Archiv für die Kategorie „Gelesen“

Friedens-Kind: Der Bericht vom Wandel einer Dschungelkultur grausamer Tücke

Samstag, 31. Juli 2010

Don Richardson war als Anthropologe und Missionar zum Stamm der Sawi in Neuguinea gekommen. Sein Ziel war es, die christliche Botschaft unter diesem Stamm zu verkündigen, der noch fast im Steinzeitalter lebte. Aber die christliche Botschaft Stieße mit den ungewöhnlichen Moralvorstellungen der Stammesleute zusammen, und so vergingen mehrere Jahre der Enttäuschung und Erfolglosigkeit.
Die christlichen Werte von Liebe und Vergebung sprachen nämlich die Sawis nicht an, denn für sie war Verrat die höchste Tugend. Sie sahen keinen Grund, warum sie ihre grausamen Gewohnheiten und auch den Kannibalismus aufgeben sollten. Als Richardson ihnen die Geschichte von Jesus erzählte, interessierten sie sich nur für eine einzige Tatsache: die Geschichte vom Verrat des Judas! Für die Sawis war Judas ein echter Held; listig war er in den inneren Kreis der Vertrauten Jesu gekommen und hatte ihn dann verraten.
Jeder Versuch Richardsons, den Sawis von Christus zu erzählen, schlug fehl. (weiterlesen…)

John Lennox : “Hat die Wissenschaft Gott begraben?”

Dienstag, 20. Juli 2010

„John Lennox ist Professor für Mathematik an der Universität Oxford. Er hat schon mehrmals öffentlich mit Richard Dawkins und Christopher Hitchens diskutiert, den weltweit führenden Vertretern des ‚neuen Atheismus’“ (Klappentext). Dieses Buch lässt sich als Fortführung der Diskussion auf schriftlichem Wege verstehen. Es ist eine Antwort auf Dawkins und dessen Gesinnungsgenossen. Aber welch eine Antwort! Sie demonstriert eine profunde Kenntnis verschiedenster Wissenschaften. Sie pflegt einen äußerst fairen Diskussionsstil. Sie zeigt Schritt um Schritt auf, dass eine Argumentation, die das Universum und das Leben auf der Erde mithilfe darwinistischer Denkmuster von seinem Ursprung her erklären und verstehen will, scheitert. Sie scheitert an den anerkannten Ergebnissen der Wissenschaft auf der Höhe der Zeit. (weiterlesen…)

Ein Dichter kam vom Rhein.

Montag, 19. Juli 2010

Das Leben und Leiden Heinrich Heines, notiert von einem Dichter, der wie Heine mit den Waffen des Wortes für Menschlichkeit und Toleranz kämpft. Den eigenen sowjetischen Erfahrungshorizont vor Augen schuf Lew Kopelew mit seiner Romanbiographie -Ein Dichter kam vom Rhein- eine außergewöhnlich schwungvolle Lebensbeschreibung und ein Dokument der Völkerverständigung.

Lew Kopelew zitiert aus Heines Briefen, vollzieht die Entstehung seiner Gedichte nach, die Herausbildung des hoffenden Heine, des spottenden, des verachtenden, des höhnischen, des humorvollen Heine – er lässt uns erleben, wen Heine liebte, warum, und wie viel ihm Worte bedeuteten. Sein Exil, seine Geldsorgen, seine Heimatsehnsucht,… der Glaube an ein Deutschland der Dichter und Denker, sein Leben, das in der Matratzengruft endete – der letzte Satz seines Lebens. Die Menschen, die ihn begleiteten, die ihn liebten und hassten, verfolgten und fürchteten – dies alles ist in dem Buch, und zwar so erlebt, dass man mit Heine lacht und bangt und hasst und hofft, dass man an seinen Lippen hängt, wenn er diskutiert und schreibt und denkt – dass man sich fühlt, als wäre man er, als wäre man dabei. Mehr als nur eine Biographie.
Über den Autor
1912 in Kiew geboren, wurde Lew Kopelew in jungen Jahren zum überzeugten Kommunisten. Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er als Propagandaoffizier für die Befreiung der Sowjetunion von Nazi-Deutschland. Weil er sich beim Einmarsch der sowjetischen Truppen in Ostpreußen für eine menschenwürdige Behandlung der deutschen Bevölkerung einsetzte, wurde er trotz seiner Tapferkeit und seiner militärischen Verdienste zu zehn Jahren Lager verurteilt. In dieser Zeit lernte er Alexander Solschenizyn kennen, der ihn in seinem berühmten Buch “Im ersten Kreis der Hölle” zu einem seiner Helden (Lew Rubin) machte. Nach seiner Freilassung (1954) und Rehabilitierung (1956) konnte Lew Kopelew als Literaturwissenschaftler und Germanist arbeiten und veröffentlichen; zunehmend setzte er sich für Andersdenkende ein – so für Solschenizyn und Andrej Sacharow – und protestierte entschieden gegen die Niederschlagung des “Prager Frühlings”. Dadurch geriet er mit der sowjetischen Obrigkeit in scharfen Konflikt. In den sechziger Jahren begegnete er erstmals Heinrich Böll. Aus dieser Begegnung wurde eine außergewöhnlich tiefe und im positiven Sinne folgenreiche Freundschaft zweier Menschen, die sich im Krieg als Feinde gegenüber gestanden hatten.
Lew Kopelew starb am 18. Juni 1997 starb in Köln. Seine Urne wurde nach Moskau überführt, wo die Asche auf dem Donskoi-Friedhof neben seiner Frau Raissa Orlowa beigesetzt wurde.
Verlag: DTV Deutscher Taschenbuch (Januar 1986) # ISBN-10: 3423103043 # ISBN-13: 978-3423103046

Achtung, Anthroposophie

Dienstag, 13. Juli 2010

Das Buch liest sich flüssig. Die vermittelten Informationen sind klar gegliedert und aufschlussreich. Die Tatsache, daß es sich um einen Ausstiegsnachbericht handelt, macht das Thema sehr interessant. In Anbetracht der geringen Anzahl im Handel erhältlicher kritischer Bücher zum Thema Rudolf-Steiner-Pädagogik und Anthroposophie auf einem von anthroposophischen Verlagen dominierten Medienmarkt, setzt dieses Buch einen Kontrapunkt zur durchweg positiven Selbstreferenz anthroposophischer Autoren. Wer als Elternteil, Lehrer oder menschenkundlich Interessierter mit anthroposophischen Erziehungsmethoden befasst ist, dem wird dieses Buch helfen seine eigene Position zu finden.
Das Buch der Baumann-Bays erhebt keinen wissenschaftlichen Anspruch. Es ist ein Erfahrungsbericht, garniert mit aufschlussreichen Zitaten Steiners.
Achtung, Anthroposophie (Taschenbuch) von Lydie Baumann-Bay (Autor), Andreas Baumann-Bay (
- Taschenbuch: 219 Seiten
- Verlag: Kreuz-Verlag (2000)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3268002552
- ISBN-13: 978-3268002559

Generation Doof: Wie blöd sind wir eigentlich?

Sonntag, 27. Juni 2010

Kein hoch wissenschaftliches Werk, aber eine gelungener Blick auf ein gesellschaftliches Problem, dass uns in den nächsten Jahren alle beschäftigen wird. Auch wenn das Buch an sich sehr witzig und kurzweilig ist, ist es das Thema leider nicht.
Kurzbeschreibung
Niklas glaubt, der Dreisatz wäre eine olympische Disziplin. Latoya kennt drei skandinavische Länder: Schweden, Holland und Nordpol. Und Tamara-Michelle hält den Bundestag für einen Feiertag. Einzelfälle? Mitnichten. Eine ganze Generation scheint zu verblöden. Der Staatsanwalt von nebenan erzieht seine Kinder mit der Spielkonsole. Germanistikstudenten sind der deutschen Sprache nicht mehr mächtig. Eine Karriere als Popstar erscheint dem Bäckerlehrling verlockender als eine solide Ausbildung. Dieses Buch geht der Frage auf den Grund, wie es wirklich um die Mütter, Väter und Bundeskanzler von morgen steht. Geschrieben haben es zwei Autoren, die mit der Generation Doof per Du sind. Denn es ist ihre eigene.
Stefan Bonner und Anne Weiss beleuchten die Generation Doof aus verschiedenen Blickwinkeln und beschreiben unser heutiges Leben sehr anschaulich mit vielen geeigneten Episoden, die oft lustig, manchmal auch traurig oder sogar erschreckend sind. Mit viel Ironie und ohne Überheblichkeit wird man bei dieser Lektüre gut unterhalten. Vielleicht regt sie den einen oder anderen ja auch an, über das eigene Leben nachzudenken. Letzten Endes bleibt es dem Leser selbst überlassen, ob er die Meinung der Autoren über die Generation Doof teilt oder nicht.
Taschenbuch: 336 Seiten Verlag: Bastei Lübbe; Auflage: 1. Aufl. (Februar 2008) ISBN-10: 3404605969 # ISBN-13: 978-3404605965 Generation Doof: Wie blöd sind wir eigentlich? Anne Weiss (Autor), Stefan Bonner

Drewermann als Zweidrittelbuddhist

Sonntag, 20. Juni 2010

Eugen Drewermann
Am 20. Juni feiert er seinen 70. Geburtstag.
Priester, Psychotherapeut und Kirchenrebell: Eugen Drewermann ist vor fünf Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten. Seither predigt er als freischaffender Lebensberater Vegetarismus und Tierschutz.
Hier ein Artikel zum Thema Drewermann und der Buddhismus
http://bibelkreis-muenchen.de/?p=166

Der Täter

Sonntag, 20. Juni 2010

John Katzenbachs Roman “Der Täter“
Im Jahre 1943 versucht die Gestapo in Berlin, im Untergrund lebende Juden auszuforschen, festzunehmen und in die Vernichtungslager zu deportieren. Sie bedient sich dazu jüdischer Greifer, die ihre Volks- und Glaubensgenossen denunzieren und ausliefern. Der talentierteste dieser Nazi-Greifer war der Schattenmann, dessen Identität unbekannt blieb.
Das Buch beginnt damit, dass sich der pensionierten Detective Simon Winter eine Kugel durch den Kopf schießen will, weil er sich einsam und nutzlos fühlt. Dabei wird er von seiner Nachbarin Sophie Millstein gestört. Die alte Jüdin hat den Holocaust in Europa überlebt, und ist jetzt völlig hysterisch, weil sie beim Einkaufen einen ehemaligen Nazi-Schergen gesehen haben will, den sie den „Schattenmann“ nennt. Winter begreift nicht, was seine Nachbarin von ihm will, folgt ihr dennoch in ihre Wohnung, um sie zu beruhigen. Dort ist alles in Ordnung – so scheint es. Stunden später wird Millstein erdrosselt in ihrem Bett aufgefunden, Nachbarn haben Geräusche gehört und einen jungen Schwarzen davonlaufen sehen. Für den ermittelnden Detective scheint der Fall klar. Aber Simon Winter, der zufällig am Tatort vorbeikommt, gibt seine Bedenken zu Protokoll und erzählt den Polizisten auch vom Schattenmann. Und spätestens an diesem Punkt beginnt Katzenbach den Leser meisterhaft zu fesseln. Nicht mit knisternder Spannung, sondern einfach mit der Geschichte selbst. Man beginnt sich zu fragen – so wie auch Simon Winter nachzudenken beginnt – was es mit diesem Schattenmann denn nun auf sich haben könnte? In der Folge pendelt der Autor geschickt zwischen den Routine-Ermittlungen der Polizei und den privaten Nachforschungen von Winter hin und her. Eindrucksvoll lesen sich vor allem die Gespräche des Ex-Detective mit den Freunden und Verwandten von Sophie. Er findet heraus, dass sich ein Mann aus der jüdischen Gemeinde vor Wochen angeblich das Leben genommen hat – weil er den Schattenmann gesehen haben will. Doch auch in diesem Fall tauchen mehr als ernsthafte Zweifel am Suizid auf. Das Eintauchen in die Welt der Überlebenden des Holocaust bringt Simon Winter völlig neue Erfahrungen – vom Autor hervorragend recherchiert und geschildert.
Die Geschichte, die hinter dem Buch steckt, erscheint dabei durchaus glaubwürdig. Mitte der 90er Jahre, als Katzenbach das Buch schrieb, gab es noch jede viele ehemaliger Nazis oder willfähriger Helfer, die in den 40er Jahren als Greifer in Deutschland unterwegs waren, um versteckte und flüchtige Juden aufzuspüren und sie an die SS auszuliefern. Die Rolle der Greifer ging über die eines Kollaborateurs weit hinaus, wegen ihrer jüdischen Vorfahren blieb ihnen der gesellschaftliche Aufstieg verwehrt, was oft zu einem stärkeren Juden-Hass führte. Und es gab in den USA zahlreiche Kolonien von Überlebenden des Holocaust. Da muss das Auftauchen eines früheren Nazi-Kollaborateurs tiefgreifende Panik ausgelöst haben. Als ein weiterer Holocaustüberlebender verschwindet, und vermutlich ebenfalls ermordet wurde, wird allen Beteiligten – und damit auch dem Leser – endgültig deutlich, welche Dimension das Geschehen hat. Denn niemand weiß, wie lange der Schattenmann schon sein Unwesen treibt, wie viele Holocaust-Überlebende, die ihn erkannten, durch seine Hand bereits starben? Die Ungeheuerlichkeit dieses Kriminalfalles bringt die Ermittler und die alten Menschen, die vor dem ehemaligen Greifer Angst haben, an den Rand ihrer psychischen Möglichkeiten. Meisterhaft versteht es Katzenbach dabei, die Spannung nicht nur konstant zu halten, sondern subtil zu steigern. Ab einem bestimmten Punkt identifiziert sich der Leser mit den Ermittlern und fragt sich ebenfalls: Wie ist dieser Killer bloß zu fassen? Ist der Holocaust noch immer nicht vorbei?
Das Zusammenwirken des aktiven Polizisten Walter Robinson und seines alternden Ex-Kollegen Simon Winter wird von anfänglicher Skepsis über zunehmendes Vertrauen bis zu kollegialem Verständnis langsam enger. Alles in allem entwickeln sich während der spannenden Handlung interessante Charaktere, der Leser lernt viel über ebenso schwierige wie faszinierende Lebensläufe. Und er lernt viel über die Verhältnisse in Miami – jenseits der Fernsehwelt von CSI. Nach wie vor vorhandene Rassenschranken, politischer Einfluss in Justiz und Polizei, das Leben der europäischen Immigranten – Katzenbach reißt einige Themen an, ohne sie allerdings zu vertiefen. Ein überaus spannender Krimi mit zwei charismatischen Ermittlern. Insbesondere Simon Winter, der über die Suche wieder eine Aufgabe findet, ist perfekt dargestellt.
John Katzenbachs Roman der Täter ist erschienen als Taschenbuch
ISBN-10: 3-426-50534-7, ISBN-13: 978-3-426-50534-2. Broschiert: 589 Seiten Verlag: Droemer/Knaur (11. Januar 2010)

„Woody Allen – Komik am Abgrund“

Montag, 24. Mai 2010

Diese Namen verraten auch gleich den Grund des Vorzugs, denn es sind alles Regisseure, die sich mit den Aporien der menschlichen Existenz auseinandersetzen, und Allen muss heute dazu gezählt werden: „Mich haben immer nur die individuellen, menschlichen Fragen in meinen Filmen und Themen gefesselt.“ 5
Hier wird Allen auch für Theologen ein wichtiger Zeitgenossen, denn er ist einer der wenigen gegenwärtigen Regisseure, der – wenn auch oft in hintergründige Komik verpackt – die großen Fragen nach dem Sinn des Lebens, dem Tod, nach Gott noch stellt. Das Muster seiner Komik ist das unvermittelte Nebeneinander von Metaphysik einerseits und der Tücke des Alltags in Manhattan des 20. Jahrhunderts andererseits: „Es gibt nicht nur keinen Gott, sondern versuch mal, am Wochenende in Manhattan einen Klempner zu kriegen.“
Die Grundstimmung ist Skepsis und Pessimismus, aber Allen scheint nicht ganz aufgegeben zu haben. In einem Interview vom Mai 1986 bekennt er: „ … in meinem täglichen Leben gibt es Momente, in denen in mir etwas Hoffnung hochklingt. Sehen Sie, vielleicht ist alles auch gar nicht so erschreckend, wie es manchmal den Anschein hat (…) Vielleicht haben die Optimisten recht? Wer weiß? Mir scheint nur, dass die Pessimisten die Dinge ins richtigere Licht rücken …“6 (weiterlesen…)

„Auge um Auge“

Samstag, 8. Mai 2010

Die christliche Missdeutung dieser Worte aus der Hebräischen Bibel (AT) hat über die Jahrhunderte bis heute eine äußerst fatale Wirkung. Meinen wir hier nicht die “grausame jüdische Vergeltungsmoral” im Gegensatz zur vermeintlich “überlegenen christlichen Ethik” zu sehen?
Aber diese Bibelstelle (Exodus 21,23-25) ist falsch übersetzt. Die richtige Übersetzung lautet “Augersatz um Auge …” Die Anwendung dieses uralten jüdischen Rechtsgrundsatzes könnte in einem konkreten Fall so gewesen sein: Ein Mann fügt einem anderen eine Handverletzung zu, so dass dieser seinen Beruf als Schmied nicht mehr ausüben kann. Dann muss der Täter seinem Opfer und dessen Familie den Lebensunterhalt sichern. Ein Richter setzt die Höhe der Wiedergutmachung fest. Privatrache ist nicht erlaubt (Exodus 21,1).
Also: “Augersatz um Auge, Zahnersatz um Zahn und Handersatz um Hand”
Bibelübertragung Buber/Rosenzweig “Die fünf Bücher der Weisung” http://antijudaismusfrei.wordpress.com/blog/

Zweiter Bericht Podiumsdiskussion „Design ohne Designer“ mit Kommentaren

Sonntag, 3. Januar 2010

Zweiter Bericht Podiumsdiskussion „Design ohne Designer“ mit Kommentaren

Markus Rammerstorfer hat über die Podiumsdiskussion „Design oder Designer“ am 24. 11. 2009 im Stuttgarter Rosensteinmuseum hier schon berichtet.Mit etwas Verspätung folgt hier ein weiterer Bericht mit einigen Kommentaren.Am „Darwin-Tag“, dem 150. Jahrestag der Veröffentlichung von Charles Darwins „Über den Ursprung der Arten“, fand vor ca. 200 Besuchern im überfüllten Walsaal des Museums Schloss Rosenstein eine ungewöhnliche Podiumsdiskussion zum Thema „Design ohne Designer“ statt. Ungewöhnlich deshalb, weil vier Evolutionskritiker beteiligt waren, die mit fünf Evolutionsbefürwortern knapp drei Stunden lang diskutierten. Und Podiumsveranstaltungen dieser Art sind ohnehin selten und nicht unumstritten (1).
Mit insgesamt 9 Teilnehmern (2) , die nach kurzen Einführungen über sieben Themen (s. u.) pro und contra diskutieren sollten, war das Podium zu groß, als dass wirkliche Diskussionen möglich gewesen wären. Für jedes Thema waren 10 Minuten Zeit vorgesehen, davon je drei Minuten für einen Vertreter jeder Partei und anschließend vier Minuten Diskussion unter den jeweiligen Referenten. Diese Diskussion fand aber kaum statt. Auf die ersten beiden „Kontra“-Voten gab es nur eine Entgegnung der Evolutions-Fraktion, den Kritikern wurde danach keine Möglichkeit zur Antwort mehr eingeräumt. Das Thema „Dysteleologie“ wurde aus Zeitgründen nach den Eingangsstatements gar nicht diskutiert; lediglich bei drei der sieben Themen gab es ansatzweise eine Diskussion.

Laut Presseinformation des Naturkundemuseums war eine Diskussion zu folgenden Fragen angekündigt: „Gibt es eine wissenschaftliche Erklärung für den Ursprung des Lebens, oder wurde das erste Leben eher von einem intelligenten Schöpfer erschaffen? Ist das scheinbar plötzliche Auftreten der meisten Tierstämme während der so genannten „Kambrischen Explosion“ vor etwa 600 Millionen Jahren ein Widerspruch zu Darwins Theorie? Liefern die informationsverarbeitenden Mechanismen in der DNA und theoretische Schwierigkeiten für die Entstehung neuer Eiweissmoleküle gültige Argumente für die Theorie des Intelligenten Designs? Gibt es biologische Nanotechnologie, wie z.B. die Schwimmgeissel der Bakterien, die so kompliziert und verzahnt gebaut ist, dass sie nicht durch einen darwinistischen Evolutionsprozess entstanden sein kann, oder ist deren Komplexität doch reduzierbar auf viele kleine Evolutionsschritte? Sind vermeintliche Konstruktionsfehler und suboptimale Lösungen bei manchen Lebewesen ein schlagender Beweis gegen einen ‚Designer’? Muss die wissenschaftliche Arbeitsweise zwangsläufig nur auf naturgesetzliche Erklärungen zurückgreifen oder gibt es rationale Argumente dafür auch übernatürliche Eingriffe in die Natur als zulässige Erklärungsalternativen anzusehen?“
Es war vorab vereinbart worden, dass es um „Intelligentes Design“ versus „natürliche Evolution“ gehen sollte, nicht um Kreationismus und auch nicht um theologische Aspekte (die dann aber von seiten zweier Evolutionsvertreter doch kurz angesprochen wurden).

Die Eindrücke, die die Referenten und die Besucher mitnehmen, werden sicher recht unterschiedlich sein, je nach Färbung der „Brille“, durch die man das Gehörte bewertet. Daher können und sollen nachfolgende Notizen und Bewertungen nicht den Anspruch von Objektivität erheben. Ich greife einzelne in meinen Augen besonders interessante Inhalte der Ausführungen der Referenten auf und gebe einige Kommentare dazu. Berichte und Eindrücke anderer Teilnehmer und von Besuchern finden Sie unter den in Anmerkung 3 angegebenen Links.
Eine komplette Übersicht über die Inhalte der Referenten gebe ich hier nicht, sondern konzentriere mich auf die Wiedergabe und Kommentierung der Ausführungen der Evolutionsbefürworter. Zusammenfassungen der Kritiker sind online abrufbar (4). (weiterlesen…)