Stephen Hawkings Gottesproblem

„Die Zeit begann mit der Entstehung des Universums. Wenn es also vorher keine Zeit gab, konnte es auch keinen Schöpfer geben, der ein bestimmtes Ereignis verursacht hat, da dies ohne Zeit nicht möglich ist. Es gibt also keinen Gott.“(Stephen Hawking)
Tut mir leid, Mister Hawking, aber bei all Ihrer Genialität machen Sie doch immer den gleichen gewaltigen Denkfehler. Ich bin 14 Jahre alt und so etwas wie ein „Astrophysikfreak“, weshalb ich immer wieder auf derartige Aussagen stoße. Und weil Physik und Religion sich eben nicht ausschließen, versuche ich jetzt zu erklären, warum Stephen Hawking genial, aber nicht genial genug ist. Sein Problem ist der Verstand, weil dieser es nicht zulässt, dass Hawking über den Rand eben dieses Verstandes hinausdenkt. Er hält alles für berechenbar. Aber Gott kann man nicht berechnen, weil unser Verstand ihn gar nicht erfassen kann. Hawking begründet weiterhin: „Die Natur lässt nichts Übernatürliches zu, weil sie ausschließlich nach den Naturgesetzen funktioniert“.
Warum sollte Gott sich kleiner machen, als er ist? Sich in Formeln und Zahlen quetschen, die ihn nicht annähernd erfassen können? Und das Wichtigste: Warum sollte Gott an Raum und Zeit gebunden sein, wenn er eben diese erschaffen hat? Warum sollte ein Universum unter genau richtigen Bedingen einfach zufällig entstehen? Will man auf all diese Fragen eine annähernd sinnvolle Antwort geben, kommt man um die Existenz eines Gottes eigentlich gar nicht mehr herum. Gott ist notwendig, um dem Leben einen Sinn zu geben, denn ohne Gott ist das Leben sinnlos, nichts hat Konsequenzen, ob man lügt, stiehlt oder sogar mordet. Alles in der Natur verfällt früher oder später ins Chaos, nur wir Menschen folgen Regeln, Gesetzen und einer Moral.
Warum sollten wir all das benötigen, wenn unser Handeln keine Folgen hätte? Aber weil mir eine solche Erklärung für die kurze Begegnung auf dem Gang zu lang ist, entgegne ich meistens nur: „Und was ist Religion für dich? Glauben oder Verstand?“
Zur Autorin: Laetitia Jennißen ist 14 Jahre jung und kommt aus Deutschland. Sie ist Mitglied bei der Katholischen Pfadfinderschaft Europas. In ihrer Freizeit versucht sie, wissenschaftliche Theorien zu hinterfragen und selbst welche aufzustellen. Sie sieht sich als ein „Astrophysikfreak“.
Der Beitrag erscheint im Rahmen des Jugend-Schreibwettbewerbs von kath.net.
Mehr Infos unter: http://www.kath.net/news/59054

7. These: Gegen die Demontage der Schrift.

Die Heilige Schrift bezeugt und die Reformatoren bekennen, daß Gottes Wort geschrieben wurde zum Heile des Menschen. Das eine, heilige Wort Gottes hat sich in der Christenheit als das Wort Gottes mit Vollmacht erwiesen. Die Heilige Schrift als Ganzes ist das eine, unteilbare und irrtumslose Gotteswort.
Der Apostel schreibt:»lch bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn jemand etwas dazusetzt, so wird Gott zusetzen auf ihn die Plagen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und wenn jemand etwas davon tut von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott abtun seinen Anteil vom Baum des Lebens und von der heiligen Stadt, davon in diesem Buch geschrieben steht.« (Offenbarung Joh. 22,18-19)
Zu verwerfen ist deswegen die Irrlehre, als ob der sündige, fehlende und irrende Mensch aus seinem Urteil neben dieses eine Wort Gottes noch andere Worte hinzufügen oder aus diesem einen Wort Gottes wegnehmen könne, so wie es ihm beliebt.
Luther bekennt:»Daran liegt Gott am meisten, daß sein heiliges Wort einzig in der Christenheit ohne allen Zusatz der Menschenlehre bleibe. Aber das Wort kann nicht bleiben, es sei denn, dass man Christus als den alleinigen Bauherrn ansehe und ihn allein den Namen haben lasse. Wo der nicht ist, da ist keine Einigkeit und muß auch ein Babel daraus werden«..  »Gottes Wort ist wie ein starker Strom, dem man durch keinerlei Gewalt wehren kann; es bewirkt wie die Natur, daß es die Gläubigen selig macht. Aber die Ungläubigen verdammt es und zerschmettert sie; und das darum, weil der Herr dieses Wortes die göttliche Weisheit, Macht und Gerechtigkeit ist. Darum ist es über alles, was wir haben und sind.«
Die verratene Reformation – GOTTES Wort und Luther`s Lehr` verneint man heute immer mehr Huntemann, Georg Verlag: 1983 Bremen, 1983 Seite 96 – 97
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Wenn wir nun also bedenken, zu welchem Zweck er (Gott) die Nahrungsmittel geschaffen hat

Wenn wir nun also bedenken, zu welchem Zweck er die Nahrungsmittel geschaffen hat, so werden wir finden, daß er damit nicht bloß für unsere Notdurft sorgen wollte, sondern auch für unser Ergötzen und unsere Freude! So hatte er bei unseren Kleidern außer der Notdurft auch anmutiges Aussehen und Anständigkeit als Zweck im Auge. Kräuter, Bäume und Früchte sollen uns nicht nur mancherlei Nutzen bringen, sondern sie sollen auch freundlich anzusehen sein und seinen Wohlgeruch haben. Wäre das nicht wahr, so könnte es der Prophet nicht zu den Wohltaten Gottes rechnen, daß „der Wein des Menschen Herz erfreut“ und daß „seine Gestalt schön werde vom Öl“ (Ps.104,15). Dann könnte uns die Schrift auch nicht immer wieder zum Lobpreis seiner Güte daran erinnern, daß er selbst solches alles den Menschen gegeben hat! Auch die natürlichen Gaben der Dinge selbst zeigen uns ausreichend, wozu und wieweit man sie genießen darf. Hat doch der Herr die Blumen mit solcher Lieblichkeit geziert, daß sie sich unseren Augen ganz von selber aufdrängt, hat er ihnen doch so süßen Duft verliehen, daß unser Geruchssinn davon erfaßt wird – wie sollte es dann ein Verbrechen sein, wenn solche Schönheit unser Auge, solcher liebliche Duft unsere Nase berührte? Wie, hat er denn nicht die Farben so unterschieden, daß die eine anmutiger ist als die andere? Wie, hat er nicht Gold und Silber, Elfenbein und Marmorstein solche Schönheit geschenkt, daß sie dadurch vor anderen Metallen und Steinen kostbar werden? Hat er nicht überhaupt viele Dinge über den notwendigen Gebrauch hinaus kostbar für uns gemacht?  Institutio III 10,2

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Tragischer Irrtum

„Eine Menge unbedeutender Menschen halten sich für große Geister und starke Seelen, nur weil sie den christlichen Glauben verachten.”
Luc de Clapiers, Marquis de Vauvenargues (Französischer Philosoph, 1715-1747)

Gottes Rettung, das Werk des dreieinigen Gottes

Worin besteht Gottes Rettung?
Die Rettung im Neuen Testament hat drei Zeitformen: Die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Sie ist eine Rettung
– von der Schuld der Sünde (der Gesichtspunkt der Vergangenheit: Das Muss der Bestrafung ist aufgehoben)
– von ihrer Macht (der Gesichtspunkt der Gegenwart: Die Sünde herrscht nicht mehr über uns)
– von ihrem Dasein (der Gesichtspunkt der Zukunft: Die Sünde wird eines Tages nur noch eine unangenehme Erinnerung sein)
Die Rettung ist also ein fortlaufender Vorgang, der zur Zeit noch nicht abgeschlossen ist. Doch die Christen sind von Folgendem errettet:
– Vom Zorn Gott (von der Vergeltung des Gerichts, Röm 5,9; 1Thess 1,10)
– Vom ewigen Tod (Rom 6,21+23)
– Von der Herrschaft der Sünde (Röm 6,14+18)
– Vom Leben in der Furcht (Röm 8,15)
– Von uns beherrschenden ungöttlichen und unmoralischen Gewohnheiten (Tit 2,11-3,6)
Die Rettung durch den Dreieinigen Gott
Der Vater, der alles geplant hat (siehe Röm 8,28-30; Eph 3,9-11) sandte zuerst seinen Sohn und dann den Heiligen Geist in die Welt, damit sie seine Rettungsabsichten ausführten (sieh Joh 3,17; 6,38-40; 14,26; 16,7-15; Röm 8,26). Der Sohn, dessen Wesen und Freude es ist, immer den Willen des Vaters zu tun (siehe Joh 4,35; 5,19; 6,38; 8,29), wurde Mensch, um für uns zu sterben, für uns aufzuerstehen, für uns zu regieren und eines Tages für uns wiederzukommen, um uns zu dem Ort der glücklichen Ruhe zu holen, den er für uns vorbereitet hat (siehe Joh 10,14-18; 14,2+18-23). In der Zwischenzeit lässt er uns von seinem Thron Gnade und Hilfe zukommen (siehe Hebr 4,14-16, 7,25). Der Heilige Geist, der sich selbst im Hintergrund haltende göttliche Bevollmächtigte, der die Schöpfung zuwege brachte und der nun die neue Schöpfung bewirkt (Joh 3,3-8), ist seit Pfingsten am Werk, indem er den Gläubigen ihre Anzahlung auf das himmlische Leben und das Leben mit ihrem Retter verleiht (siehe Röm 8,23; Eph 1,13). Zusätzlich verändert der Heilige Geist zunehmend die Gläubigen in das Bild Christi hinein (siehe 2Kor 3,18).
Die Rettung ist also die dreifache Handlung des dreieinigen Gottes. Genauso wie die gegenseitige Liebe und Ehrerbietung als die Tätigkeit des Drei-in-Einem offenbart wird (siehe Joh 3,35; 5,20; 14,31; 16,14; 17,1+4), wird die Liebe zur und die Verehrung der Dreieinigkeit die ewige Berufung derjenigen, die der Drei-in-Einem errettet hat -, was schon jetzt beginnt. Ein Kennzeichen der Erretteten besteht deshalb darin, dass sie sich selbst unablässig der Anbetung hingeben, und sie möchten das buchstäblich immer und ewig so fortsetzen.
J. I. Packer. Heiligkeit. One Way: Wuppertal/Wittenberg, 1992. S. 62+64-65.

Warum sich jeder mit Friedrich Nietzsche befassen sollte

Friedrich Nietzsche ist der Philosoph, der mich persönlich schon am längsten beschäftigt. Nun kann man meine Überschrift kritisieren und sagen, dass ich mein Steckenpferd doch bitte nicht jedem aufdrängen sollte. Meine Gründe für die Aussage sind vielfältiger als das auf den ersten Moment erscheint. Nietzsche hat Christen und Nichtchristen, besonders auch selbsternannten Atheisten, sehr viel zu sagen. Doch gibt es auch Missverständnisse über ihn, die man nur lösen kann, wenn man sich direkt mit ihm und seinen Werken befasst. Außerdem hat seine Theologie und Philosophie eine Wirkungsgeschichte, die das wahre Wesen des Atheismus aufzeigt.
Am bekanntesten ist wohl Nietzsches Rede vom Tode Gottes in der Fröhlichen Wissenschaft. Nietzsche war nie stolz darauf, dass er endlich diesen Gott umgebracht hat. Manchmal wird das ein wenig so dargestellt. Im Sinne von: Endlich ist die Menschheit weit genug evolviert, um ohne Gott auszukommen. Nietzsche hat sich nie so geäußert. Er hat vielmehr festgestellt, dass es in den Kirchen viel Heuchelei gibt, dass Menschen predigen, die selbst gar nicht so glauben, was sie da erzählen, und so weiter. Unter dem Einfluss von Darwins Evolutionslehre hat er gedacht, dass der Mensch irgendwann diesen Gott nicht mehr braucht, und Nietzsche selbst sah seine Lebensaufgabe darin, herauszufinden, wie der Mensch ohne Gott leben kann; welche Werte er auch ohne Glauben tatsächlich noch vertreten kann.
Nietzsches Leben und Werk zeigt den schrecklichen Einfluss, den die liberale Theologie auf einen jungen Menschen haben kann. Als er David Friedrich Strauß‘ „Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet“ in der gekürzten, einbändigen Ausgabe las, verlor der junge, fromme Pietist seinen Glauben. Strauß wollte den historischen Jesus in den Evangelien finden – und am Ende fand er ihn nicht, sondern brachte auch noch seine Leser vom Glauben ab. Wir sollten uns an das Schicksal von Nietzsche erinnern, wenn wir uns historisch-kritischen Theologen wie Siegfried Zimmer und anderen öffnen.
Nietzsches Werk zeigt aber auch, wie ein echter Atheist zu denken und leben hat, wenn er denn bereit ist, kompromisslos mit Haut und Haaren seinen Atheismus zu bedenken und zu leben. Er muss im Zuge der Evolutionslehre vom Überleben des Stärkeren ausgehen und alle Hilfe dem Schwächeren gegenüber ablehnen. Warum? Weil sich dann nur die starken Gene weiter fortpflanzen. Die Neuen Atheisten sind allesamt Heuchler, die meinen, dass Atheismus auch Humanität beinhalten könne. Nietzsche zeigt sehr deutlich auf, dass das ein Widerspruch in sich selbst ist.
Nietzsches Werk macht aber auch sichtbar, dass es selbst in einer atheistischen Welt ein Metanarrativ, also eine übergeordnete Weltgeschichte und eine klare Weltanschauung braucht. Deshalb schrieb Nietzsche den Zarathustra. Dieser sollte als Bibel für die gottlose Zeit gebraucht werden. Er merkte, dass der Mensch nicht ohne Geschichte und ohne ein Staunen über seine Umwelt leben kann. Hierin zeigt sich Nietzsche aber auch wieder als unauthentisch und kompromissbereit. Für Christen sollte dies ein Grund sein, die biblische Heilsgeschichte und Weltanschauung ernst zu nehmen und daran aufzuzeigen, dass es die bestmögliche Art und Weise ist, die Realität zu betrachten.
Gerade auch die Wirkungsgeschichte von Nietzsches Werk sollte spätestens jeden denkenden Menschen überzeugen, dass der echte Atheismus eine gefährliche Ideologie ist, die besonders auch nicht mit dem Gewissen des Menschen vereinbar ist. Zahlreiche hohe Persönlichkeiten des Nationalsozialismus und der verschiedenen Kommunismen waren stark von Nietzsche beeinflusst. Wenn man dieser Tatsache ehrlich ins Auge schaut und sich fragt, was wir von Nietzsche lernen können, dann könnte ein möglicher Gedanke folgender sein: „Nie wieder Atheismus!“ Eingestellt von Jonas Erne http://jonaserne.blogspot.de/2017/02/warum-sich-jeder-mit-friedrich.html

Einschläfrig predigen

Wenn man vom Artikel der Rechtfertigung predigt, so schläft das Volk und hustet. Wenn man aber anfängt, Historien und Exempel zu sagen, da reckt es beide Ohren auf, ist still und hört fleißig zu. Martin Luther

Wie beten wir für unsere Kinder?

Viele von uns haben schon erlebt, dass sie Eltern gefragt haben: ‚Wie geht’s eigentlich euren Kindern?‘, und in etwa folgende Antwort bekamen: ‚Ach, Tim geht’s richtig gut. Seine Karriere in der medizinischen Forschung kommt gerade richtig in Gang. Er ist der Jüngste in der ganzen Familie, der je in die höchste Führungsebene berufen wurde. Und Sonja geht’s auch sehr gut. Sie arbeitet ja in der IT-Branche und ist jetzt schon Abteilungsleiterin.‘
Und wie geht es den Kindern geistlich?‘ Lange Pause. ‚Na ja, wir sind ein bisschen traurig, dass sie zur Zeit nicht so richtig ihren Weg mit dem Herrn gehen. Doch wir hoffen., dass sie eines Tages wieder zurückkommen.‘ Natürlich kann diese spontane Reaktion solcher Eltern auch nur den Wunsch nach Privatheit ausdrücken, den stillen, treuen Wunsch, ein Familienmitglied nicht blosszustellen. Doch allzu oft ist sie ein Ausdruck verschobener Prioritäten. Ich bin Eltern begegnet, die allem Anschein nach Christen waren, och die ihre Wut an mir ausliessen, weil sie dachten, ich hätte ihre blitzgescheiten Kinder dazu gedrängt, auf die Bibelschule zu gehen und womöglich sogar Missionar zu werden. Andere freuen sich über das materielle Wohlergehen ihrer Kinder und sind über deren totaler Gleichgültigkeit gegenüber dem Gott, der sie geschaffen hat, gar nicht so sehr bekümmert.
Wie werden diese Werte in dreissig oder vierzig Milliarden Jahren aussehen? Was sollten von der Ewigkeitsperspektive aus die wichtigsten Dinge sein, für die wir in unseren Kindern, in uns selbst und in unseren Glaubensgeschwistern beten sollten?
Wenn der heilige Gott uns ’seiner Berufung würdig‘ erachten soll, dann müssen wir ihn dafür um seine Hilfe bitten. Deshalb betet Paulus: Er fordert die Thessalonicher nicht einfach auf, sich mehr Mühe zu geben, sonder er betet für sie mit dem Ziel, dass Gott sie seiner Berufung würdig erachten möge. Ein solche Gebet kommt der Bitte gleich, dass Gott so in ihrem Leben wirken möge, dass er sie würdig macht, damit er sie am Ende für würdig erachten wird.
D. A. Carson. Lernen, zu beten. 3L Verlag: Waldems, 2012. S. 75-77.

6. These: Gegen die »wortlose« Religion.

Die Heilige Schrift bezeugt und die Reformatoren bekennen, daß die Begegnung mit Gott ein Hören auf den Ruf, also auf das Wort Gottes ist. Die Offenbarung Gottes geschieht durch das Wort, der Weg zum Heil beginnt mit dem Hören dieses Wortes, und der Geist lebt im Gehorsam unter dem Wort, so wie es in der Heiligen Schrift geschrieben steht.
Christus spricht.»Wer von Gott ist, der hört Gottes Wort; darum hört ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott.« (Joh. 8,47)
Zu verwerfen ist deswegen die Irrlehre, als könne der Mensch ohne das Wort, aus der »Tiefe« seines Daseins, durch Meditation, Emotion oder Spekulation Gott ergründen, erleben oder erfühlen. In diesem Unternehmen des sündigen Menschen, aus sich selbst Gott zu erfahren, wird die Begegnung mit Gott nicht nur verfehlt, sondern in sträflicher Weise eine irrige Gotteserfahrung als Ideologie stabilisiert.
Luther bekennt:»Das ist die Art des Wortes Gottes, daß es uns Dinge vorträgt, die unseren Verstand übersteigen. Wenn es Vergebung der Sünden verheißt, verheißt es unmögliche Dinge, die man nicht denken kann und daran man ganz verzweifelt. Deswegen kann sich der Glaube auf nichts anderes als auf das Wort gründen: Wenn er das Wort fahren läßt und denkt, die Sache reimt und schickt sich nicht, so fällt er alsbald und ist verloren.«
Die verratene Reformation – GOTTES Wort und Luther`s Lehr` verneint man heute immer mehr Huntemann, Georg Verlag: 1983 Bremen, 1983 Seite 96 – 97

„Silence“

5G2A7980 Released Photo Credit Kerry Brown 1400

Pater Ferreira (Liam Neeson). Bild: © 2017 Kerry Brown, Concorde Filmverleih GmbH

Wer den Skandalfilm „Die letzte Versuchung Christi“ (1988) oder „Shutter Island“ (2010) und zuletzt „The Wolf of Wall Street“ (2013) gesehen hat, dürfte überrascht sein, zu hören, dass sich der Regisseur Martin Scorsese von Jugend an suchend mit dem christlichen Glauben auseinandersetzt. Einen nachhaltigen Impuls zur Vertiefung dieser Suche gab es 1988. Nach einer Sondervorführung von „Die letzte Versuchung Christi“ (in dem Film wird Jesus eine Beziehung zu Maria Magdalena unterstellt), überreichte Erzbischof Paul Moore dem Filmemacher eine Ausgabe von Shūsaku Endōs historischem Roman „Schweigen“. Das Buch hinterließ einen tiefen Eindruck. „Das Thema, das Endō hier behandelt, ist in meinem Leben seit meiner frühesten Jugend präsent“, so der Regisseur. „Ich wurde in einer streng katholischen Familie groß und beschäftigte mich stark mit Religion. Die Spiritualität des römischen Katholizismus, in die ich als Kind eintauchte, ist das Fundament meines Lebens, und diese Spiritualität hing mit dem Glauben zusammen.“ Während Scorsese den Roman las, fand er sich zu seiner eigenen Überraschung mit tiefgreifenden Fragen des Christentums konfrontiert, mit denen er „noch immer“ ringt, wie er sagt. „In der heutigen Phase meines Lebens grüble ich ständig über Themen wie Glauben und Zweifel, Schwäche oder das Schicksal des Menschen nach – und Endōs Buch berührt diese ganz direkt.“

„Silence“

Silence Photo Credit Kerry Brown 1400

Regisseur & Drehbuchautor Martin Scorsese und Andrew Garfield. Bild: © 2017 Concorde Filmverleih GmbH

Mit dem Film „Silence“, der auf dem Buch von Endō beruht, hat der Meisterregisseur nun ein Werk in die Kinos gebracht, das fast keine große Frage ausläßt. Der Film thematisiert, was Theologen, Religionsphilosophen oder Missionare umtreibt. Um einige Themen zu nennen: Was ist Wahrheit? Wie können wir das Evangelium kontextualisieren? Wie sollen sich Christen in Verfolgungssituationen verhalten? Zerstört die christliche Mission fremde Kulturen? Gibt es nach dem Abfall vom Glauben eine weitere Chance zur Umkehr? Und natürlich die übergroße Frage: Warum schweigt Gott?

Die Handlung

Der Film dreht sich um Pater Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Francisco Garpe (Adam Driver), die 1638 von Portugal ins für die westliche Welt völlig abgeschottete Japan aufbrechen, um der Wahrheit hinter den Gerüchten nachzugehen, dass ihr berühmter Lehrer Cristóvão Ferreira (Liam Neeson) seinem Glauben abgeschworen habe. Ferreira, ein Vorbild für viele junge Priester in Portugal, soll nicht nur dem Christentum den Rücken zugekehrt, sondern sogar zum Buddhismus übergetreten sein und eine Japanerin geheiratet haben.

Nachdem Rodrigues und Garpe im Hafen Macaus angekommen sind, zeichnet sich das Bild der christlichen Mission in Japan durch Gespräche mit Augenzeugen immer düsterer. Christen sind in Japan von ständiger Verfolgung der Feudalherren bedroht und werden durch Folter zum Glaubensabfall gezwungen.

In einer Kneipe finden die Priester den einzigen Japaner von Macau. Obwohl Kichijirō ein zwiespältiger Trunkenbold ist, scheint nur er sie unentdeckt nach Japan führen zu können. Angeblich stammt Kichijirō aus einer christlichen Familie. Während diese ihrem Glauben treu blieb und grausam hingerichtet wurde, verleugnete er das Christentum und wurde von seinen Peinigern in seinem Heimatdorf zurückgelassen. Er hatte es dann fluchtartig wegen plagender Schuld- und Schamgefühle verlassen. Nun betäubt er sein schlechtes Gewissen im Rausch.

Doch Kichijirō tut scheinbar alles, um sich zu rehabilitieren: Kurz nach der Landung in einer entlegenen Küstenregion nahe Nagasaki bringt er die beiden Jesuiten mit den ärmlichen Dorfbewohnern Tomogis zusammen, die alle dem von den Missionaren gebrachten Katholizismus treu geblieben sind und ihren Glauben im Geheimen praktizieren. Für sie sind die beiden Priester sprichwörtlich ein Geschenk Gottes: Endlich haben sie Geistliche, die ihnen die Sakramente spenden. Die Jesuiten selbst sind von dieser Aufgabe tief bewegt, auch wenn sie zunehmend begreifen, dass die Dörfler eine Art improvisiertes Christentum praktizieren und womöglich nicht alle Inhalte des Glaubens voll verstehen.

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Pater Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Francisco Garpe (Adam Driver) werden von christlichen Bauern versteckt. Bild: © 2017 Kerry Brown, Concorde Filmverleih GmbH

Tagsüber müssen sich die Priester verstecken. Erst in der Dunkelheit können Rodrigues und Garpe ihre seelsorgerischen Aufgaben wahrnehmen. Nach katholischer Lehre braucht es für den Zuspruch der Vergebung die Beichte bei einem Priester. Endlich sind sind sie da. Die Bauern bekennen ihre Sünden. Auch wenn die Priester nicht immer verstehen, um was es geht, erteilen sie die Absolution. (Als Protestant musste ich während dieser Szene an Luther denken. Dieser schrieb: Gott „schüttet also seine Christen noch viel reichlicher und decket ihnen mit Vergebung der Sünden alle Winkel voll, auf dass sie nicht allein in der Gemeinde Vergebung der Sünden finden sollen, sondern auch daheim im Hause, auf dem Felde, im Garten, und wo einer nur zum andern kommt, da soll er Trost und Rettung haben.“)

Als sich die befreundeten Priester auch bei Tageslicht hervorwagen, werden sie Zeuge eines grausamen Zwischenfalls: Samurai-Truppen marschieren in Tomogi ein und zwingen die Bewohner zur Glaubensprüfung. Sie müssen auf Bildern von Jesus, Maria oder Kruzifixen herumtrampeln, um damit zu beweisen, dass sie nicht dem Christentum folgen. Kichijiro, dem Pater Rodrigues erst zuvor noch die Beichte abgenommen hatte, verleugnet seinen Glauben erneut und läuft eilig davon. Letztlich werden drei aus dem Dorf, die sich der zynischen Kontrolle verweigert haben, zum Tod durch Kreuzigung verurteilt. Fassungslos sehen die beiden Pater mit an, wie die Märtyrer in der Meeresbrandung gekreuzigt werden. Sie sterben unter dem Anprall der Wellen langsam und unter großen Qualen vor Erschöpfung. Ihre Leichen werden verbrannt und die Asche wird verstreut, um sie einer kultischen Verehrung zu entziehen. Verzweifelt beginnt Rodrigues in seinen Gebeten angesichts des erlebten Leidens seiner Glaubensbrüder das Schweigen Gottes ins Feld zu führen.

Die eigentliche Aufgabe der Jesuiten ist allerdings noch nicht erfüllt: Das Schicksal von Pater Ferreira ist weiterhin ungeklärt. Gegen das sehnliche Bitten der Dorfbewohner verlassen Rodrigues und Garpe das Dorf Tomogi und teilen sich auf, um jeder für sich, weiter ins Land vorzudringen. Hier spitzt sich dann die Handlung dramatisch zu.

Erste Eindrücke

(1) Um es gleich zu sagen: „Silence“ ist ein beeindruckender Film. Ich kann mich nicht daran erinnern, einen Kinosaal jemals beklommener verlassen zu haben (und Spielbergs Film „Schindlers Liste“ hatte mir schon einiges abverlangt). Die Wucht der Bilder, die kurzen aber präzisen Dialoge, die offenbarten leiblichen und seelischen Qualen, haben mir fast den Atem genommen.

(2) Die Schauspieler glänzen durchweg. Ob Adam Driver (Garpe), Liam Neeson (Ferreira, er spielte Oskar Schindler in Schindlers Liste) oder Yōsuke Kubozuka (Kichijirō), sie spielen grandios. Andrew Garfield (Rodrigues) hat einen Oscar verdient.

(3) Für den Film braucht es Nerven wie Stahl. Schon die Eingangsszene zeigt die Brutalität, mit der die Inquisition die Christen gefoltert und gemordet hat. Die einheimischen Gläubigen werden mit kochend heißem Wasser aus Vulkanquellen übergossen. Besonders grausam war die Technik des ‚ana-tsurushi’, die im Film zu sehen ist: Das Opfer wurde von einem Gerüst mit dem Kopf nach unten in eine Grube gehängt, der Körper fest verschnürt, um die Blutzirkulation zu hemmen. Während es unerträglichen Druck auf den Kopf litt, tropfte ihm langsam Blut aus Mund und Nase oder einer Schnittwunde. Bis der Tod eintrat, dauerte es oft bis zu einer Woche. Ich kann nicht nachvollziehen, dass der Film ab 12 freigegeben wurde.

(4) Die problematische Theologie und die Missionsmethodik von Franz Xaver (1506–1552) und den Jesuiten will ich hier nicht erörtern. Es ist jedoch einen Hinweis wert, dass die Bibel – zumindest im Film – so gut wie keine Rolle spielt. Obwohl ich Filmen gern eine zweite Chance gebe, ist das schon jetzt für mich die Erklärung für das vorgebliche Schweigen Gottes. Ich kann mich sogar an eine Szene erinnern, in der (vermeintlich) Jesus doch spricht. Im Schweigen vernimmt Rodrigues seine Stimme, die zum Glaubensabfall aufruft. Die Heilige Schrift, die ja Verfolgung und Martyrium deutlich anspricht, bezeugt auf breiter Grundlage, dass es gerade das Wort Gottes ist, dass in Stunden schwerster Anfechtung und Not Orientierung, Halt und Trost gibt. Gott spricht durch sein Wort.

(5) Der Film stellt Fragen, viele gute Fragen. Antworten gibt er nicht. Deutet er Antworten an, sind sie unorthodox und mystisch. Trotzdem kann „Silence“ zum tiefschürfenden Gespräch anstiften.

(6) Wieder einmal ist deutlich geworden, wie wichtig solide Begründungen der Religionstoleranz sind und das sie geschützt werden muss.

(7) Die japanische Inquisition hat den Gläubigen einen „Abfall vom Glauben“ leicht gemacht. Die Apostasie wird scheibchenweise serviert: „Das ist nur eine Formsache. Es reicht eine Geste, mehr wollen wir nicht.“ Doch die erste Überschreitung hat die Herzen der Menschen gebrochen und weitere Schritte vorbereitet.

(8) Mehr als einmal habe ich mich während des Films gefragt: Was hätte ich wohl in dieser Situation getan? Wäre ich standhaft geblieben?

Als der Film „Taxi Driver“ 1976 in New York uraufgeführt wurde, war das ein Ereignis der amerikanischen Popkultur. Aus dem jungen Robert de Niro wurde über Nacht ein großer Darsteller und Scorsese gilt seit dem als gefeierter Kultregisseur. „Taxi Driver“ entwickelte sich zum Referenzwerk postmodernen Filmstils und die Kritiker haben sich beim Ringen um die richtige Interpretation die Finger wundgeschrieben. Diese Aufmerksamkeit wird „Silence“ nicht bekommen. Ein Ereignis ist der Streifen über Glaube, Zweifel, Martyrium und Apostasie allemal.
Ron Kubsch
Der Film kommt am 2. März 2017 bundesweit in die Kinos.
FSK ab 12 freigegeben. 162 Minuten. Internet: www.silence-film.de.

 

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Bild: © 2017 Concorde Filmverleih GmbH

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