Was ist der Sinn des Lebens?

Wir Menschen sind die einzigen irdischen Wesen, die nach Sinn fragen. Uns bewegen drei Grundfragen: Woher komme ich? Wozu lebe ich? Wohin gehe ich? Viele haben darüber nachgedacht.
Der Karlsruher Philosoph Hans Lenk betont, dass wir von seinem Fachgebiet keinerlei Antworten zu erwarten haben, wenn er schreibt: „Die Philosophie gibt selten endgültige inhaltliche Lösungen; sie ist ein Problemfach, kein Stoff- und Ergebnisfach. Für sie ist u. U. eine neue Problemperspektive viel wichtiger als eine Teillösung einer überlieferten Frage.“
Der Dichter Hermann Hesse schreibt: „Das Leben ist sinnlos, grausam, dumm und dennoch prachtvoll – es macht sich nicht über den Menschen lustig, aber es kümmert sich um den Menschen nicht mehr als um den Regenwurm.“
Die französische Schriftstellerin des Existentialismus und Atheistin Simone de Beauvoir verirrt sich in Sinnlosigkeit: „Welchen Sinn hat das Leben, wenn es doch radikal vernichtet, vernichtst wird? Weshalb ist es dann dagewesen? Sinnlos ist letztlich alles: die Schönheit des Lebens, die Taten der Menschen, alles. Das Leben ist absurd.“
Auch die Wissenschaften wie Psychologie, Biologie, Medizin können uns keine Antwort geben, weil die Sinnfrage nicht zu ihrem Aussagenfeld gehört.

Manche Leute sehen den Sinn ihres Lebens darin, dass

  • sie Gutes tun wollen: Viele hegen diesen humanistischen Gedanken, der noch nicht spezifisch christlich ist. Gutes zu tun ist zwar auch den Christen aufgetragen (Galater 6,10; 2 Thessalonicher 3,13), aber wer gute Werke tut, ist damit noch kein Christ.
  • sie selbst zu Ansehen kommen: Sportler streben nach Weltmeistertiteln und Goldmedaillen. Künstler suchen ihre Anerkennung auf den Bühnen dieser Welt.
  • sie sich Unvergängliches schaffen wollen: So meinen sie, in ihren Kindern oder in der Gesellschaft weiterzuleben (z. B. durch Stiftungen, die mit ihrem Namen verbunden sind). Andere wünschen, sich in eigenen Gedichten, Memoiren oder Tagebüchern zu verewigen.

Wir sollten bedenken: Aller weltlicher Ruhm ist nur zeitlich. Nach unserem Tod haben wir selbst nichts mehr davon, denn wohin wir gehen, da „haben wir kein Teil mehr auf der Welt an allem, was unter der Sonne geschieht“ (Prediger 9,6).

Wenn unser Leben eine Schöpfung Gottes ist, so kann es nur dann sinnvoll sein, wenn es mit diesem Gott gelebt und von ihm geführt wird. Ein Menschenherz – selbst wenn es alles Glück dieser Welt besäße – bliebe rastlos, leer und unerfüllt, wenn es nicht Ruhe in Gott fände. Darum wollen wir von Gott erfahren, was uns Sinn gibt. In drei Punkten sei dies skizziert:

1. Gottes Ziel mit unserem Leben ist, dass wir zum Glauben kommen. Ohne den rettenden Glauben an den Herrn Jesus Christus gehen wir verloren. Darum sagte Paulus dem Kerkermeister zu Philippi: „Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!“ (Apostelgeschichte 16,31).

In diesem Sinn „will Gott, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1 Timotheus 2,4).

Weil diese Errettung für jedes Menschenleben vorrangig ist, sagte der Herr Jesus dem Gichtbrüchigen als Erstes: „Deine Sünden sind dir vergeben!“ (Matthäus 9,2). Rettung der Seele hat aus der Sicht Gottes Vorrang vor der Heilung des Körpers.

2. Wenn wir errettet sind, stehen wir im Dienst für Gott: „Dienet dem Herrn mit Freuden!“ (Psalm 100,2). Als Nachfolger Jesu soll unser Leben so ausgerichtet sein, dass wir auch andere zu Jüngern machen (Matthäus 28,19).

3. „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Matthäus 22,39). Mit diesem Liebesgebot verpflichtet uns Gott nicht nur an den Fernen in Südafrika oder Chile, sondern in erster Linie an jene Menschen, die uns unmittelbar anvertraut sind: unser Ehepartner, unsere Kinder, unsere Eltern, unsere Nachbarn, unsere Arbeitskollegen. Dass wir uns selbst lieben, setzt die Bibel als Tatsache voraus, aber dem Nächsten soll diese Liebe ebenso gelten.

Was wir im Glauben unter den zuvor genannten Punkten 2 und 3 gewirkt haben, das bezeichnet die Bibel als die Frucht unseres Lebens. Im Gegensatz zu allen vergänglichen Erfolgen ist nur die Frucht bleibend (Johannes 15,16). Gott sucht sie am Ende unseres Lebens und fragt uns, was wir mit anvertrauten Pfunden (Leben, Zeit, Geld, Begabungen) erwirkt haben (Lukas 19,11-27). Selbst der Becher kalten Wassers, den wir im Namen Jesu gereicht haben, hat dann Ewigkeitsbedeutung (Matthäus 10,42).

Aus „Fragen, die immer wieder gestellt werden“ von Prof. Dr.-Ing. Werner Gitt. Christliche Literatur-Verbreitung (CLV), 33661 Bielefeld. Hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

„Oh happy day“

Weltweit bekannt geworden ist dieser Gospelsong 1969 durch Edwin Hawkins. Um die Reise seiner Kirchenchors zu finanzieren nahm der junge Musiker „Oh happy day“ auf Schallplatte auf. Ursprünglich war lediglich eine Auflage von 500 Exemplaren vorgesehen. Nachdem einige Radiomoderatoren aus Kalifornien das Lied spielten waren die Zuhörer begeistert.
Innerhalb weniger Monate war es weltweit zu hören. Auch in Deutschland war „Oh happy day“ wochenlang auf Platz 1 der internationalen Charts. In kurzer Zeit wurden mehr als 7 Millionen Singles verkauft. Ohne das eigentlich geplant zu haben wurde Edwin Hawkins damit zum Begründer der modernen Gospel- Musik. Das Arrangement zu diesem Erfolgstitel schrieb seine Mutter am Küchentisch. Das Lied selbst stammte aus einem alten Kirchengesangbuch aus dem 18.Jahrhundert. Unter anderem präsentierte Hawkins moderne Versionen von «Oh when the Saints», «He’s got the whole World» und «Amen».
Am 15.Januar 2018 starb Edwin Hawkins im Alter von 74 Jahren an einem Krebsleiden. Lebenslang engagierte er sich für Gospelmusik und wollte damit Menschen auf Jesus Christus aufmerksam machen. Viermal gewann er im Laufe der Jahre den begehrten Grammy.
In einem Interview aus dem Jahr 2015 stellte Hawkins klar: „Ich versuche den Sängern jeweils bewusst zu machen, dass sie das Evangelium von Jesus Christus singen und weise sie darauf hin, dass es einfach ist, den Glauben an Gott zu empfangen. Es wäre eigentlich wichtig, dass die Sänger verstehen, was sie singen. Oft tun das die Leute hier aber nicht; sie singen nur Gospel, weil ihnen die Musik gefällt und weil sie es gern singen. … Gospelmusik ist nicht nur eine bestimmte Musikrichtung, das Wort «gospel» (engl. für Evangelium) heißt «Jesus Christus». Wenn wir also Gospel singen, singen wir von Jesus Christus.“
Text von „Oh happy day“
Oh happy day (oh happy day)
Oh happy day (oh happy day)
When Jesus washed (when Jesus washed)
When Jesus washed (when Jesus washed)
When Jesus washed (when Jesus washed)
He washed my sins away (oh happy day)
Oh happy day (oh happy day)
He taught me how to watch, fight and pray, fight and pray
And live rejoicing every, everyday
Oh happy day
He taught me how
Oh happy day (oh happy day)
Oh happy day (oh happy day)
Oh happy day (oh happy day)
„O Glückstag, da mir Jesus meine Sünden abwusch.
Er zeigte mir den Weg und wie wir kämpfen und beten sollen, damit wir ihm stets Freude machen.“

Oh Happy Day-Edwin Hawkins Singers
youtube.com

Das Wort Gottes treiben

Gerhard Ebeling beschreibt in seiner Einführung zu Luther, wie dieser im Anschluss an die Zeit auf der Wartburg nach Wittenberg zurückkehrte, um das Wort zu predigen (Gerhard Ebeling, Luther: Einführung in sein Denken, Tübingen: Mohr Siebeck, 1965, S. 67):
In Wittenberg aber geht Luther auf die Kanzel, Tag für Tag, eine Woche lang, und hat durch das Wort dem rechten Gang der Reformation die Bahn gemacht, indem er klarstellte, daß das, was der Inhalt des Evangeliums ist, auch bestimmend sein muß für die Frage des reformatorischen Handelns, nämlich daß alles abzustellen ist auf Wort und Glauben: „Denn das Wort hat Himmel und Erde geschaffen und alle Dinge; das muß es tun und nicht wir armen Sünder. Summa Summarum: Predigen will ich’s, sagen will ich’s, schreiben will ich’s. Aber zwingen, dringen mit der Gewalt will ich niemand. Denn der Glaube will willig, ungenötigt angezogen werden. Nehmt ein Exempel von mir: Ich bin dem Ablaß und allen Papisten entgegen gewesen, aber mit keiner Gewalt. Ich habe allein Gottes Wort getrieben, gepredigt und geschrieben, sonst hab ich nichts getan. Das hat, wenn ich geschlafen habe, wenn ich Wittenbergisch Bier mit meinem Philippus und Amsdorf getrunken habe, also viel getan, daß das Papsttum so schwach geworden ist, daß ihm noch nie kein Fürst noch Kaiser so viel Abbruch getan hat. Ich hab nichts getan, das Wort hat es alles getan und ausgerichtet.“ https://theoblog.de/das-wort-gottes-treiben/31536/

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Brauchen wir theologische Bildung in unserer Gemeinde?

In vielen der Gemeinden in unserem Land hat Theologie und theologische Ausbildung keinen sehr hohen Stellenwert. Ganz im Gegenteil wird theologische Bildung manchmal sogar als elitär betrachtet und empfunden. Dabei macht das Neue Testament die Notwendigkeit von theologischer Bildung und Zurüstung in der Ortsgemeinde sehr deutlich.
Apostelgeschichte 6, 1-7 z.B., das die Einsetzung der ersten Diakone schildert, zeigt wie unverzichtbar es ist, dass Brüder in unseren Gemeinden die Zeit und die Fähigkeit haben, sich dem gründlichen Studium und Dienst am Wort Gottes hinzugegeben. Denn die Diakone mussten eingesetzt werden, damit die Apostel und geistlichen Väter der Gemeinde nicht länger den Dienst am Wort (und das Gebet!) vernachlässigen mussten.
“Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen. Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, . . . . Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.” (Apg. 6, 2-4)
In diesem Zusammenhang wird der Stellenwert von gesunder Lehre und Wortverkündigung in der Gemeinde sehr deutlich. Weitere Brüder mussten für den Dienst an den Witwen herangezogen werden, damit diejenigen, die die Fähigkeit und Verantwortung hatten, Gottes Wort recht zu verkündigen, diesem Dienst voll nachkommen konnten.
Die Liste von Qualifikationen für Älteste, Aufseher und Leiter ist ein weiterer Beleg dafür, wie unverzichtbar es ist, Brüder in unseren Gemeinden zu haben, die begabt und zugerüstet sind, Gottes Wort zu lehren und die gesunde Lehre zu verteidigen. Mitten unter der Liste von den Eigenschaften, die Älteste in der Gemeinde auszeichnen sollten, erklärt Paulus in 1. Timotheus 3, 2, dass sie “geschickt im Lehren” sein sollen und führt diese Qualifikation dann in Titus 1, 9 wie folgt weiter aus:
“Er halte sich an das Wort der Lehre, das gewiss ist, damit er die Kraft habe, zu ermahnen mit der heilsamen Lehre und zurechtzuweisen, die widersprechen.”
Die Aufseher der Gemeinde müssen also den notwendigen theologischen Einblick haben, um zwischen gesunder bzw. heilsamer und falscher bzw. schädlicher Lehre zu unterscheiden. Sie müssen darüber hinaus auch in der Lage sein, diese zu verteidigen und die Widersprechenden zurechtzuweisen und zu überführen. Dazu ist ohne Frage theologische Bildung in welcher Form auch immer nötig.
An dieser Stelle erhebt vielleicht so mancher Leser den Einspruch, dass Gottes Geist doch jedem Gemeindeglied eine Gabe gegeben hat und dass die Gabe des Lehrens nicht über die anderen gestellt werden sollte. Letztendlich sind doch alle Gaben in der Gemeinde wertvoll und wichtig. Ohne Frage ist das richtig und Paulus betont dies auch an vielen Stellen, u.a. auch in Epheser 4, 7 (vgl. 1. Kor. 12, 1-11; Röm. 12, 3-8), wenn er sagt:
“Jedem Einzelnen von uns aber ist die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi gegeben worden.”
Wenn wir jedoch in diesem Abschnitt weiterlesen, sehen wir, dass Paulus fortfährt zu erklären, dass die Gemeinde Hirten und Lehrer braucht, die die Geschwister für die rechte Ausübung ihrer Gaben zurüsten. Denn durch diese Zurüstung wird der gesunde Wachstum der Gemeinde gefördert.
“Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes [mit ihren Gaben], für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Maß der vollen Reife Christi. Denn wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen, durch ihre Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum.” (Eph. 4, 11-14)
Wenn wir uns diese drei Texte zu Herzen nehmen, sollten wir uns für die Gemeinde, in der wir sind, ernsthaft die Frage stellen: Können wir

  • Männer des „Gebets und des Dienstes am Wort”;
  • Männer, die “geschickt sind im Lehren”;
  • Männer, die mit “heilsamer Lehre zurechtweisen” können;
  • Männer, die “Hirten und Lehrer” sind, die die Geschwister in der Wahrheit und Liebe anleiten,

durch irgendetwas anderes ersetzen? Diese Texte machen deutlich, dass theologisch zugerüstete und ausgebildete Brüder für unsere Gemeinden unverzichtbar sind.
Aber der Abschnitt im Epheserbrief geht noch einen Schritt weiter. Bei der theologischen und biblischen Zurüstung einiger weniger leitenden Brüder darf es nicht bleiben. Nein, der theologische Einblick und die Fähigkeit unserer Ältesten, Gottes Wort recht auszulegen und zu lehren, dient dem noch viel größeren Ziel, dass jedes Glied der Gemeinde lernt, theologisch recht zu denken und zu unterscheiden. Die Bibelfestigkeit der Hirten soll letztendlich dazu dienen, dass jeder in der Gemeinde befähigt wird, Gottes Wort recht auszulegen. Wie wir eben schon gelesen haben, beschreibt Paulus dieses größere Ziel für theologische Zurüstung wie folgt: jeder in der Gemeinde soll “hingelangen zur … Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Maß der vollen Reife Christi” (V. 13). Kein Gemeindeglied soll “mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen” (V. 14).
Somit ist die Erkenntnis der biblischen Wahrheit also gesunder Theologie nicht etwas, was irgendeiner Elite als “Hobby” vorenthalten ist, sondern für jedes Gemeindeglied elementar ist. Auf den Punkt gebracht: Wir brauchen theologisch bewandte und geschulte Leiter und Hirten, damit unsere Gemeinden und jedes Glied lernt, theologisch bewandt zu denken, dienen und leben! Kai Soltau September 24, 2015  http://www.wortzentriert.at/lehre/gemeinde/brauchen-wir-theologische-bildung-in-unserer-gemeinde/

 

Ist die Vernunft letzte Autorität?

Nun ist es die allgemeine Tendenz der Aufklärung, keine Autorität gelten zu lassen und alles vor dem Richterstuhl der Vernunft zu entscheiden. So kann auch die schriftliche Überlieferung, die Heilige Schrift wie alle andere historische Kunde, nicht schlechthin gelten, vielmehr hängt die mögliche Wahrheit der Überlieferung von der Glaubwürdigkeit ab, die ihr von der Vernunft zugebilligt wird. Nicht Überlieferung, sondern die Vernunft stellt die letzte Quelle aller Autorität dar.
Hans-Georg Gadamer. Wahrheit und Methode. Mohr: Tübingen 1999. S. 277.

Gibt es Wunder?

„Ich kann sie gut verstehen, die Menschen, die sich schwertun mit der Vorstellung eines Gottes, der in den Gang der Natur eingreift. Es ist nicht einfach, an Wunder zu glauben, und das soll auch so sein. In Matthäus 28 lesen wir, wie die Apostel auf einen Berg in Galiläa gehen, um Jesus zu treffen. „Als sie ihn dort sehen, vielen sie vor ihm nieder. Einige aber zweifelten, ob es wirklich Jesus war.“ (V. 17). Ein bemerkenswerter Satz! Der Verfasser eines der frühesten Dokumente des christlichen Glaubens teilt uns mit, dass mehrere der Gründer dieses Glaubens das Wunder der Auferstehung schier nicht glauben konnten, obwohl sie Jesus mit ihren eigenen Augen vor sich sahen und mit den Händen greifen konnten. Es gibt keine Erklärung dafür, warum dieses Detail in dem Bericht enthalten ist, außer dass es wirklich so war. Dieser Bibelabschnitt zeigt uns mehreres. Erstens: wir sollten uns nicht einbilden, dass nur wir modernen, wissenschaftlich aufgeklärten Menschen Probleme mit Wundern haben, während die primitiven Menschen der Antike dieses Problem nicht hatten. Die Apostel reagierten gerade so wie die meisten Menschen heute: die einen trauten ihren Augen, die anderen nicht. Zweitens macht uns die Szenen Mut zu mehr Geduld. Alle Apostel wurden später bedeutende Führungspersönlichkeiten der Alten Kirche, aber einigen fällt das glauben halt schwerer als anderen.
Der Sinn der Wunder und Heilungen
Doch das Eindrücklichster an diesem Text ist, was er uns über den Sinn der Wunder in der Bibel verrät. Wunder führen nicht los zum Glauben im Sinne von Für–wahr–halten, sondern zur ehrfürchtigen Anbetung. Die Wunder Jesu waren nie magische Tricks, die die Menschen beeindrucken oder manipulieren sollten. Wir lesen nirgends, dass Jesus sagte: „Seht ihr den Baum da drüben? Wartet, den lass‘ ich gleich in Flammen aufgehen!“ Er benutzte seine Wundermacht viel mehr dazu, Kranke zu heilen, Hungrige zu speisen und Tote aufzuerwecken. Warum das? Wir Heutigen stellen uns Wunder so vor, dass sie die Natur außer Kraft setzen; Jesus wollte mit Ihnen die Natur wiederherstellen und heilen. Die Bibel berichtet uns, dass Gott die Welt ursprünglich ohne Krankheit, Hunger und Tod erschuf. Jesus kam in die Welt, um zu erlösen, wo sie erlösung bedürftig ist, und um zu heilen, was zerbrochen ist. Seine Wunder sind nicht nur Erweise seiner Macht, sondern ein greifbarer Vorgeschmack darauf, was er einmal mit dieser Macht tun wird. Die Wunder Jesu sind nicht nur eine Herausforderung unseres Denkens, sondern ein Zuspruch an unsere Herzen – das die Welt, nach der wir uns alle sehnen, kommen wird.“
Dr.Timothy Keller, Warum Gott?, (Brunnen Verlag, Gießen 2010), S. 124-125

Aus dem Tagebuch einer Bibel

Januar
Es ist eine sehr arbeitsreiche Zeit für mich. Die meisten aus der Familie haben beschlossen, mich im Laufe des Jahres einmal durchzulesen. In den ersten beiden Wochen war ich sehr beschäftigt, doch jetzt haben sie mich vergessen.

Februar
Frühjahrsputz…ich wurde gestern abgestaubt und wieder an meinen Platz gestellt. Mein Besitzer hat mich letzte Woche einmal für ein paar Minuten gebraucht. Er hatte mit jemandem einen Streit gehabt und hat ein paar Stellen nachgeschlagen, um zu beweisen, dass er  Recht hatte.

März
Am Ersten des Monats hatte ich einen sehr arbeitsreichen Tag. Mein Besitzer wurde zum Vorsitzenden der Industrie- und Handelskammer gewählt und hat mich gebraucht, um eine Rede vorzubereiten.

April
Großvater hat uns diesen Monat besucht. Er hat mich eine Stunde lang auf seinem Schoß gehabt und aus 1. Petrus 5:5-7 vorgelesen. Er scheint mehr von mir zu halten als einige Leute aus meinem eigenen Haushalt.

Mai
Ich habe ein paar grüne Flecken auf meinen Seiten. Einige Frühlingsblumen wurden zwischen meinen Seiten gepresst.

Juni
Ich sehe aus wie ein Sammelalbum. Sie haben mich mit Zeitungsausschnitten voll gestopft – eines der Mädchen hat geheiratet.

Juli
Heute haben sie mich in den Koffer gepackt. Anscheinend fahren wir in Urlaub. Ich wünschte, ich könnte zu Hause bleiben. Ich kann mir schon vorstellen, dass ich jetzt mindestens zwei Wochen lang hier eingeschlossen bin.

August
Ich bin immer noch im Koffer.

September
Endlich wieder zu Hause und an meinem alten, gewohnten Platz. Ich habe eine Menge Gesellschaft. Zwei Frauenzeitschriften und vier Comic-Hefte wurden auf mich gestapelt. Ich wünschte, ich würde so oft gelesen wie sie.

Oktober
Heute haben sie ein bisschen in mir gelesen. Jemand im Haus ist sehr krank. Gerade jetzt liege ich mitten auf dem Kaffeetisch. Ich glaube, der Pastor kommt zu Besuch.

November
Zurück an meinem alten Platz. Jemand hat heute gefragt, ob ich ein Sammelalbum sei.

Dezember
Die Familie macht sich für die Ferien bereit. Ich schätze mal, dass ich wieder unter Geschenkpapier und Paketen verschwinden werde … so wie jedes Jahr um die Weihnachtszeit. Aber zumindest werde ich nächsten Monat wieder für ein paar Wochen gelesen.

Weihnachten: Ge­schen­ke schen­ken – Was sagt die Bibel dazu?

Geschenke haben in der Bibel oft Hintergedanken. „Wenn man in der Bibel mal zum Thema „Geschenk“ nachschlägt, scheint es genauso problembehaftet weiterzugehen: Wir finden Geschenke der Besänftigung (z.B. Jakob an Esau – vgl. 1. Mose 32-33; Josephs Brüder an Joseph – 1. Mose 43) oder Geschenke, die den Beschenkten in eine gewisse Schuld und Verpflichtung führen sollten (z.B. 1. Mose 14,21-23). Geschenke wurden als „Türöffner“ verwendet (1. Mose 24,22; 43,11.26; 2. Könige 5,5; 8,8-9) oder als Zeichen der Ehrerbietung erbracht (1. Könige 10,25). Beliebt waren natürlich auch Bestechungsgeschenke (1. Könige 13,7; 15,19). In den Sprüchen lesen wir dazu: „Das Geschenk macht dem Menschen Raum und verschafft ihm Zutritt zu den Großen.“ (Sprüche 18,16)
… Gerade in der Weihnachtszeit drehen auch wir Christen am Rad des Konsums fleißig mit und die berechtigte Frage kommt auf: Tun wir unserer Familie und Freunden wirklich etwas Gutes, wenn wir sie beschenken? Was geschah, als Gott sein Volk im verheißenden Land etwas mehr von dem Überfluss seiner Gnade hat schmecken lassen (vgl. 5. Mose 8,7-9)? Von Dankbarkeit und Zufriedenheit keine Spur. Dafür überall Götzendienst statt Gottesdienst. Nicht Gottes Liebe sondern der Mammon regierte die Herzen. Wir stehen in derselben Gefahr. Es ist immer schwer für uns Gottes gute Gaben in Dankbarkeit und Anbetung zu genießen. Durch zu viele und unbedachte Geschenke können wir darum mehr Schaden als Nutzen anrichten. Vielleicht ist es deshalb geschickter, sich statt der üblichen Vorsätze „Dieses Jahre schenken wir uns mal Nichts“ oder „Jeder nur eine Kleinigkeit“ zusammen zu tun und die Menschen zu beschenken, die wirklich Hilfe nötig haben.

Rühle schlägt drei Prinzipien des Schenkens vor:

  1. Christen sollen bedingungslos schenken an die, die es brauchen. Es geht um das Stillen von wahrer Bedürftigkeit. (Auch Reiche können in manchen Bereichen bedürftig sein. Es geht nicht nur um Armut.)
  2. In ihrem Schenken soll ihre Freude und Dankbarkeit zu Gott deutlich werden und auf seine Gnade hinweisen. Sie schenken, weil sie beschenkt wurden. Sie schenken, weil sie andere an ihrer Freude und ihrem Segen Anteil geben wollen.
  3. Ein Geschenk kann „Hintergedanken“ haben. Es kommt darauf an, welche. Will ich wirklich etwas Gutes für den Beschenkten oder nur einen Vorteil für mich?
    http://www.josiablog.de/2017/12/geschenke-schenken-was-sagt-die-bibel-dazu/

Frohes Christfest

Es ist doch wirklich schön, dass sich heute und morgen Milliarden mehr oder weniger intensiv an die Menschwerdung Gottes erinnern. Kein Fest weltweit ist dermaßen verbreitet und beliebt wie Weihnachten. Gläubige freuen sich darüber, dass Jesus Christus geboren wurde und Gott damit einen Weg aus Sünde und Verdammnis aufgezeigt hat. – Das kleine Kind in der Krippe war eben gleichzeitig immer auch der allmächtige Herrscher des Universums, das sollte nie vergessen werden.

Die vielen Lichter und Kerzen, die heute entzündet werden erinnern an den Stern von Bethlehem, der den Weisen den Ort der Geburt Jesu verriet (Matthäus 2, 1.9). Der Christbaum ist ein Symbol für den „Baum des Lebens“ aus dem Paradies (1Mose 2, 9; Offenbarung 2, 7; 22,2), der sich gleichzeitig im Kreuz Jesu wiederfindet, durch das ewiges Leben möglich geworden ist. Die Geschenke sollen dabei helfen, sich über das große Geschenk Gottes an alle Menschen zu freuen; die Geburt seines Botschafters, Jesus Christus.

Die Gnade Gottes kam zu uns in dieser Nacht: deshalb heißt sie nun „Weihnacht“, so argumentierte man im Spätmittelalter. Die Gott geweihte Nacht heißt lateinisch „nox sancta“. In den romanischen Sprachen entwickelte sich daraus natale, navidad oder noel. Das Wort „Weihnachten“ soll heute christlich die durch die Geburt Jesu geweihte Nacht bezeichnen. – Lieber ist mir trotzdem die Bezeichnung „Christfest“, weil sie noch deutlicher macht, um wen es heute eigentlich geht.

Das Datum des Christfests (24./ 25. Dezember) spielte auch schon in vorchristlichen Kulten eine herausragende Rolle, weil ab dieser Zeit die Nächte wieder kürzer und die Tage wieder länger werden.

Die Germanen feierten zu dieser Zeit ihr Mittwinterfest oder Julfest, das zugleich ein Toten- und Fruchtbarkeitsfest war. Im vorderasiatischen Mithraskult wurde an diesem Tag die Geburt des indischen Lichtgottes gefeiert. Bei den Ägyptern wurde mit dem Isiskult die Geburt des Horus auf diesen Tag gelegt. Die Römer begingen an diesem Tag feierlich ihre Saturnalien zu Ehren des Gottes Saturn.

In der Zeit der längsten Nächste des Jahres hatten viele Menschen das Gefühl, den dämonischen Mächten besonders ausgesetzt zu sein; deshalb wurde die Zeit nach der Wintersonnenwende (wenn die Tage wieder länger werden) zur besonderen Festzeit, in der der Sieg der Sonne des Lichtes über die Finsternis gefeiert wurde. Die christlichen Gemeinden, die Jesus als „das Licht der Welt“ (Johannes 8, 12) verkündigten, haben dieses Datum aufgegriffen und gegen andere Interpretationen Jesus Christus als was „wahre Licht der Menschen“ proklamiert. Clemens von Alexandria (150-215) sagte von Christus, er sei die „Sonne der Auferstehung“. – Schon Hippolyt versuchte ums Jahr 217, all diese heidnischen Kulte damit zurückzudrängen, indem er das Fest der Geburt Christi auf den 25. Dezember verlegte.

Bereits 360 wurde das Fest der Geburt Jesu am 25.12. in Nordafrika, um 370 in Oberitalien, ab 375 im Orient, nach 380 in Spanien gefeiert. Im 7./8. Jahrhundert setzte sich dieser Festtag auch in Deutschland durch. Mit ihm begann damals das Kalenderjahr; der 1. Januar wurde erst mit Einführung des Gregorianischen Kalenders im 16. Jahrhundert zum Jahresbeginn.

Wie auch immer, das Datum ist letztendlich ziemlich nebensächlich. Ich freue mich heute ganz besonders darüber, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist. Das hat auch mein Leben ganz grundsätzlich verändert! https://www.facebook.com/michael.kotsch.9/posts/1118601898279587

 

Weihnachten: Spürste noch wat?

Fragt Kirchenpräsident Martin Heimbucher
Für viele nur schemenhaft wahrnehmbar: Zeichen der Liebe, die Grundgedanken von Weihnachten
Oh du stressige Weihnachtszeit: Zwischen Festessen und Bescherung geht das Gespür für die Idee von Weihnachten oft verloren.
„Und, wie isset – spürste noch wat?“ Ein Berliner fragt einen Berliner.
Harald Juhnke war’s. Der Entertainer fragte den Chansonier Klaus Hoffmann: „Und, Klaus, wie isset, wennze deene Lieder singst, spürste noch wat?“
Das kann man sich als Pastor schon auch mal fragen. Nicht nur zur Weihnachtszeit. Aber da besonders. „Spürst du noch was?“ Auch beim dritten „O du fröhliche“ am Heiligen Abend? Beim Gitarrenspiel neben dem Christbaum im Altenheim? Bei dem Stress, die familiären Verpflichtungen auf die Reihe zu bringen?
„Spürst du noch was?“ An Weihnachten kommt Gott in einem Kind zur Welt, um genau diese Frage an uns zu richten: Erinnerst du dich noch an den Tag, als dir selber einmal ein Neugeborenes in den Arm gelegt wurde? Als sofort dein Beschützerinstinkt wach war. Und deine Sorge: Was braucht dieses Kind, um ins Leben zu finden, welche spürbaren Zeichen der Liebe? Und deine Ahnung: Ja, genau so ein Kind bin ich selber einmal gewesen. Hilflos. Ganz und gar angewiesen auf das Wohlwollen jener Hände, die mich tragen.
Gott kommt als ein neugeborenes Kind in diese Welt, um solches Mitgefühl in uns zu wecken. Gott wird Mensch, auf dass wir alle zu Menschen werden. Menschen, die noch spüren, was es heißt, ein Mensch zu sein. Gott rührt uns tief an, indem er als ein Kind in die Welt kommt und unsere Liebe weckt.
Und manchmal spricht Gott sogar Berlinerisch. Wenn uns einer von der Seite antippt und fragt: „Und, wie isset – spürste noch wat?“ Kirchenpräsident Dr. Martin Heimbucher   http://www.reformiert-info.de/19129-0-12-2.html