Gotteserkenntnis und Menschlichkeit

“Wo Gott erkannt wird, wird auch Menschlichkeit gepflegt; wo aber die Menschen sich gegenseitig unterdrücken und betrügen, da kann man daraus schließen, dasss die Gottesfurcht erloschen ist.” (Johannes Calvins Auslegung des Propheten Jeremia, zu Jer 22,16, S. 332)

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Buchbesprechung: Von Gott berufen – aber zu was?

Ein Thema, das jeden unbedingt angeht

In diesem Andachtsbuch geht es um ein Thema, das jeden Menschen „unbedingt angeht“. Warum bin ich da? Was ist meine Aufgabe? „An irgendeinem Punkt in unserem Leben wird ein jeder von uns mit der Frage konfrontiert: Wie finde ich den zentralen Sinn meines Lebens und wie kann ich ihn erfüllen?“ (9) „Dieses Buch ist für alle diejenigen unter uns geschrieben, die sich danach sehnen, den Sinn und das Ziel ihres Lebens zu finden und zu erfüllen.“ (12) Es gab selten ein Buch, das mich in letzter Zeit so bewegt hat wie dieses. Ich las es in zwei Anläufen. Anfangs dachte ich: Klar, wenn Os Guinness, Sprössling aus dem berühmten Bier-Imperium von Guinness, promoviert an der Oxford University, ein solches Buch aus dem bequemen finanziellen und zeitlichem Polster heraus schreiben konnte, wen wundert’s? Ich lag falsch. Hier liegt ein Bericht vor, der nicht nur Substanz hat, sondern von der tiefgreifenden Erfahrung des Autors und vieler Zeugen der Vergangenheit lebt. „‘Können Sie sich vorstellen, am Grunde eines tiefen Brunnens zu leben, mit einem Mühlstein um den Hals? So empfand ich mein Aufwachsen.‘ Niemals werde ich das Pathos vergessen, mit dem mir dies von dem Erben einer der reichsten Familien der Welt gesagt wurde. Die meisten Menschen können sich nur schwer die Sogen eines ‚armen reichen Kindes‘ vorstellen. Sie wären nur zu erfreut, nur ein einziges Mal von einem solchen Reichtum verführt zu werden. Aber nicht nur Menschen, die reich an Geld sind, spüren diese Last; auch Menschen die reich an Talenten sind.“ (149) Ob Guinness dabei auch an sich selbst dachte? Beide Lasten, die des Geldes und der Begabung, so scheint es mir, hat der Autor kennengelernt. Er selber lebt bis heute in seiner Berufung „(als Apologet) der Welt das Evangelium zu erklären, und (als Analytiker) die Welt der Kirche verständlich zu machen“ (95). Weiterlesen

Der Anspruch auf die Wahrheit

„Der Anspruch auf die Wahrheit ist selbst schon politisch unkorrekt, weil man ihm unterstellt, die Gleichberechtigung des anderen nicht anzuerkennen. Damit wird aber auch die Toleranz bedeutungslos, denn sie muss einen Grund haben, der nur in der Achtung der Würde des anderen bestehen kann. Dazu gehört, ihm die Wahrheitsfähigkeit zuzusprechen. Nichteinmischung im Meinungsstreit ist keine Toleranz – Gleichgültigkeit vor der Meinung des anderen bedeutet, ihn nicht ernst zu nehmen.“ (pro)

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Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern.

Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern. Aber nichts kann so gegenwärtig sein wie ein altes Buch, gerade wenn es nicht um jeden Preis aktuell sein will. Gerade das nicht Zeitgemäße kann zur kritischen Einrede werden. Biblische Worte kommen von weit her. Statt krampfhaft ihre Aktualität zu propagieren, wäre gerade das stark zu machen. Weil viele Worte der Bibel nicht zeitgemäß sind, sagen sie uns, was wir uns nicht selbst sagen können und was nicht auf der Tagesordnung steht. Wir sind von gestern. Deshalb sollten wir nicht schon von morgen sein wollen, sondern uns sagen lassen, was vorgestern und vorvorgestern war. Dabei wird sich noch etwas zeigen: Es geht nicht nur darum, Antworten auf die Fragen, sondern heute mehr noch Fragen auf die Antworten zu finden. Manchmal zeigen die ganz alten Fragen die Kurzschlüssigkeit vieler in Kirche und Gesellschaft so modern und zukunftsorientiert sich aufplusternder Antworten – z.B. die ganz alten Fragen der Bibel. Jürgen Ebach: Schrift-Stücke. Biblische Miniaturen

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Buchrezension: Preisgabe der Vernunftvon Francis Schaeffer

Fran­cis Schaef­fer. Preis­gabe der Ver­nunft: Kurze Ana­lyse der Ursprünge und Ten­den­zen des moder­nen Den­kens.  Brock­haus Ver­lag: Genf/Wuppertal, 1985. 96 Sei­ten.
Das Büch­lein bil­det Teil I der berühm­ten „Tri­lo­gie“ Schaef­fer (Ori­gi­nal: Escape From Rea­son, 1968). Zusam­men mit „Gott ist keine Illu­sion“ sowie „und er schweigt nicht“ beschäf­tigt sich Schaef­fer grund­le­gend mit dem intel­lek­tu­el­len und kul­tu­rel­len Klima der zwei­ten Hälfte des 20. Jahr­hun­derts. In Preis­gabe der Ver­nunftent­wi­ckelt er ins­be­son­dere die Sche­mata von „Natur und Gnade“ und der „Linie der Ver­zweif­lung“.

Der Zwie­spalt des moder­nen Men­schen: Etap­pen der geis­tes­ge­schicht­li­chen Entwicklung
Im Schnell­durch­gang durch­schrei­tet Schaef­fer die abend­län­di­sche Geistesgeschichte.
Tho­mas v. Aquin (1225 – 1274) teilte die Welt in Gnade (das Höhere) und Natur (das Nie­dere) ein. Letzt­lich ver­dan­ken wir die­sem der Renais­sance zu Grunde lie­gen­den Welt­bild ein ange­mes­se­nes Ver­ständ­nis der Natur. Ande­rer­seits lehrte von Aquin, dass der mensch­li­che Wille vom Sün­den­fall betrof­fen war, der Intel­lekt jedoch nicht. Dar­aus ent­wi­ckelte sich die natür­li­che Theo­lo­gie, die ohne Bezug­nahme auf die Hei­lige Schrift aus­kam. (Die inhalt­li­che Halt­bar­keit die­ser Gedan­ken­gänge sind sehr umstrit­ten. Ron Kubsch geht im Schaeffer-Sammelband
„Wahr­heit und Liebe“ näher auf die Kri­tik ein.)
Leo­nardo da Vinci (1452 – 1519) unter­schied zwi­schen Gnade (Allgemeinbegriffe/Universalien) und Natur (Einzeldinge/Besonderes). Auto­no­mes, ratio­na­les Den­ken führte zu einer star­ken Beto­nung der Mathe­ma­tik. Die Pro­ble­ma­tik in einer Frage zusam­men­ge­fasst: Wo ist die Ein­heit, wenn man der Ver­schie­den­heitfreien Raum gibt?
Die Renais­sance trennt die ideale Liebe (lyri­sche Dich­ter, geis­tige Liebe) von der sinn­li­chen Liebe (Roman­schrift­stel­ler, komi­sche Dich­ter). Der Mensch wird frei um den Preis der Unmoral.
Im 18. Jahr­hun­dert wird durch den Ein­fluss wich­ti­ger Den­ker wie Imma­nuel Kant (1724 – 1804) und Jean-Jacques Rous­seau (1712 – 1778) der Gedanke an Gnade völ­lig fal­len­ge­las­sen. Sie wird durch Frei­heit ersetzt. Nach­dem der Lebens­be­reich der Natur völ­lig auto­nom gewor­den war, wurde das Vakuum durch der Deter­mi­nis­mus gefüllt. Der Mensch wurde in diese (Welt-)Maschinerie ein­be­zo­gen.  Die Frei­heit des Indi­vi­du­ums hin­ge­gen (der obere Bereich), das kei­ner Erlö­sung mehr bedurfte, war abso­lut. Das erzeugte eine mäch­tige Spannung.
Das Gesetz der Naturk­au­sa­li­tät in einem geschlos­se­nen Sys­tem setzt sich in der Wis­sen­schaft durch. Ledig­lich Ein­zel­dinge kön­nen erkannt wer­den.  Des­halb lan­dete man bei der Mescha­nik. Dabei wird die Frei­heit völ­lig preis­ge­ge­ben. Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird nicht mehr gestellt. Auf dem Gebiet der Moral bedeu­tete dies, dass die Vor­stel­lung von Gut und Böse letzt­lich nur noch ein Werk­zeug der Mani­pu­la­tion durch die mensch­li­che Gesell­schaft in einer mecha­ni­sier­ten Welt dar­stellte (Mar­quis de Sade, 1740 – 1814).
Die seit der Antike gül­tige Erkennt­nis­theo­rie setzte bei der Ratio an. Der Mensch ging völ­lig und aus­schliess­lich von sich selbst aus. Auf seine Ver­nunft war Ver­lass, des­halb war ein ein­heit­li­ches Erkennt­nis­feld gege­ben. Durch G. F. Hegel (1770 – 1831) änder­ten sich sowohl die Erkennt­nis­theo­rie wie auch die Metho­lo­gie. Die Ratio­na­li­tät an sich wurde preis­ge­ge­ben. Wahr­heit ist nicht mehr unbe­dingte Wahr­heit. Kier­ke­gaard (1813 – 1855) ver­än­derte die bei­den Sphä­ren von Frei­heit und Natur in Glaube und Ver­nunft. Die­ses neue duale Den­ken – Schaef­fer nennt es die Linie der Ver­zweif­lung – hat sich über die Phi­lo­so­phie in der Male­rei, Musik und schliess­lich in der Theo­lo­gie niedergeschlagen.
Was bleibt übrig? Der Mensch ent­behrt dem Sinn sei­nes Daseins. Das führt zu einer pes­si­mis­ti­schen Grund­hal­tung. Auf­grund aller Ver­stan­des­er­kennt­nis ist der Mensch bedeu­tungs­los. Der zur Ent­ste­hungs­zeit die­ses Buch sehr aktu­elle Exis­ten­zia­lis­mus hatte seine welt­li­chen Ver­tre­ter (Sartre – Selbst­ver­wirk­li­chung, Jas­pers – Grenz­si­tua­tion, Hei­deg­ger – Angst) sowie seine reli­giö­sen Expo­nen­ten (Barth – Ver­stand ist kein Anhalts­punkt zur Veri­fi­ka­tion, reli­giöse Wahr­heit ist von der his­to­ri­schen abgetrennt).
In der zeit­ge­nös­si­schen Theo­lo­gie zeigte sich die­ser Sprung: Til­lich sprach von Gott jen­seits von Gott. Klar defi­nierte Begriffe aus Natur­wis­sen­schaft und Geschichte erga­ben sich im ratio­na­len Bereich. Im nicht-rationalen Bereich hin­ge­gen konnte es sich nur um Worte han­deln, wel­che Asso­zia­tio­nen aus­lö­sen. Jesuswar dem­nach die Illu­sion einer ech­ten Mit­tei­lung, wel­che eine kräf­tige Reak­tion her­vor­rief. Gott erschien als das phi­lo­so­phi­sche Andere, als das unend­li­che, per­sön­li­che Alles. Reli­giöse Fra­gen waren defi­ni­tiv in den Bereich des Nicht­dis­ku­tier­ba­ren ver­scho­ben worden.
Schaef­fer ord­nete das aktu­el­les Sym­tom des Dro­gen­kon­sums nicht als Wirk­lich­keits­flucht oder Ner­ven­kit­zel ein, son­dern sah es als Folge der Hoff­nungs­lo­sig­keit des Men­schen. Der Mensch suchte eine Ant­wort in erst­ran­gi­gen Erleb­nis­sen, im „High“. Der ratio­nale Mensch endete so als Mys­ti­ker. Neu an die­ser Art von Mys­tik war die Auf­fas­sung, dass es belang­los ein, ein Gegen­über zu haben. Es komme allein auf den Glau­ben. Die neuen Pro­phe­ten des Seins (d. h. des obe­ren Bereichs) waren die Dich­ter, Maler und Musi­ker. Sie waren die­je­ni­gen, wel­che in die gros­sen Fra­gen noch zu stel­len ver­stan­den. Bezeich­nend war aller­dings ihr feh­len­des mora­li­sches Urteil. Ihre Aus­drucks­for­men ver­stan­den sie als blosse Wahrnehmungen.

Die gesamt­heit­li­che Sicht der Bibel – Got­tes Offen­ba­rung in Raum und Zeit
Wie lau­tete Schaef­fers Ant­wort auf die Linie der Verzweiflung?
Er setzte bei der Ant­wort der Refor­ma­tion auf das Pro­blem der Ein­heit von Natur und Gnade an. Die Refor­ma­to­ren ver­nein­ten die Auto­no­mie im Bereich letz­ter Auto­ri­tät. Die Bibel war Quelle end­gül­ti­ger und umfas­sen­der Erkennt­nis. Sie bot kein erschöp­fen­des Wis­sen, jedoch wahre und ganz­heit­li­che Erkenntnis.

Ein zen­tra­ler Teil die­ser Erkennt­nis war die Anthro­po­lo­gie. Schaef­fer stellte her­aus, dass wir unsere Mit­men­schen nicht als Men­schen behan­deln könn­ten, ehe wir ihren Ursprung wirk­lich kenn­ten. Der Mensch ist nach Got­tes Bild geschaf­fen und darum etwas Wun­der­ba­res. Adam war ein unpro­gram­mier­ter, ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ter Mensch in einer gestalt­ba­ren Geschichte. (Im Gegen­satz dazu neigt der moderne Mensch zum Gedan­ken, er sei ein Nichts.)
Zwei­tens gibt die Bibel zuver­läs­sige Infor­ma­tion über den Schöp­fer des Uni­ver­sums. Sie spricht von ihm als dem per­sön­li­chen und unend­li­chen Gott. Im Hin­blick auf Got­tes Unend­lich­keit ist der Mensch so getrennt wie eine Maschine. Seine Per­sön­lich­keit ist jedoch dar­auf ange­legt, um mit die­sem Gott in per­sön­li­cher Ver­bin­dung zu ste­hen. Der Mensch ist zwar ver­lo­ren, jedoch ent­schei­dungs­fä­hig. Er ist in der Lage, Geschichte zu beein­flus­sen, ein­schliess­li­che sei­ner eige­nen Ewig­keit und der­je­ni­gen sei­ner Mitmenschen.
Die dritte Ein­sicht: Die­ser ver­nünf­tige Gott hat ein ver­nünf­ti­ges Uni­ver­sum aus­ser­halb von sich selbst geschaf­fen. Das bie­tet die Gewiss­heit objek­ti­ver Exis­tenz, von Ursa­che und Wir­kung. Weil das Welt­all einen wahr­haft per­sön­li­chen Anfang hat, ste­hen Liebe und Kom­mu­ni­ka­tion nicht im Gegen­satz zu dem, was im Wesen bereits vor­han­den ist.
Wie ist eine Umkehr des moder­nen Men­schen mög­lich? Der Mensch muss, wenn er zurück­fin­den will, zwar sei­nen Ratio­na­lis­mus auf­ge­ben. Doch fin­det er dann, auf der Basis des logisch Dis­ku­tier­ba­ren, die Mög­lich­keit, seine Ratio­na­li­tät wie­der zu gewin­nen. Chris­tus ist in bei­den Lebens­be­rei­chen – Natur und Gnade – Herr, darum Herr des gan­zen intel­lek­tu­el­len Lebens. Das Sys­tem der Bibel erläu­tert, warum der ein­zelne tun darf, was alle tun müs­sen, näm­lich bei sich selbst begin­nen. Gott hat dem gefal­le­nen Men­schen inhalts­rei­ches Wis­sen gege­ben, das er so drin­gend benötigt.

Fazit
Auch wenn man über den Bei­trag ein­zel­ner Den­ker — ins­be­son­dere Tho­mas von Aquin und Sören Kier­ke­gaard — geteil­ter Mei­nung sein kann, bil­den diese Gedan­ken wert­volle Anhalts­punkte. Die Tren­nung zwi­schen dem „obe­ren“ und dem „unte­ren“ Bereich kann auf einem Bier­de­ckel skiz­ziert wer­den. Die christ­li­che Welt­an­schau­ung mit den drei Fix­punk­ten persönlich-unendlicher Gott, Mensch und Uni­ver­sum stellt für mich ein ergie­bi­ges Meta­mo­dell dar.
Han­niel Stre­bel, www.hanniel.ch

http://www.nimm-lies.de/buchrezension-preisgabe-der-vernunft/8876

2. Petrus 2, 11 wo doch die Engel, die größere Stärke und Macht haben, kein Verdammungsurteil gegen sie vor den Herrn bringen.

Die Irrlehrer werden hier charakterisiert als religiös ehrfurchtslose, anmaßende, selbstgerechte Menschen, die selbst Engelwesen, gegenüber vor Kritik und Abwertung nicht zurückschrecken. Vom Kontext her legt sich nahe, an gefallene, von Gott bereits in den Abgrund verbannte Engelwesen zu denken. Gemeint ist dass die den gefallenen Engeln überlegenen Engel, die vor Gott und Christus, dem Herrn stehen, kein abwertendes, ehrfurchtsloses Urteil über diese vor Gott auszusprechen wagen. Statt dessen stellt er allgemein fest, dass die mächtigsten Engelwesen vor Gott (s. dazu Mt 18,10; Lk 1,19) die gefallenen Engel nicht aburteilen oder gar schmähen, obwohl sie das böse Treiben Satans und seines Anhangs kennen.
So wird beispielsweise über Michael gesagt, der mit einer außerordentlichen Machtfülle ausgestattet ist: „Als er mit dem Teufel Streit hatte und über den Leib Moses verhandelte, wagte (er) kein lästerndes Urteil zu fällen, sondern sprach: Der Herr strafe dich!“ (Judas 9). Wie Michael sollten sich Gläubige nicht allein gegen Satan und seine Handlanger stellen.
Wie lästern die Irrlehrer diese Engelwesen? Vom Zusammenhang her stellen sie sich über die Engel (2,11) und über Jesus Christus (2,1.10a), maßen sich an, deren Wesen zu kennen (vgl. l,2f.8f; 2,12; auch 3,2-4), lehnen deren Verehrung ab und fürchten weder sie noch Satan und seine Engel (vgl. Offb 2,24), lehnen deshalb Gottes und Christi Gebote ab und verkünden Freiheit im Sinne religiöser und sittlicher Ungebundenheit. Insofern vertreten sie eine besondere Heilslehre und praktizieren eine freizügige sittliche Lebensweise.
Hier ist nicht die Abweisung gottfeindlicher teuflischer Mächte, der Hass gegen das Böse, getadelt, sondern die selbstsichere Überheblichkeit, die zur Art dieser seltsamen „Christen” gehört. Die Meinung, alles von hoher Warte beurteilen zu dürfen und von keiner Gefahr bedroht zu sein. Gott hat uns zur Demut berufen, aus eigenem Wissen und Können ist da „nichts zu rühmen”.
Petrus spricht hier von der geistlichen Haltung aller Frommen, die unter der Sünde der anderen leiden wie Noah, Lot und die Propheten, wie Mose. Auch wir sollen bei aller Klarheit, mit der wir das Unrecht erkennen und beim Namen nennen, Mitleid mit den Sündern haben. Diese Haltung sehen wir am deutlichsten an Jesus, der als der Reine und Herrliche den Willen Gottes einzigartig erkannte und vertrat, dennoch für die Sünder büßte, um sie zu retten. Unser Auftrag ist, die Sünder zur Buße zu rufen (2. Kor 5,20).
Bei diesen Falschlehrern hängen Unzucht und Ehrfurchtslosigkeit eng zusammen. Paulus widerlegt die Apostel der geschlechtlichen Ungebundenheit mit der Erinnerung an die Fülle der Gnade, die auch den Leib des Christen durchwaltet: „Oder wißt ihr nicht, daß eure Glieder Tempel des Heiligen Geistes sind, der in euch ist, daß ihr den Leib von Gott habt, und daß er euch nicht gehört? Ihr seid um einen Preis erkauft. Ehret also Gott in eurem Leib” (1 Kor 6,19 f.).
Vers 10 http://bibelkreis-muenchen.de/?p=3230
Vers 9 http://bibelkreis-muenchen.de/?p=3148
Vers 8 http://bibelkreis-muenchen.de/?p=3139

Das Heil liegt außerhalb unserer eigenen Kräfte

Der Mensch kann aber erst dann vollständig gedemütigt werden, wenn er weiß, dass sein Heil gänzlich außerhalb seiner eigenen Kräfte, Absichten, Bemühungen und seines eigenen Willens, seiner Werke liegt und ganz und gar von der Entscheidung, der Absicht, vom Willen und Werk eines anderen abhängt, nämlich Gottes allein. Solange er sich nun einredet, dass er auch nur ein klein wenig zu seinem Heil beitragen kann, bleibt er im Vertrauen auf sich selbst und verzweifelt nicht vollständig an sich, demütigt er sich nicht vor Gott. Statt dessen nimmt er sich Ort, Zeit oder irgendein Werk vor oder hofft es oder wünscht es mindestens, mit dem er schließlich zum Heil gelange. Wer aber in keiner Weise daran zweifelt, er hänge ganz vom Willen Gottes ab, der verzweifelt gänzlich an sich selbst, der wählt nichts, sondern erwartet den wirkenden Gott. Der ist der Gnade am nächsten, dass er heil wird.
Martin Luther schreibt (WA 18, 633)

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Gott ist nicht interessant

Das ist ein zweiter Grund, warum die Methoden der exakten Naturwissenschaften nicht auf den religiösen Bereich übertragbar sind. Der Forscher im Bereich der Naturwissenschaften muss so unbeteiligt wie möglich sein. Seine Person muss völlig zurücktreten; Gefühlsmomente dürfen auf keinen Fall mitspielen. Das Ideal ist, sich in jeder Hinsicht von dem Gegenstand zu distanzieren, der untersucht werden soll.
Aber Gott ist kein Gegenstand für diese Art distanzierter Betrachtung. Gott ist nicht »interessant«. Gott ist in hohem Maße beunruhigend. Dasselbe gilt von Jesus Christus. Der historische Christus hat allein schon auf Grund seines ethischen Appells religiösen Charakter. Bei der Auseinandersetzung mit ihm ist unser Gewissen beteiligt. »Wir gedachten, ihn im Lichte der Vernunft zu prüfen: wir stellen fest, dass er im Geiste uns prüft. Die Rollen sind vertauscht… Wir studieren Aristoteles und sind erbaut von ihm; wir studieren Jesus und sind zutiefst beunruhigt. Wir werden genötigt, diesem Jesus gegenüber eine ganz persönliche Haltung des Herzens und Willens einzunehmen. Wer sich mit Jesus befasst, kann unvoreingenommen über ihn nachdenken, aber nicht innerlich neutral bleiben. Wir müssen Farbe bekennen. Wir begannen auf der Ebene kühler Sachlichkeit; unversehens finden wir uns auf das Feld persönlicher Entscheidung gerufen.« (R Carnegie Simpson, The Fact of Christ, S. 23f.)
Grundkurs Christlicher Glaube von John R Stott Seite 13

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Das Gottesbild des modernen Menschen

Der heutige Mensch ist aufgrund der ungeheuren wissenschaftlichen Fortschritte … zu einem hohen Selbstbewusstsein gelangt. Sein Bild von Gott besteht als Über-Bild seiner selbst. Er denkt, dass Gott wie er selbst ein Auge zudrückt, solange es ihn selbst nicht betrifft und rechnet nicht mit seiner vergeltenden Gerechtigkeit. In seiner geistlichen Ohnmacht sucht er Gott in eine Position zu drängen, in der er nicht mehr Nein sagen könnte. Gott könnte verpflichtet werden uns zu lieben und zu helfen. J. I. Packer, Gott erkennen, 119-121 paraphrasiert

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Was ist denn der Inhalt der Reformation?

“Nun wir denn gerecht geworden sind durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.” (Römer 5,1)

Es gibt so viele, die feiern dieses Reformationsfest wie – ja wie einen Museumsbesuch. Wenn ich ein Museum besuche, dann bewundere ich wohl voll Ehrfurcht die alten Münzen, Kleider und Bilder. Aber dann gehe ich wieder fort und lasse alles an seinem Platz. Ich könnte ja auch im Leben nichts anfangen mit diesen Dingen.

So dürfen wir nicht das Reformationsfest feiern! Bei der Reformation ging es nämlich um eine Frage, die mich heute in meiner Lage brennend berührt.

Um was ging es denn in der Reformation? Es ging nicht um die Frage einer deutschen Sprache und Kultur. Es ging nicht um soziale Forderungen und Reformen. Es ging auch nicht um die deutsche Nation oder eine romfreie Kirche. Das fiel alles noch dabei ab, wie die Späne beim Hobeln. Aber es ging um das Hobeln, nicht um die Späne.

Um was ging es denn den Reformatoren? Es ging einzig und allein um die Frage: „Wie bekomme ich Sünder Frieden mit Gott?“ Das ist die brennendste aller Fragen. Wehe uns, wenn sie uns nicht gestellt und beantwortet wird! Als die Reformatoren diese Frage mit Ernst stellten, da merkten sie: Kein Mensch kann die Frage beantworten. Hier versagt aller noch so gut gemeinte menschliche Vorschlag. So kamen sie an Gottes Wort, an die Bibel.

Und hier fanden sie das zweite: Kein Mensch kann von sich aus mit Gott Frieden machen, so wenig der Schuldige mit dem Gesetz Frieden machen kann. Aber Gott hat Frieden gemacht. Als Jesus für uns starb, hat Gott Frieden gemacht mit Sündern. Als die Reformatoren das erkannten, griffen sie im Glauben zu.

Und wir? Der feiert recht Reformationsfest, der es ebenso macht. Amen.

Es ist das Heil uns kommen her von Gnad und lauter Güte;
Die Werk’, die helfen nimmermehr, sie mögen nicht behüten.
Der Glaub’ sieht Jesum Christum an, der hat g’nug für uns all getan.
Er ist der Mittler worden.

Pfr. Wilhelm Busch, Essen, 1937

Quelle: “Licht vom unerschöpften Lichte” – Tägliche Andachten von Pfr. Wilhelm Busch, Verlag von Martin Warneck, Berlin 1937.