Papst überrascht

Auch wenn man kein Katholik ist, stößt man beim momentanen Papst immer wieder auf interessante Äußerungen. Vor 500 Jahren hätte Franziskus für seine Aufforderung, katholische Laien sollten mehr in der Bibel lesen, bestimmt viel Ärger bekommen. In der Zeit der Reformation war das eine der Hauptkritikpunkte Luthers und seiner Kollegen an der damaligen katholischen Kirche. Zu dieser Zeit war es für den normalen Gläubigen noch verboten alleine, ohne Anleitung durch einen autorisierten Geistlichen, sich mit dem Wort Gottes auseinanderzusetzen. Offiziell wollte man damit Irrlehren durch eine unsachgemäße Bibelauslegung verhindern. Möglicherweise steckten dahinter aber auch die nicht ganz unberechtigten Bedenken, dass einfache Menschen über Differenzen zwischen dem Wort Gottes und der katholischen Dogmatik stolpern könnten.
In den folgenden Jahrhunderten wurden in Deutschland insbesondere die Pietisten und Evangelikalen zu einer regelrechten Bibellese- Bewegung. Man war sich einig, Gott spricht in der Bibel autoritativ und irrtumslos zu den Menschen. Hier teilt er seinen Geschöpfen alles mit, was sie über die Welt, über ihr Leben und über Gott wirklich wissen müssen.
Wie auch immer es in der Vergangenheit gelaufen ist, kann man sich doch nur freuen, wenn der Papst zwischenzeitlich auch etwas „evangelischer“ geworden ist. Obwohl, so ganz unabhängig sollen die Katholiken dann doch nicht in der Bibel lesen. Zur Begleitung empfiehlt er den katholischen Katechismus und „sachgemäße“ Kommentare.
Für die neue, in zwanzig Sprachen erscheinende YOUCAT- Jugendbibel der katholischen Kirche hat Papst Franziskus ein persönliches Vorwort verfasst, das zum eigenen Bibelstudium motivieren soll:
„Also merkt euch: Die Bibel ist nicht dazu da, um in ein Regal gestellt zu werden, sondern um sie zur Hand zu haben, um oft in ihr zu lesen, jeden Tag, sowohl allein als auch gemeinsam. Ihr macht doch auch gemeinsam Sport oder geht gemeinsam shoppen. Warum lest ihr nicht zu zweit, dritt, zu viert gemeinsam in der Bibel? Draußen in der Natur, im Wald, am Strand, abends, im Schein von ein paar Kerzen … Ihr werdet eine gewaltige Erfahrung machen! […]
Lest mit Aufmerksamkeit! Bleibt nicht an der Oberfläche wie bei einem Comic! Das Wort Gottes niemals bloß überfliegen! Fragt euch: ‚Was sagt das meinem Herzen? Spricht Gott durch diese Worte zu mir? Berührt er mich in der Tiefe meiner Sehnsucht? Was muss ich tun?‘
Nur auf diese Weise kann das Wort Gottes Kraft entfalten. Nur so kann sich unser Leben ändern, kann groß und schön werden.
Ich will euch sagen, wie ich in meiner alten Bibel lese! Oft nehme ich sie her, lese ein bisschen darin, dann lege ich sie weg und lasse mich vom Herrn betrachten. Nicht ich betrachte den Herrn, sondern ER betrachtet mich. ER ist ja da. Ich lasse mich von ihm anblicken. Und ich spüre – das ist keine Sentimentalität –, ich spüre zutiefst die Dinge, die der Herr mir sagt. […]
Wollt Ihr mir eine Freude machen? Lest die Bibel! Euer Papst Franziskus“
Leider enthält die neu herausgegebene YOUCAT- Jugendbibel nur eine Auswahl biblischer Texte in der Einheitsübersetzung.

https://www.facebook.com/michael.kotsch.9?fref=ts

Der Gefühlschrist

Was ist ein Gefühlschrist? Er ist jemand, der sich von seinen Gefühlen leiten lässt, anstatt vom Verstehen des Wortes Gottes. Der Gefühlschrist ist nur dann zum Gottesdienst, Gebet oder Bibelstudium zu bewegen, wenn er sich danach fühlt. Sein geistliches Leben ist nie stärker, als seine momentanen Gefühle. Wenn er gerade geistlich „gut drauf“ ist, dann ist er ein Wirbelwind an Glaubensaktivität. Wenn er niedergeschlagen ist, ist er geistlich untätig. Er ist ständig auf der Suche nach neuen geistlichen Erfahrungen und deutet auf deren Grundlage das Wort Gottes. Seine „inneren Gefühle“ werden zum letztendlichen Maßstab für die Wahrheit. […] Der Gefühlschrist geht fröhlich seines Weges, bis er die Mühsal nicht so erfreulicher Probleme zu spüren bekommt und daran zerbricht. Meistens bleibt er dann an einer „Beziehungstheologie“ hängen. Das ist einer der übelsten Flüche der heutigen Christenheit […]
Sproul, Robert, Charles, Der Gefühlschrist, in: Bibelstudium für Einsteiger. Eine Einführung in das Verstehen der Heiligen Schrift, Deutsche Ausgabe, Oerlinghausen 2009, S. 26-27.

http://christusallein.com/2011/10/17/der-gefuhlschrist/

In der Schrift sind weder alle Dinge in sich selbst klar, noch gleich verständlich für jeden

In der Schrift sind weder alle Dinge in sich selbst klar, noch gleich verständlich für jeden; doch sind jene Dinge, die heilsnotwendig sind zu wissen, zu glauben und zu halten, so deutlich vorgestellt und eröffnet an der einen oder anderen Stelle der Schrift, dass nicht nur der Geschulte, sondern auch der Ungeschulte beim rechten Gebrauch der ordentlichen Mittel zu einem ausreichenden Verständnis dessen gelangen kann. – Grosser Westminster Katechismus, aus dem Artikel 1

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Die sechs Männer und der Elefant

Kevin DeYoung, Hauptredner der E21-Konferenz 2016 in Hamburg, kommentiert in seinem Buch Taking God at His Word (das als Gott beim Wort nehmen in diesem Jahr in deutscher Sprache erscheinen wird), die Geschichte von den sechs Männern und dem Elefanten folgendermaßen:

Du hast bestimmt schon einmal die Geschichte von den sechs Männern und dem Elefanten gehört. In der Geschichte stehen sechs Männer um einen Elefanten herum und berühren ihn beim Versuch, herauszufinden, was sie dort gerade fühlen. Ein Mann berührt den Bauch des Elefanten und denkt, es handele sich um eine Wand. Ein anderer ergreift sein Ohr und denkt, es sei ein Fächer. Ein anderer hält seinen Schweif für ein Seil. Und so geht es immer weiter, ohne dass einer der Männer darauf kommt, was sie tatsächlich befühlen. Was ist die Quintessenz dieser Geschichte? Was Gott betrifft, sind wir alle blind. Wir kennen einen Teil von ihm, aber wir wissen nicht wirklich, wer er ist. Niemand ist mehr im Recht als der andere. Stattdessen tappen wir alle im Dunkeln und meinen, wir wüssten mehr, als wir tatsächlich wissen.

Natürlich hat die Analogie zwei große Haken: Zum einen wird die Geschichte aus der Sichtweise von jemandem erzählt, der genau weiß, dass der Elefant ein Elefant ist. Damit die Geschichte überhaupt Sinn macht, muss der Erzähler eine präzise und klare Vorstellung von dem Elefanten haben. Der zweite Haken ist sogar noch fataler: Obwohl die Geschichte eine sehr gute Beschreibung der menschlichen Unfähigkeit, Gott mit unseren begrenzten Fähigkeiten zu kennen, ist, klammert sie die Frage aus, die unser Weltbild so erschüttert, nämlich: Was, wenn der Elefant spricht? Was, wenn er den blinden Männern sagt: „Diese wandähnliche Struktur ist meine Bauchseite. Bei dem Fächer handelt es sich in Wirklichkeit um mein Ohr. Und das ist kein Seil, das ist mein Schwanz.“ Würde man, vorausgesetzt, der Elefant hätte all dies gesagt, den sechs Männern dafür, dass sie seine Aussagen ignoriert haben, Demut bescheinigen?

http://www.evangelium21.net/blog/die-sechs-maenner-und-der-elefant

Aufmerksamkeitskiller Smartphone

Smartphones lenken ab, führen sogar zu schlechteren Leistungen. Dennoch setzen Hochschulen vermehrt auf den Smartphone-Einsatz. Die taz berichtet von einem Professor, der zu drastischen Maßnahmen greift, falls in der Vorlesung so ein digitales Spielzeug zu viel Aufmerksamkeit bekommt:

„Die Generation Studierender, die heute an die Universitäten kommen, sind alle Digital Natives“, sagt Jaroch vom Deutschen Hochschulverband. Die meisten hätten Smartphones. Aber man müsse auch die im Blick haben, die keines besäßen. „Da muss man vorsichtig sein, dass man niemand abhängt.“ Experimentleiter Riedl hält für bedenklicher, dass sie ständig auf ihr Handy blicken müssen: „Sie können gar nicht mehr anders. Das ständige Onlinesein ist eine Sucht.“ Damit konfrontiert er seine Studentinnen und Studenten auch in der Vorlesung. Wer das Gerät nicht freiwillig wegpackt, müsse aufstehen und sagen: „Ich bin Klaus und ich bin süchtig.“ Die Nachricht verstehen die Studierenden sofort.

Ich sollte diesen Ansatz übernehmen!
Hier mehr: www.taz.de.

http://theoblog.de/aufmerksamkeitskiller-smartphone/27049/

Jesus – der alleinige Weg zu Gott?

Christen sind es gewohnt, Antworten auf Fragen zu geben, die keiner stellt. Das ist nicht unser Fehler! Nur weil niemand die Frage stellt, heißt das nicht, dass die Frage nicht wichtig wäre Mal ehrlich: Wollen die Leute überhaupt wissen, ob es einen Weg zu Gott gibt? „Wir haben vergessen, dass wir Gott vergessen haben“. Was zunächst im Blick auf die neuen Bundesländer so festgehalten wurde, gilt zunehmend auch für den Westen der Republik. Für die meisten Menschen ist Gott überhaupt kein Thema mehr. Die atheistische Erziehung und der Machbarkeitswahn der Wohlstandsgesellschaft haben Gott weitestgehend aus dem gesellschaftlichen Diskurs, der Gedankenwelt des Einzelnen und den Herzen der Menschen ausgegrenzt. Weiterlesen

Die Chancen der Flüchtlingskrise erkennen

Einige Sätze aus Center Church Deutsch lesen sich im Licht der gegenwärtigen Flüchtlingskrise wie aus prophetischer Feder geschrieben. Sie lassen erkennen, welche Chancen für das Evangelium sich in der gegenwärtigen Situation bergen. Die Zeilen gelten nicht nur im Blick auf globale Großstädte, sondern sie sind in der westlichen Welt mühelos auch auf städtisches Leben im weiteren Sinn zu beziehen. Keller schreibt:
“Millionen dieser Neuankömmlinge in den aufkeimenden Städten der Welt sind dem christlichen Glauben gegenüber offener, als sie es in ihrer ursprünglichen Umgebung waren. Viele von ihnen wurden aus ihrer familiären und traditionellen Umgebung herausgerissen und haben die engen Familienbande und Stammesverbindungen hinter sich gelassen, die ihnen bisher Halt gaben. Und die meisten Städte in den Entwicklungsländern haben so gut wie keine funktionierende staatliche Hilfe zu bieten. Diese Neuankömmlinge brauchen Unterstützung in den moralischen, wirtschaftlichen, emotionalen und geistlichen Herausforderungen des Stadtlebens. Das ist eine Chance für die Gemeinde, ihnen Unterstützung durch eine Gemeinschaft, eine neue geistliche Familie und die befreiende Botschaft vom Evangelium zu vermitteln.”

https://gottundleben.wordpress.com/2016/01/15/die-chancen-der-fluechtlingskrise-erkennen

David Bowie – der Außerirdische

Als ich vor einigen Tagen erfuhr, dass David Bowie im Kreis seiner engsten Angehörigen im Alter von nur 69 Jahren gestorben ist, überfiel mich große Traurigkeit. Ich habe Bowie nie verehrt und besitze keins seiner 28 Alben. Mein Verhältnis zu Bowie ist eher distanziert, vielleicht, weil einige Freunde, die ich an die Drogen verloren habe, seine Lieder auswendig sangen. Möglicherweise hat mich auch meine Frau beeinflusst. Wenn sie Musik von Bowie hört, sagt sie meist: „Ich kann das nicht hören; Bowie hat eine düstere Ausstrahlung.“
Bowie als Ikone der postmoderne Kunst
Gleichwohl meine ich, dass Bowie ein ungewöhnlich ernsthafter und talentierte Künstler war. Er ist nicht nur eine Ikone postmoderner Kultur, sondern gehört zu denjenigen, die diese Kultur durchdrungen und initiiert haben. Androgynes Auftreten, Verschmelzung von hoher Kunst und Kitsch, Hybridität von Musik und Theater, Stilpluralismus, all das ist bei ihm präsent. Bowie liebte zum Beginn seiner Karriere besonders das Spiel mit disparaten Identitäten. Das „Ich“ schien verflüchtigt. Ich sah einmal ein TV-Interview, da beantwortete Bowie die Aussage eines Journalisten: „Sie ändern ihre Pläne für die Zukunft. Sie werden keine neue Figur entwickeln, sich kein neues Image zulegen; was immer das bedeutet“, mit: „Ich lege mir vielleicht das Image eines Ichs zu. Ich erfinde gerade eine Art Ich.“ Besser ist die Lage vieler Menschen heute kaum zu beschreiben. Image-Design. Weiterlesen

‚Die Zöllner von gestern sind die Pharisäer von heute’

Die Zöllner von gestern sind die Pharisäer von heute! Heute ist es der Zöllner, der alles missachtet; der zu Gott sagt: „Gott, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie diese Pharisäer: die Gläubigen, die Heuchler und die, die intolerant sind; jene, die sich um das Fasten sorgen, im Alltag aber schlimmer sind als wir.“ Es sieht so aus, als gäbe es da auch die, die paradoxerweise so beten: „Ich danke dir, Gott, dass ich ein Atheist bin!“ P. Raniero

Auf der Achterbahn der Seligpreisungen

Viele Menschen finden heute reine Wortbeiträge, Vorträge, politische Reden und auch Predigten langweilig. Ihnen reicht das Wort nicht mehr. Mindestens die Bebilderungsmaschine von Powerpoint muss noch dazu kommen, so als würden die Redner ihren eigenen Worten nicht mehr trauen. Dann projizieren sie die Zerstreuung lieber auf einen Bildschirm. Denn die Augen des Zuhörers lassen sich leicht ablenken. Weiterlesen