Charles Manson – Ende einer satanistischen Selbstinszenierung

Ende der 1960er Jahre sorgte er mit mehreren grausamen Morden für den spektakulärsten Prozess seiner Zeit. Jetzt ist er tot, der selbsternannte Herrscher der Welt.
Am 19.November 2017 starb Charles Manson mit 83 Jahren in einem kalifornischen Gefängniskrankenhaus. Vielen galt der kriminelle Sektenführer als Inkarnation des Bösen schlechthin. Auf der anderen Seite hatte er auch nicht wenige Fans, die ihn für seine morbide Inszenierung liebten. Jahr für Jahr erhielt er tausende von Briefen und Autogrammanfragen. Zahlreiche Frauen baten Manson sie zu heiraten. 2014 wäre es auch fast dazu gekommen. Manson erhielt eine Genehmigung, die 26-jährige Afton Elaine Burton zu heiraten. Seine publicitysüchtige Fast-Ehefrau forderte jedoch freie Verfügungsgewalt über Mansons Körper nach dessen Tod. Mit ihrer Rolle als Frau Manson und der Ausstellung seiner Leiche wollte sie Geld verdienen und langfristig in die Medien kommen. Manson verzichtet schließlich auf diese Eheschließung. Weiterlesen

Denkmal einer Idee

   

Öffentliche Denkmäler des Reformators Johannes Calvin gibt es weltweit nur ganz wenige. Eine freistehende, mannshohe Skulptur – die einzige dieser Art – befindet sich in Budapest, der ungarischen Hauptstadt. Als Teil des evangelischen Unionsdenkmals in der Stiftskirche in Kaiserslautern repräsentiert Calvin die reformierte Konfession, Luther die lutherische. Außerdem befindet sich an der Friedrichstadtkirche in Berlin am Gendarmenmarkt eine Bronzeplatte, die den Genfer Reformator zeigt (angefertigt zur 250-Jahr-Feier der Aufnahme der Hugenotten in Brandenburg 1935).
Das war‘s dann auch. In Calvins Geburtsstadt Noyon in Nordfrankreich würde man vergeblich ein Denkmal suchen. Dass jeglicher Personenkult eines Kirchenmannes zu verwerfen ist, haben die reformierten Christen also weitgehend beherzigt. Die deutschen Lutheraner machten dagegen nach den Kriegen gegen Napoleon Martin Luther zu einem ihrer großen Nationalhelden. 1821 wurde das Lutherdenkmal in Wittenberg errichtet, künstlerisch verantwortlich waren die Top-Künstler der Zeit, Schinkel und von Schadow (Letzterer schuf auch die Quadriga auf dem Brandenburger Tor). Der Wittenberger Luther war übrigens das erste Denkmal für einen Bürgerlichen überhaupt im Land. Bis dahin waren diese Fürsten und Adeligen vorbehalten. Dutzende Lutherdenkmäler, vor allem natürlich in Deutschland, folgten im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Lutherdenkmal (copyright Thomas Vollmer churchphoto.de) - ID 28176 b

Luther in Wittenberg (von Schadows Skulptur; Baldachin von Schinkel)

Prägend wurde außerdem das Lutherdenkmal in Worms aus dem 1868; die Figur von Ernst Rietschel ließ man in vielen Ländern nachgießen. Die Komposition gilt auch als „Reformationsdenkmal“, da dem alle überragenden Luther andere Reformatoren beigeordnet sind wie Melanchton und Vorreformatoren wie Hus und Wycliff.
Das „internationale Reformationsdenkmal“ befindet sich aber in Genf in der Schweiz. Es ist ein Kunstwerk ganz eigenen Stils. Im Zentrum der Maueranlage befindet sich Calvin selbst – sechs Meter hoch, neben ihm stehend Guilliaume Farel, der ihn einst nach Genf holte, Theodore Beza, sein Nachfolger in der Stadt, sowie John Knox, der Reformator Schottlands, der sich auch einige Jahre in der Schweizer Stadt aufhielt. Nur rund einhundert Meter entfernt liegt Calvins einstige Predigtkirche St. Pierre.
Das Denkmal wurde 1917, vor einhundert Jahren, eingeweiht. Es war die erste öffentliche Ehrung Calvins in dieser Form. Jahrhundertelang achteten die Genfer Calvins letzten Willen, ihn persönlich in keiner Weise zum Objekt der Verehrung zu machen. Bekanntlich verhinderte er sogar die Kennzeichnung seines Grabes (was heute als Grab besucht werden kann, markiert nicht den tatsächlichen Ort der Bestattung, der unbekannt ist).
Initiator des Denkmals war der Genfer Professor für Kirchengeschichte Auguste Chantre. Von ihm stammte die Idee, zum 400. Geburtstag des Reformators 1909 ein Monument zu errichten. Um Calvins Anliegen aber dennoch gerecht zu werden, sollte das Kunstwerk „weniger einem Menschen als einer Idee“ gewidmet sein. In der Vorgabe zu einem Wettbewerb war die Abbildung zahlreicher Personen vorgesehen, darunter auch „Männer des Staates und des Degens“. Sage und schreibe 71 Entwürfe gingen ein.
Der erste Preis ging an das Projekt von vier Schweizer Architekten mit dem schlichten Namen Le Mur – die Mauer. Die Grundsteinlegung erfolgte noch 1909. Zweidrittel der Kosten wurden durch Spenden aus Genf selbst aufgebracht. Die „Volkstümlichkeit“ war eine der Vorgaben des Wettbewerbs, und tatsächlich erfreute sich das Monument international de la Réformation in der Stadt sofort großer Beliebtheit. Bis heute ist es ein Besuchermagnet. Die vier Personen im Zentrum werden bis heute gerne ikonographisch herausgegriffen als Symbol der Reformation überhaupt, so auch in Litauen im Rahmen des diesjährigen Reformationsjubiläums.
Die Stärke des Monuments ist sicherlich, dass die Figur Calvins in die Gruppe der drei anderen Reformatoren eingebunden und nur ganz dezent, vor allem durch die Haltung seiner Arme, herausgehoben ist (ganz anders war dies beim zweitplatzierten Entwurf vorgesehen). Es gilt jedoch zu beachten, dass alle vier mit der Genfer Reformation verbunden sind (Knox gleichsam als deren Exporteur). Das Denkmal erinnert damit nicht an die Schweizer Reformation oder die reformierte Konfession allgemein, schließlich fehlten dafür so wichtige Personen wie Ökolampad, Musculus und natürlich Bullinger. Trotz des Namens ist auch nicht die europaweite Reformation als solche Thema, denn deren ‘Urväter’ finden nur wie beiläufig Erwähnung: In den Seitenmauern sind die Namen „Luther“ und „Zwingli“ eingemeißelt.

Die Figurengruppe im Zentrum ist nur der Mittelteil des an die einhundert Meter breiten Monuments. Links und rechts der Vier befinden sich die Skulpturen von sechs weiteren Personen, die jeweils um die drei Meter hoch sind. Abgesehen vom Puritaner Williams ist keiner von ihnen ein ordinierter Pfarrer oder Theologe; sind die vier Figuren Männer der Kirche, so handelt es sich bei den anderen um die ja schon in den Vorgaben geforderten Männer des Staates (als solcher ist auch Williams als Gründer von Rhode Island in Nordamerika aufgenommen).

Das dritte Element der komplexen Komposition stellen Flachreliefs und dazugehörige Texte dar, die Episoden aus der Reformationsgeschichte in Deutschland, Frankreich, Ungarn oder der Schweiz veranschaulichen. Sie sind den sechs Personen zugeordnet. Hier ein kurzer Überblick:

Gaspard de Coligny war Armeeführer und einer der Köpfe der Hugenotten in Frankreich, das prominenteste Opfer des Massakers in der Bartholomäusnacht im Jahr 1572. Damals wurden innerhalb weniger Tage Tausende reformierte Christen umgebracht. Ein Vierteljahrhundert später kamen die Religionskriege zu einem Ende, als der französische König Heinrich IV 1598 das Toleranzedikt von Nantes unterzeichnete, festgehalten im Relief.

Wilhelm von Nassau, der Schweiger oder der Schweigsame, ist abgebildet, Anführer der niederländischen Unabhängigkeitsbewegung. Der später „Vater des Vaterlands“ Genannte war maßgeblich beteiligt an der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Provinzen der Niederlande von Spanien, vorgenommen durch die Generalstaaten 1581.

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Friedrich Wilhelm von Brandenburg wird ebenfalls geehrt (im Bild o. links). Der Große Kurfürst nahm nach der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 durch Ludwig XIV in seinen Territorien hugenottische Glaubensflüchtlinge auf.

Viel weniger bekannt ist Stephan Bocskai: Im Relief ist dargestellt, wie der reformierte Fürst von Siebenbürgen 1606 dem ungarischen Landtag den Friedensvertrag von Wien übergibt. Darin sicherte der katholische Kaiser Rudolf II von Österreich den Protestanten Ungarns Religionsfreiheit zu.

Viele werden überrascht sein auch Oliver Cromwell zu sehen. Der General im englischen Bürgerkrieg Mitte des 17. Jahrhunderts übernahm in der kurzzeitigen Republik als „Lordprotektor“ die Herrschaft; gerne bezeichnet man ihn als Diktatoren. Vergessen wird dabei meist, dass der Puritaner Independent war, also „Freikirchler“. Er widerstand einer protestantischen Nationalkirche, und sei sie auch presbyterianisch. Sein Ruf war „Gewissensfreiheit!“. Daher blickt das ihm zugeordnete Relief nach vorne: Vertreter der Parlamentskammern überreichen 1689 Wilhelm von Oranien und seiner Frau Maria die „Declaration of Rights“. Aus dem Dokument ging im selben Jahr die „Bill of Rights“ hervor, die einen Meilenstein auf dem Weg zu modernen Parlamentarismus darstellt. In der Genese der Menschen- und Bürgerrechte spielt die Bill of Rights ebenfalls eine wichtige Rolle.

Schließlich ist Roger Williams zu sehen. Der englische Puritaner war einer der Väter des Baptismus und Vorkämpfer der Trennung von Kirche und Staat. 1654 wurde er zum Präsidenten von Rhode Island in Nordamerika gewählt, setzt sich für Glaubens- und Gewissensfreiheit ein. „Soul Liberty“ ist auch auf dem Buch zu lesen, das die Figur des Monuments in der Hand hält (s.u. Foto). Im Relief wird dargestellt, wie die Pilgerväter der Mayflower 1620 die Kolonie Plymouth in Neuengland gründen. (Zwei weitere Reliefs beziehen sich auf Farel und Knox.)

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Über das ganze Denkmal zieht sich außerdem in sehr großen Lettern die Inschrift POST TENEBRAS LUX („Nach der Dunkelheit Licht“) – seit dem 16. Jahrhundert der Wappenspruch des reformierten Genf und aller Reformierten, die in der protestantischen Reformation eine Rückkehr zum Licht sahen.

Aber nicht nur die konfessionell reformierten Christen schätzen diesen Spruch. Genf selbst führt ihn immer noch in seinem Wappen, obwohl die Stadt inzwischen weitgehend säkular geprägt ist und die Reformierten nur noch 10 Prozent der Bevölkerung des Kantons ausmachen. Das Reformationsdenkmal zeigt recht klar, dass schon um 1900 das „Licht“ eine Prägung gewonnen hat, an die Calvin und Kollegen so sicher kaum gedacht hatten.

Die Idee des Denkmals ist nämlich nicht die Erneuerung des Evangeliums, des Glaubens oder der Kirche; es ist also nicht der konfessionelle Protestantismus und auch nicht die Reformation als solche. Die Idee des Monuments ist die in ganzen Staatswesen verankerte und konkret umgesetzte Religions-, Glaubens- und Gewissensfreiheit. War unter Calvin und Beza Genf theologisches Zentrum und Ausgangspunkt einer breiten Missionsbewegung, so schlägt das Reformationsdenkmal eine andere Brücke: von Genf zur modernen Toleranzidee. Genf als Hort des modernen politischen Freiheitsgedankens.

Diese Idee ist sicher nicht zu verwerfen. Der Calvinismus hat mit dazu beigetragen, dass sich Glaubens- und Gewissensfreiheit nach und nach etablierten. Allerdings war dies ein sehr gewundener Weg, auf dem viel gestolpert wurde; das Genf Calvins und das Schottland des Knox kannten noch keine moderne Religionsfreiheit. Außerdem nahm dieser Weg seinen Ausgang sicher nicht allein in Genf (Basel, wo Sebastian Castellio wirkte, und die Niederlande können hier sicher auch ‘Urheberrechte’ anmelden).

Das Genfer Reformationsdenkmal zeigt uns eine Deutung der Reformation, die als „kulturprotestantisch“ bezeichnet werden kann (diese Deutung nimmt auch der bekannte evangelische Theologe Jan Rohls ganz am Ende dieses Vortrags vor). Der Kulturprotestantismus entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Teil der breiten Strömung des Neuprotestantismus. Der evangelische Glaube sollte aus kirchlichen und dogmatischen Bindungen gelöst und zu einer modernen Bildungsreligion jenseits konfessioneller Beschränkungen umgeformt werden. Man glaubte an die kulturelle Führerschaft und Überlegenheit des Protestantismus. Angestrebt wurde eine Synthese oder Durchdringung der Kultur durch Religion. Durchdringung der Welt mit Freiheit und Toleranz – dies wird konkret im Reformationsdenkmal ausgedrückt.

Dieser freie oder liberale Protestantismus betonte vor allem Bildung und Fortschritt. In der Satzung des Deutschen Protestantenvereins hieß es, eine „Erneuerung der protestantischen Kirche im Geist evangelischer Freiheit und im Einklang mit der ganzen Kulturentwickelung seiner Zeit“ werde angestrebt. Seinen Höhepunkt erreichte der Kulturprotestantismus um 1900; Namen wie Adolph von Harnack und Ernst Troeltsch sind hier für Deutschland zu nennen. Der Kulturprotestantismus strahlte aber auch in andere Länder wie die Schweiz ab, und dass im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts dort solch eine Gedenkstätte geschaffen wurde, ist alles andere als Zufall.

Mit dieser Einordnung in den kulturellen Geist der damaligen Zeit soll das Genfer Monument nicht entwertet werden. Aber wir wissen ja inzwischen nur zu gut, welchen Luther man im 19. Jahrhundert in Deutschland aufleben ließ und in gewissem Sinne schuf – eine kulturelle deutsche Überfigur. Ganz im Sinne des Kulturprotestantismus trat die kirchlich-konfessionelle Dimension weit zurück. Im Calvinismus der Genfer hatte der Kulturprotestantismus nicht diese nationale Ausprägung. Das dortige Denkmal ist tatsächlich erfrischend international. Aber es ist eben fast gar nicht mehr ein Ort, an dem es um eine kirchliche Reformbewegung geht. Das „Licht“ des Evangeliums hat Kulturen verändert, wurde dabei aber auch säkularisiert und ein Stück womöglich sogar entkernt. Beim Betrachten des „internationalen Reformationsdenkmals“ sollte man auch dies beachten.
http://lahayne.lt/2017/10/15/denkmal-einer-idee/

 

Gesetzeswerke – Glaubenswerke

 Luthers Betonung der biblischen Rechtfertigungslehre (nicht aus Gesetzeswerken – allein aus Glauben) stieß auf heftigen Widerspruch. Sowohl von Katholiken als auch von einzelnen Wiedertäufern wurden seine Überzeugungen zum Teil sehr entstellt wiedergegeben, so als ob Luther Werke des Glaubens für unnötig halten würde. – Das Gegenteil ist der Fall!
Das Thema “Rechtfertigung aus Glauben” nimmt in Luthers Werken einen sehr breiten Raum ein. Immer wieder kommt er darauf zu sprechen. Und immer wieder finden sich folgende Punkte:
  • Vor Gott wird ein Sünder allein aus Gnade durch den Glauben an Christus gerechtfertigt.
  • Werke können keinerlei Beitrag zu unserer Rechtfertigung leisten.
  • Mit echtem Glauben sind dann aber unausbleiblich gute Werke verbunden.
  • So bestätigen gute Werke die Echtheit des Glaubens.
  • Deshalb ist es nötig, dass auch die Notwendigkeit guter Werke deutlich gepredigt wird.
  • Dennoch tragen auch die Glaubenswerke in sich selbst nichts zum ewigen Heil bei.Hier eine nur kleine Auswahl von Zitaten dazu aus dem Lebenswerk Luthers. Wie bei Luther nicht anders zu erwarten ist, finden sich einige markante Aussprüche und ansprechende Sprachbilder darunter. Die Quellenangaben beziehen sich auf die Ausgabe von Walch. [Hervorhebungen und Ergänzungen in eckigen Klammern von mir.]
Weil wir sagen, daß man allein durch den Glauben an Christo hangend zum Himmel kommen, schreien die Widersacher: man verbiete gute Werke. 8,308
Auf den Glauben folgen die Werke, gleichwie der Schatten dem Leibe folgt. 6,613
Obwohl der Glaube genug ist zur Seligkeit, und durch den Glauben ich das Himmelreich erlange, dennoch so müssen die guten Werke hernach folgen, oder der Glaube ist nicht rechtschaffen. Denn der Glaube ist so ein ernst Ding, daß er nicht ohne gute Werke bleibt. 7,27
Du mußt gute Werke thun, und allezeit gute Werke gegen den Nächsten üben, auf daß der Glaube äußerlich leuchte im Leben, wie er sonst inwendig im Herzen leuchtet. 7,1990
Doch nicht der Meinung, daß man nicht gute Werke tun soll, sondern, daß man, Gnade bei Gott und ewiges Leben zu erlangen, allein diesen Christum durch den Glauben zuvor haben muß, aber nach und neben dem Glauben auch gute Werke thue, und die Liebe beweise; allein, daß dieser Unterschied recht gehalten werde, daß man unserm Leben und Werken nicht zumesse die Kraft und Verdienst, daß sie uns sollten hinauf zum Vater bringen.
Wir geben zu, daß man auch von guten Werken und von der Liebe lehren muß, aber zu seiner Zeit und an seinem Orte, nämlich wenn man die Frage von den Werken behandelt außerhalb dieses Hauptartikels [von der Rechtfertigung]. 9,187
Sie [die Werke] müssen gethan werden, nicht als die Ursache, sondern als die Frucht der Gerechtigkeit. 9,229
Denn wenn diese [die guten Werke] nicht auf den Glauben folgen, so ist es ein ganz gewisses Zeichen, daß der Glaube nicht der rechte Glaube ist. 9,750
Darum schleuß den Glauben und die guten Werke zusammen, daß also in den beiden die Summa des ganzen christlichen Lebens stehe; nicht daß die Werke etwas zur Rechtfertigung vor Gott thun, sondern daß der Glaube ohne sie nicht ist, oder ist kein rechter Glaube. 9,1153
Werk ohne Glauben ist Abgötterei. Glaube ohne Werke ist Lügen und kein Glaube. 9,1807
Denn wenn wir gerecht würden um der Werke willen, welche aus dem Glauben folgen, so würden wir schon nicht mehr durch den Glauben selbst gerecht, auch nicht um Christi willen, sondern um unser selbst willen, die wir nach dem Glauben Werke thun; das heißt Christum verleugnen. 9,1862
Denn die Werke folgen erst auf den Glauben, und wirken nichts zur Rechtfertigung, sondern kommen nach. Der Glaube und das Wort aber sind vorher zugegen und thun das Ihrige, das ist, sie machen gerecht. 9,1877
Wie sollten wir denn durch das Evangelium solche Predigt einführen, die da erlaubt Böses zu thun? … Man deutet und verkehrt unsere Lehre fälschlich, wenn man sagt, sie lehre nicht gute Werke thun noch achten. 12,776
Die Werke können den Glauben wohl anzeigen, aber nicht wirken. Denn wo die Werke der Gottseligkeit fehlen, da folgt, daß auch der Glaube selbst nicht da sei. 12,1834
Glaube ist eine lebendige, erwegene Zuversicht auf Gottes Gnade, so gewiß, daß er tausendmal darüber stürbe. Daher der Mensch ohne Zwang willig und lustig wird, jedermann Gutes zu thun, jedermann zu dienen, allerlei zu leiden Gott zu Liebe und zu Lob, der ihm solche Gnade erzeigt hat, also daß unmöglich ist, Werke vom Glauben zu scheiden, ja, so unmöglich als Brennen und Leuchten vom Feuer mag geschieden werden. 14,100
Denn gleichwie er [Johannes] im Evangelio den Glauben treibt, also begegnet er in der Epistel denen, die sich des Glaubens rühmen ohne Werke, und lehrt mannigfaltig, wie Werke nicht außen bleiben, wo der Glaube ist; bleiben sie aber außen, so ist der Glaube nicht rechtschaffen, sondern Lügen und Finsterniß. 14,126
Wo der Glaube des Geistes ist, da folgen die Früchte des Geistes von sich selbst. 19,1431
Die Werke, die nach dem Glauben folgen, machen nicht gerecht, sind nicht eine Ursache, sondern eine Frucht der Rechtfertigung. 19,1431
Wir gestehen, daß die guten Werke auf den Glauben folgen müssen, ja, nicht nur folgen müssen, sondern aus freien Stücken folgen, gleichwie ein guter Baum nicht gute Früchte tragen muß, sondern er trägt dieselben von selbst. 19,1440
Die Werke leuchten durch die Strahlen des Glaubens und gefallen [Gott] um des Glaubens willen, nicht umgekehrt. 22,453
Günter Vogel·Mittwoch, 1. November 2017
https://www.facebook.com/notes/g%C3%BCnter-vogel/gesetzeswerke-glaubenswerke/2152868024738647/

9. These: Gegen die Schwärmerei der Allversöhnung und gegen die sogenannte Verchristlichung dieser Welt.

Die Heilige Schrift bezeugt und die Reformatoren bekennen, daß diese Schöpfung Gottes eine gefallene Schöpfung ist und daß die Menschheit in der Feindschaft gegen Gott lebt. Aus diesen hat Gott etliche durch Christus zu seiner Gemeinde erwählt und erlöst. Diese Gemeinde ist in, aber nicht von der Welt. Sie ist ein Licht in der Welt, aber sie erlöst diese Welt nicht. Das Reich Gottes und das Reich der Welt, Licht und Finsternis bleiben geschieden, bis Christus wiederkommt und eine neue Erde und einen neuen Himmel schaffen wird.
Christus spricht:»Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von dieser Welt.« (Joh. 18,36)
Zu verwerfen ist deswegen die Irrlehre, als ob das Reich der Welt Reich Gottes werden, diese ganze Welt vor der Wiederkunft Christi erlöst werden könnte. Die Welt kann nur durch die allgemeine Gnade Gottes vor ihrer Katastrophe bewahrt werden, sie kann nur leben nach dem Maßstab des Gesetzes, der vergeltenden Gerechtigkeit Gottes, die für alle Menschen gilt. Eine irrende Kirche ist es, die nur das Evangelium predigt und dieser Welt das Gebot, das Gesetz Gottes vorenthält.
Luther bekennt:»Diese Welt läßt niemals von ihrer Art. Der Satan ist der Welt Fürst, durch ihn läßt sie sich zu allem Bösen verleiten. Denn sie ist das Reich der Finsternis, welches notwendig das Licht hassen muß (Joh. 1). Und folglich verachtet sie die Prediger des göttlichen Worts, verfolgt sie, schreit sie für Narren aus und tötet sie endlich als nichtswürdige Menschen«.. . »Die Erde besteht noch immer um der Kirche willen in der Welt fort, sonst würden Himmel und Erde in einem Augenblick in Flammen aufgehen, denn die Welt ist nicht ein Weizenkorn wert, zumal sie voll Gotteslästerung und gottlosen Wesens ist. Weil aber die Kirche mitten unter den Gottlosen lebt, so läßt es Gott um der Kirche willen geschehen, daß auch die Gottlosen die allgemeinen Güter und Gaben dieses Lebens genießen und alles, was die Welt hat, das hat sie um der Kirche willen.«
10. These: Gegen die Verweltlichung der Kirche.
Die Heilige Schrift bezeugt und die Reformatoren bekennen, daß die Kirche nicht Welt und die Welt nicht Kirche werden kann. Die Kirche lebt vom Regiment ihres Herrn, der im Himmel ist, der zwar viele berufen, aber nur wenige auserwählt hat. Die Verweltlichung der Kirche, ihre »Vergesellschaftung« verfälscht das Evangelium zur Ideologie des Antichrist.
Christus spricht:»Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und ihrer sind viele, die darauf wandeln. Und die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum Leben führt, und wenige sind ihrer, die ihn finden.« (Matth. 7,13-14)
Zu verwerfen ist deswegen die Irrlehre, als ob Kirche in die Welt und Welt in die Kirche aufgehen, weltliches Regiment geistlich und geistliches Regiment weltlich werden könnten. Die Kirche des breiten Weges ist die Kirche des Antichrist, die Kirche des schmalen Weges ist die Kirche der Wahrheit.
Luther bekennt:»Christi Reich auf Erden ist nicht ein weltlich Reich, es besteht auch nicht darin, wie man hier auf Erden esse, trinke, haushalte, des Leibes warte, dazu in der Notdurft des Lebens geordnet und vorhanden sein müsse, sondern er hat ein solch geistlich Reich geordnet, daß man darin göttliche ewige Güter suchen und finden soll, und dasselbe auch so bestellt, daß es mit Gottes Wort, Sakramenten, Kraft und Gaben des Heiligen Geistes reichlich versorgt ist und bleibt und gar nichts mangelt an dem, was fürs ewige Leben und dessen Erhaltung dient. Darum läßt er die Welt in ihrem Regiment ihre Notdurft und Vorrat haben, hinnehmen und sich damit reichlich versorgen, aber seinen Christen befiehlt er, ihre Gabe und Trost nicht auf das Zeitliche zu setzen, sondern nach Gottes Reich zu trachten, woran sie ewig genug haben und reich sein sollen.«
Die verratene Reformation – GOTTES Wort und Luther`s Lehr` verneint man heute immer mehr Huntemann, Georg Verlag: 1983 Bremen, 1983 Seite  98
http://bibelkreis-muenchen.de/?p=4063&preview=true
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Nicht die Angst vor der Verkündigung selbst bietet Anlaß zur Sorge, sondern die Art von Angst.

„Nicht die Angst vor der Verkündigung selbst bietet Anlaß zur Sorge, sondern die Art von Angst. Denn wenn nicht alles trügt, geht es bei uns nicht um eine geistliche Angst und nicht um den Schrecken vor der Übermacht des Verheißenen. Sondern es geht um den Kleinmut des natürlichen homunculus, dessen Terminkalender schon mit anderen Verpflichtungen gefüllt ist und der sich als leere Luftblase davor fürchtet, vollends aufgestochen zu werden und sich in seiner Nichtigkeit zu verraten.“ (Helmut Thielicke)

Genderwahn & Gendergaga – Rebellion gegen Gottes gute Schöpfungsordnung? | 6.6.2 [email protected] 2016 – Allstedt: 28. Juli 2016 von Prof. Dr. Thorsten Dietz

Es handelt sich bei diesem Beitrag um eine verkürzte Diskussion zu den Vorträgen von Prof.Dietz welche auf Facebook geführt wurde. Leider konnten nicht alle Diskussionsbeiträge berücksichtigt werden.
http://worthaus.org/mediathek/genderwahn-gendergaga-rebellion-gegen-gottes-gute-schopfungsordnung-6-6-2/
Markus Till Nach den Kommentaren hier war ich neugierig und hatte auf einen wenigstens einigermaßen sachlich fairen Vortrag gehofft, auch wenn ich schon vermutet hatte, dass er nicht meine Meinung widerspiegeln würde. Ich wurde schwer enttäuscht. Der Vortrag macht sich an keiner Stelle die Mühe, auch die andere Seite mal fair und respektvoll zu betrachten. Dietz räumt nicht einmal ansatzweise ein, dass die zahlreichen Gender-Kritiker, die ja aus den unterschiedlichsten Ecken kommen, irgendwo vielleicht doch auch auf manche berechtigte Fehlentwicklungen hinweisen könnten. Selbst die wildesten Auswüchse der Gender-Studies (die man m.E. völlig zurecht als Gaga bezeichnen darf) verteidigt er mit der Freiheit der Forschung, die auch Extreme brauche, um sich weiterentwickeln zu können. Die „Gender-Agenda“, über die auch die FAZ berichtet hat, verweist er einfach mal so ins Reich der Verschwörungstheorien, obwohl es dazu sachlich nachvollziehbare Berichte gibt und v.a. obwohl – und das ist ja am Ende entscheidend – viele Punkte dieser „Agenda“ ja tatsächlich ganz praktisch vorangetrieben werden (man denke nur an Punkte wie „freier Zugang zu Abtreibung für alle“, „Sexualkundeunterricht für Kinder und Jugendliche, der zu sexuellem Experimentieren ermutigt“, „50/50 Männer/Frauen Quotenregelung für alle Arbeits- und Lebensbereiche“ „Alle Frauen müssen zu möglichst allen Zeiten einer Erwerbsarbeit nachgehen“ usw.). Leider geht Dietz auf keine einzige der Sorgen, die die Gender-Kritiker im Zusammenhang mit diesen Punkten umtreibt, inhaltlich auch nur ansatzweise ein (z.B. die Folgen für Kinder, wenn sie immer öfter schon wenige Monate nach der Geburt in KiTas gesteckt werden und wenn dadurch die entwicklungspsychologisch wichtige Bindung zur Mutter untergraben wird). Stattdessen zeichnet er dann selber ein realitätsfremdes Klischee von Gender-Kritikern, über das er sich entweder lustig macht oder – noch schlimmer – mit dem er den Gender-Kritikern blanke Menschenfeindlichkeit unterstellt: Gender-Kritiker würden Individualität und Vielfalt leugnen, sie würden allen Menschen eine selbsterdachte Schöpfungsordnung überstülpen wollen (die in Wahrheit aber aus der Romantik stamme), sie würden Menschen ablehnen, wenn sie nicht in bestimmte Muster passen usw. usw. Ich fühle mich von keinem dieser Vorwürfe angesprochen. Gleichzeitig habe ich keinerlei Antworten auf die gesellschaftlichen Fehlentwicklungen gehört, wegen denen auch ich im Rahmen der Demos für Alle schon mehrfach auf die Straße gegangen bin. So wird leider kein Dialog gefördert. Schade, ich bin traurig. Ja, ich weiß: Auch auf Seiten der Gender-Kritiker gibt es extrem einseitige, undifferenzierte und unsachliche Meinungsäußerungen. Aber dieser Vortrag ist leider auch nicht besser.
Tobias Faix Lieber Markus, lieber Ernő, danke für eure Kommentare, die ich teilweise nachvollziehen kann. Ich sehe den Vortrag auch nicht als ein gezieltes aufeinander zugehen zweier unterschiedlicher Parteien, dafür war der Rahmen (Freakstock und Worthaus) auch nicht gegeben. Ich würde ihn eher als „aufklärerisch“ sehen. 😉 Und ich finde, dass es unfair ist, alle aufkommenden Fragen zu dem Thema umfassend zu beantwortet und dann gleichzeitig „Vereinfachung“ vorzuwerfen. Außerdem vermischt ihr meines Erachtens zu viele Themen, die nur am Rande mit der Gendertheorie zu tun haben (Sexualkundeunterricht, Frühsexualisierung, Abtreibung etc.). Und wenn ich mir die Ikone der Genderdiskussion, Frau Kelle, anschaue, dann wird bei ihr ja gerade ihre Übertreibung, Zuspitzung und Einseitigkeit gelobt! Thorsten Dietz „blanke Menschenfeindlichkeit“ vorzuwerfen ist auch nicht gerade Konstrukteur Markus, oder? Aber vielleicht kann Thorsten, auf diese Vorwürfe selbst eingehen?
Markus Till Ich habe Thorsten Dietz keine Menschenfeindlichkeit vorgeworfen. Der Vorwurf ist, dass Thorsten Dietz den Konservativen Menschenfeindlichkeit unterstellt, siehe mein Post unten.
Thorsten Dietz Wer weiß, vielleicht entwickelt sich ja mit der Zeit eine differenzierte Debatte?! Es ist völlig unmöglich, in einem nur 90minütigen Beitrag mehr als ganz kleine Annäherungen zu einem sehr breiten Forschungsfeld zu bieten; so sage ich es ja auch im Vortrag. Ein paar Hinweise für die weitere Diskussion: Ich finde, dass dieser Artikel von Christoph Raedel z.B. zeigt, dass konservative Christen sehr wohl eine kluge und differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema führen können: https://www.jesus.de/gender-mainstreaming-was-verbirgt…/ Ausdrückliche Empfehlung! Bald kommt sein überarbeitetes Hänssler-Buch zum Thema bem Brunnen Verlag neu heraus.
Auch dieses Buch finde ich sehr empfehlenswert, wo mehrere Gender-Kritiker wie Kuby, Spreng und Seubert mit Beiträgen vertreten sind, aber auch eine Reihe von katholischen Theologen mit guter Kritik der Gender-Kritik. https://www.amazon.de/Gender…/dp/3451349272/ref=sr_1_1…
Ansonsten empfehle ich grundsätzlich folgende Kurzerläuterung, von einer Seite die nicht unbedingt des Linksextremismus verdächtig ist…: Die katholischen Deutische Bischofskonferenz präsentiert auf ihrer Seite einen Link zum erhellenden Flyer: „Geschlechtersensibel – Gender katholisch gelesen“: http://www.dbk.de/nc/presse/details/?presseid=2941
Gender Mainstreaming – was verbirgt sich dahinter? | Jesus.de
Markus Till Tobias Faix Thorsten Dietz, vielen Dank für die Antworten und die guten Artikel, die ja voll und ganz die These stützen, dass Widerstand gegen bestimmte Ausprägungen im Gender-Umfeld und der damit verknüpften „Sexualpädagogik der Vielfalt“ absolut angesagt ist (zumal man sich ja nur die „Sexualstandards für Europa“ der WHO und BzgA durchlesen muss, um zu sehen, dass es sich dabei nicht um Außenseiterpositionen von ein paar Gender-Radikalen handelt sondern dass es mächtige Kräfte gibt, die auch extreme Vorstellungen ohne demokratische Legitimation und gesellschaftlichen Diskurs zum „Standard“ für alle erheben wollen bzw. z.T. bereits durchgesetzt haben). Was ich jetzt aber noch weniger verstehe ist die Ausrichtung des Vortrags. Wenn es also stimmt, dass es bei den mit Gender verknüpften Themen und Entwicklungen berechtigterweise viel zu hinterfragen und zu kritisieren gibt, warum wird das im Vortrag dann mit keinem Wort erwähnt? Warum wird stattdessen wieder einmal (ganz Worthaus-typisch) das Klischee vom eher dümmlichen, faktenresistenten, ja geradezu aggressiven und menschenfeindlichen Konservativen gepflegt, der nur deshalb gegen Gender kämpft, weil er Gender nicht versteht, der Bedrohungen sieht wo gar keine sind, der die Schöpfungsordnung zur verletzenden Waffe gegen individuelle Vielfalt macht und Ausnahmen nicht „ertragen“ kann, der die eigene kulturelle Brille nicht von genuinen biblischen Aussagen unterscheiden kann usw.?
Thorsten Dietz Gegenfrage: was genau ist denn der Zusammenhang von Gender und Sexualpädagogik der Vielfalt? Zur letzteren hätte ich auch kritische Anfragen… Das war aber nicht mein Thema.
Meine drei letzten Vorträge habe ich ja als Gender-Trilogie bezeichnet, sie gehören thematisch eng zusammen und behandeln Fragen der Geschlechterstereotypien, des historischen Wandels im Geschlechterdenken (Hierarchie, Komplementarität, Gleichberechtigung), das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit in Ehe und Kirche. Solche Fragen sind zentraler Inhalt heutiger Gender-Diskurse.
Andere Fragen kann und darf man gerne kritisch erörtern, dann aber bitte mit historischer und systematischer Einordnung der jeweiligen Thematik.
Markus Till Thorsten Dietz Der Zusammenhang wird ja in dem Jesus.de-Artikel oben erläutert (1. Abschnitt unter „Sexuelle Vielfalt“). Und Sie selber stellen ihn im Vortrag her, wenn Sie sich über besorgte konservative Eltern lustig machen, die angeblich von Fakten nichts wissen wollen aber einen Kollaps fürchten, wenn das Kind in der Schule von grünen Lehrern mit Transgender konfrontiert wird. Wer auf der Demo für Alle erlebt hat, wie man da wüst beschimpft, von der heute show lächerlich gemacht und von linken Antifanten mit körperlicher Gewalt angegangen wird, nur weil man ganz im Sinne von Dr. Raedel nicht will, dass die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ Querschnittsthema in allen Fächern aller Jahrgangsstufen werden soll, der ist schon enttäuscht, wenn Mitchristen einen dann auch noch lächerlich machen mit der Unterstellung, dass man seine Kinder von biologischen Fakten fernhalten wolle (wobei man über das richtige Alter schon diskutieren darf, oder?). Auch die Gender-Diskurse darf und muss man doch kritisch hinterfragen dürfen, oder etwa nicht? Die auch in ihrem Vortrag anklingende Skepsis gegen „biologistische“ naturwissenschaftliche Argumentationen („Manche erwarten jetzt die Antwort von den Naturwissenschaften…“) halte ich z.B. für wirklich problematisch. Harald Eia hat die Widersprüche, die daraus entstehen, ja sehr schön offengelegt. Ebenso fragwürdig finde ich die auch von Ihnen geäußerte These, dass Geschlechterdifferenzen quasi komplett kulturell verursacht und plastisch veränderbar seien (Stichwort „Dekonstruktion“). Mich interessieren bei solchen Fragen v.a. die praktischen Folgen für die psychische Entwicklung von Kindern, wenn Frauen aus „Geschlechtergerechtigkeitsgründen“ konsequent in die Erwerbstätigkeit getrieben werden, wie auch Dr. Raedel schön ausführt. Da kann man ja unterschiedlicher Meinung sein. Aber ist das ein Grund, sich derart an Konservativen abzuarbeiten? Ich bewege mich ja viel in unterschiedlichsten konservativen Kreisen. Ich habe noch nie gehört, dass jemand äußert, dass Gott die „Ausnahmeerscheinungen“ nicht lieben würde oder dass Menschen, die charakterlich nicht typischen Geschlechterleitbildern entsprechen, im Widerspruch zur Schöpfungsordnung ständen. Im Gegenteil: Dass Gott alle Menschen liebt und alle Menschen liebe- und respektvoll behandelt und in Gemeinden aufgenommen werden sollen empfinde ich als Common Sense unter Konservativen, auch wenn sie nicht Ihren theologischen 2-4-8-16-Ansatz teilen..
Thorsten Dietz Markus Till Sorry, sehe ich erst jetzt! Mmh – der Zusammenhang wird dort mehr behauptet als erläutert. Auch nur kurz meine bislang gewonnene Sicht: Das politische Konzept des Gender Mainstreaming ist etwas völlig anderes als die Forderung nach Akzeptanz von sexueller Vielfalt. Die Frage von Geschlechtergerechtigkeit ist etwas anderes als die Frage von Trans- und Intersexualität. Der Umgang mit sexueller Orientierungen, besser: mit schwulen und lesbischen Menschen in der Gesellschaft und in christlichen Gemeinden hat nichts zu tun mit der Förderung von berufstätigen Frauen. Das Verhältnis von natur- und kulturwissenschaftlichen Perspektiven auf die Geschlechterdifferenz hat wiederum nichts zu tun mit der theologischen Tradition des Naturrechts. Diese Fragen müssen jeweils einzeln erörtert und beantwortet werden; wer dieses akzeptiert, kann jenes kritisch sehen usw.
Es gibt Christen, die solche Unterscheidungen nicht treffen, sondern alles, was mit „Gender“ zu tun hat, lächerlich machen oder als Bedrohung schildern. Diese Gender-Kritiker tun dies teilweise mit sehr scharfen Worten, die ich ansatzweise auch in meinem Vortrag zitiere. Ich glaube schon, dass ich selbst noch etwas rücksichts- und respektvoller hätter reden können; ich denke, dass ich mich in meinem zuletzt aufgenommenen Wirthaus-Vorträgen letzte Woche noch mehr darum bemüht habe; Zu diesem Thema ließe sich jedoch auch mit Leichtigkeit ein deutlich polemischerer Vortrag halten… Ich bin seit 5 Tagen auf einem Lutherkongress, und wenn ich meinem Vortrag mit der Polemik des 16. Jahrhunderts vergleiche, bin ich mehr als zahm…
Dass in ihrer Gemeinde un in ihrem Umfeld „unregelmäßige Verben“, sprich Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, ihrer geschlechtlichen Identität, ihrer feministischen, queeren oder posttraditionellen Lebensweise „liebe- und respektvoll behandelt und in Gemeinden aufgenommen werden sollen“, höre ich gern; ich weiß aus vielen Gesprächen, dass das oft nicht der Fall ist.
Einige ihrer Kritikpunkte sind für mich nachvollziehbar, ich habe auch drei Schulkinder. Ich weiß daher allerdings auch ein wenig, was und wie es in den jeweiligen Jahrgangsstufen läuft, und das in einer linken Stadt wie Marburg, und nein: kein Grund für Alarm oder für „Demo für alle“, ich bekomme in der wirklichen Welt nichts mit von verwirrten Kindern, dafür mehr Respekt, Behutsamkeit, Aufklärung und Respekt, als es noch in meiner Generation üblich war.
Markus Till Thorsten Dietz Stimmt: Im Vergleich zu Siegfried Zimmer sind Ihre Äußerungen über Konservative noch vergleichsweise sehr sanft. 😀 Richtig ist auch: Akademisch handelt es sich um verschiedene Themen. Aber da es so viele inhaltliche Querverbindungen gibt ist es auch nicht verwunderlich, dass sie so oft im Rudel auf den Tisch kommen. Noch einmal: Die Diskussion ist doch wirklich nicht, ob Gott alle Menschen liebt und willkommen heißt. Wir sind schließlich alle ausnahmslos Sünder und allesamt nur aus Gnade vorbehaltlos geliebt und angenommen. Dass das mit der milieuübergreifenden Liebe und Annahme in der Praxis trotzdem nicht immer klappt ist sicher kein speziell konservatives Phänomen – auch von Liberalen geht leider Ausgrenzung und Mobbing aus. Nein, die Diskussion geht doch einzig um die Frage, welche PRAKTIZIERTE LEBENSWEISE von Gott geliebt und gesegnet ist. Dass Gott nicht jede ausgelebte Ausprägung sexueller Vielfalt segnet ist ja eindeutig. Bei der Pädophilie stimmen da inzwischen wohl sogar die Grünen geschlossen zu. Bei Inzest, Polygamie und Polyamorie sehe ich unter liberalen Christen keinen Konsens (die evangelischen Frauen und Männer sind ja z.B. stark für die Akzeptanz von Polyamorie eingetreten. Wie sieht das Worthaus?). Es geht also angesichts des breiten Spektrums sexueller Vielfalt nur um eine Grenzverschiebung speziell in Bezug auf die Menschen, die Homosexualität in auf Treuebeziehung angelegten Partnerschaften ausleben. Das soll jetzt als gottgewollte Schöpfungsvariante gedeutet werden – eine Sichtweise, die Konservative aus ihrer biblisch-hermeneutischen Perspektive und ihrem Gewissen vor Gott heraus nicht teilen können. Darüber kann man jetzt schimpfen oder (ganz im Sinne der „Gender-Agenda“) die Konservativen dafür lächerlich machen. Oder man könnte trotz aller Meinungsverschiedenheit anerkennen, dass es für diese Sichtweise (die ja kirchenhistorisch und auch heute noch in der weltweiten Kirche Jesu die weit überwiegende Mehrheit stellt) auch vernünftige, in sich schlüssige Gründe geben kann, die überhaupt nichts mit Lieblosigkeit, Enge oder gar „Homophobie“ zu tun haben. Wäre das nicht besser als die Behauptung, in konservativen christlichen Gruppen gäbe es ein „verkümmertes intellektuelles und geistiges Klima“? Ich kann mich nicht erinnern, dass ich einen konservativen Redner schon einmal so despektierlich über Liberale hätte reden hören. Richtig ist, dass sich viele Konservative – auch ich – in Bezug auf Gender und sexuelle Vielfalt manchmal scharf äußern, weil sie diese Einflüsse als wirklich bedrohlich empfinden, v.a. wegen dem Druck zur Berufstätigkeit von Frauen, wegen der Aufgabe des Ideals dauerhafter Treuebeziehungen zugunsten von frühzeitigem sexuellem Ausprobieren und wegen den Auswirkungen auf die Stabilität von Partnerschaften und die psychische Stabilität von Kindern. Die negativen Folgen sehe ich auch in meinem persönlichen Umfeld schon jetzt an vielen Stellen. Die Ehe ist nun einmal ein zentraler Stabilitätsanker einer Gesellschaft. Ist es keine berechtigte Meinung, dass das Herumschrauben am Ehebegriff und am Treueideal bedrohlich für die Stabilität der Gesellschaft sein kann? Als ‚Demo für Alle‘-Teilnehmer gewinnt man den Eindruck, dass man mit solchen Meinungen ein rechter Hetzer sei. Woran liegt das?
Thorsten Dietz Markus Till Wenn alle konservativen (und andere) Diskussionsbeiträge zu solchen Fragen so sachlich und argumentativ aussähen wie Ihrer gerade, hätten wir sicherlich eine ganz andere Diskussionskultur. Und natürlich gibt es unsägliches Bashing und (Online-)Mobbing von linker und liberaler Seite. Immerhin, mein Eindruck ist: Wo ansatzweise Gespräche und Begegnungen beginnen, selbst online, ändert sich Tonfall zunehmend zum Guten.
Das Zitat mit dem „verkümmerten intellektuellen Klima“ stammt nicht von mir; ich habe dergleichen wohl aber schon mal gehört …;) Aber sorry, so etwas Schlimmes wollen Sie im Ernst noch nicht von konservativer Seite gehört haben? Das macht mich etwas fassungslos. Nur ein Beispiel: ich weiß z.B., dass viele liberale Christen schon mit dem Vorwurf konfrontiert worden sind, „ungläubig“ zu sein; und das als unglaublich verletztend und anmaßend empfinden. Wenn Evangelikale bisweilen einen sehr schlechten Ruf haben, liegt es auch daran, dass sie oft nicht merken, wie sehr sie andere treffen. (Ich rede hier nicht über Sie; sie sprachen ja auch allgemein von konservativen Rednern.)
In Sachen Treue, Wertschätzung der Ehe und Skepsis gegen alles Ausprobieren stehe ich ganz auf Ihrer Seite; nur sind wir hier sehr weit weg von meinen Vortragsthemen, oder? Das gilt auch für die Sexualethik, wo es viele möglichen Denkweisen zwischen den Extremen gibt. Durch solche Überzeugungen wird niemand zum „rechten Hetzer“. Manchmal denke ich jedoch, konservative Christen sollten sich bewusster vor Augen führen, was und wie sich Neurechte zu manchen Fragen äußern, auch in welchen Bewegungen sich sich mitengagieren. Wer die von der Jungen Freiheit getragene Seite/Aktion „Gender mich nicht“ teilt oder liked, begibt sich selbst in eine Gesellschaft, die er sich vielleicht nicht vorwerfen lasen möchte.
Markus Till Thorsten Dietz Hm, ja, Wachsamkeit gegenüber Rechtsaußen ist gefordert und ich kann nicht leugnen, dass es Manche gibt, die sich in bedenkliche Fahrwasser begeben haben. Allerdings ist auch das ganz sicher kein spezifisch konservatives Problem. Auf einer ‚Demo für alle‘ habe ich einmal mit eigenen Augen miterlebt, wie Birgit Kelle sich höchstpersönlich einigen NPD-nahen Mitläufern entgegengestellt und sie aus dem Demozug hinausgeworfen hat, und das obwohl keinerlei Gewalt von ihnen ausging. Das fand ich echt mutig. Ganz anders hingegen in der Gegendemonstration: Da fanden es die SPD’ler, Grünen, Gewerkschafter und kirchliche Gruppen offenbar völlig unproblematisch, Seit an Seit mit tiefschwarz gekleideten gewalttätigen Antifanten zu demonstrieren und bösartigste Parolen zu brüllen. Die Antifa war sogar offizieller Mitveranstalter und stellte einen Redner auf deren Demonstrationsbühne. Mit Entsetzen habe ich gesehen, dass in Hamburg Pfarrer dem schwarzen Block Kirchgärten als Zeltplätze zur Verfügung gestellt haben. Ich habe nichts von einem Aufschrei aus der Theologenszene gehört. Deshalb wirkt es inzwischen offen gesagt etwas heuchlerisch auf mich, wenn bei Konservativen immer auf Verbingungen mit „Neurechten“ gezeigt wird, zumal linke Meinungsmacher oft nicht zwischen konservativ und rechtsradikal unterscheiden sondern alles, was nicht mitjubelt im Gaypride-, Gender- und Refugees-Welcome-Konzert, undifferenziert zu einer braunen Soße verrühren (man denke nur an den unfassbaren ‚Agent*In‘ Online-Pranger der grünen Heinrich-Böll-Stiftung). Das ist nicht nur unredlich sondern antidemokratisch. Längst nicht alles, was von Linken als „Neurechts“ abgestempelt wird, ist wirklich rechtsaußen. Oft sind es schlicht und einfach Leute, die ganz einfach immer noch Meinungen vertreten, die vor 15 Jahren noch CDU-konservativer Mainstream waren.
Thorsten Dietz Markus Till Nachdem wir uns atmosphärisch ein wenig angenähert haben, können wir ja nun auch weiter streitbarer diskutieren, in Ordnung? Ich verstehe nicht ganz, warum Sie den Widerspruch gegen vermeintlich falsche Einordnung als „rechts“ wieder und wieder aufbringen. Es besteht doch ein breiter gesellschaftlicher Konsens, dass Extremisten von links und rechts, islamistisch, völkisch oder sonstwie radikal ein großes Übel sind. Und nach den Hamburger Krawallen war doch eine einhellige Verurteilung des Schwarzen Blocks der Mainstream in allen Medien. Diejenigen, die sich nur zu halbherzigen Verurteilungen durchringen konnten, haben ihre Wahlaussichten im Herbst entsprechend beschädigt. Und sorry, man muss nicht lange googlen, um auch kirchlich-kritische Stimmen zu hören…
Ich kann auch die Einschätzung nicht teilen, dass „linke Meinungsmacher“ konservativ und rechts einfach verrühren. Wo werden denn Konservative wie Kauder, Bosbach oder Schäuble mit brauner Soße verrührt? Rechts der Mitte gibt es viel: wertkonservativ, wirtschaftsliberal, libertär, nationalkonservativ, neurechts, altright, identitär, nationalistisch, völkisch, rechtsextrem, faschistisch und noch mehr, und die meisten politisch ernstzunehmenden Medien treffen solche Unterschiede beständig. Und umgekehrt mangelt es doch wahrlich nicht an Medien, Online-Plattformen und öffentlichen Intellektuellen, die als Sprachrohr für bisweilen schärfste Kritik am „linksgrünen Zeitgeist“ fungieren. Das allermeiste ist völlig legal; muss aber auch akzeptieren, dafür nicht weniger scharf kritisiert zu werden. Ja, viele verwenden „rechts“ als Schmäh- und Schimpfwort; auch das ist nicht illegal, und jeder kann sich demgegenüber verwahren so gut es geht.
Natürlich gibt es links(extremen) Blödsinn, da Sie den Onlinepranger ansprechen: er ist inzwischen offline, wohl auch, weil es massive Kritik innerhalb des feministisch-linken Lagers an einer solchen linken Version von Wikimannia gegenben hat. Auch ich habe z.B. sofort am Tag der Veröffentlichung dieser Plattform an den verantwortlichen Herausgeber geschrieben, diese Idee als völlig kontraproduktiv bezeichnet und an Beispielen gezeigt, wie sehr einige Christen völlig verzeichnet werden. Auch links der Mitte ist es sehr bunt.
Dass Birgit Kelle sich persönlich NPD-Anhängern entgegentrat, ehrt sie sehr. Mich wundert allerdings, dass sie das selbst tun muss und die Versammlung nicht von sich aus Abstand sucht. Und so, wie sich Globalisierungskritiker fragen lassen müssen, warum sich Gewalttäter von ihrem Protest angezogen fühlen, sollten sich Konservative bisweilen fragen, warum sie in manchen Fragen im politischen Spektrum nur noch rechts der AfD völlige Zustimmung genießen. Das kann Pech sein, aber man sollte darüber nachdenken.
Mein Vorschlag, lassen wir die Etiketten weg, ich halte Sie nicht für rechts(-extrem), Birgit Kelle auch nicht. Für mich selbst mag ich vergleichbare Etiketten auch nicht, aber sorry, ich kann auch gut ignorieren, was ich an Vorwürfen und Einsortierungen nicht für beantwortungswürdig halte… Es wäre schön, wenn Christen wieder zu anderen Formen des gemeinsamen Gesprächs zurückfänden. Aber nun gut, das muss die große Mehrheit wollen, und im Moment haben viele ein größeres Interesse an Polarisierung und Profilierung. Immerhin, zarte Pflänzchen des Gesprächs hier und anderswo lassen mich nicht hoffnungslos. Einen schönen Sonntagabend noch!
Markus Till Lieber Thorsten Dietz herzlichen Dank für Ihre offenen Zeilen! Ich konnte leider gestern nicht gleich antworten wegen einem großen Familienfest. Aber ich finde sachlichen Klartext immer sehr gut. Ich leide darunter, dass Christen m.E. viel zu oft Meinungsverschiedenheiten unter den Teppich kehren. Viel besser ist es doch, dass wir „lernen wie man streiten und sich dennoch lieben kann“! Vielen Dank für Ihr Engagement gegen agent*in! Und wir sind uns natürlich komplett einig, dass Extremismus jeglicher Couleur strikt zu verurteilen ist, wobei mir nicht klar ist, welche konservativen Meinungen nur noch „rechts der AfD“ zu finden seien? Also ich finde schon die rechte Höcke-Hälfte der AfD schlicht gruselig. Aber gut, dass seit G20 auch der linke Extremismus stärker in den Fokus gerät. Jetzt bin ich mal gespannt, ob die bunten Vielfaltsdemos es ab jetzt den Demos für Alle gleichtun und schwarze Antifanten rausschmeißen. 😉 Ich habe offen gesagt Zweifel, weil ich fürchte, dass es in der linken Szene durchaus viele Sympathisanten gibt, die so wie Augstein Gewalt zumindest nicht konsequent ablehnen, weil die herrschenden Strukturen ja auch gewalttätig seien. Und es sind m.E. Gendervertreter wie dieser hier, die den Boden dafür bereiten, indem sie behaupten, dass die „Theorie der biologischen Zweiteilung“ von den Nazis eingeführt worden wäre und „viel Leid“ mit sich bringt, weil sie „gewaltsame Strukturen“ verfestige. Solche Thesen darf er hier auch noch in einer mit Hilfe meiner Kirchensteuern finanzierten evangelischen Zeitschrift verbreiten. Tja, komisch nur, dass Jesus auch vor 1920 schon davon sprach, dass Gott die Menschen als Mann und Frau schuf und nicht in vielen Geschlechtern. Haben die Nazis diese „radikale Zweiteilung“ etwa von Jesus gelernt? Ironiemodus aus. Jetzt wieder im Ernst: Darf ich Sie offen fragen, ob Sie auch an solche Leute gedacht haben mit Ihrem Gender-Verteidigungsvortrag? Und was würden Sie ihm theologisch und sachlich entgegnen auf seine These, dass Konservative wie ich viel Leid und Gewalt verursachen, weil sie an Jesu Lehre von der Schöpfung als Mann und Frau festhalten? http://chrismon.evangelisch.de/…/weder-mann-noch-frau…
Einteilung in zwei Geschlechter schadet
Damenbart und Männer­busen: Heinz-Jürgen Voß…chrismon.evangelisch.de
Thorsten Dietz Markus Till Klar, Voss kenne ich, vor allem sein „Making Sex revisited“. Einiges ist lehrreich, anderes sehe ich bei ihm kritisch. Vor allem sein letztes Buch „Schwule Sichtbarkeit“ (2016) hat mich mit seinem hyperkonstruktivistischen Ansatz gar nicht überzeugt.
Das mit den Nazis klingt echt unsinnig. Ich versuche mal, seine Aussage ad bonam partem zu lesen: Es gibt ja die berühmte Laqueur-These, dass es im klassischen Okzident nur ein Geschlecht gab, das Männliche, und das Weibliche dem als das Andere oder als Verfallsstufe gegenübergestellt wurde. Sodann ist es richtig, dass die moderne Sexualwissenschaft seit dem 19. Jahrhundert durchaus von mehr Geschlechtern bzw. sexuellen Zwischenstufen (Hirschfeld) sprach – und die Nazis diese Forschung rigoros abwürgten.
Unhaltbar bleibt Voss‘ Aussage trotzdem, einfach mal ein Zitat von vor 1920: „Aus dem Spruch [Gen 1,27] sind wir gewiss, dass Gott die Menschen in zwei Teil geteilet hat, dass es Mann und Weib oder ein Er und ein Sie sein soll. Und das hat ihm also gefallen, dass er’s selbst ein gut Geschöpf nennet. Darum, wie einem jeglichen von uns Gott seinen Leib geschaffen hat, so muss er ihn haben.“ (Martin Luther)
Also, in mancher Hinsicht habe ich an solche Leute gedacht in der Passage, wo ich von Übertreibungen, Wahnsinn und Wissenschaftsfreiheit rede. Aber: gleichzeitig finde ich das konkrete Anliegen des Interviews richtig: Es gibt Menschen zwischen den Geschlechtern, und ich unterstütze seinen Wunsch, dass diese „in Ruhe aufwachsen können, ohne gewaltsame geschlechtszuweisende Eingriffe“. Soweit ich sehe, wird dies im Blick auf intersexuelle Menschen zunehmend auch von evangelikalen Ethikern und Seelsorgerinnen geteilt.
Markus Till Thorsten Dietz Hm, ja, aber die sehr spezielle Situation von intersexuellen Menschen war ja hier nicht meine Frage sondern Ihre Einschätzung zu seiner These, dass das Festhalten an Zweigeschlechtlichkeit gemäß Jesu Lehre zu Leid und Gewalt führt? DAS ist doch das konkrete Anliegen des Interviews, siehe auch Überschrift: „Einteilung in 2 Geschlechter schadet“, und zwar nicht nur einer kleinen Gruppe sondern ganz allgemein! Sie sei verantwortlich für „hierarchische, gewaltsame Strukturen: Gewalt gegen Frauen, Zwangsprostitution, ungleiche Löhne.“ Da kann ich verstehen, dass man ziemlich aggressiv auf Konservative wird, so wie ich es bei jeder Demo für Alle unter Polizeischutz erlebt hab. Hab grade gestern bei Prof. Schirrmacher von einem Mord eines Atheisten an einer Christin gelesen, weil sie der Homo-Ehe nicht zustimmen wollte… (O.K. ich höre schon auf, ich will hier nicht das arme Opfer spielen). Das würde mich also schon sehr schmerzen, wenn Sie sich nicht sehr klar und deutlich von solchen Thesen und aggressiven Gendervertretern distanzieren wollten. Das kann man m.E. auch nicht einfach mit „Freiheit der Forschung“ abtun. https://www.facebook.com/tobias.faix

 

 

Der Charakter der Psalmen

Ein menschliches Herz ist wie ein Schiff auf einem wilden Meere, welches die Sturmwinde von allen vier Himmelsrichtungen hin und her treiben: von hieher stößt Furcht und Sorge vor zukünftigem Unglück; von dorther fährt Gram und Traurigkeit über gegenwärtiges Übel; von da weht Hoffnung und Vermessenheit im Blick auf zukünftiges Glück; von dort bläst Sicherheit und Freude über gegenwärtigen Gütern. Solche Sturmwinde aber lehren mit Ernst reden und das Herz öffnen und es von Grund ausschütten. Denn wer in Furcht und Not steckt, der redet sehr viel anders vom Unglück, als wer in Freuden schwebt; und wer in Freuden schwebt, der redet und singt sehr viel anders von Freuden, als wer in Furcht steckt. Es kommt nicht von Herzen, sagt man, wenn ein Trauriger lachen oder ein Fröhlicher weinen soll; das will heißen: seines Herzens Grund steht nicht offen und kommt nicht heraus [ans Licht]. Was ist aber das meiste im Psalter anderes als solch ernstliches Reden in allerlei solchen Sturmwinden?
Wo findet man feinere Worte von Freuden als in den Lob- oder den Dankpsalmen? Da siehst du allen Heiligen ins Herz wie in schöne Lustgärten, ja wie in den Himmel; [du siehst], wie feine, liebliche, herzerfreuende Blumen darin aufgehen von allerlei schönen, fröhlichen Gedanken gegen Gott um seiner Wohltat willen.
Andererseits, wo findest du tiefere, von Klage und Jammer mehr erfüllte Worte der Traurigkeit als in den Klagepsalmen? Da siehst du abermals allen Heiligen ins Herz wie in den Tod, ja wie in die Hölle. Wie finster und dunkel ist’s da von allerlei betrübtem Anblick des Zornes Gottes! Ebenso auch, wo die Heiligen von Furcht oder Hoffnung reden, da gebrauchen sie solche Worte, dass dir kein Maler die Furcht oder die Hoffnung so abmalen und kein Cicero oder Redekundiger sie dir so schildern könnte. Und, wie gesagt, das Allerbeste ist, dass die Psalmisten diese Worte Gott gegenüber und mit Gott reden; denn das bewirkt, dass doppelter Ernst und zwiefältiges Leben in den Worten liegt. Denn wo man sonst Menschen gegenüber von solchen Dingen redet, geht es nicht so stark von Herzen, brennt, lebt und drängt nicht so sehr.
Daher kommt’s auch, dass der Psalter aller Heiligen Büchlein ist, und ein jeder, in welcher Lage er auch ist, Psalmen und Worte darin findet, die sich auf seine Lage reimen und so auf ihn passen, als wären sie nur um  seinetwillen so geschrieben; er könnte sie auch selbst nicht besser verfassen oder erfinden, noch sich bessere wünschen. Das ist dann auch dazu gut: wenn einem solche Worte gefallen und sie auf ihn passen, dann wird er dessen gewiss, er sei in der Gemeinschaft der Heiligen, — es sei ja allen Heiligen so ergangen, wie es ihm geht, weil sie alle das gleiche Liedlein mit ihm singen; — besonders dann, wenn er die Worte in solcher Weise auch Gott gegenüber reden kann, wie sie es getan haben. Dies muss freilich im Glauben geschehen, denn ein gottloser Mensch findet keinen Geschmack an solchen Worten.
Martin Luther, Vorrede zum Psalter (1528), WA DB 10, 1, Seite 100-102, abgedruckt in: Martin Luther, Das schöne Confitemini, Calwer Luther-Ausgabe, Bd. 7, Siebenstern: München-Hamburg 1967, Seiten 56-58.

 

Evangelisation ist für die soziale Umgestaltung einer Gesellschaft unabdingbar

„Evangelisation ist für die soziale Umgestaltung einer Gesellschaft unabdingbar. Soziale Verantwortung im christlichen Sinne hängt davon ab, ob es sozial verantwortliche Christen gibt. Und sozial verantwortliche Christen sind eine Folge von Evangelisation. Wenn der Heilige Geist uns verändert, entwickeln wir ein soziales Gewissen, und wir bekommen die Vision und den Mut dafür, die Gesellschaft zu verändern.“
John Stott © Christus, die Bibel und wir  /  ISBN 978-3-930868-09-4

Afghanische Christin vor den Augen ihrer Kinder erstochen

Ein zufällig anwesender Polizeibeamter und Passanten konnten den mutmaßlichen Täter überwältigen. Foto: picture-alliance/R. Goldmann

Prien (idea) – Trauer und Bestürzung hat der gewaltsame Tod einer afghanischen Christin in Prien am Chiemsee ausgelöst. Opfer ist die 38-jährige Farima S., die vor sechs Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland geflüchtet war. Ein 29-jähriger afghanischer Asylbewerber stach die vierfache Mutter am Abend des 29. April vor einem Supermarkt mit einem Messer nieder. Sie starb wenig später im Krankenhaus. Nach Angaben der Polizei konnten ein zufällig anwesender Polizeibeamter, der nicht im Dienst war, und Passanten den mutmaßlichen Täter überwältigen. Herbeigerufene Polizisten nahmen ihn fest. Zwei Kinder des Opfers – fünf und elf Jahre alt –, die die Tat mitansehen mussten, wurden von einem Kriseninterventionsteam betreut und bis auf weiteres in Obhut genommen. Über das Motiv des Täters könne man noch nichts sagen, erklärte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Es werde noch ermittelt. Einen religiösen Hintergrund könne man nicht ausschließen. Der Täter wurde auf richterlichen Beschluss in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung gebracht. Laut dem Polizeisprecher gibt es Hinweise, dass der Afghane „psychisch auffällig“ sei. Ein ärztliches Schnellgutachten solle eine Klärung bringen. Davon hänge ab, ob der Mann in der Psychiatrie bleibt oder in Untersuchungshaft kommt.

Schwester der Getöteten: „Sie musste sterben, weil sie Christin wurde“

Die Schwester des Opfers, Somi A., ist überzeugt, dass Farima wegen ihres christlichen Glaubens getötet wurde. „BILD“ zitiert sie mit den Worten: „Meine Schwester musste sterben, weil sie Christin wurde.“ Der Täter sei wütend gewesen, „weil er abgeschoben werden sollte. Er wusste, dass meine Schwester Christin war. Er hat sie auf dem Weg zur Kirche gesehen.“ Laut der 31-Jährigen hat ihre Schwester sich vor acht Jahren evangelisch taufen lassen. Ein Pastor habe sie bei einer Reise in den Iran vom christlichen Glauben überzeugt. Ein Bericht des Oberbayerischen Volksblatts (Rosenheim) nennt als mögliches Tatmotiv auch Eifersucht. Nach dessen Recherchen hatte die Afghanin seit zwei Wochen einen neuen Freund – einen Deutschen. Ihre Einkäufe seien für ein gemeinsames Essen bestimmt gewesen. Von ihrem Ex-Mann – dem Vater ihrer Kinder – soll die Frau schon länger geschieden gewesen sein, so die Zeitung.

Evangelischer Pfarrer: Die Tat hat nichts mit Religion zu tun

Der evangelische Priener Gemeindepfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth warnte vor voreiligen Schlüssen. Er ist der Ansicht, dass die Tat mit Religion nichts zu tun hat. Der Täter sei ein „psychisch extrem kranker Mensch“, sagte Wackerbarth gegenüber idea. Er habe möglicherweise „im Wahn“ gehandelt. Der ökumenische „Begleiterkreis“, der sich für die Integration von Flüchtlingen einsetzt, hatte dem Pfarrer zufolge Kontakt zu dem Afghanen. Wackerbarth wird am 4. Mai die Trauerfeier für Farima S. leiten. Er hatte im vergangenen Jahr ihre beiden jüngsten Kinder getauft. Die Christin habe auch regelmäßig eine afghanisch-christliche Gemeinde in München besucht. Wackerbarths Kollege Mirko Hoppe sagte idea, dass die Frau manchmal auch in den evangelischen Gottesdienst in Prien gekommen sei. Sie hatte nach seinen Worten eine sehr positive Ausstrahlung und war sehr engagiert. So habe sie bei einem „Fest der Nationen“ in Prien mitgewirkt. In der rund 10.000 Einwohner zählenden Stadt leben Bürger aus fast 70 Staaten.

8. These: Gegen die Kritik an der Heiligen Schrift.

Die Heilige Schrift bezeugt und die Reformatoren bekennen, daß das Wort Gottes unfehlbar ist in allen seinen Aussagen über das Heil der Menschen und die Wirklichkeit dieser Welt. Das Gerede vom fehlbaren Worte Gottes ist ein Widerspruch in sich und Empörung der Ehre des Menschen gegen die Ehre Gottes.
Christus spricht.»Ich nehme nicht die Ehre von Menschen, aber ich kenne euch, daß ihr nicht Gottes Liebe in euch habt. Ich bin gekommen in meines Vaters Namen und ihr nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer wird in seinem eigenen Namen kommen, den werdet ihr annehmen. Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmet? Aber die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, suchet ihr nicht.« (Joh. 5,41-44)
Zu verwerfen ist deswegen die Irrlehre, als könnte es Autoritäten geben, die über der Schrift stehen, die Maßstäbe aufrichten könnten, nach denen die Gültigkeit des Gotteswortes sich auszuweisen hätte. In diesem Versuch einer sogenannten »historischen Kritik« waltet der Versuch, den Machtwillen, die Ehre des Menschen hochmütig gegen die Ehre Gottes zu setzen.
Luther bekennt:» Wenn euch jemand antastet und sagt: Man muß der Väter Auslegung haben, die Schrift ist dunkel, sollt ihr antworten: Das ist nicht wahr. Es ist auf Erden kein klareres Buch geschrieben als die Heilige Schrift; sie ist gegenüber anderen Büchern wie die Sonne im Vergleich mit jedem anderen Licht. Sie reden so nur deshalb, damit sie uns von der Schrift wegführen und sich selbst zu Meistern über uns erheben, daß wir ihren Traumpredigten glauben sollen. Es ist eine greuliche, große Schmach und Lästerung wider die Heilige Schrift und die ganze Christenheit, wenn man sagt, daß die Heilige Schrift finster und nicht so klar sei, daß sie jeder verstehen kann, seinen Glauben zu lehren und zu beweisen«. »Das ist die gefährliche Art der Lüge, daß man die Heilige Schrift durch falsche Auslegung zum Betrug mißbraucht, um durch deren hohes Ansehen die Lüge um so glaubwürdiger zu machen. So stützen sich denn alle Irrlehrer nicht immer nur auf die Vernunft (freilich fangen sie bei ihr an und stellen erst fest, welcher Weg der rechte zu sein scheint), sondern sie berufen sich auch auf die Schrift, um sie dann nach ihrem Ermessen auszulegen.«
Die verratene Reformation – GOTTES Wort und Luther`s Lehr` verneint man heute immer mehr Huntemann, Georg Verlag: 1983 Bremen, 1983 Seite 96 – 97
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