Darf ein Atheist seinem Denken vertrauen?

Nehmen wir an, es gäbe keine Intelligenz hinter dem Universum, keinen kreativen Geist. In diesem Fall hätte niemand mein Gehirn designed, damit ich es benutze, um zu denken. Es wäre dann lediglich so, dass die Atome in meinem Schädel herumfallen, durch physikalische und chemische Kräfte, die sich selbst durch irgendeine Art und Weise rearrangieren, und das gibt mir – als Nebenprodukt – das Gefühl, das wir Gedanken nennen. Aber wenn dem so ist, wie kann ich dann darauf vertrauen, dass mein eigenes Denken richtig ist?
Das ist genauso wie wenn ich eine Kanne Milch aufstelle zum Kochen und dann darauf hoffe, dass sich aus den Spritzern die Stadtkarte von London bildet. Und wenn ich meinen eigenen Gedanken nicht trauen kann, dann kann ich auch nicht den Argumenten trauen, die zum Atheismus führen. Deswegen gibt es keinen einzigen Grund, Atheist zu sein. Wenn ich nicht an Gott glaube, kann ich auch nicht an den Gedanken glauben: So kann ich meinen Gedanken auch nicht benutzen, um nicht an Gott zu glauben.” C. S. Lewis

Wer will hier die Uhr zurückdrehen?

Hadmut Danisch hat das „Fachgespräch: Wer will die Uhr zurückdrehen? Strategien gegen Anti-Feminismus und Homophobie” der Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsfraktion im Deutschen Bundestag besucht.

Vor allem intellektuell haben die überhaupt nichts zu bieten (gleichwohl sie sich für ungeheuer intellektuell halten). Und Selbstkritik oder die Überlegung, was man besser oder richtiger machen könnte, gar die Frage, ob man richtig liegt, gibt es gar nicht. Die sind fest davon überzeugt, dass sie die perfekte und die einzig zulässige Meinung haben, und alles außer ihrer Meinung „Müll” ist, ohne dass das noch irgendeiner Begründung oder Betrachtung bedürfe. Und man jede andere als ihre Meinung auch nur lächerlich machen und auslachen könnte.

Sein Fazit:

Erstens: Es läuft nicht mehr rund. Sie bekommen Gegenwind und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen.

Zweitens: Allianzen zerbrechen. Die Verbindungen zwischen Grünen und Ostblock, zwischen Schwulen und Frauen und zwischen Feministen und Journalisten scheinen massiv zu erodieren.

Drittens: Frauen sind nach Ansicht der Grünen dumm und unselbständig, nicht der eigenen Meinung fähig. Sie haben sich gefälligst einer eigenen Meinung zu enthalten und sich dem sozialistischen-traditionellen Kollektiv-Bündnis zwischen Frauen und Schwulen zu unterwerfen. Haben sie doch eine eigene Meinung, können sie nur von den Russen ferngesteuert sein.

Viertens: Die Leute dort. Widerlich. Arrogant, selbstgefällig, selbstgerecht, narzisstisch, herablassend, dumm, andere verächtlich machend, intrigant, verfassungswidrig, kriminell, mit mehrerlei Maß messend, beliebig den Standpunkt wechselnd, unlogisch, selbstwidersprüchlich, miserables Benehmen. Und unglaublich hässlich angezogen.

Nachtrag: Und weil ein Kommentator s.u. richtig ergänzt:

Fünftens: Maskulisten sind Intellektuelle.

Sechstens: Gender Studies sei das Infragstellen von Mutter-Vater-Kind und Heterosexualität.

Ich empfehle, den gesamten Bericht zu lesen. Nicht nur, dass der Humor köstlich angeregt wird, er eröffnet tiefe Einblicke in eine verlogene Debatte. Auch die Kommentare seien empfohlen!

Hier: www.danisch.de.

Glaube und Denken

Über die Notwendigkeit des Nachdenkens
Christen wird gerne vorgeworfen, dass sie das vernünftige Denken vernachlässigen. So schreibt der berühmte Astrophysiker Carl Sagan (1934–1996):

„Methodik und Ethik von Wissenschaft und Religion unterscheiden sich grundlegend. Die Religion fordert uns zum fraglosen Glauben auf, sogar (oder besonders) dann, wenn es keine eindeutigen Beweise gibt. Das ist ja gerade die zentrale Bedeutung des Glaubens. Die Wissenschaft dagegen fordert uns auf, nichts auf Treu und Glauben hinzunehmen, nicht unserem Hang zur Selbsttäuschung nachzugeben und angebliche Beweise abzulehnen. Der Wissenschaft gilt tiefe Skepsis als höchste Tugend. Die Religion erblickt darin oft ein Hindernis auf dem Weg zur Erleuchtung.“ (Gott und der tropfende Wasserhahn)

Gewiss ist in diesen Sätzen auch Wahrheit enthalten, dennoch zeichnet Sagan hier ein falsches Schwarz-Weiß-Bild. Noch schärfere Äußerungen in dieser Richtung gibt es natürlich beim Kopf der „Neuen Atheisten“, in Richard Dawkins Der Gotteswahn. Dort wirft der Oxforder Biologe allen Christen pauschal Irrationalismus und Unterdrückung des vernünftigen Denkens vor.

Natürlich gibt es Christen, die denkfaul sind. Doch dass das Christentum einen blinden Glauben verlangt, ist ein Mythos, der durch ständige Wiederholung nicht wahrer wird. In der griechischen Philosophie wurde der Verstand als höchster ‘Teil’ des Menschen angesehen. Dem ist tatsächlich zu widersprechen, denn die Vernunft ist nicht wichtiger als die Emotionen oder der Wille. Dennoch gilt, dass der Gläubige das Denken hoch achtet.

Das Denken ist grundsätzlich gut, denn Gott ist eine denkende Person und der Mensch denkt, weil er das Ebenbild Gottes ist. 26 Mal heißt es im AT über Gott, dass er „in seinem Herzen spricht“, d.h. nachdenkt (1 Sam 2,35; Ps 33,10–11; Jer 44,21). Natürlich denkt Gott nicht in der genau gleichen Weise wie wir. Er braucht nichts zu durchdenken, ist nicht gezwungen, mühsam zu Schlussfolgerungen zu kommen. Denn ihm sind alle seine Gedanken immer vollkommen gegenwärtig. Insofern ist Gott kein Philosoph, kein Freund der Weisheit, der diese suchen muss. Er ist die Sophia, die Weisheit, schlechthin.

Gott hat den Menschen den Verstand gegeben zur Kommunikation untereinander, mit ihm und für seine Aufgaben auf der Erde. Ein Gläubiger ist ein gern und bewusst denkender Mensch. John Stott betonte dies in Es kommt auch auf den Verstand an: „Durch die Heilige Schrift hat Gott gesprochen, das heißt, er hat sich durch Worte mitgeteilt… Kommunikation durch Worte setzt einen Verstand voraus, der verstehen und deuten kann“. Das Christentum ist in seinem Wesen eine Offenbarungsreligion, und diese rationale Offenbarung will verstanden werden.Stott

Stott zitiert den schottischen Theologen James Orr (1844–1913): „Wenn es eine Religion in der Welt gibt, die die Bedeutung der Lehre unterstreicht, dann ist das die Religion Christi. Es ist oft darauf hingewiesen worden, dass das Lehrelement in heidnischen Religionen verschwindend klein ist – es geht hauptsächlich um die Ausführung eines Rituals. Genau an dieser Stelle unterscheidet sich das Christentum von anderen Religionen – es enthält Lehre. Es kommt zu den Menschen mit einer bestimmten, positiven Lehre; es beansprucht, die Wahrheit zu sein; es gründet Religion auf Wissen, obwohl es Wissen ist, das nur unter moralischen Voraussetzungen zu erlangen ist… Religion, losgelöst von ernsthaftem, erhabenem Denken, hat sich noch immer, durch die ganze Geschichte der Kirche, als eine Religion erwiesen, die immer schwächer, geistloser und ungesünder wurde. Der Intellekt, der so um seine Rechte innerhalb der Religion betrogen wurde, hat dann außerhalb nach Befriedigung gesucht – und dabei einen gottlosen Rationalismus entwickelt.“

Der US-Soziologe Rodney Stark hat auf diese Zusammenhänge in The Victory of Reason hingewiesen. Nur im Judentum und Christentum waren die Grundlagen für eine rationale Theologie gegeben (ein personaler, allmächtiger mit einer vernünftigen Kommunikation an seine Ebenbilder); nur dort wurde das intensive Nachdenken über Gott und seine Welt zu einer Tugend. Er schildert dann im Buch ausführlich die Folgen für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.victory_of_reason_hirez

Christen haben eine „neue Gesinnung“, sind „Umdenkende“ (gr. metanoia – Umkehr, Buße, wörtl. Umdenken; von gr. nous – Verstand). Wir sollen deshalb nicht gedankenlos in den Tag hineinleben (Spr 15,28; 14,15). Ein Christ unterstellt alles Denken dem Gehorsam Christi (2 Kor 10,3–6). Selbstbeherrschung/Besonnenheit hat auch viel damit zu tun, nicht den Trieben zu folgen, sondern erst nachzudenken und dann zu handeln (Spr 15,28; Apg 24,25; Röm 12,3; 1 Pt 4,7; 2 Pt 1,6; 1 Kor 7,29; Tit 1,8).

Gott will der Ausgangspunkt unseres Denkens sein, aber nicht unser Denken ersetzen! Der große Prediger Martyn Lloyd-Jones (1899–1981) in Studies in the Sermon on the Mount zu Mt 6,30 (das falsche Sorgen):

„Nach der Lehre unseres Herrn in diesem Abschnitt ist Glaube zunächst Denken, und die Schwierigkeit mit den Kleingläubigen ist, dass sie nicht denken. Und Gott lässt es zu, dass die Umstände sie dann strafen… Wir müssen mehr Zeit darauf verwenden, die Lektionen unseres Herrn durch Beobachtung und Anwendung zu lernen. Die Bibel ist voller Logik. Wir dürfen uns den Glauben nie als etwas rein Mystisches vorstellen. Wir setzen uns nicht einfach in den Sessel und erwarten Wunderdinge. Das ist nicht christlicher Glaube. Christlicher Glaube hat wesentlich mit dem Denken zu tun. Seht die Vögel an, denkt über sie nach und zieht eure Folgerungen, seht das Gras an und die Lilien auf dem Feld [Mt 6,26–30]… Der Glaube kann auch folgendermaßen beschrieben werden: Er ist wie ein Mann, der darauf besteht, zu denken, obwohl alles um ihn herum ihn intellektuell zu frustrieren scheint. Das Problem des Kleingläubigen ist, dass er sein Denken nicht kontrolliert und stattdessen sein Denken von etwas anderem kontrolliert wird. So bewegt er sich im Kreis. Das ist das Wesen der Sorge und der Quälerei… Das ist aber nicht Denken, sondern Gedankenlosigkeit, Unfähigkeit zu denken.“

In der deutschen pietistischen und erwecklichen Tradition wird dagegen das Denken nicht unbedingt hochgeschätzt. Recht einflussreich war Otto Riecker (1896–1989), Gründer der Bibelschule Adelshofen, mit seinem Buch Bildung und Heiliger Geist. Darin findet sich neben berechtigter Kritik am „Theologismus“ teilweise scharfe Polemik gegen den „griechischen Geist“. Manchmal ist nicht ganz klar, was Riecker meint, wenn er z.B. fordert, man solle „liebend“ statt „philosophisch denken“. Riecker bevorzugt die „unmittelbare Erfahrung“; der Glaube habe seinen Platz „in der unmittelbaren Erlebnissphäre“, nicht im „begrifflichen Denken“. Die direkte Steuerung durch den Hl. Geist stellt er der Lenkung durchs Gehirn, d.h. durch das Denken gegenüber. Wir müssten erlöst werden „von diesem ewigen Denkenmüssen“.Riecker

Zu Calvins (aber nicht nur Calvins!) Lehre von der doppelten Prädestination meint er selbstsicher: „Das war eine klare, theologistische Operation, die viel Streit hervorrief und die niemals christlich ist. So kann ein Jünger nicht denken. Das ist griechisches Denken… Niemals bestimmt Gott Menschen zur Verdammnis!“ Es wäre gerade an dieser Stelle zu fragen (und dies gilt aber auch für seinen gesamten Ansatz), wie er dies biblisch fundiert begründet. Riecker ist selbst viel stärker von seinen (platonistischen?) Denkvoraussetzungen geprägt, als ihm das bewusst ist. Intensiveres und selbstkritisches Nachdenken hätte ihm an mancher Stelle sicher geholfen. So presst er alles in sein doch arg enges Schema Philosophie/Scholastik/Theologismus gegen lebendigen Glauben/Geistesleitung/spirituelle Erfahrung.

Für hilfreicher halte ich die Schriften der Mitarbeiter der „L’Abri fellowship“, gegründet von Francis A. Schaeffer (1912–1984) Mitte der 50er Jahre in der Schweiz. L’Abri verbindet tiefe Frömmigkeit, evangelistische Motivation, Bibeltreue und eine Betonung von Kultur, Denken, Weltanschauung. Auf Deutsch zugänglich ist z.B. Jerram Barrs Artikel „Das vernachlässigte Denken“ (s. hier). Der langjährige Mitarbeiter des britischen L’Abri-Zweiges (nun in den USA lehrend) schreibt dort:

„Wir haben es versäumt, ein christliches Denken zu entwickeln, und wir haben es versäumt, dieses Denken auf unsere Kultur zu beziehen und anzuwenden, wenn wir versuchen, ihre Götzen bloßzustellen und Menschen für Jesus Christus zu gewinnen. Man braucht nur an die gängigen Redensarten zu denken, die es in der Kirche und um uns her gibt. Die Leute reden von einem „Sprung des Glaubens“, und sie sagen,  „Stell’  keine Fragen, glaub’ einfach!“, „Verlass dich nicht auf deinen Verstand“,  „Folge dem Herzen und nicht dem Verstand“, „Das Herz hat Gründe, von denen der Verstand nichts weiß.“ Ein christliches Denken und Bewusstsein ist von grundlegender Bedeutung, und darüber muss sich diese Generation von Christen Gedanken machen, wenn sie die Herausforderung der Zeit annehmen will…  Gott hat uns mit einem Verstand erschaffen, ob wir das nun mögen oder nicht. Wenn wir es nun versäumen, ein christliches Denken und Bewusstsein zu entwickeln oder in unseren jungen Leuten zu fördern, dann werden wir uns entweder in ein kulturelles Ghetto zurückzuziehen oder wir werden uns dem Denken der Welt anpassen.“ (s. auch www.labri-ideas-library.org/ und die Seite der britischen Studentenbewegung UCCF www.bethinking.org)

BlamiresSchon vor fast 50 Jahren beklagte der Brite Harry Blamires in The Christian Mind: How Should Christians Think? die Vernachlässigung des christlichen Denkens: „Der Verstand der Christen hat sich dem Trend der Zeit gebeugt. Er ist schwach und rückgratlos geworden wie nie zuvor“. Damit hat man sich selbst in der Öffentlichkeit zum Schweigen verdammt; der Glaube wurde privatisiert, die Wahrheit subjektiviert. Stott geht im Kapitel „Können wir konsequent denken?“ in Christsein in den Brennpunkten unserer Zeit I auf Blamires berühmtes Buch ein und formuliert gut: „Wenn wir ein rechtschaffenes, aufrichtiges Leben führen wollen, dann müssen wir auch in unserem Denken rechtschaffen und aufrichtig sein“ (im Original prägnanter: „If we want to live straight, we have to think straight“). Diese Tradition setzt der US-Theologe David F. Wells (geb. 1939) fort mit Werken wie God in the Wasteland oder No Place for Truth, or, Whatever Happened to Evangelical Theology?

All dies ist relevant für die Praxis, ja für die Ethik entscheidend wichtig. Denn Gott will nicht, dass wir seine Gebote einfach nachplappern, sondern über sie nachdenken, sie durchdenken und sie dann richtig anwenden – in unserer jeweiligen Situation; wir müssen gezielt und bewusst nachdenken, um gute Entscheidungen im Alltag fällen zu können. Und wir müssen uns meist viel mehr Gedanken darüber machen, warum wir nun so handeln wie wir handeln. Thomas Schirrmacher nennt den Bereich der Familie:

„Für Kinder christlicher Familien stellt es ein großes Problem dar, dass ihre Eltern oft einen frommen Lebensstil pflegen, aber nicht wissen, warum sie so oder so handeln. Das Vorbild der Eltern ist enorm wichtig, aber wenn Eltern nicht darüber nachgedacht haben, warum sie dieses für wichtig halten und jenes für grundfalsch, haben die Kinder keine Möglichkeit, einen eigenen Standpunkt zu finden. Entweder kopieren sie alles, oder werfen alles über Bord. Das Ziel ist aber, dass die Kinder verstehen, warum die Eltern so handeln, damit sie später in völlig anderen Situationen dieselbe Wahrheit anwenden können.“ (Führen in ethischer Verantwortung)TS

Ohne Nachdenken kommt man besonders in der Ethik nicht weit, da die Bibel ja zu vielen Themen gar nicht direkt Stellung nimmt. Wir müssen daher nachdenken, um aus der Bibel die richtigen Schlüsse zu ziehen. Das Westminster-Bekenntnis (Art. 1,6): „Der ganze Ratschluss Gottes – bezüglich alles dessen, was notwendig ist zu seiner eigenen Ehre, zum Heil, Glauben und Leben der Menschen – ist entweder ausdrücklich in der Schrift niedergelegt oder kann mit guter und notwendiger Folgerichtigkeit aus der Schrift abgeleitet werden..“.

Als Beispiele aus der Sexualethik seien hier nur die Abtreibung, die künstliche Befruchtung  und der voreheliche Geschlechtsverkehr genannt, zu denen die Bibel herzlich wenig direkt sagt. Dennoch können gut begründete Positionen durch Exegese und eben Denken aus der Schrift abgeleitet werden. Schirrmacher weißt schließlich sehr gut auf den Zusammenhang von Nachdenken und Liebe hin: „Liebe ist zwingend auf das Denken und die Kommunikation angewiesen. Wer Liebe umsetzen will, muss bereit sein, viel Zeit zu investieren, um auf dem Wege des Denkens, des Gewissens und der Beratung zu einer Entscheidung zu gelangen, die den größten Nutzen für alle hat und gerechtfertigt werden kann.“

http://lahayne.lt/2014/10/20/glaube-und-denken/

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Den Sinnhorizont füllen

„Der amerikanische Autor Ernest Hemingway erzählt in einer seiner Kurzgeschichten von einem Kellner in einem kleinen Café. Mitternacht ist schon vorüber. Der letzte Gast ist gegangen. Müde gähnend schaut er über das leer gewordene Lokal hin. Was hat der Tag eigentlich gebracht, der nun vergangen ist? So denkt er bei sich selbst. ‘Es war alles ein Nichts, und der Mensch ist auch ein Nichts.’ Und auf einmal beginnt dieser Mann in seinem Selbstgespräch zu beten. Er betet das Vaterunser, aber mit einer schrecklichen Veränderung. Er betet in die Leere, in das absolute Nichts hinein:
‚Unser Nichts, der du bist im Nichts. Nichts ist dein Name. Dein Nichts komme. Dein Nichts geschehe wie im Nichts so im Nichts. Unser tägliches Nichts gib uns heute…. Erlöse uns vom Nichts, denn dein ist das Nichts und das Nichts und das Nichts. Heil dem Nichts voll vom Nichts. Nichts ist mit dir. ’Dieses abgrundtiefe Nichts verspüren ungezählte Menschen unserer Zeit. Der Sinnhorizont ihres Lebens ist leer geworden. Vielleicht haben sie einige Ideen, Ideale und Idole an den Wänden ihres Lebens aufgehängt, zu denen sie aufschauen, die sie verehren, anbeten, vielleicht sogar vergötzen. Aber die Gedanken, Gebete und Beschwörungen, die sie dorthin schicken, fallen wieder auf sie selbst zurück und machen ihr leeres Leben nur noch öder, nur immer sinnloser.“ – Theo Sorg aus „Wenn ihr aber betet“

Im Nebel des Geredes von Werten

Der Begriff des Wertes ist ein außerordentlich gefährlicher und problematischer Begriff. Denn “Wert” ist immer das, was jeweils als Wert gesetzt, als Wert gemeint ist und ist als Wert im Prinzip interpretationsbedürftig. Eine Politik, eine Republik oder auch Europa, das versuchen würde, sich auf Werte zu gründen, würde damit einen Interpretationskampf als die Substanz der Politik um die Auslegung dieser Werte eröffnen. … Die Durchsetzung von Werten ist ein Machtkampf, d.h. der Begriff der Werte ist keineswegs so harmlos, wie wir häufig tun, weil die verantwortlichen Politiker, wenn nicht von Wirtschaft, Wachstum und wissenschaftlicher Rationalität die Rede ist, im düsteren Nebel des Geredes von den Werten versinken. Dann ist alles “Wert”, dann ist die Familie ein Wert, dann ist der Staat ein Wert, dann ist die Kirche ein Wert, dann ist der Glaube ein Wert, dann ist die Moral, die ich bevorzuge, eine abhängige Größe von der Wertpräferenz, die ich getroffen habe. Dieses Auseinanderfallen zwischen einem pragmatisch-rational bewältigbaren Sachbereich der Gesellschaft und das Versinken aller religiösen, moralischen Substanz im Nebel des Wertbegriffs ist die eigentliche tiefere Ursache für die Entwicklung, die unsere Gesellschaft genommen hat.
Günter Rohrmoser, Kann es ohne Christentum Europa überhaupt geben?

http://hanniel.ch/2015/05/09/zitat-der-woche-im-nebel-des-geredes-von-werten/

“Wie heißt du?”

Bibelleser kennen die Begebenheit aus Jakobs Leben, wo er mit Gott ringt und einen Segen verlangt (1. Mose 32). Ravi Zacharias weist auf eine interessante Lektion hin, die dieser Abschnitt enthält. So habe ich das noch nicht gesehen:
Gottes Absicht mit dieser Fragestellung enthält eine Lektion für uns alle, die zu tiefgreifend ist, um sie zu ignorieren. […] Durch seine Bitte um Gottes Segen wird Jakob durch Gottes Frage gezwungen, erneut die Zeit zu durchleben, als er das letzte Mal um einen Segen gebeten hatte, nämlich den, den er seinem Bruder wegnahm.
Als Jakob das letzte Mal nach seinem Namen gefragt wurde, war die Frage von seinem irdischen Vater gekommen. Jakob hatte damals gelogen und gesagt: „Ich bin Esau“, und somit den Segen gestohlen. Jetzt befand er sich nach vielen verschwendeten Jahren, in denen er sich immer ängstlich umdrehen und auf der Hut sein musste, vor einem allwissenden, alles sehenden himmlischen Vater und verlangte wieder nach einem Segen. Jakob verstand voll und ganz den Grund und die Anklage hinter Gottes Frage, und er antwortete: „Ich heiße Jakob.“
„Wohl wahr“, sagte Gott, „und du weißt auch genau, was dein Name bedeutet. Du bist ein doppelzüngiger Mensch, der jeden betrügt, dem er begegnet. Aber nun, da du dein wahres Ich erkennst, kann ich dich verändern, und ich werde ein großes Volk aus dir machen.“
– Ravi Zacharias: Kann man ohne Gott leben?, 2005, S. 187f.

http://christusallein.com/2013/12/02/wie-heisst-du

Gottes Gebote zeigen uns in die eigentliche Wirklichkeit

“Die Gebote Gottes trennen uns nicht von der Wirklichkeit und führen uns in eine geschlossene fromme Gemeinschaft, sondern legen uns die eigentliche Wirklichkeit offen vor Augen. […] Jedes der Gebote Gottes umschreibt einen Teil der Realität und deckt dadurch törichte Vorstellungen auf, um deren Umsetzung zu verhindern. […] Kein Gebot ist von rein religiöser Natur. Es beschreibt vielmehr Form und Funktion der eigentlichen Welt, so wie der Gott der Bibel sie geschaffen hat.” (Middelmann, S. 85)
Was passiert, wenn jemand die Gebote missachtet und gegen sie lebt?
“Es ist gerade so, als ob jemand mit seinem Kopf gegen eine solide Wand hämmert und dabei singt: ,Sie ist nicht da, die Wand, o nein, sie ist – autsch! – nicht da […]” (Edith Schaeffer, S. 10) Wahrheit und Liebe: Was wir von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können.

http://christusallein.com/2012/08/27/was-wir-von-francis-schaeffer-lernen-konnen-7-gottes-gebote-zeigen-uns-in-die-eigentliche-wirklichkeit

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Ein Kennzeichen geistlicher Gesinnung

Wir müssen verstehen, dass der Himmel ein Ort ist, wo wir von all unseren Sorgen vollkommen frei sein werden. Aber erinnere dich daran, dass es für die Gläubigen nicht nur um Freisein von Krankheit, Armut und ähnlichen Sorgen geht. Himmel bedeutet Freiheit von etwas viel schlimmerem als diesen Sorgen – es bedeutet die vollkommene Freiheit von der Sünde und von allen Folgen von Sünde. Ich kann mir nichts ermutigenderes vorstellen als das, denn Christen sind oft enttäuscht davon, dass die Sünde sie immer noch betrifft. Ein Kennzeichen von geistlicher Gesinnung ist es, wenn der Gedanke der völligen Freiheit von Sünde Freude hervorruft. Selbst der demütigste Christ, der ernsthaft über seine Sünde trauert, kann bei solchen Gedanken die Freude genießen. [aus: John Owen, Thinking spiritually, Grace Publications Trust, S.33].

http://christusallein.com/2015/02/20/john-owen-ein-kennzeichen-geistlicher-gesinnung/

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Unterschied zwischen dem Wissen von Tatsachen

Es besteht ein großer Unterschied zwischen dem Wissen von Tatsachen über Gott und dem Vertrauen in Gott. Wir können sehr viel über Gott wissen – über Seinen Charakter, Sein Wort, Seine Verheißungen usw. – doch all dieses Wissen ist ohne Bedeutung, solange wir diese Wahrheiten nicht auf unser Leben anwenden. Georg Müller

http://herold-blog.com/2015/01/26/rick-thomas-georg-muller-ein-zeugnis-echten-glaubens/

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Je unverständlicher eine Information ist, um so mehr wird sie geachtet

Im Jahre 1980 gab es auf einer Universität ein Experiment. Ein Schauspieler wurde beauftragt, einen Vortrag zu halten. Er bekam den Namen Dr. Fuchs und er wurde mit einem eindrucksvollen Lebenslauf ausgestattet. Dieser Vortrag hieß: „Mathematische Spieltheorie und seine Relevanz für ärztliche Fortbildung.“ Diese Rede dauerte eine Stunde und wurde dreimal gehalten; 55 Personen haben sie gehört. Die Zuhörer bestanden aus hoch gebildeten Personen: Sozialarbeiter, Psychologen, Psychiater, Pädagogen, und Abteilungsleiter.
Der Vortrag war kompletter Unsinn. Er bestand aus Auszügen von wissenschaftlichen Zeitschriften, die beliebig zusammengestellt wurden, ergänzt durch unlogische Aussagen und widersprüchliche Behauptungen. Es wurden Worte erfunden, die es nicht gibt. Es gab witzige Anekdoten, die völlig irrelevant waren. Experten wurden willkürlich zitiert, ohne Rücksicht auf den Zusammenhang. Der Schauspieler wusste, dass er Blödsinn redet, aber er sprach mit der Autorität eines Experten. Hinterher gab es eine anonyme Auswertung der Rede. Die Zuhörer meldeten zurück, dass die Rede klar und anregend war. Niemand stellte fest, dass der Vortrag chaotischer Schwachsinn war – aber genau das war er.
Der Forscher, der dieses Experiment durchführte, wollte eine These prüfen. Die These lautet: je unverständlicher eine Information ist, um so mehr wird sie geachtet. Im Laufe seiner Untersuchungen lernte er eine Frau kennen, die einen Artikel für eine wissenschaftliche Zeitschrift mehrmals überarbeitet hatte, um die Informationen möglichst klar und verständlich darzustellen. Danach hat sie den Artikel zur Veröffentlichung abgegeben. Ihr Artikel wurde abgelehnt. Daraufhin schickte sie die erste Fassung, die ihrer Meinung nach völlig unverständlich war. Dieser Artikel wurde veröffentlicht.
Diese Begebenheiten deuten auf eine Eigenart der Welt, in der wir leben. Die Fähigkeit, sich unverständlich auszudrücken, wird überschätzt, und dementsprechend wird das Einfache und das Verständliche unterschätzt. Dieser Vorgang kommt auch in der Kirche vor.