Apostelgeschichte 16:6-10 – Paulus wird nach Europa berufen

6 Als sie aber Phrygien und das Gebiet Galatiens durchzogen, wurde ihnen vom Heiligen Geist gewehrt, das Wort in der Provinz Asia zu verkündigen. 7 Als sie nach Mysien kamen, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen; und der Geist ließ es ihnen nicht zu. 8 Da reisten sie an Mysien vorbei und kamen hinab nach Troas. 9 Und in der Nacht erschien dem Paulus ein Gesicht: Ein mazedonischer Mann stand vor ihm, bat ihn und sprach: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! 10 Als er aber dieses Gesicht gesehen hatte, waren wir sogleich bestrebt, nach Mazedonien zu ziehen, indem wir daraus schlossen, daß uns der Herr berufen hatte, ihnen das Evangelium zu verkündigen.
Hermeneutik
  • Viele versuchen aus solchen Stellen in der Apostelgeschichte allgemeine Prinzipien abzuleiten, wie der Herr uns heute führt.
  • Oft begehen sie dabei aber viele hermeneutische Fehler.
  • Hermeneutik ist die Wissenschaft, wie man die Bibel auslegt.
  • Dabei wird der Kontext der Bibelstelle untersucht, die literarische Gattung, der heilsgeschichtliche Zusammenhang und der Vergleich mit anderen Bibelstellen.
  • Die Reformatoren gingen von der Klarheit der Heiligen Schrift aus.
  • Diese Klarheit bedeutet, dass die wesentlichen Aussagen der Bibel über das Evangelium so deutlich sind, dass jeder, der die Bibel liest, sie verstehen kann.
  • Deshalb wollten sie auch, dass jeder Mensch die Bibel in seiner eigenen Sprache liest.
  • Die Klarheit der Schrift sollte aber niemals in Abrede stellen, dass die Bibel korrekt auslegt werden muss.
  • Die Reformatoren selbst hielten in ihren Kirchen Bibelstunden, in denen der Text auf Deutsch, Lateinisch und Griechisch vorgelesen wurde, dann noch Kommentare und Querverweise hinzugezogen wurden, und am Ende versucht wurde, möglichst treu auszulegen.
  • Das besondere an der Apostelgeschichte ist, dass sie zunächst ein beschreibender Erzähltext und kein Lehrtext ist. Sie will uns zunächst erst einmal berichten, wie es damals war.
  • Dazu kommt, dass die Apostel eine besondere Rolle und besondere Gaben hatten, die niemals in der Kirchengeschichte wiederholt wurden.
  • Diese Gaben zeichneten sie als Gesandte Gottes aus.
  • Ähnlich erging es Mose, der das alttestamentliche Gesetz brachte.
    • 11 Und der HERR redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund  redet; und er kehrte wieder ins Lager zurück. (2Mo 33:11)
    • 10 Es stand aber in Israel kein Prophet mehr auf wie Mose, den der HERR kannte von Angesicht zu  Angesicht, 11 in all den Zeichen und Wundern, zu denen der HERR ihn gesandt hatte, daß er sie im Land  Ägypten tun sollte an dem Pharao und an allen seinen Knechten und an seinem ganzen Land; 12 und in all den gewaltigen Handlungen und all den großen und furchtgebietenden Taten, die Mose  vollbrachte vor den Augen von ganz Israel. (5Mo 34:10-12)
  • Wir wissen nicht, wie Paulus hier vom Heiligen Geist gewehrt wurde, aber es muss so deutlich gewesen sein, wie es nur für einen Propheten Gottes gilt.
  • Nirgendwo im Neuen Testament ruft Paulus die Gemeinde später auf, irgendwelche Eindrücke des Geistes oder Träume zu suchen.
  • Stattdessen sollen sie sich an das Wort Gottes halten und sonst mittels biblischer Weisheit entscheiden.
    • 16 Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur  Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, 17 damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet. (2Tim 3:16-17)
  • Literaturhinweis: Gefunden: Gottes Wille von John MacArthur (https://clv.de/Buecher/Glaube-Nachfolge/Gefunden-Gottes-Wille.html)

Wie man sich am Besten Notizen während der Predigt macht

In diesem Artikel findest du einige Tipps zum Mitschreiben bei einer Predigt: Wie man sich am Besten Notizen während der Predigt macht!

Tipps zur Vorbereitung von Notizen während der Predigt

  • Genügend Vorlauf: Für eine gute Mitschrift braucht man die nötige Gelassenheit und Konzentration. Deshalb ist es ratsam einige Minuten früher als notwendig an seinem Platz zu sein.
  • Qualitative Hilfsmittel: Je mehr einem  Heft und Stift gefallen, desto schöner ist das Mitschreiben. Man kaufe sich lieber gute Sachen, als keine Freude dabei zu empfinden.
    Hilfsmittel mitnehmen: Bibel, Heft und Stifte sollten möglichst gewohnheitsmäßig mitgenommen werden. Wenn sie ihren festen Platz in der Tasche haben, ist das noch besser!
  • Optimaler Sitzplatz: Es wird wenige Gemeinden geben, in denen man auf einem Tisch mitschreiben kann. Trotzdem gibt es Plätze wo man das besser oder schlecht machen kann. Der Sitzplatz sollte auch so gewählt sein, dass man sich gut auf die Predigt konzentrieren kann.

Tipps zum Machen von Notizen bei einer Predigt

  • Hauptaussage & Hauptargumente: Es ist weder möglich noch ratsam alles so weit wie möglich mitzuschreiben. Versuche die Hauptaussage der Predigt und ihre Hauptargumente festzuhalten.
  • Gliederung & Struktur: Suche nach Anhaltspunkten der Gliederung. Versuche die Struktur gleich durch Abstände, Schriftgröße, Nummern etc. in der Niederschrift deutlich zu machen.
  • Hervorhebungen & Farben: Markiere gleich bei der Niederschrift Aussagen, die du besonders gut fandest oderdich berührt haben. Ich nutze manchmal zwei Stifte in unterschiedlichen Farben, um bestimmte Dinge hervorzuheben.
  • Sofort und ordentlich: Denke nicht, diesen Gedanken schreib ich auch gleich auf. Sondern schreib ihn sofort so sauber und ordentlich wie möglich auf. Meist ist wenig ordentlich aufgeschrieben besser als viel unordentlich (sowohl zur Nachbearbeitung, als auch für den Kopf zum Speichern).

Tipps für Notizen am Ende / nach der Predigt

  • Zusammenfassung: Oft gibt es eine Zusammenfassung des Verkündigers, aber manchmal muss man sie auch selbst machen. Das weiß man meist schon, wenn man den Verkündiger kennt. Möglich ist z.B. jede Predigt mit fünf Punkten zusammenzufassen: die wichtigsten Aussagen / Erkenntnisse / Dinge, die man gelernt hat.
  • ToDo’s: Man sollte sich spätestens gegen Ende der Predigt eine Anwendung des Gehörten für sein eigenes Leben überlegen. Was kann ich daraus lernen? Will ich tun? Es sollten konkrete Handlungen mit Bezug zu einem konkreten Lebensbereich sein (z.B. nicht „ich will geduldiger sein“, sondern „ich will den Kindern besser zuhören, wenn ich nach Hause komme“.
  • (Laut) Korrekturlesen: Es ist sinnvoll sich die Notizen gleich nach dem Vortrag nochmal durchzulesen. So bemerkt man unklare Stellen und unpassende Formulierungen und kann sich den Inhalt noch besser merken.
  • Mit anderen teilen: Wem könnte ich davon erzählen? Wie will ich mit meiner Familie über diese Predigt reden? Natürlich muss man die Predigt zuerst zu sich selbst reden lassen, aber es ist ebenso kostbar die Überlegungen mit Freunden und in der Familie zu teilen.
  • Fragen: Habe ich etwas noch nicht verstanden oder sehe es anders? Mit wem kann ich das klären? Es muss nicht immer der Verkündiger sein, aber dieser steht auch für wichtige Fragen bereit!

Notizen schreiben ist ein Lernprozess! Ich hoffe du nimmst die Herausforderung an und kannst auch aus diesem Beitrag etwas lernen. Mich würde natürlich interessieren, was dir besonders gefallen hat oder welche Tipps du anderen geben kannst. Du darfst gerne einen Kommentar hinterlassen. Ich wünsche Gottes Segen beim Hören auf Gottes Wort!

Wie man sich am Besten Notizen während der Predigt macht

 

Gute Predigt halten


Egal ob man es nun Andacht, Impuls, Message oder sonstwie nennt: Gepredigt wird nicht nur in Gottesdiensten sondern auch in Hauskreisen, Jungscharen, Jugendkreisen, Seniorentreffs… – halt überall, wo Christen zusammenkommen. Aber was macht eine gute Predigt aus? Über diese Frage kann man bücherfüllend diskutieren. Am Ende scheinen mir die folgenden 3 Punkte entscheidend zu sein:
1. Predige die Bibel
Deine persönlichen Weisheiten, Einsichten und Geschichtchen mögen ja ganz nett sein. Aber wirklich relevant ist letztlich nur, was Gott zu sagen hat! Deshalb muss in Deiner Predigt von Anfang bis Ende deutlich werden: Was hier gesagt wird ist die Botschaft der Bibel! Predige deshalb immer auf der Basis von biblischen Texten und Aussagen. Sonst kochst Du eine dünne Suppe, für die sich zurecht niemand wirklich interessiert.
2. Predige eine Botschaft
Hört sich trivial an, ist es aber nicht. Zu viele Predigten sind theologische Ausarbeitungen mit mehr oder weniger interessanten Informationen aber ohne eine Botschaft, die Konsequenzen für die Zuhörer hat. Deshalb stell dir vor der Predigt die Frage: Welche dringende Botschaft müssen diese Menschen jetzt unbedingt hören? Welche Veränderung will ich ganz praktisch mit meiner Predigt auslösen? Wenn Du keine Botschaft hast wird Deine Predigt bestenfalls schön und interessant – aber letztlich doch frucht- und folgenlos.
3. Predige mit dem Feuer des Heiligen Geistes
Das hört sich vielleicht pathetisch an, aber es stimmt wirklich: Wenn Dein Glaube lau ist, ist auch Deine Botschaft lau. Dann hilft auch keine noch so perfekte Rethorik oder Theologie. Wenn Du in Menschen ein Feuer anzünden willst muss ein Feuer in Dir brennen! Das heißt nicht unbedingt, dass Du laut und emotional werden musst. Aber in jedem Fall muss eine authentische Leidenschaft, Vollmacht und Dringlichkeit spürbar sein, die nur der Heilige Geist in uns wecken kann.
Die entscheidende Basis für eine gute Predigt liegt deshalb in einer engen Verbindung mit Gott und seinem Wort. Lies die Bibel und mach Dich mit ihr vertraut. Sei in engem Kontakt mit dem Autor der Bibel. Und bete darum, immer wieder neu erfüllt zu sein mit dem Heiligen Geist. Lass Dich von Gott berufen, ein Botschafter des Königs zu sein.
Eins noch: Es gibt Situationen, in denen Menschen vom Geist geleitet spontan vollmächtig predigen. Aber das sind Ausnahmen. Im Allgemeinen gilt: Eine gute Predigt braucht eine gute Vorbereitung. Vergeude nicht die Zeit Deiner Mitmenschen mit halbgaren, wenig durchdachten Ideen. Prüfe genau, welche Botschaft wirklich zentral ist und arbeite sie heraus. Bedenke, dass Zuhörer am Ende oft nur 1-2 Gedanken wirklich mitnehmen. Schlage lieber wenige Nägel ganz tief ein statt viele Nägel oberflächlich anzutippen.
Persönlich mache ich es oft so, dass ich eine Predigt wörtlich aufschreibe und sie dann für mich alleine „trocken predige“. Dadurch finde ich heraus, wo die Predigt noch nicht „fließt“, wo es hakelige Gedankensprünge gibt und wo ich die Botschaft selbst noch nicht wirklich verinnerlicht habe. Am Ende habe ich mein Skript zwar vor mir liegen, aber ich brauche es eigentlich nicht mehr, weil mir die Botschaft so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass ich frei predigen kann. Dadurch kann ich leidenschaftlicher und authentischer sprechen und besser mit den Zuhörern kommunizieren. Zentrale Aussagen und Bibeltexte lasse ich meine Zuhörer mitlesen, so dass die Botschaft nicht nur über die Ohren sondern auch über die Augen aufgenommen werden kann.
So musst Du das nicht machen. Finde Deinen eigenen Stil. Aber sei Dir Deiner hohen Verantwortung bewusst. Gott kann es nicht ausstehen, wenn wir Unfug verbreiten, der nicht seinem Wort entspricht. Deshalb tu mir einen Gefallen: Predige mit dem Feuer des Heiligen Geistes eine durch und durch biblische Botschaft. Tu es! Die Welt wartet darauf!
Dr. Markus Till http://blog.aigg.de/?tag=gute-predigt-halten

Fußreflexzonenmassage

Fußreflexzonenmassage kommt vom amerikanischen Arzt Fitzgerald (1872-1942). Er teilte den Körper willkürlich in zweimal fünf Längszonen ein und behauptete, dass man von jeder Stelle einer Zone aus sämtliche Organe dieser Zone erreichen könne. Das Konzept wurde aufgegriffen und ausgebaut. So soll nun der gesamte Körper am Fuß repräsentiert sein, wie bei Ohrakupunktur. Verändert sich an einer bestimmten Stelle der Fußsohle die Hautbeschaffenheit oder tritt beim Massieren Druckschmerz auf, soll das angeblich korrespondierende Organ krank sein. Diese Stellen werden dann mit Fingerkuppen gedrückt und gerieben. So sollen allerlei Schmerzen behoben werden.
Die Längszonen sind allerdings ein reines Phantasieprodukt. Die Angaben, wo einzelne Organe auf der Fußsohle repräsentiert sind, weichen oft erheblich voneinander ab. Auch für die behaupteten Wirkungen fehlt der Beweis. Viele Behandelnde erklären die Wirkung deshalb damit, dass der Energiefluss ausgeglichen werde, analog dem fernöstlichen Gedankengut. Diese Erklärungen sind jedoch magisch, weshalb davon abgeraten werden muss.
Gerade bei solchen Techniken spielen intuitive und mediale Fähigkeiten des Therapeuten eine große Rolle, weil diese Menschen mit Kräften in Verbindung stehen, die nicht von Gott sind und den Behandelten in einen gefährlichen okkulten Bann bringen können. Fußmassage ohne zusätzliche esoterische Erklärungen tut wohl. Das Stehen auf einem gewellten Brett fördert die Durchblutung der Füße und schadet nicht.
Behandlungen mit esoterischem Hintergrund schadet der Seele, auch wenn diese Methode bei körperlichen Beschwerden hilft. Die okkulte Belastung der Seele ist viel schlimmer als eine körperliche Krankheit. Der Glaube an Gott und die Verbindung zu ihm ist dadurch zerstört. Wer sich mit esoterischen Methoden eingelassen hat, soll sich von diesen okkulten Praktiken abwenden.
Paulus schrieb an Titus Kap. 3 Vers 14: «Jesus hat sein Leben für uns gegeben und uns von allem Bösen und von aller Schuld befreit. So sind wir sein Volk geworden; bereit, ihm dankbar zu dienen.»

Wie man in einem postmodernen Zeitalter über Sünde reden kann

Als ich damit begann, die Bibel zu lesen, habe ich nach einem verbindenden Thema Ausschau gehalten. Ich schloss, dass es viele gibt und dass, wenn wir eines davon zu dem Thema machen (wie „Bund“ oder „Reich“), wir dann Gefahr laufen, eine Engführung zu betreiben.

Aber eine grundlegende Art, die Bibel zu lesen, ist, darin einen langen Kampf zwischen wahrem Glauben und Götzendienst zu sehen. Am Anfang wurden die Menschen dazu geschaffen, Gott anzubeten und ihm zu dienen und über alle geschaffenen Dinge im Namen Gottes zu herrschen (1Mose 1,26-28). Paulus versteht die ursprüngliche Sünde der Menschen als einen Akt des Götzendienstes: „Sie haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht … und dem Geschöpf Ehre und Gottesdienst erwiesen anstatt dem Schöpfer“ (Röm 1:23.25). Anstatt für Gott zu leben, haben wir angefangen, für uns selbst zu leben und für materielle Güter. Wir haben die ursprünglich gedachte Ordnung umgekehrt. Weiterlesen

Die Tragik des 20. Jahrhunderts (Teil 3)

These 3:
Die Gemeinschaft, die soziale Nähe und der Zusammenhalt unter den Leuten in (ehemals) kommunistischen Ländern ist offener, tiefer, inniger …, als die in nicht-kommunistischen, d.h. vor allem kapitalistischen Ländern. Das hat der Kommunismus gefördert und ist ihm zu verdanken.

Handelt es sich bei dieser These um eine Geschichte aus der Kommunistischen Mythologie oder ein Gerücht, welches manche für wahr halten — oder ist da wirklich etwas Wahres dran?

Ausgehend von dieser These habe ich zwei Fragen:

  1. Ist die Gemeinschaft in ehemals kommunistischen Ländern wirklich besser als in Ländern, die den Kommunismus nicht erlebt haben? (Wirkung)
  2. Wenn sie besser ist, ist das auf den Kommunismus zurück zu führen oder auf etwas anderes? (Ursache)

Zu Frage 1: Welche Messkriterien wenden wir an? Wie bestimmen wir, ob eine Gemeinschaft besser ist als eine andere? Es gibt hier keine greifbaren Quantitäten, die man statistisch erfassen, zählen, messen, oder wiegen könnte. Wir müssen auf Erfahrung, Alltagswahrnehmungen und subjektive Bewertungen zurückgreifen, die aber deswegen nicht falsch sein müssen. So ist das bei ganz vielen Fragen und nur die wenigsten lassen sich rechnerisch beantworten, vielleicht sind es sogar die weniger interessanten.

Um die erste Frage zu beantworten, würde ich Menschen zu Wort kommen lassen, die die Gemeinschaft im Kommunismus erlebt haben. Siehe Artikel 2. Als gleichzeitig positives und negatives Beispiel führe ich Wolfgang Leonhards Erfahrungsbericht an, den er in seinem Buch Die Revolution entlässt ihre Kinder schildert, Kap. 5, Abschnitt Natürliche Entspannung und «organisierte Geselligkeit».

Bei Frage 2 geht es darum, ob zwischen der vermeintlichen Ursache und Wirkung eine Korrelation oder eine Kopplung besteht. Selbst wenn es einen Zusammenhang zwischen (A) „Kommunismus“ und (B) „bessere Gemeinschaft“ gibt, kann man immer noch nicht auf eine Auswirkung von (A) auf (B) schließen. Man muss also nicht nur einen Zusammenhang nachweisen, sondern auch eine Wirkung von A auf B. Hier ist keine einfache Beweisführung möglich. Verglichen damit sind naturwissenschaftliche Theorien fast schon trivial. Und selbst diese können niemals bewiesen werden, sie sind nur mehr oder weniger gut belegt. Ob eine Theorie endgültig wahr oder falsch genannt werden kann, ist eine tiefgreifende Kontroverse.

Aber wir sind hier nicht im Labor, sondern bei einem gemütlichen Abendessen unter Freunden. Reden wir also nicht über wissenschaftliches Wissen, sondern über unsere alltäglichen Wahrnehmungen. Mein Freund und ich haben ganz unterschiedliche Überzeugungen, selbst wenn wir dieselbe Gruppe von Leuten beobachten und unsere Schlüsse über die Qualität ihrer Gemeinschaft ziehen.

Zum Beispiel habe ich diese Alltagstheorie (nur eine von mehreren): Die bessere Gemeinschaft in der nach-kommunistischen Zeit ist eine Auswirkung der Erlebnisse unter dem kommunistischen Regime in der Vergangenheit, welches eine gute Gemeinschaft erschwerte. Die Menschen, die den Kommunismus erlebt haben, sind jetzt, nachdem das kommunistische Regime abgelöst wurde, zu tieferer Gemeinschaft und stärkerem Zusammenhalt bereit, gerade weil das im Kommunismus nicht möglich war. Vielleicht kehren diese Menschen zu etwas zurück, was vor dem Kommunismus da war und jetzt wieder möglich ist. Was die Ex-DDR und Ex-Sowjetunion angeht, kehren sie einfach zu ihrem „normalen Menschen“ zurück, der nicht von Spitzeln und Flüsterern umgeben ist. Vielleicht war aber auch die Gemeinschaft im Kommunismus gar nicht so schlecht, weil man sich die ganze Zeit von Feinden umgeben sah und deswegen umso enger mit den echten Freunden und Gesinnungsgenossen zusammen gerückt ist.

Welche dieser beiden Theorien ist näher an der Wahrheit? Die meines Freundes oder meine?
Jeder von uns hat ein bestimmtes Hintergrundwissen, das seine Theorie über den Kommunismus beeinflusst. Die Theorie, die ich bereits habe, prägt die Beobachtungen, die ich mit meinen Sinnen mache, noch bevor etwas gewusst und geklärt werden kann. Die Umstände, unter denen ich eine menschliche Gemeinschaft beobachte, beeinflussen meine Wahrnehmung. Sie können günstiger sein, wenn ich die Beobachtung als Urlauber mache, als wenn ich dasselbe als Einheimischer tue. Die Problematik der Umstände und unserer Voreinstellungen (Fachbegriff: Theoriebeladenheit von Beobachtungen), besteht unabhängig davon, ob ich das Verhalten von Chemikalien im Reagenzglas, von Fischen im Aquarium oder von Menschen in einer Gesellschaft beobachte. Abgesehen davon, gibt es viele Dinge, die nicht beobachtet werden können, über die wir aber implizit Annahmen treffen.

Wer hat denn nun Recht? Einen endgültigen Beschluß wird es hier von meiner Seite nicht geben. Ich hoffe, wir werden in unserem Freundeskreis noch öfters diese Frage diskutieren. Und das ist umso spannender, interessanter und lehrreicher, als dass wir nicht alle derselben Meinung sind. Also, zurück zu den geistigen Waffen und rein in den Kampf um die Wahrheit (nicht zu verwechseln mit Recht)! Aber mit Liebe oder wenigstens Achtung, wir wollen schließlich als Freunde auseinander gehen, auch wenn unsere heftigen Diskussionen oft dem Brausen des Meeres gleichen 🙂  http://wuestegarten.de/die-tragik-des-20-jahrhunderts-teil-3/

Mit welcher „Mission“ gehst du durchs Leben?

Ich kenne eine Handvoll Menschen, die bereit waren, das sichere Umfeld und das gute Leben in der Schweiz zu verlassen. Sie reisten in Weltgegenden, wo wir nicht einmal geschenkt Ferien machen würden. Sind es Abenteurer, Aussteiger, Versager oder gar Spinner?
Einer ist Ethnologe und Linguist. Er hat an der Uni Zürich studiert. Ein Praktikum verbrachte er in einem afrikanischen Land. Auf einem Motorrad fuhr er in abgelegene Dörfer, um die Sprache der Einheimischen zu erfassen. Das war für ihn wie Tennisspielen für Roger Federer! Für einen Sprachwissenschaftler und Völkerkundler gibt es nichts Erfüllenderes, als den Aufbau einer Sprache zu erforschen, und das alles in einer fremden Kultur. Dann ist es egal, in der Hitze zu arbeiten, zähes Fleisch zu kauen und auf einer harten Matte zu schlafen. In der Schweiz hätte auf ihn ein Job in der Forschung, im Asylbereich oder als Werbetexter gewartet. Doch das wäre so, als würde Roger Federer auf dem Tennisplatz stehen, aber ohne Bälle.
Heute lebt mein Bekannter an einem der abgelegensten Orte, den man sich vorstellen kann – in einem kaum erreichbaren Gebirge mitten in der Wüste. Im Sommer ist es ultraheiss, im Winter kann es gefrieren. Die Häuser bieten weder vor der Hitze noch vor der Kälte Schutz. Gekocht wird im Sonnenkocher und mit Kerosin, Möbel gibt es nicht, Teppich und Tischtuch sind ein- und dasselbe. Doch die Sprache eines Wüstenvolkes zu erfassen, zu übersetzen und diese Menschen anzuleiten, ihre Worte zu lesen und zu schreiben, das erfüllt meinen Bekannten. Er lebt als Christ unter Muslimen. Über die Sprachforschung entwickeln sich Beziehungen und hoffentlich Freundschaften, die in die Tiefe gehen und den Austausch von Herzensanliegen erlauben.
Ist er ein Abenteurer? Nein, die harte Realität erlaubt keine Träumereien. Ist er ein Aussteiger? Nein, er kommt immer wieder gerne in die Schweiz und liebt das Leben hier. Ist er ein Versager? Nein, mit zwei Studienabschlüssen in der Tasche hätte er seinen Weg gemacht. Er folgt einem inneren Ruf, Menschen mit seinen Gaben zu dienen. Ist er ein Missionar? Mit welcher „Mission“ gehst du durchs Leben?
Das lateinische Wort für „senden/Sendung“ heisst „missio“. Gott hat eine grosse Mission. Er sucht die Herzen der Menschen und will sein Leben in ihnen entfalten. Dafür tut er alles. Gottes Mission macht den Menschen aber nicht überflüssig. Jesus sagt: „Wie mein Vater mich sandte, so sende ich euch.“ Er führt seine Mission über Menschen weiter. Mission ist die DNA der Kirche. Sieht man genauer hin, dann sind alle Christen Missionare. Rolf Hoeneisens https://www.facebook.com/rolf.hoeneisen

Die Tragik des 20. Jahrhunderts (Teil 2)

Ich rekapituliere kurz: Die Kritik deutscher Journalisten am Kommunismus ist unglaubwürdig oder zumindest unangebracht, weil sie von der eigenen Nationalsozialistischen Vergangenheit ablenkt. Selbst wenn ihre Väter keine Nazis waren, stehen deren Angehörige, Kinder der nachfolgenden Generationen, unter Generalverdacht. Darüber sprach der vorhergehende Artikel.
Nun weiter mit der zweiten These:
Der Kritik von ehemaligen Kommunisten ist auch nicht zu trauen, gerade weil sie selbst Kommunisten waren. Sofern sie sich nicht ins Privatleben zurück gezogen haben, wird ihnen vorgeworfen, dass sie ihre Erfahrungen als Sprungbrett für eine neue Karriere als Experten des Kommunismus nutzten.
Zu letzteren zählt mein Freund des Kommunismus den Historiker Wolfgang Leonhard. Er sei aufgrund seiner Wende um 180 Grad aus der Reihe der vertrauenswürdigen Kritiker ausgeschlossen.
– Schließen wir doch gleich auch Alexander Solschenizyn und Karl Raimund Popper aus und mit ihnen alle anderen, die durch dieses Raster fallen. Es fragt sich, wer dann noch übrig bleibt, dem man eine Kritik zutrauen darf?
Den deutschen Journalisten nicht. Den ehemaligen Kommunisten, die jetzt den Kommunismus offen ablehnen, auch nicht. Die ehemaligen Kommunisten, die sich nicht mehr dazu äußern, schweigen brav.
Wer ist dann noch ein glaubwürdiger Zeuge, wenn wir mal die Kommunisten selbst und ihre Freunde aus dem Kreis der „goldenen Mitte“ ausschließen? Nun, ich will nicht sagen, dass das eine leere Menge ist. Sicherlich gibt es noch viele Unentschiedene und vor allem junge Leute, die zum Kommunismus bekehrt werden könnten.
Wen fragen wir aber, wenn wir etwas über den Kommunismus erfahren wollen? Die Geschichtsbücher? – Gut. Sie werden auch von manipulierbaren Menschen geschrieben, von Historikern, die sich ein Urteil gebildet haben, bevor sie etwas schreiben (siehe erster Artikel; oder meinen wir etwa, dass Historiker nur berichten aber niemals richten?). Wen noch? – Ich bin dafür, dass wir die Kommunisten selbst fragen. Natürlich. Lies Marx, Lenin, Trotzki, das Parteiprogamm der DKP, der MLPD usw. usf., meinetwegen, bitte schön! Wenn ich etwas über Gott erfahren will, frage ich schließlich auch nicht die Atheisten. Warum mit den Gegnern anfangen?
Sobald wir aber anfangen, uns mit dem Thema zu beschäftigen, werden wir schnell merken, dass wir auch die Gegenseite, darunter auch Ex-Kommunisten wie Solschenizyn, Leonhard, Popper, usw., fragen müssen, um zu einem Gesamturteil zu gelangen. Mein Kommunismus-Freund blendet das aus. Er ist da unerbittlich, weil er an vieles unerbittlich nicht denkt. Allein, eine vollzogene Wende macht niemanden zu einem unglaubwürdigen Zeugen. Leonhard hat doch nicht seine eigene Geschichte nach der „Wende“ neu geschrieben. Er kommt lediglich zu einem anderen Urteil. Ist der Apostel Paulus ein unglaubwürdiger Jude, weil er eine radikale Wende zum Christentum vollzogen hat? Ich glaube, jeder Bibelkenner im weitesten Sinne würde das verneinen. Vielleicht ist ein solcher „Umkehrer“ glaubwürdiger als jeder Mitläufer, der das rote Parteibuch eingesteckt und dafür sein Gehirn abgegeben hat.
Die Umkehrer sind eine unverzichtbare Ergänzung für unser eigenes Urteilen. Im politischen Bereich brauchen wir ihre Stimmen, d.h. ihre Meinung (ich spreche nicht von Wahlen), als Gegengewicht. Das gesellschaftliche Gleichgewicht ist anders nicht zu erreichen und nicht zu halten. Mein Freund will die „goldene Mitte“. Aber sie ist verschwindend klein, nur schwer abzugrenzen und total irrelevant, sie interessiert keinen und nützt keinem. Oder will er etwa eine Partei, wo alle einstimmig dasselbe reden? Das kann man gerne bekommen, wir müssen nur anfangen alle Gegenstimmen zum Verstummen zu bringen. Warum Oppositionen und Alternativen dulden? Ist doch anstrengend, diese Meinungsvielfalt!
Karr!
Nachtrag: Ein passendes Titelbild für diesen Beitrag wären wahlweise Paul Webers Schlag ins Leere (1934/1951) oder Hammerschläge (1971). Wegen der Urheberrechte verlinke ich hier nur die Webseite. Der Leser darf sich das selbst aussuchen.

Die Tragik des 20. Jahrhunderts (Teil 2)

 

Chemnitz

Nach „Chemnitz“ grenzen sich auch immer mehr Evangelikale scharf von allem aus der rechtskonservativen, rechtsradikalen, rechtsnationalen, rechtswasimmerwas Ecke ab. Gewiss, mit den Hitlergrüßen ist eine Art Grenze überschritten, aber man sollte sich dennoch die Mühe machen, sich mit den politischen Grundbegriffen näher zu beschäftigen. Empfehle dieses knapp gehaltene Buch von Rahim aus Wien. Holger Lahayne
Linke & Rechte: Ein ideengeschichtlicher Kompass für die ideologischen Minenfelder der Neuzeit (Analysen) Taschenbuch – 10. April 2017 von Rahim Taghizadegan

 

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Die Tragik des 20. Jahrhunderts

Wie man sehen kann, ist das Titelbild zu diesem Beitrag ein Zeitungsausschnitt1. Bekanntlich sind die Zeitungen und das Internet als Quellen wahrer Aussagen total zuverlässig. In den Social Media bspw. bekam ich in den vergangenen Monaten öfters mit, wie die Leute, mit denen ich vernetzt bin, sich darüber empörten, dass „die Medien“ den Kommunismus zu unrecht „verherrlichen“ würden. Darüber könne man nicht ruhig sein, wenn man in die Geschichte blickt, die eindeutig davon zeuge, „wie viel Übel der Kommunismus angerichtet hat“.

Vergangene Woche dann, beim Zusammensein mit Freunden, warf einer die Frage auf, ob der Kommunismus wirklich so schlecht ist, wie allgemein behauptet wird, oder ob er eigentlich nur nicht richtig umgesetzt wurde. Daraufhin empörte sich ein anderer über das „aktuell so verbreitete … Kommunismusbashing“ und „die Verteufelung des Kommunismus“ in den Medien.
Hier fällt schon auf, dass verschiedene Leute zu völlig entgegen gesetztem Urteil kommen, in derselben ganz allgemeinen Frage, wie der Kommunismus in dem Meinungsbild der Medien wegkommt. Die einen sagen: Er kommt zu schlecht weg. Die anderen sagen: Er kommt zu gut weg. Kann es sein, dass denen, die dem Kommunismus eher positiv gegenüber stehen (aus welchen Gründen auch immer), der Tadel eher ins Auge fällt, und den anderen, die den Kommunismus ablehnen (aus welchen Gründen auch immer), das Lob. Nimmt hier jeder nur die Kritik an der eigenen Meinung wahr? Oder reagiert man empfindlicher auf Kritik als auf Fürsprache? Fällt es da nicht mehr auf, dass es durchaus ein Gegengewicht zu dieser Kritik gibt, das sogar die eigene Meinung stützt?
Vielleicht handelt es sich aber auch um ein ganz anderes Phänomen, das im Zusammenhang mit Massenmedien auftritt? Wie kommt man z.B. darauf, dass die Stimmen der Gegenpartei zu laut und zu zahlreich geworden sind? Vielleicht wird hier durch ein Gerücht absichtlich die ohnehin schon vorhandene Neigung zur Polarisierung befördert?

Die Argumente meines „Freundes des Kommunismus“ (nur ein vereinfachender Arbeitstitel) waren Folgende:

  1. Die hiesigen Journalisten, die den Kommunismus „bashen“, sollen erst einmal in die eigene Vergangenheit gucken, was ihre Väter alles angerichtet haben. Angesichts dessen, geziemt es sich nicht, seinen Finger gegen andere politische Systeme und Machthaber zu erheben, andere zu kritisieren u.dgl.
  2. Kommunismuskritiker, die früher selbst überzeugte Kommunisten und Funktionäre waren (konkretes Beispiel Wolfgang Leonhard), sind unglaubwürdig, weil die Wendung um 180 Grad sie zu Extremisten mache. Ihre Ansichten sind unausgewogen; gut ist aber die goldene Mitte, wozu sie durch ihre Biografien nicht fähig sind.
  3. Die Gemeinschaft, die soziale Nähe und der Zusammenhalt unter den Leuten in (ehemals) kommunistischen Ländern ist offener, tiefer, inniger …, als die in nicht-kommunistischen, d.h. vor allem kapitalistischen Ländern. Das hat der Kommunismus gefördert und ist ihm zu verdanken.

Selbstverständlich fassen diese drei Punkte seine Meinung nicht erschöpfend zusammen. Das sind nur die wenigen, die wir in einer sehr kurzer Zeit anrissen. Und meine Meinung dazu, ist die eines Laien, total subjektiv und hier sehr verkürzt wiedergegeben. Ich bin nicht neutral und finde Neutralität in dieser Frage auch nicht erstrebenswert. Meiner Ansicht nach ist hier Neutralität selbst auf historisch-wissenschaftlicher Ebene fast unmöglich zu erreichen. Wir tadeln auch nicht die Historiker, die ein Urteil über die Dinge fällen, bei denen sie selbst nicht dabei gewesen sind. Es ist bspw. im Moment nicht denkbar, dass einer, der das deutsche Nationalsozialistische Regime offen befürwortet und bewirbt, ein glaubwürdiger Professor für Geschichte sein könnte. Insofern er es ablehnt, hat er den Boden der Neutralität verlassen.

Zur Eingangsfrage:
Wurde der Kommunismus bisher nur nicht richtig umgesetzt, obwohl er an sich keine schlechte Erfindung ist?

Hier schwingt die allgemein verbreitete und ebenso falsche Ansicht mit: Was die im Osten hatten, war eigentlich gar kein richtiger Kommunismus.
Wer kann uns denn sagen, was der „richtige Kommunismus“ ist? Es gibt keinen allgemein-gültigen Maßstab oder Regelwerk, das ein für allemal verbindlich und für alle fest legt, wie ein politisches System, welches sich Kommunismus nennen darf, auszusehen hat. Es gibt nicht den idealen Kommunismus, es gibt den Kommunismus nur in der Praxis. Welche guten Früchte hat denn der Kommunismus in der Praxis bisher getragen?

Punkt 1:
Man darf nicht den Kommunismus kritisieren, angesichts dessen, dass man selbst eine Hitler-Vergangenheit hatte.

Hier schwingt der Vorwurf der Selbstgerechtigkeit desjenigen mit, der sich ein Urteil erlaubt. Nach dem Motto: Man fasse sich an die eigene Nase, bevor man an anderen herum meckert. Was siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber in deinem Auge nimmst du nicht wahr?
Aus dieser Perspektive, dürfte ich hier über den Kommunismus herziehen wie ich wollte, weil weder ich noch meine direkten Vorfahren, in dieses Schema passen. Als Russlanddeutsche wurden wir in ganz andere Bedingungen hineingeboren. Keine Abkömmlinge von (potentiell) Ehemals-Nazis. Ich kann natürlich nicht sagen, ob wir uns nicht auch gleichgeschaltet hätten, wären wir auf deutschem Boden geboren. Ist mein Urteil deswegen mehr berechtigt? Oder haben die Opfer des Kommunismus sich durch das Leiden ein Recht zu urteilen erworben, das anderen nicht zusteht? Nein, das Urteil derer, denen der Freund des Kommunismus die Befugnis dazu absprechen will, ist genauso berechtigt, ganz egal wie es ausfällt. Jeder darf urteilen. Verwechseln wir nicht selbstauferlegte Maulkörbe mit aufrichtiger Selbstkritik.

Soll die amerikanische Regierung sich erst noch mal für die Atombombe entschuldigen, bevor sie sich in den Ukraine-Konflikt einmischt?
Sollen deutsche Politiker, die die israelische Siedlungspolitik kritisieren, sich jedesmal für die Konzentrationslager entschuldigen?
Erwarten wir, dass Journalisten das tun?
Man kann nicht alles auf einmal behandeln. Es ist eine Sache: Ich habe selbst Fehler in der Vergangenheit gemacht (Nazi-Regime befürwortet). Es ist eine andere: Ich kritisiere die Fehler eines anderen Regimes (kommunistische Länder). Die Kritik darf nicht immer als Ablenkung von den eigenen Fehlern des Kritikers aufgefasst werden. Das ist es ja: Das Nationalistische System in Deutschland längst passé. Man hat die eigenen Fehler eingesehen und offen zugegeben. Sollen wir trotzdem immer noch erwarten, dass jeder Journalist, der sich kritisch zum Kommunismus äußert, seinem Artikel den Satz voranstellt: „Übrigens ist der Autor auch Kritiker des Nationalsozialismus“? (Wenn es nach anderen ginge, müsste er vielleicht noch hinzufügen: „Ich kritisiere auch alle Fleischesser und alle Nicht-Fairphone-Besitzer.“) Im Ernst: Man darf hier trennen und muss sogar trennen, wenn man sich eben ein ganz bestimmtes Thema gegeben hat, welches andere Themen ausschließt. Es ist nichts verwerflich oder falsch dran, entweder ausschließlich über das eine (Nationalsozialismus) oder ausschließlich über das andere zu reden (Kommunismus).

Die Tragik des 20. Jahrhunderts