.“
„Kinder haben eben auch ein Recht auf unabhängige Bildung, auch gegen Fundamentalisten und Radikalen, die den Kindern radikale Ideologien wie Schwulenhass einzutrichtern versuchen.“
Mir geht es einfach gegen den Strich das die Religionen im 21sten Jahrhundert … immer noch so viel Macht und Einfluss haben, … alles was bisher erreicht wurde musste gegen massiven Widerstand der Religionen erkämpft werden!“
„Überall wird einem religiöser Blödsinn um die Ohren gehauen. Das fängt mit Kreuzen und Religionsunterricht schon in der Kita an und geht über viele Bereiche der Öffentlichkeit weiter wo die Religionen immer noch starken Einfluss haben.“
Aus meiner Sicht zeigen öffentliche Kommentare wie diese, dass die Forderungen nach Toleranz und Akzeptanz vielfach lediglich manipulative Lippenbekenntnisse sind. In Wirklichkeit geht es zumeist um die Ablösung einer Weltanschauung durch eine andere. Nach einem Kampf um die allgemeine Anerkennung versuchen Gender- Ideologen nun ihre Dogmen mit medialer und politischer Gewalt durchzusetzen und zur allein gültigen Sichtweise zu erklären. Wer sich kritisch dazu äußert, ganz gleich mit welchen Argumenten, der wird schnell diffamiert, lächerlich gemacht oder anderweitig bekämpft. Obwohl bereits der Großteil der deutschen Bevölkerung auf Linie gebracht ist, ertragen es ideologisch gestimmte Gender- Anhänger nicht, dass jemand wohlbegründet eine andere Meinung vertritt.
Die vielbeschworene „freie Gesellschaft“ hat sich in dieser Hinsicht als Illusion erwiesen. Im Bereich des Sexuellen wird heute lediglich das was früher abgelehnt wurde, als zeitgemäßes Ideal gefeiert. Und es werden neue Tabus aufgerichtet: Mütter, die sich ihre Kinder kümmern wollen werden ebenso lächerlich gemacht, wie Menschen, die Heterosexualität als normal betrachten oder die Unterschiede zwischen Mann und Frau konkret benennen.
Was wir brauchen ist echte Freiheit, nicht einfach eine neue Ideologie, die allein ihre Sichtweise gelten lassen will. Und wir brauchen Christen, die trotz der politischen und medialen Meinungsmache selbstständig denken und auch vor der Absurdität vieler Gender- Forderungen nicht einfach den Kopf in den Sand stecken. Denk- und Lebensalternativen zur gängigen Gender- Ideologie sind unbedingt nötig. Früher oder später haben Menschen die Nase voll von sexueller Beliebigkeit, von der Zerstörung sexueller Identität, von Sexualität als bloßem Konsumgut, von egoistisch orientierten Partnerschaften usw. Dann braucht es eine ehrliche und lebbare Alternative. Die finden wir in der Partnerschaft zwischen einem Mann und einer Frau, wie Gott sie ursprünglich organisiert hat. Dazu sollten Christen stehen und dementsprechend leben; auch, wenn sie deshalb von vielen verspottet werden. Michael Kotsch 2017

Tikis Abschied

Veröffentlicht am 5. März 2019 von brink4u

Als Buchhändler in München-Neuhausen (nordwestlich der ‚Donnersberger Brücke‘) hatten wir natürlich ‚Tikis‘ Bücher aus dem Claudius-Verlag, aus dem gleichen Stadtteil (nordöstlich der ‚Donnersberger Brücke‘) im Regal.
Sicher: als ‚christliche Fachbuchhandlung‘ im evangelikalen Sinn war man zunehmend über die Inhalte irritiert, hat es aber doch meist als kreative Ausdrucksform protestantischer Frömmigkeit à la ‚Tiki‘ abgetan … – das ist mittlerweile 15 Jahre her
Gestern hat Ron Kubsch nun im Theoblog den altersbedingten Abschied von Werner Küstenmacher ‚als Prediger bei der Evangelischen Morgenfeier‘ des BR wie folgt kommentiert:
In gewohnt kreativer Weise hat sich Werner Küstenmacher (Tiki) bei der Evangelische Morgenfeier verabschiedet. Nicht nur das. Der Pfarrer sprach offen über seine Abschiede vom dem christlichen Glauben, der uns ein für allemal überliefert ist (vgl. Jud 3).
Ich empfehle, die Sendung nachzuhören und herauszuschälen, wie im Namen von Vernunft und Menschlichkeit das Evangelium völlig umgedeutet und so weit entleert wird, dass es nur eine trügerische Hoffnung vermittelt
.
Dort findet sich auch der Radio-Mitschnitt der ‚Evangelischen Morgenfeier‘ …
Zudem hat der Theoblog seinerzeit eine Kommentierung und Buchbesprechung von Dr. Falko Hornschuch zu ‚Gott 9.0‘ vorgelegt.
TheBlog weiter:
Wer mehr über das evolutionäre Glaubensverständnis von Werner Küstenmacher erfahren möchte, sollte die Rezension über sein Buch Gott 9.0 lesen. Küstenmacher folgt esoterischen Überzeugungen, wie sie von Clare W. Graves, Don Beck, Christopher Cowan oder Ken Wilber bekannt gemacht worden sind. „Gott“ ist letztlich eine Metapher für den Menschen. Die „alten einengenden Glaubensvorschriften und Denkgefängnisse“ sind vermeintlich durch eine gefühlige, raumschaffende Selbstfindung überwunden. Gesetzt wird ganz auf den Menschen. Was ist das Problem? Der Mensch ist erlösungsbedürftig!
Hornschuch zitiert Johannes Hartl, der das Buch bereits am 16. Februar 2011 bei Amazon kritisch rezensierte (und dafür nur 1/5 ‚Sternchen‘ bekam …), und schließt sich ihm in seiner Kritik inhaltlich an (Seite 3+4):
‚(…), am Christentum wird das (wenige!) betont, was zu den weltanschaulichen Prämissen des Modells passt, das (erheblich umfangreiche) Andere wird als Rest einer bereits überwunde-nen Geistesstufe als irrelevant zu den Fossilien gelegt oder schlichtweg verschwiegen.‘ (…)
‚Was … untergeht ist der extrem große spekulative Gehalt der präsentierten Theorien. Modelle mit solch gewaltigem explikativen Anspruch wie ‚Spiral Dynamics‘ nähern sich bedrohlich dem, was man ‚unfalsifizierbar‘ oder noch schärfer: ‚Ideologie‘ nennen könnte. Wird ein solches Modell dann zur wertenden Instanz über Relevanz oder Irrelevanz aller Aussagen eines sich der (geoffenbarten) Wahrheit verpflichteten Religion, dann nimmt dieses Modell exakt jene Stellung ein, die zuvor der sich offenbarenden Instanz (z.B. Gott) zuerkannt worden ist, oder?‘

Quellen:

  • Hier der Link auf den ganzen Artikel im TheBlog
  • Hier der Link auf die Morgfeier vom 03.03.2019 in Bayern 1, dort auch die 10-seitige pdf des Textes von Werner Küstenmacher
  • podcast der Morgenfeier vom 03.03.2019
  • Dr. Falko Hornschuch: Buchbesprechung zu Werner Tiki Küstenmacher: ‚Gott 9.0  – Wohin unsere Gesellschaft spirituell wachsen wird‘
  • Rezension J. Hartl auf amazon zu ‚Gott 9.0‘

Selbstüberwindung

Echte und überflüssige Berater, Coachs, Therapeuten oder Gurus geben einem heute fast immer selbe Mantra: „Mach wozu Du List hast!“ oder anders ausgedrückt: „Du weißt am besten, was für Dich gut ist!“ – Natürlich hört sich das ziemlich gut an, denn wer will sich schon von jemand anders sagen lassen, was in einer bestimmten Situation dran ist oder wovon man besser die Finger lassen sollte. Viele Menschen fragen zwar nach der Meinung anderer, suchen in Wirklichkeit aber nur eine begeisterte Zustimmung. – Ok, dann gilt heute also: „Du bist absolut toll! Alles was Du machst und willst ist absolut Hammer!“ – Damit sind die meisten bestens zufrieden und die Freundschaft ist erst einmal garantiert. Nur stimmt dieser Zuspruch eben nicht immer.
Manchmal hat man keinen wirklichen Durchblick. Dann rät einem das Gefühl genau zu der falschen Entscheidung. Oftmals ist das Richtige eben auch mit Mühe, unangenehmer Selbsterkenntnis oder Überwindung der eigenen Trägheit verbunden.
Wahrscheinlich gibt es kaum ein erstrebenswertes Ziel, dass nicht auch etwas kostet. Ohne ein gewisses Maß an Selbstüberwindung bekommt man höchstens kurzfristige Befriedigungen: billige Komplimente bei lauter Musik und Alkohol; relativ schnelle Erfolge beim Zocken am Computer; Angebereien oder billige Witze, Leute abzocken für den eigenen Vorteil usw.
Echt lohnenswerte Ziele kosten Selbstüberwindung: Die Überwindung im Sport nicht aufzugeben, auch wenn die Muskeln schmerzen und die Leistung nur langsam steigt. Die Überwindung sich mit einem neuen Instrument immer wieder zum Üben hinzusetzen, auch wenn ein Musikstück selbst nach 10 Stunden noch nicht konzertreif ist. Die Selbstüberwindung, sich in einer Partnerschaft auf die Eigenarten und Fehler des Anderen einzustellen, auch wenn sie nerven. Die Selbstüberwindung eigene Bequemlichkeit zurückzustellen, um sich Zeit für Gott und für andere Menschen zu nehmen, auch wenn man gerade keinerlei Lust dazu hat. – Gut das Gott Kraft gibt um das Unangenehme tun zu können!
„Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt.“ (Epheser 6, 13) Michael Kotsch

„… und aus ist’s mit der Lenkerei“

„... und aus ist’s mit der Lenkerei“

Michail Bulgakows Der Meister und Margarita ist eines der populärsten Werke der modernen russischen Literatur. 1940 vollendet konnte der Roman erst 1966/67 in der Sowjetunion erscheinen. Der Teufel selbst treibt darin in der Gestalt von Voland, des „Spezialisten für schwarze Magie“, in Moskau sein Unwesen.
In der ersten Szene verwickelt er zwei Schriftsteller in ein Gespräch. Einer arbeitet gerade an einem literarischen Angriff auf das Christentum. „Wenn es keinen Gott gibt, wer lenkt dann eigentlich das menschliche Leben und überhaupt den ganzen Ablauf auf der Erde?“, wendet Voland ein. „Der Mensch selbst“, so einer der Schriftsteller. Der Teufel bleibt skeptisch: „Um das alles zu lenken, bedarf es schließlich eines genauen Planes für einen halbwegs angemessenen Zeitraum“. Wie will der Mensch aber alles lenken, wenn er nicht „für so eine lächerliche Frist von… eintausend Jahren“ planen kann? Außerdem kann er sich „nicht einmal sicher sein, was ihm selber der morgige Tag bringt“. Er nennt das Beispiel eines Lungensarkoms, „und schon ist es aus mit Ihrer Lenkerei!“ Den Autor des „antireligiösen Poems“ lässt Voland tatsächlich bald darauf bei einem Unfall sterben.
Wer steht am Ruder des Weltgeschehens – wir selbst, der Teufel oder Gott? In wessen Hand ist unser eigenes Leben? Bulgakows Teufel stürzt Moskau in Verwirrung und betreibt selbst fleißig Lenkerei. Im Roman bleibt es letztlich offen, ob der Mensch der Willkür des Teufels ganz ausgeliefert ist und ob es einen göttlichen Lenker gibt. Voland bekräftigt aber die Existenz Gottes, und auch in der Bibel heißt es ja, dass Teufel und Dämonen in gewissem Sinne an Gott glauben – „und zittern“ (Jak 2,19). Der wahre Teufel handelt aktiv in der Welt und versetzt sie nur zu gern in Chaos, was besonders in Kriegen sichtbar wird. Jesus selbst nannte ihn den „Fürsten dieser Welt“ (Joh 12,31). Auch der Mensch soll über die Natur herrschen, die Erde als eine Art Vizeregent Gottes verwalten (Gen 1,26.28).
Doch der „oberste Herr und Lenker aller Dinge“, so Johannes Calvin im Genfer Katechismus, bleibt Gott selbst. Er lenkt „die ganze Ordnung der Natur“ und „regiert über alle Geschöpfe“. Auch alles Böse und die Teufel unterliegen seiner Kontrolle. Der Reformator weiter: „Es stünde schlimm um uns, wenn den Teufeln und gottlosen Menschen ohne Gottes Willen irgendetwas erlaubt wäre. Bei dem Gedanken, ihrer Willkür ausgesetzt zu sein, müssten wir ja stets unruhigen Gemüts sein. Nur dann können wir ganz ruhig sein, wenn wir wissen, dass ihnen durch Gottes willen Zügel angelegt sind und sie wie in einer Burg gefangen sind, so dass sie ohne seine Erlaubnis nichts tun können.“
„Der Mensch denkt: Gott lenkt – Keine Red davon!“, spottete Bertold Brecht in Mutter Courage. Er spielte damit an Sprüche 16,9 an: „Ein Mensch kann seinen Weg planen, seine Schritte aber lenkt der Herr.“ Auch gläubige Menschen planen natürlich ihr Leben, aber sie wissen und erfahren, dass Gott sie in diesem Planen, Nachdenken und Entscheiden lenkt. Gerade wenn die Zukunft offen und unsicher ist, können sie daher „ganz ruhig“ sein und Gottes Lenkung oder Führung vertrauen.
In der Theologie wird die Lenkung des gesamten Weltgeschehens durch Gott unter dem Begriff „Vorsehung“ betrachtet. In den meisten reformierten Bekenntnissen finden sich dazu Abschnitte (so im Hugenottenbekenntnis von 1559, Art. 8, oder im Zweiten Helvetischen Bekenntnis, 1566, Art. 6,1). Sehr gut erläuertert der Heidelberger Katechismus (1563) in Fr. 27 die Vorsehung: „Die allmächtige und gegenwärtige Kraft Gottes, durch die er Himmel und Erde mit allen Geschöpfen  wie durch seine Hand noch erhält und so regiert, dass Laub und Gras, Regen und Dürre, fruchtbare und unfruchtbare Jahre, Essen und Trinken, Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut und alles andere uns nicht durch Zufall, sondern aus seiner väterlichen Hand zukommt.“
Auf der Linie Calvins betont auch das Niederländische Bekenntnis (1561) in Art. 13 den persönlichen Trost durch diese Lehre: „Wir glauben, dass der liebe Gott, nachdem er alle Dinge geschaffen hatte, sie keineswegs der Willkür des Zufalls oder Schicksals überlassen hat, sondern dass er selbst, nach Vorschrift seines heiligen Willens, sie immerwährend so regiert und lenkt, dass nichts in der Welt ohne seinen Willen und seine Anordnung geschieht… Diese Lehre aber bringt uns unermesslichen Trost. Denn aus ihr lernen wir, dass uns nichts zufällig trifft, sondern alles nach dem Willen unseres himmlischen Vaters geschieht, der für uns mit wahrhaft väterlicher Sorge wacht… Hierbei beruhigen wir uns völlig, indem wir wissen, dass Gott die Teufel und alle unsere Feinde gleich wie mit einem Zügel so im Zaum hält, dass sie ohne seinen Willen und seine Erlaubnis niemand von uns schaden können.“
Auf dieser von Sünde und Leid gekennzeichneten Erde bedeutet Vorsehung also nicht die Auslöschung alles Bösen, sondern dessen Kontrolle. Mehrfach taucht in den reformierten Texten dafür das Bild der Zügel auf. Der Heidelberger nennt ungewöhnlich konkret verschiedene Übel wie Dürre, Krankheit und Armut. In Hebräer 11,35f ist sogar von Folter und gewaltsamen Todesarten der Glaubenshelden des Alten Testament die Rede.
Das Böse, der Teufel und eine Vielzahl von üblen Gestalten wirken in der Geschichte, aber Gott setzt ihnen auch Grenzen. Die Weihnachtsgeschichte bekräftigt dies. Herodes der Große, der mächtige Vasall der Römer, zwingt die Familie Jesu zur Flucht und ermordert dann auch noch ungehindert Kleinkinder in Judäa (Mt 2,14–16). Die „Könige der Erde“ (Ps 2,2) lehnen sich gegen den „Gesalbten“ auf, aber Gott lacht über sie, ja verspottet sie (V. 4). Zu Pilatus, der auch eine wichtige Figur in Bulgakows Roman ist, sagt Jesus: „Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre“ (Joh 19,11). Zu seiner Zeit „stößt er die Gewaltigen vom Thron“ (Lk 1,52). Denn es ist wahrlich nicht „der Mensch selbst“, der die Geschicke der Welt lenkt. Dies ist eine demütigende Wahrheit, die aber auch „unermesslichen Trost“ schenkt. http://lahayne.lt/2018/12/19/und-aus-ists-mit-der-lenkerei/

Schneeballschlachten

Im kleinen Ort Severance im US-Staat Colorado sind Schneeballschlachten seit 100 Jahren illegal. Dass das Werfen von Schneebällen in diesem Winter erstmals offiziell erlaubt sein wird, geht zurück auf die Initiative des 9-jährigen Dane Best. Drei Minuten dauerte sein Plädoyer vor dem Gemeinderat. Dane forderte, dass jeder in Severance in der Lage sein soll, „eine Schneeballschlacht zu haben, wie überall auf der Welt“. Der Rat folgte seinem Antrag einstimmig.
Nicht nur wir fragen uns, wie es zu einem Schneeball-Verbot gekommen ist. Das taten auch die Gemeindebehörden von Severance. Beim Nachforschen stellten sie fest, dass der Ursprung des Wurfverbots ziemlich unklar ist. Seine Wurzeln liegen wohl in einer Regelung aus dem Jahr 1921. Nach dieser ist es untersagt, „Steine oder jegliche anderen Wurfgeschosse“
auf Menschen, Tiere, Gebäude, Bäume und Fahrzeuge zu werfen. Irgendwelche Entscheidungsträger in der Vergangenheit müssen Schneebälle auf diese rote Liste gesetzt haben. Es brauchte fast 100 Jahre und einen 9-jährigen Jungen, um ein ständig weitergesagtes, aber unbegründetes und unsinniges Verbot umzustossen. Schneeballschlachten fördern die Lebensfreude!
Wie wir reden, leben, denken und glauben, ist es doch richtig, oder? Oder kann es sein, dass wir Regeln und Traditionen als Wahrheit betrachten, ohne deren eigentlichen Grund zu kennen? Ich fürchte nämlich, dass wir weit mehr von unserer Kultur, Familie und Sprache geprägt sind, als wir meinen. Wir müssen aufpassen: Während wir die Pollen rausfiltern, verschlucken wir möglicherweise die Kokosnuss!
Jesus wusste um das Problem der verschobenen Proportionen. Im Matthäus-Evangelium bemüht er sich ein ganzes Kapitel lang (Kapitel 23), den religiösen Autoritäten ein Problem vor Augen zu führen: „Ihr gebt noch von Gartenminze, Dill und Kümmel den zehnten Teil, lasst aber die wichtigeren Forderungen des Gesetzes ausser Acht: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue! (…) Die Mücke siebt ihr aus, aber das Kamel verschluckt ihr. (…) Ihr reinigt das Äussere von Becher und Schüssel, aber was ihr drin habt, zeigt eure Gier und Masslosigkeit.“
Viele Differenzen unter Christen entstehen dadurch, dass eigene Vorlieben zum Willen Gottes erklärt werden – sei es in Theologie, Kirche, Ethik, Musik, Kunst. Die Mücken werden rausgesiebt. Unbemerkt bleibt, wie dabei das Kamel verschluckt, das Wesentliche vergessen wird. Achten wir auf unser Herz. Und ertragen wir einander in Liebe. https://www.facebook.com/rolf.hoeneisen

Stammen alle Menschen von einem Paar ab?

Die Zeitschrift DAILY MAIL berichtete online am 24. November 2018 von einer Studie, die ergeben habe, dass alle modernen Menschen von einem Paar abstammen. In dem Artikel heißt es:
Alle modernen Menschen stammten von einem einsamen Paar ab, das vor 100.000 bis 200.000 Jahren lebte, sagen Wissenschaftler.
Wissenschaftler untersuchten die genetischen „Strichcodes“ von fünf Millionen Tieren – einschließlich Menschen – von 100.000 verschiedenen Arten und folgerten, dass wir von einem einzigen Paar Erwachsener stammten, nachdem ein katastrophales Ereignis die Menschheit fast ausgelöscht hätte.
Diese Strichcodes oder DNA-Ausschnitte, die sich außerhalb der Kerne lebender Zellen befinden, deuten darauf hin, dass es nicht nur Menschen sind, die von einem einzigen Wesenspaar stammen, sondern auch neun von zehn Tierarten.
Stoeckle und Thaler, die Wissenschaftler, die die Studie leiteten, kamen zu dem Schluss, dass neunzig Prozent aller heute lebenden Tierarten von Eltern stammen, die alle etwa zur gleichen Zeit, vor weniger als 250.000 Jahren, mit der Geburt begannen und die Muster der menschlichen Evolution in Frage stellten.
Im Artikel wird allerdings auch darauf hingewiesen, dass dieser Befund nicht im Sinne einer klassischen Schöpfungslehre interpretiert werden solle. Es dürfte viele Diskussionen geben. Hier: www.dailymail.co.uk.

Stammen alle Menschen von einem Paar ab?

 

Rezension zu „Weiterglauben: Warum man einen großen Gott nicht klein denken kann“ von Thorsten Dietz

Ich habe mich darauf gefreut das Buch „Weiterglauben: Warum man einen großen Gott nicht klein denken kann“ von Thorsten Dietz zu lesen. Doch leider ist das Buch sehr enttäuschend und ich kann es nicht weiterempfehlen! Aber der Reihe nach…
Zunächst sei angemerkt, dass Thorsten Dietz ein unbeschriebenes Blatt für mich war und ich gespannt war ein Buch von einem Professor für Systematische Theologie an der Evangelischen Hochschule Tabor zu lesen! Ich habe mich verpflichtet eine Rezension zu schreiben und hier ist sie:
1. Der Inhalt von „Weiterglauben“
Im Vorwort des Buches beschreibt Dietz sein Anliegen Menschen zu helfen, wie sie heute noch weiter glauben können. Der Autor greift von vornherein die Beobachtung auf, dass es in der Christenheit zwei unterschiedliche Lager gibt, zwischen denen große Spannungen bestehen und die viele Christen verunsichern.
„Der Titel dieses Buches, Weiter glauben, markiert diese Spannung: Die einen sehnen sich nach mehr Weite im Glauben; andere empfinden solche Weite als Auflösung, sie wollen am Glauben weiter festhalten. „Weiter“ lässt sich temporal und lokal verstehen: lokal im Sinne von mehr Weite, Flucht aus der Enge, aber eben auch temporal, weiter im Sinne von weiterhin glauben, den Glauben nicht verlieren wollen. Dieses Buch handelt von der Frage, ob und wie beides gelingen kann.“ S. 15
Der Autor möchte verbinden:
„In diesem Buch werden Prozesse der Polarisierung untersucht und beschrieben mit der Absicht, die Brücken, die Übergänge und Verbindungstunnel zwischen den Lagern zu pflegen und zu stärken. Unterschiedliche Frömmigkeitsstile brauchen vielleicht einander zur Ergänzung, verschiedene Phasen des Glaubens können auch zeitversetzt nebeneinander bestehen, so manche notwendige Auseinandersetzung könnte verständnisvoller und gründlicher geführt werden.“ S. 11 Weiterlesen