„Mein Wille geschehe …“

Jeder Mensch sieht die Welt aus seiner ganz eigenen Perspektive. Natürlich geht das auch nicht wirklich anders. Keiner kann sich ganz in einen anderen Menschen oder gar in ein Tier bzw. eine Pflanze hineinversetzen. Keiner weiß wirklich wie es ist, schwanger zu sein, alt zu werden oder einen Herzinfarkt zu bekommen, eher er es nicht selbst erlebt hat. Es ist wichtig sich dieser Distanz immer wieder bewusst zu werden, wenn man über Menschen in anderen Lebenszusammenhängen nachdenkt oder über sie urteilt.
Es ist auch unmöglich, sich wirklich in das Denken und Empfinden eines anderen Menschen hineinzuversetzen. Allerdings gibt es Personen, die probieren zumindest ihr Gegenüber zu verstehen. Andere entwickeln sich zu unverbesserlichen Egozentrikern, die immer nur ihren Vorteil oder ihre Probleme im Blick haben. Im Extremfall hat man irgendwann einen Soziopathen vor sich, der gar nicht mehr in der Lage ist, sich auch nur teilweise in Andere hineinzuversetzen. Solche Leute können anderen ohne jegliche Gewissensbisse Schmerzen zufügen oder ihr Gegenüber schamlos betrügen.
Ihre egozentrierte Denk- und Lebensweise wenden viele Menschen auch auf Gott an. Glaube, Gemeinde und Bibel beziehen sie dann lediglich auf ihr eigenes Leben. „Die Gemeinde muss mir etwas bringen!“, „Die Bibel muss mir in meinen persönlichen Fragen weiterhelfen!“, „Der Glaube an Gott muss mir konkrete Vorteile bieten!“ Gott wird als eine Art Dienstleister begriffen, der gute Gefühle, Schutz vor Krankheit und Schmerzen, sowie Erfolg in eigenen Lebensplänen garantieren soll. Sündenvergebung und ewiges Leben werden gerne als Zugabe genommen, auch wenn diese Ereignisse für die meisten viel zu weit in der Zukunft zu liegen scheinen. Der Glaube soll die eigenen Minderwertigkeitsgefühle wegnehmen, einen tollen Partner vermitteln, Selbstbewusstsein aufbauen, trösten, aufbauen, belustigen, unterhalten usw. usw. Die Gemeinde wird als beste betrachtet, die am wenigsten persönliche Veränderung erwartet und deren Gottesdienst am coolsten scheint; insbesondere wegen entsprechender Musik, Bühnenshow und unterhaltsamer Ansprache. Die Bibel wird nur noch herangezogen, wenn sie einem zuspricht, wie schön, gut, mitfühlend, begabt, erfolgreich usw. ich bin. Jeder ist dann ganz toll und von Gott geliebt, ganz gleich was er tut oder sagt, meint man.
Diesen weit verbreiteten Trugschluss nennt man die „anthropologische Wende“. Im Mittelpunkt des Glaubens steht nicht mehr Gott, sondern der einzelne Mensch. Die zentrale Geschichte ist die eigene, und Gott wird darin höchstens eingebaut, wenn es eben passt. Der Gott, der sich in der Bibel offenbart ist aber kein Statist im Spielfilm des eigenen Lebens. Er ist die zentrale Person des ganzen Universums. Um ihn hat sich in der Realität schon immer alles gedreht. Er ist auch dann doch unendlich wichtig, wenn sich längst kein Mensch mehr an mich erinnert.
Obwohl ein selbstverliebter und genussorientierter Zeitgeist mir jeden Tag vermittelt, wie sichtig mein Wille, meine Entscheidung oder mein Wohlergehen ist; die Realität sieht anders aus. Jedem Menschen tut es gut, diese Wirklichkeit zu akzeptieren und sich von Gott etwas sagen zu lassen. Letztlich ist eben nur ein Leben, das die Wahrheit Gottes akzeptiert, wirklich sinnvoll. Wer sich einen eigenen, immer nur segnenden und jasagenden Gott entwirft, geht an der Realität vorbei und wird gewöhnlich im Leben eines Besseren belehrt; weil Gott sich eben nicht als privater Wunscherfüller missbrauchen lässt.
Im Vaterunser heißt es: „Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden!“ (Mt 6, 10) Viele Christen beten stattdessen insgeheim: „Mein Wille geschehe!“ Danach sollen sich die anderen Menschen richten und die eigenen Bedürfnisse erfüllen. Auch von Gott wird erwartet, dass er sich nach meinen Wünschen richtet. Dabei sollte sich das Gebet des Christen aber eher an dem von Jesus orientieren, der in Todesangst Gott bittet, ihm diese Qualen zu ersparen, dann aber anfügt: „Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ (Mt 26, 39)

„Mein Wille geschehe …“Jeder Mensch sieht die Welt aus seiner ganz eigenen Perspektive. Natürlich geht das auch nicht…

Gepostet von Michael Kotsch am Mittwoch, 2. Mai 2018

Fast am Ende kam der Anfang

Ich mach‘ Schluss! – So dachte ich mit 16 Jahren. Ich mach‘ Schluss, aber wie? Schusswaffen besaßen meine Eltern nicht, Schlaftabletten auch nicht. Pulsadern aufschneiden ging auch nicht. Außer, dass das sehr schmerzhaft ist, dauert das Verbluten auch zu lange. Ich könnte möglicherweise gerettet werden, was ich auf keinen Fall wollte. Also wie sollte ich mein Leben beenden? Monatelang kreisten meine Gedanken um dieses Thema. Aber der Entschluss stand für mich fest: Ich wollte nicht mehr leben. Schon viele Jahre vorher hatte ich mich in mich selbst zurückgezogen. Kontakte hatte ich auf das Notwendigste begrenzt. Ich funktionierte irgendwie. Außerdem boten mir meine Bücher eine Rückzugsmöglichkeit, die keiner infrage stellte. So las ich (fast) alles, was ich in die Hände bekam.

Ich besaß auch seit Jahren eine eigene grüne Gideonbibel. Woher ich sie habe, weiß ich nicht mehr. Gideons hatte ich als Schüler nie kennengelernt. Mein drei Jahre älterer Bruder wollte einige Zeit vor meinen Selbstmordgedanken diese Bibel unbedingt haben und tauschte sie gegen eine blaue, im Format etwas größere Bibel ein. Da mir dieses Buch nichts bedeutete, willigte ich in den Tauschhandel natürlich ein.

Nun, mit 16 Jahren und meinen Suizid-Gedanken stand diese Bibel immer noch ungelesen in meinem Bücherregal. Bis dahin. Irgendwann hatte ich keine Bücher mehr, die ich noch lesen konnte, außer dieser Bibel. Also nahm ich sie und fing an zu lesen. Wenn man im Neuen Testament mit Matthäus 1 beginnt, können diese „Zeugungsgeschichten“ schon etwas abschreckend sein. Einige Namen kannte ich aus dem Religions- oder Konfirmandenunterricht: Mose, David, Abraham. Trotzdem las ich weiter, das ganze Neue Testament, über die Psalme bis zu Sprüche 31. Es war kein bestimmter Vers, der mich ansprach. Es war tatsächlich das ganze Buch, der ganze Inhalt, sein Thema. Also las ich es nochmals. Im zweiten Durchgang unterstrich ich mir Verse, die ich nicht nur verstand, sondern die mir auch etwas sagten. Verse, die einem das ewige Leben versprechen. Verse, die einen vor dem Gericht Gottes warnen. Verse, die mir zeigten, was für ein Mensch ich wirklich bin: ein Sünder, der es tatsächlich nicht verdiente zu leben. Aber das war nicht alles: Ich las auch Verse, die zeigten, dass Jesus gerade für mich gestorben und auferstanden ist.

Ich las diese Bibel ein drittes Mal durch – ebenfalls von ganz vorne bis ganz hinten, das dritte Mal innerhalb eines Jahres. Mit diesem Gott wollte ich weiterleben, diesem Jesus wollte ich ganz gehören. Also kniete ich mit 17 Jahren eines Abends vor meinem Bett nieder, erzählte Gott all das aus meinem Leben, was ER eigentlich schon wusste, und bat Jesus Christus darum, Herr über mein Leben zu sein. Seitdem, das ist jetzt über 30 Jahre her, gehört mein Leben IHM. Selbstmordgedanken waren und sind kein Thema mehr. Mein Leben gehört nicht mir, sondern IHM.

Die Bibel ist für mich kein altes Buch. Ich weiß, was Leute meinen, die sagen: Die Bibel ist ein Brief Gottes an uns. Trotzdem ist sie für mich kein Brief Gottes, der vor langer Zeit einmal aufgeschrieben wurde. Sie ist für mich das aktuelle Reden Gottes in mein Leben

https://mystory.me/story/peter-g/em .

Warum kommen wir nicht an die Massen heran, die außerhalb der Kirche leben?

Die Frage wird immer wieder gestellt: „Warum kommen wir nicht an die Massen heran, die außerhalb der Kirche leben? Wie können wir mit ihnen in Verbindung kommen? Wie können wir sie dazu bringen, auf uns zu hören? Was können wir tun, damit die Aussagen und Lehren der Kirche vollmächtig werden?“ Achten wir mal darauf, auf welche Art und Weise diese Fragen angegangen werden! „Das Hauptproblem ist“, so wird gesagt, „die Kirche hat nicht mit der Entwicklung Schritt gehalten. Sie verkauft sich nicht so, wie sie es eigentlich sollte. Große Firmen sind erfolgreich, weil sie gute Reklame betreiben.“ Deshalb haben die großen Kirchen damit angefangen, Abteilungen für die Öffentlichkeitsarbeit einzurichten. Diese Büros sorgen dafür, daß die entsprechenden Anzeigen regelmäßig in der Tagespresse erscheinen. „Bringt das unters Volk, und das Volk wird darauf hören!“, so heißt das Schlagwort. Sie klammern sich an die große Reklame, an die laute Stimme.
Andere sagen: „Nein, das ist nicht der Weg. Was wir brauchen, ist soziales Engagement. Die Menschen sind zuallererst an materiellen Dingen, an sozialen Problemen interessiert. Die Kirche muß daher deutlich zeigen, daß sie sich auch dafür interessiert. Sie muß somit häufiger Stellung zu sozialen und politischen Fragen nehmen. Dann werden die Menschen auch darauf hören, was in der Kirche gepredigt wird. Andere sind wiederum der Ansicht, der einzige Weg, den Einfluß zurückzugewinnen, gehe über Rundfunk und Fernsehen. »Das sind die Instrumente mächtiger Beeinflussung“, so sagen sie.
„Die Kirche muß diese Möglichkeiten auskaufen. Laßt uns dort das Geld hineinstecken. Laßt uns diese großen Medien für Reklame und Propagierung gebrauchen!“ Andere setzen ihr ganzes Vertrauen auf Schriften und Bücher.
Dem allen liegt selbstverständlich der hohe Stellenwert von Bildung und Wissen zugrunde. Folgende Überzeugung trifft man häufig an: Wenn wir nur den Eindruck hinterlassen könnten, daß der moderne Christ sich gut in der Wissenschaft auskennt, daß er kein Dummkopf ist und kein Träumer, daß er vernünftig und intellektuell ist, dann wird seine Umgebung bereit sein, auf ihn zu hören. Das sind auch so die gängigen Überlegungen, die hinter den vielen Büchern stecken, die Glauben und Wissenschaft harmonisieren wollen. Das sind die Hauptargumente. Aber die allerwichtigste Frage, so sagt man uns, ist die Frage nach der Einheit und einer einheitlich organisierten Weltkirche. Das eigentliche Problem ist, so sagt man, daß die Christenheit so gespalten ist. Die Welt ist eine Einheit, dagegen ist die Kirche in viele Fragmente gespalten. Darum ist es unmöglich, von Vollmacht zu reden, wenn solche unsicheren Fundamente da sind. Es gibt nur einen Weg, so sagt man uns: „Wir brauchen eine große Weltkirche. Wenn wir nur eine wären und so der Welt gegenübertreten könnten, dann müßte sie auf uns hören. Das ist das Geheimnis der Vollmacht.“
Mit dem Gesagten beschreibe ich nicht nur die Teile der Kirche, die nicht bibelgläubig sind. Leider rede ich auch vom evangelikalen Flügel. Es erscheint mir so, als ob wir in den gleichen Fehler verfallen sind. Wir zitieren zwar sehr oft: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr.“
In der praktischen Druchführung vertrauen wir dann doch dem „allmächtigen Dollar“, der Macht der Presse und der Reklame. Wir scheinen überzeugt zu sein: unser Einfluß hinge von der Technik ab, von den Programmen, die wir produzieren, von den großen Zahlen und den Massen. Wir haben vergessen, daß Gott in der Geschichte der Kirche seine Taten meistens durch den „Rest“ getan hat. Es sieht so aus, als ob wir die große Geschichte um Gideon vergessen haben. Wie Gott dort darauf bestanden hat, die Zahl der Krieger von 32000 auf 300 zu reduzieren, bevor er das Heer gebrauchen konnte. Wir sind fasziniert von der Idee der Größe, und wir sind überzeugt, wenn wir nur etwas Großes »aufziehen« (ja, das ist der richtige Ausdruck) könnten vor der Welt, dann würden wir sie erschüttern und eine große Erweckung wäre die Folge. Das ist das heutige Konzept für Vollmacht und Autorität.
Martyn Lloyd-Jones 1970 (Vollmacht, 1984, S. 78–80)
 

Das Kreuz im öffentlichen Raum

Das Kreuz in öffentlichen Gebäuden? Auf jeden Fall, meine ich. Söder hat mit seinem Vorstoß eine Debatte eröffnet, die zentral ist. Dass gerade Vertreter der Kirche Politiker für den Vorschlag kritisieren, das Kreuz in öffentlichen Amtsgebäuden aufzuhängen, ist erstaunlich. Ich glaube, dass der Vorschlag richtig ist und weder dem Wesen des Christentums widerspricht noch der weltanschaulichen Neutralität des Staates.
Zunächst zu dem Vorwurf, Söder betreibe nur Wahlkampf. Söder ist ein Politiker und jeder Politiker betreibt immer Wahlkampf. Wie es um die tiefsten Herzensmotive eines Politikers bestellt ist, wage ich nicht zu bewerten. Doch ob Windkraft, Krippenplatz oder Mindestlohn: man kann jedem politischen Handeln vorwerfen, es sei nur wahlkampfstrategischen Überlegungen geschuldet. Das mag sein, sagt aber über die Sinnhaftigkeit des Vorschlags nichts aus. Politisches Handeln ist im demokratischen Staat immer auch das Buhlen um Mehrheiten, so ist das nun mal. Dass Söder durch seinen Vorschlag Religion politisiere, ist ein Vorwurf der sich auf jedes einzelne Mal anwenden ließe, wo immer ein Politiker auf Religion Bezug nimmt. Möchte man das vermeiden, schafft man ein Klima, in dem Glaube grundsätzlich im politischen Diskurs nicht mehr vorkommen dürfte. Und das käme einer Verbannung des Religiösen aus der Öffentlichkeit gleich. Denn Politik bezieht sich in ihrem Handeln auf das Gesamt der Gesellschaft, nicht nur auf einen irgendwie abgesteckten „politischen“ Bereich. Wenn ein Politiker deshalb auf die Bedeutung eines religiösen Symbols im Öffentlichen hinweist, dann hat das grundsätzlich nichts Unberechtigtes. (Mit etwas mehr Berechtigung könnte man augenzwinkernd fragen, ob es tatsächlich Aufgabe christlicher Amtsträger ist, sich zu jedwedem politischen Thema öffentlich zu positionieren, doch das nur nebenbei. Fest steht jedenfalls: die beiden Bereiche sind getrennt, doch keineswegs frei von Überschneidungen.) So zielt auch die Behauptung ins Leere, hier werde ein religiöses Symbol politisch missbraucht. Die Kreuz hat als religiöses Symbol unsere Gesellschaft maßgeblich mitgestaltet. Indem Politik dies anerkennt, drückt nicht Politik dem Glauben etwas ihm Fremdes auf, sondern weigert sich, einem Gesellschaftsmodell zuzustimmen, in dem dem Glauben nur noch die Schattenexistenz im Elfenbeinturm zukommt.
Das Kreuz in öffentlichen Dienstgebäuden aufzuhängen macht aus zwei Gründen Sinn. Der erste ist ein historischer, der zweite ein philosophischer.
1. Politik erfindet nicht die Gesellschaft, sondern gestaltet ihr Miteinander. Dieses fußt auf kulturelle und religiöse Grundlagen. Wo Politik diese durch neue zu ersetzen sucht, ist sie Ideologie geworden. Sie überschreitet ihren Auftrag. Der Respekt vor dem Gewachsenen und Vorhandenen ist das Korrektiv, das die herrschende politische und ideologische Szene davor bewahrt, totalitär zu werden. Nicht die CSU des 21. Jahrhunderts kommt auf die Idee, Kreuze in öffentlichen Räumen aufzuhängen. Die Frage ist eher, wer auf die Idee kommt, sie abzuhängen. Denn ob auf Berggipfeln, an Feldwegen, auf Gebäuden: in Europa prägt das Kreuz seit vielen Jahrhunderten das öffentliche Erscheinungsbild. Wie genau käme man auf die Idee, dass politische Räume sich im Sinne eines religiösen Vakuums darstellen müssten, das sich in europäischen Städten sonst nirgends findet? Man wird Mühe haben, eine europäische Innenstadt zu finden, die nicht von einem Kirchturm dominiert wird. Das kann einem gefallen oder auch nicht: so sieht Europa nunmal aus. Weshalb es Aufgabe der Politik sein sollte, eine religiös ungeprägte Öffentlichkeit zu inszenieren, erschließt sich mir nicht. Wie nun verhält sich aber diese Tatsache zur Religionsfreiheit und zur weltanschaulichen Neutralität des Staates? Diese ist nach deutschem (und erst recht nach bayerischem) Verständnis eben gerade kein radikaler Säkularismus wie in Frankreich. Er beschreibt das positive Recht jedes Menschen, seine Religion (oder seine Religionslosigkeit) offen und frei zu wählen und auszuüben. Ein Recht jedoch, im öffentlichen Leben von Religion nichts zu sehen und zu hören, gibt es nicht. Der Staat hat nicht die Aufgabe, Menschen religiös zu prägen. Er hat aber eben auch nicht die Aufgabe, Menschen areligiös zu prägen. Sondern er gestaltet das historisch Gewachsene. Nun geht es beim Kreuz aber nicht um ein beliebiges religiöses Symbol. Sondern es geht um ein Symbol der radikalen Liebe. Es geht um die Liebe dessen, der auch gesagt hat, man solle dem Kaiser geben, was dem Kaiser und Gott das was Gott gehört. Das Kreuz als Zeichen der Feindesliebe und der Gewaltlosigkeit ist das Gegenteil von Intoleranz, von religiöser Vereinnahmung. Indem heutige Demokratien sich nicht vor der Tatsache scheuen, dass sie in christlichen Ländern entstanden sind, betonen sie: nicht jede beliebige Weltanschauung ermöglicht die Freiheit des Menschen in gleichem Maße. Da das historisch wahr ist, trägt das Aufhängen von Kreuzen in öffentlichen Räumen zur Bewusstseinsbildung bei, dass der moderne Staat und seine Religions- und Meinungsfreiheit nicht im luftleeren Raum entstanden ist, sondern auf tiefe Weise auf die Feindesliebe dessen fußt, der da am Kreuz hängt.
2. Mit seiner Aussage, der freiheitlich-demokratische Staat stütze sich auf Voraussetzungen, die er selbst nicht schaffen kann, blieb der Bundesverfassungsrichter Böckenförde dauerhaft in Erinnerung. In seinem vielbeachteten Disput mit Papst Benedikt XVI. gab der Philosoph Jürgen Habermas Ähnliches zu: das Christentum hat die Grundlagen für jenes Menschenbild geschaffen, das moderne freie Demokratien möglich machte. Es gibt sonst keine Religion, die lehrt, dass Gott Mensch wurde. Dass der Herr zum Knecht wurde und für den Sünder starb. Dass jeder ausnahmslos geliebt und wertvoll ist. Die Ideen der Menschenwürde und der Freiheit der Person ist heute Gemeinplatz in der westlichen Welt. Doch sie sind nicht selbstverständlich. Es ist deshalb kein Zufall, dass die Präambel der bayerischen Verfassung unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg erklärt: „Angesichts des Trümmerfeldes, zu dem eine Staats- und Gesellschaftsordnung ohne Gott, ohne Gewissen und ohne Achtung vor der Würde des Menschen die Überlebenden des zweiten Weltkrieges geführt hat, in dem festen Entschlusse, den kommenden deutschen Geschlechtern die Segnungen des Friedens, der Menschlichkeit und des Rechtes dauernd zu sichern, gibt sich das Bayerische Volk, eingedenk seiner mehr als tausendjährigen Geschichte, nachstehende demokratische Verfassung.“ Mit der Debatte um das Kreuz im öffentlichen Raum wird eine wesentliche Frage berührt. Sie lautet: kann die Würde des Menschen, die Freiheit und Stabilität unserer Gesellschaft langfristig auf die Fundamente verzichten, auf denen sie historisch gewachsen sind? Der „religiös unmusikalische“ Habermas gab sich hier zurückhaltend bis skeptisch. Betrachtet man jene Versuche, Gesellschaften ohne Religion zu bauen, so lässt sich mit Erschaudern feststellen, wie entsetzlich blutig diese Versuche im 20. Jahrhundert endeten. Man möge nicht vergessen: der Kommunismus verstand sich als gelebter Humanismus, in dem der Mensch befreit wird. Er verstand sich zudem als unmissverständlich atheistisch. Im öffentlichen Diskurs wünscht man Christen mehr Mut, die schlichte Wahrheit zu sagen: die Versuche, eine Gesellschaft ohne christliche Fundamente zu bauen, haben bisher immer Entsetzliches hervorgebracht. Weshalb sollten wir Euch diesmal glauben? Denn darum geht es im Letzten jenen, die Gottesbezüge aus der Verfassung ebenso tilgen wollen wie die Kreuze aus den Klassenzimmern: es geht um eine Marginalisierung des Christentums. Eine Gesellschaft ohne das Kreuz Jesu und wofür es steht. Erstaunlicher Weise sind es eben die weltoffen-toleranten Linken, die begeistert „Vielfalt!“ rufen, wenn sich Religion im öffentlichen Leben zeigt, außer freilich es handelt sich um die christliche oder (viel zu provokativ!) die jüdische. Es waren nicht einfach die Werte der Aufklärung, die aus dem Nichts den demokratischen Staat erschaffen haben. Es war vielmehr das biblische Menschenbild, die christliche Positivbewertung von Verstand, Wissenschaft und Marktwirtschaft, die den Aufstieg des Westens und auch die Entstehung der Aufklärung erst ermöglich haben. Wo dies mitunter gegen den Widerstand der Kirche durchgesetzt werden musste, gelang das eben aus dem selben Grund, weshalb es im Iran ganz offensichtlich deutlich weniger leicht gelingt: weil es in der christlichen Religion selbst Grundlagen gab, die sich sogar gegen religiöse Institutionen durchzusetzen imstande waren. Nein, es ist kein Zufall, dass die Demokratie sich in christlichen Ländern durchsetzte und dauerhaft halten konnte. Jene, die heute laut rufen, der Staat könne doch spielend auf diese historischen Wurzeln verzichten, verdienen unser Vertrauen nicht mehr als jene, die im 20. Jahrhundert ein von den Fesseln des Christentums befreites Utopia versprachen und blutgetränkte Trümmer hinterließen.
Hier der Artikel in meinem Blog: https://johanneshartl.org/das-kreuz-im-oeffentlichen-raum/

 

War Jesus ein Jude?

Antwort: Man muss heute nur das Internet durchsuchen, um festzustellen, dass es große Kontroversen darüber gibt, ob Jesus von Nazareth tatsächlich ein Jude war. Bevor diese Frage adäquat beantwortet werden kann, müssen wir zuerst eine andere Frage stellen: Wer (oder was) ist ein Jude? Sogar diese Frage wirft Kontroversen auf und die Antwort hängt davon ab, wer die Frage beantwortet. Eine Definition, die jeder der Hauptzweige des Judentums – orthodox, konservativ und reformiert – vermutlich bejahen würde ist: Ein Jude ist eine Person, dessen Mutter ein Jude war oder jede Person, die durch den formellen Prozess der Konvertierung zum Judentum gegangen ist.
Obwohl die hebräische Bibel nicht speziell erwähnt, dass die matrilineare, also weibliche Erblinie verwendet werden soll, glaubt das moderne rabbinische Judentum, dass die Torah dies in verschiedenen Passagen impliziert, wie 5.Mose 7,1-5; 3.Mose 24,10 und Esra 10,2-3. Es gibt auch verschiedene Beispiele in der Heiligen Schrift, wo Heiden zum Judentum überwechselten (z.B. Rut, die Moabiterin; siehe Ruth 1,16, wo Rut ihren Wunsch zur Konvertierung äußert) und genauso als Jüdin angesehen wird, wie die ethnischen Juden.
Kommen wir also auf die drei Fragen zurück: War Jesus ethnisch ein Jude? War Jesus ein religiöser Jude? Und schlussendlich, wenn Jesus ein Jude war, warum folgen Christen nicht dem Judentum?
War Jesus ethnisch betrachtet ein Jude oder war Seine Mutter eine Jüdin? Jesus identifizierte sich klar mit den Juden Seiner Zeit, mit den körperlichen Menschen und seinem Volk, wie auch mit ihrer Religion (obwohl Er deren Fehler korrigiert hat). Gott sandte Ihn absichtlich nach Juda: „Er kam in sein Eigentum [Juda]; und die Seinen [Juda] nahmen ihn nicht auf. Wie viele [Juden] ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“ (Johannes 1,11-12) und Er sagte: “Ihr [Heiden] wisst nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden.” (Johannes 4,22)
Der allererste Vers des Neuen Testaments verkündet eindeutig, die jüdische Herkunft von Jesus: “Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“ (Matthäus 1,1) Dies ist auch nachweislich in Passagen wie Hebräer 7,14: “Denn es ist ja offenbar, dass unser Herr aus Juda hervorgegangen ist…“, dass Jesus ein Nachfahre aus dem Volk Juda war, aus dem der Name Jude herrührt. Und was ist mit Maria, der Mutter von Jesus? Im Stammbaum in Lukas Kapitel 3 sehen wir, dass Maria eine direkte Nachfahrin von König David war, der Jesus das gesetzmäßige Recht verlieh den jüdischen Thron zu besteigen, und Jesus als ethnischen Juden etabliert hat.
Hielt Jesus die religiösen Vorgaben der Juden ein? „Und als sie [beide Elternteile von Jesus] alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn…“ (Lukas 2,39) Seine Tante und sein Onkel, Zacharias und Elisabeth haben auch die Torah befolgt und waren religiöse Juden (Lukas 1,6), daraus können wir erkennen, dass die ganze Familie ihren jüdischen Glauben sehr ernst genommen hat.
Während der Bergpredigt (Matthäus 5-7) bestätigte Jesus ständig die Autorität der Torah und der Propheten (Matthäus 5,17), sogar im Himmelreich (Matthäus 5,19-20). Er besuchte regelmäßig die Synagoge (Lukas 4,16). Er lehrte im jüdischen Tempel von Jerusalem (Lukas 21,37) und wenn Er kein Jude gewesen wäre, hätte Er in den Teil des Tempels gar nicht erst eintreten dürfen (Apostelgeschichte 21,28-30).
Jesus trug auch die äußerlichen Anzeichen eines praktizierenden Judens. Er trug „Zizit”, Fäden, die am Kleidungsstück befestigt waren (Lukas 8,43; Matthäus 14,36), um als Erinnerung an die Gebote (4.Mose 15,37-39) zu dienen. Er nahm am Passah Fest teil (Johannes 2,13) und ging nach Jerusalem (5.Mose 16,16), um dieses für Juden sehr wichtige Pilgerfest zu feiern.
Er nahm am Laubhüttenfest (Johannes 7,2 & 10) teil und ging nach Jerusalem (Johannes 7,14), wie es die Torah verlangte. Er beging auch Hanukkah, das Fest der Tempelweihe und vermutlich auch Rosch ha-Schana (Johannes 5,1), für die Jesus auch nach Jerusalem hinauf zog, obwohl dies nicht von der Torah vorgeschrieben war. Eindeutig hat sich Jesus mit den Juden (Johannes 4,22) und als König der Juden (Markus 15,2) identifiziert. Von Seiner Geburt bis hin zum letzten Passalamm, das Er aß (Lukas 22,14), lebte Jesus als praktizierender Jude.
Wenn Jesus also Jude war, warum folgen dann die Christen nicht dem Judentum? Die Gesetze des Judentums wurden Moses für die Kinder Israels durch einen sehr heiligen und besonderen Bund am Berg Sinai übergeben, worüber im Buch 2.Moses berichtet wird. In diesem Bund schrieb Gott Seine Gesetze auf Steintafeln und Er ordnete an, dass Israel alle Gebote, die ihnen offenbart wurden, einzuhalten hat. Dieser wunderbare Bund zwischen Gott und Seinem Volk war aber nur ein Abbild eines neuen und besseren Bundes, den Gott eines Tages Seinem Volk, Juden und Heiden, geben würde.
Über diesen neuen Bund wird in Jeremia 31,31-34 berichtet: “Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.“
Christen folgen nicht dem Judentum, weil der mosaische Bund durch Jesus Christus erfüllt wurde: “Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ (Matthäus 5,17) Der Autor vom Buch Hebräer schrieb: „Indem er sagt: »einen neuen Bund«, erklärt er den ersten für veraltet. Was aber veraltet und überlebt ist, das ist seinem Ende nahe.“ (Hebräer 8,13)
Als Christen brauchen wir dem alten Bund nicht mehr zu folgen, weil dieser alte Bund ersetzt wurde. Wir haben jetzt einen besseren Bund, mit einem besseren Opfer, durch den besseren Hohepriester ausgeführt. „Weil wir denn nun, liebe Brüder, durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eingang in das Heiligtum, den er uns aufgetan hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das ist: durch das Opfer seines Leibes, und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes, so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in vollkommenem Glauben, besprengt in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser. Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat“. (Hebräer 10,19-23). https://www.gotquestions.org/Deutsch/Jesus-jude.html

Wir sollen nicht nur schöne Worte machen

Wir sollen nicht nur schöne Worte machen, Pläne schmieden und beten wie jener Landpfarrer, an den sich eine obdachlose Frau um Hilfe wandte und der ihr, da er sehr beschäftigt war und sich nicht anders zu helfen wußte, die zweifellos ernstgemeinte Antwort gab, er werde für sie beten. Sie schrieb darüber später:
Ich war hungrig, und Du hast gegen den Hunger in der Welt demonstriert.
Ich war gefangen, und Du hast Dich in Deiner Kapelle verkrochen, um für meine Befreiung zu beten.
Ich war nackt, und Du hattest moralische Skrupel bei meinem Anblick.
Ich war krank, und Du knietest nieder und danktest Gott für Deine Gesundheit.
Ich war obdachlos, und Du hast mich der Obhut Gottes anbefohlen.
Ich war einsam, und Du hast mich allein gelassen, um für mich zu beten.
Du wirkst so heilig, so verbunden mit Gott, aber ich bin immer noch hungrig – und einsam – und friere.
Wer begriffen hat, wie Gott den Menschen sieht, der ist bereit, sich für die Befreiung der Menschen von allem, was sie erniedrigt und gefangen hält, einzusetzen, sei es im geistlichen oder im sozialen Bereich. Dabei ist klar, daß einem Menschen erst dann wirklich geholfen ist, wenn er das Heil in Jesus Christus angenommen hat.
John Stott, Christsein in den Brennpunkten unserer Zeit, Bd. 1 Seite 37

Sind Glaube und Wissenschaft Gegensätze?

Der Eindruck eines Gegensatzes von Glaube und Wissenschaft wird unter anderem durch die Bücher der „neuen Atheisten“ hervorgerufen. So ist für den Oxforder Evolutionsbiologen Richard Dawkins – Autor des Buches “Der Gotteswahn“ – der Glaube „blind“, eine Wahnvorstellung,  während die Wissenschaft „auf Belegen“ beruht.
Aber schon ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es den hier behaupteten Gegensatz nicht geben kann, denn viele berühmte Wissenschaftler waren überzeugte Christen. Das prominenteste Beispiel ist Isaac Newton. Auch heute gibt es Wissenschaftler, die an einen persönlichen Gott glauben.
Eines der wichtigsten wissenschaftlichen Projekte des 20. Jahrhunderts war die Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Der erste Direktor dieses Projektes war James Watson. Er bekam später gemeinsam mit Francis Crick für die Entschlüsselung der DNA den Nobelpreis. Watson ist überzeugter Atheist und hält das Leben für sinnlos und absurd.
Als die Entschlüsselung des Genoms bekannt gegeben wurde, stand neben dem damaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton der gerade amtierende Direktor des Projektes, Francis Collins. Er ist ein überzeugter Christ. Anführender Stelle dieses Projektes arbeiteten also im Laufe der Zeit Wissenschaftler, deren Weltanschauungen ganz unterschiedlich waren.
Im Jahre 1916 wurden in den USA 1000 Naturwissenschaftler gefragt, ob sie an einen persönlichen Gott glauben, der auf Gebete hört. Ca. 40% bejahten dies. 80 Jahre später, 1996, bejahten diese Frage wieder ca. 40% („Spektrum der Wissenschaft“ 1999). Ein Beweis, dass der Glaube bei Naturwissenschaftlern abgenommen hätte, konnte nicht erbracht werden.
Einen Gegensatz von Glaube und Wissenschaft gibt es also offensichtlich nicht.
Aber es gibt Wissenschaftler, die an Gott glauben und Wissenschaftler, die nicht an Gott glauben. Der eigentliche Unterschied besteht darin, ob man glaubt, dass am Anfang unserer Welt planlose Materie stand, die immer komplexer wurde und schließlich Geist hervorbrachte oder ob man glaubt, dass am Anfang ein schöpferischer Geist stand, der Materie schuf.
Die Frage, was der glaubt, der an Gott glaubt, beantwortete der Philosoph Robert Spaemann in seinem Buch „Der letzte Gottesbeweis“: „Er glaubt an eine fundamentale Rationalität der Wirklichkeit. Er glaubt, dass das Gute fundamentaler ist als das Böse. Er glaubt, dass das Niedere vom Höheren verstanden werden muss und nicht umgekehrt. Er glaubt, dass Unsinn Sinn voraussetzt und dass Sinn nicht eine Variante der Sinnlosigkeit ist.
Lebensbereiche und Fragen, die sich den Naturwissenschaften entziehen
Man kann Spuren von Gottes Handeln in dieser Welt erkennen, wenn man sein Handeln nicht vorher methodisch ausschließt. Unsere Wirklichkeit, unsere Erfahrungen beinhalten mehr als das, was sich mit rein naturwissenschaftlichen Methoden erforschen lässt. Die Naturwissenschaften befassen sich mit „Wie-Fragen“: Wie funktioniert etwas? Wie laufen Prozesse in Raum und Zeit ab? Andere Fragen, die für uns von großer Bedeutung sind, bleiben dabei offen: Warum gibt es uns überhaupt? Was ist der Sinn des Lebens?
Die Naturwissenschaften können auch keine Wertentscheidungen treffen. Sie können uns z.B. sagen, was Kernkraftwerke kosten, welche Leistungen sie erbringen – aber ob man Kernkraftwerke bauen soll, muss, darf, das hängt mit Wertentscheidungen zusammen.
Der Physiker Hans Peter Dürr, Nachfolger Heisenbergs als Direktor des Münchner Max-Planck-Instituts und Gewinner des alternativen Nobelpreises, beantwortete die Frage „Was hat die Wissenschaft mit der Wirklichkeit zu tun?“ einmal mit einem Gleichnis: Ein Mann sitzt am Ufer eines Flusses und fängt Fische. Ein Wanderer kommt vorbei und fragt ihn, „Was tust Du?“ „Ich fange Fische.“ „Was kannst Du über Fische aussagen?“ „Sie sind alle mindestens 5 cm lang.“ Der Wanderer lässt sich das Netz zeigen. Es hat Maschen mit einem Umfang von 5 cm. Daraufhin sagt er: „Wenn es kleinere Fische als 5 cm gäbe – und ich meine, solche gesehen zu haben -, so könntest du sie nicht fangen, sie würden durch dein Netz hindurch schlüpfen.“ Darauf der Fischfänger mit Selbstbewusstsein: „Was ich nicht fangen kann, ist kein Fisch.“
So arbeitet die Wissenschaft: Sie hat ein bestimmtes Netz und fängt daraufhin bestimmte Fische oder um es etwas abstrakter zu sagen: Sie stellt bestimmte Fragen und erhält daraufhin bestimmte Antworten. Wonach sie nicht fragt, darauf bekommt sie auch keine Antworten. Nach Dürr gibt es einige „Fische“ die man prinzipiell mit den Netzen der Wissenschaft nicht einfangen kann: ästhetische Fragen (Was ist Schönheit?) und religiöse Fragen. Stellen wir uns Gott als den vor, der alles geschaffen hat, auch uns mit allen unseren Netzen – mit welchem Netz, welcher Wissenschaft sollten wir ihn einfangen können? Das ist prinzipiell nicht möglich. Wir können nur Aussagen über Gott machen, wenn er sich offenbart.
Wissenschaft ist ein Zugang zur Wirklichkeit, aber nicht der allein gültige. Viele für uns wichtige Erfahrungen religiöser und künstlerischer Art können allein mit Wiegen, Messen und Beobachten nicht einmal annähernd erfasst werden. Diese Einschränkung mindert nicht den Wert der Naturwissenschaften für unser Leben, weist aber auf ihre Begrenzung hin.
Ergebnis
Glaube und Wissenschaft sind keine Gegensätze. Viele Wissenschaftler haben sich mit den Gesetzen der Natur beschäftigt, gerade weil sie von einem Gesetzgeber fest überzeugt waren.
Wir sollen – gerade, weil wir an Gott glauben – diese Welt erforschen:
„Groß sind die Taten des Herrn, zu erforschen von allen, die Lust an ihnen haben“  (Psalm 111,2). Dr. Jürgen Spieß
Dr. Jürgen Spieß ist seit 1999 Leiter des Instituts für Glaube und Wissenschaft in Marburg (www.iguw.de ). Aus: Perspektive 07 + 08/2008. Gekürzt und leicht überarbeitet.
http://www.lukas-gemeinde.de/gott-finden/fragen-antworten/wissenschaft-contra-glaube.html

Udo Lindenberg zeigt „Zehn Gebote“ beim Katholikentag

Vom 7. bis 21. Mai in Münster: Udo Lindenberg zeigt „Zehn Gebote“ beim Katholikentag

Udo Lindenbergs "Zehn Gebote" Foto: Patrick Kleibold (Bonifatiuswerk)

Mit seiner „Likörell-Technik“, bei der er die Bilder mit alkoholischen Getränken färbt, malte Panikrocker Udo Lindenberg 14 Bilder. „Udos 10 Gebote“ wurden unter anderem bereits in der Paderborner Gaukirche während des Liborifestes 2017 ausgestellt. (Foto: Patrick Kleibold, Bonifatiuswerk) …
Interessierte können die Ausstellung vom 7. bis 21. Mai von 10 bis 18 Uhr in der Liebfrauen-Überwasserkirche in Münster besichtigen. Beim Katholikentag kann sie am Donnerstag von 13 bis 22 Uhr, am Freitag und Samstag von 8.30 bis 22 Uhr und am Sonntag von 13 bis 21 Uhr angeschaut werden. Der Erlös kommt gemeinnützigen Vereinen und einer Bildungseinrichtung zugute. https://kraftwort.wordpress.com/
Gefunden auf https://www.kirche-und-leben.de/artikel/udo-lindenberg-zeigt-zehn-gebote-beim-katholikentag/:

Christen auf der Abschussliste – Gott als Witzfigur

Ein konkretes Beispiel, wie selbst von großen öffentlichen Medien der Spott über Christen ausgeschüttet wird, ist eine aktuelle Ausgabe der WDR- Wissenschaftssendung „Quarks“ (vom 10.4.2018). Im Kern geht es bei dem kurzen Videoclip um die Entstehung der Geschlechter. In der filmischen Umsetzung stehen sich dabei der kluge Darwin und der dümmliche Gott gegenüber. Gott tritt dabei als dümmliche weibliche Wolke auf, die sich mit dem Erfinder der Evolution über die mutmaßlich beste Methode der Fortpflanzung für den geplanten Menschen berät. Schnell werden dann die Vermehrung nach Bakterienart, das Knospen vieler Pflanzen und die sieben Geschlechter des Wimperntierchens verworfen.
Nachdem Gott lediglich zwei Geschlechter vorschlägt wird ihm / ihr von Darwin vorgeworfen er / sie bevorzuge immer nur dumme simple Lösungen wie Tag und Nacht, Gut und Böse „immer nur schwarz- weiß“. Von Darwins Idee veränderbarer Geschlechter kann ihn Gott gerade noch abbringen. Doch muss sich Gott dann natürlich gegen den Spaß beim Sex und für die Jungfernzeugung aussprechen (mit stilisierter Nonne im Bild). Nachdem Gott den Schauplatz verlassen hat, baut Darwin noch schnell eine wandelbare menschliche Geschlechtlichkeit ein, weil die göttliche Lösung doch sonst zum Scheitern verurteilt wäre. Nach einer eher lächerlichen Darstellung der göttlichen Schöpfung muss die ganze, humoristische Doku natürlich mit einem deutlichen Bekenntnis zur Gender- Ideologie enden.
Eine derart herabwürdigende Darstellung Allahs wäre in Deutschland kaum denkbar. Andere Religionen öffentlich zu kritisieren ist in Deutschland zwischenzeitlich ein allgemein akzeptiertes Tabu, außer wenn es Christen betrifft. Es ist unerträglich, dass große, von Steuergeldern aller Bundesbürger bezahlte Medien wie ARD und ZDF fast durchgehend polemisch und abfällig über Christen und ihre Glaubensüberzeugungen berichten, insbesondere über Evangelikale. Michael Kotsch  https://www.facebook.com/michael.kotsch.9